Skip to main content
Internet Archive's 25th Anniversary Logo

Full text of "Literaturblatt für germanische und romanische Philologie 3.1882"

See other formats


Google 


Über dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 

Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin¬ 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 


Nutzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nichtsdestotrotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 

Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 


+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-Markenelementen Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 


Über Google Buchsuche 


Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter http : //books . google . com durchsuchen. 


















































































































dteorße JUliomt $c«ch 


©ermantc Xanouages an£> Xtteratures 


|ll«it»pratty of Hjtlicliiamt 

1896 - 1899 . 








































































































Digitized by LjOOQie 


Literaturblatt 

fa, c\Tt>!\ 

^ ■- 

germanische ^ romanische Philologie 


Unter Mitwirkung yon Prof. Dr. Karl Bartsch 


herausgegeben von 


Dr. Otto Behaghel und Dr. Fritz Neumann 

ao. Professor der germanischen Philologie ao. Professor der romanischen Philologie 

an der Universität Heidelberg. an der Universität Freiborg. 


Verantwortlicher Bedactenr: Prof. Dr. Fritz Neumann. 


Dritter Jahrgang. 

1882 . 



üeilbro nn. 

Verlag von Gebr. Henningen 


Digitized by LjOOQie 



Buchdruckerei von G. Otto in Darmstadt. 


Digitized by 


Register. 


I. Verzeichnis der Mitarbeiter des Jahrgangs 1882. 


Baist, Dr. G., io Döckingen bei Heidenheim (Baiern). 
Bartsch, Dr. Karl, Geh. Hofrath n. Professor an der Uni¬ 
versität in Heidelberg. 

Bech, Dr. Fedor, Professor in Zeitz. 

Beohstein, Dr. Beinhold, Professor an der Universität in 
Bostock. 

Be ha*hei, Dr. Otto, Professor a. d. Universität Heidelberg. 
B ran dl, Dr. Alois, Privatdozent a. d. Universität in Wien. 
Brenner, Dr. Oscar, Privatdoz. a. d. Universität in Mönchen. 
Bur dach, Dr. Konrad, in Berlin. 

C i h a c, A. von, in Wiesbaden. 

Cohn, Dr. Georg, Prot a. d. Universität in Heidelberg. 
Dahlerup, Dr. Verner, in Kopenhagen, 
t Edzardi, Dr. Anton, Prof. a. d. Universität in Leipzig. 
Foth^Dr. Karl, Bealschullehrer in Ludwigslust i. M. 
Fulda, Ludwig, in Heidelberg. 

Gail de, Dr. J., Prof, an d. Universität in Utreoht 
Gärtner, Dr. Theodor, Professor in Wien. 

Gaspary, Dr. Adolf, Prof. a. d. Universität in Breslau. 
Heyne, Dr. Moritz, Prof. a. d. Universität in Basel. 
Jarnfk*, Dr. Job. Urban, Prof. a. d. Universität in Prag. 
Jellingbaus, Dr. phil., in Kiel. 

Jönsson, Finnur, in Kopenhagen. 

Kluge, Dr. Friedrich, Privatdozent an der Universität in 
Strassburg i. E. 

Kn5rieh, Dr. Wilhelm, in Wollin i. Pommern. 

Ko oh, Dr. John, in Berlin. 

Koch, Dr. Max, Privatdozent an d. Universität in Marburg- 
Kock, Dr. Axel, in Lund. 

Kögel, Dr. Budolf, Gymnasiallehrer in Leipzig. 

Köhler, Dr. Beinhold, Oberbibliothekar in Weimar. 
Körting. Dr. Gustav, Prof. a. d. Aoademie in Münster. 

Lam bei, Dr. Hans, Privatdozent a. d. Universität in Prag. 
Lamprecht, Dr. pbil., in Berlin. 

Lar8son, Dr. Ludwig, in Lund. 

Lehmann, Dr. phil., in Frankfurt a. M. 

Lieb recht, Dr. Felix, Prof. a. d. Universität in Lüttich, 
v. Loeper, Dr. phfl., Geh. Begierungsrath in Berlin. 
Mahrenholtz, Dr. B., Oberlehrer in Halle a. 8. 

Marold, Dr. phiL Karl, Gymnasiallehrer in Königsberg. 
Minor, Dr. Jakob, Professor in Mailand. 

Mogk, Dr. BL, in Leipzig. 


Morf, Dr. H., Prof. a. d. Universität in Bern. 

Muncker, Dr. Franz, Privatdozent an der Universität in 
München. 

Mussafia, Dr. Adolf, Prof. a. d. Universität in Wien. 

N eu man n, Dr. Fritz, Prof. a. d. Universität in Freiburg i. B. 
Nyrop, Dr. Krist., in Kopenhagen. 

Ott mann, Dr. H., in Weilburg a. d. Lahn. 

Pf aff, Dr. Friedrich, Bibliotheksassistent in Freiburg i. B. 
Pietsch, Dr. P., Privatdozent an d. Universität in Kiel. 
Prösoholdt, Dr. Ludwig, in Homburg v. d. H. 
Beinhardstoettner, Dr. Karl v., Professor a. d.polyteohn. 

Hochschule in Münohen. 

Sachs, Dr. Karl, Professor in Brandenburg, 
v. S a 11 w ü r k, Dr. E., Oberschulrath in Karlsruhe. 
Scartazzini, Dr. J. A., Kirchenrath in Soglio in Grau¬ 
bünden. 

Sohröer, Dr. BL J., Prof. a. d. polyt. Hochschule in Wien. 

! 8ohroeter, Dr. Adalbert, Bealschullehrer in Hannover, 
i Settegast, Dr. Franz, Prof. a. d. Universität in Zürich. 
Sievers, Dr. Eduard, Prof. a. d. Universität in Jena. 
Sittl, Dr. Karl, in München. 

Söderwall, Dr., Prof, an der Universität Lund. 

. Sprenger, Dr., Bealschullehrer in Northeim. 

' Stengel, Dr. Edmund, Prof. a. d. Universität in Marburg. 

{ Stiefel, Dr. phil., in Nürnberg. 

| Suchier, Dr. Hermann, Prof. a. d. Universität in Halle. 

Symons, Dr. B-, Prof. a. d- Universität in Groningen. 

• Tobler, Dr. Adolf, Prof, an der Universität in Berlin. 

Toi8 oh er, Dr. W., Gymnasiallehrer in Wien. 

Tomanetz, Dr. Karl, in Znaim. 

Tümpel, Dr. W., in Hamburg. 

U1 b r i c h , Dr. Oscar, in Berlin. 

, Vising, Dr. Johan, Privatdoz. a. d. Universität in Upsala. 
Vogt, Dr. Fr., Privatdozent und Bibliothekar a. d. Univer¬ 
sität in Greifswald. 

Wegen er, Dr. Philipp, Gymnasiallehrer in Magdeburg. 
Wein hold, Dr. Karl, Prof, an der Universität in Breslau. 

I Wen dt, Dr. G., Gymnasialdirector und Oberschulrath in 
i Karlsruhe. 

Willenberg, Dr. G., in Spremberg. 

Wilmanns, Dr. W., Professor a. d. Universität in Bonn. 
Wissmann, Dr. Theodor, in Wiesbaden. 


Digitized by LjOOQie 



1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. (Register.) 


vni 


vn 


n. Alphabetisches Verzeichniss der besprochenen Werke. 

(Ein • bedeutet, dass das betr. Werk in der Bibliographie kurz besprochen wurde.) 


A g r i p af Noregs konunga sögum. Yed Y. Dahlerup (Bren¬ 
ner) 49. 

Albrecht, die Leipziger Mundart (Kögel) 14. 

Alton, pro ▼ er bi, tradizioni etc. delle valli ladine (Gärtner) 
108. 

Antona-Traversi, Giov. Boooacoio (Körting) 71. 

•Archivio paleografico italiano da E. Monaci (N e u m a n n) 478. 

♦Aristoteles Heimlichkeit hrsg. von Toischer (Be¬ 
haghel) 325. 

Ardizzone, della lingua in cui composero i poeti siciliani 
(Gaspary) 356. 

Armand de Bourbon, Traitö de la Gomedie ed. Voll¬ 
möller (Lamprecht) 234. 

Asher, Gber den Unterricht in den neuern Sprachen (▼. 
8all würk) 152. 

Avolio, introduzione allo Studio del Dialetto Siciliano (Gas¬ 
pary) 474. 

Bahrs, Gebrauch der Anredepronomina im Altenglisohen 
(Foth) 101. 

♦Balari y Jovany, Oracion inaugural etc. (Baist) 481. 

Bale’s Comedy concernynge thre Läwes ed. Schröer (Wise¬ 
in an n) 847. 

Bartoli, crestomazia della poesia italiana (Mussafia) 275. 

Bartsch, der Nibelunge Nöt. Wrtb. (Symons) 8. 

-Romantiker in Heidelberg (Minor) 132. 

Bast in, grammaire historique de la langue frangaise (Nf- 
rop) 139. 

Baumgartner, Joest van den Yondel (Minor) 455. 

Bech, Absohleifung des deutschen Partioipium Praes. (Be¬ 
haghel) 413. 

Benedetti, Stato della Commedia italiana nel cinqueoento 
(Stiefel) 26. 

Bennewitz, Chaucers Sir Tbopas (Koch) 226. 

Bethge, Wirnt v. Gravenberg (Sprenger) 96. 

Bibliothek älterer Schriftwerke der deutschen Schweiz etc. 
Bd. I—III (Minor) 340. 

Bosworth-Toller,an anglo-sazon Dictionary (Kluge) 386. 

Braun, Schiller und Goethe im Urtheile ihrer Zeitgenossen 
(L am bei) 456. 

Brinkmeier, die provenzalisohen Troubadours (Neu- 
mann) 308. 

Bugge, Studier over de nordiske Gude- og Heltesagens 
Oprindelse; u. deutsche Uebersetzung von Brenner (Ed- 
zardi) 1. 125. 

Bulthaupt, Dramaturgie der Klassiker (Wendt) 136. 

Buttmann, Schillers Braut von Messina (Wendt) 385. 

Canello, Storia della letter. ita). nel s. XYI (Körting) 22. 

Carducci, la poesia barb. nei s. XV u. XVI. (Gaspary) 18 . 

Chaucer, Minor Poems (LYELL LIX. LX. LXI der Chauoer 
Society) ed. Furnivall (Koch) 224. 

Chronik des Bickenklosters zu Villingen hrsg. von Glatz 
(Sprenger) 345. 

Chroniken, deutsohe, aus Böhmen hrsg. v. 8chlesinger. 1. 
(Lam bei) 54. 

Ciampolini, un poema eroico nella prima metä del cin¬ 
queoento (Gaspary) 434. 

C1 a u d i n, Andquitös typographiques de la France (8 u c h i e r) 
144. 

Codex Teplensis, der (Pietsch) 343. 

DeVenvsla deesse d’amor hg. v. W. Foerster (B a r t s c h) 307. 

Dietrioh, Wiederholungen in den altfr. Chansons de geste 
(Settegast) 228. 

♦Diez, Grammatik d. romanisob. Sprachen (Neumann) 158. 

-Leben u. Werke der Troubadours, ed. Bartsch (Neu- 

mann) 308. 

Dozy, littör. de l'Espagne pendant le moyen äge (Baist)398. 

Edda 8norra Strurlusonar (F. Jonsson) 89. 

Elis Saga ok Rosamundu hrsg. v. Kölbing (Mogk) 337. 

Engel, Geschichte der franz. Literatur (Sachs) 471. 

Erl of Tolous, the, and the Emperes of Almayn hrsg. v. 
Lfldtke (Wi88mann) 179. 

Eyssenhardt, Römisch und Romanisch (Sittl) 388. 


Fiebiger, E., Ueber die Sprache der Chevalerie d’Ogier 
(Stengel) 272. 

Finamore, tradizioni popolari abruzzesi (Köhler) 320. 

Foerster, de Yenvs la deesse d’amour (Bartsch) 307. 

Foth, frans, und engl. Leotüre als Unterrichtsgegenstand, 
(v. Sallwürk) 282. 

Frank, Zur Satyre Menippöe (Körting) 18. 

Frauer, Nhd. Grammatik (Kögel) 458. 

Frischbier, preussisches Wörterbuch (Marold) 257. 

Gaedertz, Gabriel Rollenhagen (Beohstein) 217. 

G a 1 an t i, Lettera XXXYI e lettera I della 2* Serie su Dante 
(Scartaz zini) 436. 

Gärel von dem bittenden Tal, v. M. Walz (Bech) 11. 

Gilman, the works of Chaucer (Koch) 226. 

Girart v. Rossilho, hrsg. von Foerster, Stürzinger und 
Apfelstedt (Bartsch) 397. 

Goethe’s Faust, hrsg. v. Öchröer (v. Loeper) 419. 

-, ein Fragment hrsg. v. Holland (8chröer) 222. 

-hrsg. v. Seuffert (Sohröer) 222. 

Götzinger, Reallexikon d. dtsoh. AlterthQmer (Heyne) 300. 

Graevel 1, Charakteristik der Personen im RolandsL (01 1 - 
mann) 392. 

Gregors Predigten über Ezechiel, altburg. Uebersetzung 
hrsg. v. Hofmann (Mussafia) 103. 

Gröbedinkel, Versbau bei Desportes u. Malherbe (Ulb- 
rich) 64. 

Gubernatis. annuario della letteratura italiana (Nen- 
mann) 277. 

Haase, Gebrauch des Conj. bei Joinville(Wi 11 enberg)470. 

Hahn8 ahd. Grammatik. 5. Aufl. (Behaghel) 213. 

Hallbauer, George Farquhar’s life and Works (Foth) 102. 

Hall er's Gedichte hrsg. v. Hirzel (Minor) 340. 

Hartmann v. Aue, Gregorius und A. Heinrich ed. Paul. 
(Toischer) 453. 

Hättatal Snorra Sturlusonar hrsg. v. Möbius (Symons)253. 

Ha weis, Chaucer for scbools (Ko oh) 226. 

Heintze, die deutschen Familiennamen (Pietsch) 414, 

Heinzerling, Namen der Thiere in der siegerl. Mundart 
(Wegen er) 13. 

♦Heliand, hrsg. v. Heyne (Behaghel) 480. 

Helten, van, Yondels taal (Behaghel) 256. * 

Hendrych, die aus d. lat Wurzel fao entst. franz.Wörter 
(Morf) 390. 

Henning, das deutsche Haus (Weinhold) 409. 

Hi eck es deutsches Lesebuch (Kögel) 458. 

Hof mann, altburgundische Uebers. der Predigten Gregors 
über Ezechiel (Mussafia) 103. 

Hofmann-Wellenhof,, Michael Denis (Koch) 60. 

Horowitz, Lehrgang zur Erlernung der span. Sprache. 
(Lehmann) 280. 

Hugo v. Montfort hrsg. v. Wackernell (Brand 1) 92. 

Jahrbuch des Vereins f. niederdeutsche Sprachforschung 
VI (Sprenger) 178. 

♦Jean Moniot, Poösies p. p. Raynaud (Neumann) 482. 

Jehan de Tuim, Julius Cesar (Mussafia) 62. 

Joret, le patois norm, du Bessin (Suchier) 463. 

Joseph v. Arimathia, Prosaroman ed. Weidner(Bartsoh) 
350. 

♦Kares, Poesie und Moral im Wortschatz etc. (Kluge) 439. 

Klapperioh, syntakt. Verhältnisse der Bedingungssätze im 
Altfr. (Settegast) 355. 

Klinger, Otto hrsg. v. 8euffert (Minor) 97. 

Klint, Chaucers Transl.'of the Romaunt of the Rose (K o o h). 
226. 

Klopstocks Wingolf, hrsg. v. Pawel (Muncker) 219. 

♦Kluge, etymologisches Wörterbuch der deutschen Spraohe 
(Behaghel) 365. 

Koch, ausgew. kleinere Dichtungen Chaucers (Koch) 225. 

♦Köhler, mhd. Laut- u. Flexionslehre (Behaghel) 440. 

Körting, Bemerkungen über das Studium der neueren 
Sprachen (v. Sallwürk) }52. 

Kossinna, die ältesten hochfränkischen Sprachdenkmäler 
(Kögel) 299. 


Digitized by LjOOQie 



EX 


1882. Literaturblatt für germanische und romanisohe Philologie. (Register). 


X 


Krüger, Hans Clawerts werokliche Historien (Sprenger) 260. 

Kühn, Methode des frz. Unterrichts (v. Sallwürk) 288. 

Landau-Antona Traversi, Giovanni Boccaccio (Kör- 
ting) 71. 

Leopold, van de Sohelde tot de Weichsel (Wegener) 99. 

L e v y, Paalet de Marseille (81 e n g e 1) 396. 

Lind, om rim och verslemningar i de svenska landskaps- 
lagarne (Kooh) 91. 

Lind ner, Grundr. der Laut- u. Flexionsanalyse der neufr. 
Schriftsprache (Nyropj 139. 

Litteraturdenkmftler, deutsohe, des 18. Jahrhs. hrsg. 
v. Seuffert (Minor) 97. 

Löffler, Casus im Neufranzösischen (Foth) 67. 

-Article partitif (Foth) 67. 

Löning, Reinigungseid bei Ungerichtsklagen (Cohn) 61. 

Lohmefer, zur Etymologie deutsch. Flussnamen (J el 1 i n g - 

. h aus) 175. 

L ü b b e n, mittelniederdeutsche Grammatik (Tümpel) 215. 

L u o h a i r e, textes de l’anoien dialecte Gascon (N e u m a n n) 69. 

Lüdtke, The erl of Tolous and the Emperes of Almayn. 
(Wissmann) 179. 

Lutwins Adam und Eva ed. Hof mann u. Meyer (8prenger) 
259. 

Mahrenboltz, Moliöre’s Leben u. Werke (Knörich) 141. 

Mandalari, Canti del popolo Reggino (Gaspary) 108. 

Marold, die gotischen Conjunctionen, welche ovv und yaq 
vertreten (Tomanetz) 1. 

Maurer, die Wasserweihe des germanischen .Heidenthums 
(Cohn) 132. 

*M a r t i n, die Meistersftnger v. Strassburg (B e h a g h e 1) 326. 

Meiklejohn, Prologue to the Canterbury Tales (Koch) 226. 

Meister Ingold, das goldene Spiel hrsg. von Schröder 
(Bech) 342. 

Menge, Kaiserthum und Kaiser bei den Minnesängern 
(Pfaff) 269. 

Merwart, Verbal fl. in den QLR. (Mussafia) 233. 

*Meyer- Markau, der Parzival Wolframs v. Esohenbaoh. 
(Behaghel) 79. 

Miklosich, zur Lautlehre der rumänischen Dialeote (v. Ci- 
hac) 110. 

-Rumänische Untersuchungen (Jarnik) 146. 

Moliöre, Oeuvres complötes p. Moland I. (Knörich) 193. 

Moliöriste, Nr. 36—43 (Mahrenholtz) 273, 362, 438.1 

Morel-Fatio, catalogue des Mss. espagnols (Baist) 279. 

-Calderon (Baist) 195. 

Mühlefeld, Bild, des Nomen Aktionis im Französ. (Wil¬ 
lenberg) 432. 

Müller, Fausts Leben hrsg. v. Seuffert (Minor) 97. 

Müller, Lessing und seine Stellung zum Christenthum 
(Muncker) 264. 

Müller, Goethes Iphigenie (Wendt) 346. 

Nib-elunge Nöt, hrsg. v. Bartsch (Symons) 8. 

N y r o p, Sagnet om Odysseus og Polyphein (L i e b r e c h t) 29. 

-Sprogets vilde skud (Behaghel) 422. 

Osthoff, d. Tiefstufe im indogerm. Vokalismus (Kluge) 373. 

Otfrids Evangelienbuch hrsg. 1) von Erdmann. 2) von Piper 
3) Textabdruck von Erdmann (Behaghel) 375. 

Pannier, die Minnesänger (Schroeter) 51. 

Paris, Phonötique frang. I: o fermö (Neumann) 466. 

Paul, altd. Textbibliothek 2. 3. (T o i 8 c h e r) 453. 

Paul et de Marseille ed. Levy (Stengel) 396. 

Pawel, Klopstocks Wingolf (Muncker) 219. 

Pfister, Chattische Stammeskunde (Pietsch) 303. 

Pio, Fransk Sproglaere til Skolebrug (Nyrop) 139. 

Piper, zu Otfrid (Behaghel) 375. 

Pirig, über die sog. jüngere Judith (Vogt) 173. 

Poesia, la, Barbara nei Secoli XV e XVI a. c. di G. Car- 
ducoi (Gaspary) 18. 

Pr öl s s, das neuere Drama in Frankreich (Mahrenholtz) 
189. 

Puls, Lautlehre der Lieder Musoatblüts (Behaghel) 97. 


Puymaigre, Romauceiro (Liebrecht) 357. 

— — chants populaires, ree. dans le pays messin (Lieb- 
recht (357. 

Quousque tandem, der Sprachunterricht muss umkebren 
(Stengel) 237. 

R ecu eil des motets frangais etc. ,p. p. G. Raynaud (Mus¬ 
safia) 185. 

Ribeiro, Grammatica portugueza (Reinhardstöttner) 
197. 

R i o h t e r, aus der Messias- u. Werthbrzeit (Minor) 386. 

Roeth, Ausfall d. intervoc. d im Norm. (Settegast) 433. 

R o 8 e, Metrik der Chronik Fantosme’s (V i s i n g) 352. 

Rossberg, Deutsohe Lehnwörter (Pietsch) 57. 

Saohse, das Leben des Troubadours Wilhelm von Poitou 
(Bartsch) 473. 

Scheffer-Boiohorst, aus Dantes Verbannung (Kör¬ 
ting) 309. 

Schipper, englische Metrik (W i s 8 m a n n) 133. 

Sohröder, das Anegenge (Bartsch) 129. 

Schweitzer, Moliöre-Museum 4 (Mahrenholtz) 394. 

Shakespeare’s Hamlet ed. Elze (Proescho 1 dt) 423. 

Soennecken, deutsches Schriftwesen (Behaghel) 258. 

Speculum regale hrsg. v. Brenner (Larsson) 169. 

Spohn, Conjunctiv im Altfranzösischen (Foth) 432. 

Stengel, Ziele und Wege des Unterrichts in den neueren 
Sprachen (v. Sallwürk) 152. 

-Zulassung der Realschulabiturienten zum Studium der 

rom. u. engl. Phil. (v. Sallwürk) 152. 

81 o r m, englische Philologie (S i e v e r s) 266. 

Thomas, recherohes sur l’entröe de Spagne. (81 e n g e 1) 429. 

Thurneysen, das Verb ötre und die französ. Conjugation 
(Suchier) 271. 

Turpini Historia Karoli Magni et Rotholandi. P. F. 
Castets (Stengel) 102. 

Uhlemann, die agn. Vie de seint Auban (Suchier) 15. 

Ulrich von Winterstetten hrsgeg. von Minor (Bur- 
daoh) 451. 

Vi8io Tnugdali hrsg. v. Wagner (8 pr eng er) 449. 

Völcker, Register zu W. v. Maltzahns dtsoh. Bücherschatz 
(Muncker) 174. 

Wagner, Voltaire am Abend seiner Apotheose hrsg. von 
Seuffert (Minor) 97. 

Waldberg, Leasings Stil (Fulda) 265. 

Walther v. d. Vogelweide, Gedichte, hrsg. v. Paul (Wil¬ 
ma nns) 297. 

-Ausgew. Gediohte.v. Hornemann (Pietsch) 171. 

Ward, Chauoer (Koch) 226. 

Wendeburg, Gottfried von Monmouth’s Hist, regum Bri- 
tanniae, afr. (Suchier) 107. 

Werner, Lessings Emilia Galotti (Wendt) 382. 

Willoughby, the Prol. to the Canterbury Tales (Koch) 226. 

Wilmanns, Leben Walthers v. d. Vogelweide (Schroe¬ 
ter) 379. 

W ö 1 f f 1 i n, Gemination im Lateinischen (8 i 111) 462. 

-allitter. Verbind, der lat. Sprache (8 i 111) 427. 

Woeste, westfäl. Wörterbuoh (Behaghel) 455. 

Wolterstorff, das Perf. der 2. sw. Conjugation im Altfr. 
(Mussafia) 230. 

Woods, Cbaucer’s Influence upon King James I as Poet 
(Koch) 226. 

Wüloker, Kleinere ags. Dichtungen (Wissmann) 271. 

Zahn, Cyprian v. Antiochien und die deutsohe Faustsage 
(S c h r ö e r) 261. 

Z e u n e r, die Sprache des kent. Psalters (8 i e v e r s) 461. 

Ziemer, junggrammatische Streifzüge (B e h a g h e 1) 121. 

Zolling, H. v. Kleist in der Schweiz (Minor) 306 

Zupitza, Varianten zu Chaucer etc. (K.ooh) 225. 


Digitized by LjOOQie 



XI 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. (Register). 


xn 


III. Sachlich geordnetes Verzeichnis der besprochenen Werke, 


A. Allgemeine Literatur- und Culturgeschichte. 

Pro Iss, Geschichte des neuern Dramas II. 1. (M ähren- 

holtz) 189._ 


Nyrop, Sagnet om Odysseus og Polyphom (Liebreoht)29. 
Zahn, Cyprian von Antioohien und die deutsche Faustsage 

(8 c h r ö e r) 261. 

Visio Tnugdali hrsg. v. Wagner (Sprenger) 449. 


Kares, Poesie und Moral im Wortschatz (Kluge) 439. 


B. Sprachwissenschaft und indogermanische 
Grammatik. 

Ziemer, j ungrammatische 8treifzücro (Behaghel) 121. 

Ost ho ff, d. Tiefstufe im indogerm. Vokalismus (Kluge) 373. 


C. Germanische Philologie (excl. Englisch). 
Menge, Kaiserthum u. Kaiser b. d. Minnesängern (P f af f) 259. 


Gotzing er, Reullexioon d. deutsch. Alterthümer (Heyne) 

300. 

Henning, das deutsche Haus (W e i n h o 1 d) 409. 
Pfister, chattische Stammeskunde (Pietsch) 303. 


Maurer, die Wasserweihe des germanischen Heidenthnms 

(Cohn) 132. 

Lön ing, Reinigungseid bei Ungeriohtsklagen (Cohn) 61. 


Soennecken, das deutsche Sohriftwesen (Beh aghe 1) 257. 


Die einzelnen Sprachen und Literaturen . 

Gotisch: 1 

Marold, die gotischen Conjunctionen, welohe ouv u. yaQ ver¬ 
treten (Torna netz) 1. 


Scandinavisch. 

R u g g e, Studien over de nordiske Gude- og Heltesagns Oprin- 
delse, u. dtsoho UÜbersetzung v. Brenner (Edsardi) 1,125. 


Agrip af Noregs konunga sögum. Ved Yerner Dahlerap. 

(Brenner) 49. 

Edda Snorra Sturlnsonar (Finnur Jönsson) 89. 

Elia Saga ok Kosamnndu hrsg. y. Kolbing (Mogk) 337. 

H a 11 a t a 1 Snorra Sturlusonar hrsg. y. Möbius (8 y m o n s) 253. 
Speculum regale, hrsg. y. Brenner (Larsson) 169. 


Lind, om rim och Yerslemningar i de SYenska landskaps- 

lagarno (Kock) 91. 

Nyrop, Sprogets vild 6 skud (Behaghel) 425. 


Hochdeutsch. 

V ö 1 c k e r, Register zu W. v. Maltzahns dtsoh. Bücherschatz 

(Muncker) 174. 

*M ar tin, die Meistersänger von Strassburg (B ehaghel »326. 
Richter, aus der Messias u. Wertherzeit (Minor) 386. 
Bulthaupt, Dramaturgie der Klassiker (Wendt) 130. 
Bartsch, Romantiker in Heidelberg (Minor) 132. 


Bibliothek älterer Schriftwerke der deutschen Schweiz etc. 

(M inor) 340. 

Paunior, die Minnesänger (S ehr o et er) 51. 

Deutsche Chroniken ans Böhmen hrsg. von Schlesinger 

(L a m b e 1) 54. 

Deutsche L i 11 e ra tu r d en kmäl er des 18. Jahrhunderts 
hrsg. v. Seuffert (Minor) 97. 

Hiecke’s deutsches Lesebuch (Kögel) 458. 


Schröder, das Anegenge (Bart 8 oh) 129. 

•Aristoteles Heimlichkeit herausgeg. v. Toischer (B e - 

h aghel) 325. 

Gärel von dom hütenden Tal hrsg. v. M. Walz (Be oh) 11. 
Hart.mann von Aae, Gregorius u. A. Heinrich ed. Pani 

(Toischer) 453. 

Hugo y. Montfort hrsg. v. Weckern eil (Br an dl) 92. 


Pirig, Aber die sogen, jüngere Judith (Yogt) 173. 

Lutwins Adam u. Eva ed. Hofmann u. Meyer (Sprenger) 
259. 

Meister Ingold, das goldene Spiel hrsg. von 8chröder 
(Beoh) 342. 

Der Nibelunge Nöt, hrsg. v. Bartseh. II. 2. Wörterbuch. 
(8 ymons) 8. 

Piper, zu Otfrid (Behaghel) 375. 

Otfrjds Evangelienbuch hrsg. 1) von Erdmann, 2) von Piper, 
3) Textabdruck von Erdmann (Behaghel) 375. 

Ulrioh y. Winterstetten hrsg. v. Minor (Burdaoh) 451. 

Walther v. d. Yogelweide, ausgew. Gedichte v. Horne- 
mann (P i e t s c h) 171. 

Paul, die Gedichte Walthers v. d. Yogelweide (Wil¬ 
ma n n s) 297. 

Wilmanns, Leben Walther* von der Yogelweide 
(Sohroeter) 379. 

Bethge, Wirnt von Gravenberg (Sprenger) 96. 

♦Mey er-Mar kan, der l'arzival Wolframs (Be¬ 
haghel) 79. _ 


Chronik des Biokenklo sters zu Yillingen ed. Glatz 
(Sprenger) 345. 

Der Codex Teplensis (Pietsch) 343. 

Ho ff mann-Wellen hoff, Michael Denis (Koch) 60. 
Goethes Faust ein Fragment 1) hrsg. v. Holland; 2) hrsg. 
y. Seuffert (Sohröer) 222. 

Faust von Goethe hrsg. v. 8chröer (Loeper) 419. 
Müller, Goethes Iphigenie (Wendt) 346. 

Zolling, H. y. Kleist in der Schweiz (Minor) 306. 
Klopstooks Wingolf, Ausgabe von Pawel (Muncker) 219. 
K r ü g e r, Hans Clawerts werckliche Historien (Sprenger) 260. 
Müller, Lessing and seine Stellung zum Christenthum 
(Muncker) 264. 

Waldberg, Lessings Stil (Fulda) 265. 

Werner, Leasings Emilia Galotti (Wendt) 382. 
Gaedertz, Gabriel Rollenhagen (Bechstein) 217. 
Buttmann, Schillers Braut von Messina (Wendt) 385. 
Braun, Schiller u. Goethe im Urtheile ihrer Zeitgenossen 
(L a m b e 1) 456. _ 


Hahns ahd. Grammatik (Behaghel) 213. 

Kossinna, die ältesten hoch fränkischen Sprachdenkmäler 
(Kögel) 299. 

♦Köhler, mhd. Laut- u. Flexionslehre (B e h a g h e 1) 440.' 
Puls, Lautlehre d. Lieder Musoatblüts (Behaghel) 97. 
Fr au er. nhd. Grammatik (Kögel) 458. 

Be eh, Abschleifung des deutschen Particip. Praes. (Be¬ 
haghel) 413._ 


Alb recht, Leipziger Mundart (Kögel) 14. 

♦Kluge, etymol. Wörterbuch der deutschen 3prache (Be¬ 
haghel) 365. 

RosBberg, deutsche Lehnwörter (Pietsch) 56. 

Heintze, die deutschen Familiennamen (Pietsoh) 414. 
Lohmeyer, zur Etymologie deutscher Flussnamen (Jel- 
linghaus) 175._ 


Niederdeutsch. 

Jahrbuoh des Vereins f. niederdeutsche Sprachforschung 
VI. (8 p r e n g e r) 178. 

♦Heliand, hrsg. v. Heyne (Behaghel) 480. 
Baumgartner, Joest v. d. Vondel (Minor) 455. 
y. Helten, Yondels taal (Beh aghel) 256. 

Leopold, Yan de Schelde tot de Weichsel (W e g e n e r) 99. 

Lübben, mittelniederdeutsche Grammatik (Tümpel) 215. 


Woeste, westfälisches Wörterbuch (Behaghel) 455. 
Frisehbier, preussisebes Wörterbuch (Marold) 257. 
Heinzerling, Namen der wirbellosen Thiere in der siegerl. 
Mundart (Wegener) 13. 


D. Englische Philologie. 
Storm, englische Philologie (Sievers) 266. 


Digitized by LjOOQie 




xm 


1882. Literaturblatt für germaniscbe und romanische Philologie. (Register.) 


XIV 


Wülcker, kleinere *gs. Dichtungen (Wissmann) 271. 

Bale’s Comedy concemynge thre lawes ed. Sohröer (Wiss- 
m ann) 847. 

Die Ch a uc er - Literatur aus den Jahren 1880—81 (John 
Koch) 224. 

Lüdtke, The Erl ofTolous and the Emperes of Almayn 
(W iss mann) 179. 

Hallbauor, George Farquhar’s Hfe and works(Fotb) 102. 

Shakespeare s Tragedy of Hamlet ed. Elze (Proe- 
scholdt) 428. 

Zeuner, Sprache des kentischen Psalters (Sievers) 461. 

Bahrs, Gebrauch der Anredepronomina im Altenglischen 
(Foth) 101. _ 


Schipper, englische Metrik (W iss mann) 133. 


Bos worth-Toller, an anglo-saxon Dictionary (Kluge) 386. 


E. Romanische Philologie. 

•Diez, Grammatik der rom. Sprachen (Neumann) 168. 
EysBenhardt, Römisch u. Romanisch (8ittl) 388. 
Wölfflin, allitter. Verbindungen der lateinischen Sprache 
(Sittl) 427. 

-Gemination im Lateinischen (Sittl) 462. 


Die einzelnen Sprachen und Literaturen . 
Italienisch. 

de Gubernatis, annuario della letteratura italiana (Neu- 
mann) 277. 

Canello, Storia della lett. ital. nel s. XVI. (Körting) 22. 
Benedetti, della Commedia italiana nel cinqueoento 
(Stiefel) 26. _ 


B a r t o 1 i, crestomazia della poesia italiana (M u s 8 a f i a) 275. 


Landau, Giovanni Bocoaooio. Traduzione di 0. Antona- 
Traversi (Körting) 71. 

Soheffer-Boiohorst, aus Dantes Verbannung (Kör* 
ting) 809. ‘ 1 

Galanti, Lettera XXXVI e lettera I della 2* Serie su 
Dante (Scartazzini) 436. 

Ciampolini, un poema eroico uella prima metä del Cin¬ 
quecento (Gaspary) 434. 

La Poesia barbara nei s. XV e XVI a oura di G. Car- 
duooi (Gaspary) 18. 


Finamore, tradizioni popolari abruzzesi (Köhler) 820. 
Mandalari, Canti del popolo Reggino (Gaspary) 108. 


Avolio, introduzione allo Studio del Dialetto siciliano 
(Gaspary) 474. 

Ardizsone, Della lingua in cui oomposero i poetisioiliani 
del s. XIII (Gaspary) 856. 


•Archivio paleografico italiano dir. da Monaoi (Neumann) 
47a 


Ladiniscb. 

Alton, proverbi, tradizioni ed anneddod delle valli ladine 
(Gärtner) 108. __ 


Rumänisch. 

Miklosich, zur Lautlehre der rumunischen Dialeote (Oi- 
hac) 110. 

-rumunisohe Untersuchungen (Jarnik) 146. 


Französisch. 

Engel, Geschichte der franz. Literatur (Saohs) 471. 

Pr öl s s, das neuere Drama in Frankreich (Mahrenholtz) 
189. 

Claudin, Antiquitös typograph. de la France (Suchier) 144. 
Dietrich, die Wiederholungen in den altfrans. Chansons 
de geste (Settegast) 228. 


Raynaud, Reoueil de motets frangais des XII* et Xm« 
siede« (Mussafia) 186. 


Puymaigre, chants pop. rec. dans le pays messin (Lieb- 
recht) 857. _ 


Armand de Bourbon, Traitö de la comedie et des speo- 
tacles hrsg. v. Vollraöller (Lampreoht) 284. 

Uhlemann, die agn. Vie de geint Auban (Suchier) 15. 

Gröbedinkel, Versbau bei Desportes u. Malherbe. 
(Ulbrich) 64. 

De Venvs la deesse d’amour hrsg. v. W. Foerster (Bartsch) 
807. 

Thomas, reoherebes sur l’entröe de Spagne (Stengel) 
429. 

Rose, die Metrik der Chronik Fantosme’s (Vising) 352. 

Wendeburg, die Bearbeitung von Gotfrid v. Mon- 
mouths Historia regum Britanniae in Hs. Br. Mus. Harl. 
1606 (8uohier) 107. 

Altburgundische Uebersetzung der Predigten Gregors über 
Ezechiel hrsg, v. K. Hofmann (Mussafia) 103. 

Johan de Tuim, Li hystorede JtiliusCesar (Mussafia)62. 

•Jean Moniot, Poesies inödites p. p. Raynaud (Neu¬ 
mann) 482. 

Der Prosaroman von Joseph von Arimathia hrsg. von 
Weidner (Bartsch) 350. 

Frank, zur Satyre Menippöe (Körting) 18. 

Mahrenholtz, Moliöre*8 Leben u. Werke (Knörioh) 141. 

Oeuvres complötes de Moliöre p. p. Moland II. (Knö¬ 
rioh) 193. 

Le Moliöriste 36—48 (Mahrenholtz) 273. 362. 438. 

Schweitzer, Moliöre-Museum 4 (Mahrenholtz) 395. 

Fiebi&er, über die Sprache der Cbevalerie d’Ogier des 
Raimbert v. Paris (8tengel) 272. 

Graevell, Charakter, der Personen im Roland (Ott- 
mann) 392. v 

Turpini Historia Karoli Magni et Rotbolandi p. Castets 
(Stengel) 102. _ 


Ro86j, die Metrik der Chronik Fantosme’s (Vising) 352. 
Groebedinkel, Versbau bei Desportos u. Malherbe (U1 b- 
rieb) 64. _ 


Bast in, gram, historique de la langue frangaise (Nyrop) 189. 
Lindner, Grundriss der Laut- und Flexionslehre der nfr. 

Schriftsprache (Nyrop) 139. 

Pio, Fransk Sproglesre til Skolebrug (Nyrop) 189. 

Joret, Le patois normand du Bessin (Suohier) 463. 

F i e b i g e r, üb. die Spraohe d. Chevalerie d’Ogier (Stengel) 
272. 

Paris, Pbonötique frangaise o fermö (Neumann) 466. 
Roeth, Ausf. des intervoc. d im Norm. (Settegast) 433. 
Löffler,, Casus im Neufranzösisohen (Foth) 67. 

-Untersuchungen über den Artiole partitif (Foth) 67. 

Mer wart, Verbalflexion in den Quatre Livres des Rois (Mus¬ 
safia) 233. 

Wolterstorff, das Perfect der zweiten schwachen Conjug. 
im Altfr. (Mussafia) 230. 

Thurneysen, das Verbum ötre und die frz. Conjugation 
(Suchier) 271. 

Mühlefeld, Bildung des Nomen Aktion» im Französischen 
(Willenberg) 432. 

Hendrych, die aus d. lat. Wurzel fao entstandenen frans. 
Wörter (Morf) 390. 

Haa8, Gebr. d. Conjunctivs bei Joinville(Willenberg)470. 
Spohn, Coniunctiv im Altfranzösisohen (Foth) 432. 
Klapperich, syntakt. Verhftltnisse der Bedingungssätze im 
Altfr. (Settegast) 355. 


Provenzalisch. 

Diez, Leben u. Werke der Troubadours ed. Bartsoh (Neu¬ 
mann) 308. 

Brinkmeier, die prov. Troubadours (Neumann) 308. 

Le Troubadour Paulet de Marseille par E. Levy 
(Stengel) 396. 

Sachse, das'Leben des Troubadours Wilhelm von Poitou 
(Bartsoh) 473. 

Girart v. Roesillos hrsg. von Foerster, Stürsinger und 
Apfelstedt (Bartsch) 397. 


Luohaire, texte« del’anoien dialeoteGascon(Neumann)69. 


Digitized by kjOOQie 



XY 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. (Register.) 


XVI 


Spanisch. 

’Balari y Jovany, Oraeiön inaugural (Baist) 481. 
Dozy, Recherches sur l’histoire et la littör. de l’Espagne 
pendant le moyen Age (Baist) 398. 

Morel-Fatio, Catalogue des Mss. espagnols (Baist) 279. 
-Calderon (Baist) 195. 

Horowitz, Lehrgang zur Erlerhung der spanisch. Sprache. 
(Lehmann) 280. 


Portugiesisch. 

Puymaigre, Romanceiro (Liehrecht) 357. 

Ribeiro, Grammatioa portugueza (Reinhardtstöttner) 
197. 


F. Pädagogik. 

(8 c h u 1 grammatiken etc. a. bei den einzelnen Sprachen.) 

Körting, Bemerk. Aber das Studium der neueren Sprachen 
(▼. Sallwürk) 152. 

Asher, Aber den Unterricht in den neueren Spraohen fv. 
Sallwürk) 152. 

Stengel, die Ziele und Wege des Unterrichts in den neueren 
Sprachen (▼. Sallwürk) 152. 

-Zulassung der Realschulabitarienten zum Studium der 

rom. u. engl. Philologie (v. Sallwürk) 152. 

Der 8prachunterrioht muss umkebren v. Quousque Tan¬ 
dem (Stengel) 237. ^ 

Kühn, Methode des frz. Unterrichts (v. Sallwürk) 283. 

Foth, frans, und engl. Lectüre als Unterrichtsgegenstand 
(v. Sallwürk) 281. 


N 

IV. Verzeichnis der Zeitschriften n. s. w., deren Inhalt mitgetheilt ist, 


Aar bog er for nordisk Oldkyndighed 78. 324. 

Aoademy 78. 156. 201. 286. 364. 439. 479. 

Alemannia 200. 362. 437. 

Anglia 82. 201. 284. 328. 

Annales du Bibliophile beige 153. 

Annales de la facultö des lettres de Bordeaux 156.324.364. 
Antiquary, 240. 324. 

Antologia, Nuova, 116. 156. 202. 241. 325. 364. 479. 
Anseigen, Göttinger gelehrte 86. '81. 206. 246. 328. 968. 
405. 442. 

Anzeiger, neuer, für Bibliographie und Bibliothekswissen¬ 
schaft 115. 239. 285. 323. 

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 33. 78. 156. 

201. 240. 285. 32& 363. 478. 

Anzeiger für deutsches Alterthum 36. 206. 328. 405. 
Anzeiger für Schweizer Geschichte 323. 438. 

Anzeiger, russischer philol. 78. 

Archiv f. Literaturgeschichte 31. 200. 361. 

Arohiv für das Studium der neueren Sprachen und Lite¬ 
raturen 114. 155. 283. 861. 437. 

Arohiv für hessische Geschichte 402. 

Archivio storico italiano 33. 156. 286. 479. 

Arohiv io della Societä roroana di storia patria 241. 
Archivio storico per Trieste, l’Istria ed il Trentino 241. 325. 
Arohivio veneto 864. 

Archivio glottologico italiano 323- 

Arohivio per lo 8tudio delle tradizioni popolari 114.238.361. 
Archivio paleografico italiano 478. 

Arkiv for Nordisk filologi 402. 

Athenaeum, the, 286. 

Athönaeum Beige 156. 246. 324. 364. 

Atti della R.Aeeadeaia di archeologia etc. di Napoli 364. 
Ausland 24a 

Beiträge zur Kunde der indogermanischen Sprcben 30. 
Beiträge zur Geschichte der deutschen Spraohe u. Literatur 
81. 283. 477. 

Bibliofilo, D, 202. 325. 364. 40a 
Bibliograpber, the, 402. 

Biblioth&que de l’öcole des ohartes 116. 

Bibliothöque universelle et Revue Suisse 78. 364. 403. 479. 
Bidrag, Nyare tili kännedom om de svenska Landemälen 
77. 158. 20G 324. 

Blätter, historisch-politisohe 115. 156. 

Blandinger til Onlysning om dansk Sprog etc. 402. 

Boletim da Sodedaae de Geographia de Lisboa 241. 

Bol et in de la Institucion libre de Ensenanza 24. 

B ölet in bistorioo 157. 

Bulletin du bibliophile 33. 201. 324. 479. . 

Bulletin de la Sociötö des anciens textes frangais 32. 
Bulletin de la Sociötö de l’histoire de Paris 482. 
Bulletin de l’Acadömie royale de Belgique 439. 
Bydragen vor nederlandsohe Rechtsbronnen 286. 

Centralblatt, Literarisches, 82. 206. 368. 406. 488. 
Century, tho Nineteenth, 439. 


Columna lui Trojan 241. 286. 325. 365. 

CoTrespondent, le, 201. 403. 

Cultura, la, 368. 

Dietsche War an de 78. 

Effemeridi Sioiliane (Nuove) 155. 

Encyciopedia republicana 241. 

Europn24a 

Fanfulia della Domenven 241. 

Folk-lore, el, Andaluz 325. 

Forschungen, Romanische, 239. 

Forschungen zur deutschen Geschichte 285. 

Gallia 291. 

Gay Saber, lo, 365. \ 

0 egen wart 33. 156. 240. 286. ^ 

Germania 77. 20Ö 322. 437. 

G i o r n a 1 e Napoletano della Domenica 241.28& 364 402. 479. 
' Giornalo Napoletano 157. " ^ 

Giornale di mologia romanza 32. 488. 

Goliardi, I Nuovi 116. 

Grenzboten, Die, 116. 240. 364. 402. 439. 

Jahrbuch des Vereins f. nd. Sprachforschung 401. * 

Jahrbuch, Historisches, 240. 364. 

Jahrbücher, neue, für Philologie und Paedagogik 119. 
156. 239. 

Jahrbüoher, Preussische, 116. 24G 324. 364 439. 

Im neuen Reich 33. 

Journal des 8avants 33. 364. 

Journal de Genöve 324. 

Journal des gens de lettres beiges 403. 

Journal of Philology, American, 156. 322. 439. 

Journal miniBterstva naroduago prosviechtcheniya 482. 

Korrespondenzblatt des Vereins f. siebenbürgisohe Landes¬ 
kunde 3K 7K 115. 201. 240. 285. 364. 
Korrespondenzblatt des Vereins f. niederdeutsche Sprach¬ 
forschung 285. 

Kronik, Schwäbische, 240. 

La Faloe 33. 

Literaturzeitung, Deutsche, 36. 82.160. 206. 329 405. 442» 
Livre, le, 241. 403. 

Magazin f. die Literatur des In- u. Auslandes 8a 7K 115. 

156 . 239. 28 a 32a 36a 402. 438. 478. 

Mömoires de la Sociötö de linguistique 322. 

Mömoires de la Sooiötö des scienoes naturelles et archöo- 
logiques de la Creuse 479. 

Mittheilungen der Geschichts- und Alterthumsforschenden 
Gesellschaft des Osterlandes 402. 

Mittheilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen 
in Böhmen 240. 438. 

| Moliöriste, 362. 43a 


Digitized by 


Google 


xvn 


1882, Literaturblatt für germanische und romanische Philologie (Register.^ 


XVIII 


Monatshefte, Westermahus illustrirte, 240. 

Museum, Rheinisches, für Philologie 83. 

Nationalzeitung 324. 

Noord en Zuid 115. 155. 238. 323. 328. 402. 477. 

Nord u. 8üd 33. 156. 240. 439. 

Onze Volkstaal 77. 322. 

Pantheon, o, 241. 

Polybiblion 489. 

Portefeuille 116. 156. 

Posibilista, £1, 34. 

Preludio, II, 206. 

Propugnatoro II, 78. 285. 362. 

RasBegna Nazionale, la, 403. 479. 

Rassegna Settimanale 34. 78. 116. 

Review, Dublin 479. 

Review, The Scottish Celtic, 156. 

Review, the modern, 240. 

Revista hispano-amerioana 403. 

Revisla de ciencias historicas de Barcelona 484. 

Revue des langues romanes 32. 77. 155. 201. 239. 284. 323. 

362. 402. 438. 

Revue, deutsche, 438. 

Revue de pbilologie 156. 

Revue de linguistique 30. 

Revue critioue 119. 206. 290 328. 368. 442. 483. 

Revue des deux mondes 201. 240. 

Revue, La nouvelle, 202. 286. 439. 

Revue politiaue et iittöraire 33. 78. 116. 156. 202 241. 286. 

824. 364. 403. 

Revue oeltique 439. 

Revue historique 33. 

Revue des questions historiques 201. 

Revue historique du droit frangais 119. 

Revue internationale de l’enseignement 201. 

Revue des Sciences eoclösiastiques 824. 

Revue de Belgique 116. 

Revue nouvelle d’Alsace-Lorraine 864. 

Ri vista di filologia 364. 

Ri vista Europea 33. 156. 202. 364. 439.;474. 

Romania 32. 238. 478. 

Rundschau, deutsche, 156. 479. 

Samlaren 286 

Bhakespeare-Jahrbuch 284. 

Sitzungsberichte der kgl. baier. Akademie der Wissen¬ 
schaften 323. 402. 


Sitzungsberichte der kaiserlichen Academie der Wissen¬ 
schaften zu Wien 201. 

Spectator, de Nederlandsohe, 116. 291. 328. 

Studien, Romanische, 32. 

Studien, Französische, 239. 285. 

Studien, Englische, 284. 

Studien, Strassburger, 32. 

Studien und Mittheilungen aus dem Benediotinerorden 479. 

Taalstudie 76. 155. 288. 822. 401. 477. 

Tidskrift, Nordisk, for filologi 160. 240. 

Tidskrift, Nordisk historisk 156. 

Tidskrift, Nordisk, for Yetenskap, konst och industri 33. 

78. 82. 156. 240. 442. 

Tidskrift, Ny svensk, 206. 286. 290. 

Tidskrift, Finsk, for vitterhet etc. 82. 116. 240. 
Tijdschrift voor NederlandsoheTaal- en Letterkunde 77. 322. 
Tjdspiegel 286. 

Transactions of the R. Society of Literature 479. 

Udsere Zeit 402. 

Ur de nordiska folkens lif 240. 


Vom Fels zum Meer 240. 

Zeitschrift f. vergleichende Sprachforschung 114. 
Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft 
160. 361. 

Zeitschrift für Orthographie, Orthoepie u. Sprachphysiologie 
31. 76. 238. 283. 361. 477. 

Zeitschrift für deutsches Alterthum 31. 200. 322. 401. 
Zeitschrift für deutsche Philologie 31. 155. 284. 862. 
Zeitschrift für romanische Philologie 77. 201. 323. 477. 
Zeitschrift f. nfranz. Sprache u. Literatur 32. 239.323.438. 
Zeitschrift für das Qymnasialwesen llö. 246. 483. 
Zeitschrift für das Realscbulwesen 245. 405. 

Zeitschrift für die Österreich. Qymnasien 36. 82. 119. 246 
* 328. 368. 402. 483. 

Zeitschrift des Vereins für Geschichte der Deutschen in 
Böhmen 240. 

Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 286. 
Zeitschrift, westdeutsche, für Geschichte u. Kunst 240. 
Zeitung, Allgemeine (Beil.), 78- 156. 201.240. 286. 324. 439. 
Zeitung, Vossische (Sonntagsbeilage) 240. 479. 

Zeitung, Leipziger (Wissenschaftl. Beilage) 118. 

Zeitung, Frankfurter, 324. 

Zeitung, Neue Züricher, 160. 


V. Verzeichniss der Bnchhandlnngen, deren Verlags-Werke im Jahrgang 1882 

besprochen wurden. 


Barböra, Firenze 277. 

Barth, Leipzig 308. 

Bleyl & Kämmerer, Dresden 440. 
Bornträger, Berlin 388. 

Brill, Leyden 398. 

Brookhaiis, Leipzig 280. 

Champion, Paris 357. 

Clarendon Press, Oxford 386. 
Claudin, Paris 144. 

Cohen & Sohn, Bonn 307. 
Damköhler, Berlin 385. 

Deich er t, Erlangen 102 107. 228.261. 
449. 

Del Vagi io, Napoli 71. 

De nn4, Paris 195. 

Eli sc her, Leipzig 189. 

Ensiin, Berlin 267. 

Feilberg & Landmark, Christiaoia 1. 
Fischer, Bremen 178. 

Foerster, Görlitz 51. 


Frank, Oppeln, 139. 350. 

Franz, München 103. 132. 

Friedrich, Leipzig 471. 

Garnier Fr Öres, Paris 193. 
Gerold’s Sohn, Wien 219. 

Gyl den dal, Kopenhagen 89. 
Helwing, Hannover, 171. 
Henninger, Heilbronn 64.97. 141. 152. 
222. 234. 237. 264. 266. 337. 340. 355. 
392. 419. 

Herder, Freiburg i. Br. 455. 

Hertz, Berlin 382. 

Hinrichshofcn, Magdeburg 79. 
Hirzel, Leipzig 217. 373. 

Huber, Frauenfeld 340. 

Huch, Zeitz 413. 

Huf fl er, München 343. 

Kaiser, München 1. 169. 

Kisel, Hagen u. Leipzig 56. 

Konegen, Wien 461. 


Kühl, Berlin 265. 

Kühn, Kassel 303. 

Langenscheidt, Berlin 152. 

Leroux, Paris 357. 

Lipsius & Fischer, Kiel 97. 
Löscher, Turin 275. 

Madsen, Kopenhagen 29. 
Maisonneuve, Paris 69. 396. 

Märtelli, Rom 478. 

Mohr, Freiburg i. B. 222 375. 
Morano, Neapel 108. 

Niemeyer, Halle 62. 260.271.297. 347. 

423. 453. 461. 

Nolte, Bonn 173. 

Pall ich, Görz 390. 

Petri, Rotterdam 256. 

Post, Coburg 121. 

Reitzel, Kopenhagen 422. 

Rosner, Wien 386. 
j S c h 1 i c k e, Leipzig 456. 


Digitized by 


Google 


li 


XIX 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. (Register.) 


XX 


Schlömp, Leipzig 473. 
Sohöningh, Paderborn 480. 
Schulze, Oldenburg 130. 

Sidot fräres, Nancy u. Metz 357. 
8 o 11 a u, Norden und Leipzig 455 
Spemaon, Stuttgart 306. 

8 trau88, Bonn 133. 

Tempsky, Prag 213. 

Tresse, Paris 273. 


| Tr ü bner, Strassburg 129. 299. 309. 342. 
I 365. 409. 

, (Jrban, Leipzig 300. 

| Vallar di, Milano 22. 

I Vandenhoek & Ruprecht, Göt- 
1 tingen 175. 308. 

| V i e w e g, Paris 185. 462. 

, V 51 c k e r, Frankfurt a. M. 174. 
Wagner, Innsbruck 60. 92. 108. 


Waisen hausbuohhandlung, Halle 
253. 375. 414. 

Weber, Bonn, 158. 379. 397. 
Weidmann, Berlin 96. 179. 

Weigel, Leipzig 215. 

Winter, Heidelberg 61. 132. 418. 
Wolters, Groningen 99. 

Z a n i c h e 11 i, Bologna 18. 


VI. Verzeichntes der in den Personalnachrichten erwähnten Gelehrten. 


1. Anstellungen, Berufungen u. s. w. 

Behaghel, 0., 83. 

Cederschiöld, G., 406. 

Edzardi, A., 247. 

Godefroy Fr., 830. 

Jarnik, J. U., 484. 

Lubarsch, O., 442. 

Meyer, P., 330. 

Meyer, CI. Fr, 368. 

Morf, H., 38. 

Napier, A. S^ 291. 


Neumann, Fr., 83. 161. 
Nyrop, Kr., 484. 

Paris, G., 330. 

Sarrazin, G., 442L 
Stürzinger, J., 247. 
Thurney8en, E. R., 247. 
Verner, K., 406. 

Vising, J., 442. 
Wackernell, 207. 
Wilken, E., 207. 
Zingerle, O., 330. 


2. Todesfälle. 

Apfelstedt, Fr., 82. 

Caix, N., 442. 

Edzardi, A., 291. 

Guessard, Fr, 247. 

Hettner, H. 247. 

Milner, 368. 

Quioherat, J. 207. 

Schöll, A., 291. 

Smith, V., 868. 

Thurot, Ch., 88. 


VII. Verschiedene Mittheilnngen. 


Einenkel u. Wissmann, Entgegnung und Antwort 83. 
Erd mann, Zur Abwehr in Sachen Otfrids 298. 

Erdmann u. Behaghel, Erwiderung und Antwort 446. 
Eyssenhardt u. Sittl, Erwiderung und Antwort 484. 

Foerster, Berichtigung 293. 

Heinzerling u. Wegen er, Entgegnung und Antwort 16). 
Hornemann, Erklärung 832. 

Knörich, Berichtigung 330 

Milohgack, Notiz Ober Ausgaben des Grobianus 161. 


Th. Müller-Stiftung 82. 

Piper, Erwiderung in Sachen Otfrids 368. 
8cheffer-,Boichorst, Berichtigung 294. 
Soheffer-Boichorst u. Körting, Erwiderung und Ant¬ 
wort 443. 

Stenge], zur ältesten Alba 37. 

Vorlesungen, german. u. romaniatische, im Sommer-Semester 
1882 207. 247. 

Wissmann, Erklärung 292. 


Digitized by LjOOQie 




literaturblatt 

/ 

für 

germanische «na romanische Philologie. 

Unter Mitwirkung von Professor Dr. Karl Bartscli herausgegeben von 

Dr. Otto Beliagliel und Dr. Fritz Nenmann 

Docenten der germaniaahen Philologie Docenten der roman. und engl. Philologie 

an der Universität Heidelberg. 

Verlag von Gebr. Iienninger in Heilbronn. 

Erscheint monatlich. Preis halbjährlich M. 5. 

III. Jahrg. Nr, 1. Januar. 1882. 


>1 ar o 1 d , über die gotischen Conjunctionen, welche 'Walz(Bech). I 

our und yäg vertreten (T o m a n e t z). H e i n * e r 1 i n g, Die Namen 4«r wirbellosen Thiere 

Bugge, Studier over de nordiske J in der 8ieger7änder Mundart (Wegen er) I 

Oude-oglleltesagiisOpnndelee 1, t. r < Alb rocht, Die Leipziger Mundart (Kögel). * 

— — Studien über die Entstehung (Edzardi) U h 1 « iii a u n , über die anglonorrnannische Vie de 
d'er nordischen (»öttcr- u. Helden- V ; Saint Auban (8 uc liier), 

sagen Uebersetzung v. O. Brenner * Frank, Zur Satyrc Mönipp4e (Körting). 

Der Nibelunge N 61 , hrsg v. K Bartsch. II. La poesia barbara net eecoli XV e XVI a , 
2 Wörterbuch (Symons). I cura di U. Carducci (Oaspary). ! 

O&rel von dem bittenden Tal, von l)r. M. Caiiello, Storia dolla letteratura italiana nel ! 


secolo XVI (Körting). 

B e'n e d e 11 i, Stato della Commedia italiana nel 
Cinquecento (8tiefol). 

Nyrop, Sagnet om Odysseus og Polypbein (Lieb¬ 
recht) 

Bibliographie. 

Literarische Mittheilungen, Persocal- 
uachrichten etc. 


Marold, C., Ueber die gotischen Conjunc- 
tionen, welche ovr und yag vertreten. Beigabe 
zum Programm des k. Friedrichs-Collegiums zu 
Königsberg i. Pr. Ostern 1881. Königsberg, 
Hartungsehe Zeitungs- u; Verlagsdruckerei. 1881. 
30 S. 4. 

Der Verf. gellt denselben Weg, den Tobler in 
Paul und Braunes Beiträgen V, 358 in umfassender 
aber aphoristischer Weise eingeschlagen hatte, in¬ 
dem er die verschiedenen Partikeln und Conjunc- 
tionen zusammenstellte, die zum Ausdruck einer 
bestimmten Gedankenform dienten. In vorliegender 
Abhandlung werden ausführlich die got. Partikeln 
behandelt, die got. oiv und ydo entsprechen. Die 
Arbeit ist sehr sorgfältig, die Beispiele meist voll¬ 
zählig gesammelt, die wichtigeren Fälle gründlich 
erwogen, die Bedeutungsübergänge scharf hei vor¬ 
gehoben; in einzelnen hebe ich als gelungen hervor 
die Darstellung des Zusammenhanges von unte als 
temporaler und causaler Partikel (p. 15). Dagegen 
Scheint es mir erfolglos, dass sich M. so sehr gegen 
die Bedeutung von unte = dass sträubt; Röm. IX, 
17 ist letztere Bedeutung gewiss, und Marolds 
Deutung, der es causal fassen will, ist zu gewunden 
und muss abgewiesen werden; dem entsprechend 
wird auch an den übrigen wenigen Stellen, an 
denen sich allerdings mit einiger Mühe die causale 
Bedeutung noch unterschieben liessc, unte am besten 
als „dass“ zu übersetzen sein. 

Neben der syntactischen Untersuchung sehen 
wir den Vferf. beständig dem von ihm schon früher 
erforschten Verhältnis des got. Textes zu seiner 
Vorlage nachgeben und so theils für die Beur¬ 


teilungen der betreffenden got. Stellen, theils für 
die Bestimmung der Art und Weise der Vorlage 
(p. 9) Anhaltspunkte gewinnen. Gelegentlich wagt 
er auch (p. 16) eine Vermutung über die ursprüng¬ 
liche Abfolge der Uebersetzung der Evangelien, 
nämlich Mt. Mc. Le. Joh., nicht wie überliefert ist: 
Mt. Jh. Lc. Mc.: dieselbe Stelle nämlich ist im Mt. 
ungeschickt, besser im Mc., am einfachsten bei Lc. 
wiedergegeben. So richtig es ist, dass die Ueber- 
lieferung in einem solchen Falle nicht viel beweist 
(cf. Otfried und sonst), und dass sprachliche Beo¬ 
bachtungen entscheidend sind, so folgt aus dem 
gegebenen Beispiele doch höchstens nur, dass Mc. 
dem Lc. voranging, über Jb. Stellung ist damit 
nichts festgestellt; allerdings wird anderwärts (z. B. 
p. 6) auf eine engere Zusammengehörigkeit des Jh. 
und der Episteln aufmerksam gemacht, so dass 
doch Jh. ans Ende zu stellen ist. 

Der Verf. behält sich vor, die syntaktische Ver¬ 
wendung sämmtlicher Conjunctionen nicht bloss im 
got., sondern in allen germ. Dialecten in derselben 
Weise, wie es hier geschehen, zu untersuchen und 
darzustelien. Die Probe lässt für das grössere 
Werk nur Gutes erwarten. 

Rodaun, 3. Aug. 1881. Karl Tomanetz. 


Bugge, Sophus, Studier over de nordiske Gude- og 
Heltesagns Oprindelse. Forste Rcekke: 1. Hefte. Christia- 
nia, Feilberg Ä Landmark. 1881. 80 8. 8. 

— — Studien über die Entstehung der nordischen 
Götter- und Heldensagen. Vom Verfasser autorisirte 
und durchgesehene Uebersetzung von Dr. 0. Brenner. 
Erste Reihe: 1. Heft. München, Kaiser. 1881. 96 S. 8. M. 2. 

Wohl selten hat eine Schrift so lange vor ihrem Er¬ 
scheinen so viel Aufsehen erregt wie diese Studien Bugges. 

1 


Digitized by 


Google 












3 


4 


f ' 

1882. Litrraturblait für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


Schon vor zwei Jahren kam aus Christiania die Überraschende 
Kunde, dass Prof. Bugge dort in einem Vorträge die Ansicht 
ausgesprochen habe, „ein guter Theil der altnordischen Gotter¬ 
und Heldensage sei theils antik-klassischer, theils jüdisch- 
christlicher Herkunft u ; und zwar sollten die britischen Inseln 
die Uebertragung vermittelt haben. Die 8chrift aber, in 
welcher B. diese Ansicht begründen wollte und vor deren 
Erscheinen ein endgültiges Urtheil natürlich nicht möglich 
war, Hess lange auf sich warten. Inzwischen durfte / man 
glauben, ein Forscher wie Bugge werde eine Behauptung von 
so gewaltiger Tragweite nur nach sorgfältigster und ällscitiger 
Erwägung öffentlich ausgesprochen haben, und so durfte man'! 
seiner .Schrift mit aufs höchste gespannter Erwartung entgegen- j 
sehen. Endlich erschien in diesem Frühjahr wenigstens das I 
erste Heft und bald darauf die vom Verf. autorisirte deutsche \ 
Uebersetzung. Letztere reicht etwas weiter (um 12 Seiteu) 
als das erste Heft des Originaltextes, bricht aber auch mitten i 
in der Untersuchung über die dänische Baldrsage ab. Unter 
diesen Umständen meinte ich mein seit geraumer Zeit bei 
mir feststehendes Urtheil bis nach dem Erscheinen des zweiten j 
Heftes zurückhalten zu sollen. Da dieses nun aber schon 1 
acht Monate auf sich warten lässt, und auch von anderer j 
Seite inzwischen das erste Heft für sich besprochen worden , 
ist 1 , so will auch ich nun nicht länger mit der Besprechung 
zögern. , 

Ich kann nicht leugnen, dass B.’s Schrift meine Er¬ 
wartungen nur zum geringen Theil erfüllt hat, und bedaure 
dem von mir hochverehrten Verf. in der Hauptsache entgegen- , 
treten zu müssen. I 

Das Heft enthält zunächst „allgemeine Andeutungen^, 
in denen Bugge seine Methode zu rechtfertigen sucht. Da 
B.’s Behauptungen hier eben allgemeiner Art sind und auch nur 
in andeutender Weise durch bestimmte Beispiele belegt werden, ; 
so kann auch ich natürlich meist nur allgemeine Bedenken 
dagegen geltend macheu. B 's Beweisführung scheint mir 1 
nämlich hauptsächlich an drei Mängeln zu leiden: 

Erstens fiudet sich Bugge m. E. mit den nothwendigen 
Voraussetzungen seiner Hypothese hinsichtlich der 
Art und Weise der Entlehnung von Mytheuzügen zu 
leicht ab — ein Fehler, der auch für Bangs Hypothesen (nach 1 
Rydbergs Ausführungen, Nord. Tidskr. f. Vetenskap etc. 1881; 
vgl. auch Bugge ebd. S. 1H3) verhängnissvoll geworden ist 
So z. B. dass Dicty» und Dares (8. 21) bei Kelten oder 
Angelsachsen schon in der Vikingzeit allgemeiner bekannt 
gewesen wären, und da*s die Nordmänner, indirect wenigstens, 
sogar aus griechischen Quellen hätten schöpfen können (8. 21), 
sind Voraussetzungen, dio der Begründung recht sehr be¬ 
dürfen. Aber schon das erscheint mir höchst bedenklich, 

/ dass die heidnischen 2 Fremdlinge aus dem Norden überhaupt 
aus fremdsprachlichen literarischen Quellen, und zwar 
durch Vermittelung gelehrte^ Mönche Mythen uud Legenden 
geschöpft haben sollten, noch dazu in den wilden Zeiten des 
Vikingthums. Die mit so grosser Gelehrsamkeit und staunens- 
werther Belesenheit zusammengetragenen Citate aus dieser 
oder jener Schrift könnten allenfalls nur insofern in Betracht 
kommen, als sie als Zeugnisse eines in dieser Form bestehen¬ 
den Volksglaubens gelten dürften. Ich meinerseits kann mir 
wenigstens die Entlehnungen, soweit auch ich solche annehme, 
nur als halb unbewusste Uebertragung von Volk zu Volk, 
von Mund zu Mund denken, durch Mitteilungen, die gläubig 
gemacht und gläubig vernommen wurden. Denn auch die 
möglicherweise auf christliche Einflüsse zurückzuführenden 
Züge des Baldrmythos und Einzelheiten des Ragnarpk-Glaubens 
sowie das meiste von dem, was Buggo sonst als fremden 
Ursprungs erweisen will — alles ist so fest mit dem ältern 
Mythenbestande verwachsen, der Baldrmythos spielt im 
Ragnarok-Glauben eine so bedeutende Rolle, dass wenigstens 
in den Kreisen, in denen die altn. Dichtung gepflegt ward, 
auch diese Elemente wirklich Gegenstand des Glaubens 
gewesen sein müssen. Der Glaube nimmt aber gewiss nur 
das als Glauben auf, was ihm noch als Glaube entgegentritt. 
Damit ist m. E. die Möglichkeit ausgeschlossen, dass die 
__ \ 

1 Lit. Centralbl. 1881, Nr. 15 (K. M....r); Deutsche 
Literaturzeitung 1881, Nr. 81 (K. Möllenhoff). [H. V[odskov]’s 
gehaltreiche Entgegnung ‘Guder og Gloser’ in Illustreret Ti- 
dende, Kbhn. 188l, Nr. 1145—47 wird mir erst nachträglich 
bekannt.] 

2 Wenn auch gewiss manche sich taufen Hessen, so 
könnten doch nicht diese auf den heidnischen Glauben um- 
gestaltend eingewirkt haben. 


fraglichen Mythen auf halb gelehrtem Wege, etwa als interes¬ 
sante Sagenstoffe mit dem Bewusstsein, dass es sich am 
Sage handele, dem Norden hätten vermittelt werden können. 

W T ohl aber kaun ich mir denken, dass manch ein Nord¬ 
mann, der auf seinen Fahrten diesen oder jenen sympathischen 
Zug vom lichten (Bugge 8. 33; Hvita-Krisrr), milden Christdn- 
gott vernahm, dabei au seinen Baldr dachte und ihn daheim 
gradezu von Baldr erzählte, und dass auf diese Weise ein¬ 
zelne Züge des Baldrmythos nach dem Norden kamen. 
Ebenso konnte ein Nordmann bei der christlichen Schilderung 
vom jüngsten Tage unbewusst seinen heidnischen Weltunter¬ 
gangsglauben 8 in seiner Vorstellung damit identificiren, und 
auf solche Weise kann der Ragnarpk-Glaube mit einzelnen 
Zügen christlichen Ursprung» ausgestattet worden sein. Immer 
aber kann ich mir derartige Uebertragungen nur so denken, 
duss unbewusst unter Einwirkung christlicher Ideen das Heiden- 
thum aus sieh heraus und im Geiste des alten Glaubens neue 
Glaubensvorstellungen entwickelte. Wenn man sich vergegen¬ 
wärtigt, dass Nordmänner die Standbilder der Götter und 
Helden im Hippodrom zu Byzanz für Bilder ihrer eigenen 
Götter und Helden hielten (Hkr., Saga Big., Eyst. ok Oiafa 
Cap. 12), so erscheint es auch nicht grade unmöglich, dass 
einzelne Züge aus griechischen Mythen und Sagen, auf 
diese Weise auf die nordischen Götter iinid allenfalls auoh 
Helden) Übertragen worden sein könnten (vgl. H. Peteroen, 
Norbboemes Gudedyrkelse etc. S. 95 und Rydberg a. a. O. 
S. 133). Dass das aber irgendwie wesentliche Züge gewesen 
sein könnten, möchte ich bestreiten. 

Jedenfalls haben wir keinen Grund, einen beliebigen 
Mythos oder Mythenzug, weil er sich auch bei einer griechischen 
Gottheit wiederfindet, ohne weiteres als daher entlehnt zu be¬ 
trachten; auoh dann nicht, wenn wir z. B. Züge, die sieh bei 
Zeus-Jupiter vereinigt finden, bald bei Odin, bal 1 bei Thor 
(und Ty) wiederfinden, oder wenn Züge Mercurs statt bei 
Odin uns bei Loke begegnen (8. 10. 75): bekanntlich 4 ent¬ 
spricht z. B. auch dem Indra neben Donar zuweilen Wodan, 
wo natürlich niemand an Entlehnung denken kann. Vielmehr 
zeigt historische Betrachtung dor germanische^ Mythologie 
hiuter der Vielheit der nordischen Götter eine ältere ger¬ 
manische Dreiheit, deren einzelne Gestalten, je weiter zurück, 
desto mehr Zusammenflüssen, und tuan wird sie' mit Jessen 
(Det nittende Aarhundrede V, 121 f.) als verschiedene Wesens¬ 
seiten eines uralten Himmels-, ^urm- nud Gowittergottes auf- 
zufassen Ifaben, dessen Wesenszüge bald .dieser, bald jener 
aus ihm hervorgegangenen Göttergestalt an hafteten. 

Endlich kann fch mir zwar recht wohl denken, dass der 
früher vom nordwestlichen Deutschland herübergedrungene 5 
kriegerische Wodan-Glaube (Valhall-Glaube) unter Einfluss 
der Vikingzeit seine eigentliche Ausbildung erfuhr, nimmer¬ 
mehr aber, dass der milde, friedliche Baldrglaube grade 
dieser Zeit seine Entstehung verdanke. 

Als zweiten Hauptmangel habe ich an B.’s Methode 
zu rügen, dass er die deutsche Mythologie, sowohl die 
deutschen Mythen als die deutsche Mytheuforschung, viel zu 
wenig berücksichtigt. Und doch sollte die deutsche Mytho¬ 
logie und ihre Vergleichung mit der jüugeren nordischen den 
Ausgangspunkt für einen jeden bilden, der die echten Theile 
der nordischen Mythologie von den unechten sondern will: 
nur solche historische Betrachtungsweise, die den Mythos auf 
seinem Entwickelungsgange verfolgt, kann lehren, was von 
der nord. Mythologie auf germanischem Boden erwachsen ist; 
und uur das, was weder als gemeingerman. Mythos zu er¬ 
weisen ist noch aus solchem sich naturgmnäss entwickelt haben 
kann, haben wir Grund auf fremden Ursprung zu prüfen — 
und da 9ind dann allerdings Untersuchungen wie die B.’s 
sehr dankenswerth. Freilich erklärt auch B., dass er „die ge¬ 
meinsame Grundlage für den Götterglauben der Nordleute 
und der übrigen Germanen anerkenne, welche Grundlage 


8 loh bin überzeugt, dass dieser Glaube in seinen Hanpt- 
zügen germanisch ist, schwerlich aber die Ausmalung im 
Einzelnen, wie sie die eddische Mythologie kennt. Uebrigens 
sind auch da die wesentlichsten Züge (z. B. die Einzelkämpfe) 
offenbar ursprünglich Jahrestnythen, die dann auf den letzten 
grossen Kampf übertragen wurden. 

4 8. Mannhardt, Germ. Myth. 241 f. 

8 Wie schon H. Petersen, Nordb. Gudedyrkelse og 
Gudetro 8. 134 f. annahm. Indessen wohl schon vor der 
Vikingzeit: vielleicht zugleich mit 'der Heldensage* deren 
erste und hauptsächlichst^ Einwanderung aus eben diesem 
Theile Deutschlands meinet Ansicht nach ins 6. Jh. fällt. 


Digitized by LjOOQie 


5 


1882. Literaturblatt für germanische und romanisohe Philologie. Nr. 1. 


6 


namentlich Jakob Qrimm klar und urafassond nachgewiesen 
habe“ (S. 3). Aber darüber, was als gemeingermanisch er¬ 
wiesen sej, scheint seine Ansicht wesentlich von der herkömm¬ 
lichen abzuweichen Wenn auch das übliche System der 
deutschen Mythologie,, wie es durch J. Grimm und seipe Mit- 
forseher und Nachfolger hergestellt uhd weiter ausgeführt 
ist, in nicht wenigen Punkten der Revision bedarf und über 
viele Punkte die Ansichten weit auseinander gehn, so durfte 
B. doch das, was bisher allgemein als feststehend galt oder 
doch die Autorität eines namhaften Mytholog’en für sich hat, 
nicht einfach ignoriren. Wenn er es etwa alles für verfehlt 
hielt, hätte er das eben nachweisen müssen. Wer mit einer 
neu'en Ansicht auftritt, * hat erst die Unhaltbarkeit der bis¬ 
herigen Auffassung — die in diesem Falle übrigens aucli die 
natürlichere ist — nachzuweisen. Sonst kann er im besten 
Falle nur erweisen, dass seine Auffassung auch möglich 
sei. Ich will die Berechtigung meines Vorwurfs wenigstens 
an einigen Beispielen zeigen und wähle zunäohst den Mythen¬ 
kreis, welchen B. bisher ausser dem Baldrmythos allein aus¬ 
führlicher besprochen hat, die Fr e y j am y t h6D> indem ich 
mir erlaube, auf den Abdruck eines von B. auf der Philologen¬ 
versammlung zu Christiania gehaltenen Vortrags (Morgen- 
blader, Christiania, 16. Aug. 1881) mich zu beziehen. 

Die meisten Freyjamythew sollen ihren Ursprung in 
Geschichten haben, die von Venus erzählt wurden (8. 10)«. 
Bisher aber waren zum mindesten viele Forscher der Ansicht, 
dass die in Deutschland unter verschiedenen Namen aber 
ihrem Wesen nach noch überall gleich erscheinende Göttin 
Frla (Holda etc.) ira Norden sich in F'rigg^ und Freyja ge¬ 
spalten habe. Nach B. soll der Mythos von Freyja und Od 
auf den Mythos von Aphrodite und Adonis zurückgehn, denn 
auch „Aphrodite war mit Adonis vermählt; er wird ihr während 
ihrer Abwesenheit durch den Tod entrissen; sie such£ ihn 
und beweint ihn“.; spätere griechische Berichte melden, dass 
Aphrodite wandert nnd Adonis sucht. Aber das sind ja 
ganz Allgemeine Züge, die auf germanischem Boden ans 
dem ursprünglichen Sonnenmythos sich natürlich erklären 7 . 
Höchstens eine Reihe ganz specieller, charakteristischer Züge 
könnte m. E. Entlehnung erweisen. Nun hat sich aber auch 
derselbe Mythos bekanntlich — abgesehen von der iu ihrer 
Echtheit bestrittenen Sage bei Schönwerth 2, 313 — zweimal 
in deutschen Sagen erhalten, einmal von „frü Frden* (Pröhle, 
Unterharz-Sagen S. 209), dann von Frau Holl (Wolf, Hessische 
Sagen Nr. 12, vgl. auch Mannhardt, GM. 288*. 295 5 ). Viel¬ 
leicht hielt B. auch diese Ueberlieferungen trotz Mannhardts Be¬ 
merkungen für unecht; aber dann hätte er das doch wenigstens 
sagen müssen. Od-r (Wöd) wird m. E. mit Recht allgemein 
für die^ursprüngliche und) kürzere Form zu Oäen-n JWoden) 
gehalten, B. aber will darin Adonis « *Adon <C Oä-r wie 
Axel > Absalon ) finden. Diese und ähnliche Herleitungen 
nordischer Namen von echt nordischem Klange (z. B. Ercol 

( Hercules] < erc-Ol <C prcör-OtW-r, wie umgekehrt Olger 
Holger] > Oddgeirr S. 25 etc.) sind ja unleugbar geistvoll, 
wie nlles was B. vorbringt, aber sind sie wirklich ’mehr als 
— ich weiss mich nicht anders auszudrücken — als nutzlose 
Vergeudung eines glänzenden Scharfsinns? Wäre die Ent¬ 
lehnung des Sagenstoffs bereits erwiesen, dann würde man 
ja versuchen dürfen, auch die Namen auf so künstlichem 
Wege aus classischen herzuleiten, aber als irgendwie beweis¬ 
kräftig für den fremden Ursprung kann ich solche künstliche 
Herleitungen keineswegs erachten. Wenn von fremdartig 
erscheinenden Namen Freyjas und nebensächlichen Zügen in 
ihren Mythen wirklich einige den von B. vermutheten fremden 
Ursprung haben sollten — was ich nicht für unmöglich halte 
— so würde das doch nichts weiter beweisen, als dass später 
auf Freyja einzelne Züge von Venus übertragen wurden, wie 
auch Fria (Fngg) mit Venus identifioirt ward. Und wenn 

* In dem erwähnten Vortrage hat B. übrigens diese Be¬ 
hauptung schon wesentlich modificirt. Er hätte aber eben 
von Freyjas Verhältuiss zu Frigg ausgehn müssen. 

7 Diese übereinstimmenden Züge, die auch Andere be¬ 
merkt haben, können sich auf Grund desselben Naturmytbos 
bei verschiedenen Völkern unabhängig entwickelt haben. Dass 
dies wirklich der Fall ist, zeigt die wesentlichste Ueberein- 
stivnraung, die B. hier aber nicht berücksichtigt, dass nämlich 
Adonis von allen Göttern beweint wird wie Bai dr (s. Lieb¬ 
recht, Zur Volksk. 8. 258). Dieser Zug stimmt nicht zu Od 
(Odin), sondern zu Baldr, der eine Hypostase des Sonnen¬ 
gottes Odin (Od) ist. 8chon N. M. Petersen (Nord. Myth. 2 273) 
hat auch in andrer Beziehung Baldr mit Adonis verglichen. 


der Name Mar-ppll wirklich auf eine-Beziehung Freyjas znm 
Meere geht, so liegt doch ein Blick anf die nahverwandte 
Nerthus 8 und ihre wie aller Vanen Beziehung auf die (himm¬ 
lischen und dann irdischen) Gewässer so nahe, dass man 
wirklich nicht die arme Venus darum weither an den Haaren 
j herbeizuziehen braucht. 

Ferner Hlödyn als Name von Thors Mutter soll in „einer 
altenglischen Aufzeichnung Latona Iovis mater punre • mö&ur a 
(8. 23) seine Erklärung finden. Was dann aber aus der 
deutschen Hludana werden 90 II, erfahren wir nicht. Ein 
weiteres Beispiel wird der Baldrmythos bieten. 

Aus den Spuren eddischer Mythen in Schweden (S. 31) 

. möchte ich, um das hier uoeff zu bemerken, grade den ent- 
; gegengesetzten Schluss ziehen (vgl. Lit. Centrbl. 1881, 8p. 966). 
j Ich meine, dass eine besonnene Kritik von der Annahme aus- 
I gehen mus9, dass in solchen Fällen der fragliche Mythos 
1 wahrscheinlich echtnordisch ist. 

Drittens erheben sieh gegen Bugges Auffassung chro- 
nologische Bedenken. Die von ihm angenommenen Ent- 
, lehnungen sollen iu den Beginn der Vikingzeit fallen, also 
1 um 8 K) und später. Dann aber würde man — selbst unter 
; Berücksichtigung der sehr unsichern Möglichkeit, dass die 
’ Fahrten der Nordlente in den westlichen Fahrwassern schon 
! einige Decennien vor 800 begonnen hätten (S. 27) — die 
Ausbildung des Systems der eddischen Mythologie doch zu 
j spät ansetzen müssen. Sind auch die erhaltenen Eddalieder 
im allgemeinen nicht vor dem 10. Jh. oder Ende des 9. Jh.’s 
* entstanden, so setzen sie doch ähnliche ältere Dichtungen 
voraus, von denen einige uns erhaltene Lieder Umdichtungen 
sind, während andere geradezu Bestandtbeile älterer ver¬ 
lorener Lieder ziemlich unverändert aufgenommen zu haben 
scheinen. Letzteres vermnthe ich z. B. im kosmogonischen 
I Theil der V^uspd (vgl. das Wessobrunner Gebet) 9 . Jeden- 
1 falls setzt sowohl die andeutende Darstellungsweise der Vsp. 

! als auch skaldische Anspielungen auf die meisten Mythen im 
| Laufe des 10. Jht’s das eddische System der Mythologie in 
der Hauptsache als mindestens schon im Beginn des 10. Jh.’s 
allgemein bekannt voraus, was auch von anderer Seite schon 
hervorgehoben worden ist. Das aber scheint mir denn doch 
einen längern Zeitraum zwischen der ersten Entlehnung, 
wenn solche stattgefunden hätte, und so völliger Aneignung 
vorauszusetzen. Eine gleichzeitige Revolution anf dem Gebiete 
der Sprache in verhältnissmässig kurzer Zeit, auf die sich 
B. beruft, beweist für mich noch nicht, dass auch auf dem 
Gebiete des Glaubens dasselbe möglich war. Diese chrono¬ 
logischen Bedenken sprechen natürlich nicht gegen die Ent¬ 
lehnung einzelner Züge, die dabei sehr wohl möglich 
bleibt. 

Doch genug des Allgemeinen! Ich w£nde mich nun zur 
ersten vollständig vorliegenden Einzcluntersuohung über den 
isländischen Baldrmythos. Es ist wohl nicht zu¬ 
fällig, dass grade dieser den Reigen eröffnet; denn, wenn 
irgendwo, findet ß.’s Theorie hier günstigen Boden. Die 
merkwürdigen Uebereinstimmungen Baldrs mit Christus sind 
oft betont, und die im nordischen Götterhimmel fremdartige 
Erscheinung des reineu, milden Friedensgottes, sowie die 
seinem Tode beigelegte Bedeutung legen es von vorn herein 
nahe, Züge von Christus auf Baldr übertragen zu denken. 
In welcher Weise ich mir solche Uebertragung möglich denke, 
habe ich oben gesagt. In der That hat B. hier in Einzelheiten 
so auffallend mit dem norrönen Baldrmythos Übereinstimmende 
ags. und keltische Darstellungen von Christi Tode angeführt, 
dass man die Möglichkeit nicht von der Hand weisen kann, 
eine derartige im Volke verbreitete Version könne ,Einzel- 
ziige für die Ausbildung des Mythos von Baldrs Tode her¬ 
gegeben haben. Doch finde ich B.’s Beweisführung keines¬ 
wegs in allen Puukten überzeugend und halte es durchaus 
nicht für erwiesen, „dass de? isländische Baldr Christus ist“ 
(S. 65). Sondern ich denke mir, dass zunächst der milde, 
segnende Sonnengott, wie er in Baldr als Friedensgott er¬ 
scheint 10 , allerdings schwerlich ohne Einfluss vergleichender 
Zusammenstellung mit Christus, ethisch aufgefasst uhd der 


8 Bekanntlich hat übrigens Mannhardt, Baumk. 571 ff. 
auch bei Nerthus Anklänge an Cybele gefunden, wie Bugge 
bei Freyja (Katzengespann = Löwengespann). 

9 Ich würde jetzt in diesem Punkte meinen Widerspruch 
gegen Bang bestimmter und meine allgemeine Zustimmung 
bedingter aussprechen als vor zwei Jahren an anderm Orte. 

10 Ich werde diese Auffassung bei der Besprechung des 
zweiten Heftes motiviren. 


Digitized by LjOOQie 




7 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. 3fr. L 


8 


Jahres- (oder Tages-) Mythos auf das grosse Weltjahjr über¬ 
tragen ward. Dann erst halte ich Einwirkung der Legende 
in einzelnen Zögen für möglich. Ohne hier genauer 
auf die Frage eingehn zu können bemerke ich nur, dass sich 
die W'MO'erung der Riesin in der Felsenhöhle, Baldr zu be¬ 
weinen, sehr natürlich aus der Erwägung erklärt, dass ein 
das Sonnenlicht scheuendes Wesen keinen Grund hatte, den 
segnenden Bonnengott zu lieben. Höchstens der Name ppkk 
könnte sich auf die von B. angenommene Weise erklären. 
Wie bei diesem allgemeinen Beweinen so hat man auch 
speciell bei Friggs Thränen gewiss viel eher als an die 
weinende Maria an Freyjas Tränen zu denken, die sie Od 
nachweint: auch Frigg weinte urspr. um ihren Gatten, 
denn Baldr halte ich für eine Hypostase des ältern Sonnen- 
ottes Wodan, und aus dem natürlichen Hintergründe des 
onnenmythos werden die goldenen Thränen (wohl die schil¬ 
lernden Thautropfen, die im Glanz der Morgensonne goldig 
schimmern, wie schon Simrock deutete) zu erklären sein. 
Dass dieser Zug sich bei Adonis wiederfindet, den ja B. mit 
Od zusammenstellt (oben Anm. 7 ), sollte auch ihn auf diese 
Erklärung geführt haben. Endlich Lokes Betheiligung an 
Baldrs Tode halte zwar auoh ich für nicht ursprünglich: die 
Rache trifft ja nach wie vor H 9 dr, der doch im norrönen 
Mythos unschuldig ist, und nur daneben auch Loke. Aber 
ich kann sie mir aus der echten nordischen Mythologie heraus 
im Laufe der Zeit natürlich entwickelt denken. Lokes Doppel- 
seitigkeit, die B. in seinem Excurs über Loki-Lucifer S. 70 ff. 
ignorirt, kommt dabei in Betraoht: er ist einerseits der segnende 
Gott (Vsp. 20 Hdbr.), der alte Fepergott (urspr. Loge? = 
L6dttrr y Loptr ) und Mitglied einer alten Götterdreiheit, Odins 
Bruder, Thors Gehülfe etc.; andrerseits aber der götterfeind¬ 
liche Dämon, der riesische [Utgarda-] Loke. Wie ich mir 
das Verhältnis8 beider zu einander denke, werde ich andern 
Ortes ausführlich darlegen. Jedenfalls hat zunächst der Dämon 
Züge von Lucifer übernommen; aber auch Loke ist ebenso¬ 
wenig von vornherein Lucifer wie Baldr Christus; selbst die 
Aehiüichkeit der Namen kann zufällig sein. Galt aber einmal 
Loke bei Baldrs Tode als Anstifter, so war die weitere Aus¬ 
gestaltung des Mythos nach dem Vor bilde der Longinuslegende 
freilich möglich. Ob auch die allerdings merkwürdige Ueberein- 
8timmung mit der S. 45 besprochenen jüdischen Darstellung 
von Christi Tode sich auf diese Weise erklären lässt oder 
für zufällig zu halten ist, wage ich noch nicht zu entscheiden. 
Unter allen Umständen aber stand der Mistelzweig schon vor¬ 
her in Verbindung mit Baldrs Tode, und höchstens das In- 
Eid-nehmen könnte entlehnt sein. 

Darin bin ich mit B. völlig einverstanden, dass Saxos 
Bericht auf eine ältere Entwicklungsstufe des Baldrmythos 
zurüokweist. Wenn aber B. auch diesen ältern Baldrmythos 
für ungermanisch erklärt und ihn aus antiken Sagen von 
Paris und Achilles u. 8. w. herleiten will, so muss ich ent¬ 
schieden widersprechen, wie denn überhaupt die Annahme 
von Entlehnungen aus antiken Mythen in irgendwie 
rös8erem Umfange, und ganz besonders in der 
eldensage bei mir absolutem Unglauben begegnet. Wir 
werden ja die betreffenden Untersuchungen abzuwarten haben; 
was aber B. bis jetzt üher den Ursprung der Helge- und der 
Orvar-Odd-8age andeutungsweise vorgebracht hat, scheint 
mir der Art, dass wir unsere 8igfrids-, Hilden- und Wielands- 
Sage — die nach B. (S. 22 ! ) auoh „unter dem Einfluss 
griechisch-römischer Erzählungen entstanden“ sein sollen — 
einstweilen noch getrost als nationaldeutsches (bezw. germa¬ 
nisches) Sagengut betrachten dürfen. Dasselbe gilt von der 
Vergleichung der Baldrsage Saxos mit den erwähnten antiken 
Sagenstoffen, soweit die betr. Untersuchung bis jetzt vorliegt. 
Ein endgültiges Urtheil wird natürlich erst nach dem Er¬ 
scheinen des zweiten Heftes möglich werden. Vorläufig sei 
nur bemerkt, dass Baldr meiner Ansicht nach durchaus ein 
deutscher Gott ist, der wahrscheinlich erst auB Deutschland 
nach dem Norden kam. Indem ich mir Vorbehalte diese Sätze 
bei Besprechung des zweiten Heftes zu begründen, hebe ich 
nur noch hervor, dass — abgesehen von dem Merseburger 
Spruche — hauptsächlich das Zeugniss der deutschen Helden¬ 
sage mir beweisend erscheint. Denn dass in den Hartungen 
Baldr und sein göttlioher Bruder fortleben, sollte nach Möllen¬ 
hoffs Ausführungen (H. Z. 12, 346 ff.) als feststehend gelten. 

Ich habe Bugge in der Hauptsache widersprechen müssen 
und habe geglaubt, dies um so entschiedener thun zu sollen, 
je nothwendiger es mir schien, die Bedeutung der neuen 
„Entdeckung“, der B.’s berühmter Name in den Augen Vieler 
gewiss ein besonderes Gewicht verleiht, auf das rechte Mass 


' zurückzuführen. Nicht als ob ioh mir anmassen wollte ihn 
zu belehren oder ihn zu überzeugen gedächte; denn die Ein¬ 
wände, die ich geltend gemacht, liegen meist so nahe, dass 
er sie sich wohl schon selbst gemacht haben muss; und ich 
| bedaure nur, dass er sich nicht darüber ausgesprochen hat, 
wie er sich mit ihnen glaubt abfinden zu können. Ich ver¬ 
kenne übrigens nicht, dass in beschränktem Umfange, soweit 
• es sich nur um einzelne, nebensächliche Züge han- 
1 delt, B.’s Auffassung alle Beachtung verdient, und ich be¬ 
zweifle nicht, dass auch, wer wie ich seine Theorie im Ganzen 
verwirft, im Einzelnen auch in den folgenden!Heften manche 
feine Bemerkung, manchen glücklichen Nachweis mit Dank 
zu begrüssen haben wird. # 

, Leipzig, 13. November 1881. A. Edzardi. 


I Der Nibelnnge N6t mit den Abweichungen von 
| v der Nitelunge Lief, den Lesarten sämmtlicher 
1 Handschriften und einem Wörterbuche heraus- 
I gegeben von Karl Bartscii. Zweiter Theil. 

Zweite Hälfte: Wörterbuch. Leipzig, Brockhaus. 
1880. XLVIII, 411 S. 8. M. 9. 

| Im Jahre 1865 erschienen Bartschs ‘Unter¬ 
suchungen über das Nibelungenlied\ in denen das 
Verhältniss der auf uns gekommenen Texte zu 
1 einander zuerst in befriedigender Weise erklärt 
worden ist. Die Ergebnisse der ‘Untersuchungen’ 
liegen seiner grösseren Ausgabe zu Grunde, deren 
erster Theil (1870) den Text beider Bearbeitungen 
enthält. Nachdem dann 1876 der erste Halbband 
des zweiten Theils den kritischen Apparat gebracht 
hatte, ist nunmehr durch ein lange erwartetes er- 
I schöpfendes Specialwörterbuch, das des zweiten 
j Theils zweite Hälfte bildet, die Ausgabe vollendet, 

| und haben somit, soweit sich absehen lässt, Bartschs 
| Forschungen über das Nibelungenlied ihren Ab- 
j Schluss erreicht. Es ist hier .nicht der Ort, Bartschs 
Nibelungenhypothese zu besprechen. Nachgerade 
wird sich jeder, der sich überhaupt mit diesen 
| Dingen beschäftigt und selbst nachzudenken und 
. nachzuprüfen pflegt, seine Ansicht über sie gebildet 
, haben. Neben unbedingten Anhängern und er¬ 
bitterten Gegnern stehen solche, die die Richtigkeit 
’ von Bartschs Theorie in ihrem Kerne rückhaltslos 
i anerkennen, aber ausser Stande sind, allen Ergeb¬ 
nissen seiner Untersuchungen beizupflichten. Ref. 
gehört zu letzterer Categorie. Dass die beiden 
Recensionen *B und *C (im folgenden nach Bartsch 
mit I und II bezeichnet) selbständige Bearbeitungen 
eines verloren gegangenen Originales sind, darf 
| getrost in der Geschichte der deutschen Literatur 
! als wohlbegründete Annahme behandelt werden, so 
lange nicht eine Hypothese aufgestellt wird, welche 
die Abweichungen der beiden Recensionen besser 
erklärt. Bartsch hebt es (Unters. S. VI) ausdrück¬ 
lich als den Zweck seines Buches hervor, zu zeigen, 
‘dass eine ältere Gestalt des Textes uns verloren 
j gegangen, in der allein die unter sich unabhängigen 
Bearbeitungen sich vereinigen*. Dies wichtige Er- 
i gebniss ist unabhängig von der Bestimmung der 
Abfassungszeit dieser älteren Gestalt des Textes, 
in Bezug auf welche ich den Einwendungen von 
Paul zustimme; es ist unabhängig von der Küren¬ 
bergerhypothese, die mir genügend widerlegt scheint; 

! es ist unabhängig von den wirklich gemachten Ver¬ 
suchen, den Urtext zu reconstruiren, wodurch den 
Gegnern ein wohlfeiles Mittel zum Spotte in die 


Digitized by 


Google 


9 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. *' 


10/ 


Hand gegeben wurde; es ist endlich auch unab¬ 
hängig von der eigentlichen Frage nach der Ent¬ 
stehung des Gedichtes, von dem Standpunkt, den 
man der oder richtiger einer Liedertheorie gegen¬ 
über einnimmt. In allen berührten Punkten kann 
man von Bartsch abweichen und ihm dennoch das 
grosse Verdienst ungeschmälert zuerkennen, dass er 
zum- ersten Male das Handschriftenverhältniss des 
Nibelungenliedes richtig beurtheilt und die Stellung 
der Bearbeitungen zu einander befriedigend er¬ 
klärt hat. 

Auch in der Bearbeitung des Wörterbuchs ist 
selbstverständlich Bartschs Hypothese zum Aus¬ 
druck gelangt. Der Wortgebrauch in I- und II ist 
sorgfältig auseinander gehalten: ausserdem ist aus 
naheliegenden Gründen' der abweichende Wort¬ 
gebrauch der Hs. A aufgenommen. Ganz besonders 
aber kehrt die Einleitung den Staridpunkt des Ver¬ 
fassers hervor. Sie hebt drei Gesichtspunkte heraus, 
nach welchen der Wortvorrath und Wortgebrauch 
der Nibelungen für die Fragen der höheren Kritik 
verwerthet werden kann. Es wird in einem ersten 
Abschnitte (S. IX—XXII) nachgewiesen, dass der 
Wortbestand von A sich nicht unerheblich von dem 
des gemeinsamen Textes unterscheidet, und zwar 
theilweise in einer bestimmten Richtung nach dem 
Höfischen. Ein zweiter (S. XXII—XXXIII) unter¬ 
sucht den Wortbestand der Plusstrophen in II, die 
sich auch hierdurch als Zusätze ergeben. Ange¬ 
schlossen ist der Wortbestand der wenigen in II 
fehlenden Strophen, aus dem sich doch wohl kein 
bestimnftes Ergebniss gewinnen lässt. Endlich' wird 
(S. XXXII—XLVIl) eine Reihe von Stellen be¬ 
sprochen, wo I und II von einander abweichen, und 
in beiden Bearbeitungen sich dem gemeinsamen 
Texte fremde Wendungen zeigen. Hier, schliesst 
B., hat jeder der erhaltenen Texte seine Vorlage 
umgestaltet. Diese Annahme ist aber nicht in allen 
Fällen unbedingt nöthig, und, wo sie nöthig wird, 
braucht man doch den Grund der Umgestaltung 
nicht immer aus formalen Motiven herzuleiten. Es 
würde die Erörterung dieses Punktes indess zu 
weit führen. 

Das Wörterbuch selbst wird von Freund und 
Feind als ein willkommenes Hilfsmittel begrüsst 
werden. Es^ legt mit Recht den Hauptnachdruck 
nicht auf die Form, sondern auf den Gebrauch und 
die Verbifidungen der Wörter. Ich könnte dem 
Verf. in den von mir nachgeschlagenen Citaten eine 
ziemliche Anzahl Fehler in den Zahlen nachweisen, 
verzichte jedoch gerne auf dieses Vergnügen. Im 
grossen und ganzen ist die Correctur sorgfältig 
genug gehandhabt. Kein Buch gibt zu so vielen 
Ausstellungen Anlass wie ein Wörterbuch, aber bei 
keinem sind sie weniger berechtigt. Im folgenden 
gestatte ich mir einige Bemerkungen, die meinen 
aufrichtigen Dank für die mühevolle Arbeit in keiner 
Weise schmälern sollen. 

Zunächst einiges von allgemeinerer Art. Gerne 
fände man bei den Wörtern, die nur im Nibelungen¬ 
liede nachweisbar sind, eine diese Thatsache kennt¬ 
lich machende Bemerkung. Ich stelle diese andB, 
HQrjutva hier zusammen, indem ich auch solche 
Wörter hierher rechne, die zwar im Nib. öfter, sonst 
aber in der mhd. Literatur nicht Vorkommen. Es 1 


sind: abelouf (in dieser Bedeutung), adelvri, angesten 
als intransitives Verbum (?)< anstrich, botenmiete, 
brütmiete, gevähen näch, halpful (?), helmgespan, helm- 
klanc, helmschin, hergesinde ,als swm, herzevient, 
kapelsoum , kreften (oder kraften ? nur in II), mein- 
liehen ‘falsch* ( meineclichen var.), missedienen, mort- 
rneile, mortrceche, mortreeze, ouwen swv., pfertgereite, 
reisemüede II, rewunt (s. unten), rigelstein, sabemviz, 
schiltgesteine, schiltspange, stritküene, stuolgewcete I, 
sturmküene, sunderstarc (fehlt bei Lexer), suochman, 
swertgenöz, swertgrimmic I, tamhüt, ungestoubet, un- 
gevehet, urwtse II (= vürunse I, vgl. aber Zarnckes 
Ausg. 5 394), veicliche Adv. (das Adj. auch in der 
Klage), verdiezen, wäfenhemde, werespeehe II. wort- 
rceze . Dieses Verzeichniss wird wohl kaum voll¬ 
ständig sein. Es enthält namentlich Composita, die 
zum Theil archaistisch, zum Theil aber wohl Neu¬ 
bildungen sind. Eine Reihe von Wörtern findet 
sich ausser im Nibelungenliede nur im Bitcrolf, 
z. B. gewahs, hutft, eriteniuwen, schiltgespenge, un- . 
sorcltchen u. a., andere ausser im Nib. nur in der 
Kudrun. Genauere Sammlungen, in der Weise, wie 
der leider zu früh der Wissenschaft 'entrissene 
Jaenicke sie in den Anmerkungen zu seiner Biterolf- 
ausgabe veranstaltet hat, wären sehr wünschens- 
werth. — Die Eigennamen sind vollständig mit allen 
Belegstellen und üblichen Umschreibungen aufge¬ 
führt. Ich vermisse nur Sivrit, Sohn des Günther 
und der Prünhilt 718, 4. Eine gewisse Ungleich- 
mässigkeit in der Anführung erläuternder Be¬ 
merkungen hätte vielleicht vermieden werden können. 
So findet sich unter Balmunc angegeben ‘Siegfrieds 
Schwert', nicht aber unter Waske, dass die Waffe 
Iring zukömmt. Während Gelpfrät als ‘Herr in 
Baiern’ charakterisirt wird, fehlt bei Else eine ähn¬ 
liche Bemerkung. Dasselbe Hesse sich sagen von 
\Irinc und lrnfrit, von Misenburc und Heimburc u. ö. 

— Verwiesen wird ausschliesslich auf die ‘Unter¬ 
suchungen' des Verfassers. Dennoch, meine ich, 
wäre bei manchen Wörtern, namentlich solchen, 
die für das Epos selber von Bedeutung und dem¬ 
gemäss vielbesprochen sind — man denke nur an 
gehit, peye, ruore, vergiseln, — eih Literaturnachweis 
sehr dankenswert!) gewesen. 

Ich erwähne schliesslich ein paar Einzelheiten: 
S. 1. abelouf. Richtiger erklärt wohl Lexer (I, 9) 
‘Ort, wo das Wild beim Treiben hervorlaufen muss'. 

— S. 2. after . Ist vielleicht afterwegen als Adverbium 
zu fassen? Mich führt auf diesen Gedanken die 
Analogie des nnl. achterwege. — S. 19. ‘«rc stm.' 
Richtiger wohl stn.' — S. 33. peye. Beachtenswert!), 
obgleich keineswegs wahrscheinlich, ist die Erklärung 
bei Lexer, Nachtr. S. 96. — S. 112 ist gepinze 
Druckfehler für gepiuze. — S. 114 gehit . Vgl. meine 
Besprechung dieser Stelle Jenaer Litzeit. 1878, 
Sp. 538 f. — S. 172 kapelsoum ist wohl nicht ‘Ge- 
räth zum Gottesdienst', sondern das Gepäck, welches 
diese Geräthe enthält. — S. 193 leich. An beiden 
Stellen wird das Wort tropisch gebraucht: dem 
Tropus liegt aber kaum die Bedeutung ‘Gesang' zu 
Grunde., sondern ‘gespielte Melodie', wie im Tristan 
3508 (s. Bechsteins Anm.). — S. 200 Loch . Nach 
Lachmann zu Nib, 1077, 3 wfte Loche anzusetzen. 

— S. 216 missemr heisst an den beiden zuerst an¬ 
geführten Stellen allerdings ‘von übler Farbe, ent- 


Digitized by 


Google 


, 11 


1882. 


Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


12 


färbt*, muss aber 1011, 4 II ‘blutig* bedeuten. — 
S 219 steht morgengäbe ohne Erklärung. — ib. 
mortrceze fuge hinzu: 845, 3 DI. — S. 249. rSwen 
ist wohl, ganz zu streichen, und dafür das Adj. 
röwunt anfaunehmen, auf welches die Ueberlieferung 
führt. Auch findet sich rewen zwar eiuigemale als 
trans., niemals aber als intrans. Zeitwort. — S. 254 
riterspise. Vgl. die Einl. S. XII f. — S. 258. ‘sahs 
stn. Schneide*. Wohl ‘Pfeilspitze*. — S. 299. sumer- 
lanc . DJe Erklärung von der sumerlange tac als der 
‘Sonnwendtag* (v. Muth, Anz. für d. Alt. 3, 276) 
ist mit Hinblick auf 2086, 1 sehr wahrscheinlich. 
S. 336. Ver gen, jetzt Pföring. — S. 338. ferrans . 
Genauer erklärt die Sache Schultz, Höfisches Leben 
I, ,268. — S. 375. wende. Die vielbesprochene Stelle 
scheint mir doch die leichteste Erklärung zu finden, 
wenn man wenden (wende ), wie Lexer III, 684 es 
thut, zu want stellt. —,S. 406. Zu zein füge hinzu 
434, 3 1. 

Ob altmäc (S* 11) mit Rechf aufgenommen ist 
als Lesart der Recension I, kann fraglich scheinen. 
Kur die Hs. I hat alt, dagegen AD und die Recen¬ 
sion II alte, während Bd alten bieten. 

Gfroningen, 26. Juli 1881. B. Symons. 


Gfirel von dem Bittenden Tal. von Dr. Michael 
Walz, Prof, am k. k. akademischen Gymnasium 
in Wieiu Separatabdruck aus dem Jahresbericht 
des k. k. Gymnasiums in Wien 1881. Wien, 
Selbstverlag des Verfassers. 

Die eingehenden Untersuchungen Elard Hugo 
Meyers über Tandarois und Flordibel in Haupts 
Zs. 12, 470f. verfolgten den ausgesprochenen Zweck: 
„die Frage über den Pleier zu möglichst vollstän¬ 
digem Abschluss zu bringen und weitere Ausgabery 
vom Garel und Tandarois überflüssig zu machend 
Jedermann wird der Würdigung beipflichten, welche 
die Werke des genannten Dichters hier erfahren 
haben, so weit es sich um ihren künstlerischen 
Werth handelt. Anders stellt sich aber di^ Frage 
hinsichtlich der Sprachforschung und der Literatur¬ 
geschichte. Die erstere wird eine vollständige Aus¬ 
gabe der Gedichte Pleiers nicht entbehren können 
schon um des Materiales willen, welches hier für 
sie geboten wird; die letztere kann nicht an dem 
Pleier vorübergehen da, wo es sich darum handelt, 
das Nachleben der klassischen Periode näher zu 
bestimmen. Ueberdies ist die Ueberlieferung unserer 
Denkmäler aus der klassischen Zeit im Ganzen eine 
so fragmentarische und so mangelhafte, dass auch 
die Leistungen der Epigonen, wie gering sie sonst 
an ästhetischem Werthe sein mögen, gewissermassen 
noch unentbehrlich sind, wenn es gilt, auf die voran¬ 
gegangene Zeit zurückzuschliessen und Lücken in 
ihr zu ergänzen. 

Nach diesen Gesichtspunkten erscheint es daher 
nicht ungerechtfertigt, \Venn Michael Walz trotz 
dem absprechenden Urtheil Meyers den Muth hat, 
eine vollständige Ausgabe des Garel vorzubereiten, 
und zu*diesem Behuf unter dem oben angegebenen 
Titel einstweilen eilte Probe vorausgehen lässt. 

Die Schrift bringt zuerst eine nähere Be¬ 
schreibung der dem 14. Jahrhundert angehörigen 


Linzer Handschrift, in welcher der Text des Garel 
am vollständigsten überliefert ist, und bespricht so¬ 
dann die Schreibweise sowie den Lautstand des 
dem Schreiber derselben eigenen Dialectes.. Diesen 
ausführlichen Erörterungen reiht sich schliesslich 
als Probe eines gereinigten Textes eine grössere 
Anzahl vo/i Versen aus dem Garel an. 

Im Interesse der in Aussicht gestellten Ge- 
sammtausgabe scheint es wünschenswerth, dass der 
Hrsg, sich einstweilen noch etwas mehr in die 
Werke der älteren Schriftsteller vertieft, welche, 
der Pleier fleissiger als je ein anderer Dichter in 
seinen Werken copirt hat, Hartmanns vor allen und 
Wolframs. Nur dann wird es ihm möglich werden 
eine Reconstruction des Textes zu liefern, weiche 
so wenig wie möglich die Eigentümlichkeiten des 
Autors verwischt. 

V. 770—71 ob sie satten elliu her, därumbe 
gaebens niht ein brät ; was soll hier satten ? In der 
Hs. steht dafür sutun , und dies ist vielmehr ver¬ 
schrieben für suohten, wie man aus der vom Dichter 
nachgeahmten Stelle in Parz. 226. 20—22 ersieht. 
— V. 796 von palmät dicke ein matraz | gesteppet 
äf ein plielle breit — dies gibt keinen Sinn; der 
richtige Text war leicht herzustellen nach Parz. 
683, 13 — 15. — V. 825 so minneclicher anevanc ; 
hier anevanc fehlerhaft für antvanc\ derselbe Fehler 
von Bartsch verbessert im Meieranz 2782, 2808, 
12000. — V. 926 der ziihtic riche wise man — 
richtiger war hier zühte-riche , vgl. 4168 — V. 965. 
der hat so werdicliche gelebet er bl stnen tagen ; statt 
er war her zu schreiben, vgl. V. 1711 und Wigal. 
6. 25. — V. 847 ist der Punkt nach maget zu 
tilgen. — V. 1061 ff* möchten etwa so gelautet 
haben: dd frumte er minem lande i mit rouben und 
mit brande \ die herzebaeren sere. Wan het er wider - 
satz mirel — V. 1088 sit mir al min friund sint 
töt\ nach dem Zusammenhänge erwartet man fröud 
ist für friund sint vgl. V. 1132. — V. 1338 muss 
es rechen für reche heissen. — V. 1815 daz man 
daz harnasch vonme enphie\ besser wohl im statt 
vonme; vgl. V. 3371; Erec 1207; Germania 21, 419* 
derselbe Fehler in V. 4 475 daz harnasch und diu 
wäpenkleit | von in enphie , wo man in für von in zu 
schreiben war. — V. 2212 ist zu lesen und an im 
pris bezalte (Hs. gezalteY wie V. 2747, 3576. — 
V. 2214—15 ir ietweder den andern stach j mit orsse 
im volle üf den plän\ aber die Lesart der Hs. mit 
orsse mit alle war unantastbar, wie die Stellen in 
Parz. 38. 27; 680, 21 lehren. — V. 2329 heim für 
immer mfare\ in der Hs. hagmen. was vielmehr aus 
hinnan oder hinnen verderbt scheint. — V, 2476, 
2534, 2748, 3941 wird ein verschrieben sein für et; 
letzteres hat auch V. 3755 die Hs. statt des in den 
Text gesetzten ein. — V. 2568 - 69 nieman guoter 
sol des bilden | stnen grdzen übermuot : schwerlich 
richtig; vielleicht n. g. sol Unbilden der sin grozer 
übermuot. — V. 2927 got müez iu (im Text iuch) 
den lip bewarn. — V. 3088 {ein lewe) der ginte wtt 
mit sinem klewe , vielmehr kewe, vgl. Meieranz 1O062 
und die Anmerkung dazu. — V. 3374 dä die 
schoenen bluomen Mär | siebte unde wol gevar ( wol 
gezieret stuonden ; ich verinuthe vöch gevar statt wol 
gevar . — V. 3421 daz ein ende hiet sins gröubes 
zil ; in der Hs. gelaubes statt gröubes ; vielleicht 


Digitized by 


Google 




14 


13 1882. Literafurblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


gelphes ? — V. 8607 ist auffällig das Ädverbiuni 
snellerr, vielleicht ist zu ändern: hört man lüttn ! 
helle (: snelle ), vgl. die Anmerkung zu Mai u. Beaflor 
71. 24. — V. 8861—62 des frönte ich mich, mir , 
was e danc, daz si ihtes an mich gert; besser: mir , 
tcas en danc = ich war schon zufrieden, vgl. Mhd. 
VVörterb. I. 3f)4 b . — V. 4210. an werder fuore nicht 
betrogen ; in der Hs. pür betogen ; etwa bor betrogen'*. 

_V. 4173 u. 44i8 halle ich die Aenderung der 1 

Hs. für nicht geboten. — V. 4721 vermuthe ich , 
betwanc für er twanc ; er kann hier dem Sinne nach . 
ergänzt werden. V. SO 14 muss es wohl behuote 
und ouch geruochte heissen. 

Zeitz, Sept. 1881. Fedor Bech. 

I _______ _ 

Heinzerling, J., Die Namen der wirbellosen 
Thiere in der siegerlfinder Mundart ver- j 
glichen mit denen anderer deutscher Mundarten 
und germanischer Schriftsprachen. Progr. Siegen 
1879. U. Montanni in Comm. 

Zusammenstellungen wie die vorliegende sind 
dankenswert!), und Verf. zeigt im Ganzen richtige 
Anschauungen über Volkssprache bei Behandlung 
seines Gegenstandes. Doch hätte er bestimmter als 
Grund der Namengebung der Thiere wie auch der 
Pflanzen u. s. f nicht allgemein die auffallenden 
Eigenschaften derselben hinstellen sollen, sondern 
den Werth, den das Thier für den Menschen, seine 
Bedürfnisse und seine Belustigung hat, denn nur 
Gegenstände des Bedürfnisses oder der Freude 
resp. des Schmerzes drängen zur Mittheilung und 
damit zur Benennung. Ferner wenn Heinzerling 
die Absicht Jiatte, die Frage zu lösen, welche der 
genannten Thiere schorf urgermanisch benannt waren 
und welche nicht, so hätte er das einsehlagende 
Material in viel grösserer Vollständigkeit Zusammen¬ 
tragen müssen. So haben die Vergleichungen sehr 
geringen Werth. Die von ihm S. 11 gemachte 
Beobachtung, „dass die erwähnten Beziehungen 
mancher Käfer zum früheren Götterglauben darauf 
hin<jeuten, dass manche gerade schon in uralter 
Zeit benannt gewesen sein müssen 44 , hätte ihn be¬ 
lehren sollen, dass die Verschiedenheit der Benennung 
der Thiere bei verschiedenen germanischen Stämmen 
nicht das späte .Alter der Benennung überhaupt 
beweist. Bewiesen wird dadurch, dass die* Ver¬ 
anlassung der Benennung ursprünglich in der reli¬ 
giösen Beziehung lag, und als das religiöse Be¬ 
wusstsein sich änderte, änderte sich entsprechend 
auch die Bezeichnung, wenn der alte Name seiner 
etymologischen Bedeutung nach durchsichtig blieb: 
so sind herrgottspierdken, harrgo a ttsdtrche, Herrgotts - 
ängelche, harrgottsoenekn, Marienwürmchen u. a. Be¬ 
zeichnungen nach religiöser Beziehung, aber nicht 
nach altheidnischer, sondern nach christlicher. Be¬ 
deutungsvoll erscheint Ref. auch der Gesichtspunkt, 
dass eine Reihe der aufgeführten Thiere zur Mit¬ 
theilung und Benennung nur oder vorwiegend dem 
Kinde gegenüber Veranlassung geben, sei es um 
das Kind spielend daran zu beschäftigen oder davor 
zu warnen. Bei Beurteilung solcher Benennungen 
ist also auch der ganz eigenartige Charakter der 
Sprache des Erwachsenen mit dem Kinde und die 


Umwandlungen bes. religiösen Materials zur Kinder¬ 
belustigung mit in Rechnung zu ziehn. — Die Mit¬ 
theilungen über die siegerländer Mundart sind das 
Brauchbare der Abhandlung und so w’eit Ref. be- 
urtheilen kann, mit Sorgfalt und Sachkenntnis ge¬ 
macht; ein Register über die besprochenen Namen 
erhöht die Brauchbarkeit der Arbeit. 

Magdeburg, 10. Oct. 18 s l. Pb. Wegener. 


Al brecht, Karl, Die Leipziger Mundart. 

Grammatik und Wörterbuch der Leipziger Volks¬ 
sprache. Zugleich ein Beitrag zur Schilderung 
der Volkssprache im Allgemeinen. Mit einem 
Vorwort von Rudolf Hildebrand. Leipzig 
1881. XV, 243 §. 

An eine so wohlgemeinte und mit so regen) 
Eifer für die Sache unternommene Dilettantcnarbeit 
denselben Massstab anlegen zu wollen, mit welchem 
wir die in das Gebiet der deutschen Grammatik 
einschlägigen streng wissenschaftlichen Schriften zu 
messen pflegen, würde um so unbilliger sein, als 
der Verf. seinen Leserkreis offenbar nicht unter 
den Fachgermanisten, sondern unter den gebildeten, 
für ihren Dialect nicht ganz theilnahmlosen Be¬ 
wohnern der Stadt Leipzig sucht. Er hat viele 
Jahre hindurch auf den Strassen und in den öffent¬ 
lichen Localen die Unterhaltung unbefangener, nicht 
absichtlich schriftgemäss rieh ausdrückender Leute 
belauscht, alles, was ihm an Lauten, Formen und 
Bildungen, an dem Satzbau und im Ausdrucke 
merkwürdig schien, aufgezeichnet, geordnet, und 
hie und da sich zu erklären versucht, ohne indess 
Vollständigkeit anzustreben, und hat nun aus seinen 
Sammlungen ein Büchlein hergestellt, das zwar, wie 
Hildebrands feinsinnige und lehrreiche, leider su 
schnell abgebrochene Bemerkungen „ in der Vorrede 
zeigen, auch manches für die Wissenschaft ohne 
weiteres verwerthbare Gut enthält, aber doch sich 
im allgemeinen über den Werth einer guten Unter¬ 
haltungsschrift nicht zu erheben vermag. Denn um 
das in dem Buche verborgene Gold aus dem Roh¬ 
erz, in dem cs uns der Verf. bietet, herauszu¬ 
schmelzen, bedarf es nicht nör spraehgeschichtlicher 
Methode, sondern eben derjenigen Kenntniss, welche 
uns der Verf. vermitteln will, da bei der unvoll¬ 
kommenen Wiedergabe der mundartlichen Laut¬ 
abstufungen nur derjenige im Stande sein wird, sich 
von den besprochenen Dialectworten ein Bild zu 
machen, der selbst in Leipzig aufgewachsen ist oder 
doch wenigstens längere Zeit da gelebt hat. Einem 
solchen leisten dann die A.’schen Sammlungen den 
dankenswerten Dienst, halb vergessene, in der 
Kindheit aber oft gebrauchte Ausdrücke im Ge¬ 
dächtnis Wieder aufzufrischen, weshalb denn das 
Studium des Buches wie für Hildebrand, so auch für 
den Ref. von entschiedenem Interesse gewesen ist. 
Man darf aber überhaupt bezweifeln, ob Schriften 
über Mundarten (deren es ja unzählige gibt), wenn 
sie nicht, wie z. B. die bekannten von Winteler 
und Stickelberger (Lautlehre der lebenden Mund¬ 
art der Stadt Schaffhausen, Aarau 1881) unter 
Heranziehung der Lautphysiologie und Sprach¬ 
geschichte unternommen werden, im Stande sind. 


Digitized by LjOOQie 



15 1882. Literatürblatt für germanisch• 

irgend welchen weiteren Nutzen zu stiften, und ob 
es nicht besser wäre, wenn die Liebhaberschaar, 
die sich seit langer Zeit huf dem ausgedehnten 
Gebiete der deutschen Dialectforschung so selbst¬ 
gefällig tummelt, einmal von fachmännischen Arbeitern 
wenn nicht vertrieben (denn wir müssen uns hüten, 
das Interesse an der Sache zu verringern), so. doch 
durch 1 zahlreiche Beispiele tüchtiger Leistungen auf 
den Ernst und die Schwierigkeit dieser Forschungen, 
von denen die meisten der Dilettanten keine Ahnung 
haben, nachdrücklich hingewiesen würden. 

Leipzig, 6. Aug. 1881. Rudolf Kögel. 


Uhlemann, Emil, ; Ueber die anglonorman- 
nische Vie de seint Auban in Bezug auf 
Quelle, Lautverhältnisse und Flexion. Strassb. 
Diss. [Sonderabdruck aus Böhmers Romanischen 
Studien Bd. IV S. 543—626.] Bonn 1880. 

Die dankenswerthe Abhandlung erörtert zu¬ 
nächst die Frage nach der Quelle der anglonor- 
mannischen Vie de seint Auban. Hierfür standen 
dem Verf. das noch ungedruckte lateinische Gedicht 
des Ralf von Dunstaple, von dem er nachweist, 
dass es nicht die Quelle der Vie gewesen ist, und 
John Lydgates englisches. Gedicht, welches viel¬ 
leicht unter andern Quellen auch die Vie inhalt¬ 
lich verwerthete, zur Verfügung. 

In dem grammatischen Abschnitt ist es dem 
Verf. weniger um knappe Uebersichtlichkeit als um 
Raisonnements über die Lautverhältnisse zu tbun. 
Doch zeigt er sich in grammatischen Fragen im 
Ganzen gut unterrichtet. Im Einzelnen ist manches 
zu beanstanden. Ich greife nur einen Punkt heraus: 
die Aussprache des e im Anglonormannischen. Ich 
habe in der Zs. für roman. Philologie 3, 139 — 140 
die Gründe dargelegt, welche mich veranlassen vor 
dem Ende des 12. Jh.’s dem anglonormannischen e 
(= lat. a) die geschlossene Aussprache, also c 3 , 
zuzuschreiben 1 . Uhlemann nimmt diese Aussprache 
nur für das auslautende e an; im An- und Inlaute 
schreibt er dem e (= lat. a) die offne Aussprache, 
also e\ zu. leb will hier versuchen, seine Argumente 
in Kürze wiederzugeben und schliesse die Gegen¬ 
bemerkungen, durch welche ich dieselben glaube 
widerlegen zu können, in eckige Klammern ein. 

‘Fantosme reimt in der zweiten Laissc faire, 
aire , contraire u. s. w. mit paire 23, fraire 29. 
Sind die letzten beiden Wörter nicht = pere, frere 
zu fassen?’ [Antwort: Nein. Denn wenn dieses ai 
bei Fantosme nur eine Bezeichnung des offnen e- 
Lautes wäre, so würde Fantosme dasselbe auch in 
avere (avaram), pere (parat), ere(e rat), chere (caram), 
fere (feram)... geschrieben haben, was nicht der 
Fall ist. Folglich sind jene Formen paire, fraire, 
auch furmeire L. 130, bei ihm ebenso zu beurtheilen, 
wie bei Guischart von Beaujeu S. 19, wo an mono¬ 
phthongische Aussprache nicht gedacht werden kann. 
Bei beiden Dichtern erklären sich diese Formen aus 
provenzalischen Einflüssen, welche bei Guischart 
sehr nabe liegen und bei Fantosme durchaus nicht 
unwahrscheinlich sind.] 

1 Ich zähle die Vocale stets von unten nach oben, nenne 
also e 1 das tiefste, e* das höchste e. 


und romanische Philologie. Nr. 1. 16 


‘Einen directen Beweis für den e’-Laut von e 
aus a liefern die Reime der Conquest of Ireland’... 
[Dieses'Argument trifft erst für die Mitte des 13. 
Jh.’s zu, wo Vermischungen Vorkommen, die iin 
12. jh. unerhört sind. Ich lasse diese spätem Um- 
! bildungen aus dem Spiele.] 

‘Die Annahme e aus a = e 1 wird gestützt durch 
die Schreibung der Hs. des Auban: säet (septem), 
säet (sapit), aestnal' u. s. w. [In diesem ae erblicke 
ich nur ein Ornament der Schreibung: cs verhält 
sich zu e wie y zu i. Einen phonetischen Werth 
hat dieses ae nicht.] 

‘Für die gleiche Annahme sprechen die Schreib¬ 
ungen seet, peel, gernst. So sind wohl auch die 
von Mall, Computus S. 69 citirten Formen veent, 
aveent, peert zu erklären. Dieselbe Aussprache von 
e bezeichnet gewiss auch das erste ee in Beethleem, 
reestorer [Ueber Beethleem will ich nicht streiten. 
'Allein in reestorer ist die Vorsilbe re - ausgeschrieben 
wie le in le enemi und dergleichen; vgl. Meister, 
Die Flexion im Oxforder Psalter S. 117. Es ist 
das eine graphische Liebhaberei der nach Deutlich¬ 
keit strebenden Anglonormannen. Die übrigen Worte 
aber haben sHmmtlich den Diphthong ie. Wegen 
siet verweise ich auf Thierkopf, Der staminhafle 
Wechsel im Normannischen. Halle 1880, S. 15, wegen 
piel auf Burguy. Folglich ist Mali Recht zu geben, 
welcher in diesem ee eine Variation des Diphthongs 
ie erblickte.] 

‘Es kann nicht genug betont werden, wie grossen 
Einfluss auf die spätem frz. [sic] Dichter, besonders 
seitdem sie angefangen fürs Auge zu reimen, die 
Tradition und die Schreibung gehabt hat (vgl. über 
diesen Punkt Rambeau, Die Assonanzen des OxC 
Textes der Ch. de Roland S. 79 u. öfter; Ten 
Brink, Dauer u. Klang S. 40. 46; Böhmer. Rom. 
Studien III S. 614). Durch diesen Einfluss ist es 
denn auch zu erklären, wenn e aus a in Chardri 
noch selten mit andern ihm gleichgewordnen Lauten 

S eehunden vorkommt. Aber die wenigen Reime 
etzterer Art weisen doch mit ziemlicher Sicherheit 
darauf hin, dass e aus a für ihn — e 1 war. Wenn 
daher preere mit afere (Jos. 2831) u. s. w. reimt 
so ist das keine Ausnahme, sondern ein wichtiger 
Beleg für obige Lautung.’ [Zur Sache bemerke ich, 
dass es sich hier keineswegs um mehrere Worte 
bandelt, sondern nur um das Wort preere . Dieses 
W 7 ort ist das einzige, dessen e aus a bei Chardri 
mit e x gebunden wird. Dies ist wahrscheinlich so 
zu erklären, dass mit einer bei den Anglonormannen 
beliebten Vocalumstellung, wie in beneeit beneid, 
chaeit chaiet, veeir veier, das auch auf dem Festlande 
als voier erscheint, hier umgekehrt preiere zu preeire 
geworden ist. Wie dem auch sei, jedenfalls hat 
Chardri e aus a sonst nie mit e 1 gebunden, woraus 
jeder Unbefangne den Schluss ziehen wird, dass er 
abgesehen von preere die beiden e verschieden 
sprach. Uhlemann nimmt dennoch eine gleiche Aus¬ 
sprache an und beruft sich dafür auf die Tradition. 
Ich kann mir jedoch von dem psychologischen Vor¬ 
gänge, den diese Tradition voraussetzt, keine Vor¬ 
stellung machen. Dieselbe soll bewirken, dass ein 
Dichter Worte, die er gleich ausspricht, nicht bindet, 
weil sie vor seiner Zeit verschieden lauteten. Folgt 
der Dichter hierbei nur seinem Gefühle? Oder hat 


Digitized by LjOOQie 





17 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


18 


er die Reime älterer Dichtungen durch geplustert 
gleich den Philologen der Gegenwart? Ich kann 
mir denken, dass ein Dichter archaische Wortformen 
im Reime anwendet die sich ihm durch das Lesen 
oder Hören älterer Gedichte eingeprägt haben. Dass 
aber eine Tradition von negativ wirkendem Einflüsse 
bestände, welche einen Dichter hindern könnte, 
Endungen die er gleich ausspricht im Reime zu 
binden, ist mir für das Altfranzösische unglaublich, 
so lange nicht ein entschiedener Beweis hierfür bei¬ 
gebracht ist. Rambcau und Ten Brink reden an 
den angezogenen Stellen von einer Beeinflussung 
des Reimes durch die Orthographie, welche ich im 
Principe nicht läugnen will; sie kann aber für die 
Scheidung von tere, afere und pere, avere nicht in 
Betracht kommen.] 

‘Koch hebt hervor, dass bei Chardri ursprüng¬ 
liches ei öfter zu e wird, und diese Formen feimen 
mit e aus a, besonders in Infinitiven auf -er (lat. 
-are). Daneben reimen diese Worte auf e = ei 
aber mit ei in heir, neir, veir, sogar mit ei in eir 
(lat. aerem). Auf Grund dieser verschiedenen 
Bindungen sieht Koch sich gezwungen, Doppel- 
formen anzusetzen. Aber der Reim von e (= et) 
mit ai in air Jos. 1975, verbunden mit der obe» 
gegebenen Darlegung, dass e = ei nur e 1 sein könne, 
lassen kaum noch einen Zweifel übrig, dass e aus 
a bei Chardri e 1 lautete/ [Kochs Beobachtung, 
Chardri S. XXV, ist vollkommen richtig. Die 
Anglonormannen haben zwei streng geschiedene e, 
von denen das eine dem franconormannischen e 
(== lat. £), ai und ei, das andre dem franconor- 
inannischen e (= lat. a) und ie entspricht. Zwar 
ist nicht jedes ai oder ei gleich e 1 , da z. B. Fan- 
tosme und Beneeit von Saint Albans, beide um 1175, 
ei und ai nie im Auslaute vermischen. Allein in 
andern Endungen, z. B. in terre, faire, creire, findet 
Gleichsetzung von e, ai, ei statt, und der gemein¬ 
same Laut dieser Voealzeichen ist von e (= lat. a) 
streng geschieden. 

Nur die Itifinitivendung -eir (lat. -ere) wird 
auch mit -er (lat. -are) gebunden, und dieses ist 
der einzige Fall, wo e — franconormannischem ei 
mit e aus a im Reime erscheint. Solche Reime wie 
aver: atner sind zwar den vorhin genannten Dichtern 
um 1175 noch unbekannt, sind aber um weniges 
jüngern Dichtern bereits geläufig. Sie erklären sich 
keineswegs, wie ich selbst früher glaubte, aus reinem 
Lautwandel: denn wäre aveir lautgesetzlich zu 
aver umgestaltet worden, so würden auch Substan¬ 
tiv» und Adjectiva von dieser Veränderung nicht 
verschont geblieben sein. Dieses ist jedoch, wie 
Koch richtig beobachtet hat, niemals der Fall. 
Weder Chardri noch Grosseteste lassen in Worten 
wie heir, neir, veir die Lautung - er eintreten, welche 
ihnen in Infinitiven ganz geläufig ist. Wir müssen 
daher eine Angleichung der Infinitive auf - eir an 
die Infinitivform der ersten schwachen Conjugation 
annehmen, und können das -ant, lat. -emfem, der 
Participia praesentis. oder das - ez , lat. -atis, der 2. 
PI. vergleichen, welches in allen Mundarten Nord¬ 
frankreichs an die Stelle von - entern oder -etis zu 
treten pflegt. Daneben blieb die Endung - eir im 
Gebrauche und konnte mit veir, neir , und selbst 
mit air gebunden werden. 


Somit bleibt die Scheidung der beiden e im 
Anglonormannischen bis an das Ende des 12. Jb.’s 
| als eine unbestreitbare Thatsache bestehen. Da 
, aber niemand in terre und faire, denen sich in spär- 
i liehen Reimen auch creire anschliesst, einen andern 
Laut als den des offnen e glaubhaft machen kann, 
so sehe ich keinen Ausweg als den, dem andern e, 
in pere (patrein), avere (avaram) u. s. w\, den ge¬ 
schlossenen Laut zuzuschreiben.] 

Halle, 17. Oct. 1881. Hermann Sucliier. 


Frank, Joseph, Zur Satyre Menippße. Eine 
kritische Studie. (Jahresbericht des k.*k. Staats- 
‘gymnasiums zu Nikolsburg für das Schuljahr 1880). 

Die vorliegende Schrift erhebt sich weit über 
das — bekanntlich nicht eben hohe — Durchschnitts¬ 
niveau der Programmabhandlungen, indem der Verf. 
den Gegenstand seiner Untersuchung mit gründlicher 
Sach&enntniss und in streng methodischer Weise 
behandelt hat. Der Verf. ergänzt, bezw. berichtigt 
die Untersuchungen Bernard’s, Labitte’s und Sainte- 
Beuve’s über das Verhältniss der verschiedenen Re¬ 
dactionen der M6nipp6e zu einander und über ihren, 
bezw. ihre Verfasser. Er weist überzeugend nach, 
dass die in der sog. Bethune’schen Hs. erhaltene 
1 (und 1878 von Ch. Read herausgegebene) Redaction 
! („l’Abbreg<5 et l’Ame des Estats“) die ursprüngliche 
und dass der Canonicus Leroy ihr einziger Verfasser 
ist, während er für die erweiterte (später eben 
„Satyre M^nippee“ betitelte) Redaction im wesent¬ 
lichen an der gewöhnlichen Tradition von einer 
Mehrheit der Verfasser festhält. ' Dass letztere An¬ 
nahme irrig ist und dass die Verfasserschaft auch 
des erweiterten Werkes in der Hauptsache Leroy 
allein zuzuerkennen ist, hat neuerdings auf Grund 
einer scharfsinnigen Interpretation der betreffenden 
Angaben de Thou’s und d’Aubign^’s Zverina nach 
meiner Meinung endgültig bewiesen in seiner ein¬ 
gehenden Recension der Frank’sehen Monographie, 
welche er in der Zs. f. nfrz. Spr. u. Lit. III p. 454 ff. 
veröffentlicht hat. 

Leid tbut es mir bemerken zu müssen, dass 
Frank’s sachlich so gediegene Arbeit in stilistischer 
Beziehung arg verwahrlost ist: Es finden sich in 
ihr viele nicht bloss unbeholfen, sondern auch un¬ 
richtig gebaute Perioden, z. B. S. 29: „Es kann 
Leroy den von ihm allein verfassten texte primitif 
in einer der gehaltenen Zusammenkünfte vorgelegt, 
dieser als Substrat des Weikes allseitig genehmigt 
..... worden sein“. Offenbar fehlt nach „vorgelegt“ 
„haben“. Die Correctheit des Druckes lässt eben¬ 
falls viel zu wünschen übrig. 

Münster’i. W. G. Körting. 


La Poesia Barbara nei Secoli XV e XVI a 

cura di Giosue Carducci. Bologna, Zani- 
chelli, 1881. IV, 474 S. 8. 

Carducci’s Gedichte in classischen Metren, seine 
Odi Barbare, wie er sie nannte, und der über die 
Berechtigung dieser Formen entbrannte Streit sind 
für die Italiener ein Anlass gewesen, ihre Aufmerk- 

2 


Digitized by 


Google 




19 


1882. Literaturblatt für germanische ubd romanische Philologie. Nr. 1. 


20 


samkeit wieder den fast verschollenen älteren der¬ 
artigen Versuchen ihrer Landsleute zuzuwenden. 
Carducci selbst ist es nun, der das früher schwer 
erreichbare Material für ein solches Studium allge¬ 
mein zugänglich gemacht hat, indem er eine voll¬ 
ständige Saüunlung aller italienischen Verse clässi- 
scher Form aus dem 15. und 16. Jahrh. veröffent¬ 
lichte, die er aufzutreiben vermochte. Es ist eine 
wichtige und willkommene Publikation, und keiner 
war zu ihr mehr berufen als der Dichter der Odi 
Barbare . Mag man im allgemeinen über diese Be¬ 
strebungen, die classischen Metren in der romanischen 
Sprache wiederzugeben, urtheilen, wie man wolle, 
immer behalten dieselben, wie Domenico Gnoli mit 
Recht bemerkte, ein bedeutendest literarhistorisches 
Interesse; es prägt sich in ihnen auf cbaracteristische 
Weise die geistige Richtung der Epoche aus, wel¬ 
cher sie ihren Ursprung verdanken. In einer Zeit 
des höchsten Enthusiasmus für das Alterthum, als 
man allenthalben mit den Traditionen der nächsten 
Vergangenheit brach und sich den grossen classi¬ 
schen Mustern zuwendete, war es nur natürlich, 
dass man auch die hergebrachten metrischen For¬ 
men nicht mehr als würdig und edel genug be¬ 
trachtete und so wie die Gedanken auch die Vera¬ 
nlasse der Alten in der Muttersprache wieder beleben 
wollte. Die Mittel, mit denen man diese schwierige 
Aufgabe zu lösen sich bemühte, waren übrigens 
nicht immer dieselben, und es ist interessant, in der 
von Carducci gebotenen bequemen Zusammenstellung 
der Produktionen, die verschiedenen Verfabrungswei- 
sen der Dichter zu beobachten. Der älteste Versuch 
von einigem Umfange ist derjenige des florentinischen 
Canonikus Leonardo Dati, welcher an dem von Leon 
Battista Alberti angeregten poetischen Wettstreit 
des Jahres 1441 mit zwei Abschnittoif in Hexa¬ 
metern und einem in sapphischen Strophen tjieil- 
nahm. Dati überträgt die lateinischen Quantitäten 
direct in das Italienische; wo in der ersten Sprache 
eine Kürze oder Länge vorhanden war, wird sie 
auch in der zweiten angenommen, ohne Rücksicht 
auf die Veränderung der Laute; daher misst er 
cösü, molte , ninfe, varie, növo und nuövo, GiÖve, sudle 
wegen sölet, pi&di wegen p$de$, er nimmt di für eine 
Länge wegen lat. de. Er geht so weit, den ton¬ 
losen Auslaut der Nomina erster und zweiter De- 
clination verschieden zu messen^ je nachdem das 
Wort lat. im Nom. oder Abi. stehen würde: la rosa, 
aber della rosa, orö, aber d’orö. Im Gruude müsste 
man aber dann sich überhaupt alle Worte voll¬ 
ständig in ihrem lat. Lautbestande vorstellen und 
danach behandeln; so geschieht es auch, wenn Dati 
(II, 109) schreibt: 

Nö pensä degnö ch’ella immortale venisse, 
wo offenbar noch das t von pensat und das m von 
dignum die Position bilden, u. dgl. m. Allein dieses 
führte doch offenbar zu weit, und der Dichter ist 
nicht consequent verfahren. Er selbst sagt in der 
Einleitung zu seinen Gedichten, die Quantität der 
Silben sei meist die lateinische, bisweilen aber doch 
die florentinische, die nicht immer mit jener über¬ 
einstimme. Weit einsichtiger sind Claudio Tolomei 
und seine Freunde zu Werke gegangen, welche 
ein Jahrhundert später ihre Produktionen unter 
dem Titel Versi et regole de la ntiova poesia toscana, 


Roma, 1539, veröffentlichten. Sie haben sich nicht 
so sclaviscb an ihr classisches Muster gebunden 
wie Dati. Nach den Principien dieser Schule, über 
welche mancherlei, wenn schon nicht völlig hin¬ 
reichende Auskunft die bei Carducci im Anhang 
abgedruckten regolette deüa nuova poesia toscana 
geben, sollen allerdings die Verse nach der Quantität 
gemessen werden, aber nach der italienischen, nicht 
nach der lateinischen, und die erstere ist ziemlich 
unabhängig von der letzteren festgestellt. Die 
Grundlage bildet die Länge der Positionssilben, 
welche in der That ja auch für das Italienische 
keine imaginäre ist. In der betonten ersten Silbe 
eines zwei- oder dreisilbigen Wortes sind h, ö lang. 
i, 6 kurz (also ganz abweichend von der Etymo¬ 
logie), a, i, u nach Belieben kurz oder lang 
(comune); beginnt das Wort aber vocalisch, so 
wird die lange Silbe comune, die comune kurz. 
Die tonlosen Auslaute dieser Worte sind sämmtlich 
kurz. Dati’s Verse wären daher nach TolomePs 
Auffassung ganz falsch gewesen. Hierzu kommen 
dann eine Reihe willkürlicher Festsetzungen; die 
betonte zweite Silbe dreisilbiger Worte soll stets 
lang sein; zwei vocaiische Silben, deren er&te be¬ 
tont ist, bilden, wo sie für eine Silbe zählen, eine 
Kürze: m(a, cüi, u. dgl. m. Hier hatte man eben 
keinen festen Boden, auf dem man hätte bauen 
können. Manche Bestimmungen, besonders die 
Menge der ancipites machte der Character der 
Sprache nöthig, wenn man sich nicht zu drückende 
Fesseln auflegen wollte. Indessen, auch wo sie 
wirklich vorhanden, waren die italienischen Quan¬ 
titätsunterschiede nicht stark genug, um aus ihnen 
einen ausgeprägten Rhythmus zu entwickeln, und 
wenn dennoch die Verse dieser Dichter für das 
Ohr durchaus nicht so unerträglich sind, wie man 
erwarten sollte, so hat das seinen Grund in gewissen 
Besonderheiten, die sie dem wahren Character der 
italienischen Metrik annäherten. Die jambischen 
Verse wurden von selbst zu italienischen versi 
sciolti piani oder sdruccioli. Die sapphische Strophe 
bestand gleichfalls im Grunde nur aus italienisch 
vorhandenen Metren, drei mehr oder weniger voll¬ 
kommenen sciolti und einem quinario. Was endlich 
den häufigsten Vers, den Hexameter betrifft, so 
muss man bedenken, dass die Italiener die lateini¬ 
schen Verse nach dem Wortaccente allein lasen 
und lesen; in den letzten beideu Füssen des Hexa¬ 
meters pflegt aber Wort- und Versaccent zusammen¬ 
zufallen, und dieses war die Veranlassung, dass 
man bei der Nachahmung meist in der ganzen 
zweiten Vershälfte nach der Cäsur Wort- und Vers¬ 
accent sich decken liess. In der zweiten Hälfte 
ist also ein solcher Vers gerade so gebaut, wie es 
bei uns im Deutschen geschieht, und gibt daher 
auch nach unserem Begriffe hier den Tonfall des 
Hexameters ganz wohl wieder, wie der folgende: 

Per solitarie vie men vö fuggöndo Araöre. 

Es gibt auch Verse, welche ganz wie unsere deut¬ 
schen Hexameter gebaut sind, z. B. 

Giövami quölla bevendo, mirändola giövami quösta. 

Doch sind gerade diese seltener, weil sie nicht die 
üblichste der lateinischen Cäsuren hatten. Andere 
Verse dann, wie der Pentameter, bei denen nicht 


Digitized by 


Google 



I 


21 


i882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


22 


solche besondere Umstände zu Hülfe kamen, mussten 
weit weniger glücklich ausfallen. 

Tolomei’s Prosoaie wurde nicht allgemein accep- 
tirt. Bei Tommaso Campanella z. B. finden wir 
wieder eine etwas andere Silbenmessung ^ er mochte 
auch seine Vorgänger gar nicht kennen. Andere 
aber verwarfen pberhaupt das Princip der Quan¬ 
tität als Grundlage der Metrik ganz und gar und 
ahmten die classischen Verse durch ächt italienische 
auf Silbenzählung und Accenten beruhende nach, 
welche jenen in ihrem Rhythmus nahe kamen oder 
nahe kommen sollten. So hatte bereits Ariosto in 
seinen Comödien, von denen Carducci als Probe 
den Prolog des Negromante und den der Cassaria 
aufgenommen hat, sich bemüht, in dem reimlosen 
italienischen endecasillabo sdruccioio einen dem 
lateinischen jambischen Trimeter entsprechenden 
Vers für das Lustspiel zu schaffen. Allerdings ist 
in beiden der Tonfall ein ähnlicher, ohne dass aber 
darum Ariosto mit seiner Neuerung besonders glück¬ 
lich gewesen wäre. Francesco Patrizio wollte für 
seinen langen l’Eridano betitelten Panegyrikus auf 
das Haus Este ein Metrum von der Würde des 
lateinischen Hexameters verwenden und brachte 
den endecasillabo durch Verlängerung angeblich 
auf 6 Füsse. Mit diesem seinem ungelenken Verse 
von 13 Silben glaubte er seine Absicht völlig er¬ 
reicht zu haben, und spendete sich selbst deshalb 
in seinem Gedichte ein unbescheidenes Lob. Ber¬ 
nardino , Baldi erkennt die Unmöglichkeit einer 
Uebertragung der lateinischen Prosodie schon darin, 
dass italiehisch alle betonten Silben lang seien. 
Der endecasillabo hat nach seiner Ansicht nur 8 
tempi; er setzt daher, um den Umfang des Hexa¬ 
meters zu erreicheu, vor jenen einen settenario, der 
nach ihm 5 tempi hat, also der classischen Penthe- 
mimeres entspricht. Das Ganze hat nun freilich 
ein tempo mehr als der Hexameter; das soll aber 
nur die Kraft vermehren und so der natürlichen 
Inferiorität der italienischen Sprache gegenüber den 
classischen ausgleichend entgegenwirken. In diesen 
mohströsen 18 silbigen Zeilen hat er seinen Diluvio 
Universale abgefasst. Andere haben überhaupt an 
den Versen nichts geneuert und nur sie nach classi- 
schem Muster zu Strophen zusammengestellt. So 
gab Varchi in seiner Uebersetzung von Horaz’ 0 
fons Bandusiae das Asclepiadeum IV einfach durch 
eine Strophe von 3 endecasillabi sciolti und einem 
settenario wieder. 

Was den poetischen Gehalt aller dieser Pro¬ 
duktionen betrifft, so ist er freilich äusserst gering. 
Es waren meistens keine begabten Dichter, die sich 
hier versuchten, und zudem richteten sie alle Auf¬ 
merksamkeit auf die Form, suchten fast nur hier 
das Verdienst. Die Poesieen der Schule Tolomei’s 
machen in dieser Hinsicht einen recht ärmlichen 
Eindruck; es sind Klagen an die Geliebte voll von 
verwässertem Petrarchismus, Lobpreisungen der 
neuen Dichtweise und des grossen Padre Dameta 
(Tolomei’s), der sie aufgebracht hat. Das Beste, 
was der Band enthält, sind wohl die Uebersetzungen 
von Latinisten der Renaissance (p. 255 ff.) und 
die Epitaphe des Sicilianers Loaovico Paterno. 
Hier kommt doch in die classische Form auch et¬ 
was von classischem Geiste. Allein nicht dieses 


ist es, was wir hier suchen müssen, und der Heraus¬ 
geber hat uns in diesem Bande keine Quelle des 
ästhetischen Genusses eröffnen wollen, sondern das 
Material sammeln für das Studium einer immerhin 
merkwürdigen literarischen Bewegung, und dieses 
hat er in vortrefflicher Weise gethan. Möge er 
bald sein Versprechen erfüllen und seine Sammlung 
vervollständigen durch den zweiten Band, der die 
Versuche in classische^ Metren aus den folgenden 
Jahrhunderten und zugleich die über die Neuerung 
zu verschiedenen Zeiten geäusserten Urtheile ent¬ 
halten soll. 

Breslau, Anf. Dec. 1881. A. Gaspary. 


Canello, U. A., Storia della letteratura ita- 
liana nel secolo XVI. Milano 1880. Casa 
editrice Dott. Francesco Vallardi 327 SS. 4. 

Es gibt innerhalb der Literaturgeschichte ein¬ 
zelne Gebiete, von denen es, mindestens auf den 
ersten Blick, auffällig ist, dass, sie verhältnissmässig 
so wenig angebaut worden sind. Ein solches Ge¬ 
biet ist die Geschichte der Literatur Italiens — 
aus einem weiter unten zu erwähnenden Grunde 
sage ich absichtlich s o und nicht: der italienischen 
Literatur — im 16. Jh. Gerade sie hätte, so sollte 
man meinen, vorzugsweise die Forscher reizen, ihr 
Interesse erregen und fesseln müssen, denn es ist 
ja diese Literatur, wenigstens bis zum Ablauf des 
ersten Drittels des Jahrh’s., die Literatur der Hoch¬ 
renaissance, die Literatur einer Culturperiode, welche, 
mag man auch über ihren absoluten Werth und über 
ihre Nachwirkungen auf die Folgezeit vielleicht zu un¬ 
günstigen Urtheilen sich für berechtigt halten, doch 
ohne Zweifel eine Zeit des regsten Strebens auf allen 
Gebieten menschlichen Erkennens und Schaffens 
und reichster Entfaltung vielseitiger Talente war. 
Im Einzelnen ist nun freilich über diese Literatur 
viel, zuweilen zuviel geschrieben worden; aus den 
Schriften namentlich etwa über Ariost, Maöhiavelli 
und Tasso Hessen sich leicht ganze umfangreiche 
‘Specialbibliotheken zusammenstellen, ohne dass frei¬ 
lich die Qualität dieser Schriften zu ihrer Quantität 
in einem auch nur entfernt entsprechenden Verhält¬ 
nisse stände, wobei selbstverständlich einzelne rühm¬ 
liche Ausnahmen, wie sie etwa die Werke von 
Villari und Rajna bilden, bereitwilligst zugestanden 
werden sollen. Jedenfalls aber fehlte bis jetzt eine 
selbständige grössere und zusammenhängende Ge¬ 
schichte der Literatur Italiens im 16. Jahrh., eine 
Thatsache, welche * wie schon bemerkt, auf den 
ersten Blick auffällig genug erscheinen mag, in 
Wahrheit jedoch leicht erklärlich ist. Denn' die 
Erforschung und Darstellung der Geschichte einer 
so umfangreichen, so nach allen Richtungen hin 
ausgedehnten, so vielseitigen un$ von so verschieden¬ 
artigen. oft sich einander durchkreuzenden Ten¬ 
denzen beherrschten Literatur, wie die in Rede 
stehende es ist, erfordert eine solche Arbeitskraft 
und eine solche Sicherheit des kritischen Blickes, 
dass einer derartigen Riesenaufgabe sich natur- 
gemäss nur Wenige gewachsen fühlen können, min¬ 
destens unter denen, welche ein wissenschaftUches 
Gewissen besitzen und durch dasselbe abgehalten 


Digitized by 


Google 





23 


I 

1882. Literaturblatt für germantache und romanische Philologie. Nr. 1. 


24 


werden, mit dem glücklichen Leichtsinn des Igno¬ 
ranten und Dilettanten auch an den grössten Auf¬ 
gaben selbst vergnügt herumzupfuschen. 

Jetzt nun hat Ü. A. Canello eine „Storia della 
lett. ital. nel sec. XVI.“ erscheinen lassen. Canello’s 
nicht bloss in Italien, sondern auch im Auslande, 
namentlich aber in Deutschland rlihmlichst bekann¬ 
ter Name leistet von vornherein Bürgschaft dafür, 
dass das Werk ein mit gewissenhaftem Fleisse und 
mit kritischer Umsicht gearbeitetes ist. dass der 
Verfasser sich ernstlich und redlich bemüht hat, 
das Beste zu geben, was er zu geben vermochte, 
und dass er nicht bloss einer möglichsten Gediegen¬ 
heit des Inhaltes, sondern auch einer geschmack¬ 
vollen Form der Darstellung sich befleissigt hat. 

Ich spreche es nun gern und freudig aus, dass 
Canello’s Buch den wahrlich nicht geringen Er¬ 
wartungen, mit denen ich es zur Hand genommen 
habe, im Grossen und Ganzen vollauf entsprochen 
hat und dass ich es für Werk halte, durch welches 
sein Verfasser sich ein „monumentum aere pcren- 
nius“ errichtet und sich ein bleibendes Anrecht auf 
den lebhaften Dank nicht bloss seiner Nation, son¬ 
dern der Gebildeten aller Natiorien erworben hat. 
Welches auch die Unvollkommenheiten des Buches 
sein mögen, sie beeinträchtigen seinen Werth nur 
unwesentlich und sind überdies solche, welche bei 
einer späteren Bearbeitung — und diese wird ja 
sicherlich nicht ausbleiben — sich leicht werden 
beseitigen lassen. Jedenfalls aber gewährt das 
Buch auch schon in seiner gegenwärtigen Gestalt 
eine solche Fülle von Anregung, Belehrung und 
Genuss, dass es unbillig sein würde, seine kleinen 
Mängel allzu scharf zu rügen. Ungerecht überdies 
würde es sein, von demjenigen, der als erster mit 
Aufbietung seiner besten Kraft und seines red¬ 
lichsten Willens an die Lösung einer grossen Auf¬ 
gabe herantritt, fordern zu wollen, dass er etwas 
absolut Vollkommenes leiste, dass er den Nach¬ 
folgern nichts mehr zu thun übrig lasse. 

Gegen die Gesammtanlage des Buches C.’s habe 
ich die nachstehenden Bedenken zu erheben. 

C. hat, wie er schon durch den Titel seines 
Werkes bekundet, eine Geschichte nur der ita¬ 
lienischen Literatur des 16. Jahrh.’s schreiben 
wollen. Tbatsächlich hat er nun allerdings auch 
einige der hervorragenderen Erscheinungen der la¬ 
teinischen Literatur berücksichtigt und be¬ 
sprochen, aber doch eben nur einige und auch 
diese mehr nur nebensächlich, so dass in der Haupt¬ 
sache die Beschränkung auf die italienische Literatur 
durchgeführt ist. Meines Erachtens darf man, wenn 
es sich um die Renaissancezeit handelt, keine ita¬ 
lienische Literaturgeschichte, sondern nur eine 
Geschichte der Literatur Italiens verfassen, denn 
die lateinische Literatur bildet während dieses Zeit¬ 
raumes — allerdings, wie ich bereitwillig zugebe, 
mehr noch im 14. u. 15., als im 16. Jahrh. — einen 
integrirenden und höchst wichtigen Bestandtheil der 
nationalen Gesammtliteratur, und es kann demnach 
die letztere nur d^nn in ihrem Wesen und Werthe 
richtig erkannt und gewürdigt werden, wenn ihre 
lateinischen und italienischen Elemente eine prin- 
cipiell gleichmässige Berücksichtigung erfahren. 
Dass das also in C.’s Werk nicht geschehen oder 


! doch nicht ausreichend geschehen ist und dass das¬ 
selbe folglich mit dem Mangel der Einseitigkeit be¬ 
haftet ist, bedauere ich, wenn ich auch gern aner¬ 
kenne, dass, mit nicht allzu vielen Ausnahmen, die 
j lateinische Literatur Italiens im 16. Jh. sich nicht 
eben sehr durch ästhetische Vorzüge auszeichnet, 
eine Thatsache übrigens, welche zwar die Lectüre 
der betreffenden Werke (namentlich der Dichtungen) 

' zu einem oft recht verdriesslichen Geschäfte macht, 
aber doch auch Anlass zu manchen ganz interes- 
; santen und nicht unwichtigen literarhistorischen 
Beobachtungen und Betrachtungen bietet. 

Von der richtigen Erkenntniss geleitet, dass 
die Literaturgeschichte in den innigsten Verband 
mit der Culturgeschichte gesetzt werden müsse, hat 
C. nicht nur in den beiden ersten Capiteln seines 
Werkes eine culturhistorische Einleitung gegeben, 
sondern er hat auch überhaupt seinen Stoff nach 
Massgabe culturhistorischer Gesichtspunkte ge¬ 
gliedert. Das erstere ist durchaus zu billigen, und 
es wäre sogar zu wünschen gewesen, dass C. das 
Gemälde der italienischen Cultur des Cinquecento, 
welches er zu entwerfen versucht hat, weniger 
skizzenhaft gehalten hätte. Das letztere Verfahren 
dagegen erscheint mir, wenigstens in der Art und 
Weise, wie es von C. ausgeübt worden ist, als ein 
schwerer Missgriff. C. will nämlich in Cap. 4—18 
nachweisen und darlegen, wie ' das „ideale della 
vita pubblica*" einerseits und das „ideale della vita 
privata“ andererseits in der epischen, lyrischen und 
dramatischen Poesie, in der Geschichtsschreibung 
und endlich „nei disoorsi,, nei dialoghi e nei trattati 
scientifici“ zum Ausdruck gelangt. Das heisst doch 
gewiss einen literarhistorischen Stoff gewaltsam in 
ein Netz culturhistorischer Abstractionen hinein¬ 
zwängen. Und dabei kann man nicht einmal sagen, 
dass dies Netz besonders gut und geschickt gewebt 
worden sei, denn seine Maschen sind viel zu weit, 
als dass sie den Stoff fest zusammenzuhalten ver¬ 
möchten. Auch der Grundgedanke selbst, von 
welchem C. ausgegangen, ist höchst anfechtbar; 
denn wie kann man behaupten, dass das Endziel 
alles poetischen und literarischen Schaffens die 
Darstellung des Ideales des öffentlichen, bezw. des 
privaten Lebens sei, mag man immerhin auch an¬ 
nehmen. dass dies Endziel sowohl bewusst wie un¬ 
bewusst erstrebt werden könne? Indessen hierüber 
möge man denken wie man will, Thatsache ist 
jedenfalls, dass die practische Anwendung der 
Theorie C.’s die beklagenswertheste Auseinander- 
reissung des schönen Stoffes zur traurigen Folge 
i hat. Besonders schmerzlich bemerkbar macht sich 
| das natürlich bei Dichtern und Schriftstellern, welche 
| auf mehreren Literaturgebieten productiv gewesen 
! sind. Mühsam muss man sich hier die „disjecta 
membra“ aus oft weit auseinanderliegenden Theilen 
des Buches zusammenlesen. Nehmen wir z. B. T. 
Tasso: seine Biographie wird Cap. 3 § 5 (S. 79—97) 
gegeben, die beiden Gerusalemme werden Cap. 
4 § 3 (S. 136—155) besprochen, über den „Ri¬ 
naldo“ wird in Cap. 5 § 4 (S. 167) gehandelt, 
über die lyrischen Gedichte erotischen Inhalts Cap. 

! 7 § 2 (S. 205 u. 217), über den Aminta Cap. 9 
, § 4 (S. 241 ff.), über die Dialoge endlich werden 
' in Cap. 13 § 2 (S. 300) einige, übrigens sehr dürftige 


Digitized by 


Google 



i 


25 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


20 


und unzulängliche Angaben gemacht. Wie ist es 
da möglich, eine lebendige Gesamrntanschauung von 
Tasso’s literarhistorischer Wirksamkeit und Be¬ 
deutung zu gewinnen? Und ebenso verhält es sieh 
mit Ariost, Machiavelli u. A. Meines Erachtens 
musste C. bei der Behandluug der Literaturgeschichte 
einer Periode, die so recht die Zeit der voll aus¬ 
geprägten, allseitig entwickelten Individualität war, 
es sich angelegen sein lassen, von den einzelnen 
Schriftstellerindividualitäten klare und scharfgezeich¬ 
nete Charakterbilder zu entwerfen, er musste seinen 
Lesern plastische Gestalten vorführen, er musste, so 
zu sagen, aus den einzelnen Werken eines Autors 
den ganzen Autor als Schriftsteller und als Menschen 
zu reconstruiren versuchen. Nur bei solchem Ver¬ 
fahren erhalten die literarhistorischen Persönlich¬ 
keiten für die Nachwelt Leben und Interesse, und 
nur dadurch auch lässt sich ein Standpunkt ge¬ 
winnen, von welchem aus betrachtet die verschie¬ 
denen Werke eines Autors als ein organisches 
Ganze sich darstellen und folglich einer ihnen all¬ 
seitig gerecht werdenden Gesammtbeurtheilung unter¬ 
worfen werden können. Lässt man sich dagegen 
von einer so grau abstracten Theorie beherrschen, 
wie diejenige C.’s es ist, so erscheinen die Dichter 
und Schriftsteller der Vergangenheit als wesenlose 
Schemen und weder von ihrer Persönlichkeit noch 
von ihrem Wirken vermag man sich eine klare 
Anschauung zu bilden. 

Dass C. den einzelnen Schriftstellerindividuali¬ 
täten zu geringe Beachtung geschenkt hat, wird 
auch durch die sehr stiefmütterliche Berücksichtigung 
des biographischen Elementes in seinem Werke 
bekundet, oder vielmehr diese letztere Thatsache 
findet in der ersteren ihre Erklärung und umgekehrt. 
Eiuigermassen ausführliche Biographien gibt C. über¬ 
haupt nur von Machiavelli, Guicciardini, Ariosto, 
Bembo und T. Tasso. Sollte einmal eine Auswahl 
getroffen werden, so mag man mit der getroffenen 
sich einverstanden erklären — höchstens dass man 
an Stelle Guicciardinis einen andern Schriftsteller 
von allgemeinerer Bedeutung (wie nach meinem 
Urtheile Castiglione ein solcher sein würde) gesetzt 
wünschen möchte —, aber es wäre besser keine 
Auswahl getroffen,sondern von jedem Autor, dessen 
Werke besprochen worden sind, ein kurzer Lebens¬ 
abriss gegeben worden, an den sich dann unmittel¬ 
bar die Würdigung seiner Werke hätte anschliessen 
müssen, soweit dieselbe nicht besser sich in die 
biographische Skizze selbst verweben liess. Die 
Ignorirung oder doch Vernachlässigung des bio¬ 
graphischen Elementes, wie sie von einzelnen moder¬ 
nen Literarhistorikern beliebt und als hochwissen¬ 
schaftlich angepriesen wird, ist nach meinem Dafür¬ 
halten ein schwerer Fehler. Kenntniss der Lebens¬ 
verhältnisse eines Autors gibt, meine ich, in der 
Regel — allerdings nicht immer — den besten 
Schlüssel für das Verständnis seiner Geisteswerke. 

Für einen Mangel in der Gesammtanlage des 
Werkes C.’s halte ich es auch, dass auf die Schei¬ 
dung einzelner Zeitperioden in der literar- und cul- 
turhistorischen Erzählung zu wenig Gewicht gelegt 
worden ist. Gerade bei der Literaturgeschichte des 
16. Jh.’s, dessen Beginn ja die Blüthe und dessen 
Ende den Verfall der Renaissanceliteratur sah, war 


zu berücksichtigen, dass ein Jahrhundert nur eine 
willkürliche Rechnungseinheit, jedenfalls aber eben 
nur eine Rechny ngseinheit ist und dass folglich 
dem Historiker, der die Geschichte eines einzelnen, 
bezw. eines ganzen Jb.’s zu schreiben Unternimmt 
(was ja wenigstens practisch berechtigt sein mag), 
die Pflicht obliegt, die nur künstliche Einheit des 
Jh.’s in die natürlichen Einheiten der einzelnen 
Entwickelungsperioden, deren jedes Jh. wohl mehrere 
umfasst, zu zerlegen und dann nachzuweisen, wie in 
dem Uehergange von der einen zu der andern der¬ 
selben die Bildungsideale, Culturtendenzen und 
Literaturformen theiis entstehen, theils sich modi- 
ficiren, theils auch schwinden. Nur dadurch kann 
der Gefahr vörgebeugt werden, irrige Verallge¬ 
meinerungen zu statuiren und beispielsweise An¬ 
nahmen und Urtheile, welche für die Literaturzu¬ 
stände der ersten Decennien eines Jh.’s ganz richtig 
sind, auch auf die letzten Decennien zu übertragen. 
Ich räume nun gern ein, dass C. in der Haupt¬ 
sache die verschiedenen Literatur- und Cultur- 
perioden des 16. Jh.’s auseinanderzuhalten sich be¬ 
strebt hat, aber er hätte eben auf die chronologische 
Scheidung grösseres Gewicht legen, sie nachdrück¬ 
lich betonen und hervorheben, sie zu einem Prin¬ 
cipe seiner Stoffeintheilung machen sollen. 

C. selbst klagt in der prefaz. p. VII, dass er 
mit unzulänglichen literarischen Hülfsmitteln habe 
arbeiten müssen. Das merkt man denn hier und da 
auch dem Buche an, namentlich auch in Bezug auf 
die deutsche Literatur, indessen ist das ein Mangel, 
der ohne Zweifel mit jeder neuen Auflage mehr 
und mehr beseitigt werden wird und den ich des¬ 
halb dem verehrten Verf. nicht weiter zum Vor¬ 
wurfe machen will. Ohnehin ist es ja bei der 
Behandlung umfangreicherer Wissensgebiete kaum 
jemals möglich, die bereits darüber vorhandene 
Literatur vollständig auszunutzen. 

Wie bezüglich der Gesammtanlage, so hätte 
ich auch bezüglich der Dätailausführung an dem 
Werke C.’s gar manches auszusetzen; viele Be¬ 
hauptungen C.’s erscheinen mir anfechtbar, viele 
seiner kritischen und ästhetischen Urtheile nicht hin¬ 
länglich begründet oder geradezu irrig. Indessen 
die Erörterung dieser Einzelfragen würde hier zu 
viel Raum erfordern, zumal da mit ihr häufig die 
Erörterung von Principienfragen verbunden werden 
müsste, ich behalte mir daher diese auf das einzelne 
gerichtete Kritik für denjenigen Band meines Werkes 
über die Renaissanceliteratur Italiens vor, in welchem 
ich die Literatur des Cinquecento zu behandeln 
haben werde. 

Münster i. W. G. Körting. 


! Benedetti. Giorgio, Stato della Commedia 
| italiana nel Cinquecento, coli’ aggiunta delle 
considerazioni dei rapporti della stessa colle Atel- 
I lane. coi Mimi e colla Commedia classica latina. 
| 46 S. gr. 8. Programm des Obergymnasiums zu 

j Mitterburg. 

Das Thema ist für eine Programmabhandlung 
viel zu umfassend. Der Autor konnte daher nur 
allgemeine, und damit mehr oder minder bekannte 


Digitized by 


Google 





27 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


28 


Dinge Vorbringen. Gleichwohl wären wir ihm 
dankbar, wenn er, unter sorgfältiger Benützung des 
gesammten Forschungsmaterials, uns einen streng 
wissenschaftlichen Ueberblick über das interessante 
Literaturgebiet gegeben hätte. Leider ist dies jucht, 
geschehen. Seine Arbeit beruht nicht auf einem 
selbständigen Studium des Gegenstandes, nicht auf 
einer gründlichen Kenntniss des Cinquecentisten¬ 
dramas, sie ist vielmehr die Frucht eines ober¬ 
flächlichen, einseitigen Compendienstudiums. Mit 
der einschlägigen Literatur ist er nur sehr unvoll¬ 
ständig bekannt geworden. Für die Geschichte 
des römischen Dramas weiss er z. B. keine neuere 
Arbeit anzufübren, als Bährs römische Literatur¬ 
geschichte- Seine Bemerkungen über die Mimen, 
Atellanen, die Com. palliata, togata u. s. w. sind 
demgemäss vielfach ungenau oder gar unrichtig. 
Als Hauptführer für die Commedia erudita diente 
ihm Signorelli, dem er blind folgte, ohne an dessen 
zahlreichen Irrthümern Anstoss zu nehmen. Von 
Quadrio (de 11a storia e ragione d’ogni poesia), Allacci 
(Drammaturgia) und Ap. Zeno (Anm. zu Fontaninis 
Biblioteca 1753) hat er gar keinen Gebrauch ge¬ 
macht. Von neueren Werken über das italienische 
Drama hat Benedetti zwar einige benützt, wie z. B. 
de Amicis (l’imitazione latina nella com. ital. del 
XVI. secolo Pisa 1871), A. Agresti (Comm. Ital. 
del secolo XVI. Nap. 1871) etc., jedoch sind ihm 
Kleins Geschichte des Dramas und selbst D’Anconas 
Origini del teatrQ in Italia (1877) unbekannt geblieben. 

Allein das ist noch nicht alles: nicht nur copirt 

B. seine Quellen ohne nähere Prüfung, er fügt auch 
noch neue Schnitzer hinzu. Man verstatte mir, 
durch Anführung einiger Stellen aus der Abhand¬ 
lung die vorausgegangenen allgemeinen Bemerkungen 
zu belegen: 

S. 14 lesen wir: „Antonio Mollin .... tornato 
in patria dal levante il 1560 cominciö a far bur- 
lette.... Verso lo stesso tempo F. Cherrea scam- 
pato dal sacco di Roma introduceva a Venezia la 
commedia, a sogetto. Ne scrissero pure nei loro 
dialetti C. Cortese, napoletano; G. G. Airone...; 

C. M. Maggi e G. B. Porta milanesi*. Zunächst 
sei bemerkt, dass die ganze Stelle fast wörtlich 
Cantü storia d. lett. ital. p. 474/75 entnommen ist. 
Während sie jedoch bei Canti bis auf einige noch 
zu erwähnende Punkte correct ist, strotzt sie hier 
von Schnitzern. 1. Nicht A. Mollin, sondern A. da 
Molino ist der Name des Dichters (Cantu Molin). 
2. Durch die Worte „verso lo stesso tempo tt (die 
bei Canti fehlen), wird der Vermuthung Raum ge¬ 
geben, dass sich B. die Plünderung Roms durch 
Bourbon (1527) etwa um 1560 denkt, was sein 
historisches Wissen nicht im glänzendsten Lichte 
erscheinen Hesse. 3. Bei D’Ancona (Origini II S. 228) 
hätte B. finden können, dass nach den Aufzeich¬ 
nungen eines Zeitgenossen. Cherea (nicht Cherrea 
wie B. nach Canti schreibt) schon 1508 sich als 
glänzender Darsteller classischer Stücke in 
Venedig einen Namen gemacht hatte und dass 
dessen angebliche Einführung der comm. delF arte 
von dem genannten Zeitgenossen (Marin Sanudo) 
mit keinem Worte erwähnt wird. 4. C. Cortese 
und Maggi gehören nicht dem 16., sondern dem 
17. Jh. an. 5. Einen G. G. Airone gibt es nicht; 


Canti schreibt G. G. Arione, richtiger ist Alione. 
Vergl. die Einleitung zu den in der Bibi, rara 
(Milano 1865) erschienenen Färse carnoval. des 
Dichters. 6. Es ist unbegreiflich, wie der be¬ 
kannte Neapolitaner G. B. Porta zu der Ehre 
kommt, Mailänder zu werden, unbegreiflich, dass 
nur sein Verdienst um die commedia dell’ arte 
Würdigung findet, während seine 14 gedruckten 
Lustspiele (von den inedita zu schweigen) mit keinem 
Worte erwähnt werden, und beides um so unbe¬ 
greiflicher, als der so häufig von B. citirte Settem- 
brini (II, 318 ff.) und der an der fragl. Stelle an¬ 
gerufene Camerini (N\io. Antologia 1871 p. 542) 
ausführlich genug von Porta sprechen. B., der mit 
diesem Namen Cantüs Angaben ergänzen wollte, 
scheint den Neapolitaner mit dem mailändischen 
Dialectdichter Carlo Porta (1776—1821) verwechselt 
zu haben. — S. 25 heisst es: „Plauto .... nacque 
verso il 540 d. c.“ Grundfalsch! Das Geburtsjahr 
ist mindestens auf circa 500 d. St. zu setzen 
(v. Teuffel Röm. Lit 1875, S. 148). — S. 35 sagt 
B.: „Seeondo Fiorentino ci lascio il Capitano Biz- 
zarro, introducend o gelle com me die la terza 
rima“. Hierzu habe ich zu bemerken: 1. Statt Fior. 
ist Tarentino zu lesen; 2. es ist ein Irrthum, dem 
Seeondo mit seinem erst 1551 gedruckten Stücke die 
Einführung der terza rima zuzuschreiben. Nur wer von 
dem Entwickelungsgange der ital. Comödie eine so 
oberflächliche Kenntniss hat wie der Verfi, kann eine 
solche Behauptung aufstellen. Weit entfernt die 
erste Comödie zu sein, die in terza rima geschrieben 
ist, gehört „il Capit. B. a vielmehr zu den spätesten 
Erzeugnissen dieser Art. Die ältesten dramatischen 
Versuche in der ital. Literatur und nicht etwa bloss 
Comödien, sondern auch Tragödien und Pastoral- 
dramen sind entweder ausschliesslich in der ge¬ 
nannten Versart oder vermischt mit Ottaven und 
andern Versen abgefasst. Wir führen als Belege 
an die Comödien: La-Florians (von einem un¬ 
bekannten Autor), den Timone des Boiardo, die 
Virginia des Accolti; ferner die Tragödie „Filo- 
strato“ (auch „Pamfila“ oder „Demetrio Re di 
Theba“ genannt) von Ant. da Pistoia; endlich die 
Pastoraldramen: Orfeo des Poliziano undCefalo 
des Nicolö da Correggio. Alle diese Stücke sind 
im 15. Jh. entstanden und werden oft genug als 
die ersten Versuche des regelmässigen profanen 
Dramas bezeichnet. Erwähnt sei noch, dass auch 
die ältesten Plautusübersetzungen in terza rima 
geschrieben sind. 

Am nachlässigsten zeigt sich B. in der Anord¬ 
nung der Comödien: Er führt diese in derselben 
Folge auf wie Signorelli, welchem die Titel und 
die Bemerkungen dazu fast immer wörtlich ent¬ 
nommen sind. B. bemüht sich dabei, seine Quelle 
an Unkenntniss der Daten zu übertreffen. Z. B. 
S. 43 behauptet er, die Lustspiele des Bentivoglio 
seien etwa um dieselbe Zeit in Ferrara aufgeführt 
worden, als die des Ariosto. In Wirklichkeit sind 
letztere (wenigstens die beiden ältesten) noch vor 
Bentivoglios Geburt (1506) auf der Bühne erschienen. 
S. 37 nennt B. eine Anzahl von Lustspielen und 
schliesst: „comm. che videro la luce della 
stampe dal 1560—80“. Dieses Datum passt nicht 
auf folgende in der Liste aufgeführte Stücke: „La 


Digitized by 


Google 





29 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1.. i 


30 


Suocera“ (gedr. 1549), „il Com modo“ (1539), 
„laCingana“, welche B. „Ciugagna* heisst (1545), 
„la C apraria“, von ihm „Capraia“ genannt (1544), 
„il Pellegrino“ und „il Ladro 4 “ (beide 1554), 
„il Furbo“ (erst 1584), „il Capriccio“ (1598) 
und „I Furpri“ (1590). — Ebenso sind Firen- 
zuolas Lustspiele „I Lucidi“ und „la Trinuzia* 
(letztere mit der unrichtigen Angabe „dem J?lautus 
entlehnt“) nicht erst 1550, sondern schon 1549 ge¬ 
druckt. 

Zum Schlüsse sei noch der Bereicherung ge¬ 
dacht, welche die Liste der Plautinischen Comödien 
in dem nachstehenden Satze (S. 46) erfahren hat: 
„La „Dote tt (v. Cecchi) k una libera iiriitazione del 
„T i n a m m o“ di Plauto nella stessa maniera che i 
„Fantasmi“ del Lasca (sollte heissen des Benti- 
voglip, denn Lasca, d. i. Grazzini hat keine „Fan- 
tasmi“ geschrieben) lo sono della „Mostellaria“. 

Nürnberg, October 1881. A. L. Stiefel. 


Sagnet om Odysseus og Polyphein. Af Kr. 

Nyro p. Kobenhavn, I Kommission hos M. P. 

Madsen. 1881. (Ssertryk af „Nordisk tidskrift for 

filologi“. Ny raekke. V). 44 S. 8. 

Dies ist gewissermassen eine Fortsetzung von 
W. Grimms im «Jahre 1857 in den Abhandlungen 
der Berliner Akad. der Wissensch. erschienener 
Abhandlung über denselben Gegenstand, worin elf 
Varianten der betreffenden Sage aufgeführt sind, 
zu welchen Nyrop nun noch folgende hinzufügt: 
12. Ein aramäisches Märchen in „Der neuaramäische 
Dialect des Tür Abdin“ von E. Prym und A. Soein. 
Göttingen 1881. 2 Bde. Nr. XXXII. — 13. Die 
Erzählung von Seyf-el-Mulok und Bedea-el-Dschemal 
in Lanes Uebers. von 1001 Nacht (N. 736—778), 
welche in der Breslauer Uebers. fehlt. Hierzu be¬ 
merke ich, dass das hindustanische Gedicht von den 
Abenteuern Kamrups wahrscheinlich den ersten 
Anstoss zu den Fahrten Sindbads gegeben, aus 
welchen die Erzählung von Seyf-el-Mulok hervor¬ 
gegangen sein dürfte, wie Grimm und Nyrop ver- 
muthen, so dass letztere also auf Hindostan zurück¬ 
zuführen ist. Näheres über die Abenteuer Kamrups 
habe ich in meinem Aufsatz 'Zur orientalischen 
Literatur im Archiv für Lit.-Gesch. 6. 583 ff. mit- 
getheilt. — 14 Ein lappländisches Märchen in der 
Fortsättning etc. von Laestadius. Stockh. 1833 und 
nach ihm auch anderwärts. — 15. Ein ungarisches 
Märchen, Nr. 14 bei Stier, Ungar. Volksmärchen 
u. 8. w. — 16. Ein gross-russisches Märchen, bei 
Ralston, Russian Folk-Tales. Lond. 1873 p. 178: 
One-eyed Likho fnach Afanasief 3 2 Nr. 14 aus dem 
Gouv. Woronesch). — 17. Ein klein-russisches 
Märchen, dessen Quelle angegeben ist. — 18. Ein 
schottisches Märchen aus Campbells Populär Tales 
of the West Highlands, Nr. 5 (vgl. Reinh. Köhler, 
Orient u. Occ. 2, 120). — 19. Eine isländische Saga 
(Sagan af Eigli einhenda etc. Fornaldar Sögur 3, 
365 ff.; ein Auszug davon in Müllers Sagabibi. 2, 
610 ff.). — 20. Ein norwegisches Märchen, aus der 
Wochenschrift ‘Dolen* VI. Jahrg. (1869) Nr. 50, 
welcher die von Nyrop vorher ausgesprochene Muth- 
massung bestätigt, dass die isländische Saga (19) 


die ungenaue Wiedererzählung eines norwegischen 
Märchens sein müsse. — 21. Eine isländische Marien¬ 
legende (Mariu Saga udg. afC. R. Unger. Christ. 
1871. N. CCXVII). — 22. Ein sicilianisches Märchen 
aus Pitres Fi'abe etc. Palermo 1875 Nr. 51. — 
23. Ein albanesisches Märchen aus Piana de 1 Greci 
nach Comparettis Novelline etc. Torino 1875 Nr. 70. 

— 24. Ein italienische^ Märchen aus Pisa in Com¬ 
parettis Sammlung Nr. 44 und ein anderes aus der 
Umgegend von Rom, welches Prof. .Stanislao Prato 
dem Vcrf. mitgetheilt hat, und das in einer von Prato 
beabsichtigten Sammlung erscheinen soll. — 25. Bo- 
jardo, Orl. innam. III, m, st. 22 ff. — 26. Ariost, 
Orl. für. 17, 25 ff. — 27. Fünf baskische Märchen 
nach Cerquand, Legendes et r<$cits populaires du 
pays basque. Pau 1878 III Nr. 52—55 u. 60. — 
In Griechenland hat sich bis jetzt keine hierher¬ 
gehörende Version der in Rede stehenden Poly- 
phemossage nachweisen lassen; am nächsten steht 
etwa noch nach Nyrops Meinung das Märchen 'der 
Grindkopf (6 xoaid^s) in der von Jean Pio heraus¬ 
gegebenen Sammlung 'Contes populaires grecs*. 
Copenhague 1879 p. 159 ff. 

Nachdem der Verf. die obigen Nachträge zu 
Grimms Nachweisen gegeben und dieselben jedesmal 
mit den sich etwa darbietenden Erörterungen in 
Bezug auf Quelle u. s. w. begleitet hat, fügt er 
auch noch hinzu die Besprechung der bei Homer 
sich findenden Episode hinsichtlich des Namens 
Ovth;, den Odysseus sich beilegt. Dieselbe scheint 
ein fremdes Element in der oben behandelten Sage 
und findet sich daher nur in wenigen der ange¬ 
führten Versionen; so bei Grimm Nr. 7 und oben 
Nr. 18. Nyrop fügt nun noch hinzu das lappische 
Märchen bei Friis s. German. 15, 173; die nor¬ 
wegische Mühlensage in Asbjörnsens Norske Huldre- 
Eventyr og Folkesagn I 2 , 11; ein schwedisches noch 
ungedrucktes Märchen; eine deutsche Sage, in Kuhn 
u. Schwartz NS. Nr. 111, die sich auch sonst in 
Deutschland wiederfindet; ein Märchen aus der 
Bukowina in der Zs. f. d. Myth. 2, 110; eine schot¬ 
tische Sage, Kuhn u. Schwartz Anm. 1. e., sowie 
Or. u. Occ. 2, 330; ein französisches Märchen bei 
Amelie Bosquet La Normandie romanesque p. 131; 
ein baskisches Märchen bei Cerquand, Legendes du 
pays basque 3, 25. — Zu dieser Gruppe gehört auch 
J. W. Wolf, Deutsche Hausmärchen S. 426, sowie 
S6billot, Contes popul. de la Haute-Bretagne p. 218. 

— Die ganze Utissage ist ein Sonnenmythus, nach 
Grimms, Kuhns und Anderer Meinung, woran jedoch 
der Verf. ausser anderm mit Recht eine Warnung 
vor zu häufiger Anwendung dieser elastischen Er¬ 
klärungsart knüpft. 

Lüttich. Felix Liebrecht. 


Zeitschriften. 

Beiträge zur Runde der indogerm. Sprachen VH, 1: 
A. Bezzenberger, grammatische Bemerkungen (Nr. 12: 
der Werth von ai in der gotischen Reduplicationssilbe als 
= e sei nicht bewiesen; Nr. 13: über an. Ivisvar, ahd. 
zteiror . Nr. 14: bior zu briuwen mit Dissimilation). — A. 
Fick, Etymologien (8. 94, Nr. 22 ff.: u. a. plegan = skr. 
glahate würfeln, gldha Einsatz beim Würfelspiel, Kampf¬ 
preis, Wette). 

Revue de linguistique 15. Oct.: Le H6 rieh er, F6mini- 
sation en franyais des • noms masculins latins en or. — J. 
VinBon, Les anciens idiomes de l’Europe occidentalea). 


Digitized by 


Goc le 





31 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


32 


Zs. f. Orthographie, Orthoepie n. Sprachphysiologie 
H, 1 (Oct): A. Diederichs, über die Aussprache «von 8p, 
st, g und ttg L — W. Feiler, Vorschläge zu einer leicht 
durchführbaren Orthographie. — G. Michaelis, zur Ge¬ 
schichte der Heyseschen Regel 1. — H. Kraz, Jahrzehnt 
oder Jahrzehnd ? — Bibliographie (Grabow über Eigen, 
Herr Prof, von Raumer und die deutsche Rechtschreibung). 

— Z88. — Proben deutscher Reform-Orthographien 7 (All¬ 
gemeiner Verein für vereinfachte deutsche Rechtschreibung, 
gegr. 1. Dec. 1876, Obmann F. W. Fricke). — Beantwor¬ 
tungen des Fragebogens. — Notizen. — 2 (Nov.): Diede¬ 
richs, über die Ausspr. von 8p, 8t, g und ng 2. [Auch separat 
unter dem Titel: Aug. Diederichs, Ueber die Aussprache 
von 8P, ST, G u. NG. Ein Wort zur Verständigung zwischen 
Nord und Süd. (8onderabdruck aus Vietors Zs.) Rostock, 
W. Werthers Verlag. 1882. 29 8. gr. 8. Die südd. p, t, k 
für B, D, G und das mitteld. CH für inlaut. G seien tonend; 
CH in siech sei mediopalatal. Merkwürdig ist das nord- I 
westliche n£ = NG.] — W. Frenzei, Einige Punkte für | 
die zu erstrebende einheitliche deutsche Zukunftsorthographie. 

— G. Michaelis, Zur Geschichte der Heyseschen Regel 2. 

— Offene Correspondenz. — Bibliographie (Peters, Gott¬ 
schling, internat. Orth.; Tooth, The Imperial Uttersign 
Alphabet). — Zss. — Proben deutscher Reformotthographien 
8. (Zentralverein für vereinfachte Rechtschreibung in Wien, 
gegr. 1879. Vors. J. M. Schreiber.) 

Archiv f. Literaturgeschichte XI, 1: H. A. Lier, Ottmar 
Nachtigalls „loci ac Sales raire festivi“. Ein Beitrag zur 
Kenntniss der 8chwankliteratur im 16. Jh. — E. Goetze, 
Neue Mittheilungen über die Schicksale der von Hans Sachs 
eigenhändig geschriebenen Sammlung seiner Werke. — H. 
Düntzer, Klinger in Weimar. — G. Buch holz, Henriette 
▼. Arnim. Ein Beitrag zu ihrer Charakteristik. — Briefe 
von Heinrich Voss an KarlSolger. — Miscellen: 1. G. Büch- 
mann, Dem fliehenden Feinde eine goldene Brücke bauen. 

2. G. Milchsack, Zu Rosenblüt. 3. Der8., Zu Burkard 
Waldis. 4. Chr. Rumpf, Kilian Brustfleck. 5. H. Düntzer, 
Die Aufführung des „Doctor Faust“ von der Schuchischen 
Gesellschaft zu Berlin im Jahre 1754. 6. R. Boxberger, 
Zu Goethes „Musen und Grazien in der Mark“. 7. Ders., 
Zu Uhlands „Der Wirthin Töchterlein“. 


Zs. f. deutsches Alterthum XXVI, 1: Lichtenstein, 
Zu den Gedichten von Tristan und Isolde. I. Antikrit. Be¬ 
merkungen zum Texte von Eilharts Tristrant. II. Das 
Fiechter Bruchstück von Eilharts Tristrant. III. Eilhart u. 
Veldeke, IV. Nachträgliche Bemerkung zum Prosaroman 
von Tristralkt und Isolde. — Ders., Zum Volksschauspiel 
von Doctor Faust. — Schönbach, Sanct Christopherus. — 
Bickel, 8chwazer Bruchstück der Kaiserchronik. — Hö- 
fer, Quellennachweise zu Wernher von Elmendorf. — 
Zarncke, Zu der rhythmischen Version der Legende von 
Placidas-Eustathius (Zs. 23, 273 ff.). — Zingerle, Himel- 
stele. — Baechtold, Zu Niklaus Manuel. 

Zs. f. deutsche Philologie XIII, 3: H. Suchier, Hand¬ 
schriften u. Bruchstücke von Wolframs Willehalm. — 0. 
Kohl, zu dem Willehalm Ulrichs von Türheim — Fr. 
Woeste, Beiträge aus dem Niederdeutschen. — P. Piper, 
aus 8t Galler Hss. — Jos. 8chwarzer, Visionslegende, 
10 Gebote, Beichtgebet. — H. Düntzer, der Fidele in 
Goethes Walpurgisnachtstraum noch einmal. — A. Lübben, 
Weidmännische Ausdrücke (Lexicalisches) aus den Schiff¬ 
fahrten des Levinus Hulsius. 

Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache u. Lit. 
VIII, 2: H. Paul, zu Walther von der Vogelweide (zur 
Chronologie der Sprüche, W. u. Reinmar, Kürzung u. Mehr- 
silbigkeit der Senkung, Syncope der Senkung, zweisilbiger 
Auftact, zu einzelnen Stellen); noch einmal got. au vor 
Vooalen; tönende Verschlussfortis. — P. Piper, zu Otfrid 
v(Accente, zu O.’s Leben, noch einmal die Hss.). — H. Ost- 
hoff, zum grammatischen Wechsel der velaren A:-Reihe 
(g 2 — gh 3 — k l vor e und i mit nachfolgendem Accent = 
germ. w, vor o (a) und u = germ. g ; das Praeterit. von 
sehan ist lautges. sdgun , Cj. sdwi); Aoristpraesens u. Im- 
perfectpraesens; got. sai (ecce = id, der da). — F. 
Vogt, zur Salman-Morolfsage. — E. Sievers, der ags. 
Instrumental (die Endung auf -ei zurückgehend). — F. 
Kluge, idg. ö = germ. 6, aengL beon (sein), drei Verba 
des Zitterns. — A. Edzardi, zur Eddametrik (gegen 
Sievers); über die Heimath der Eddalieder (gegen Vigfussons 


Annahme, dass die meisten auf den Orkneys, Hebriden and 
Shetlandsinseln entstanden seiend 

Strassburger Studien. Zs. für Geschichte, Sprache und 
Literatur des Elsasses. Hrsg. v. E. Martin u. W. Wie¬ 
gand. I: R. Preuss, Stilistische Untersuchungen über 
Gottfried von Strassburg 1. — E. M., Urkundliches über 
die Meistersängef zu Strassburg 76. — E. M., Abwechselnd 
bewirthschafteter Geraeindeacker 98. — E. M., Meister Hesse 
der Schreiber von Strassburg 99. — E. M., ein Minnelied lOO. 

Anglia IV, 4: Recensionen: R. Wülcker, Besprechung der 
Bcowulfübersetzungen im Anschluss an: Beowulf, an Old 
English Poem, translated into modern Rhymes. By Licut. 
Colonel H. W. Lumsdcn. — Ders., C. W. M. Grein, Biblio¬ 
thek der angels. Poesie. Neubearbeitet von R. Wülcker 
(Accente der Beov.-Hs. v. Schröer). — Ders., Eugen Kol¬ 
bing,. Engt Studien III. — Ders., Bugge, Studien über die 
Entstehung der Nordischen Götter- u. Heldensagen. — 
Einenkel, Lewin, Das Poema Morale. — Koch, Die 
neuesten Veröffentlichungen der Chaucer-Society und die 
Ueberlieferung der Minor Poems. — L. Toulmin Smith, 
Cassells Library of English Literature, ed. by H. Morley; 
E. Oswald, Thomas Carlyle, ein Lebensbild; J. Darmesteter, 
Macbeth. Ed. classique. — M. Trautmann, J. Storni, 
Englische Philologie. # 

Romanische Studien XIX: Juan de Vald4s, Dialogo de 
Mercurio y Caron hrsg. von E. Böhmer. [Ein weiterer 
werthvoller Beitrag B.’s zur Kenntniss der Werke Juans de 
Vald6s. 8.' u. unter Vald£s.] 

Romania 40. Oct.: G. Paris, Etudes sur les romans de 2s 
Table Ronde. Lancelot du Lac. I. Le Lanzelet d’Ulrich de 
Zatzikhoven 465. — A. Morel-Fatio, Melanges de lit- 
tdrature catalane. I. L* Amant, la Femme et le Confesseur , 
conte en vers du XIV® si^cle 497. — Le Ju de le Cupeft 
Mart inet, public par G. Raynaud 519. — La Farce des 
trois eommb'es publice p. P. Meyer 533. — E. Cosquin, 
Contes populaires lorrains (fin!) 543. — V. Smith, Cbants 
du Velay et du Forez. Rettattd, la Porcheronne 581. — Cb. 
Joret, Norm, torp ettrop — nor. thorp 588. — J. Cornu, 
J espagnol = j portugais 588. — Ders.. Chute de Pa en 
portugais ä Timp^ratif de la premiöre conjugaison 589. — 
Ders., Esp. reveutar , port. rebentar = *repeditare 589. — 
G. P a r i 8 , Estrumeli 590. — A. Thomas, Gr£goire Bechada 
591. — P. Meyer, Fragment inödit des Tournois de 
Chauvenci, de Jacques Bretel 593. 

Revue de» langues romanes Nov.: Constans, Les Manu- 
scrits provenyaux de Cheltenham III. La Cour d'Aroour 
(Suite) 209. — Mir, Glossaire de comparaisons populaires 
du Narbonnais et du Carcassez (Suite). — Chabaneau, 
Les manuscrits proven$. de Cheltenham (Corrections). — 
Roque-Ferrier, Sur un miracle de la „vida de sant 
Honorat“ et sur la date probable de la composition du 
„Sant Hermentari“. — Ders., LTnscription de la coupe du 
roi Rene. 

Zs. f. nfr. Sprache n. Lit IIL, 3: C. Delay, Le Roman 
contemporain en France. II. Octave Feuillet. — Ph. Platt- 
ner, über Bildung und Gebrauch des Plurals im Neufranz. 

Bulletiu de la Soctäte des anciens texte» fran^ais 1881. 
2. 8. 44—72: P. Meyer, Du Ms. Egerton 945 du Mus£e 
Britannique. (Inhalt: 1. Dit des trois morts et des trois vifs, 
en vers (frangais). 2. Priöres en prose (fran$.). 3. Exposition 
du Pater (fr.). 4. Ave Maria (nn vers, fr.). 5. Le Miserere, 
en quatrains (fr.). 6. Priöres ä la vierge (latin). 7. Priöres 
ä la vierge, en vers (limousin). 8. La Priöre Theophilus, en 
vers (fr.). 9. Les sept douleurs et les sept joies de la vierge, 
en prose (limousin). 10. Liber divini amoris, en prose (li¬ 
mousin). 11. De divina impletione, en prose (limousin). 12. 
8cala divini amoris, en prose (limousin). 13. Prieres et mor- 
ceaux liturgiques (latin). 14. Priöres en vers et en prose 
(latin et limousin). 15. Ilymnes (lat.). 16. Prieres diverses 
(latin et limousin). 

Gioraale di filologia romanza 7 (III 3/4): U. A. Ca* 
nello, Peire de la Cavarana e il suo serventese 1. — A. 
Thomas, Richard de Barbezieux et le Novellino 12. — 
R. Renier, Alcuni versi greci del Dittamando 18. — P. 
R aj n a, Un vocabolario e un trattatello di fonetica proven- 
zale del sec. XVI 34. — S. Ferrari, Canzoni ricordate 
nelP incatenatura del Bianchino 51. — T. Casini, Un 
teste franco-veneto della leggenda di santa Maria egiziana 
89. — O. Antognoni, Frammento di un antico poema 


Digitized by LjOOQle 



33 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 1. 


34 


didattico 104. — A. Thomas, Cinq sonnets italiens tirös 
du ms. Ricoardien 2756 107. 


Rhein. Museum f. Philologie. K. F. XXXVII. S. 83—123: 
E. Wölf fl in, über die Aufgaben der lat. Lexikographie. 
(Enthält auch manches den Germ. u. Roman, interessirendes.) 

Magazin f. die Lft. des ln* n. Auslandes 50: Ernst 
Koppel, eine neue Ariost-Uebersetzung (Kurz-Heyse). — 
51: E. Oswald, Chateaubriand und Frau von StaÖl. — 
52: M. G. Conrad, ein Jahrbuch der italienischen Litera¬ 
tur (das von de Gubernatis). — Xanthippus, Goethe u. 
die Franzosen. — O. Heller, zur neuprovenzalischen Lite¬ 
ratur. Chants des Fölibres. — 1: Bartsch, Jean Renaud. 
Ein französisches Volkslied. 

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit Kr. 10: 
Essenwein, Beiträge aus dem germ. Museum zur Gesoh. 
der Bewaffnung im Mittelalter. — Hans Bösch, Ordnung 
u. Gewalt des Minnesingers Oswald von Wolkenstein zur 
Vornahme der Inventur des Kachlasses seines Vetters Veit 
von Wolkenstein (f 1442). — W. Loose, Inventar einer 
von Leipzig nach Kürnberg verkauften Specereihandlung 1503. 

Korrespondenzbl. des Vereins f. siebenb. Landeskunde 
Nr. 11: J. Wolff, Haus, Hof und Heim. — Kechöwend 
(Vorabend der Hochzeit). 

Nord und Süd. Januar: F. Lotheissen, Die Erzählu^en 
der Königin von K'avarra. ^ 

Im neuen Reich Kr. 60: H. Fischer, Christian Gottfr. 
Körner. 

Die Gegenwart Kr. 51: W. Scherer, die Anfänge des 
modernen Theaters in Deutschland. 

Nordisk Tidskrift för Vetenskap, konst och industri. 
1881. H. 6. 8. 447—480: V. Rydberg, Astrologien och 
Merlin (Om källorna tili stjärneskildringen i Galfrids Histori 
regum Britannias). IL Astrologiska läror. — 481—493: J. 
K. Madvig, Hvad er Sprogvidenskab ? Foredrag holdt ved 
det andet nordiske möde af filologer og skelemeend i Kristia¬ 
nia, den 16. de august 1881. 8. 

Bulletin du bibliophile. Juli—August: Kouvelles lettres de 
Pötrarque sur l’amour des livres traduites par V. Develay 
(Suite). 

Journal des savants. Octoher: A. De Longpörier, un 
joyau littöraire au XV® siöde. 

Rev. pol. et litt. Kr. 21. 19'nov. 1881: A. Cartault, Le 
Thöfttre contemporain. M. Edmond Gondinet. — Kr. 22. 
26 nov.: E. de Pr esse ns 6, Un rövolutionnaire croyant. 
Mazzini (im Anschluss • an Biographie de Mazzini par M m * 
E. Ashut Venturini, traduite par M“® E. de M. Paris 1881). — 
E. Egger, Bernard Jullien (der am 15. Oct. 1881 vierund- 
achtzigjährig verstorbene Grammatiker). — In der Caus. 
litt: Le marquis de Grignan, petit-fils de M m * de Sövigne 
par Fr6d. Masson, Paris 1882. — Kr. 23. 3 döc.: In der 
Caus. litt.: Les continuateurs de Loret, lettres en vers re- 
cueillies et publiöes par le baron James de Rothschild. T. I. 
Paris 1881 (sieben Bände sollen folgen, hrsg. von Picot). — 
Kr. 24. lOdöc.: Jules Lemattre, Portraits d’academiciens. 
M. Sully Prudhomme. — Emile Deschanel, Le roman- 
tisme au XVH® siöcle (Hinweisung auf das was in den 
Schriften der Classiker durch verwegene Keuheit, derben 
Realismus, rücksichtslose Kraft des Ausdrucks ihre Zeit¬ 
genossen überraschen musste). — In der Caus..litt: Dis- 
cours sur les passions de l’amour, de Pascal, pröcöd6 d’une 
ötude sur Pascal et M n ® de Roannez, par M. de Lescure; 
La Lecture en action, par Ernest Le^ouvö; Le Mot et la 
Chose, par Francisque Saroey. — Notiz über die Auffindung 
eines anonymen afz. Gedichtes aus dem 13. Jh., das in 
19000 Versen die Geschichte Williams von Hampstead, des 
Marschalls von England und Grafen v. Pembroke behandelt, 
sich auf einer engl. Privathibliothek befindet und demnächst 
gedruckt werden solL 

Revue historique. Sept.—Oct. 1881. S. 64—89 : 0. Hart¬ 
wig, La question de Dino Compagni. (Ohne Werth, s. P. 
Meyer in Romania 40.) 

Archivio storico italiano VIII, 5: C. Guasti, Esamo di 
un articolo del dott. 0. Hartwig „La question de Dino 
Compagni tt . 

Rivista Europea 16. Nov.: G. ,8. Ferrari, Lucifero in 
Dante e in alcuni altri poeti. — 1. Dec.: C. Antona- 
Traversi, DeUa patria, della famiglia e della povertä di 
Giovanni Boccaccio. — A. Neri, C. Goldoni e i liberi 
muratori. 


Rassegna settimanale 4. Dec.: L. Morandi, Malizie d 
Voltaire, acume del Baretti. — Bespr. wird Bartolis Cresto- 
mazia della poesia italiana del periodo delle origini. 

La Falce 6: Della Prosa in Italia. Lettere VI e VH (S. Ma- 
lato Todaro). — 7: Ders. Lettera VIII. — 9 ff. : 8. M a - 
lato Todaro, I Costumi nei Promessi Sposi di Alessandro 
Manzoni. — 11 ff.: Eliodoro Lombardi, La Tragedia Ita¬ 
liana nel Cinquecento. — 15: 8. 8alomone-Marino, Di 
un poemetto popolare italiano del secolo XVIL 
El Posibilfsta, diario democratico (Sevilla). 4. Oct.: Ma- 
chado y Alvares, [Demofilo], El Folk-Lore espanoL 


Neu erschienene Bücher. 1 

Bartsch, K., Romantiker und germanistische Studien in 
Heidelberg 1804—1808. 21 8. 4. (Rede zur akad. Preisver- 
theilung in Heidelberg.) 

•Bulthaupt, H., Dramaturgie der Classiker. Bd. 1. Lessing, 
Goethe, Schiller, Kleist. Oldenburg, Schulze. 386 8. 8. M. 5. 
Cummins, a grammar of the old friesic language. 84 8. 8. 

London. 8. 3,6. [Vgl. Deutsche Ltztg. 1. Ziemlich werthlos.] 
Diefenbach, L. und E. Wülcker, hoch- und nieder¬ 
deutsches Wörterbuch der mittleren u. neueren Zeit. Frank¬ 
furt a. M., Ch. Winter. 6 Lief. 8. M. 2,40. 

G o e d e k e, K., Grundriss zur Geschichte der deutschen Dich¬ 
tung. Bd. 3, H. 7 (Schlussheft). Dresden, Ehlermann. 8. M. 4,60. 
Goethes Reineke Fuchs, nach dem ersten Druck vom 
Jahre 1794 mit Proben der älteren Thierepen hrsg. u. er¬ 
läutert von A. Bieling. Berlin, Weidmann. 8. M. 4. 
Grundtvig,S., Danske Folkeeeventyr, efter trykte og utrykte 
Kilder. Anden Udgave. Kopenhagen, ReitzeL 240 8. 8. 
Kr. 1,50. D. 

Jonas, F., Christian Gottfried Körner. Biographische Nach¬ 
richten über ihn und sein Haus. Berlin, Weidmann. 8. M. 5. 
•Jordanis, de origine actibusque Getarum. Ed. Alfr. Holder. 
Freiburg u. Tübingen, Mohr. 83 8. 8. M. 1,50. (German. 
Bücherschatz Heft 5.) 

Lichtenberger, E., Etüde sur les poösies lyriques de 
Goethe. 2. Edit. revue et corrigöe. Paris, Hachette. 395 8. 
18. fr. 3,50. 

*Lübben, A., Mittelniederdeutsche Grammatik mit Chresto¬ 
mathie u. Glossar. Leipzig, Weigel. VIU, 221 8. 8. M. 6. 
•Maerlant, Jacob van, Merlan, uitgeg. door Van Vloten. 
Leiden, Brill. 4. Lief. fl. 1,25. 

8amhab er, E., Walther von der Vogelweide. Laibach, 
v. Kleinmayr & Bamberg. 8. M. 2,60. 

Schiller u. Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch. 

Schlussheft. Bremen, Fischer. 8. M. 2,50. 

Schönbach, A., Mittheilungen aus altdeutschen Hand¬ 
schriften. 4. Stück: Benediktinerregeln. Wien, Gerold i. Comm. 
8. M. 1. (Aus den Sitzungsber. der k. k. Akad. der Wissensch.) 
8tapfer, P., Goethe et ses deux chefs-d’oeuvre classiques. 
Paris, Fischbacher. 315 8. 18. 

Thiele, Rieh., Eva Lessing. Ein Lebensbild. 1. Lief. Halle, 
Buchhandl. des Waisenhauses. 1881. VHI, 109 8. 8. M. 2,40. 
•Völcker, G., Register zu W. von Maltzahns deutschem 
Büohersohatz des 16., 17. u. 18. bis um die Mitte des 19. 
Jh.’s. Frankfurt, Völcker. 55 8. 8. M. 2,40. 
•Volkslieder, die historisch-politischen, derf dreissigjähr. 
Krieges. Aus fliegenden Blättern, sonstigen Druckwerken u. 
handschriftl. Quellen gesammelt u. nebst den Singweisen 
zusammeBgestellt von Franz Wilhelm Freiherrn v. Ditfurth. 
Hrsg, von Karl Bartsch. Heidelberg, Winter. 1882. XVT, 
355 8. 8. M. 12. 

Walthers v. d. Vogelweide, die Gedichte. Hrsg, von 
H. Paul. Halle, Niemeyer. 199 8. 8. M. 1,80. [Altdeutsche 
Textbibliothek Bd. 1.] 

Weinhold, K., Die deutschen Frauen im Mittelalter. Zweite 
Aufl. Wien, Gerold. 2 Bde. 8. M. 13,20. 

Zolling, Th., Heinrich von Kleist in der Schweiz. Nebst 38 
bisher ungedruckten Briefen. Stuttgart, Spemann. 8. M. 10. 


Brugari, G., Jeffrey Chaucer e la letteratura inglese del 
secolo XIV. Genova. 45 8. 8. Aus Giorn. della Societä di 
Lettere* e Convers. scient. 

P r ö 1 s s, R., Geschichte des neueren Dramas. 2. Bd. 2. Hälfte. 
Das neuere Drama der Engländer. Leipzig, Schlicke. 8. 
M. 13,50. 

1 Ausser den mit * beseichneten Werken sind der Redaction noch 
eingesandt worden: Asb er, Unterricht in den neuern Sprachen (Ltbl. II, 
8. a?3); Schröder, das Anegenge (II, 305); Kos sin na, die IKeeten 
bochfränk. Denkmftler (II, 456); Kochendörffer, Kindheit Jesu (II, 418 


Digitized by 


Google 


3 



35 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


36 


Sach8e, Rieh., Das unorganische E im Orrmulum, zugleich 
eine Untersuchung über die Flexionsweise Orms. Hall Dies. 
74 8. 8. 

♦Zupitza, J., alt- und mittelenglisches Uebungsbuch zum 
Gebrauche bei Universit&tsvorlesungen. 2. AufL Wien, Brau¬ 
müller. Yin, 192 S. 8. M. 5. 


Avoli, Aless., Saggio di studi etimologici comparati sopra 
alcune voci del dialetto alatrino. Roma. 35 S. 8. (Aus den 
Studi in Italia an. III voL II.) 

*Bartoli, Adolfo, Crestomazia della Poesia italiana del 
periodo delle origini compilata ad uso delle scuole secon- 
darie classiche. Torino, Erm. Loescher. 1882. XI, 235 8. 8. 
L. 2,50. 

-Storia della letteratura italiana: yolume IV. La nuova 

lirica toscana. Firenze, Sansoni. 308 8. 16. L. 3. 

* B a § t i n, J., Etüde philologique. Grammaire historique de la 

langue frangaise. Abrögö de la grammaire de 1878. 3* 6d. 

1 Partie. St. Pötersbourg 1881. 136 8. 8. 

Blad4, J. F., Podsies populaires de la Gascogne. T. 1. 
Poösies religieuses et nuptiales. Paris, Maisonneuve. XXXI, 
271 8. 12. fr. 7,50. 

*Botelho-Andrade, Josö Affonso, Bibliographie Camo- 
neana dos A$ores; por occasiüo e posterior ao centenario. 
Ponta Delgada; Ilha de 8. Miguel. 34 8. 8. 

Camoens, L. de, s&mmtliche Gedichte. Zum 1. Male deutsch 
yon W. Storck. 4. Bd. Buch der Canzonen u. Idyllen. 2. 
AufL Paderborn, Schöningh. M. 4. 

Ganzoni popolari sarde in dialetto sardo centrale, ossia lo- 
gudorese. 3* ed. Milano. 90 8. 12. L. 0,50. 

Chants populaires messins. Recueillis dans le pays messin, 
mis en ordre et annotös par le Cte. de Puymaigre. Nou veile 
6dit., augmentöe de notes et de piöces nouveUes. 2. vols. 12. 
Paris, Champion. VTII. 286, 283, 20 p. fr. 8. 

Cipolla, C., Lauda spirituale in yolgare veronese del sec. 

XIII. Estr. dair Arch. storico italiano. 

Costa, J., Poesia populär espanola, y mitologia y literatura 
celto-hispana. Madrid, Imprenta de la Revista de Legis¬ 
lation. VIII, 500 8. gr. 8. 

Dante Alighieri, Commedia, 'preceduta dalla vita e da 
studii preparatorii illustratiyi esposta ed annotata dal prof. 
A. Lubin. I—III. Padoya. 1—544. 8. 

De Nino, Antonio, Usi e costumi abruzzesi. Vol. II. Firenze, 
G. Barbara. IX, 247 8. 16. L. 3. (Der 1. Bd. erschien 1879.) 
Ebering, Emil, Syntaktische Studien zu Froissart. 24 8. 8. 

Hall. Diss. (Erscheint in Grobers Zs.) 

Galileano, Carteggio, inedito con note ed appendici per 
oura di G. Campori. Mailand, Hoepli. XXI, 641 8. 4. Mit 1 
Facs. L. 30. (Bisher nicht veröffentlichter Briefwechsel 
Galileis aus d. J. 1592—1642.) 

Godefroy, Fr., Dictionnaire de la langue frangaise du 9. 

au 15. siöcle. Faso. 10. 4. p. 713—799. Paris, Vieweg. fr. 5. 
Jacopo da Montepuloiano poeta del seoolo XIV. Tre 
canzoni. Imola, tip. J. Galeati e figlio. 7 8. 8. Per nozze 
Casoni-Galeati. 

* K1 o e p p e r, KL, Französische Synonymik für höhere Schulen 

u. Studirende, mit besonderer Berücksichtigung synonym. 
Unterschiede in der Phraseologie. Leipzig, Koch. X, 198 8. 8. 
Kulpe, Wilh., Lafontaine. Sein Leben und seine Fabeln. 

Zweite Auflage. Leipzig, Friedrich. VIII, 178 8. 8. M. 3,60. 
*Luohaire, Aohille, Recueil de textes de l’ancien dialecte 
Gascon d’aprös des documents autörieurs au XIV* siöde. 
suiyi d’un glossaire. Paris, Maisonneuye. XVI, 208 8. 8. 
Luzel, F. M., Legendes chrötiennes de la Basse-Bretagne. 

2 vols. Paris, Maisonneuye. XI, 362, 379 8. 18. Cart fr. 15. 
Maroo Polo, Les röcits de, citoyen de Venise. Texte ori¬ 
ginal frangais du 13. siöcle rajeuni et annotö par H. Bellanger. 
Paris, Dreyfons. 180 p. 18. 

Mazzatinti, G., H Teleutelogio di Ubaldo di Sebastiano da 
Gubbio. Firenze, Cellini. 

Montefredini, Francesco, L a Vita e le opere di Giacomo 
Leopardi Mailand, Dumolard. VHI, 695 8. 8. L. 6. 

More Ui, P., Sul „Principe“ del Maohiayelli. 8tudio critico. 

Cesena, Tip. Nazionale. 173 8. 16. L. 2,50. 

Paglia, una lettera inedita del poeta Giuseppe ParinL In 
Atti e Memorie della R. Accad. Virgil, di Montoya. 

Ponce de la Fuente, Constantino, Exposicion del primer 
salmo, dividida en seis sermones. 3* ed. Bonn 1881. 229 8. 
8* und Anhang des Hrsg.’s Ed. Böhmer. M. 10. [Die alten 
Ausgaben dieser für uns einzigen Documenta der Kanzel¬ 
beredsamkeit des berühmten Hofpredigers Kaiser Karls V. 


waren auch yon Usöz, Wiffen, Menendez Pelayo vergeblich 
gesucht worden. B. hat sowohl die erste, SeViUa 1546, als 
die zweite, Antwerpen 1550, aufgefunden.] 

P o r t i o 1 i, un episodio della vita de Torquato Tasso. In Atti 
e Memorie della R. Accad. Virgil, di Mantova. 

R a j n a, P., II dialetto milanese. Milano, Ottino. 20 8. 8. (Aus 
Milano edito da G. Ottino.) 

Ronconi, T., l’amore in Bernardo di Ventadorn ed in Guido 
Cavalcanti. Bologna, 1881. (Aus II Propugnatore.) 
Taillandier, Saint-Ren4, Etudes littöraires. Paris, Pion. 
335 8. 8. (Enth. u. a. 8. 1—197: Un poöte oomique du temps 
de. Moliöre, Boursault, sa vie et ses oeuvres; La renaissance 
de la poösie provengale; Les premiers symptömes d’une 
renaissance poetique en Provence (1852) etc.) 

V a 1 d 4 s, Juan de, el salterio, traduzido de hebreo en romance 
Castellano. Ahora primera vez impresso. Bonn, Weber. 196 
8. gr. 8. M. 10. 

-trataditos. Ebd. 200 8. gr. 8. M. 10. 

Visö, Donneau de, la veuve k la mode. Comödie. Avec une 
notice par E. Thierry et un pröface par le bibliophile Jacob. 
Paris, Libr. des Bibliophiles. XXII, 51 8. 16. fr. 4,50. Nou- 
velle Collection Moliöresque. 

Zanella, Della vita e degli scritte di Celio Magno, poeta 
veneziano del sec. XVI. In Atti del R. Istituto Veneto di 
seienze eto. T. VII, ser. V disp. IX. 

Zen atti, A., Lamento di un Triestino per la morte delT 
Alviano. Aus Archeografo Triestino. 

Ausführlichere Recensionen erschienen 
über: 

Bernays, Vossens Odyssee (v. Schmidt: Anz. f. d. Alterth. 
VIII, 52—86). 

Hagen-Edzardi, altnordische Heldensagen (v. Mogk: Zs. 
f. D. Ph. XIII, 3. Mogk stimmt wie Edzardi gegen Sievers’ 
eddische Metrik). 

Hüttatal Snorra Sturlusonar, hrsg. von Möbius (v. 
Mogk : Zs. f. D. Phil. XUI, 2). 

Kawczyüski, Studien zur Literaturgeschichte des 18. Jh.’s 
(v. Brandl: Anz. f. d. Alterth. VIII, 26—51). 

Kinzel, der Junker und der treue Heinrich (v. Bartsch: 
Gött. Gel. Anz. St. 42). 

Lohmeyer, zur Etymologie deutscher Flussnamen (v. Möllen¬ 
hoff: Deutsche Litzeit Nr. 51). 

Niedner, das deutsche Turnier (v. Lichtenstein: Anz. f. d. 
Alterth. VH, 14). 

Weinhold, Lamprecht v. Regensburg (v. Strauch: Anz. f. 
d. Alterth. VIH, 1). 

Adam, Les patois lorrains (v. G. P.: Rom. 40). 

Baissac, Etüde sur le patois cröole mauricien (v. Bos: ebd.). 
Cavalcanti, rime. ed. Arnone (v. Morpurgo: Gioraale 7). 
Daurel et Beton, p. p. P. Meyer (v. Chabaneau: Revue. 
November). 

Frank, Zur Satyre M4nipp4e (v. Zverina: Zs. f. nfr. Spr. HI, 3). 
Laun, Lafontaines Fabeln (v. Lubarsch* ebd.). 

Stehlioh, Li romanz de la poire (v. Mussafia: Zs. f. d. östr. 

. Gymn. 1882 Heft 1). 

Weidner, Joseph v. Arimathia (v. G. P.: Romania 40). 

Literarische Mittheilungen, Personal¬ 
nachrichten etc. 

Für die von H. Paul bei M. Niemeyer in Halle heraus¬ 
gegebene altdeutsche Textbibliothek sind in Vorbereitung: He¬ 
liand, hrsg. von O. Behaghel; Otfrids Evangelienbuch, v. 
Kögel; Reinhard Fuchs, v. K. Reissenberger; Kudrun, 
y. Symons; die Werke Hartmanns von Aue, v. Paul; 
Tristan, v. Paul; Meier Helmbrecht, v. W. Braune; 
Reineke Vos, v. Fr. Prien. — Ludwig Larsson, Lund, 
bereitet eine Arbeit über das Stockholmer Homilienbuch vor. 
— Bei Koneger (Wien) werden die Jugend werke Friedrich 
8chlegels (1794—1802) hrsg. v. J. Minor erscheinen. — 
8. Grundtvigs Elveskud (s. LtbL II 8. 418) ist nun bei 
Sohenberg (Kopenhagen) erschienen und kostet Kr. 1,00. 

Mit dem 1. Jan. 1882 geht die Picksche Monatsschrift 
für Geschichte Westdeutschlands ein; an ihre Stelle tritt: 
Westdeutsche Zs. für Geschichte undKunst, hrsg. 
v. F. Hettner, Dir. des Provinzialmuseums in Trier, und K. 
Lamprecht, Privatdoz. in Bonn. 

Von John Koch wird zu Ostern als Programm er- 


Digitized by 


Google 




37 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 1. 


88 


scheinen: Yersuch einer kritischen Ausgabe einiger Chaucer- 
schen Gedichte. 

Flechia wird im Archivio glottologico von Ascoli ver¬ 
öffentlichen: Saggio di toponomia: Studio comparativo dei 
nomi locali d’Italia, Franoia, Spagna, Portogallo, derivati dal 
nome delle piante. — Renier wird bei Sansoni (Florenz) 
eine kritisohe Ausgabe der Rime desFazio degliüberti, 
Morpurgo eine gleiche von den Rime des Franco 
Saochetti (nach dem wiederaufgefundenen Autograph) ver¬ 
öffentlichen. 

Die Germanisten seien noch besonders darauf aufmerk¬ 
sam gemacht, dass unter den von Monaci herausgegebenen 
Tafeln (s. Ltbl. II Sp. 457) sich auch Facsimiles der Exhor- 
taiio ad plebem christianam und der Casseler Glossen befinden. 
— Ebenso möchten wir die Romanisten speciell noch auf die 
von J. Schmidt, Zs. f. deutsche Philologie XU, 335 ver¬ 
öffentlichte älteste Alba hinweisen. [Zur Interpretation des 
prov. Refrains dieser Alba bemerkt Herr Prof. 8tengel: 
t Udtba /wir 1 , unxet mar atra so/, Poy pasfsj’ a bigil, mira 

1 [Statt /mit, welches nur zuerst steht, findet sich die beiden 
andern Male pari , doch hat hier wohl das Latein eingewirkt. 


clar tenebras* == ‘Das Morgengrauen erscheint, die Sonne zieht 
das feuchte Meer an, seitwärts fiberschreitet sie den Hügel 
und bescheint hell die Schatten*.] 

Heidelberger Preisaufgabe: Untersuchung über die Ueber- 
lieferung u. die Quellen des deutschen Lucidarius des 12. Jh.’s. 

Der a. o. Prof, der roman. Philologie Dr. H. Morf in 
Bern wurde zum ordentliohen Professor ernannt 

Antiquarische Gataloge: Köhler, Leipzig (Lite¬ 
ratur); Lang, Wien (Literatur); List & Francke, Leipzig 
(Auktion am 13. Febr. 1882. Deutsche, engl., franz., ital., 
span. Sprache u. Lit.); Mayer & Müller, Berlin (Deutsche 
Philol.; neuere deutsche Lit.); Orelli, Ffissli & Comp., 
Zürich (Deutsche Spr. u. Lit.); J. A. Sprecher, Coire, 
Suisse (Collection d’ouvrages Rhöto-Romanches du dialeot de 
l’fihgadine); Trübner, Strassburg (ge rm. Spr.); St ein- 
köpf, Stuttgart (Lit); YöIcker, Frankfurt (Literaturgesch.). 

Ygl. übrigens den Refrain der Alba Raimon’s de la Sala 
(B. L. 101): L'alba par El jom vetclar De lonc la mar, 
E l’alb’ el jorm par?] 

Abgeschlossen am 20. December 1881. 


NOTIZ. 

Den germanistischen Theil redigirt Otto Behaghel (Heidelberg, 8andgaaee &), den romanistiachen and englischen Tbeil FritJE Neumanu 
(Heidelberg. Hanptstr. 73), and man bittet die Beiträge (Receneionen, kurze Notiien, Personalnachrichten etc.) dem entsprechend gefälligst so adressiren. 
Die Redaction richtet an die Herren Verleger wie Verfasser die Bitte, dafür ßorge tragen za wollen, dass alle neuen Werke germanistischen und 
romanistisehen Inhalts ihr gleich nach Erscheinen entweder direct oder durch Vermittelung too Oebr. Henninger in Heilbronn sugesandt 
werden. Nur in diesem Falle wird die Redaction stets im Stande sein, Ober neue Pubücationen eine Besprechung oder 
kürzere Bemerkung (ln der Bibliogr.) zu bringen. An Oebr. Henninger sind auch die Anfragen über Honorar und Sonderabzüge zu richten. 


Literarische Anzeigen. 


Zeitschrift 

für 

neufranzösische Sprache 
und Literatur 

herausgegeben von 

Praf. Dr. Etrting and Prof. Dr. Koschvitx 

Münster i. W. Greifswald. 

erscheint in Bänden von 4 Heften. 
Preis pro Band 15 M. Preis des einzelnen 
Heftes 5 M. 

Abhandlongen in Band I. 

Stengel, E,, Die ältesten Anleitungsschriften 
zur Erlernung der frz. Sprache. Lindner, 
F,, Ein franz. Breviarium des XV. Jahrh. — 
Lion, C. TA., Zur französ. Schulleotüre. — 
Knauer, 0., Zweifel u. Fragen. — Spach , 
Ir., Rückblicke auf die neuere franz. Lit. 

— Lombard , E. Etüde sur Alexandre Har- 
dy. — Mangold, W, Moliöres Streit mit 
dem Hötel de Bourgogne. — Schulze ) O, 
Grammatisches u. Lexikalisches I. IL — 
Stengel , E. Der Briefwechsel Voltaires mit 
Landgraf Friedrich IL von Hessen. — 
Ritter, C, Littörature de la Suisse fran$. 
L Juste Olivier. 

Abhandlnngen in Band II. 
Harczyk , J. Zur franz. Metrik. — Mahren - 
holtz, R. de Visös Veritable Critique de 
l'Ecole des femmes. — M ,,# Duparc und 
ihre Beziehungen zu Moliöre. — Moliöre- 
Anallcten. — Einige offene Fragen der 
Xoliörekritik. — Moliöre und die de Brie. 

— Kräuter, J, F. Stimmlose antepalatale 
u. mediopalatale Reibelaute im Neufranz. 

— Mangold , W, Moliöres Wanderungen 
in der Provinz. — Vietor, M, Schriftlehre 
oder Sprachlehre I. — Fehse, H. Estienne 
Jodelle’s Lyrik. — Schmager , O. Zu Sachs* 
franz. Wörterbuch. — Ritter, E. Nouvei¬ 
les recherches sur les Confessions et la 
Correspondance de Jean Jacques Rousseau. 

— Breitinger, H. Marc-Monnier über die 
Entwickelung der Genfer Literatur. — 
Schulze, O. Grammatisches und Lexika¬ 
lisches HL — Foth, K. Assez. — Delay , 


C. Le Roman Contemporain en France I. 
Alphonse Daudet. — Pons, A. J, Chro- 
nique litteraire. 

Abhandlnngen in Band III. 

Junker, H. P, Studien über Soarron. — 
Mahrenholtz, R Ein Decennium deutscher 
Moliöre-Philologie. — Die Moliöre-Litera- 
ratur des Jahres 1880. — Humbert , C. 
Geschichte des Tartuffe in Frankreich. — 
Schmager, 0. Bemerkungen z. neufranz. 
Grammatik. — Knörich. W. Inversion 
nach et, — Ritter , E. Beat-Louis de Mu¬ 
ralt, Lettres sur les Anglais. — Schulze, 
.0, Grammatisches und Lexikalisches IV. 
— Bobertag, F, Charles Sorel’s Histoire 
comique de Francion, und Berger extra¬ 
vagant. — Delay , C, Le Roman contem¬ 
porain. IL Octave Feuillet. — Plattner, 
Ph, Ueber Bildung und Gebrauch des 
Plurals im Neufranz. — Kressner, Nach¬ 
träge z. Franz. Wörterb. von Sachs. 

Oppeln. Eugen Franck’s Buchh, 
(Georg Maske). 


Verlag von AUG. STEIN in Potsdam: 
Alb. Beneke, 

Direktor der Sophienschule in Berlin; 

Die französische Anssprache. 

Zum Schul- und Privat-Gebrauche. 

2. umgearbeitete Auflage. Preis 1 M. 60 Pf. 

Die Verlagshandlung erlaubt sich, auf 
dieses Buch des Herrn Verfassers, welcher 
seit vielen Jahren der französischen Aus¬ 
sprache unausgesetztes Studium gewidmet 
und für eine grössere Würdigung der¬ 
selben jn seinen Vorlesungen an der 
Akademie für moderne Philologie in 
Berlin gewirkt hat, die Aufmerksamkeit 
aller zu lenken, welche sich für die rich¬ 
tige Aussprache des Französischen inte- 
ressieren. 


Verlag von Wilh. Werther in Rostook: 

Englische Synonymik 

von 

Dr. K. Kloepper. 

Ansg. A. Für Lehrer und Studierende. 
1881. ca. 900 Gruppen. 30 Bogen gr. 8®. 
Preis 9 M. 

Ansg B. Für Schüler. 2. Auflage. 1881. 
ca. 450 Gruppen. Preis 1,60 M. 

Ausg. B an mehr als 20 Schulen in 
Gebrauch. 


H. LOESCHER’S Antiquariat in Turin. 

Soeben erschien und wird auf Ver¬ 
langen gratis und franco versandt: 
Catalogo Nr. 36. Lingnistica ed drien- 
talia. 1026 Nrn. 

Derselbe enthält folgende Abtheilungen: 
Filologia com par ata, Glottologia. — Lin- 
guietica (lingue romane, germane ed atire). 
— Orientalia in generale. — Oriente (Lin¬ 
gue e 8toria delV), — America, Africa 
(8toria e lingue), — Grecia ecc, 

Bestellungen werden sowohl direct wie 
duroh Vermittelung jeder Buchhandlung 
ausgeführt. 

Turin, Januar 1882. 

HERMANN LOESCHER. 


Akademische Verlagsbuchhandlung 
von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) in 
in Freiburg i/B. und Tübingen. 

Zu beziehen durch jede Buchhandlung. 

GERMANISCHER 

BUCHERSCHATZ 

herausgegeben von ALFRED HOLDER. 

Band V: 

IORDANIS 

De origine actibusque Getarum. 
Edidit 

ALFRED HOLDER. 

klein 8. (84 Seiten.) 1 M. 50 Pf. 


Digitized by 


Google 






39 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


Verlag von KARL J. TRÜBNER in Strassburg. 


Soeben ersohien: 

Sprachatlas von Nord- und Mitteldeutschland. 

Auf Grund von systematisch mit Hülfe der Yolksschul- 
lehrer gesammeltem Material aus circa 30,000 Orten 
bearbeitet, entworfen und gezeichnet von Dr. G. 
WENKER. I. Abtheilung. 1. Lieferung. Fol. m. Text. 
M. 8.- 

In 13 Abteilungen ä circa 36 Blatt, klein folio. Preis jeder 
Abtheilung mit Text und Mappe Ml 50—. Jede Abtheilung wird I 
in Lieferungen k 6 Blatt ausgegeben und ist einzeln käuflieh. 
Einzelne Lieferungen können dagegen nieht abgegeben werden. 
Die erste Lieferung der I. Abtb. (M 8—) erschien im November. 
Das ganze Werk soll in 6—7 Jahren complet sein. 

Lieferung 2 und 3 der ersten Abtheilung erscheinen im Januar 
1882. 


QUELLEN UND FORSCHUNGEN ZUR SPRACH UND CULTUR- 
GESCHICHTE DER GERMANISCHEN VÖLKER. 

XLIIL—XLVI. Heft: 

Die Kindheit Jesu yon Konrad von Fussesbrunnen heraus¬ 
gegeben von Karl Kochen dö r ff er. 8°. IX u. 186S. M 4— 
Das Anegenge, eine literaturhistorisohe Untersuchung von Ed. 

Schröder. 8*. VIII u. 96 S. M 2—. 

Das Lied von King Horn. Mit Einleitung, Anmerkung und 
Glossar herausgegeben von Theod. W iss mann. 8°. XXXII 
u. 155 S. Ml 3.50 

Ueber die ältesten hochfrfinkischen Sprachdenkmäler. Ein 
Beitrag zur Grammatik des Althochdeutschen von Gustaf 
Kossinna. 8°. XIII u. 99 S. Ml 2.— 

Unter der Presse befinden sioh: 

Quellen und Forschungen XXXI: 

Henning , R„ Nibelungenstudien. circa M 5.— 

- - — XL VII.: 

Henning , B , Das . Deutsche Raus in seiner geschichtlichen 
Entwickelung. Mit 65 Holzsohnitten. circa M 5.— ( 

Kluge , Friedr.j Etymologisches Wörterbuch der deutschen | 
Sprache. 


Urkunden und Akten der Stadt Strassburg, herausgegebe 
mit UnterstGtzung der Landes- un i der Stadtverwaltung. 

I. Abtheilung: Urkundenbuch der Stadt Strass bürg. Band I 

Urkunden und Stadtrecht bis zum Jahre 1266. Bearbeit 
von Wilh. Wiegand. 4°. XV. 585 S. Ml 30- 

II. Abtheilung: Politische Correspondenz der Stadt Strasebcr 

im Zeitalter der Reformation. Band I: 1517—1530. Bearbein 
von Hans Virk. gr. 8°. XIII, 598 S. Ml 14.- 

Le Roman de Renart. Publie par Ernst Martin. I Vol. i' a 
partie du texte: l’ancienne Collection des branches. 8°. XXTR 
u. 483 S. 1882. M 10.- 

Strassburger Studien. Zeitschrift für Geschichte, Sprache ud 
Litteratur des Elsasses, herausgeg. von Ernst Martin un4 
Wilh. Wiegand. 1. Heft. M 2. - 

Ezzo’s Gesang von den Wundern Christi und Notkers Me* 
mento Mori im phototypischen Facsimile der Strassbnrge 
Handschrift herausgegeben von K. A Barack. Mit 4 Tafeln. 
4 S. 4°. Cart. M 4.- 

Baragiola , A., Italienische Grammatik. Mit Berücksichtigen; 
des Lateinischen und der romanischen Schwesterspraohen. $•. 
XVII, 240 S. M 5.- 

-Crestomazia italiana ortofonica. Prosa: 1. Lingua leite- 

raria antioa e moderna, imitazioni trecentistische. 2. Lingm 
parlata Toscana della Gente civile. 3 Dialetti. 8°. XXIV, 
494 S. M 7- 

Baumgarten, Herm. y Ueber Sleidans Leben und Briefwechsel. 
8°. 118 3. Mit einem Facsimile. M 2ÜU 

-Sleidans Briefwechsel. 8°. XXI, 335 S. M 6.-^ 

ten Brink , Bernh ., Dauer und Klang. Ein Beitrag zur Geschieht^ 
der Vocalquantität im Altfranzösisohen. 8°. V, 54 S. M 1.20 

-Chaucer. Studien zur Geschichte seiner Entwickelung und 

zur Chronologie seiner Schriften. I. Theil. 8°. 222 8. M 4.- 
Holländer , Alcuin, Strassburg im Schmalkaldischen Kriege. 

8°. m, 94 S. M 2.- 

Katterfeld , A., Roger Ascham, sein Leben und seine Werke 
Mit besonderer Berücksichtigung seines Berichts über Deutsch¬ 
land aus den Jahren 1550—53. 8°. XI, 369 S. Ml 8. — 
Scheffer-Boichorst, Paul , Die Neuordnung der Papstwahl durch 
Nicol ans II. Texte and Forschungen zur Geschichte des 
Papstthums im XI. Jahrh. 8°. VI, 146 S. M 3.50 


Verlag von Oskar Leiner in Leipzig. 

Mit deutschem Commentar, Ein¬ 
leitungen und Exoursen 

herausgegeben von 

Prof. De. AD. LAUN und Dr. W. KNÖRICH. 

Band I. le misanthrope. M 2. 

„ n. LE FEMME8 8AVANTE8. LE8 PRä- 
CTEU8ES RIDICULES. M 3. 

„ m. le tartuffe. 2. Auflage. Ml 2,50. 

„ IV. LE BOURGEOIS GENTILHOMME. 2. Auf¬ 
lage. Ml 1,80. 

„ V. l’avare. Ml 2,50. 

„ VI. LES FACHFUX. Ml 1,80. 

„ VII. DON JÜAN. Ml 2. 

„ VIII. LE MALADE IMAGINA1RE. Ml 2,50. 

„ IX. LE M^DECIN MALGBÄ LÜI — l’aMOÜR 
M&DECIN. Ml 2. 

„ X. L^COLE DES FEMMES — LA CRITIQUE 
DE L’tiCOLE DE8 FEMMES. Ml 2,80. 

„ XI. GEORGE DANDIN. MONSIEUR DE POUR- 
CEAUGNAC. Ml 2. 

„ XII. L’lMPROMPTÜ DE VERSAILLES. LE 

MARIAGE FORgti. LE 8ICILIEN. LA 

COMTES8E D’ESCARBAGNAS. Ml 2,50. 

„ XIII. L*£cOLE DES MARI8. Ml 1,80. 

Jeder Band, broschiert in Klassiker-Format und 

in elegantester Ausstattung, wird auch einzeln 
abgegeben. 

Weitere Bände sind in Vorbereitung. 

Elegante Einbanddeeken zu jedem Band 56 Pf. 


R £ S U M £ 

DE 

L’HISTOIRE DE LA LITTÜRATURE 
FRANgAISE. 

A L^SAOB DES ECOLES. 

par H. HeckerT 
Quatriöme Edition 

entidrement revue et coneiderablement augmentde. 

7 Bog. 8° oart. Ml 1,25, brosch. M 1. 

Diese vorzügliche französische Litteratnrge¬ 
schieh tc, welche von kundigster Hand bis auf die 
Jetztzeit ergänzt ist, und von der drei starke Auf* 
lagen bereits vergriffen sind, eignet sich nicht 
allein für Schulen znm Stndinm der franz. Li¬ 
teraturgeschichte oder als Lesebuch, sondern auch 
zum Selbstunterricht. 

Die Neue Badische Sehulzeitung schreibt da¬ 
rüber* Ein sehr guter Ueberblick der französischen 
Litteratur und eine wertvolle Ergänzung z. B. des Ma¬ 
nuel von Plötz, welches die ältere Litteratur bis auf 
Corneille pragmatisch dargestellt, von da ab aber nur 
zusammenhanglose biographisch-litterarische Notizen 
giebt. Mit richtigem Blick ist das Wesentlichste aus¬ 
gewählt und mit thunlicher Vollständigkeit dargestellt, 
so dass z. B. Voltaire vier and Rousseau reichlich sechs 
Seiten gewidmet sind und blosse Nomenclatur, abge¬ 
sehen von bekannten Namen der Allerneuesten Zeit 
nirgends hervortritt. Das kleine Werk kann daher 
bestens empfohlen werden. Die Ausstattung ist gut. 

Verlag von Oskar Leiner 
in Leipzig. 


In neuer Orthographie voll¬ 
ständig! 

Soeben erschien: 

Deutsches Lesebuch 

für l)öl)cre fdjranftalten 

herausgegeben von 

Dr. Kohts, Dr. Meyer, Dr. Schuster, 

Zweite Auflage in neuer Orthographie, 
nach dem Gutachten des Königlich 
preussischen Kultusministeriums. 

Vorschulbände: Sexta, Quinta. 

2 Teile k 1 J6 JK> 1,50. JK> 1.50. 

Qnarta, Tertia. 

M 1,75. M 1,75. 

Zur Ansicht durch jede Buch¬ 
handlung zu beziehen. Bei beabsich¬ 
tigten Neueinfuhrungen bitten dies Lese¬ 
buch mit zur engeren Wahl zuzu- 
lassen. 

MroingTifo DectagsßaiüfiamQaiig 

Hannover, 


Digitized by LjOOQie 




1882. Literaturblatt für germanische and romanisohe Philologie. Nr. 1. 


Verlag von GEBE. HENNINGER in Heübronn. 


Aiol et Mirabel und Elie de Saint Gille. 
Zwei altfranzösische Heldengediohte mit An- : 
merkangen und Glossar zum ersten Mal i 
herausgeg. y. Dr. WendelinFoerster,' 
Professor der romanischen Philologie an der 
Universität Bonn. 

]. Theil : Aiol et Mirabel. peh. M. 9.- 
11. Theil, 1. Heft: Elie de Saint Gille. geh. M. 2.25. , 
(II. Theil. 2. Heft (Schluss) : Einleitung, Anmerk¬ 
ungen und Glossar. Unter der Presse.) 
Bauguier . — Bibliographie de la cbanson 
de Roland par Jos. Bauquier. geh. M. 1. 
Boehmer. — Die provenzalische Poesie 
der Gegenwart von Dr. Eduard Boeh-: 
m e r. geh. M. 1.20. 

Calderon . — El mägico prodigioso, comedia j 
famosa de D. Pedro Calderon de la Barca, j 
publiöe d’aprös le manuscrit original de la 
biblioth&que du duc d’Osuna, avec deux fac- . 
simile, une introduction, des variantes et 
des notes par Alfred Morel-Fatio 
(Paris), geh. M. 9.— 

La cbanson de Roland. Genauer abdruck 
der Yenetianer handschrift IY, bes. von 
Dr. Engen Kölbing. geh. M. 5.— 

Keller . — Altfranzösische Sagen, gesam¬ 
melt von Adelbert von Keller. Zweite 
Auflage, geh. M. 0.— 

Körting . #— Gedanken und Bemerkungen 
über das Studium der neueren Sprachen 
an den deutschen Hochschulen. Von 
Dr. Gustav Kör ting, ord. Professor der: 
rom. und engl. Philologie an der theolog.- j 
pbilos. Academie zu Münster, geh. M. 1.40. [ 
Koschwitz . — Ueberlieferung und Sprache 
der Chanson du voyage de Charle- 
magne k Jerusalem et k Constanti- 
nople. Eine kritische Untersuchung von 
Dr. Eduard Kosohwitz. geh. M. 3.— 
Koschwitz. — Les plus anciens monnments 
de la langne fran$aise publies pour les 
cours universitaires par Eduard Kosch¬ 
witz. Seconde Edition. (Mit einem Faosimile.) 
geh. M. 1.50. 

Koschwitz. — Sechs Bearbeitungen des 
altfranzösischen Gedichts von Karls 
des Grossen Reise nach Jerusalem und 
Constantinopel herausgegeben von Dr. 
Eduard Koschwitz. geh. M. 5.40. 

La Fontaine. — La Fontaines Fabeln. Mit 
Einleitung und deutschem Commentar von 
Dr. Adolf Laun, Professor. Zwei Theile 
in einem Bande, geh. M. 6.— 

MahrenhoUz. —- Molieres Leben und Werke 
yom Standpunkt der heutigen Forsch¬ 
ung. Von R. Mahrenholtz. (Französische 
Studien IL Band.) geh. M. 12.— 
Morel-Fatio. — L’Espagne an XVI* et an 
XVII* siede. Documents historiques et lit- 
töraires publiös et annotös par Alfred 
- Morel-Fatio (Paris), geh. M. 20.— 
Neutnann. — Zur Laut- und Flexionslehre 
des Altfranzösischen, i hauptsächlich aus 
pikardischen Urkunden von Yermandois von 
„ Dr. Fritz Neu mann, Privatdooenten der 
romanischen und englischen Philologie an 
der Universität. Heidelberg, geh. M. 3.60. 
Neumann . — Kurze altfranzösische Gram¬ 
matik von Dr.'Fritz Neu mann. (In 
Vorbereitung.) 

Rolandslied. — Das altfranzösische Ro- 
landslied. Genauer Abdruck der Oxforder 
Hs. Digby 23besorgt v. Edmund Stengel. 
Mit einem photograph. Faosimile. geh. M. 3. 
Simrock. — Italienische Novellen. Ausge¬ 
wählt und übersetzt von K. Simrqok. 
Zweite, verb. und verm. Auflage. B. A. geh. 
M. 2.26. 


VoUmÖUer. — Ein spanisches Steinbuch. 
Mit Einleitung und Anmerkungen heraus¬ 
gegeben von K. V o 11 m ö 11 e r. geh. M. 1.— 

Wace. — Maistre Wace’s Roman de Ron 
et des dncs de Normandie. Nach den 
Handsohriften von Neuem herausgegeben 
von Dr. Hugo Andresen. 

I. Band fl. und 2. Theil). geh. M. 8 
II. Band (3 TheiH. geh. M. 16.— 

Witte. — Dantd-Forschnngen. Altes und 
Neues von Karl Witte. 

I. Band. Mit Dante's Bildniss nach Giotto, nach 
dem 1840 wieder entdeckten Freecobilde im Pa¬ 
lazzo del Bargello (Pretoria), bevor dasselbe 1841 
übermalt ward, in Kupfer gestochen von Julius 
T h a e t e r. geh. M. 12.— 

II. Band. Mit Dante’s Bildniss nach einer alten Hand- 
Zeichnung und dom Plan von Florenz zu Ende 
des Xlll. Jahrhunderts, geh. M. 15 — 

In Commission n. a.: 

Gärtner. — Die Gredner Mundart. Von 
Dr. Theodor Gärtner. Mit Unterstützung 
der K. Akademie der Wissenschaften in Wien, 
geh. M. 11.— 

Mistral . — Friedrich Mistral, Mireia. Pro- 
venzalisohes Gedicht in zwölf Gesängen, 
preisgekrönt von der französischen Akademie. 
Mit selbstbiographisoher Vorrede des Ver¬ 
fassers, Einleitung, Anmerkungen undUeber- 
setzung in Versen von FrauB. M. Dorieux- 
Brotbeck. geh. M. 5.— 

Rolandslied. — Photographische Wieder¬ 
gabe der Hs. Digby 23 mit Genehmigung 
der Curatoren der Bodleyschen Bibliothek 
zu Oxford veranstaltet von Dr. Edmund 
Stengel, Prof, an der Universität Mar¬ 
burg. Carfc. M. 30.— 

Andresen. — Ueber deutsche Volksety¬ 
mologie von Karl Gustaf Andresen. 
Dritte stark vermehrte Auflage, geh. M. 6.— 

Andresen. — Sprachgebrauch und Sprach- 
richtigkeit im Deutschen von Karl 
Gustaf Andresen. Zweite vermehrte 
Auflage, geh. M. 5.— 

Birlinger u. Crecelius . — Deutsche Lieder. 
Festgruss an Ludwig Erk. Dargebracht von 
Anton Birlinger und Wilh. Crece¬ 
lius. geh. M. 1.60. 

Briefwechsel zwischen Jakob Grimm n. 
Friedrich David Graeter. Aus den Jahren 
1810—1813. Herausgegeben von Hermann 
Fischer, geh. M. 1.60. 

Briefwechsel des Freiherrn Karl Hart¬ 
wig Gregor von Meusebach mit Jakob 

* und Wilhelm Grimm. Nebst einleitenden 
Bemerkungen über den Verkehr des Samm¬ 
lers mit gelehrten Freunden und einem An¬ 
hang von der Berufung der ßrüder Grimm 
nach Berlin. Herausgegeben von Dr. Ca- 
millus Wendeier. Mit einem Bildniss 
(Meusebachs) in Lichtdruck, geh. M. 11.50. 

Ditfurth . — Fünfzig nngedruckte Balladen 
und Liebeslieder des XVI. Jahrh. mit den 
alten Singweisen. Gesammelt und herans- 
gegeben von Franz Wilhelm Frei¬ 
herrn von Ditfurth. geh. M. 2.80. 

Ditfurth. — Die historischen Volkslieder 
vom Ende des dreissigjährigen Krieges, 1648, 
bis zum Beginne des siebenjährigen, 1756. 
Aus fliegenden Blättern, handschriftlichen 
Quellen und dem Volksmunde gesammelt 
von Franz Wilhelm Freiherrn von 
Ditfurth. geh. M. 7.50. 

Egelhaaf. — Grandzüge der deutschen 
Literaturgeschichte. Ein Hilfsbuch für 
Schalen und zum Privatgebrauch von Dr. 
G. Egelhaaf. geh. M. 2.— 


Freundesbriefe von Wilhelm und Jakob 
Grimm. Mit Anmerkungen herausgegeben 
,von Dr. Alexander Reifferscheid, 
o. Professor d. d. Philologie in Greifswald. 
Mit e. Bildniss in Lichtdruck v. Wilh. u. 
Jak. Grimm, geh. M. 4.— 

Goethe. — Faust von Goethe. Mit Einleit, 
und fortlaufender Erklärung herausgegeben 
von K. J. Schröer. Erster Theil. geh. 
M. 3.75. Zweiter Theil. geh. M. 5.25. 
Goethe. — Goethes westöstlicher Divan 
mit den Auszügen aus dem Buche des 
Kabus, herausgegeben von K. Simrock. 
B. A. geh. M. 2.— 

Hartmann von Aue. — Der arme Heinrich 
des Hartmann von Aue, übersetzt von 
K. Simrock. Mit verw. Gedichten u. Sagen. 
2. Auflage. B. A. geh. M. 2.— 

Heinrich von Veldeke. — Heinrichs von 
Veldeke Eneide. Mit Einleitung und An¬ 
merkungen herausgegeben von Otto Be¬ 
haghel. geh. M. 19.— 

Kant. — Scherz und Hnmor in Wolframs 
von Eschenbach Dichtungen. Abhandlung 
von Dr. Karl Kant. geh. M. 3.— 

Keller. — Alte gute Schwänke, horausge- 
geben von Adelbertvon Keller. Zweite 
Auflage, geh. M. 1.80. 

Müller. — Gotthold Ephraim Lessing und 
seine Stellung zum Christentbum. Ein Ge¬ 
denkblatt zu seinem hundertjährigen Todes¬ 
tage (15. Februar 1881) von Dr. H. F. 
Müller, geh. M. 1.40. 

Ofterdinger. — Christoph Martin Wielands 
Lehen und Wirken in Schwaben nnd 
in der Schweiz. Von Prof. Dr. L. F. 
Ofterdinger. Mit einem Portrait Wie¬ 
lands und 8 in den Text gedr. Illustr. B. A. 
geh. M. 2.25. 

Pauli. — Schimpf nnd Ernst nach Johannes 
Pauli. Als Zugabe zu den Volksbüchern 
erneut u. ausgew. v. K. S i m r o c k. B. A. 
geh. M. 2.40. 

Raszmann. — Die Niflnngasaga und das 
Nibelungenlied. Ein Beitrag zur Geschichte 
der deutschen Heldensage von A. R a 8 z - 
manu. geh. M. 5.— 

Reifferscheid. — Westfälische Volkslieder 
in Wort und Weise, mit Klavierbegleitung 
u.liedervergleichenden Anmerkungen heraus¬ 
gegeben von Dr. Alex. Reifferscheid, 
o. Prof. d. d. Philologie in Greifswald, geh. 
M. 8.— 

Sabett. — Zu Goethe’s hundertdreissigstem 
Gebnrtstag. Festschrift zum 28. August 
1879 von Dr. Eduard W. Sabel 1. geh. 
M. 2.40. 

Spee. — Fr. Spees Trutz Nachtigall, verj. 

von K. Simrock. B. A. geh. M. 2.— 
Vögelin. — Herders Cid, die französische 
und die spanische Quelle. Zusammengestellt 
von A. 8. Vögel in. geh. M. 8.— 
Vollmöller. — Kürenberg und die Nibe¬ 
lungen. Eine gekrönte Preisschrift von Dr. 
Karl Vollmöller. Nebst einem Anhang: 
Der von Kürnberc. Herau9gegeben v. Karl 
8imrock. geh. M. 1.20. 

Volmar. — Das Steinbuch. Ein altdeutsches 
Gedicht von Volmar. Mit Einleitung, An¬ 
merkungen und einem Anhang. Herausge¬ 
geben von Hans Lambol. geh. M. 5.— 
Wirnt von Gravenberc. — Wigalois des 
Wirnt von Gravenberc. Kritische Aus¬ 
gabe. Mit Einleitung und Anmerkungen von 
Anton Schönbach, o. Professor der 
deutschen Philologie an der Universität 
Graz. (In Vorbereitung.) 


Digitized by LjOOQie 


43 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


44 4 


Verlag von GrEBR. HENNINGER in Heilbronn. 


Zingerle. — Reiserechnungen Wolfger’s 
von Ellenbrechtskirchen, Bischofs von 
Passau, Patriarchen von Aquileja. Ein Bei¬ 
trag zur Waltherfrage. Mit einem Facsimile. 
Herausgegeben von Ignaz V. Zingerle. 
geh. M. 2.— 


Dowden. — Shakspere, sein Entwicklungs¬ 
gang in seinen Werken von Edward 
Dowden. Mit Bewilligung des Verfassers 
übersetzt von Wilhelm W a g n e r. geh. 
M. 7.50. 

Elis Saga ok Rosaimindn. Mit Einleitung, 
deutscher Uebersetzung und Anmerkungen 
zum ersten Mal herausgegeben von Eugen 
Kolbing, geh. M. 8.50. 

Geschichte, Die, von Gunnlaug Schlangen¬ 
zunge. Aus dem isländischen Urtexte über¬ 
tragen von Eugen Kolbing, geh. M. 1.— 
Horstmann. — Sammlung altenglischer 
Legenden, grösstentheils zum ersten Male 
herausgegeben von C. Horstmann. geh. 
M. 7.20. 

Horst mann. - Altenglische Legenden. Neue 
Folge. Mit Einleitung und Anmerkungen 
herausgegeben von C. Horstmann. geh. 
M. 21.- 

Horstmann. — Barbonr’s des schottischen 
Nationaldichters Legendensammlung 
nebst den Fragmenten seines Trojanerkriegs. 
Zum ersten Mal herausgegeben und kritisch 
bearbeitet von C. Horstmann. Erster Band, 
geh. M.8.— (Zweiter Band unter der Presse.) 
Hovard Isfjordings-Sage, Die. Aus dem 
altisländischen Urtext übersetzt von Willi¬ 
bald Leo. geh. M. 2.— 

Körner. — Einleitung in das Studium des 
Angelsächsischen. Grammatik, Text, 
Uebersetzung, Anmerkungen, Glossar von 
Karl Korner. 

I. Theil: Angelsächsische Formenlehre, geh. 
M. 2.— 

II Theil: Angelsächsische Texte. Mit Ueber- 
setzung, Anmerkungen und Glossar. geh. M. 9. 

Sage, Die, von Fridtlijofr dem Verwegnen. 
Aus dem altisländischen Urtexte übersetzt 
von Willibald Leo. geh. M. 1.50. 
Storni. — Englische Philologie. Anleitung 
zum wissenschaftlichen Studium der eng¬ 
lischen Sprache von Johan Storm, ord. 
Professor der romanischen und englischen 
Philologie an der Universität Christiania. 
Vom Verfasser für das deutsche Publikum 
bearbeitet. I. Die lebende Sprache, geh. 
M. 9.- 

Tristan-Sage. — Die nordische und die 
englische Version der Tristan-Sage. 
Horausgegeben von Eugen Kolbing. 

I. Theil: Tristrnins Saga ok Isondar. Mit einer 
literarhistorischen Einleitung, deutscher Ueber- 
»etzung und Anmerkungen zum ersten Mal 
herausgegeben von Eugen Kolbing, geh. 
M. 12.— 

II. Theil: Sir Tristrein. Mit Einleitung. Anmerk¬ 
ungen und Glossar. (In Vorbereitung.) 


Liebrecht. — Zur Volkskunde. Alte und 
neue Aufsätze von Felix Liobrecht. 
geh. M. 12.— 

Rochholz . — Teil und Gessler in Sage 
und Geschichte. Nach urkundlichen Quollen 
von E. L. Rochholz, Professorin Aarau, 
geh. M. 10.— 

Rochholz. — Die aarg. Gessler in Urkun¬ 
den v. 1250—1513 von E. L. Rochholz. 
geh. M. 6.— 


Sabell . — Literatur der sogenannten 
Lehnin’schen Weissagung, schomatisch 
und chronologisch dargestellt, von Dr. 
Eduard Wilhelm Sabell. geh. M. 3.50. 

Schlüter. — Die französische Kriegs- und 
Revanchedichtung. Eine zeitgeschichtliche 
Studie von Dr. Joseph Schlüter, geh. 
M. 1.50. 

Beck. — Buch der Weisheit ans Griechen¬ 
lands Dichtung Von Carl Beck, Prälat 
in Hall. geh. M. 3.60. 

Brentano. — Alt-Ilion im Dumbrekthal. 
Ein Versuch die Lage des homerischen Troia 
nach den Angaben des Plinius und Deme¬ 
trius von Skepsis zu bestimmen. Von E. 
Brentano. Mit einer Karte der troischen 
Ebene, geh. M. 4.20. 

Brentano. — Zur Lösung der trojanischen 
Frage. Nebst einem Anhang: Kurze Be¬ 
merkungen zu Schliemanns Ilios. Mit einer 
Karte der troischen Ebene und zwei Plänen. 
Von Dr. E. Brentano, geh. M. 3.50. 

Dechent. — Geschichtstabellen nach secu- 
laristischer Zusammenstellung zur Erleichte¬ 
rung des Behaltens und Festhaltens der 
Daten, insbesondere zur Vorbereitung auf 
Examina. Von Dr. phil. Dechent. M. 1.20. 

Genthe. —Ueber den etrnskischen Tausch¬ 
handel nach dem Norden. Von Horm. 
Genthe, Prof, am Gymnasium zu Frank¬ 
furt a. M. Neue, erweiterte Bearbeitung. 
Mit einer archaeologischen Fundkarte, geh. 
M. 6.-. 

Geographi latini minores. Collegit, recensuit, 
prolegominis instruxit Alexander Riese, 
geh. M. 5.60. 


Carmina Clericornm. Studentenlieder des 
Mittelalters. Edidit Dorous quaedam verus. 
Supplement zu jedem Commersbuch. Fünfte 
Auflage, geh. M. 1.— 

Floia. Cortum versicale de flohis. Autoro 
Griff h o 1 d o Knickknackio exFloT- 
landia. Ein makkaronisches Gedicht vom 
Jahre 1593. Nach den ältesten Ausgaben 
revidirt, mit einer neuen Uebersetzung, einer 
literarhistorischen Einleitung nebst Biblio¬ 
graphie, sprachlichen Anmerkungen u. Vari¬ 
anten, sowie einem makkaronischen Anhang 
vers. und herausg. von Dr. Sabellicus. 
geh. M. 1.- 

Jus Potandi. Deutsches Zechrecht. Com- 
mentbuch des Mittelalters. Nach dem Ori¬ 
ginal von 1616 mit Einleitung neu heraus¬ 
gegeben von Dr. Max Oberbreyer. Vierte 
Auflage, geh. M. 1.— 

Moyss. — Von dem schweren Missbrauch 
des Weins. Nach dem Original des Justus 
Moyss von Assraannshausen vom Jahre 1580 
mit Einleitung neu horausgegeben von Dr. 
Max Oberbreyer. geh. M. 1.— 

Zaunschlijfer. — Dissertatio jnridica de 
eo, quod justura est circa Spiritus familiäres 
feminarum, hoc est Pulices. Auctore Otto ne 
Philippo Zaunschliffer, Prof. ord. 
utr. jur. Marburgensi, (OPiZio Jocoserio). 
Nach den ältesten und vollständigsten Aus¬ 
gaben revidirt, mit einer literarhistorischen 
Einleitung, bibliographischen Notizen, sowie 
erläuternden Anmerkungen versehen und 
neu herausgegeben von Dr. Sabellicus. 
geh. M. 1.— 


Deutsche Litteraturdenkmale 

des 18. Jahrhunderts 

in Neudrucken herausgegeben 

von 

Bernhard Seutfert. 

Unter diesem Titel wird aus Einzeldrucken, 
Sammelwerken und Zeitschriften eine Aus¬ 
wahl von Dichtungen, Abhandlungen und kri¬ 
tischen Anzeigen, welche für die Kenntniss 
der deutschen Literatur von Gottsched bis 
einschliesslich zu den Romantikern von Be¬ 
deutung, ihrer Seltenheit wegen aber schwer 
erreichbar sind, in diplomatisch getreuen Ab¬ 
drucken veranstaltet. 

Erschienen: 

1. Otto, Trauerspiel von F. M. Klinqer 

M. —.90. 

2. Voltaire am Abend seiner Apotheose, 

von H. L. Wagner M.—.40. 

3. Fausts Leben, vom Maler. Müller 

M. 1.10. 

4. Preussische Kriegslieder von einem 
Grenadier, v. J. W. L.Gleim. M. —.70. 

Weiter sollen zunächst erscheinen: 

5. Faust von Goethe (1790.) 

6. 7 Frankfurter gelehrte Anzeigen 
(1772.) 

8. Hermann von C. M. Wieland. 


In Vorbereitung: 

Quellen 

zur 

Geschichte des geistigen Lebens 

in Deulschland 

während des siebenzehnten Jahrhunderts. 
Mitteilungen aus Handschriften 

mit 

Einleitungen und Anmerkungen 
horausgegeben 
von 

Dr. Alexander Reifferscheid, 

o. ö. Professor der deutschen Philologie in Greifewald. 

Der Herausgeber, welcher eine planmässige 
Durchforschung der Bibliotheken und Archive 
Deutschlands, Belgiens, Hollands, Dänemarks 
und Schwedens für das 17. Jahrhundert be¬ 
gonnen hat, gedenkt in diesem Werke eine 
kritische Auswahl aus den bedeutendsten 
Briefen und nur handschriftlich erhaltenen 
Gedichten des 17. Jahrhunderts nach den 
Originalhandschriften zu veröffentlichen, um 
endlich diese wichtigen Quellen der gelehrten 
Forschung zu erschliessen. 

Der erste Band des auf mehrere Bände 
berechneten Unternehmens wird demnächst 
erscheinen. 

Jeder Band bildet ein für sioh abgeschlos¬ 
senes Ganze und wird einzeln käuflich sein. 


Digitized by 


Google 


45 


1882. Literaturblatt für germanische and romanische Philologie. Nr. 1. 


46 


Verlag von GEBR. HENNINGER in Heilbronn. 
Abonnements-Einladung. 


Englische Studien. 

Organ für Englische Philologie 

unter Mitberücksichtigung des englischen 
Unterrichts auf höheren Schulen 

herausgegeben von 

Dr. Eugen Kolbing, 

•. o. Prof, der engl. Philologie an der Untrere. Breslau. 

Abonnementspreis vom IY. Bande an 
M. 15.—. per Band. Neu eintretenden Abon¬ 
nenten gegenüber erklären wir uns bereit, 
auch die früher erschienenen Bände I—III zu 
dem ermässigten Abonnementspreis von M.IÖ.— 
per Band nachzuliefern, jedoch nur bei ße- 
ttellung je eines completen Bandes. 

Einzelne Hefte werden nur zu erhöhtem 
Preise abgegeben. 

Das erste Heft des fünften Bandes 
ist erschienen. Einzelpreis: M. 10.—; der 
Rest des Bandes wird in einem Hefte ge¬ 
liefert. • 

Abonnements werden durch alle Buch¬ 
handlungen des In- und Auslandes vermittelt. 


Französische Studien. 

Heransgegeben von 

Dr. G. Körting, 

Prot an der theol -philos. Akademie su Münster i. W. 
und 

Dr. E. Koschwitz, 

Professor an der Universität in Greifswald. 

Abonnementspreis M. 15.— per Band von 
ca. 30 Bogen, eingetheilt in 3 —4 zwanglos 
erscheinende Hefte. 

Einzelne Hefte werden zu erhöhtem Preis 
abgegeben. 

I. Band 1. Heft Einzelpreis M. 4.50* 


Der ebenfalls vollendete IL Band enthält: 
Moliöre's Leben und Werke. Vom Stand¬ 
punkte der heutigen Forschung. Von R. 
Mahrenholtz. Preis dieses Bandes wegen 
kleineren Umfanges ausnahmsweise M. 12.— 

Abonnements werden durch alle Buchhand¬ 
lungen des In- und Auslandes vermittelt 


Literaturblatt ;j 

für ^ 

germanische und romanische 
Philologie.. 

Unter Mitwirkung von Prof. Dr. Karl Bartsch 
herausgegeben von 

Dr Otto Behaghel, and Dr. Fritz leumann, 

Docenten der german. Docenten der romao. 

Philologie ». d. Univer- und engl. Philologie 

siükt Heidelberg. a. d.Univ, Heidelberg. 

Abonnementspreis M. 5.—. per Semester von 
6 monatl. Nrn. von ca. 32 Spalten 4°. 
Einzelne Nrn. werden nicht abgegeben. 

Es wird um rechtzeitige Erneuerung des 
Abonnements für den IIL Jahrgang ergebenst 
gebeten und zugleich wiederholt darauf auf¬ 
merksam gemacht, dass, wie bisher, Abonne¬ 
ments durch alle Buchhandlungen des In- nnd 
Auslandes vermittelt werden, ausserdem aber 
da9 Literaturblatt auch im Postzeitungswege 
bezogen werden kann (Zeitungspreisliste für . 
Württemberg Nr. 160; Zeitungspreisliste für 
das Deutsche Reich, siebenter Nachtrag Nr. 
2690a). 


Sammlung 

französischer Neudrucke 

heransgegeben 

von 

Karl Vollmöller. 


Unter vorstehendem Titel werden seltene 
und schwer erreichbare französische Schrift¬ 
werke aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert: 
Dichtungen, Grammatiken (so vor allem die 
wichtigen des 16. Jahrhunderts), und literar¬ 
historische Abhandlungen zum Abdruck kom¬ 
men. 

Erschienen: 

1. De Villiers Le Festin de Pierre ou le 

Als criminel. Nene Aasgabe von W. 
Knöriob. Geh. M. 1.20. 

2. Armand de Bourbon, Prince de Conti 

Traitd de la comedie et des spectacles. 
Neue Ausgabe von Karl Vollmöller. 
GWh. M. 1.60. 

Zunächst sollen sioh anschHessen: 

Jean de Mairet, SämmtUche Werke. Von 
K. Vollmöiler. L Chriseide et Ari- 
mand. 

Jaeobi Sylvii Ambiani in linguam galli- 
cam Isagwge(1531). Von Karl Voll¬ 
möller. 

Jean de la Forge, le Cercle des Feinmes 
S$avantes (1663). Von W. Knörieh. 
Grammaire de P. de la Ramee, lecteur 
da Roy, en l’Universitd de Paris 
(1572). Von W. Foerster. 

I Robert Garnier, Dramen (1582)- Von W. 
Fo erster. 


ln Vorbereitung: 

Englische Sprach- 

und 

Literaturdenkmale 

des 16., 17. und 18. Jahrhunderts 

herausgegeben 

von 

KarL Yollmoller. 


Unter v diesem Titel sollen seltene oder 
doch in Deutschland schwer zugängliche eng¬ 
lische Dichtwerke und Abhandlungen zur Ge¬ 
schichte der Literatur, Kultur und Sprache 
des englischen Volkes aus dem 16.« 17. und 
18. Jahrhundert in durchaus zuverlässigen, 
nicht modernisirten oder zngestntzten 
Texten mit Einleitungen und Anmerkungen 
zum Abdruck kommen. 

Je nach Bedürfniss werden die Ausgaben 
entweder von Druckfehlern gereinigte Neu¬ 
drucke oder kritische Texte sein. 

Möglichst billiger Preis soll der Sammlung 
weiteste Verbreitung schaffen. 

Eröffnet wird dieselbe mit: 

Gorbodoc or Ferrex and Porrex. A Tra¬ 
gedy by Thomas Norton and Tho¬ 
mas Sackville, A. D. 1561. Edited by 
L. Toulmin Smith. 

Digitized 


Daran werden sich zunächst reihen: 


John Gay, The Beggars’ Opera. Von G. 
Sarrazin. 


-Polly. Von G. Sarrazin. 

James Thomson, The Seasons. Historisoh- 
kritisohe Ausgabe. Von A. Br an dl. 

Shakspere, Hamlet. Parallel-Ansgabe der 
Quarto 1603, Quarto 1604 und Folio 
1623. Von W. Rolfs. 


Ben Jonsons Werke. Kritische Aasgabe. 
Von W. Rolf8. 


Cleveland’s Poems. 1651 etc. 

William Rankins, A Mirrour of Monsters. 
1587. 


B. Barnes’ The Divils Charter. 1607. 


Rainoldes, The Overthrow of Stage 
' playes. 1599. 

William Cartwright’s Plays and Poems. 
1651. 

Capt&in Cox, Ballads and Books. 1575. 

Dr. Richard Corbet, Certain Elegant 
Poems. 1647. 


by Google 


■Wäll rY YT* MTfc-i.iw lir i < T lüT. em f HT Vff fT8ir*f .'ui ^ r* 4 ■■ -■ .ft 




47 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


48 


Altfranzösische Bibliothek. 

fierausgegeben von 

Dp. Wendelin Foerster, 

Prof. d. roman. Philologie a. d. Universität Bonn. 


Zweck dieser Sammlung ist Herausgabe 
altfranzösischer, eventuell auch altprovenza- 
lischer Texte, insofern diese durch ihre sprach¬ 
liche oder literarische Bedeutung eine solche 
wünschenswerth erscheinen lassen. Dieselbe 
wird ebensowohl Inedita, als auch bereits er¬ 
schienene, aber selten gewordene Stücke ent¬ 
halten. Jedem Texte werden Anmerkungen, 
die in knappster Form alle Schwierigkeiten 
berücksichtigen, sowie ein kurzes Glossar und 
eine bündige Einleitung, welche besonders die 
sprachliche Seite ins Auge fasst, beigegeben 
werden. Diese Beigaben werden in deutscher, 
eventuell auch in italienischer oder französischer 
Sprache verfasst sein. 

Aus praktisehen Gründen wird der 
Rahmen des Unternehmens insoferne 
erweitert, als andere inhaltlich mitder 
altfranz. Bibliothek im innigen Zusam¬ 
menhang stehenden Texte, wiedie von 
derVerlagshandlungseitl&ngererZeit 
angekündigten Abdrucke der altfranz. 
Rolandhandschriften von Paris, Chä- 
teauroux u. e. f. und ähnliche Ausgaben 
mit in dieselbe aufgenommen werden. 
Es werden demgemäss auch blosse Ab¬ 
drücke von altfranz. Handschriften in 
bestimmten Fällen Aufnahme finden. 

Jedes Bändchen der Sammlung, bez. jedes 
in dieselbe aufgenommene Werk wird einzeln 
käuflich sein, und durch möglichst billigen 
Preis darauf Rücksicht genommen, die An¬ 
schaffung besonders auch den Studirenden zu 
erleichtern. 

Erschienen sind: 

I. Band: Chardry’s Josaphaz, Set Dor- 
manz und Petit Plet, Dichtungen in der 
anglo-normannischen Mundart des XIII. Jahr¬ 
hunderts. Zum ersten Mal vollständig mit 
Einleitung , Anmerkungen und Glossar-Index 
herausgegeben von J. Koch. geh. M. 6.80. 

H. Band: Karls des Grossen Reise 
nach Jerusalem und Constantinopel, ein 
altfranzösisohes Gedicht des XI. Jahrhunderts, 
mit Einleitung und Wörterbuch herausgegeben 
von Eduard Koschwitz. geh. M. 2.80. 

IV. Band: Lothringischer Psalter (Bibi. 
Mazarine Nr. 798), altfranz. Uebersetzung des 
XIV. Jahrhunderts mit einer grammatisohen 
Einleitung, enthaltend die Grundzüge des 
altlothringischen Dialects, und einem Glossar 
zum ersten Male herausgegeben von Friedr. 
Apfelstedt. geh. M. 6.—. 

Hiernach werden zunächst folgen: 

III. Band: Octavian, Altfranzösischer 
Roman, nach der Handschrift Oxford, Bodl. 
Hatton 100, herausgegeben von Karl Voll¬ 
möller. (Unter der Presse.) 

V. Band: Lyoner Yzopet mit dem latein. 
Original (Galfredus), herausgegeben von W. 
Foerster. (Unter der Presse.) 

Ferner: 

VI. Band: Das altfranzösische Rolands¬ 
lied. Nach den Handschriften von Chäteau- 
roux und Venedig VII besorgt von Wend. 
Foerster. (In Vorbereitung.) 

VII. Band: Das altfranzösische Rolands¬ 
lied. Nach den Handschriften von Paris, 
Lyon und Cambridge, besorgt von Wend. 
Foerster. (In Vorbereitung.) 

Heiibronn. @ c 6 c. üeuiungec. 


Altenglische Bibliothek. 

Herausgegeben 

von 

Dr. Eugen Kolbing, 

a. o. Prof, der engl. Pbilol. an der Univere. Breslau. 


Dieses schon vor längerer Zeit angekün¬ 
digte Unternehmen soll im Laufe dieses Jahres 
ins Leben treten. 

Es soll in Bezug auf Auswahl der Texte 
und Ausstattung der einzelnen Hefte haupt¬ 
sächlich der Gesichtspunkt massgebend sein, 
dass schwer zugängliche oder noch ganz un¬ 
gedruckte Werke in handlicher Form und nur 
mit dem nothwendigsten Apparate versehen 
zu möglichst billigem Preise geboten werden. 

Zunächst sind folgende Publioationen in 
Aussicht genommen : 

1. Osbern Bokenam’e Heiligenleben (a. 

1447), herausgegeben von C. Horst¬ 
mann. / 

2. Zwei mittelenglische Versionen der 

Octavian-Sage, herausgegeben von G. 
Sarrazin. 

3. Die politischen Lieder des Laurence 

Minot, herausg. von F. Rosenthal. 

4. Ancren Riwle, herausgegeben von E. 

K ö 1 b i n g. 

ö. Das Ormnlnm, herausgegeben von E. 
K ö 1 b i n g. 

Das erste Heft dieser Sammlung wird im 
Herbst dieses Jahres ausgegeben werden. 
Heilbronn. r. j&ermmger. 


Wir erlauben uns ergebenst die mitteilung 
von der herausgabe einer Zeitschrift, die den 
Philologen und Sprachforschern überhaupt von 
ganz besonderer Wichtigkeit erscheinen dürfte. 

Unter mitarbeiterschaft von Herren Prof. 
Dr. P. J. C08IJN in Leiden, Dr. J. H. GALLEE 
in Utrecht , Prof. Dr. J. F. J. HEREMANS in 
Gent, Prof. Dr. H. KERN in Leiden, Prof. 
Dr. B. 8YMONS in Groningen , Dr. J. BECKE¬ 
RING VINCKERS in Kämpen , erscheint unter 
redaction des endesunterschriebenen 

GNZE YOLKSTAAL, 

TIJDSCHRIFT 

SIWIJD AAH DE STUDIE DER NEDERL&NDSCAE 
T0H6VALLEN 

das die herstellung eines allgemeinen nieder¬ 
ländischen idiotikons anzubahnen bestimmt ist. 
Es wird genannte Zeitschrift hauptsächlich fol¬ 
gendes bringen: 

Eine alle arten und abarten der dialekte 
umfassende physiologisch begründete dar- 
legung der laute, die zur Wortbildung dienen. 
Die vergleichende beobachtung def lautver- 
hältnisse, der formenlehre und der satzbil- 
dung der zeitgenössischen dialekte. Hebung 
des Wortschatzes — sowol des lebenden als 
des in namen erstarrten — und Vergleichung 
desselben mit dem der andern germanischen 
sprachen und dialekte. Geschichte des Wan¬ 
dels in der aussprache der dialekte. Biblio¬ 
graphische übersieht der einschlägigen lite- 
ratur von Universitäts-Bibliothekar LOUIS 
D. PETIT in Leiden. 

Die Zeitschrift wird in zwanglosen heften 
erscheinen von denen je vier einen band zu 
M. 9 bilden. 

Wir geben uns der hoffnung bin, eine be¬ 
deutende anzal subscribenten aus Deutschland 
verzeichnen zu können, und erlauben uns die 
ergebenste bitte, zur subscription dringendst 
einzuladen. 

Dia Verlagsfcandlnng, Die Redaktion, 

BLOM UND OL1VIERSE T. H. DE BEER 

in Cnlemborg. in Amsterdam. 


DE PORTEFEUILLE 

Nienwe Kunst- en Letterbode. 

Prijs per jaar 8 franco per post. 

Het Letterkundig Weekblad De Forte- 
fenille, is gehe©! ingericht op den voet onzer 
groote staatkundige bladen. Het bevat een 
hoofdartikel over een of ander belangrijk let¬ 
terkundig onderwerp van den dag; vorder be- 
schouwingen en besprekingen van allerlei aard, 
den inhoud van tijdschriften, nieuwtjes en be¬ 
richten, besprekingen over den stand van ons 
tooneel en eindelijk een overzicht van onze 
Nederlandsche literatuur in haar geheel , en 
van die in het buitenland, wat het belang - 
rijkste aangaat, ook wordt opgenomen een 
overzicht van wat er op muzikaal gebied in 
ons land voorvalt. 

Alle nieuwe boeken worden ten spoedigste 
in De Portefeuille aangekondigd en besproken. 
— Het is een veilige gids voor be9tuurders 
van Lees$ezelschappen, die graag het nieuwste 
en het beste hebben en voor beoefenaars der 
letterkunde, die gaarne gemakkelijk op de 
hoogte blijven. 

Bureau: M. M. OLIVIER, 

Rokin 70, Amsterdam. Uitgever. 


J>fls pngajtn 

für* die fitetatut des 3tt~ und üusfatidcs 

©rgan ftrs 3lUgemfmftt Peutfdjen $d)uftßelltr s 
uerbonbes. 

Begründet im Jahre 1832 von Joseph Lehmann. 

Herausgegeben 

von 

Dr. i£buarb lEngel. 

Wöchentlich 2 Bogen in gr. 4. 

Allen Denen, welche der literarischen Be¬ 
wegung im In- und Auslande, sowie den 
geistigen Beziehungen Deutschlands zu seinen 
Nachbarvölkern mit Interesse folgen, sei da* 
„MAGAZIN“ aufs Wärmste empfohlen. Sämint- 
liche bedeutsame Erscheinungen der Welt¬ 
literatur werden in ihm theils in abgerun¬ 
deten Essays, theils in kürzeren kritischen 
Besprechungen dem deutschen Publikum vor¬ 
geführt. Keine literarische Revue Deutsch¬ 
lands oder des Auslandes kann sich mit 
dem MAGAZIN an Vielseitigkeit und ge¬ 
sundem Kosmopolitismus messen. Die 
hervorragendsten Schriftsteller des In- und 
Auslandes sind seine Mitarbeiter. 

Das MAGAZIN erscheint jeden 8onnabend 
in grossem Zeitungsformat 16 Seiten stark und 
kostet bei allen Buchhandlungen und Post¬ 
anstalten, sowie in directem Bezüge von der 
Unterzeichneten Verlagshandlung 

oitrtrljäl)rlid) nur 4 park. 

Sämmtliche Nummern des Quartals werden 
prompt nachgeliefert. 

Leipzig. Wilhelm Friedrich, 
Verlagsbuchhandlung. 


Neueste Antiquariatskataloge: 

Katalog 33. Incunabeln. Seltene Werke 
d. 16. u. 17. Jabrh. 901 Nrn. 

„ 35. ClassischePhilologien.Alter¬ 

thumskunde. 1645 Nrn. 

„ 37. Deutsche Sprache u. Litera¬ 

tur. 1350 Nrn. 

Diese Kataloge stehen auf Wunsch gratis 
und franco zu Diensten. 

Stoll & Bader, Antiquariat 

Freiburg i. Baden. 


Verantwortlicher Redaoteur Dr. 


Fritz Neumann in Heidelberg. — Druck von G. 0tto 

Digitized by VjO 


n Darmstadt. 


Literaturblatt 


für 


germanische «nd romanische Philologie. 

Unter Mitwirkung von Professor Dr. Karl Bartsch herausgegeben von 

Dr. Otto Behaghel und Dr. Fritz Neumann 

ao. Professor der germanischen Philologie ao. Professor der roman. und engl. Philologie 

an der Universität Heidelberg. 

Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

Erscheint monatlich. Preis halbjährlich M. 6. 

III. Jahrg. Nr. 2. Februar. 1882. 


llahlerup, Agrip af Noregs konunga sögum 
(Brenner). 

P a n n i e r, Die Minnesänger. Ausgewählt u über¬ 
setzt (ScbroeUr). 

Deutsche Chroniken aus Böhmen, hrsg. v. 
Schlesinger (Ltmbel). 

Rossberg, Deutsche Lehnwörter in alphabetischer 
Anordnung (Pietsch). 

v. Hofmaan-Wellenhof, Michael Denis 
(Koch). 


Lö ni ng, der Keinigongseid bei Ungerichtsklagen Luchaire, Recueil de textes de l’ancien dia- 
ini deutschen MA. (Cohn). \ lecte Qascon (Neu mann). . 

Jehau de Tuim, Li hystore de Julius Cesar j L a n d a u, Giovanni Boccaccio. Traduxione di Ca- 
. hrsg. v. Settegast (Museafin) I millo Antona-Traversi (Körting). 

! üröb^dinkel, Versbau bei Philippe Desportes Bibliographie. 


und Francois de Malherbe fU 1 b r i c h). 
Löffler, Untersuchungen über die An- i 
zahl der Casus im Neufranz. wFoth) 

-Untersuchungen über den Article ( ° '* 

partitif 1 


Literarische Mittheilungen, Personal¬ 
nachrichten etc. 

Binenke 1 und Wissmann, Erwiderung und 
Antwort. 


Agrip af Noregs konnnga sögum. Diplomatisk 
udgave for Sara fund et til udgivelse af gammel- 
nordisk litteratur. Ved Verner Dahlerup. 
Kopenh. 1880. XXXVIII, 137 S. (davon 1—96 
nur Halbseiten). 5 Krön. 

Die neue Gesellschaft zur Herausgabe älterer 
nordischer Werke hat bisher eine rege Thätigkeit 
entfaltet. Sie trat an die Stelle des älteren Nordiske 
litteratur samfund und hat die noch übrigen Exem¬ 
plare von dessen Ausgaben (Oldskrifter: Grägäs, 
dänische Gesetze, zahlreiche Islendinga sögur, islän¬ 
dische und färöische Lieder u. s. w,) in eigenen 
Besitz und Verlag übernommen. Erschienen sind 
bis jetzt Erex saga, Agrip, Riddara rimur I, 
Peter Smed (dänisch), Mandevilles rejse (dän.). 
Die weitaus werthvollste Publication ist Agrip. 
Dieser ‘Abriss* der norwegischen Geschichte ist 
(höchst wahrscheinlich in Norwegen) um 1190 ver¬ 
fasst und uns nur in einer, nicht viel jüngern, leider 
unvollständigen, isländischen Hs. erhalten. Die nor¬ 
wegische Vorlage ist an- einzelnen Norvagismen 
noch deutlich zu erkennen; die Hs. zeichnet sich 
überhaupt durch grosse Unsicherheit in der Ortho¬ 
graphie aus, zumal in der Bezeichnung der ö- und 
o-Laute (ähnlich wie AM. 645, 8°) und im Gebrauch 
von p. Von Wort- und Flexionsformen ist wenig 
zu bemerken. Es sind im Ganzen eben dieselben, 
wie sie uns sonst in Hss. kurz nach 1200 begegnen. 
Erwähnt werden mag das seltene tvitian (S. 3) 
= 20, der Umlaut in Mavgnus (d. i. Mqgnus) passim, 
saeytian = 17 (S. 84), die Beibehaltung von ßd 
(nicht dd) \ die frühzeitige Verwendung von s statt 

1 Man könnte allerdings auch an orthographischen System- 


sk im Mediopassivum. Die Form ßessor (statt ßessi 
im Sg. des Fern, und PI. des Neutr.) ist wohl als 
norwegisch anzusehen (s. Vorrede S. XXXIH); 
S. Bugge gibt Tidskr. f. Philol. I3C, S. 119 an, er- 
habe diese Form auch in isländischen Manuscripten 
gefunden (er erklärt sie vortrefflich als entstanden 
durch Analogie von qnnor: ßessor: qnnor = ßessarra: 
annarra); mir ist sie bis jetzt ausser bei Norwegern 
nur in cod. AM. 238 1 fol. (Hms. I 511 03 ) begegnet 
(ßessor mal), einem Fragment, das nach einer alten 
(norwegischen?) Hs. geschrieben zu sein scheint; 
Vigfüsson fuhrt dazu noch zweimal ßessor aus der 
(von einem Isländer in Norwegen geschriebenen?) 
Friisbök an. 

Dahlerups Ausgabe (die dritte, die bisher er- 
f-chien) ist mit seltener Umsicht und Sorgfalt her¬ 
gestellt. Zeilen- und Spaltenabtheilung des Codex 
sind beibehalten worden. Neben den gewöhnlichen 
Typen sind ziemlich viele neue, den handschrift¬ 
lichen Formen nachgebildete, sowie die Sigel und 
Abbreviaturen des Codex verwendet worden, um 
den Abdruck einem Facsimile möglichst ähnlich zu 
machen. Schön und leicht lesbar 2 ist so der Druck 
nicht geworden, aber die genaueste Ausgabe eines 
grösseren nordischen Textes, die wir überhaupt be¬ 
sitzen. Es fragt sich nur, ob die Mühe und die 
Kosten dem Nutzen dieser Genauigkeit entsprechen. 
Ich glaube nicht. 

Die zahlreichen Anmerkungen, die Dahlerup 
dem Text folgen lässt, enthalten zumeist genaue 
Mittheilungen über zweifelhafte Stellen, sowie 

zwang denken, f>d findet sich aber auch in vielen andern 
alten Hss. 

2 Vgl. dagegen das Facsimile am Schluss der Ausgabe. 

4 


Digitized by 


Google 






51 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 2. 


52 


Besserungsvorschläge, Nachweise paralleler Stellen ! 
anderer an. Werke; werthvolle Beiträge hierzu sind 
von G. Storni geliefert worden, so gleich die Er¬ 
gänzung der Lücke am Anfang des Uodex. 

Die Einleitung gibt Aufschlüsse über die Hs., 
über den Laut- und Formenstand des Textes. Zu 
S. XX möchte ich bemerken, dass ouirftr, curp 
nicht schlechterdings als die normalen Formen be¬ 
trachtet werden dürfen; in AM. 243 fol. B (norw.) 
z. B. findet sich gerade nach r häufig d statt d. 

Die Besitzer des Buches, die nicht zugleich 
Mitglieder des ‘Samfund’ sind, seien darauf auf¬ 
merksam gemacht, dass den Publicationen für 1881 
eine, Liste von Druckfehlern und Berichtigungen 
zu A. (S. 135—137) beigegeben wurde, die an 
Stelle des letzten Blattes (Rettelser) zu treten hat. 

Die älteren Ausgaben des Agrip sind sehr 
schwer aufzutreiben; daher ist die neue, ganz ab- 
gesehn von ihren Vorzügen, eine recht willkommene 
Gabe. 

München, Nov. 1881. Oscar Brenner. 


Pan nier, Earl, Die Minnesänger. Ausgewählt 
und übersetzt mit Einleitung und Anmerkungen. 
Görlitz, A. Foersters Verlag. 1881. 358 S. 12°. 

Die Bemühungen der Herausgeber der „Mittel* 
hochdeutschen Classiker“, unsere mittelalterliche 
Poesite der modernen Gesellschaft zu ursprünglichem 
Genüsse näher zu rücken, haben eine geraume Zeit 
hindurch anderweitige Vermittelungsversuche unter¬ 
bunden gehalten. Hatte doch Franz Pfeiffer selbst 
mehr kurz als bündig in der Einleitung der Samm¬ 
lung es für ein Ding der Unmöglichkeit erklärt, 
mhd. Gedichte „auch nur erträglich“ ins Nhd. zu 
übertragen. So sind denn in der Tbat unsere Minne¬ 
lieder beispielsweise, etwa abgesehen von den von I 
Simrock mühevoll, aber duft- und geschmacklos 
transscribirten Walthers, weiteren Kreisen der ge¬ 
bildeten Welt verschlossen geblieben. Erst von 
neuerdings datiren anderweitige Bestrebungen, auch 
hier durch eine höhere Uebersetzungskunst in jene 
Epoche deutscher Lyrik einen freieren Blick zu 
erschliessen. Ich nenne hier die Arbeiten K. Ströses 
(1. Deutsche Minne aus alter Zeit. 2. Auf]. Leipzig, 
J. A. Barth. 1878. XH, 80 S. 16° und 2. Altes Gold; 

2. Aufl. Leipzig, Barth. 1878. XIV, 80 S. 16°), die 
immerhin „nennenswert“ bleiben, wenn sie auch 
der Verf. des hier angezeigten Buches nicht kennt 
oder nicht kennen will, und welche trotz der 
Directionslosigkeit ihrer Methode hier und dort ver¬ 
dienten Dank gefunden haben. Die Lücke freilich j 
in unserer Uebersetzungsliteratur, auf welche Fr. i 
Zarncke und R. Hildebrand, K. Bartsch und E. 
Schmidt so gerne hinweisen, haben sie in keiner 
Weise ausgefüllt, und sq wäre der neue Anlauf 
Panniers ein wohlberechtigter zu nennen, sofern er 
mit schönerer Beweglichkeit der Principien und mit 
höherer Berufung geschähe. 

Der Verf. schickt seinem eleganten Buche eine 
Einleitung voraus, die dem Laien zu wenig und 
zu nebulöses, dem Gelehrten hingegen nichts neues 
bietet, ihn vielmehr zum Widerspruche reizt. So 
versteht man unter des „Minnesangs Frühling“ jene 


seiner Perioden bekanntlich, wie sie von Lachmann 
und Haupt io ihrer Sammlung abgegrenzt wurde. 
Die Herausgeber haben sich indessen in dieser ihrer 
Titulatur gröblich vergriffen. Ihr Buch zeigt uns 
ebenso sehr die reife, überreife Sommerblüthe, wie < 
die Frühlingsblüthe der höfischen Lyrik. Verfallt 
sie doch in Walther ihrem Herbst bereits (vergL 
Uhland und Scherer), eine Beobachtung, welcher 
übrigens auch der neueste Hrsg, des Waltherschen 
Textes H. Paul (Die Gedichte W.’s v. d. V. Halle, 

M. Niemeyer. 1882) in dem kümmerlichen Abschnitt 
2 seiner Einleitung: „W.’s Stellung in der gesch. 
der d. lyrik“ (S. 15 f.) leider nachzugehen unter¬ 
lässt Ferner ist der Begriff „Minne - , wie ihn 
Pannier auf S. 1 seiner Einl. definirt, viel zu eng j 
umschrieben. Er umfasst vielmehr die sinnliche < 
Liebe, das lüsterne und leidenschaftliche Verlangen 
und glühende Begehren ebenso sehr, wie die „stille, | 
rein geistige Herzensneigung“ und die Liebe zu 
Gott. Und dergleichen wäre mehr zu berichtigen , 
und abzuweisen. 

Gegen Panniers Auswahl ist wenig einzu- 
wenden. Das ist ein Verdienst indessen, das auf 
Rechnung der vorzüglichen Anthologie seines Lehrers 
Bartsch (Deutsche Liederdichter des 12.—14. Jh.’s 
2. Aufl. Stuttgart 1870) fällt, dessen Name denn 
auch Panniers Uebersetzung schmückt Immerhin 
fragt der Ref, warum unter den „Namenlosen 
Liedern“ (Bartsch S. 288 f., Pannier 311 f.) das 
schöne Liedchen an Eleonore von Poitou: „waer 
diu werlt alliu min“; das gefühlstiefe: „diu linde 
ist an dem ende - ; der reizende Wechsel: eiltest 
du nu hinnen der alre liebste man?“ ausgebliebeo, 
da doch das nichtssagende: „solde ab ich mit sorgen 
iemer leben“ vorgeführt wird? Und so hat sich 
der Hrsg, mehrfach vergriffen. Auch lässt er den 
von E. Schmidt gegebenen Nachweis eines grossen 
chronologischen Cyclus unter den Liedern Reinmars, 
seine Ausscheidung des Echten und Unechten inner¬ 
halb derselben, unbeachtet. Warum schliesslich 
fehlt Heinrich Morungens wundervolles Tagelied: 
„Ow£, sol abir mir ummir m6 tt ? warum dasjenige 
Walthers? seine Wechsel? sein: „swer verholne 
sorge trage“ und „der rife tet den kleinen vogelen 
w$“? warum sein Schwanengesang: „O du mein 
Bild- ? 

Die Methode Panniers ist die der kalten, 
peinlichen Observanz. Er gibt uns eine von den 
immer mehr in Verruf kommenden Uebersetzungen, 
wie sie Novalis in geistreicher Unterscheidung 
„grammatische“ nennt. Er ist kein poetischer 
UebSrsetzer; Poesien kann aber nur ein solcher 
übersetzen. « 

Die ideale Aufgabe des poetischen Uebersetzers 
besteht darin, den Zeitgenossen sein Original zu 
ähnlichem Genüsse zu erschliessen, wie ihn dem 
Kenner des fremden Idioms das Urbild selbst ge¬ 
währt. Da mögen denn nun freilich viele Wege 
nach Rom führen, und das letzte Ziel wird immer 
bleiben müssen: saubere Reconstruction des origi¬ 
nellen Versmasses und congeniale Reproduction des 
! Inhaltes unter treulicher Aufrechthaltung der be- 
! sonderen dichterischen Eigentümlichkeit des Ur- 
! bildes. Je allogener aber die beiden Sprachen sich 
' gegenüber stehen, um so mehr wird der Ueber- 


Digitized by LjOOQie 





53 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 2. 


54 


set.zer zu allerlei Connivenzen in Erfüllung jenes 
seines obersten Principes gezwungen werden. Pan- 
nier ist sich! dieser Nothwendigkeit nicht bewusst 
geworden, dem knöchernen Phantom einer „wort¬ 
getreuen Uebersetzung“ (S. 1 u. 14) verhaftet ge¬ 
blieben. Er reconstruirt die alten Rhythmen, ohne 
Ueberlegung, ob sie im Stande seien, einen nur 
ähnlichen metrischen Eindruck hervorzurufen, wie 
die Originalformen ihn in der Sprache erzeugten, 
aus welcher sie geboren wurden; er conservirt 
Wortformen und ganze Redewendungen, die für 
die Modernen unverständliches Kauderwelsch oder 
hochnothpeinlich prosafarben und poesiewidrig sind; 
so verfallt seine Weise nur zu oft dem schlechthin 
Lächerlichen. Er übersetzt Kürenbergs ritter edele 
mit „du Mann von Stande“ (S. 181; sein vil dicke 
toi getän mit „gewaltig weh gethan“ (S. 17); Küren¬ 
bergs hubescher ritter wird bei Pannier ein „hübscher 
Ritter“. Veldekes koninginne (Bartsch 14, 66) wan¬ 
delt Pannier in eine „Königinne“, sein bliscap in 
„Frohheit“ (S. 35). Hartmanns galantem Freunde 
ersinnt Pannier ob seines Hartman g&n wir 
schouwen ritterliche frouwen den Ehrentitel „Fant - 
(S. 88); das ganze Gedicht überschreibt er launig: 
„Abgeblitzt“. Das ich wache umb eines ritters Up 
des Markgrafen von Hohenburg wird pietätvoll 
transponirt in „Ich wach 1 um eines Ritters Leib“ 

— mich dünkt, die Minne macht in solcher Rede¬ 
weise nicht gerade den Eindruck einer „stillen, rein 
geistigen Herzensneigung“ — und in Walthers herre 
got, gesegene mich vor sorgen gibt sich das daz mir 
der lip alumbe gät nach Franz Pfeiffers (S. 105) Ver¬ 
dolmetschung wieder in einem grausigen: „Dass ich 
wie schwindlich werd’ und tobe“. Und derart schielt 
die „wortgetreue“ Uebertragung weiter aus einem 
mittelalterlichen und einem modernen Auge, stam¬ 
melt sie weiter mit einer neu- und mittelhd. Zunge 

— iam claudite rivosl 

So ermangelt die Erneuerung zunächst der 
Hauptzier ihres Urbildes, der Feinheit und Reinheit 
der Sprache, der klaren hellen Klangfarbe der 
Melodie, der kindlichen Natürlichkeit jener Erstlings¬ 
erzeugnisse der Minnepoesie wie der kunstvollendeten 
Eleganz der Typen ihrer ausgeprägten Classicität. 
Dazu liegt über dem Ganzen eine leidige Schicht 
von Fabrikstaub. Verf. hat zu handwerksmässig 
verfahren. Schlechter Flickworte und Reime, syn¬ 
taktischer Verrenkungen, ungebührlicher, ungefüger 
Eingriffe in die Gesetze der neuen Sprache gibt es 
viele, an anderen Orten wird der roh aus mittel- 
und neuhochd. Sprachstoffen gearbeitete Grundton 
durch grellen modernen Auftrag durchbrochen 
(Walther: ein unsaeligiu krä doch ein Krähenthier; 
dd gesach ich einen troum da umgaukelt’ mich ein 
Traum; Ungemüthe S 173; flatterte hindann S. 175; 
so wähnet mir der Muth S. 59; ich muss an des 
Knappen Hand S. 158; stolze Kind S. 164; ein 
weiblich Weib S. 233; glesten für glänzen). 

Des wirklich Gelungenen ist wenig zu ver¬ 
zeichnen und erweist sich sodann aus einer zu¬ 
fälligen Harmonie mittel- und neuhd. Ausdrucks¬ 
weise geboren wie Bartsch 296, 252: 

Süezer rösenvarwer munt 

Kam and mache mioh gesunt. 

Pannier S. 316: 


8üsser, rosenfarbner Mund, 

Komm and mache mioh gesand. 
oder aus jener hier und dort einmal dunkel geahnten 
besseren Methode entsprungen; vgl. Bartsch 194, 45: 

Ein lützel grande was si dä, 

Pannier S. 257: 

Ihr Busen war so weiss und voll; 
doch schon das wol geschaffen anderswä wird dann 
wieder verwaschen. Das berühmte Lied des Küren¬ 
bergers schliesslich MSF. 8, 33 (Pannier S. 17. 18) 
ist Pannier so wenig als den bisherigen Erneuerern 
gelungen; selbst Gottfried Keller (Deutsche Rund¬ 
schau 1876 S. 358) bleibt hier so weit vom Ziele 
wie 0. Richter (Neues Lausitz. Mag. 44. Bd.) und 
Stroese a. a. 0. Näher kommt Herrn. Zurborg 
(Ueber den altd. Minnesang. Jena 1877 S. 20). 

Aber es liegt denn doch wieder ein frischer 
muthiger Versuch vor, das goldene Reich der Minne¬ 
poesie unserem späten Säculo aufzuschliessen. Möge 
das Panniersche Buch wenigstens mittelbar zur 
endlichen Lösung des idealen Problems beitragen. 
Da dem Werke selbst versagt sein sollte, irgend 
welches poetisches Ergötzen auszustrahlen, so möge 
es neue Kräfte wecken, aus liebevoller Versenkung 
in die alte Lyrik und freieren Reproductionsprincipien 
vollkommeneres zu erzeugen. 

Hannover, Dec. 1881. Adalbert Schroeter. 


Deutsche Chroniken ans Böhmen hrsg. von 
Dr. L. Schlesinger im Aufträge des Vereines 
für Geschichte der Deutschen in Böhmen. Bd. I. 
Die Chronik der Stadt Elbogen (1471—1504). 
Prag. 1879. XVI, 202 S. 8. 

Nachdem die Münchener historische Commission 
in so mustergiltiger Weise mit der Herausgabe der 
l ‘Chroniken der deutschen Städte vorangegangen, 
ist es gewiss erfreulich, dass der Verein für Ge¬ 
schichte der Deutschen in Böhmen es unternimmt, 
die deutschen Städtechroniken seines Heimatlandes 
der wissenschaftlichen Forschung zu erschliessen. 
Er erfüllt damit wieder einmal eine Aufgabe, welche 
zugleich ganz in den Grenzen seiner Bestimmung 
liegt und localgeschichtlichen Bedürfnissen Rechnung 
trägt, und doch auch indem sie an jenes grosse 
deutsche Unternehmen ergänzend sich anschliesst, 
eine allgemeinere wissenschaftliche Bedeutung ge¬ 
winnt. 

Der Anfang wurde gemacht mit der in mehr 
als einer Beziehung sehr interessanten Elbogener 
Chronik aus den Jahren 1471 —1504 (ursprünglich 
vielleicht wie der Hrsg. S. VIII vermuthet 1506), 
welche uns ein lebendiges Gemälde darbietet von dem 
Kampfe des Bürgerthums mit dem eigenmächtig in 
seine Rechte und Freiheiten übergreifenden Aaels- 
geschlechte der Schlicke. Ueber den Verfasser der 
anonym überlieferten Chronik stellt der Hrsg, in 
der Einleitung S. XIII eine Vcrmuthung auf, die 
mir beachtenswerth scheint. Doch es würde ebenso 
meine Competenz als den Rahmen des Ltbl.’s über¬ 
schreiten, wenn ich mich auf die historische Be¬ 
deutung des Buches einlassen wollte. Ich beschränke 
mich daher auf das, was für den Germanisten von 
Interesse ist. Dahin rechne ich aber allerdings auch 
die mannigfachen sachlichen Aufschlüsse, welche 


Digitized by 


Google 




unsere Chronik über privates und öffentliches Leben ' 
der bürgerlichen und adelichen Kreise gewährt, und | 
welchen die trotz aller Unbeholfenheit in Bau und 
Verknüpfung der Sätze nicht selten zu grosser fast 1 
dramatischer Lebendigkeit sich steigernde Darstellung ; 
frische Anschaulichkeit verleiht. Scenen wie die ! 
Hochzeit im Warmbad (Karlsbad) oder die Aus- j 
forderüng Otts von Sparneck am Schluss der Chronik 
können dafür Zeugniss ablegen. j 

Was die Ausgabe selbst betrifft, so war der ] 
Hrsg, schon durch seine S. VIII und XIII f. der | 
Einleitung ausgesprochene Ansicht, dass die einzige j 
Hs. ein Autograph sei, auf möglichst conservatives j 
Verfahren hingewiesen. Er hat dasselbe bis auf 
die orthographische Wiedergabe festgehalten. Aller- ; 
dings nicht so streng eonsequent, dass er nicht wie | 
ich meine noch etwas weiter hätte gehen können. ! 
Durfte u u. v, i u. j gegen die Hs. normalisirt, 
durften manche Consonantenhäufungen entfernt wer¬ 
den, und ich halte das auch nicht für eine Ver¬ 
sündigung an dem ‘Autograph*, dann durfte aber 
auch y für i und noch manche Consonantenwucherung 
wie $2 im Genitiv ausgemerzt werden. Textände¬ 
rungen finde ich nur zweimal, und davon nur eine 
in den Text gesetzt, die andere nur vorschlagsweise 
unterm Text. Aber auch von diesen wenigen halte 
ich die erste für entbehrlich (S. 16). Es dürfte 
genügen Anführungszeichen und Interpunction anders 
zu setzen: 'neyn (meyn Ausg.), gnediger her, den wy 
der Bürgermeister geret hat. Die Interpunction würde 
icti wohl noch an mancher andern Stelle anders j 
setzen als der Hrsg., der S. XV mit Recht auf die , 
Schwierigkeit hinweist, welche aus dem häufig nichts | 
weniger als durchsichtigen Satzbau erwächst und 
der weit entfernt ist für seine Auffassung Unfehl¬ 
barkeit zu beanspruchen. Die Erklärung ausge¬ 
schlossen zu ausgeschossen (S. 43) durfte wie ich 
meine unbedenklich ohne Fragezeichen auftreten 
(Lexer II 2029). 

Der sprachlichen Bedeutung der Chronik ist j 
durch zwei dankenswerthe Beiträge von A. Hruschka 
Rechnung getragen. Der erste handelt (S. 178—186) 
über die ‘Sprache der Chronik*, d. h. eigentlich nur 
über die Lautverhältnisse, welche mitteldeutschen 
Charakter aufweisen. Hie und da hätte das specifisch 
mitteldeutsche noch mehr von dem auch in rein 
hochdeutschen Quellen vorkommenden gesondert 
werden können. Bei e wäre es nicht überflüssig 
gewesen zu bemerken und zu belegen, dass es auch 
als Umlaut von ä erscheint. Die Belege sind hie 
und da doch etwas gar zu sparsam. So vermisse 
ich unter e z. B. das oft vorkommende beten f. biten ; 
unter o f. e die Formen wollen, woll neben wellen. 
Zu den beiden S. 180 mit einem ‘scheint zu stehen* 
angeführten Belegen vgl. Weinhold mhd. Gr. § 45, 
Rückert-Pietsch S. 61 ,f. Unter u fehlt die Form 
guft f. gift 7, 8 (Weinh. § 52, Rückert-Pietsch S. 
47), unter au trauwen (f. triuwen ) 116, 10, unter 
den Labialen hätte auch die Form pubel 7, 3 eine ! 
Stelle verdient, sowie beim Ausfall des schliessenden j 
t die md. Form der 3. PI. Praes. Ind. z. B. han \ 
127, 4; freilich würde dies und andres wie der ; 
Abfall der Genitivendung (unter s S. 184) besser 
in eine Erörterung der Formen gepasst haben, wenn i 
sich der Verf. darauf eingelassen hätte. Unter s • 


ist nachzutragen der Uebergang des auslautenden 
s in sch nach r: arsch 137, 28. — In Formen, wo 
der grammatische Wechsel nicht eingetreten wie 
geliden möchte ich nicht sagen ‘die Tenuis erscheine 
zur Media erweicht* (S. 183) und ebenso wenig 
möchte ich von ‘ungebührlicher* Gemination reden 
(S. 183 f.) nach ursprünglich kurzem Vocal. Die 
zweite Zerdehnung (S. 182) ist mir doch noch 
zweifelhaft. Ein offenbares Versehn ist es, wenn in 
warumb u Tur mhd. (so!) d* stehn soll wie in um 
(S. 180). 

Der zweite nicht weniger dankenswerthe Beitrag 
Hruschkas ist das Glossar. Ich glaube aber, der 
Verf. würde sich den Dank der Leser nicht ver¬ 
scherzt haben, wenn er in der Auswahl der aufge¬ 
nommenen Wörter etwas weniger sparsam gewesen 
wäre. Da er sich ja doch nicht darauf beschränkte, 
nur Vocabeln zu verzeichnen, welche in den gang¬ 
baren Wörterbüchern, also etwa Lexer, gar nicht 
oder nur in anderer Bedeutung belegt sind, so 
hätten auch Wörter wie amdeut (11, 39. 137, 34. 
armerleut 137, 4 vgl. Schmeller Fromm. I 143), 
einlegen (in absolutem Gebrauch = e . indenthurm 
117, 18. 30), entwerden (entkommen 136, 35), für - 
ehern (30, 31), noten (116, 2. 11, 21 in beachtens- 
! werther Construction). rachsal (3, 17), Verlagerung 
(1, 2 f.), verstricken (113, 10. 16. 114, 18. 115, 3. 
11. 23. 116, 35. 118, 23) und Verstrickung (115, 24), 
widern (60, 2) und vielleicht noch manches andre 
Aufnahme verdient, um so mehr als darunter doch 
auch einiges unbelegte oder wenigstens in diesem 
Gebrauch nicht belegte vorkommt; auch die derbe 
Redensart 13L 28 hätte immerhin verzeichnet werden 
sollen. Dass sich anlassen 17, 14 ‘sich ändern* heisst, 
bezweifle ich: wen sich die leufte geswynde anlassen 
heisst doch wohl ‘denn die Zeiten werden (so) be¬ 
wegt* (dass u. 8. w.) vgl. DWBE 392; verwant 13, 
8 heisst ‘verpflichtet*, weder ‘betheiligt* noch ‘unter- 
than* passt an der Stelle. 

Unbequem ist es beim Nachschlagen der Belege, 
dass keine Zeilenzählung am Rande der Seiten 
durchgeführt ist; das sollte bei den folgenden Bän¬ 
den nicht versäumt werden. Sonst ist die Aus¬ 
stattung durchaus angemessen. 

Prag. * H. Lambel. 


Deutsche Lehnwörter in alphabetischer An¬ 
ordnung. Zusammengestellt und auf ihren Ur¬ 
sprung zurückgeführt von Konrad Rossberg. 
Hagen i. W. und Leipzig, H. Kisel. 1881. XL 
120 S. 8. 

Genauer wäre der Titel, wenn er lautete: Die 
Lehnwörter der gegenwärtigen nhd. Schriftsprache 
etc., denn fast ausschliesslich solche Lehnwörter, 
welche im heutigen Schriftdeutsch gelten, sind auf¬ 
genommen. Man darf wohl sagen mit Unrecht. 
Ueberhaupt kann man zweifeln, ob für eine Samm¬ 
lung der deutschen Lehnwörter grade die lexikalische 
Form die angemessene war, ob nicht in einer solchen 
vielmehr zeitliche und sachliche Gruppirung am 
Platze gewesen wäre, mit der dann durch einen 
alphabetischen Index leicht die Vorzüge lexicalischer 
Anordnung verbunden werden konnten. Denn ab- 


Digitized by LjOOQie 





57 


1882. Literaturblatt für germanisohe und romanische Philologie. Nr. 2. 


58 


gesehen von ihrer Bedeutung für die Geschichte 
der Sprache, nehmen die Lehnwörter doch haupt¬ 
sächlich durch die kulturhistorischen Aufschlüsse, 
welche sie gewähren, unser Interesse in Anspruch. 
Das aber hat Rossberg ganz ausser Acht gelassen. 
Hätte er diese Seite des Interesses nur einigermassen 
ins Auge gefasst, so wäre es ihm auch trotz der 
lexikalischen Anordnung möglich gewesen, manches 
darauf bezügliche beizubringen. Dann hätte er 
freilich vor allem sich nicht auf die heutige Schrift¬ 
sprache beschränken dürfen, sondern er hätte sowohl 
die in der älteren Sprache vorhandenen Lehnwörter 
als auch diejenigen heranziehen müssen, welche 
heute nur noch in den Mundarten leben. Von letz¬ 
teren findet sich allerdings manches; Wörter wie 
Schmant, Schmetten, Schotten, Spieke, Theke, Tiene 
(warum Thiene?) wird niemand als allgemein hd. 
ansprechen wollen, und der Verf. bezeichnet sie 
daher zum Theil selbst als landschaftlich, ohne 
freilich, was doch nöthig war, sich näher über das 
wo? zu erklären. Ebenso wenig aber durfte z. B. 
nd. pösel, hd. pfiesel\ oberd. pfister und nd. kamp 
u. ä. fehlen. 

Der Mangel an historischem Sinn, der in dieser 
Beschränkung zu Tage tritt, zeigt sich auch in der 
Weise, wie die aufgenommenen Lehnwörter behan¬ 
delt werden. Wir finden fast bei keinem eine 
Angabe darüber, wann dasselbe in die deutsche 
Sprache aufgenommen worden. Ausgenommen, dass 
die aus dem Lat. entlehnten Wörter, welche wie 
Keller, Kerker, Kirsche, Kicher die Geltung des c 
vor i e als k voraussetzen, als ‘uralte Lehnwörter 
bezeichnet werden und gelegentlich z. B. unter 
Pfaffe (aber nicht unter den anderen mit pf an¬ 
lautenden Wörtern) auf die Lautverschiebung ganz 
allgemein Bezug genommen wird, ist mir eine An¬ 
deutung nach dieser Richtung nicht begegnet. Recht 
nahe lag doch z. B. bei Keller ein Hinweis auf 
Zelle, bei Ziegel ein solcher auf Tiegel, welches letz¬ 
tere — allerdings mit Unrecht — von dem Verf. eben¬ 
falls auf tegula zurückgeführt wird. Dass auch die 
vokalische Lautform der Lehnwörter Schlüsse auf j 
die Zeit der Entlehnung zulässt (vgl. für die ältesten j 
Lehnwörter z. B. Hermann Möller in Kuhns Zs. | 
XXIV, 508 f.), deutet der Verf. nirgends an. Er t 
begnügt sich anzugeben, dass ein Wort ahd. oder j 
mhd. in der und der Form vorkomme. Selbst in | 
Fällen, wo, wie z. B. bei turnen , das historische i 
ganz feststeht, schweigt Rossberg; von Otto Jahn | 
und der eigenthümlichen Ironie des Schicksals, die | 
ihn den Deutschen xar* Qoyfjv grade nach einem j 
Lehnwort greifen liess, ist in dem Buche nichts zu | 
lesen. j 

Mit dieser Vernachlässigung des historischen t 
hängt es dann weiter zusammen, dass Rossberg nicht 1 
genügend darauf sein Augenmerk richtet, die heutige 
Lautform zu erklären. Ich greife einige Beispiele 1 
heraus. Das nhd. Admiral bleibt unverständlich, j 
wenn nur das mhd. amiral und die roman. mit am- 
oder alm- anlautenden Formen, nicht aber mhd .admi- , 
rät und ihre Quelle, die mit. Umdeutung admiratus, , 
-abilis angeführt werden. Das volksetymolog. Moment, i 
welches ja grade auf dem Gebiete der Lehnwörter | 
eine grosse Rolle spielt, ist überhaupt viel zu wenig 
berücksichtigt. Gustaf Andresens Buch scheint der 


Verf. gar nicht zu kennen; er nennt es wenigstens nicht 
unter den Quellen, auch fehlen zahlreiche dort ver- 
zeichnete Lehnwörter. Die Mittelglieder vermisst man 
z. B. auch zwischen Kartaune und quartana, zwischen 
Operment und auripigmentum . Eine Vermuthung 
über das au des ersteren Wortes gibt Hildebrand 
ira d. Wtb.; bei dem andern war das mhd. drper - 
mint anzuführen (-permint f. -pi(g)ment volksetymol. 
Anlehnung an permint = Pergament?). Nicht 
immer wird deutlich gesagt, aus welcher von mehre¬ 
ren europäischen Sprachen uns ein Wort zuge¬ 
kommen sei. So wird zwar bei Seide, Spiegel auf 
die betr. romanischen Wortformen zur Erklärung 
des d g (= t c) verwiesen* dagegen fehlt bei den 
ganz gleich zu beurtheilenden Kreide, Feige ein 
solcher Hinweis. Derartiges Hesse sich noch man¬ 
cherlei anfiihren. — In den vorgetragenen Etymo¬ 
logien wird kaum neues geboten; zuweilen wäre 
etwas mehr Kritik wohl am Platze gewesen. Der 
Zweifel an der Gleichung wackeln = vacillare hätte 
z. B. viel entschiedener ausgesprochen werden 
müssen. Hie und da begegnen auch kleine Flüchtig¬ 
keiten und wunderliche Behauptungen. Zu ersteren 
ist es zu rechnen, wenn für Rapunzel ein lat. *ro- 
puncula angesetzt wird, das doch nur Rapunkel er¬ 
geben konnte (das richtige war aus Weigand zu 
entnehmen), wenn als Bedeutung von Artikel ‘gram¬ 
matisches Geschlechtswort, Theil eines Schriftstückes 
etc/, wenn bei Palast die mhd. Formen in der Folge 
palast ... palas gegeben werden oder s. v. Fibel 
von ‘Spuren über die frühere Gestalt* die Rede ist. 
Dass Rossberg passen wirklich nur in der Be¬ 
deutung ‘im Kartenspiel die Vorhand abtreten* (was 
nicht einmal ganz richtig ausgedrückt ist) kenne, 
ist doch kaum anzunehmen, ebenso wenig, dass er 
nie etwas von der Ansicht gehört, dass lat. sapo 
aus dem betr. deutschen Worte entstanden, nicht 
umgekehrt. — Wunderlich ist z. B. das Argument, 
dass die Vielfältigkeit der Formen, welche das Wort 
Axt in der älteren Sprache aufweist, für Entlehnung 
spreche. Wie unbedeutend ist diese Vielfältigkeit 
im Vergleich zu den Proteusen anti inti enti unti ; 
eckorodo und anderen, an deren Dcutschheit niemand 
zweifelt. Sonderbar ist auch der Versuch, das 
Geschlecht des deutschen Echo (gegenüber dem 
Fern, der klassischen Sprachen) dadurch zu erklären, 
dass der Widerhall sich nicht persönlich auffassen 
lasse. Man sollte denken, dass wenn irgendwo, so 
doch hier persönliche Auffassung sehr nabe lag. 

Den Grundsätzen für die Scheidung von Fremd¬ 
wörtern und Lehnwörtern, welche Rossberg im Vor¬ 
wort darlegt, darf man im allgemeinen zustimmen; 
eine Grenzbestimmung, welche keinen einzelnen 
Fall zweifelhaft Hesse und von Allen anerkannt zu 
werden Aussicht hätte, wird überhaupt unmöglich 
sein. R. scheint mir etwas zu wenig das Sprach¬ 
gefühl zur Entscheidung herangezogen zu naben. 
Er will als Fremdwort alles angesehen wissen, was 
in Aussprache und Form noch vollkommen die 
Gestalt bewahrt hat, welche ihm in der Heimat¬ 
sprache eignet. Darnach sind ihm z. B. Pastor, 
Kantor Fremdwörter, dagegen Form, Norm, Pastinak, 
Endivie Lehnwörter. Es ist dabei übersehen, dass 
Pastor, Kantor ebenso wenig wie Form, Norm in 
ihrer Stammsilbe etwas der deutschen Sprachge- 


Digitized by 


Google 



59 


1882. Lfteratarblatt für germanische and romanische Philologie. Nr. 2. 


60 


wöhnung anstößiges haben, dass zu lautlichen 
Aenderungen also eine Veranlassung nicht vorlag; 
die Endung aber ist auch bei Pastor, Kantor that- 
sächlich ebenso den Anforderungen der deutschen 
Sprache gemäss gestaltet wie in Form. Norm, denn 
ausser in feierlicher Rede sagt man Pister, Kdnter 
überall da, wo nicht etwa die Betonung Pastör gilt 
Dass Rossberg ferner den Fremdwörtern zuweist, 
was sich durch Aussprache oder Schreibung noch 
deutlich als fremd kennzeichnet, ist nur zu billigen, 
doch wären bez. der Schreibung wohl mehr Aus¬ 
nahmen zu machen gewesen, als R. zugestehen will. 
Den Leutnant und die Kompanie (diese beiden 
Schreibungen sind von der preussischen, jetzt fast 
allgemein reichsdeutschen Orthographie zugelassen) 
dürfen wir wohl ohne Zweifel als die unseren be¬ 
trachten, und sie mit ebenso viel Recht zu den 
Lehnwörtern rechnen als Chor, Chronik und mit 
besserem als Ventil und Vitriol. Wenn R. ferner 
die Wörter ausgeschlossen hat, welche nicht allge¬ 
mein bekannte Gegenstände der Fremde bezeichnen 
(z. B. Kanton, Kiosk, Moschee) und ebenso solche, 
welche sich auf bestimmte Stände und Hantirungen 
beziehen, so wird man ihm bis zu einem gewissen 
Grade beipflichten können. Wie kommen dann aber 
z. B. Narde und Olive dazu, als Lehnwörter ange¬ 
sehen zu werden und wie will es Rossberg recht- 
fertigen, dass er zwar Kataster, Katheder, Paste, 
punzen verzeichnet, die jedem Deutschen geläufigen 
General, Major, Student aber ausschliesst ? 

Ergeben sich die bisher genannten Auslassungen 
aus den Grundsätzen des Verf.’s, so finden sich 
ausserdem aber noch eine Reihe von Defiziten, 
welche durch jene nicht gerechtfertigt werden können. 
Sehr auffallend ist das Fehlen eines der ältesten 
Lehnwörter, nämlich Kerze, ferner habe ich mir als 
fehlend notirt: Abseite, Ger- Gierfalke (s. Weigand), 
Hast (8. Beitr. VII, 459); Kümmelblättchen (s. 
Weigand; Kümmel = cuminum ist vorhanden); 
Maut; preis in preisgeben (s. Weigand); Schanze 
= Wall, Befestigung, das doch wohl nicht mit 
Schanze aus frz. chance zu identificiren ist; Tol¬ 
patsch. — So gut wie die Pflanzennamen Bertram, 
Eberraute, Lattich, Liebstöckel u. a. waren z. B. 
auch Fein Gretchen (foenum graecum), Aschlauch, 
Hederich, Odermennig, Oleander u. a. anzuführen. 

Als einen‘Anfang zu einem vollständigen Wörter¬ 
buch der deutschen Lehnwörter, als welchen der 
Verf. selbst seinen Versuch bescheidener Weise be¬ 
zeichnet, werden wir das Buch wohl gelten lassen 
dürfen: derselbe brauchte aber, wenn auch nur die 
vorhandenen Hilfsmittel genügend ausgebeutet wur¬ 
den, nicht so viel zu wünschen übrig zu lassen, als er 
in der That übrig lässt. Dass sich Rossberg von 
den Verkehrtheiten des ‘Etymologischen Lehnwörter¬ 
buches der deutschen Sprache’ von Karl Jürgens 
(1877) im ganzen frei gehalten, ist rühmend hervor¬ 
zuheben. Wörter wie Achse, Achsel, Axt, Nebel 
und dergl. hält wohl heutzutage niemand mehr für 
Lehnwörter (für Axt beruft R. sich irrthümlich auf 
Schade), sie hätten also besser ganz fortbleiben 
sollen. 

Kiel, Oct. 188L Paul Pietsch. 


Michael Denis. Ein Beitrag zur Deutsch-Oester- 
reichischen Literaturgeschichte des 18. Jahrhun¬ 
derts von Dr. P. v. Hofmann-Wellenhof. 
Innsbruck, Wagnersche Universitätsbuchhandlung. 
1881. 379 S. 8. 

Das absprechende Urtheil Goethes über die 
Bardendichtung im 12. Buche von Dichtung und 
Wahrheit muss auch bei neueren Untersuchungen 
von der Literaturgeschichte bestätigt werden. Nichts 
desto weniger ist der Bardengesang in seinem Ur¬ 
sprung, seiner Verzweigung und seinem Einflüsse 
auf germanistische Studien wohl eingehender Be¬ 
trachtung werth. Bei Denis aber verbindet sich 
das Interesse für jene literarische Krankheitser¬ 
scheinung zugleich mit jenem, das der Wegebahner 
deutscher Literatur in Oesterreich voll in Anspruch 
nehmen darf. Denis oder Sined, der Oberdruide 
der Donau, ist nicht nur als Uebersetzer Ossians 
einer der vielgelesensten Zeitgenossen Klopstocks, 
er hat zuerst die nachgottschedische Dichtung im 
katholischen Süden eingeführt durch seine Antho¬ 
logie vom Jahre 1766 (S. 34). Eine biographische 
und literargeschichtliche Schilderung dieses Mannes 
ist demnach eine dankenswerthe und von Hofmann- 
Wellenhof in höchst lobenswerther Weise gelöste 
Aufgabe. Das L Cap. behandelt in 3 Abschnitten 
die Biographie, seine Jugend bis zum Antritte der 
Lehrstelle am Theresianum 1759; die dort als Lehrer 
und Vorsteher der Garellischen Bibliothek ver¬ 
brachte Zeit bis 1784 und den Schluss seines Lebens 
als Custos an der k. k. Hofbibliothek. Die im 
I. Cap. verzeichneten Dichtungen und sonstigen 
literarischen Unternehmungen werden im II. Cap. 
nach Form und Inhalt untersucht. Die Dichtung 
ordnet sich in vier Gruppen: vorbardisehe Gedichte; 
Uebersetzung Ossians; Bardenpoesie; sonstige poe¬ 
tische Thätigkeit. Nachahmung von Hoffmanns- 
waldau und der 2. schlesischen Schule überhaupt 
lässt sich bei Denis nicht, wie H.-W. (S. 12 u. 229) 
es angenommen hat, nachweisen. Wenn er auch 
oft schwülstig wird, so fehlt seinem Schwulste doch 
jede antithetische Färbung, welche für die späteren 
Schlesier gerade das charakteristische Merkmal 
bildet. Denis Darstellungsmittel, seine stilistischen 
Eigenheiten, die zum grössten Theil in der An¬ 
wendung der gewöhnlichsten rhetorischen Figuren, 
Anaphora, Fragen u. s. w. bestehen, werden vom 
Verfasser eingehend an zahlreichen Beispielen nach¬ 
gewiesen. Für die affectirte Kürze (S. 225) hätte 
auf Klopstock als Vorbild verwiesen werden sollen. 
Die (S*. 273) mitgetheilten Gedichte zeigen offen¬ 
bare Nachahmung der Gleimschen Grenadierlieder. 
Denis Poesie begleitet den siebenjährigen Kri»»g auf 
österreichischer Seite; sie ist fast ausschliessend 
Gelegenheitsdichtung. Die Variantenangaben der 
Ossianübersetzung von 1768 und 1784 (S. 167—172) 
hätten besser im Anhänge Platz gefunden. Bei der 
Charakteristik von D.’s eigenen Bardenliedern ist 
nur das allen Dichtungen dieser Art gemeinsame 
hervorgehoben, nicht wodurch sich D. von seinen 
Genossen unterscheidet. Auch vermisst man am 
Schlüsse der Detailuntersuchungen eine zusammen¬ 
fassende Charakteristik des Dichters und seines 
Stiles. Seine ursprüngliche Begabung für Ana- 

Digitized by 



61 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 2. 


62 


kreontik (S. 279) dürfte doch za bezweifeln sein. 
Die Geschichte der german. Philologie (8. 262) hat 
Denis Namen doch eigens erwähnt, wenigstens ge¬ 
denkt R. v. Raumer (S. 273) der Uebersetzungen 
aus der Edda. Einen Versuch in der Dialekt¬ 
dichtung hat H.-W. (S. 263) mit Recht lobend her¬ 
vorgehoben. Des Verfassers absolut verwerfendes 
Urtheil über Macphersons Ossian (S. 164) geht 
doch zu weit. Ganz werthlos kann diese von Herder 
und Goethe gepriesene, und nicht nur in ihrer 
Jugend gepriesene Poesie, doch nicht sein. Irrig 
ist auch H.-W.V* Annahme, Wielands Cyrus (1759) 
beabsichtige eine Verherrlichung Friedrichs des 
Grossen (S. 193 Anm.). 

Die Anlage der Arbeit bringt es mit sich, dass 
manche Wiederholungen stattfinden müssen. Schon 
das L Cap. erwähnt mancher Beziehungen zeit- 

? enössischer Dichter zu Denis, die dann im HL 
Jap. vollständig dargelegt werden. Besonderes Lob 
gebührt dem Verf. für die Sorgfalt, mit der die 
kritischen Stimmen der Zeitgenossen ihrem Haupt¬ 
inhalte nach hier wiedergegeben werden. Ueber- 
sehen sind die lobenden Aeusserungen Wackenroders 
in Briefen an Tieck vom 5. und 12. Mai 1792. Der 
Anhang enthält ausser anderem einen Brief von 
Denis an Nicolai und drei an Gleim. Die Conjectur 
„Cahiers* für die verderbte Stelle im ersten der¬ 
selben (16. März 1770) wäre nahe genug gelegen. 
Auffallend geschmacklos ist (S. 299) die Bezeichnung 
Gottscheds als „Leipziger literarischer Centralpro¬ 
fessor*. Im ganzen aber verdient die Arbeit in 
jeder Hinsicht warme Anerkennung und des Verf.’s 
Vorsatz die dem Bardengesange „verwandten Stre¬ 
bungen des 18. Jahrhunderts* bald im Zusammen¬ 
hänge zu behandeln, jegliche Aufmunterung. 
Marburg, 29. Nov. 1881. Max Koch. 


Lölling:, Richard, Der Reinignn^seid bei 
IIngerichtsklagen im deutschen Mittelalter. 

Festgabe zum fünfzigjährigen Doctorjubiläum J. 

C. Bluntsehlis. Heidelberg, Carl Winter. 1880. 
XV, 316 S. 8. 

Es galt bisher als unbestritten, dass jdder freie 
Germane jeden Vorwurf eines Verbrechens durch 
die Beschwörung seiner Unschuld zurückweisen 
konnte, und dass nur in ganz ausnahmsweisen 
Fällen der Kläger den Beweis der Schuld des An¬ 
geklagten zu erbringen berechtigt war. Diese herr¬ 
schende Lehre hat durch das angezeigte Werk einen 
scharfen Angriff und, nach Ansicht des Referenten, 
eine vollständige Widerlegung erfahren. Löning 
stellt der geltenden Ansicht den Satz entgegen, dass 
bei Ableugnung der Strafthat in erster Linie es 
Sache des Klägers gewesen sei, die Begehung des 
Frevels seitens des Beklagten durch objective Gründe 
zu bewahrheiten, und dass nur subsidiär, falls 
Kläger nämlich den Klagebeweis zu fuhren unter¬ 
lassen, dem Beklagten es obgelegen habe, die 
Beschuldigung eidlich zurückzuweisen, sich eidlich 
zu reinigen. Diese neue Lehre wird vom Verfasser 
in der sorgfältigsten Weise und unter Widerlegung 
der scheinbar entgegenstehenden Quellenäussprüche 
begründet. Nicht nur die naheliegenden Gesetzes¬ 


stellen, auch Belege au9 entlegeneren Quellen¬ 
kreisen werden in einer überraschenden Fülle heran¬ 
gezogen und verwerthct. Eine Reihe von interes¬ 
santen Excursen (über die baadhafte That, das 
Uebersiebenen schädlicher Leute, den Zweikatopf, die 
Notorietät und den videredus) erhöhen den Werth 
des Buches, das sich beinahe zu einer Darstellung 
des deutschen Beweisrechts im Strafprozess des 
Mittelalters gestaltet hat. Bei der grossen Menge 
der berührten Fragen fehlt es natürlich nicht an 
Einzelheiten, in denen der Verf. nicht vollkommen 
überzeugt; so kann Ref. beispielsweise die Erklärung 
des Ausdrucks „handhafte That* als der sinnlich 
wahrgenommenen, der geschehenen That (p. 83) 
gegenüber der Definition des Sachsenspiegels nicht 
als richtig anerkennen. Auch der Angriff (p. 15, 
55 u. 3 1 0) gegen Plancks Lehre, dass der Parteien¬ 
eid grundsätzlich nicht Thatsachen, sondern juri¬ 
stische Urtheile über Thatsachen zum Gegenstände 
habe, scheint nicht genügend motivirt. Aber selbst 
da, wo man Löning nicht beizutreten vermag, bietet 
sein Werk Anregung und Belehrung. Ueberall be¬ 
währt der Verf. gewissenhafte Forschung und 
scharfes UrtheiL Die Darstellung ist leoendig 
und klar. 

Heidelberg, Oct. 1881. Georg Cohn. 


Li hystore de Julius Cesar, eine altfranzösische 
Erzählung in Prosa von Jehan deTuim, hrsg. 
von Dr. F. Settegast. Halle, Niemeyer. 1881. 
XXXIV, 270 S. 8. M. 9. 

Der Herausgeber, welcher sich längere Zeit 
hindurch mit dem Gedanken trug, Jacot’s de Forest 
'Roman de Julius Cesar zu ediren, forschte zugleich 
nach altfranz. Schriften verwandten Inhaltes. Er 
traf da auf eine Prosaerzählung der Thaten Julius 
Caesars, welche bisher nur aus kurzen Angaben in 
ein paar Handschriften-Catalogen bekannt war. Er 
wurde bald gewahr, das9 diese Prosa« die vernehm¬ 
lichste Quelle des bei weitem grössten Theiles des 
Gedichtes Jacota war, und entschloss sich mit vollem 
Rechte, an der Stelle der Copie das Original heraus* 
zugeben. Wir sind ihm in hohem Grade dafür 
dankbar; denn er setzte uns in den Stand, eine 
Schrift zu lesen, welche uns den wohlbekannten 
Stoff in so ansprechender Weise vorbringt, dass 
unser Interesse bei der Lectüre nie erlahmt. Der 
Hrsg, benutzte fast dgs. ganze bisher bekannte 
Material; zu Grunde liegt die Vaticanische Hs. (V); 
die Hss. des Arsenal (A) und von Saint-Omer (S) 
sind sehr ausgiebig theils zum Vergleiche tbeils 
zur Emendation von V herbeigezogen worden; die 
Hs. zu Brüssel (B) konnte füglich unberücksichtigt 
bleiben; dafür bot Jacots Umarbeitung (F) nicht 
selten willkommene Hilfe. Mit der Constituirung 
des Textes wird man sich im Allgemeinen zufrieden 
erklären. Allerdings wird man finden, dass der 
S. X ausgesprochene Grundsatz, V sei nur an fehler¬ 
haften Stellen zu verlassen, nicht immer strenge 
befolgt wurde, so dass an einzelnen Stellen die gut 
haltbare Lesung von V zu Gunsten jener, welche 
andere Hss. bieten, zurücktreten musste. Da in¬ 
dessen durch genaue Mittheilung dessen, was in V 


Digitized by 


Google 


tö 1 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 2. 


64 


steht, dem Leser das Mittel geboten wird, sich den 
Text anders zurecht zu legen, so wird man solche 
kleine Verletzungen der starren Consequenz dem 
Wunsche, einen klareren fliessenderen Text zu 
bieten, leicht zu gute halten. Anders steht die 
Sache, wenn durch derlei Veränderungen der Text 
einigen Schaden erleidet. So z. B. S. 245, Z. 3 
liest V: il lor (den Baronen) a dounes grans dons 
et as pluisours tieres et fies) AS il lor donna gr. d. 
et as pl. douna t. et f also mit Wiederholung des 
Verbums; das Gedicht, welches dem Vers und dem 
Reime zu Liebe für denselben Gedanken gerne ver¬ 
schiedene Ausdrücke anwendet, sagt: granz dons 
lor a donez, | si a terres et fiez as plusors devisez. 
Heisst es nicht, die Wichtigkeit eines solchen Hilfs¬ 
mittels überschätzen, wenn man sich verpflichtet 
fühlt, as pluis . [a devisS] tieres in den Text einzu¬ 
setzen P Dazu kann man noch bemerken, dass nach 
der Syntax von V a lieber ausfallen und das Par- 
ticipium gerne mit dem zunächst folgenden Sub- 
st&ntivum congruiren würde. Vgl. 209, 4 ff. V: 
Cesar . . . ra conquis le regne de Pontho et mises ses 

S rdes ; AS: et i mist ; Hg.: et i mis\ liegt kein 
uckfehler vor, so sträubt sich dagegen die Gram¬ 
matik, da i nur vor Verbum finitum stehen kann. 
Einen ähnlichen Solöcismus führte der Hrsg. S. 208, 
10 ff. ein: VAS lesen Cesar . . . est . .. entres es 
loges . . . si a .. . ocis ceus ki estoient remes pour le 
garder ; im Gedichte ist der Accus, les loges wieder¬ 
holt. Der Hrsg, meint (S. V) le sei ein allen drei 
Hss. gemeinschaftlicher Fehler und druckt pour 
les garder. Als ob conjunctives Pronomen hier 
möglich wäre. Bedarf es der Erwähnung, dass es 
sich hier um den Artikel le handelt? Derartige 
Versehen sind indessen so seiten, dass der Werth 
der Arbeit dadurch keinen Abbruch erleidet. In 
der ausführlichen Einleitung hebt der Hrsg, alles 
Bemerkenswerthe in Bezug auf Phonetik, Graphie 
und Morphologie hervor. In einzelnen Punkten 
möchte man vielleicht anderen Deutungen den Vor¬ 
zug geben; doch fehlt für derartige Bemerkungen 
hier der Raum. Nur zum Genus ein paar Nach¬ 
träge. Masc. histoire und honte werden aus anderen 
Schriften belegt; warum geschieht nicht dasselbe 
betreffs isle (z. B. Troie, M. Brut, noch Froissart)? 
Der Hrsg, führt Fern, ais an ‘wenn nicht Copisten- 
fehler vorliegt’; auch Froissart gebraucht das Wort 
als Fern. Das Schwanken von ost wurde, gewiss 
als allgemein bekannt, mit Stillschweigen über¬ 
gangen; aber Masc. so*/(BCondü, Froissart) war zu 
erwahneh. Ebenso la faite (S. 97); das Genus der 
Nebenform frete lässt sich in der Stelle S. 96 nicht 
erkennen. Warum wird zu toute jor Toblers An- j 
sicht nicht angeführt? 

; Den Schluss macht ein ziemlich ausführliches 
Glossar. Daraus, das manches sehr bekannte Wort 
aufgenommen* wurde (z. B. noch nfrz. müvre, timon 
oder durch Godefroy überaus zahlreich belegt: soi 
aatir "sich Zutrauen, sich anheischig machen) machen 
wir dem Hrsg, nicht den geringsten Vorwurf; denn 
so lange wir kein vollständiges altfranz. Lexicon 
besitzen, wird es immer nützen, eher zu viel als zu 
wenig zu geben. Wir vermissen daher ungern ein¬ 
zelne Wörter — z. B. poier (pfcare), querine —, 
die den einen oder den anderen Leser mehr auf¬ 


halten könnten als manche der verzeichneten. Auch 
hätte eben die Rücksicht, welche das Glossar auf ^ 
mässig geübte Leser nimmt, zügleich gefordert, dass 
zu deren besserer Orientirung mit Citaten weniger 
gekargt worden wäre. Zu Wörtern wie hruhier, 
douve auf Roquefort hinzuweisen, der füglich nur 
dann in Betracht kommt, wenn sonst alles versagt, 
scheint uns wenig angemessen. Zum syntactischen 
Gebrauche von tel (s. v. appareiliier), zu eüigier 
(= esl.) hätten wir gerne Tobler (ZRP. II, 402 und 
Jahrb. VIII, 342) angeführt gesehen. Zu hes war 
auf Schelers Glossar zu Froissart hinzu weisen, der 
dieselbe Stelle aus Hecart vergleicht. Zu vaucrer 
konnte Suchier (Reimpredigt, S. 78) zahlreiche Be¬ 
lege und eine genauere Uebersetzung liefern. Wenn 
bei venir mieux gesagt wird, je ein Beispiel fänden 
sich bei Burguy und in Aiol, so möchte man an 
einen seltenen Gebrauch glauben; und doch lassen 
sich sehr zahlreiche Belege sammeln. 

Es seien einige Randbemerkungen zum Glossar 
gestattet. Zu amfisibene konnte auch Godef. 279 
citirt werden, der die Lesung von V anders angibt 
als der Hrsg. Vgl. auch Dante ed. Witte, Inf. 
XXIV, 87. — Ferir par asseniaus wäre eher durch 
‘treffen wie von ungefähr* zu übersetzen. Zu dieser 
Locution vergl. man die Crusca s. v. abbattersi und 
abbattimento. Besonders die Stelle aus Buonarroti 
deckt das vom Hrsg, richtig hervorgehobene Ver¬ 
sehen Du Merils auf. — Es musste bemerkt werden, 
dase enseignourier in beiden Stellen auf Conjectur 
beruht. — Iestre ‘Schritt* ist sehr verdächtig. — 
Mais (38, 7; 71, 16; 168, 9) bedeutet ‘nunmehr*; 
der Gebrauch ist ungemein häufig, besonders im 
Osten; 139, 7 dagegen übersetze man mes ore ‘nun 
aber*. — Es erscheint schwer rapoies mit rasp zu¬ 
sammenzustellen, wenn man it. rappa ‘Busch* ver¬ 
gleicht. — Redoble bedarf keiner Eraendation; es 
ist Adjectiv, aus dem Verbalstamm unmittelbar ge¬ 
bildet. Sollte nicht der Grundbegriff ‘umgebogen’ 
sein? Dies würde zu rebourser (— rebrousser) von 
AS stimmen. — Redossii ist nunmehr aus der 
Uebersetzung der Homilien Gregors über Ezechiel 
ed. Hofmann, S. 66, zu belegen; es entspricht lat. 
hebes. Refensus als Etymon ist kaum möglich; denn 
das Verbum würde redeser (vgl. enteser ) lauten; ein 
retens-i-are = redeisier redoisier würde nicht viel 
helfen, denn -s- müsste tönend sein. — Rouegnier 
ist = rotund-i-are. — Das interessanteste Wort 
des Denkmales ist wohl seine ‘Durst*; die Deutung 
aus sicclna ist sehr ingeniös, aber vermag nicht zu 
überzeugen. Ist c vollkommen sicher ? Könnte 
I nicht e gemeint sein? sei = siti^ dann sei schon 
zu si contrahirt. (Man sehe dies als einen Einfall 
an, auf den kein Gewicht gelegt werden soll.) — 

Es sei zum Schluss dem Hrsg, der verdiente Dank 
für seine schöne, anziehende Publication wiederholt. 

Wien, 26. Dec. 1881. A. Mussafia. 


Der Versbau bei Philippe Desportes und 
Francois de Malherbe. Abhandlung zur Er¬ 
langung der Doctorwürde bei der phil. Facultät 
der Kaiser-Wilhelms-Univ. Strassburg eingereicht 
von Paul Gröbedinkel. Separatabdruck aus 
den Französischen Studien hrsg. von Körting und 


Digitized by Google 




f 

05 


1882. Literaturblatt fflr germanische und romanische Philologie. Nr. 2. 


66 


Koschwitz. Bd. I S. 41 — 126. Heilbronn, Gebr. 

Henninger. 8°. 

Der Zweck dieser vortrefflichen Untersuchung 
ist, durch eine Vergleichung des Versbaües bei 
Desportes und Malherbe festzustellen*, ob das günstige 
Urthcil, welches Boileau (Art poötique I, 130 ff.) 
über den letzteren dieser zwei Dichter ausspricht, 
berechtigt ist oder nicht. Dass der Verf. zu diesem 
Vergleich gerade Desportes gewählt hat, welcher 
Malherbe viel näher steht als die meisten andern 
Dichter des 16. Jh.V, hat seinen Grund nicht nur 
in der hervorragenden Stellung, welche er unter den 
älteren Zeitgenossen Malherbes einnimmt, sondern 
mehr darin, dass M. selbst die Dichtungen Desportes 
zum Gegenstände seiner Kritik gemacht und ein 
Exemplar derselben, das jetzt im Besitz der Biblio- 
theque nationale zu Paris ist, mit eigenhändigen 
Randbemerkungen versehen hat. Nachdem der Verf. 
das Verhältniss der zwei in der Bibi, de l’Arsenal 
aufbewahrten Copien dieses Commentars unter sich 
und zu dem Original untersucht hat, beginnt er 
seine Hauptaufgabe mit einer Vergleichung der 
Silbenzählung beider Dichter, geht sodann zur Be¬ 
trachtung der rhythmischen und syntaktischen Glie¬ 
derung der Verse und Strophen über und schliesst mit 
einer Untersuchung über die Reime, den Wohlklang 
und den Hiatus. Eine Frucht der Arbeiten von 
Lubarsch und Becq de Fouquiöres, aber mehr auf 
dem ersteren als auf dem letzteren beruhend, zeugt 
diese Dissertation in all ihren Theilen von einer 
musterhaften Sorgfalt und Gründlichkeit. 

Der Dichter Malherbe erscheint den meisten 
Lesern heutzutage so unbedeutend und langweilig, 
dass das hochklingende Lob, welches Boileau ihm 
spendet, ein Lob, das sich freilich nur auf die 
äussere Form seiner Verse bezieht, bei Vielen Be¬ 
denken erregt hat; und da bei flüchtiger Lectüre 
und einer oberflächlichen Vergleichung Malherbes 
mit seinen Vorgängern nur wenige und geringfügige 
Unterschiede zwischen ihm und diesen bemerkbar 
sind, so hat sich das Vorurtheil verbreiten können, 
dass Boileau, aus Unkenntniss und Geringschätzung 
der älteren Literatur und durch die mustergültige 
Form der Verse Malherbes bestochen, ihn mit Un¬ 
recht auf Kosten seiner Vorgänger erhoben und 
leere Redensarten über ihn vorgetragen habe. Dieses 
Vorurtheil, welches Gröbedinkel ohne Zweifel ge- 
theilt hat, ist wahrscheinlich Schuld daran, dass 
der sonst so genau beobachtende Verf. sich über 
das Ergebniss seiner Arbeit vollständig getäuscht 
und bis ans Ende sich dey Einsicht verschlossen 
hat, dass er das Gegentheil von dem bewiesen, was 
er behauptet, und dass er die glänzendste Recht¬ 
fertigung Boileaus geschrieben hat, die man wünschen 
kann. Allerdings sind es, wie er stgt, nur Einzel¬ 
heiten. wenn bei Desportes aye, ayent, paye, voyent 
im Innern des Verses zweisilbig, igayent, payement, 
gayement, gayeti dreisilbig verkommen, während 
Malherbe ayent, voyent und ähnliche Formen im 
Innern des Verses überhaupt nicht zulassen will, 
die übrigen Wörter aber nur in der noch heute 
üblichen Weise gebraucht; oder wenn bei jenem 
die Cäsur zwischen ein stummes e und ein h aspiröe, 
also zwischen offense || honteux, chambre || hast6, entre- 


prise |J hardiment, Averne || honteusement, renommie || 
hastive und ähnliche Wörter fallen kann; aber diese 
Einzelheiten beweisen eben, dass die Vorgänger 
Malherbes in einem der wichtigsten Capitel der 
modernen Metrik die klassischen Gesetze noch nicht 
gefunden hatten. Man füge hinzu, dass Desportes 
sich Wortformen erlaubt, welche nie recht fran¬ 
zösisch gewesen sind wie labyrinth, Proti, Promithi, 
Achü, Hercul, colericq, tu passe, tu marche, tu laisse, 
dass er douaire, ruine, pohte zu zweisilbigen Wörtern 
macht, und dass er Formen gebraucht, welche schon 
für Malherbe und mehr noch für Boileau veraltet 
und unerträglich waren, wie el = eiles, donra für 
donnera, guide als Subst. Fern., se = si mit Elision 
des e vor elles, grand und grands vor weiblichen 
Substantiven; man vergleiche dann mit dem Verf. 
(S. 36 ff) die syntaktische Gliederung des Alexan¬ 
driners bei beiden Dichtern und sehe, wie zahlreich 
bei Desportes Enjambements sind, welche den Rhyth¬ 
mus stören, weil die Sinnespause schon bei der 
Cäsur des folgenden Verses oder gar noch früher 
eintritt, und welche Menge von Versen mit schwacher 
oder ganz ungenügender Cäsur bei ihm gefunden 
wird; man überzeuge sich ferner (S. 60 f.), dass 
seine Reime nicht immer tadellos und dass der 
Gebrauch des Hiatus (S. 80 ff.) keineswegs den 
strengen Gesetzen unterworfen ist, welche Malherbe 
sich vorschrieb; kurz man ziehe nur die Thatsachen 
in Betracht und lasse die sie mildernden oder ver¬ 
hüllenden Bemerkungen des Verf.’s unberücksichtigt, 
dann wird es bis zur Evidenz klar, dass in dem 
Versbau der beiden Dichter derjenige Unterschied 
| besteht, den wir durch die "Ausdrücke „klassisch“ 
und „unklassisch“ zu bezeichnen pflegen. Hat man 
so das Hauptergebniss der Arbeit in das rechte 
Licht gesetzt, so wird man im Einzelnen wenig zu 
tadeln finden. Manchem wird es missfallen, dass 
der Verf. den ganzen Apparat von jambischen, ana- 
pästischen und unregelmässigen Versen aus Lubarsch 
herübergenommen und sich nicht an das einfache 
Gesetz gehalten hat, dass der Alexandriner zwei 
feste Accente in Cäsur und Reim besitzt und dass 
Zahl und Ort der übrigen Accente freigegeben ist. 
Es mag erlaubt sein,* gelegentlich von einem jam¬ 
bischen oder anapästischen Rhythmus zu sprechen, 
es ist aber eine Verirrung, wenn man aus Jamben 
und Anapästen sich Schemata bildet und alle Verse, 
welche sich in diese Schemata nicht fügen, für un- 
j regelmässig oder falsch erklärt. Denn 1. werden 
I dadurch alle Verse, die mit dem Ictus beginnen 
| und deren Rhythmus eine woblthuende Abwechslung 
j und oft eine hoch poetische Wirkung hervorbringt, 
aus der Zahl der richtigen und regelmässigen Verse 
I ausgeschlossen, so dass Racine tadelnswerth er- 
I scheinen müsste, weil er sich erlaubt hat dem Hohen- 
| priester Joad in seiner kurzen Weissagung vier 
| Verse dieser Art in den Mund zu legen; (Cieux, 
öcoutez ma voix; terre, pröte l’oreillel — Pleure, 

1 Jerusalem, pleure, citü perfide! — Temple, renverse- 
' toi; cödres, jetez des flammes! — Löve, Jerusalem, 

| lävc ta töte altiöre!) 2. verfallen dadurch alle 
Verse, welche fünfsilbige und ein grosser Theil der- 
| jenigen, welche viersilbige Wörter enthalten, einem 
, ungerechten Tadel* da in den ersteren immer, in 
' den letzteren häufig der zweite Accent des Halb- 


Digitized by 


Google 



67 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 2. 


68 


verses vermisst oder doch* nicht durch einen Wort¬ 
schluss hinreichend markirt wird und trotzdem Verse 
wie Et tout ce vain amas de superstitions — Cet 
äge est innocent, son ingänuitä — Le ciel meune a 
pris soin de me justifier — D’oii te bannit ton sexe 
et ton impi6t6 als correct und wohlklingend zu be¬ 
trachten sind; 3. wird dabei das alte Betonungs¬ 
gesetz, das schon H. Estienne in den Hyp'omneses 
bespricht und das noch heutzutage gilt, ausser Acht 
gelassen, dass jeder Satz für die Aussprache als 
ein Wort zu betrachten ist, dessen letzte Silbe den 
, Ton erhält, während die Stimme über alle vorher¬ 
gehenden Silben, allerdings mit mannigfacher Modu¬ 
lation, in höheren oder tieferen Noten, im ganzen 
aber gleichmässig dahinschwebt, ein Gesetz, welches 
auf den Versbau angewandt jenen zweiten beweg¬ 
lichen Accent in den beiden Hälften des Alexan¬ 
driners als unwesentlich und Verse wie die unter 
1 und 2 erwähnten, sofern sie den Anforderungen 
des Wohlklanges genügen, als gerechtfertigt er¬ 
scheinen lässt. 

Berlin, 21. Oct. 1881. O. Ulbrich. 


Löffler, Max, Untersuchungen über die Anzahl der 
Casus im Neufranzösischen. [Central-Organ f. d. Int. 
d. Realschulwesens. VII. p. 150—166.] 

-I ntersuchungen über den Article partitif. [Central- 

Organ f. d. Int. d. Realsch. VII. p. 7(fc—716.] 

Zwei alte,. wohlbekannte Fragen, die, trotzdem sie als 
zu den Grundbegriffen einer jeden französischen« Grammatik 
gehörend längst entschieden sein sollten, doch noch immer 
einer endgültigen Lösung harren. Bisher haben sich alle 
Grammatiker, der eine mit mehr, der andere mit weniger 
Glück an ihnen, so zu sagen, nur yorbeigedrückt. Die Sache 
steht aber auch nach Löffler’s Aufsätzen noch nicht anders: 
wir finden da im Wesentlichen dieselben Momente und That- 
sachen bei der Beweisführung benutzt, die uns aus ähnlichen* 
Versuchen in früherer Zeit bekannt sind — nur neu formulirt. 
Das Hauptverdienst des Verf.’s besteht darin, die Fragen aufs 
Neue wieder gestellt und Jedermann die Nofhwcndigkeit einer 
entschiedenen Stellungnahme zu ihnen in Erinnerung gebracht 
zu haben. Theils weil ich von dieser Kothwendigkeit selber 
überzeugt bin, theils weil die von Löffler über die streitigen 
Fragen vorgebrachten Ansichten in ihren wesentlichen Punkten | 
wenigstens, fast allgemein von den Grammatikern get heilt zu I 
werden scheinen, die nur nicht gewagt haben wie er die Con- ! 
Sequenzen zu ziehen, glaube ich, durch die nachfolgende Be- j 
sprechung auf die beiden Artikel eine allgemeinere Aufmerk¬ 
samkeit lenken zu sollen. ' 

Löffler kommt zu dem Resultat, dass die franz. Sprache t 
keine Casus und keinen Theilungsartikel sowie auch keine 
Casus des letzteren besitze oder, wie er es an einer andern 
Stelle- ausdrückt, dass die mit diesen Kamen bezeiohneten 
Wortverbindungen nicht in die Formenlehre, sondern in die 
Syntax gehörten. Er geht in seiner Beweisführung von dem 
lateinischen Casusbegriff aus, nach welchem die Casus Satz- 
theile sind, bestehend aus einem Substantiv, aus einem 
Adjeotiv, aus einem Artikel, aus einem Pronomen oder aus i 
einer sprachlich zulässigen Verbindung dieser Redetheile. In- I 
dem er diesen Casusbegriff auf die franz. Sprache anwendet, ! 
findet er, dass es Casus nicht gibt: denn „im Lateinischen j 
werden die aus einer Praeposition und aus einem Casus be- 1 
stehenden Satztheile nicht als Casus bezeichnet und so wenig 
wie de patre qder von dem Vater Casus sind, so wenig ist es I 
auch du plre, Letzteres ist vielmehr ganz ebenso anzusehen 
wie jede andere praepositionale Verbindung z. B. avee le phre. i 
Wohlgemerkt also, nicht darum handelt es sich hier, den 
Kamen Casus aus der franz. Sprache zu verbannen und etwa 
einen andern bezeichnenderen Kamen an die Stelle zu setzen, j 
wie ja z. B. die französischen Grammatiker ihr oorapläment I 
direct und indirect haben, sondern darum, den Begriff und 
die Existenz derselben als besonderer, von anderen unter¬ 
schiedener, formaler Satztheile zu eliminiren. Ohne mich hier 


über die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der erstrebten gram¬ 
matischen Reform des Weiteren auszulassen, kann ich doch 
nicht umhin, gegen die Art und Weise, in der der Verf. seine 
Behauptung zu beweisen sucht, zu protestiren, gegen eine Art 
und Weise, zufolge der man, um über die Zugehörigkeit odot^ 
Kichtzugehörigkeit einer sprachlichen Erscheinung zur Formen¬ 
lehre der franz. Sprache zu entscheiden, sich den Massstab 
aus einer andern Sprache holt Wie kann das vom Lateinischen 
bei seiner Formenbildung beobachtete Verfahren nmssgebend 
sein für das Französische oder irgend ein anderes Idiom? Ist 
nicht das Kriterium für dasjenige, was in einer Sprache als 
Form anzusehen ist, aus dieser Sprache selber zu ermitteln ? oder 
wenigstens aus der Gesammtbeit der Sprachen zu abBtrahiren? 
Muss jenes äusserlicho Merkmal der Worteinheit, auf welches 
Löffler so grosses Gewicht zu legen scheint, nothwendig in 
allen Sprachen mit der begrifflichen Einheit verbunden seio, 
damit eine Form entsteht? Steinthal wenigstens scheint anderer 
Meinung zu sein, wenn er in seiner „Charakteristik der haupt¬ 
sächlichsten Typen des Sprachbaus p. 234 sagt: „Kicht auf 
der Lautverbindung, sondern auf dem innern Sinue beruht die 
Form“. Wenn dies nun aber doch wirklich der Fall wäre, 
warum zieht Löffler denn nicht die Consequenzen seiner Prae- 
misse und erklärt die umschriebenen Formen des lat Verbums 
für aus der lat Formenlehre herausfallend und der Syntax an- 
gehötend ? ja, warum bleibt er bei den Casus und dem Thei- 
lungsartikel im Französischen stehen und streicht nicht auch 
das ganze Passiv, [wie schon von anderer Seite z. B. Chabaneau 
vorgeschlagen ist], die zusammengesetzten Tempora des Activs, 
die Comparation und vieles andere aus der franz. Grammatik? 
sie stehen und fallen miteinander. Dass alle diese Fragen 
ferner nicht nur in der franz. Grammatik, sondern auch in 
der Grammatik der übrigen romanischen Sprachen sowie in 
grösserem oder geringerem Umfang auch der germanischen 
Sprachen aufzuwerfen wären, versteht |sich von selbst. — Was 
den Theilungsartikel betrifft, so will Löffler ihm als solchem 
d. h. als formalem Satztheil keine Stelle in der franz. Gram¬ 
matik gönnen, weil du y des , de la (wie sie im Theilungsartikel 
Vorkommen) keine Casus sind, da sie alle aus einer Praepo- 
sition (de) und aus den Kominativen le, la , les bestehen und 
daher praepositionale Verbindungen sind, und weil es um so 
weniger passend ist, dem etymologisch als Praeposition zu 
betrachtenden Worte de in einem bestimmten Falle einen 
zweiten Kamen zu ertheilen, als dieser Vorgang bei keiner 
andern Praeposition beobachtet wird (p. 708). Gegen diese 
Worte will ich an dieser Stelle nur soviel bemerken, dass der 
von Löffler eingenommene historische, etymologische Stand¬ 
punkt zwar für die Kenntniss der Entwickelung einer sprach¬ 
lichen Erscheinung unentbehrlich ist, keinenfalls aber die 
Entscheidung über die Zugehörigkeit zu dieser oder jener 
sprachlichen Kategorie für jede beliebige Sprachperiode in 
alleingültiger Weise abgeben darf. Da würden wir bald zu 
wunderlichen Consequenzen kommen, von denen ich nur eine 
anführen will, da sie sich gerade in Löfflers Aufsatz über die 
Casus selbst findet. L. (p. 156) kennt danach keine Pronoms 
le, la, les; er kennt nur den Artikel im Masc., Fern, Singl. 
und PI., der bald vor Substantiven gebraucht wird, bald „be¬ 
züglich seiner Stellung ähnlichen Gesetzen unterworfen ist 
wie die Pronoms personnels“. Warum geht er nicht noch 
weiter zurück bis auf lat. ille und eliminirt auoh den Artikel 
aus der franz. Sprache und kennt nur noch ein Demonstrativ¬ 
pronomen? In dieser Frage hat doch wohl das französische 
Sprachgefühl der Gegenwart das alleinige Anrecht darauf, 
der competente Richter zu sein. Der Theilungsartikel des 
hommes erscheint dem nicht historisch und etymologisch 
analysirenden Verstände als eine bestimmte Modification des 
Begriffes komme und wird keineswegs vom Sprachgefühl 
als eine Ellipse, wie Löffler meint, (une partie des hommes) 
empfunden. 

Der Verf. hat jede seiner beiden Untersuchungen in zwei 
Theile gegliedert, in deron erstem er die theoretische d. h. 
wissenschaftliche Richtigkeit der von ihm vertretenen Ansicht, 
und in deren zweitem er ihre praktische Brauchbarkeit im 
Unterricht nachzuweisen sucht und einige Regeln gibt, wie 
der Lehrer im ersten Unterricht nach der neuen Methode d. h. 
ohne Casus und Theilungsartikel zu verfahren hat. Von allem, 
was sich sonst in den Aufsätzen findet — und es ist manches 
Interessante darin — befriedigen diese Ausführungen am 
wenigsten, und ich glaube, der Verf. hätte seiner Sache einen 
bessern Dienst erwiesen, weun er die Frage, ob die neuere Me¬ 
thode praktisoh brauchbar sei oder nicht, ganz bei Seite gelassen 
hätte, zumal bei der Beantwortung derselben dem subjectiven 


Digitized by 




69 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 2. 


70 


Ermessen die Hauptrolle zufällt, sie auch überdies für die 
theoretische, d. h. wissenschaftliche Richtigkeit absolut nichts 
beweisen kann. Stellen wir uns aber einmal auf diesem Boden, 
so kann ich mir nicht denken, dass ein Unterrichtsverfahren 
praktisch sein soll, nach welchem für das Sprachgefühl so 
wesentlich verschiedene Dinge wie Theilungsartikel und Casus 
eines Substantivs weder von einander, noch von gewissen 
sonstigen sprachlichen Erscheinungen geschieden werden müs¬ 
sen, nach welchem des hommes (der Menschen), des homtnes 
(von den Menschen), des hommes (Menschen) alle zusammen¬ 
fallen unter das eine Capitel Praepositionen, wie es die 
historische Betrachtung fordert, und nicht angesehen werden 
als bestimmte, streng von einander zu scheidende, formale 
Erscheinungen. 

In den vorstehenden Bemerkungen kam es mir besonders 
darauf an, zu zeigen, dass die Beantwortung der beiden von 
Löffler wieder angeregten Fragen in engem Zusammenhänge 
steht mit der Beantwortung vieler anderer Fragen, ja, im 
letzten Grunde hinauskommt auf eine Feststellung des Be¬ 
griffes der franz. Formenlehre seinem Inhalt und Umfange 
nach, und dass sie daher nicht aus diesem Zusammenhänge 
herausgelöst werden darf; sowie ferner, dass eine sich dieses 
Thema zum Vorwurf wählende Untersuchung auf dem von 
Löffler eingeschlagenen einfachen Wege nicht zum Ziele 
kommen, vielmehr ganz andere und bedeutendere Schwierig¬ 
keiten zu überwinden haben wird. Welcher Weg einzuschlagen 
ist, und welches das voraussichtliche Resultat sein wird, 
darüber habe ich zwar bestimmte Ansichten und Vermuthungen, 
muss eine ausführlichere Begründung und Formulirung der¬ 
selben jedoch einer andern Gelegenheit Vorbehalten. Was im 
Uebrigen die Wichtigkeit und Nothwendigkeit einer definitiven 
Regelung dieser Frage und eines Aufgebens des bisherigen un¬ 
sicheren Zustandes anlangt, so schliesse ich mich vollkommen den 
Worten Schmitz’ an, wenn er in seiner Encyklopädie, 2. Suppl. 2. 
AufL,188l,p. 13 bei Gelegenheit einer vergleichenden Besprech¬ 
ung der 2. u. 3. Auflage von Diez’ Grammatik sagt: ‘Der 2. Theil, 1 
2. umgearbeitete Ausgabe 1858 enthält die Wortbiegungs- und 
die Wortbildungslehre. Auf der ersten Seite tritt uns die Be¬ 
merkung entgegen, dass die zum Ersatz fehlender Flexionen 
gebrauchten Hülfe Wörter eigentlich nicht in die Flexionslehre, 
sondern theils in die Wortbildungslehre, theils selbst in die 
8yntax gehörten, „allein“ — heisst es weiter (und beachtens- 
werth ist die verschiedene Fassung der nun folgenden Ein¬ 
würfe in den beiden Ausgaben) — „ihre Absonderung von 
jenem Theile der Grammatik würde nicht allein beträchtliche 
Lücken darin verursachen, sondern auch etwas dem Geist der 
neuen analytischen) Mundarten entgegengesetztes in sich be¬ 
greifen.“ Aus diesem gewichtigen (aber noch nicht erschöpfen¬ 
den) Einwurfe wird alsdann bescheiden gefolgert, dass es 
rithlich erscheine, die systematische Strenge der praktischen 
Anschaulichkeit zu opfern und jene Hülfswörter den Biegungs¬ 
formen unmittelbar beizufügen. Möge dieser oft berührte 
Punkt, mit welchem unsere ganze grammatische Methode ver¬ 
wachsen ist, gelegentlich eine eingehende Erwägung finden. 
Ich mochte gerne in einem wissenschaftlichen Werke die sys¬ 
tematische Strenge nicht so leicht wegen praktischer Rück¬ 
sichten „bei 8eite gesetzt sehen“.’ — 

Ludwigslust, 9. April 1881. K. Fotb. 


Lachair6, Acbille, Professeur k la facult6 des 
Lettres de Bordeaux, Recaeil de textes de 
Pancien dialecte Gascon d’apräs des documents 
autörieurs au XIV* si^cle, suivi d’un glosöaire. 
Paris, Maisonneuve et Gie. 1881. XVI, 20S S. 8. 

Luchaire ist seit einigen Jahren eifrigst um die 
Erforschung derjenigen Idiome bemüht, welche auf 
dem Boden des alten Aquitanien einst gesprochen 
wurden und heute gesprochen werden. 1877 ver¬ 
öffentlichte er seine Doctoratsarbeit „De lingua 
aquitanica“ (Paris, Hachette. 65 S. 8), eine Unter¬ 
suchung, die allerdings wohl mehr des verfehlten 
als richtige und brauchbare Resultate enthält (s. P. 
Meyer, Romania VII S. 140 ff). Umgearbeitet und 
erweitert erschien diese Arbeit unter dem Titel 
„Les origines linguistiques de V Aquitaine* (Pau. 


1877), woran sich dann 1878 seine „Etudes sur les 
idiomes pyr6n6ens de la r£gion fran$aise a (Paris, 
Maisonneuve. XII, 373 S.) anschlossen. Zu dem 
letztgenannten Werke, das sich vornehmlich mit 
den heute in der Gascogne gesprochenen Idiomen 
beschäftigt, soll das oben verzeichnete eine Er¬ 
gänzung sein. Wir haben hier eine altgasconische 
Chrestomathie vor uns, die uns Texte von 1179 
bis 1300 bietet. Es sind freilich keine Denkmäler, 
die von irgend welchem literarischen Werthe 
wären. Die gasconische Literatur, die wir kennen, 
ist nicht so alt. Der einzige Text bei Luchaire, 
welcher der Literaturgeschichte angehört, ist die 
als Nr. 1 abgedruckte — schon genugsam bekannte 
— gasconische Strophe aus dem Descort des Raim- 
baut de Vaqueiras, hier nach Meyer, Recueil 
d’anciens textes bas-latins, prov. et fr. I, 90 abge¬ 
druckt. Den übrigen Theil der Sammlung bilden 
59 zum grössten Theil noch ungedruckte Urkunden 
(Kaufcontracte, Schenkungsurkunden u. s. w.), alle 
bestimmt localisirt und bestimmt datirt. Diese Samm¬ 
lung ist höchst werthvoll insofern, als hier in diesen 
datirten und localisirten Denkmälern eine feste, 
ja die einzig feste Basis für linguistische Unter¬ 
suchungen über den altgasconischen Dialect geboten 
wird, so dass die Abwesenheit literarischer Bedeutung 
kaum zu bedauern ist. Der Werth der Urkunden 
wird noch insofern erhöht, als Luchaire bemüht ist, 
hauptsächlich nur solche zu bieten, von denen die 
Originalniederschrift vorhanden. Die Methode bei 
Wiedergabe der Urkunden ist zu loben. L. repro- 
ducirt den Text der Hs. so getreu wie möglich, 
setzt nur Interpunction und löst die Abkürzungen 
auf. Die Auflösungen hätten mit cursivem Druck 
gekennzeichnet werden dürfen. Im übrigen erweckt 
ein Vergleioh der ältesten Urkunde mit dem bei¬ 
gegebenen Facsimile ein günstiges Vorurtheil be¬ 
züglich der Lesung in den übrigen. Die Urkunden 
werden in verständiger Ordnung geboten: nach den 
verschiedenen Unterdialecten des gasconischen Idioms 
(zu welchem auch der Dialect von B4arn gerechnet 
wird); innerhalb dieser einzelnen Gruppen herrscht 
natürlich chronologische Ordnung. Die Gruppen 
sind folgende: Region de Comrmnges et du Couse- 
rans: R. du Bigorre; R. du B6arn; R. des Landes; 
R. de TArmagnac; R. Girondine. Den Texten folgt 
ein ziemlich ausführliches Glossar; jedes angeführte 
Wort ist — ein höchst beifallswürdiges Verfahren — 
kurz mit Angabe des Orts und Abfassungsjahr ver¬ 
sehen; Verweis auf Seite und Zeile der Texte fehlt 
leider. Im Glossar wäre im einzelnen manches zu 
berichtigen, wozu hier jedoch nicht der Ort ist. 
Eine grammatische Untersuchung hat Luchaire nicht 
gegeben: hoffentlich findet sieh bald jemand, der 
das schöne Material nach dieser Seite hin ver- 
werthet und uns eine Laut- und Flexionslehre des 
altgasconischen Dialects gibt. Durch solche nach 
bestimmt datirten und localisirten Urkunden ge¬ 
arbeitete Untersuchungen kann die noch sehr im 1 
argen liegende altprovenzalische Dialectkunde sehr 
gefördert werden, wie z. B. für die altfranzösische 
Dialectologie durch ähnliche Arbeiten manche hübsche 
Resultate erzielt sind. — Einstweilen können die 
den einzelnen Wörtern im Glossar von L. beige¬ 
fügten verschiedenen flexivischen Formen einen 


Digitized by LjOOQie 



71 


1882. Literaturblatt für germanische und romauische Philologie. Nr. 2. 


72 


Einblick in die altgasconische Nominal- und Verbal¬ 
flexion gewähren. — Die Einleitung enthält einige 
— nicht gerade sehr glückliche — Aeusserungen 
über die Abgrenzung der Dialecte, die, wie es 
scheint, gegen P. Meyers diesbezügliche Erörte¬ 
rungen in der Romania B. IV, S. 294 gemünzt sind. 

Heidelberg, Jan. 1882. Fritz Neumann. 


Land an, Marco, Giovanni Boccaccio, sua vita 
e sue opere. Traduzione di Camillo Antona-Tra- 
versi approvata e ampliata dall’ autore. Aggiun- 
tovi prefazione e osservazioni critiche del tradut- 
tore, l’intiera biografia (so auf dem Aussentitel, 
auf dem Innentitel steht richtig: bibliografia) delle 
opere e delle lettere del Boccaccio, non che altri 
documenti e una larga esposizione dei piü recenti 
lavori boccacceschi. Napoli, Del Vaglio, 1881. 
(Bis jetzt 1 Bd. XII u. 476 S. 4.) 

Landau’s im J. 1877 erschienene Monographie 
über Bocc.’s Leben und Werke war damals trotz 
mancher Mängel und Schwächen ein vortreffliches 
Buch, welches gewiss verdient hätte, sofort in das 
Italienische übertragen zu werden. Erst jetzt aber, 
im Jahr 1881, ist eine Uebersetzung erschienen. 
Inzwischen hat sich nun Manches geändert: die 
Boccaccio-Forschung hat während der letzten vier 
Jahre einen erfreulichen Aufschwung genommen, und 
es sind über das Leben und die Werke des Certal- 
desen mehrere umfangreiche Arbeiten (vor allen 
Hortis’ classische Studj sulle opere latine del 
Bocc.) erschienen, durch welche Landau’s Buch, ich 
will nicht sagen: unbrauchbar gemacht, aber doch 
in manchen Theilen überholt und jedenfalls etwas 
in den Hintergrund gedrängt worden .ist Unter 
diesen Verhältnissen erscheint wohl auch bei ob¬ 
jekivster Beurtheilung, die Herausgabe einer Ueber¬ 
setzung des Landau’schen Werkes als nicht mehr 
recht zeitgemäss, und Niemand hat dies wohl leb¬ 
hafter empfunden, als der Uebersetzer selbst. We¬ 
nigstens hat der letztere sehr richtig erkannt, dass 
er sich nicht mit einer einfachen Uebersetzung be¬ 
gnügen dürfe, sondern dass er das übersetzte Werk 
durch Hinzufügung von Anmerkungen und Excursen 
auf das Niveau der gegenwärtigen Forschung er¬ 
heben und ihm dadurch aufs Neue die Existenz¬ 
berechtigung verleihen müsse. Wie ernst es der 
Uebersetzer mit der Erfüllung dieser Pflicht ge¬ 
nommen hat, beweist schon der äussere Umstand, 
dass, während Landau’s Buch den bescheidenen 
Umfang von nur 262 Octavseiten hat, der vorliegende 
erste Band der Uebersetzung — ein zweiter, ver¬ 
mutlich ebenso voluminöser soll bald nachfolgen 
— 476 grosse Quartseiten zählt. Die Uebersetzung 
umfasst überhaupt nur die Seiten 1 —13 (Cap. 1), 
25-38 (Cap. 2), 51 -70 (Cap. 3), 131—155 (Cap. 4), 
229—254 (Cap. 5), 331 -341 ^Cap. 6), 401—417 
(Cap. 7), das sind in Summa nur etwa 120 Seiten; 
der ganze übrige Raum, also über 350 Seiten, wird 
durch die Anmerkungen des Uebersetzers in An¬ 
spruch genommen. Dieses Zahlenverhältniss be¬ 
rechtigt wohl zu der Frage, ob der Uebersetzer 
nicht besser gethan hätte, statt Landau’s Buch zu 
übersetzen, ein selbständiges Werk über Boccaccio 


abzufassen, wobei es ihm ja immer noch unbenommen 
geblieben wäre, unter beredter Anerkennung der 
unleugbaren Verdienste Landau’s aus dessen Buche 
soviel in das seine aufzunehmen, als zur Zeit noch 
nicht veraltet ist Er würde dadurch wenigstens 
den grossen Vortheil gehabt haben, die Ergebnisse 
seiner eigenen Forschung in systematischer und zu¬ 
sammenhängender Form vorlegen zu können; seinen 
Lesern aber wäre die arge Unbequemlichkeit er¬ 
spart worden, neben dem Texte noch umfangreiche 
Anmerkungen durcharbeiten und in den letzteren 
oft genug erfahren zu müssen, dass das in dem 
ersteren Behauptete erweislich falsch ist. Auch 
Landau hätte, sollte ich wenigstens meinen, bei 
diesem Arrangement gewonnen, indem dann eben 
nur die verdienstlichen und bleibend werthvollen 
Theile seines Buches in das Italienische übertragen 
worden wären, nicht aber die minder gelungenen 
oder geradezu misslungenen und durch neuere Werke 
völlig entbehrlich gemachten. 

Ich habe hier selbstverständlich nicht Landau’s 
Buch zu kritisirgti. Aber auch mit der Beurtheilung 
der Uebersetzung, welche Antona-Traversi von dessen 
ersten sieben Capiteln gegeben, will ich mich nicht 
aufhalten. Es genüge zu sagen, dass diese 
Uebersetzung eine vortreffliche ist und ein sehr 
rühmliches Zeugniss von A.-T.’s Vertrautheit mit 
der deutschen Sprache ablegt. 

Dagegen seien mir einige Worte über die von 
A.-T.’s hinzugefügten Anmerkungen verstattet, da 
dieselben ja quantitiv wie qualitativ den Haupttheii 
des Buches bilden. 

In diesen Anmerkungen zeigt Herr A.-T. — und 
es gereicht mir zur grossen Freude, dies ohne jeden 
Rückhalt aussprechen zu können — eine seltene Be¬ 
fähigung zu literarhistorischer Forschung und ins¬ 
besondere zu Forschungen, deren Object die Lite¬ 
ratur der Frührenaissance bildet. Herr A.-T. ist 
ein Schüler Zumbini’s: nun, man kann dem Lehrer 
Glück wünschen zu einem solchen Schüler, der be¬ 
reits durch das, was er bis jetzt geleistet, sich einen 
ehrenvollen Platz unter den jüngeren Literarhisto¬ 
rikern Italiens errungen hat und der für die Zukunft 
zu den höchsten Erwartungen berechtigt. Nicht bloss, 
dass Herr A.-T. mit dem Stoffe, den er behandelt, 
sich durch gründlichste Studien vertraut gemacht 
und die einschlägige Literatur gewissenhaft benutzt 
hat — es wäre dies ja nur die Erfüllung unerläss¬ 
licher Vorbedingungen —, sondern er hat seinen 
Stoff auch mit wissenschaftlicher Methode bearbeitet 
und hat verstanden, ihn in einer anziehenden Form 
darzustellen, so dass das Studium seines Buches 
sowohl Belehrung als Genuss gewährt. Wohl- 
thuend berührt namentlich auch die warme, aus 
tiefstem Herzen kommende Begeisterung, mit welcher 
A.-T. für Boccaccio erfüllt ist, und deren Hauch 
man überall im Buehe spüren kann. Nur freilich 
ist zu bemerken, dass durch diese Begeisterung A.-T. 
sich nicht ganz selten zu einem sachlich ungerecht¬ 
fertigten Pathos der Darstellung hinreissen und mit¬ 
unter wohl auch zu Behauptungen drängen lässt, 
die mindestens als übertrieben bezeichnet werden 
müssen. Ueberhaupt vergönnt A.-T. seioem subjecti ven 
Empfinden noch einen etwas zu weiten Spielraum; 
indessen dieser bei einem jugendlichen Autor sehr 


Digitized by LjOOQie 


1882. Literaturblatt für germanische und romanisohe Philologie. Nr. 2. 


74 


.,73 


F natürliche und ihm keineswegs zur Unehre gereichend e 
Fehler wird im Laufe der Zeit jedenfalls ganz von 
selbst sich verlieren und einer grösseren Objectivität 
Platz machen. 

Zur besonderen. Aufgabe hat es sich A.-T. in 
seinen Anmerkungen gemacht, nachzuweisen, dass 
Boccaccio in Paris geboren worden sei und dass er 
sich der vollen ^Liebesgunst Fiammetta’s erfreut 
habe. Das erstere Thema hat er überdies in zwei 
interessanten Aufsätzen, welche zuerst im „Giornale 
Napoletano di filosofia e lettere ecc. tt (Anno III, 
vol. V, fase. 13 e 14, 1881) und dann als Brochüre 
(„Deila patria di Giov. Bocc. tt Napoli 1881) er¬ 
schienen sind, mit grosser Ausführlichkeit behandelt, 
übrigens auch schon früher einmal in „Fanfulla* 
(6 Giugno 1880). Ich habe in meinem Buche über 
Boccaccio sowohl die pariser Geburt als auch das 
Liebesglück Bocc.’s bestritten und den Gegenbeweis 
zu führen gesucht Es ist demnach begreiflich, dass 
A.-T. meine Ansichten lebhaft bekämpft hat. Ver¬ 
letzen kann mich diese Polemik, die rein sachlich 
gehalten ist, nicht im Mindesten und um so weniger, 
als, wie ich hier wohl bemerken darf, A.-T. von 
meinem Buche sonst mit grosser Anerkennung spricht. 
Möchte doch ein Jeder, der in eine litterarische 
Fehde einzutreten sich veranlasst fühlt, in dieser 
von demselben vollendeten Anstandsgefühle sich 
leiten lassen und, unbeschadet der sachlich scharfen 
Erörterung, mit derselben ritterlichen Courtoisie 
fechten, wie A.-T. mir gegenüber es gethan hat! Der 
persönlich verletzende, hochmüthige Ton der Kritik, 
wie man ihn nur gar zu oft in Recensionen und 
sonst erklingen hört, kann der Wissenschaft nur 
schaden. 

Ich gestehe nun gern zu, dass A.-T seine An¬ 
nahmen mit gründlichster Sachkenntniss und mit 
vielem Geschicke vertheidigt hat. Gleichwohl kann 
ich mich noch nicht für widerlegt und überwunden 
halten, glaube vielmehr, Punkt für Punkt A.-T.’s 
Aufstellungen zurückweisen zu können. Eines näheren 
Eingehens auf die Sache darf ich mich aber hier, 
wohl für überhoben betrachten, da ich erst ganz 
neuerdings in einer in der Zs. f. rom. Phil. V, 209 ff. 
veröffentlichten Abhandlung die betreffenden Streit¬ 
fragen einer abermaligen Erörterung unterzogen habe. 
Nur einige mehr nebensächliche Punkte will ich hier 
kurz besprechen. 

A.-T. verübelt es mir, dass ich an die Aecht- 
heit der (sei es nun wirklich oder nur vermeintlich) 
von Suares im Archiv zu Avignon entdeckten, aber 
wieder verlorenen päpstlichen Urkunde nicht glaube, 
durch welche Bocc. der einem unehelich Geborenen 
zum Eintritt in den geistlichen Stand erforderliche 
Dispens ertheilt worden sein soll und auf welche 
Manni p. 14 und 34 Bezug nimmt. Aber wie ist 
es wissenschaftlich zulässig, eine Urkunde als Be¬ 
weismittel zu brauchen, deren Aechtheit weder be¬ 
wiesen ist noch voraussichtlich jemals bewiesen 
werden kann ? Ich bin übrigens weit entfernt, gegen 
Suarfes oder gar gegen den hochverdienten Manni 
den Vorwurf der Fälschung zu erbeben. Die Ehren¬ 
haftigkeit dieser Männer bleibe vollständig unan¬ 
getastet! Aber ist es nicht sehr denkbar, dass sie 
eine falsche Urkunde bona fide für äebt angesehen 
haben, wie das bei sonst tüchtigen, aber mit Paläo* 


graphie und Diplomatik wenig vertrauten Leuten 
so leicht geschehen kann? Die betreffende Urkunde 
würde allerdings, wenn acht und noch erhalten, 
jedem Streite über Bocc.’s eheliche oder uneheliche 
Geburt sofort ein Ende machen und in der That, 
wie A.-T. sich ausdrückt (Deila patria etc. p. 33) 
„tagliar la testa al toro“. Indessen sie ist eben 
nicht erhalten und ihre Aechtheit muss ganz dahin¬ 
gestellt bleiben, folglich aber ist es unstatthaft, diese 
Bulle überhaupt unter die Argumente für Bocc.’s 
Unehelichkeit aufzuzählen. — Ich habe aus dem 
Umstande, dass Bocc. allem Anscheine nach an der 
Hinterlassenschaft seines Vaters einen gleichen, wenn 
nicht selbst grösseren Antheil hatte, al9 sein ohne 
Zweifel ehelich geborner Halbbruder Jacopo, schlies- 
sen zu dürfen geglaubt, dass auch Bocc. ehelich ge¬ 
boren worden sei, da der uneheliche Sohn nicht mit 
ehelichen in gleicher Weise erbberechtigt gewesen 
sein würde. A.-T. beruft sich, um mich zu wider¬ 
legen, auf die in den „Statuta civitatis Florentiae“ 
(I, 126) enthaltene Bestimmung „naturales nati a 
öoluto et soluta vel descendente9 ex eis, licet non 
intervenerit legitimus concubinatus . . . praeferantur 
Communi Florentiae in successione illius ex quo vel 
ex qua taliter nati dicuntur“, indem er daraus 
folgert (Deila patria p. 32): „Non solo, dunque, i 
nati da legittimo concubinato“ [nebenbei bemerkt 
war ein solches im mittelalterlichen Rechtsleben nur 
ein aus dem römischen Rechte herübergenommener 
Begriff, aber keineswegs, wie A.-T. zu glauben 
scheint, eine rechtliche Institution], „ma ancora i nati 
da due persone quali che siano, che non convivono 
neppure insieme, succedono ai loro genitori naturali 
n£ piü nfe meno che i figli legitimi e sono preferiti 
al comune“. Das ist offenbar irrig: das Gesetz will 
nur besagen, dass im Falle keine ehelichen, wohl 
aber uneheliche Kinder vorhanden sind, diese letzteren 
vor der Commune (d. h. dem Fiscus) im Erbrecht 
vorangehen; ja vielleicht kann man den Wortlaut 
selbst dahin interpretiren, dass uneheliche Kinder 
eben nur dann erbberechtigt sind, wenn bei Er¬ 
mangelung aller Intestaterben und Nicbtvorhanden- 
sein eines Testamentes die Erbschaft sonst, dem 
Fiscus zufallen würde. In keinem Gesetzbuche der 
Welt sind wohl jemals die unehelichen Kinder den 
ehelichen erbrechtlich gleichgestellt oder gar ihnen 
gegenüber bevorzugt worden. Ich glaube also nach 
wie vor, dass Bocc., weil er gemeinsam mit seinem 
ehelich gebornen Halbbruder die väterliche Erbschaft 
antrat und sogar das väterliche Haus in Certaldo 
allein geerbt zu haben scheint, ebenfalls ehelich ge¬ 
boren war. — A.-T. schliesst aus Bocc.’s bekannter 
Aussage De casib. viror. illustr. IX, 10: „ut aiebat 
Boccaccius vir honestus et genitor meus, qui se bis 
testabatur interfuisse rebus a (viele Hdss. überliefern 
die Stelle übrigens in einer erweiterten Fassung, 
vgl. Hortis, Studj p. 127), dass Bocc.’s Vater schon 
im J. 1310, als viele Tempelritter (aber noch nicht 
ihr Grossmeister) hingerichtet wurden, sich in Paris 
befunden habe. Das ist irrig: das „his rebu9 u be¬ 
zieht sich, wie der Zusammenhang der Stelle zeigt, 
nur auf die im März 1&13 erfolgte Verbrennung des 
Grossmeisters. — Die Ibrida-Erzählung im „Ameto“, 
welche nach Ansicht der Vertheidiger der pariser 
Geburt autobiographischen Werth besitzt, hält A.-T. 


Digitized by LjOOQie 



75 


1882. Literatarblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 2. 76 


für leicht verständlich. Sie ist es in der That in 
dem von A.-T. (Deila patria etc. p. 16 ff.) reprodu- 
cirten und interpretirten Theile; die meines Er¬ 
achtens mit der Annahme eines autobiographischen 
Werthes unverträglichen und geradezu unlösbaren 
Schwierigkeiten (die Fahrt auf dem Feuerwagen etc.) 
liegen in den von A.-T. unbesprochenen Abschnitten. 
Wenn überdies A.-T. annimmt, dass in der Person 
der Emilia von Bocc. eine Frau verherrlicht worden 
sei, welche er vor seiner Fiammetta-Leidenschaft 
geliebt habe, so ist das unstatthaft, da Bocc. selbst 
in der Caleonc-Erzählung des „Ameto a wohl von 
einer Abrotonia und Pampinea berichtet, die er vor 
Fiammetta geliebt habe, aber nichts von Emilia. Auch 
andere, vielleicht noch gewichtigere Gründe würden 
dagegen sprechen. — Bei der Beurtheilung des Ver¬ 
hältnisses Boce.’s zu Fiammetta legt A.-T. viel Ge¬ 
wicht auf die Worte im Widmungsbrief der Te- 
seide: „se forse alcune cose soperchie vi fossono, 
il voler ben coprire ciö che non 6 onesto manifestare, 
da noi due in fuori, c’l volere la storia seguire, ne 
sono cagione/* Sie sollen beweisen, dass Bocc. in 
einem sträflichen Verhältnisse zu Fiammetta ge¬ 
standen, dasselbe aber (wie ja selbstverständlich 
gewesen wäre) geheim zu halten sich bestrebt habe. 
Ich meine aber, die Stelle bezieht sich gar nicht 
auf das, was« zwischen Bocc, und Fiammetta be¬ 
reits geschehen war, sondern auf das, was nach 
Bocc.’s Wunsche erst noch geschehen sollte, aber 
in Wirklichkeit nicht geschah. Mindestens dürfte 
diese Erklärung zulässig sein. Die Frage, ob Bocc. 
zu Fiammetta in einem sträflichen Verhältnisse ge¬ 
standen habe oder nicht lässt sich nur auf Grund 
einer methodischen Prüfung aller darauf bezüglichen 
Stellen in Bocc.’s Werken entscheiden, wie ich dies 
in meinem oben erwähnten Aufsatze in der Ztschr. 
f. rom. Phil, zu thun versucht habe. Ich glaube, 
A.-T. hat sich in seinen Annahmen zu sehr von der 
Voraussetzung bestimmen lassen, dass in einer so 
unsittlichen Atmosphäre, wie diejenige des neapoli¬ 
tanischen Hofes es war, das Verhältniss Bocc. zu 
Fiammetta nothwendigerweise ein unsittliches habe 
sein müssen und auch dass sowohl Bocc. wie Fiam¬ 
metta dem Drange der Sinnlichkeit nicht hätten 
widerstehen können. Aber man braucht weder 
bei Bocc. noch bei Fiammetta eine besondere sitt¬ 
liche Energie anzunehmen, um es für möglich zu 
halten, dass Bocc. von Fiammetta immer nur auf 
die Rolle eines schmachtenden Liebhabers beschränkt 
wurde. Schliesslich ist übrigens die ganze Frage 
von höchst untergeordneter Bedeutung und verdient 
kaum noch fernerhin erörtert zu werden. Dem 
Literarhistoriker kann es genügen, zu wissen, dass 
die Liebe zu Fiammetta einen mächtigen Einfluss 
auf die Entwicklung des dichterischen Talentes Bocc.’s 
ausgeübt hat. Ob diese Liebe aber bis zum Ehebruch 
sich steigerte, ist im letzten Grunde gleichgültig; 
gleichgültig selbst für die Beurtheilung des mora¬ 
lischen Charakters Bocc.’s, denn dass derselbe (na¬ 
mentlich der des jugendlichen Bocc.’s) keineswegs 
makellos und den Verirrungen erotischer Leiden¬ 
schaft zugänglich war, steht auch ohnedies zur 
Genüge fest. 

Ich gestatte mir noch eine mich persönlich,be¬ 
treffende Bemerkung. A.-T. hat in den Anmerkungen 


viele Seiten meines Buches über Bocc. abdrucken 
lassen. Es kann mir dies nur sehr erwünscht und 
schmeichelhaft sein, denn es beweist, dass A.-T., 
wie er übrigens auch wiederholt offen ausgesprochen, 
günstig über mein Werk urtheilt. Auffällig ist mir 
aber, dass er die betreffenden Seiten im Original¬ 
text und nicht (was doch namentlich in einem einer 
Uebersetzung des Landau’schen Buches bei¬ 
gefügten Commentare zu erwarten war) in italieni¬ 
scher Uebersetzung reproducirt bat. Der Recensent 
des Werkes A.-T.’s in der „Rassegna settimanale“ 
vom 21. Agosto 1881, p. 127, bemerkt hierüber „II 
signor Antona si scusa, dicendo che il Koerting non 
gli ha permesso di voltar quelle pagine in italiano“. 
Das ist völlig aus der Luft gegriffen: Herr A.-T. 
hat weder jemals meine Erlaubniss nachgesucht, 
noch wäre es mir in den Sinn gekommen, ihm die¬ 
selbe zu verweigern, es wäre mir vielmehr höchst 
willkommen gewesen, wenn durch eine theilweise 
Uebersetzung die Aufmerksamkeit des italienischen 
Publikums auf mein Buch hingelenkt worden wäre. 1 

Ich schliesse meine Besprechung, indem ich 
wiederhole, dass ich A.-T.’s Arbeit für eine hoch- 
verdienstliche und treffliche halte, deren weiterer 
Fortsetzung ich mit grösster Sympathie und Span¬ 
nung entgegensehe. Herr A.-T. ist in mehreren 
Punkten mein literarischer Gegner, das wird mich 
aber nie abhalten, in ihm den hochbegabten Mit¬ 
forscher, den tüchtigen Gelehrten und den edel¬ 
denkenden Mann zu achten. 

Münster i. W. G. Körting. 


Zeitschriften. 

Taalstodie III, 2: Robert, Les Adjeotifs-adverbes. — 
Kablet, Bulletin bibliographique: Bespricht u. a.: Chas- 
sang, Nouv. gram, franyaise avec des notices sur rhistoire 
de la langue et en partioulier sur les Variation® de la syn- 
taxe du XVI* au XIX* stecle; M6moires de Philippe de 
Cominyne8, nouv. 6d. revue sur un ms. ayant appartenu 
ä Diane de Poitiers par Ohantelauze ; — D e r s., Le Paysan 
qui avait offenst son seigneur par Lafontaine. — L. M. B., 
questions et räponses. — K. Ten Bruggencate, the use 
of can and may. — Joh. A. Leopold, Etwas über die 
Wortfolge in Haupt- und Nebensätzen. 

Zs. f. Orthographie, Orthoepie u. Sprach Physiologie 
I, 8: A. Diederichs, über die Aussprache von sp, st, g 
Und ng 3. — T. Pagliardini, An international Alphabet 1. 
— Kewitsch, Zur preussischen Schulorthographie. — 
Offene Korrespondenz. — Bibliographie. — Proben deutscher 
Reform-Orthographien 9. Prof. Eduard Wiebes System einer 
internationalen Reform-Orthographie, hier angewandt auf 
die deutsche Sprache. — 4: A. Diederichs, über die 
Aussprache ^on sp, st, g und ng 4. — T. Pagliardinf, 


1 Ich benutze die sich bietende Gelegenheit, um zu er¬ 
wähnen, dass A-T. in Verbindung mit Bruto Fabrioatore eine 
kritische Gesammtausgabe der Werke Boco.’s zu veranstalten 
beabsichtigt ivgl. Propugnatore XIV Disp. 2 e 3, p. 456). — 
Noch sei nachgetragen, dass, während die vorstehende An¬ 
zeige sich bereits im Drucke befand, abermals eine Boccaccio- 
Schrift A.-T.’s erschienen ist: „Deila patria, della famiglia e 
della povertä di Giov. Bocc. Risposta a Fr. Corazzini“ (Firenze 
1881), welche namentlich in ihrem letzten Theüe sehr interes¬ 
sant und werthvoll ist. — Gelegentlich darf ich wohl auch 
bemerken, dass ich eine rein sachliche Entgegnung auf Gaspa- 
ry’s gegen mich gerichteten Artikel über Bocc.’s Brief an 
Fr. Nelli im neuesten Hefte der Zs. f. rom. Phil. (V, 377) an 
die Redaction der genannten Zs. bereits eingesandt habe; 
i hoffentlich wird die unerquickliche Debatte damit ihren Ab¬ 
schluss finden. 


Digitized by LjOOQle 



77 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 2. 


78 


An international Alphabet 2. — J. M. Schreiber, Einheit 
der Schrift 1. 


Germania Bd. XX,VH, H. 1: Friedr. Neu mann, Iron und 
Apollonius (Thidrekssaga Cap. 245—275). — C. Marold, 
Kritisohe Untersuchungen über den Einfluss des Lateinischen 
auf die gotische Bibelübersetzung (Forts.). — A. Edzardi 
u. E. Mogk, Kopenhagener Bruchstücke von Rudolfs Welt¬ 
chronik. — F. Bech, dougen (= ertragen; Belege für s. 
Vorkommen auf md. Gebiet). — Th. Vernaleken, das 
Wasser des Lebens. — G. Milchsack, Entgegnung (gegen 
Schönbach). — Bartsch, Bruchstück von Konrads Trojaner¬ 
kriege, Brachst, einer Hs. des Passionais. 

Nyare bidrag tili kännedom om de svenska landsmalen ock 
svenskt folklif. Tidskrift utgifven pä uppdrag af landsmllsföre- 
ningarne i Uppsala, Helsingfors ock Lund genom J. A. Lun¬ 
de 11. 1881. A. InnehlU: M. Jonsson, Folktro, seder och 
bruk i Möre under nittonde ärhundradet (25 S.). — 1881. 
B. Innehlll: J. Magnusson, Tillägg tili Adolf Noreens 
ordbok öfver Fryksdalsmllet (23 S.). — 1881. C. Innehlll: 
J. A. L u n d e 11, Om dialektstudier med särskild hänsyn 
tili de nordiska sprlken, foredrag vid andra nordiska filo- 
logmötet i Kristiania (31 S.). — Stockholm 1881. 8. (1881 
A ist bezeichnet U. 5, 1881 B IL 2, 1881 C IH. 1.) S. 

Tijdscbrift voor Nederlandscbe Taal- en Letterknnde 

I, 4: W. H. rande S-andeBakhuyzen, Aanteekeningen 
op Der Naturen Bloeme (Forts.). — J. Verdam, Velthems 
episoden uit Hildegar dis. — Ders., Dietsohe Verssheiden- 
heden 35. Binalecs. 36. Amete. — M. de Vries, Edwijt. — 

J. te Winkel, De Borron’s Joseph d’Arimathie en Merlin 
in Maerlants vertaling. 

•Onze Volkstaal, tijdskrift gewijd aan de Studie der neder- 
landsche tongvallen, onder redactie van Taco H. De Beer 
en met ondersteuning en medewerking van P. J. Cosijn, 
J. H. Gallöe, J. F. J. Heremans, H. Kern, B. Symons, J. 
Beckering Vinckers. Culemborg, Blom & Olivierse. Nr. 1. 
64 S. 8: J. H. de Be e r, ons programma. — W. H. Mie 1 ck, 
de quantiteit in de Noord-Brabantsche Volkstaal. — J. 
Goemans, lijst van woorden, die gebruikt worden op het 
eiland Schoawen, in den omtrek van het dorp Serooskerke. 
— H. P., Zaansche woorden en uitdrukkingen. — K. M. A., 
lijst van woorden, gebruikelijk aan de Koninklijke Militaire 
Academie. — Louis D. Petit, proeve eener Bibliographie 
der Nederlandsche dialecten. [Die neue Zs. verdient unsere 
w&nnste Sympathie. Die Namen der Hrsg, lassen das Beste 
erwarten. — Die Mittheilung von zusammenhängenden Dia- 
lectproben scheint ausgeschlossen zu sein, ob mit Recht, 
bezweifeln wir sehr. Denn bei bloss' anatomischer Behand¬ 
lung der Sprache, durch Mittheilung von Wörterlisten und 
grammatischen Besonderheiten, entgeht gar Manches der 
Aufmerksamkeit des Forschers, um so mehr, als die Auf- 
zeiohner des sprachlichen Materials ja in der Regel nicht 
Männer von Fach sind. O. B.] 


Zs. rom. Philologie V, 2. 3: A. Tobler, Vermischte 
Beiträge zur Grammatik des Französ. — G. Koerting, 
Boccaccio-Analekten. L Boocaccios Geburtsort. H. Boccaccios 
Verhältniss zu Fiammetta. — G. Bai st, Etymologisches 
(1. fr. andouille = span. Mondongo ; 2. pilori', 3. arpa ; 4. 
sarpare ; 5. serpa ; 6. pitUacilgo ; 7. orujo ; 8. boucher ; 9. pa- 
draeto; 10. escarbar ; 11. hervero, ervero ; 12. Aorro; 13. pel - 
mazo ; 14. itaL armora ; 15. guetna; 16. choeho ; 17. charro ; 
18. cenno ; 19. estantigna ; 20. Cuja ; 21. span, galeo, galea, 
galescane ; 22. albacara ; 23. geperut ; 24. jorgina ; 25. losa ; 
26. escarzar ,; 27. escarmiento ; 28. esclop ; 29. chochaper diz ; 
30. gajo ; 31. encaslar ; 32. quexarse). — G. Schuchardt, 
die Cantes Flamencos. — E. Ebering, syntactische Studien 
zu Froissart. — A. Gaspary, Zu Körtings Bemerkung 
über Boccaccios Brief an Nelli (Zs. V, S. 72). — E. Stengel, 
Zur Entröe en Espagne; die Vatieanische Hs. Fonds Königin 
Christine 1682. — K. Vollmöller, Zu Karls Reise ed. 
Koschwitz. — F. Neumann, französ. Etymologien: itres ; 
brauche. — A. Horning, über den Conjunctiv in Compa- 
rativsätzen im Altfranz. — Recensionen u. Anzeigen. 

Revue des langues romanes Dec. 1881: Constans, Lee 
Manuscrits provengaux de Cheltenham HI. La cour d’Amour 
(suite). — Vincent, Etudes sur le patois de la Creuse. — 
Pöpratx, comparaisons populaires les plus usitees en 
oatalan roussillonnais. — Janv. 1882: Mazel et Vigou- 
roux, Poesies de Dom Guörin de Nant (Suite). Le Testa¬ 
ment de Couchard. — Mir, Glossaire des Comparaisons 


populaires du Narbonnais et du Carcassez (Suite). — C16- 
dat, Les Cas rögimes des pronoms personnels et du pro- 
nom relatif. 

II Propugnatore. Anno XIV. Disp. 6*. Nov.—Dio. 1881: 
Vinc. Pagano, Studi sopra Dante Alighieri (continuazione 
e fine). — Ludov. Passerini, Modi di dire proverbiali e 
motti popolari italiani, spiegati e commentati da Pico Luri 
di Vassano. — Ad. Bartoli e Tommaso Casini, H can- 
zoniere Palatino 418 della Biblioteca Nazionale di firenze. 

— Vitt. Imbriani, Le Canzoni pietrose di Dante. — An¬ 
tonio Res fori, H Cid Campeador. — V. Di Giovanni, 
Sopra la descrizione de’ baroni e fendatari sioiliani circa 
annum D. 1296 pubblicata da Bartolomeo Musoia nel 1692. 

— Gaiter e Bertocohi, Bibliografie: Bespricht u. a. 
die S. 35 des LtbL’s verzeichnete Dante-Ausgabe von An¬ 
tonio Lubin. 

Magazin f. die Lit. des In- n. Auslandes. 1882. 3: S. 
Schott, Lessing u. Diderot — 4: P. Lanzky, Giacomo 
Leopardi (über Montefredinis Leopardi-Biographie). — 5: 
Hunfalvy, Das Nibelungenlied u. die ungarischen Chroniken. 
Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 1881, Nr. 11 
u. 12: Essenwein, Beiträge aus dem germ. Museum zur 
Geschichte der Bewaffnung im Mittelalter. — C. BL Blaas, 
Volkstümliches aus Niederösterreioh. — L. Conrady, 
mala frantzosa. — E. Wernicke, zur Geschichte der 
Minnelieder Heinrichs von Breslau. 

Korrespondenzbl. des Vereins f. siebenb. Landeskunde 
IV, 12: G. Binder, HSwes (Ausdruck für die in einem 
Waldwinkel gelegenen Wiesen). 

Beil, zur Allgem. Zeitung Nr. 21: Otto Köstlin, zur 
Geschichte des Dämonen- und Hexenglaubens. — Nr. 23: 
Oskar Brenner, Ueber den Ursprung der nordischen 
Götter- und Heldensage IL (Ueber Bugge Heft 2; Bugge 
beistimmend.) 

Academy 21. Jan.: J.Zupitza, „end“ or „and tt . — Krebs, 
The earliest Frenoh Version of Guarinis „Pastor Fido u . 
Dietsche Warande 1881. 1—5: J. te Winkel, Een paar 
Mededeelingen aangaande het Geslacht Hooft G. 

Nordisk Tidskrift för vetenskap, konst och industri 

1881. H. 7. 558—68: Julius Centervall, Det andra nor¬ 
diska filologmötet i Kristiania den 10—13 Augusti 1881. S. 

Arboger for nordisk Oldkyndighed. 1881. Tre^je hrnfte: 
Konr. Gi s 1 a s o n, Nogle bemcerkninger anglende Tnglingatal. 

— Der8., Bemserkninger til en ^uhelmingr* af Snorri 
Sturluson [Sn. E. H 204]. D. 

Bibliotbeque universelle et Revue Suisse. Jan.: E. de 
Marohi, Contes de NoiL 

Rev. pol. et litt. Nr. 25. 17 döc. 1881: Ch.-L. Livet, Le 
baron James de Rothschild. — Von Weihnaohtspublicationen, 
die besprochen werden, sind zu erwähnen: Histoire du ^entil 
seigneur de Bayard, composle par le Loyol Serviteur. 
Edition rapprochöe du fran$ais moderne aveo une intro- 
duction, des notes et des Iclaircissements par Lorödan 
Larchey (reich illustrirt) eto. P. Lacroix, XVH* siöcle. 
Lettres, Sciences et arts (1590—1700), letzter Band des be¬ 
kannten Werkes. — Ein neuer Band der acta sanctorum 
wird für 1882 angekündigt. — Nr. 26. 24 döc.: Louis Du¬ 
cros, M. Victor Cherbuliez. — In der Caus. litt.: Stapfer, 
Goethe et ses deux chefs-d’oeuvre olassi^ues (Iphigenie und 
Hermann u. Dorothea); ferner La Prmcesse de Clöves. 
Edition par M. de Lescure. Inbrairie des bibliophiles. — 
' Nr. 1. 7 janv. 1882: E. Caro, La Sociötö francaise au 
XVHP siöcle. L’abbö Galiani (vollständiger im Journ. <L 
Sav.). 

Rassegna Settimanale 11. Deo. 1881: Masi, il rinascimento 
in Italia. (Im Anschluss an Symonds, Renaissance in Italy.) 

— Besprochen wird: Borgognoni, La canzone „Spirto gentil u . 
* Ravenna. David. — 18. Dec.: Besprochen wird Bergmanns 

Dante-Biographie. (Das Werk enthält unzählige Irrthümer 
und haltlose Aufstellungen.) — 25. Dec.: Torraca, Gli 
scrittori stranieri del risorgimento in Italia. — Empfohlen 
werden Monacis Facsimili di antichi manoscritti (s. LtbL 
1881 8. 457). 

Russischer Philologischer Anzeiger. 1882. 8. 1—61: 
Karl Appel, Neskollko slov o novm&em psichologiöeskom 
napravleniji jazykoznanija. („Einige Worte über die neuere 
psychologische Richtung der Sprachwissenschaft*.) Separat¬ 
abzug aus „Russischer philologischer Anzeiger*. Warschau 

1882. [Unter Berücksichtigung besonders der Arbeiten von 
Paul und Osthoff. Die Beispiele sind vornehmlich den roma¬ 
nischen Sprachen entnommen.] 


Digitized by 


Google 




79 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 2. 


80 


Neu erschienene Bücher. 

Aasen, Ivar, Korske Ordsprog, samlede og ordnede. Christia- 
nia, MaUing. XVI, 238 S. 8. Kr. 2,80, geb. Kr. 3,80. 

-Korsk Ordbog med dansk Forklaring. Omarbeidet og 

foraget Udgave af en eeldre „Ordbog over det norske 
Folkesprog“. Ny Subskription. 8 Hefte (Schlussheft). S. 897 
—976 + XYI. 8°. Christiania, Mailing. Kr. 1. D. 

Bouton, V., Wapenboeck ou Armorial de 1384 k 1372 
par Gelre Heraut d’armes. Paris, Bouton, (Mitarbeiter 
waren Proff. Dr. M. de Yries (Leiden), Dr. J. Verdam 
(Amsterdam), Dr. J. Gallöe (Utrecht) und Ch. Stallaert aus 
Brüssel. Enthält heraldische Gedichte, eine Chronik von 
Brabant, die Schlacht ron Stavoren und Gedichte über 
niederdeutsche Geschlechter. Die Sprache ist theils mittel- 
niederl., theils niederdeutsch.) G. 

Brill, W. G., Neederlandsche Spraakleer. Syntaxis. 3. Aus¬ 
gabe (mit der 2. Aufl. von 1862 übereinstimmend). Leiden, 

E. J. Brill. X, 337 S. 8. fl. 3,60. G. 

Bug ge, Sophus, Studier over de nordiske Gude- og Helte- 
sagns Oprindelse. Fürste Reekke, andet Hefte (8. 81—288). 
Christiania, Feilberg & Landmark. 1881. [Schluss von II 
(dänische Baldrsagej S. 81—192; III. Den islandske Baldr- 
Mythe navnlig i Forhold til Achilles-Sagnet S. 192—265; 
IV. Baldrsagnets Udbredelse 8. 265—288. — Ezd.] Kr. 3. D. 

Edda. En isländsk samling folkliga forntidsdikter ora Nordens 
gudar och hjältar. Pä svenska af P. Aug. G ö d e c k e. Andra 
upplagan. Stockholm, Norstedt & Söner. 1881. XXIY, 396 S. 

8. Kr. 5. S. 

♦Festgabe für Wilhelm Crecelius zur Feier der fünfund- 
zwanzigjährigen Lehrthätigkeit in Elberfeld. Elberfeld 1881. 
297 S. gr. 8. [Darin: W. Schmitz, Fragment eines mittel¬ 
alterlichen Schülerliedes S. 67—69 (ein cantus abecedarius); 
A. Lübben, zu Gerhart von Minden 3, 102; 17, 13 8. 108 
—111 (L. zieht an der ersten Stelle statt bot die Lesart /idf, 
an der zweiten statt boten holen vor). — H. Pratje, zum , 
Gebrauch des Accusativ im Heliand S. 112—17. (Behandelt 
einige Fälle des „freiwilligen“ und des doppelten Accusativ.) ! 
— C. Walther, ein Beispiel niederländisch-hochdeutscher f 
Sprachmengerei aus dem 17. Jh. S. 118—123. (Ein menno- j 
nitischer Tractat von 1666, dessen Sprache bald holländisch | 
bald deutsch; W. fügt Bemerkungen über das „Messingsche“ : 
auf nd. Gebiet hinzu.) — Felix Atzler, Nachträge u. Be¬ 
merkungen zu des Knaben Wunderhorn 8. 124—132. — W. 
Kaiser, die Brotfrüchte der alten Deutschen nach den j 
Zeugnissen der alten Schriftsteller 8. 145—49 (frumentura i 
Tacit. Germ. 23 = Hafer). — Briefwechsel Voltaires und I 
d’Alemberts mit Professor Allamand, von K. von der Heydt ! 
8. 220—22. (Nr. 1 u. 2 Y. an Allam., Nr. 3 d’Alembert an ; 
Allam.) 

Frischbier, H., Preussisches Wörterbuch. Ost- und west- ' 
preussische Provinzialismen in alphabetischer Folge. Lief. 1. 

. Berlin, Enslin. 8. M. 2. (Das Werk erscheint in 2 Bänden 
von je 5—6 Lief.). 

♦Gleinn, J. W., preussisohe Kriegslieder von einem Grena¬ 
dier. Heilbronn, Henninger. XXXVI, 44 S. 8. M. 0,70. 
(Deutsche Literaturdenkmale des 18. Jh.’s Bd. 4.) 

Hildebrand, Hans, Sveriges Medeltid. Kulturhistorisk 
skildring. Första delen. UI. Stockholm, Norstedt & Söner. 
1881. 8. 225—400. 3 kr. 50 öre. S. 

Holland Language Phonology by Dr. J. Beckering 
Vinekers and Dr. J. H. Gail de. (Enoyclopaedia Brittan- 
nica 1881 XII.) G. 

Ländertz, P., Constantyn Huygens, Yolledige Dichtwerken 
uitgegeven door de Hollandsche Maatschappy van fraaie 
kunsten en Wetenschappen en onder Wezicht van Dr. N. 
Beets, 1. Lief. S. 1—96. 8'*. Amsterdam, P. N. van Kampeq. 
1881. Vollständig in 15 Lief. G. 

♦Meyer-Markau, der Parzival Wolframs von Eschenbach. 
Magdeburg, Hinrichshofen. Aus Anlass von Wagners Parsi- 
fal hrsg. 147 S. 8. M. 2,50. [Yon einem Laien zur Orienti- 
rung für Laien geschrieben, erfüllt die Schrift im Ganzen 
ihren Zweck. Der Yerf. ist mit der einschlägischen Litera¬ 
tur ziemlich vertraut; Martins u. Böttichers Untersuchungen 
scheint er nioht zu kennen. Die Abschnitte über Wolframs 
literarische Stellung und künstlerische Persönlichkeit waren 
tiefer zu fassen. Besonders fehlt es an einem Hinweis auf 
den volkstümlichen Charakter von Wolframs Redeweise. 
Etwas naiv heisst es S. 120: „der älteste deutsche Vers ist 
der Vers von vier Hebungen. Ihn wendeten auoh die Dichter 
des Mittelalters bei epischen Erzählungen an“. Was ist „ein 


schwerwiegender ungünstiger Kritiker“ S. 85 und eine „selbst 
documentirte Meinung“ S. 3? 0. B.] 

Nordländer, J.. Minnen af heden tro och kult i Norrländska 
ortnamn. Hernösand 1881. S. 

Sag an om Gunnlög Ormtunga och Skald-Ram. Pa svenska 
tolkad af P. Aug. G ö d e c k e. Ny, omarbetad upplaga. Stock¬ 
holm, Norstedt & Söner. 1881. 47 8. 50 ö. 8. 

Steinmeyer, E., und E. Sievers, die althochdeutschen 
Glossen. Bd. II. Glossen zu nichtbiblischen Schriften. Bearb. 
von E. Steinmeyer. Berlin, Weidmann. 8. M. 20. 

Verdam, J., Theophilus. Middelnederl. Gedicht, der 14® 
eeuu. Amsterdam, Erven van Munster. 172 S. 8. (Ausge¬ 
zeichnete Ausgabe des Gedichtes Theophilus u. der Prosa¬ 
bearbeitung mit Einleitung und Bemerkungen.) G. 

Verwijs, E., Ferguut. Aus dem Nachlass hrsg. von J. Ver¬ 
dam. Groningen, Wolters. 30. Lief, der Bibliotheek van 
Middelnederl. letterkunde. G. 

te Winkel, Jan, Bladzyden uit de geschiedenis der Nedef- 
landsche Letterkunde. I. W. Joan Blasius als vertegen- 
woordiger van de romantische richting onze letterkunde in 
de 17 e eeuu. 151 8. 8. fl. 1,75. II. Vondel als Treurspel- 
dichter. 192 S. 8. fl. 2,10. Haarlem, Erven F. Bohn. G. 


Shakespeare für Schulen: Ausgewählte Dramen. Mit Einl., 
erklärenden Anm., Abriss der Sh.-Grammatik bearbeitet n. 
hrsg. von Dr. R. M e u r e r. III. Macbeth. Cöln, Roemke & 
Co. M. 1. 

WüIcker, R., Kleine angelsächsische Dichtungen. Halle, 
Niemeyer. IV, 169 8. kl. 8. 


♦Almanach des Traditions populaires. Premiöre ann£e. 1882. 
Paris, Maisonneuve. 144 8 . fcl. 8. (Hrsg, ist E. Rolland, be¬ 
kannt durch seihe Arbeiten über die Faune populaire de la 
France.) Inhalt: Calendrier populaire. — Adresses des Folk- 
loristes. — N4crologie. — Bibliographie (recht reichhaltig). 

Chansons de la Betragne. — Une devinette irlandaise du 
V* siöcle. — Sur les contes de Charles Deulin u. 8. w. 

Athis und Prophilias; erste Ausgabe der französischen 
Originaldichtung; hrsg. v. A. Weber. Selbstverlag. (Die 
Auflage beläuft sich auf 50 Ex.; Ex. sind von dem Verf. 
— Maennedorf am Züricher See — zu beziehen.) 

Darmesteter, A., et A. Hatzfeld, Morceaux choisis des 
principaux öcrivains, ten prose et en vers du XVI* siöcle 
publies d’aprös les öditions originales ou les Iditions cri- 
tiques les plus autorisees et accompagnäs de notes expli- 
catives. 2* edition revue et corrig6e. Paris, Delagrave. VII, 
384 8. 18°. 

Fastenrath, Joh., Calderon in Spanien. Mit einem Anhänge: 
„Die Beziehungen zwischen Calderons Wunderthätigem 
Magus und Goethes Faust“. Von dqr Akademie der Ge- 
schiohte in Madrid preisgekrönte Schrift v. D. Ant. Sanchez 
Moguel. Leipzig, Friedrich. 8. M. 4. 

Ferrari, Severino, Biblioteca di letteratura populäre italiana. 
Firenze, Tipografia del Vocabolario. Monatl. ein Heft zu 4 
Bogen gr. 8. (Hrsg, will besonders die ersten Jahrhunderte 
der ital. Schriftsprache berücksichtigen.) Inhalt der beiden 
ersten Hefte: 1. Canzoni per andare in maschera per car- 
nesciale fatte da piü persone nel secolo XV. 2. Die schon 
durch Carducoi bekannte Raccolta di Strambotti e Rispetti 
nei secoli XIV e XV mit Benützung von 6 Florentiner 
Hss. nebst einer Incatenatura inedita nach der Hs. der 
Riccardiana (s. Magazin f. die Lit. des In- u. Ausl. Nr. 5). 

Finamore, G., Tradizioni popolari Abruzzesi, raccolti da 
G. F. Mailand, HoeplL I. Novelle, parte 1. XII, 248 S. 4 L. 
(Bd. II wird Volkslegenden in Versen, HI Volksgesänge, 
IV Sprüchwörter enthalten.) 

Gelsi, Giovanni« Rime burlesche di, poeta senese del secolo 
XVII, per la massima parte inedite, pubblicate a cura di 
Antonio Lombardi. Siena, Borgahini. 1882. 

Giovanni, Nouvelles choisies extraites du Pecorone de Ser 
Giovanni, Fiorentino. (XIV* siöole.) Traduites en frangais 
pour la premiöre fois par Marcel Lallemend. In-32, XVI, 
204 p. Paris, lib. Liseux. 10 fr. Collection des meilleurs 
conteurs Italiens. 

Giusti, Giuseppe, Poesie. Annotate per uso dei non tosc&ni 
da Pietro FanfanL Quarte edizione illustrata riveduta e 
postillata da G. Frizzi. Milano, Carrara. 1881. 

Huet, C. Busken, Litterarische fantasieen. 4. Reeks, 3. Deel. 
De Homerische gezangen, Dante, Shakespeare, Milton. 
Haarlem, Tjeenk-Willink. 8. IV. IL 220 S. fl. 1,40. 


Digitized by 


Google 




81 


188*2. Litoraturblatr für germanische und romanische Philologie. Nr. 2. 


82 


Jacob, le bibliophile, Etüde bibliographique sur le cinquiöme 
livre de Rabelais. Paris, Morgand et Fatont. 107 8. 8. (Sucht 
die Zweifel an der Authenticität des 5. Buches zu bekämpfen.) 

*Johannes8on, Fritz, Die Bestrebungen Malherbes auf 
dem Gebiete der poetischen Technik in Frankreich. Hall. 
Dr.-Dissert. IV, 96 8. 8. (Eine recht tüchtige Arbeit, auf 
die wir in einer der nächsten Nummern zurückzukommen 
gedenken.) 

Lacroix, P., XVII* siöcle, lettres, Sciences et arte (France, 
1590—1700); par Paul Lacroix (bibliophile Jacob). Ouvrage 
illustre de 17 chromolithographies et de 300 grav. sur bois, 
dont 16 tiröes hors texte, d’aprös leg monuments de Part 
de l’6poque. In-4°. VIII, 586 p. Mesnil, imprimerie et ohro- 
molithogr. Firmin-Didot; Paris, librairie Firmin-Didot et 
C*. fr. 30. 

P e n e i, Omero e Dante, Schiller e il Drama. Mailand, Dumo- 
lard. 87 8. 8. 

M e r 1 e t, G., Extraits des classiques franyais. Les Grands 
6crivains du XVI. siecle avec introduction notes et notices 
litteraires, historiques et philologiques. 3* öd. Paris, Fouraut 
et fils. XLVIII, 603 8. 12. 

Moli5re, Le Midanthrope, comödie. Nouv. öd. revue sur le 
texte imprimö du vivant de l’auteur avec les variantes de 
l’edition de 1682, une notice historique sur la piöce et un 
commentaire philologique et littöraire par M. L. Leys. Paris, 
Garnier. XXIV, 101 8. 12. 

♦Morel-Fatio, Alfred, Calderon. Revue critique des travaux 
d’Erudition publiös en Espagne ä l’occasion du second cente- 
naire de la mort du poöte. Suivie de documents relatifs k 
Pancien thöatre espagnol. Paris, Deimö. 1881. 69 8. 8. 

Recueil de Motets f r a n $ a i s des XII* et XIII* siöcles, 
publiös d’apres lek manuscrits avec introduction et notes 
par Gaston Raynaud, suivis d’une ötude sur la musique 
au siecle de Saint Louis, par Henri Lavoix fils. Vol. I. 
Paris, Vieweg. gr. 16 0 . (Die Ausgabe bildet den ersten Band 
einer „Bibliothöque fran$aise du moyen Äge“, welohe unter 
Leitung von Gaston Paris und Paul Meyer in gedachtem 
Verlage zu erscheinen begonnen hat. Die Texte werden 
stets mit Einleitung u. Glossar versehen sein. Den 2. Band 
wird der Schluss der verzeichneten Publication bilden. Bd. 
3 und 4 sollen enthalten: Alexandre le Grand, par 
P. Meyer. Tome I: 1° le fragment d’Alböric de Be- 
sangon; 2° la Version en vers de dix syllabes, 
d’aprös les manuscrits de Paris et de Venise; 3° les En- 
fances d’Alexandre d’aprös le manuscrit 789 de la 
Bibliothöque Nationale; 4° extraits de 1’Alexandre de 
Thomas de Kent. — Tomp II: Histoire de la le¬ 
gende d’Alexandre en Occident. — Für Band V und VI 
sind versprochen: LePsautier de Metz, texte et vhrian- 
k tes, publie (Faprös les mss. de Paris, Londres et Epinal par 
J. Bonnardot. I. Texte complet d’aprös 3 manuscrits. II. 
Introduction, ötude critique, grammaire, glossaire et variantes.) 

Savinian, Grammaire proven$ale (sous-dialecte rhodanien); 
Pröcis historique de la langue d’oc; parties du discours pour 
les sous-dialectes marseillais, cövenol et montpellierain, etc.; 
par Savinian. In-18 jösus, XL, 200 p. Avignon, imp. et lib. 
Aubanel fröres; Paris, lib. Thorin. 

*Siemt, Oswald, über lateinisches c vor e und i im Pikar- 
dischen. Hallenser Dr.-Dissert. 35 8. 8. (Wir gedenken auf 
diese Arbeit zurückzukommen in einem Gesammtbericht, den 
eine der nächsten Nummern über eine Reihe grammatischer 
Abhandlungen bringen wird.) 

■ Tamizey de Larroque, A la mömoire d’Alexis-Paulin. 
7i Paris. 8.-A. aus dem „Bulletin du bibliophile“. 

L i Vogt, Alb., la faroe de l’avocat Pathelin, ein Beitrag zur 
;r . französ. Metrik. Progr. des Landesgymnasiuras zu Fellin. 

♦Wendeburg, Otto, Ueber die Bearbeitung von Gottfried 
von Monmouths Historia regum Britanniae in der Hs. Brit. 

' Mus. Harl. 1605. Erlanger Dr.-Dissert. Braunschweig 1881. 
37 8. 8. 


vi., Ausführlichere Recensionen erschienen 
or* über: 

Öoethe-Jahrbuch Bd. II (v. Biedermann: Arch. f. Litgesch. 

, IX, 1). 

Herrand v. Wildonie, hrsg. v. Kummer (v. Blume: ebd.). 
^ C lookhoff, Studier öfver Eufemia visarna (v. E. Schroeder: 
* Gött. Gel. Anz. St. 1; Sehr, erweist als Vorlage des „Hertig 
i Fredrik af Normandie“ ein deutsches Gedicht vom Nieder- 
f rhein). 


i 


Kock, Om nigra atona; Bidrag tili svensk etymologi; För- 
klaring af fornsvenska lagord; Tydning af gamla svenska 
ord (v. Noreen: Nordisk Tidskrift für Vetenskap etc. 1881. 
H. 7 8. 580—83). 8. 

Lund, Danmarks og Norges Historie i Slutningen af det 
16. Aarhundrede. I. Indre Historie. — Hildebrand, 
Sveriges / Medeltid. Första delen. I, II (Nordisk Tidskrift 
för Vetenskap etc. 1881. H. 7 8. 569—78). 8. 

Schwartz oen Noreen, Svensk sprlklära (v. Freudenthal: 

Finsk Tidskrift 1881. XI. H. 4 8. 325—27). 8. 

Scherer, Gesohichte der deutschen Literatur (v. Seemüller: 
Zs. f. österr. Gymnas. 1881. 8. 824—856). 


Adam, Les patois lorrains (v. Apfelstedt: Zs. f. rom. PhiL 

V, 2. 2). 

Braga, Parnaso de Luiz de Camoes (v. C. M. de Vascon- 
cellos: ebd.). 

Buhlmann, Ch. de geste Fierabras im Italienischen (v. 
Morf: ebd.). 

C a 81 e t s, Turpini hist. Caroli magni et Rotholande (v Baist: 
ebd.). 

Constans, la legende d’Oedipe (v. W. Foerster: Lit. Cen- 
tralbl. 1882 Nr. 4. Inhaltreich). 

Hoffmann, altburg. (?) Uebersetzung der Predigten Gregors 
über Ezqphiel (v. Tobler: Deutsche Litzeit. 1881. Nr. 51). 
Jung, die rom. Landschaften des römischen Reibhs (v. Bu- 
dinszki: Zs. f. rom. Phil. V, 2. 3). 

Pedroso, Contribuicoes para una Mythologia populär por- 
tugueza (v. Liebrecht: ebd.). 

Pitrö, Proverbi Siciliani, V. I u. Spettacoli e Feste popo- 
lari sicil. (v. Liebreoht: ebd.). 

Zemlin, der Nachlaut i in den Diolecten Nord- und Ost¬ 
frankreichs (v. Apfelstedt: ebd.). 

Literarische Mittheilungen, Personal¬ 
nachrichten etc. 

Demnächst erscheint bei Port in Colberg: H. Ziemer, 
junggrammatische 8treifzüge. 

H. P rat je verheisst eine Arbeit über den Accusativ 
im Heliand. — Den 2. Band der Deutschen Drucke älterer 
Zeit in photolithographischer Nachbildung wird das P a 8 8 i o - 
nale Christi und Antichristi bilden. — Im Druck ist 
von A. Schroeter eine Uebersetzung des Nibelungen¬ 
liedes (in Stanzen). — Die Buchhandlung von Mohr (Siebeck) 
in Freiburg i/B. hat den Preis von Mahler Müllers 
Werken, 1811 (1823) von 8 M. auf 1,50 M. herabgesetzt. Bei 
derselben Buchhandlung erscheint ein Neudruck von Goethes 
Faustfragment nach Hirzeis Exemplar. 

E. Martin theilt mit, dass die Briefe Schillers an 
seinen Arzt (Stark) durch Kauf in seinen Besitz übergegangen 
sind, aber nicht veröffentlicht werden. 

P. Denifle schliesst demnächst den ersten Band ab 
von einem Werke über die Bettelorden und die Universität 
Paris um die Mitte des 13. Jh.’s. 

Dr. Br an dl (Wien) bereitet ein Werk über die Deutsch¬ 
studien moderner englischer Dichter vor. 

J. Cornu bereitet eine kritische Ausgabe von ausge¬ 
wählten Stellen des Roman de Renart vor. — In Trier ist 
vor kurzem von Herrn M. Keuffer ein neues Bruchstück 
eines altfranzösischen Gedichtes entdeckt worden. 
Prof. 8tengel, welchem von Prof. W. Förster Herrn Keuffers 
Copie des Bruchstücks zugestellt wurde, bestimmte es seinem 
Inhalte nach als zur Chanson von ‘Gasch de Monglane’ 
gehörig und wird dasselbe demnächst veröffentlichen. — Ales- 
sandro D’ Anco na wird bei Sansoni demnächst erscheinen 
lassen: Poemetti popolari dei secoli XIV e XV. 

Schüler des verstorbenen Prof, der romanischen und 
engl. Philologie zu Göttingen Theodor Müller beabsichtigen 
die Gründung einer Th. Müller-Stiftung zur Unterstützung 
von Studirenden der neuern Philologie. Diejenigen, welche sich 
an der 8ubscription betheiligen wollen, werden gebeten, ihre 
Adresse an den Universitätssecretair in Göttingen einzusenden. 

Anfang Januar starb im noch nicht ganz vollendeten 
23. Lebensjahre Dr. Friedrich Apfelstedt. In dem Hinge¬ 
schiedenen, der sioh erst vor kurzer Zeit durch seine Aus¬ 
gaben -des Lothringer Psalter (Altfrz. Bibliothek 4) und der 
religiösen Dichtungen der Waldenser (Zs. f. rom. Phil, und 
Herrigs Archiv) in den Kreis der Romanisten einführte, ver¬ 
liert die Wissenschaft einen Jünger, von dem das Beste zu 
erwarten war. — Am 17. Januar starb zu Paris Charles 

Digitized by 




83 


1882. Litcruturblatr für germanische un i romanische Philologie. Nr. 2. 


84 


T h u r o t, Mitglied des Institut, der berühmte olassische Philo¬ 
loge, dem die Romanistik ein überaus gründliches Werk „De 
la prononciation fran$aise depuis le commencement du XVI 
stecle, d’apr&s les t&noignages des grammairiens tt (T. I. Paris 
1881) zu danken hat. 

Die Privatdocenten an der Universität Heidelberg, Dr. 
Otto Behaghel und Dr. Fritz Neumann wurden zu ausser¬ 
ordentlichen Professoren daselbst ernannt. 


Entgegnung. 

In Nr. 12 dieses Blattes ist meine Schrift: Ueber die 
Verfasser einiger Nags. Schriften einer Kritik unterzogen 
worden, gegen welche ich nicht umhin kann Einspruch zu 
erheben. Ueber den Weg, auf welchem man in einer wissen¬ 
schaftlichen Untersuchung zu seinem Ziele gelangt, lässt sich 
bekanntlich streiten 1 . Der Rec. wird mir hoffentlich glauben, 
dass ich meine guten Gründe hatte den Weg zu nehmen, den 
ich nahm. Dass es einen besseren und zugleich kürzeren 
gäbe, davon haben mich seine Ausstellungen wenigstens nicht 
überzeugt. Hätte ich mit der ältesten Schrift der Marg. be¬ 
gonnen, so hätte das zunächst nichts als eine Umstellung zur 
Folge gehabt, dann aber hätte es den Anschein bekommen, 
als handele es sich um den nachträglichen Erweis einer längst 
vorgefassten Meinung 2 und diesen Anschein gerade wollte ich 
vermeiden. Hätte ich die „Phrasen und Wendungen“ mit 
dem „Geist und Stil“ der Schriften zusammen behandelt, so 
würde das ganze gerade die Uebersichtlichkeit eingebüsst 
haben *, die der Herr Rec. mir anempfiehlt. Eine gleichzeitige 
Vergleichung von Marg. und Jul. mit HM hätte dieselbe üble 
Eolge gehabt. Ich bilde mir durchaus nicht ein, dass der 
Untersuchungsgang, den ich genommen, der denkbar beste 
ist; es soll mir genug sein erwiesen zu haben, dass dort, wo 
der Rec. ihn bemängelt, gerade nichts zu bemängeln ist 4 . 
Der Rec. wirft mir weiter vor, dass die Basis meiner Unter¬ 
suchungen nicht fest genug sei: alle drei Schriften seien 
doppelt überliefert, und ich hätte daher die Frage, welcher 
Text der Untersuchung zu Grunde zu legen sei, nicht nur bei 
Jul. sondern auch bei Marg. und HM stellen sollen. Rec. hat 
offenbar die Ausgaben von Marg. und HM. gar nicht in die 
Hand genommen, sonst hätte er sehen müssen, dass bei ihnen 
eine solche Untersuchung, wie ich sie bei Jul. angestellt, ganz 
gegenstandslos und unnütz sein würde 5 . Die äusserst gering¬ 
fügigen, fast nur dialectischen Abweichungen der Texte jener 
beiden sind übrigens an geeigneter Stelle (der Behandlung des 
Verses) genügend berücksichtigt worden. Aber auch die Aus¬ 
gabe der Jul. scheint der Herr Rec. nicht eingesehen zu haben. 
Allerdings, wenn man nur die von mir ausgehobenen Stellen 
vor Augen hat, so haben seine Emendationen etwas für sich 7 ; 
sieht man aber in der Ausgabe auf das vorhergehende, so 
bemerkt man, dass nicht die emendirten Worte, sondern die 
Emendationen des Herrn Rec. „sinnlos“ sind 8 . Ebenso sinn¬ 
los sind natürlich die hieraus gefolgerten Schlüsse des Rec. 
Jul. R. durfte nicht weiter berücksichtigt werden, als es in 
der Untersuchung geschehen ist! — Der Herr Rec. lobt es, 
wenn ich die metrische Form der Gedichte erwiesen und die¬ 
selbe als Hauptargument in der Untersuchung verwendet habe. 
Ich kann dieses Lob nicht annehmen 9 , denn vielleicht steht 
es auf ebenso schwachen Füssen als sein Tadel. Und gerade 
in diesem Abschnitte beweist der Rec. wieder, wie leichtfertig 
er denselben ertheilt. Er fragt: „Wann ist ein Vers fehler¬ 
haft?“ und antwortet: „Hierüber werden sichere Kriterien 
nicht aufgestellt“. Eine eigentümliche Illustration zu dem 
oben gegebenen Lobe! Wenn sich der Herr Reo. nur die 
Mühe genommen hätte, einen Blick auf S. 9 ff. zu werfen, 
so würde er die von ihm gesuchten Kriterien gefunden haben 10 . 
Sie schienen mir so wichtig, dass ich 37 2 Seiten (Kleindruck) 
auf ihre Feststellung verwendete. Der Rest des Abschnittes 
beweist denn auch, dass er diese Ausführungen gar nicht zu 
Gesicht bekommen hat. Auf Einzelheiten lasse ich mich hier 
nicht ein, würde es aber gern thün, wenn es verlangt werden 
sollte. Nur noch eins: der Rec. will in dem von ihm heraus¬ 
gegriffenen Verse, um ihn zu berichtigen, das Wort tine il 
(fine) streichen. Was würde aber dann aus der „sicheren 
Basis“, die der Rec. so hoch hebt, wenn ich alle mangelhaften 
Verse auf so kühne Weise berichtigen wollte. Der Rec. sagt, 
ich hätte mich an das sicher überlieferte halten sollen, und 
dies that ich eben, indem ioh tine (Mss. B und R überein¬ 
stimmend) nicht strich. Völlig naiv ist es aber, wenn der 
Rec. sagt, ioh hätte um zu sicheren Ergebnissen zu gelangen 
die Behandlung der Senkung in jedem einzelnen Gedichte 


; feststellen müssen. Jeder meiner Leser, wenn er nur die 
! geringste Aufmerksamkeit auf die den Vers berührenden 
Stellen verwendet hat, muss erkannt haben, dass die Bezeich¬ 
nungen „zu kurz“ und „zu lang“ sich auf nichts anderes als 
auf den Mangel der Senkung bezw. die Ueberfüllung' derselben 
beziehen 12 . Ausdrücklich gesagt wird dies übrigens auf S. 9 
der Abh. — Kurz darauf wird behauptet, ich habe die Einheit 
j oder Verschiedenheit der Verfasserschaft zu erweisen das 
! seltnere oder häufigere Vorkommen gewisser Begriffsklassen 
| als Hauptkriterium aufgestellt 1S . Das wäre ein wunderliches 
j Kriterium! Hätte der Rec. die beregten Abschnitte nur auf- 
| merksam gelesen, so hätte er erkannt, dass ich nicht die 
Begriffsklassen selbst, sondern die Ausdrücke, die für ge- 
1 wisse Begriffsklassen mit mehr oder weniger Vorliebe ver¬ 
wendet werden, zusammenstellte und mit einander verglich. 
Für jene: die Begriffsklassen war der Dichter natürlich an 
seinen Stoff gebunden, diese aber: die Ausdrücke, lagen, 
mindestens zum grossen Theile, in seinem Ermessen. — Nach¬ 
lässigkeiten wie die oben gerügten entstellen die Recension 
, bis zu Ende. Ob ich die Worte „in heouen# zum vorher¬ 
gehenden oder folgenden Verse schlage, macht im Grunde 
gar nichts aus. Schlage ich sie zum vorhergehenden, so wird 
eben dieser zu lang und das Resultat bleibt dasselbe 14 . Für 
I meine Theilung spricht der Punkt des Ms.’s. Ueber die Be- 
| deutung dieser Punkte kann sich der Rec. auf S. 7—8 der 
Abh. unterrichten. Wie der Rec. zu der geistreichen Conjectur 
von „luuie u aus „lunie u kommt, ist mir unerfindlich. In den 
i Exemplaren, die mir zur Hand sind, steht richtig Juuie“ 1 *. 

| Was die drei Stellen anlangt, die der Rec. als Belege von 
Flüchtigkeit (auf„meiner Seite!) nicht stark genug betonen 
> kann, so will ich zu seiner Beruhigung zugeben, dass er, 
! wenigstens was die beiden ersten angeht, einmal das Richtige 
getroffen hat. Auf S. 126 Z. 7 steht „letztere“ statt „erstere“ 
und S. 21 Z. 15 „directe“ statt „indirecte“. Die dritte Stelle 
jedoch bitte ioh ihn noch einmal zu lesen; er hat sie augen- 
; soheinlich nicht verstanden 16 . — In dem Vorstehenden ist 
1 nicht .alles zurüokweisbare zurückgewiesen, doch denke ich 
! wird das Gegebene zur Characterisirung der besprochenen 
! Recension vollaus genügen. Der vorurteilsfreie Leser wird 
hoffentlich nun wissen, was er bei den Worten des Rec.: 
„Wir sind (rüoksichtlich des Untersuchungsganges!) öfters in 
der Irre und fragen uns manchmal, wohin wir geführt werden“, 
zu denken hat 17 . 

Gohlis-Leipzig, Dec. 1881. Eugen Einenkel. 

1. Sehr richtig, Herr Einenkel! — 2. Wenn Sie sich 
freilich 'so ausdrücken! Warum sagen Sie aber nioht, es 
handele sich „um den systematischen Beweis einer erkannten 
Wahrheit?“ — 3. Durchaus nicht, wenn Sie nur den Sinn 
meines „verarbeiten“ recht verstehen wollten. — 4. Wozu sich 
so zu ereifern? Ich frage ja bloss, warum so? und nicht so? 
Und wenn Sie mir für Ihr Verfahren gute Gründe geben, die 
ich allerdings schon gerne in Ihrem Buche selbst gefunden 
hätte, so bin ich ja zufrieden. Mit dieser Ihrer Weisheit 
werden 8ie freilich Niemanden befriedigen. — 5. Wenn ich nun 
aber der Meinung gewesen, dass dies in Ihrer Schrift aus¬ 
drücklich hätte gesagt und erwiesen werden müssen ? wenn 
ich nun zur Zeit gar keine Lust hatte, als Lückenbüsser für 
Sie einzutreten, und, was Sie hätten geben müssen, nachzu¬ 
liefern? wie dann? — 6. Sachte, sachte, Herr E.! 8ind etwa 
deorewurfie für deore, aelf für seoluen, Jlesches für ßeschHehe 
(S. 61); of reowde für remden of reowde, reowdful für reow- 
fule, and hope of heule für ant yf me h . of A. (S. 103) etc. 
nur ‘äusserst geringfügige’ oder gar nur ‘dialectische Ab¬ 
weichungen’? Ja, wenn nur an einer einzigen Stelle der 
zweite Text der Urschrift näher stand, so war die „Vorfrage“ 
ordnungsmässig zu stellen und .zu erledigen. Das sollte man 
doch einem Philologen nicht wiederholt predigen müssen. — 
7. Nur dann? Wie gütig! — 8. Ei, ei! Das wäre aber höchst 
bedauerlich — für Sie! Zu welchem Zwecke stellen Sie denn 
von S. 14—33 zweiunddreissig grössere Abschnitte aus beiden 
Hss. neben einander ? Doch wohl, damit sich der Leser durch 
den Augenschein (einem directen, schulmässigen Beweise gehen 
Sie auch hier aus dem Wege!) überzeuge, dass die Hs. R 
nichts tauge. Wenn nun aber die ausgehobenen Stellen für 
sich nicht verständlich sind, so ist ja dieser Abschnitt voll¬ 
kommen werthlos, so habe ich ja um jso mehr recht zu sagen, 
dass Ihrer Arbeit die sichere Basis fehle. Doch ich will zu 
Ihrem Vortheile annehmen, dass Sie hier im Eifer des Ge¬ 
fechtes mehr sagen, als Sie eigentlich wollten, und dass meine 
Emendationen auch im Zusammenhänge des Ganzen sich be¬ 
währen. Ausserdem hat sich gerade an dieser Stelle meiner 


Digitized by 


Google 



85 


1882. Literaturblatt für germanische und romanisohe Philologie. Kr. 2. 


86 


Besprechung ein Druckversehen eingeschüohen, statt auf 8. 21 
am Schlüsse der Spalte sollte es heissen auf S. 31. Dies mag 
mit zu Ihrer Entschuldigung dienen. Das Wort „sinnlos® 
aber, zu Ihrem Tröste sei’s gesagt, gilt ja nicht Ihrer Arbeit, 
sondern dem Producte einer seit mehr als 600 Jahren modern¬ 
den Schreiberseele. — 9. Auch gut, stolz lieb ich etc'. Damit 
nun das von Ihnen zurückgewiesene Lob nicht als herrenloses 
Gut zwischen uns beiden liegen bleibe, wird wohl nichts übrig 
bleiben, als dass ich es wieder an mich nehme. Es thut mir dies 
leid, ich hatte mir wirklich Mühe gegeben, unter andern auch 
diese „lobbare“ Seite an Ihrer Arbeit herauszufinden. — 10. Glau¬ 
ben 8ie in der That, die auf S. 8 f. Ihrer Arbeit aufgeführten 
‘inneren Kennzeichen* Ihres Verses mitsammt den 3 7t Seiten Er¬ 
läuterungen ‘im Kleindruck’ entsprächen den von mir verlangten 
„sicheren Kennzeichen für die Fehlerhaftigkeit eines Verses“ ? 
Nach der von Ihnen bevorzugten Adoculosdemonstrandum- 
Methode führen Sie unter den Rubriken: zu lang sind; zu 
kurz sind; kurzerhand alle Ihnen hierzu tauglich erscheinen¬ 
den mangelhaften (aber beileibe nicht verderbten) Verse auf 
in der Meinung, dass der Leser sich nun über die Art der 
Fehlerhaftigkeit vollkommen klar sein müsse. Da finden sich 
denn Verse wie: and bihdld pdt is öpene tdunderatdndd oder 
and tine fdderhüs (mit den Accenten). Da könnte nun einer 
meinen, der erste Vers (zu lang) habe sechs Hebungen, der 
andre (zu kurz) nur drei, und darin bestünde die Fehlerhaftig¬ 
keit beider. Weit gefehlt! Auf S. 9 sagt ja Herr E. klar 
und deutlich: „Verse mit mehr als vier Hebungen finden sich 
in unsern Dichtungen nicht... Die Bezeichnung 'zu lang* 
deutet bloss auf die Ueberfüllung der Senkungen... Verse, 
denen wir drei Hebungen zugestehen, sind wahrscheinlich auch 
mit vier zu lesen“. Was sollen aber die Accente? fragt man 
vielleicht. Ich zucke die Achseln. Wende man sich an Herrn 
E. — 11. Ich sage in meiner Besprechung: „vermuthlich ist 
tine zu streichen“. Könnten nicht beide Hss. gemeinsame 
Verderbniss aufweisen? Es war Aufgabe des Verf. s uns auch 
hierüber Aufschluss zu geben. — 12. s. Note 10. — 13. Eine 
durch das Streben nach Kürze hervorgerufene Unklarhoit, die 
übrigens im Zusammenhänge (Herr E. citirt mich nach be¬ 
kannter Manier nur theilweise) keinen Schaden thun kann. 
Es sollte heissen ‘gewisser Ausdrücke für bestimmte Begriffs- 
klassen*. Es ist sogar möglich, dass ich so geschrieben hatte, 
und dass der Ausfall im Druck bei der Corr. nicht bemerkt 
wurde. — 14. Lesen Sie doch Ihr Buch auf S. 16 nach, wo 
Sie mit Vernachlässigung der Punkte das Metrum voll¬ 


kommen richtig geben. — 15. Auf S. 16 meines Exemplars 
Ihrer Schrift ist zweimal lunie. gedruckt. Meine ‘geistreiche 
Conjectur’ entnahm ich S. 61 Ihres Buches (wo umgekehrt 
dieselbe Stelle metrisch falsch gegeben ist). Haben Sie viel¬ 
leicht zwei Ausgaben Ihres Buches veranstaltet, eine zu Ihrem 
Privatgebrauche, die andre um die Kritik irre zu führen? — 
16. Ich kann Ihnen beim besten Willen auch diese dritte 
Stelle nicht schenken. Sie scheinen Ihr eignes Buch nicht 
gelesen (vgl. Note 14 und 15) oder nur mangelhaft verstanden 
zu haben. Ich muss Ihnen wohl etwas zu Hilfe kommen. In 
einem ‘Nachwort* führen Sie S. 33 ff. aus, dass R, das schlechte 
und für Ihre Untersuchung ‘verpönte’ Ms. (s. Anm. 1 zu S. 33) 
im ganzen ältere und vollere Sprachformen bewahrt habe, 
während B, die von Ihnen zu Grunde gelegte Hs., den Wort¬ 
formen nach jünger sei. Zum Schluss bemerken Sie (S. 35): 
„Alle diese volleren Formen und Archaismen.... konnten nun 
auch in der Urschrift stehen... Und wir sind keineswegs 
berechtigt aus ihrem häufigen Vorkommen in B und 
aus ihrem seltenen Vorkommen in R den Schluss zu 
ziehen....“ Begreifen Sie nun, dass hier statt B R und um¬ 
gekehrt stehen müsste, wobei ich es allerdings Ihnen über¬ 
lassen muss, Ihren Schlusssatz in Ordnung zu bringen? Be¬ 
greifen Sie nun, dass nicht ich, sondern Sie es sind, der diese 
Stelle nicht verstanden hat? — 17. Hoffentlich, sage auch 
ich, wird der vorurteilsfreie Leser das wissen, nämlich, dass 
es, wie mit allen meinen Ausstellungen, auch mit dieser seine 
Richtigkeit hat. Ich bin es indessen mü4e mich noch länger 
mit Ihnen herumzuschlagen, und auch der Leser wird am 
Vorstehenden genug haben und mir den weiteren Nachweis 
erlassen. . 

Mit meinen Randbemerkungen, Herr Einenkel, wären, 
dächte ich, Ihre Einwände, soweit sie sich mit der 8ache be¬ 
schäftigen, abgethan. Ihren persönlichen Ausfällen nur ein 
Wort der Erwiderung entgegenzusetzen hiesse denselben zu viel 
Ehre anthun. Ihre Entgegnung gehört eben zu den Dornen, 
die noch jeder Kritiker statt der Blumen an seinem undank¬ 
baren Pfade gefunden hat. Nur dies erlaube ich mir Ihnen 
anzukündigen, dass ich für alle weiteren „Entgegnungen“ 
Ihrerseits, wenn Sie sich nicht strenge an die Sache halten, 
nicht mehr zu Hause bin. Genehmigen Sie etc. 

Wiesbaden, Januar 1882. Th. Wissmann. 


Abgeschlossen am 20. Januar 1882. 


NOTIZ. 

Den germanistischen Theil redigirt Otto ßehaghel (Heidelberg, Sandgasse 5), den romanistischen und englischen Theil Fritz Neumann 
(Heidelberg. Hauptstr. 73), und man bittet die Beiträge (Kecensionen, kurze Notizen, Personalnachrichten etc.) dem entsprechend gefälligst zu adressiren. 
ilie Hedaction richtet an die Herren Varleger wie Verfasser die Bitte, dafür Borge tragen zu wollen, dass alle neuen Werke germanistischen und 
romanistischen Inhalts ihr gleich nach Erscheinen entweder direct oder durch Vermittelung von Gebr. llcnninger in lletlbronn zugesandt 
werden. Nur in diesem Falle wird die Bcdaction stets im Stande sein, über neue Publicationeu eine Besprechung oder 
kürzere Bemerkung (tu der Bibliogr.) zu bringen. An Gebr. Henningor sind auch die Anfragen Uber Honorar und Öonderabzüge zu richten. 


Literarische Anzeigen. 


.Verlag von JOH. AMBR. BARTH jn Leipzig. 

ITlassische Bühnendichtungen der Spanier, 

herausg. u. erklärt v. M. Krankel. I. Band: CaldeTOD, 
das Leben ist Traum. Der standhafte Prinz» 8. 292 S. 
1881. M. 4,60. 

Diese Ausgabe bietet den spau. Text mit erklär, deutschen 
Anmerkungen in der Weise der Weidmann’schen u. Teubner- 
schen Ausgaben d. alten Klassiker und ist in hohem Grade 
geeignet, das Studium der span. Sprache u. Lit. zu fördern. 
Der II. Band ist im Druck. 

„Das Werk Krenkel’s ist von allen deutschen Erzeug¬ 
nissen, vielleicht von allen ausländischen überhaupt, welche 
der Galderontag hervorgerufen, das einzige, welches den 
goldenen Ehrenpreis verdient hätte etc.“ (Augsb. Allg. Ztg.) 

CiHAKESPEARE’S Hamletquellen: s«xo Gramm. 

^ (lat. u. deutsch), Belleforest u. The history of Hamlet. 
Aus dem Nachlass Dr. R. Gericke’s mit Einleitung herausg. 
v. Max Moltke. Lex.-8. CIV Seiten. 1881. M. 3. 


Zeitschrift 

für 

Orthographie, Orthoepie und Sprach- 
physiologie. 

Herausgeber: Dr. W. Vietor, Wiesbaden. 

Mitarbeiter: die bedeutendsten Fachmänner des In - und 
Auslandes . 

IL Jahrg. begann Oot. 1881. Preis cte. 1,50 viertoJj. 

Probennmmern sowie Kritiken u. Mitarbeiterverzeichniss gratis. 

Dieses von der Kritik sehr beifällig Aufgenommene, wissen¬ 
schaftlich gehaltene, unparteiische Centralorgan für die 
Orthographie-Reformbestrebungen fast aller modernen Spra¬ 
chen, welches von vielen in- und ausländischen Gelehrten 
unterstützt wird, sei allen Sprachforschern bestens empfohlen. 
Die Verlagshandlung bittet die Anschaffung der Zeitschrift 
für Bibliotheken und Wissenschaft!. Lesezirkel gütigst zu be¬ 
fürworten. Zu beziehen durch Buchhandel, Post und direot 

duroh Wilh. Werthers Verlag, Rostock. 

e 




87 


1883. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 2. 


88 


Neue Publicationen 

der Akademischen Verlagsbuchhandlung von 
J. C. B. MOHR (Paul Siebeck) in Freiburg i/B. 
und Tübingen. 

Zn beziehen durch j ede Buchhandlung. 

Margaretha Ebner und Heinrich von 

Nördlmgen. F'in Beitrag zur Geschichte der deutschen 
Mvstik von PHILIPP STRAUCH. 8. (CVI u. 414 Seiten.) 
br. 12 M. 

Die Offenbarungen der Margaretha Ebner (f 1851) zu 
Maria Medingen erscheinen hier zum ersten Male nach der 
Medinger Handschrift des Jahres 1858 gedruckt. Ihnen folgt 
die Correspondenz Heinrichs von Nördlingen und einiger 
anderer Mystiker mit Margaretha. Die Einleitung berichtet 
über die Handschriften, ihr gegenseitiges Verhältnis, über 
die Sprache der Denkmäler und bringt eine Darstellung der 
Lebensverhältnisse der Ebnerin und Heinrichs von Nördliugen. 
Den Schluss bildet ein fortlaufender Commentar zu den 
Schriften in Gestalt von Anmerkungen. 


Im Verlage von Levy & Müller in Stuttgart er¬ 
schienen und duroh jede solide Buchhandlung su beziehen: 

^nbwig ^flfotnon’s 

©ßfdudife der ifeufffa ilnfionaffiteratat 

lies neunirljntfn 3al)rl)unbtrts. 

Ein starker Band in gross Oktav mit 24 ganzseitigen 
Dichter-Porträts auf Kupferdruckpapier, vielen Initialen und 
Zierleisten. 

Hocheleg. geb. 12.—. Broschirt 10.—. 

Auch in Lieferungen & <M 1.—. 

„Ludwig Salomon hat nicht nur die neueste, sondern auch 
die vollständigste und beste Literaturgeschichte unseres Jahr¬ 
hunderts geschaffen “. (Berl. Volkszeitung.) 

Glänzende ßeurtheilungen des Werkes haben in jüngster 
Zeit noch ferner veröffentlicht: Nord und Süd, Deutsche 
Rundschau, Herbsts Literaturblatt, Magazin f. d. Literatur des 
In- und Auslandes, Ecksteins Dichterhalle, Zeitung f. d höhere 
Unterrichtswesen Deutschlands, Gartenlaube, Ueber Land und 
Meer, Kölnische Zeitung, Wiener Allgem. Zeitung, Berliner 
Montagszeitung, Monatsblätter des Wiener Wissenschaftlichen 
Club und viele andere Zeitschriften und Journale. 


Zimmerische Chronik, horausgegeben von EARL 
AUGUST BARACK. Zweite verbesserte Auflage — voll¬ 
ständig in 4 Bänden gr. 8 Ostern 1882. 
Subscriptionspreis pro Bd. von ca. 40 Bogen geh.: 15 M. 
„ „ „ „ in Renaissance-Ldrbd.: 20 M. 

Erschienen sind Band 1—3. 

Vom frischen Hauche volksmässiger Ueberlieferung be¬ 
rührt, wie Uhl and sich ausdrückt, hat diese Chronik den 
besonderen Vorzug, dass sie nicht nur für den Historiker 
im engeren Sinne des Wortes von Wichtigkeit ist, sondern 
auch für mannigfache andere Beziehungen zur reichsten 
Schatzkam mer wird; die Culturgesch ichte in ihren 
mannigfachen Verzweigungen, so namentlich Rechtsge- 
s oh ichte und Rechtsgebräuche, Sittengeschichte, 
häusliches und öffentliches Leben, Sageund Volksmytho¬ 
logie sowie Sprache und hier wieder in besonderer Fülle 
das Sprichwort, finden hier einen ungewöhnlich ergiebigen 
Schacht. 

Nach Erscheinen des letzten Bandes wird der Preis 
erhöht. 


% Hnnnann, 

Klaffifdfye Dicfytertperfe 


aus alten Literaturen 


htitifdj burdjmnftrrt, inljaltlid) rntroiibflt linb auf tfrutib 
ber Dorjiiglidjftfn (Commrntare crläutrrt. 

ft» Jftcr Van* entwiAftt «nt erfnatfrt fiele» tfaffif^e |Hd)terwer&c 
aut »erftftelenett Literaturen, liflet ei» uatMammen fettfilntiftcn. in 
fi4 algcMfaffene» ganje» »ul ifi in efeaanter £n»fiattnag Irofaivt 
and) eintefn |n palen. 


Preis jedes einzelnen Bandes broschirt <M> 2.—. Die Bände 
I und II zusammen hocheleg. geb. M 5.40. 


Band I behandelt: 

Sophokles. Antigone. 

Dante. Göttliche Komödie. 
Camoens. Die Lnsiaden. 
Calderon. Das Leben ein 
Traom. 

Milton. Das verlorene Para¬ 
dies. 

Moliere. Tartüffe. 

Gutzkow. Urtel Akosta. 


Band II behandelt: 

I Plantns. Der Goldtopf. 

; Ariost. Der rasende Roland. 
Byron. Catn. 

Tennyson. Enoch Arden. 
Victor Hogo. Hernani. 
Freytag. Die Journalisten. 
Halm. Der Fechter von Ra¬ 
venna. 


In den nächsten Tagen erscheint: 

FAUST, 

EIN FRAGMENT 

VON 

GOETHE. 

(Deutsche Litteraturdenkmale des 18. Jahrhunderts in Neu¬ 
drucken herausgegeben von Bernhard Seuffert Nr. 5 .) 

Preis 80 Pf. * 

Die Vorbemerkung des Herausgebers führt aus, dass 
1790 zwei verschiedene Auflagen des Faustfragmentes er¬ 
schienen sind, 

deren erste $ deren zweite 

dem oben angezeigten Neu- ? soeben bei J. C. B. Mohr 
drucke zu Grunde gelegt, \ erneuert worden ist. 

Um das Nachschlagen zu erleichtern, ist dem Neudrucke 
ausser der üblichen durchlaufenden Zählung des Fragments 
die Sohröer’sche und die v. Loeper’sche Verszählung bei¬ 
gefügt. 

Heilbronn, 10. Februar 1882. 


Der Vcrf. hat es sich zur Aufgabe gestellt, die drama¬ 
tischen und epischen Meisterwerke der Weltliteratur in 
ihrem Ideengehalte vorzuführen. Er erzählt den Inhalt, be¬ 
spricht den Dichter und das Gedicht für sich und in seinem 
Zusammenhang mit der gleichzeitigen Literatur und knüpft 
daran die allgemeine ästhetische Beleuohtung. An passende 
Orte finden sich die wichtigsten und interessantesten Textes¬ 
stellen eingereiht, bei fremden Dichterwerken in der besten 
deutschen Uebertragung, die zur Zeit vorhanden ist. 


öectftg ooii MJitfi . I Betffiec in iMoifc. 

Englische Synonymik 

von 

Dr. K. Kloepper. 

Ausg. A. Für Lehrer und Studierende. 1881. ca. 900 
Gruppen. 30 Bogen gr. 8°. Preis 9.— 

Ausg. B. Für Schüler. 2. Auflage. 1881. ca. 450 Gruppen. 
Preis «46 1.60. 

Ausg. B. an mehr als 20 Schulen in Gebrauoh. 


flV Hierzu eine Beilage der Akad. Verlagsbuchhandlung 
von J. C. B. Mohr in Freiburg i. B. (Philolog. Anzeiger 
1881 Nr. 4). 


Verantwortlicher Redacteur Prof. Dr. Fritz Neumann in Heidelberg. — Druck von G. Otto in Darmstadt. 


Digitized by 


Google 


Literaturblatt 

für 


germanische romanische Philologie. 

Unter Mitwirkung von Professor Dr. Earl Bartsch herausgegeben von 

Dr. Otto Behaghel und Dr. Fritz Reumann 

&o. Professor der grermanischen Philologie ao. Professor der roman. und engl. Philologie 
an der Universität Heidelberg. t 

Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

Erscheint monatlich. Preis halbjährlich M. 6. 

III. Jahrg. Nr. 3. März. 1882. 


Edda Bnorra Sturlusonar. Tomi III pars 
prior (FinnurJönsson). 

Lind, Om rim ooh verslemningar i de svenska 
landskapslagarne (Axel Kock). 

Hugo v. Mo nt fort, mit Abhandlungen xnr 
Oe sei der deutschen Literatur, Sprache und 
Metrik v. J. E. Wackernell (A. Dran dl). 

Bethge, Wirnt von Qravenberg (Sprenger). 

Puls, über die Lautlehre der Lieder Muscatbl&t’* 
(Behaghel). 

8euffert, Deutsche Litteraturdenkmale des 18. 
Jh.’s in Neudrucken 1—8 (Minor). 

Van de Schelde tot de Weichsel. Neder- 


duitsehe Dialeeten in Dicht en Ondicht nitge- 
kosen door J. A. Leopold en L. Leopold (W e- 
g e n e r). 

Bahrs, Uber den Gebrauch der Anrede-Prono¬ 
mina im Altenglischen (Foth). 

H a 11 b a u e r, George Farquhare’s life and works 
(Foth). 

Turpini Hietoria Karoli Magni et Ro- 
tholandi. Texte revu et complötd d’&präs sept 
mss. sur F. Castets (8tengel). 

Altburgundiscbe Uebersetsung der 
PredigtenGregors überEsechiel, aus 
der Berner 11s. Von Konrad Hofmann (Mus- 


safia). 

Wendeburg, über die Bearbeitung von Gott¬ 
fried von Monmouths Historia regum Britanniae 
in der He. Harl. 1806 (Suchier). 

Mandalari, Canti del Popolo Reggino (Gas- 
nary). 

Alton, Proverbif tradisioni ed anneddoti delle 
valli ladine orientali (Gärtner). 

Miklosich, Beiträge sur Lautlehre der rumu- 
niechen Dialecte. Vocalismus (A. v. Cihac). 

Bibliographie. 

Literarische Mittheilungen, Personal¬ 
nachrichten etc. 


Edda Snorra Sturlusonar* Edda Snorronis 
StnrlSBi. Tomi III pars prior. Accedunt tabul® 
lithographic® quinque. Hafni® 1880. VI + 498 
+ mij. 8°. Sumptibus legati Arnamagn®ani. Gyl- 
dendal Com. Kr. 4. 

Nach vieljährigem Warten dürfen wir endlich 
den ersten Theil des dritten Bandes der A. M. 
Snorra-Edda willkommen heissen, deren zwei erste 
Bände schon vor mehr als 30 Jahren erschienen 
sind, eine Verzögerung, die in der Vorrede durch 
die Grösse der Arbeit und die vielfachen ander¬ 
weitigen Beschäftigungen des Herausgebers ent¬ 
schuldigt wird. 

Vorliegender Theil enthält 1° ‘Commentarii in 
carmina difficiliora’ (S. 1—204), 2° ‘Skäldatal, sive 
recensus poetarum septentrionalium’ (S. 204—498) 
und als Anhang fünf lithographirte Tafeln, von 
denen vier Schriftproben der verschiedenen Codices 
geben, während die fünfte das im Cod. U. befind¬ 
liche drastische Bild der Gruppe Här-Jafnhdr-I>ridi 
dem vielfragenden Gangleri gegenüber darstellt 

Der Commentar, anfänglich von dem berühm¬ 
ten Verf. des Lexicon poeticum, Sveinbjörn Egils- 
son redigirt, welcher S. 1—163 bearbeitete, und 
nachher von dem gelehrten Jön Sigurdsson mit 
gelegentlichem Beistände *Gisli Brynjülfssons u. a. 
vollendet, bietet die Verse in prosaischer Wortfolge 
geordnet und von Erklärungen der schwierigsten 
Stellen und ‘kenningar’ begleitet mit steten Hin¬ 
weisungen auf die Sagas, wenn der Inhalt der 
Verse aus den historischen Berichten erklärbar ist 
und mit ihnen übereinstimmt, was dem Commentar 


seinen grössten Werth gibt, da die Erklärungen 
der Umschreibungen in der Regel auch im Lexicon 
poet. zu finden sind. Dass mehrere der hier wie 
im Wörterbuche des Verf.’s gegebenen Erklärungen 
dem jetzigen Stand der Wissenschaft nicht ent¬ 
sprechen, versteht sich von selbst: es sind beinahe 
30 Jahre seit dem Tode des Verf.’s verflossen, eine 
Zeit, in welcher die nordische Sprachwissenschaft 
auch in Beziehung auf die Skaldenpoesie ausser¬ 
ordentliche Fortschritte gemacht hat, sowohl durch 
die werthvollen Erklärungen einzelner Gedichte und 
die sprachlichen Untersuchungen vonGislason, Möbius 
u. a., als durch die neuested Entdeckungen auf dem 
Gebiete der Metrik, die uns einen unerwarteten 
Beistand zur kritischen Behandlung der Skalden¬ 
gedichte gewährt haben. Als ein instar omnium 
können wir auf Egilssons (jedoch als unsicher be- 
zeichnete) Auffassung des Verses Völu-Steins Sn.- 
E. I, 474 verweisen und dieselbe mit der Erklärung 
Gislasons in Vidensk. selsk. skrifter, 5 r®kke, hist.- 
philos. afdel. IV, S. 458 f. vergleichen. 

Kein künftiger Forscher der Sn.-Edda wird 
jedoch umhin können, bei Egilssons Commentar als 
einer Hauptquelle zum Verständnisse der poetischen 
Theile derselben Rath zu erholen. — Auch in dem 
von Sigurdsson verfassten Abschnitt des Commen- 
tares (S. 163—204) wird Lex. poet. nur an ganz 
einzelnen Stellen verlassen, z. B. in der Erklärung 
der achten Zeile aus Hallfreds Vers (S. 174—5). 

Den zweiten Abschnitt, das Skaldenverzeichniss, 
verdanken wir ausschliesslich Jön Sigurdsson. Zu¬ 
erst werden gründliche Erörterungen gegeben über 
die altisländische Literatur im allgemeinen, sowohl 

7 


Digitized by 


Google 







91 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 3. 


92 


die prosaische (besonders Ari und Snorri) als die 
poetische und über das Skäldatal, die Zeit seiner 
Abfassung, frühere Ausgaben u. s. w. im besondern 
(S. 205—251). Danach folgt das Skäldatal: 1. in 
diplomatisch genauem Abdrucke der beiden Hss.: 
A. M. 761 und Cod. U. 2. mit hergestelltem Text 
(S. 251—286). — Das Buch schliesst mit einigen 
bis jetzt leider nur halb vollendeten ‘annotationes 
ad recensum poetarum’, einer kritischen Sammlung 
von allem, was von den Lebensverhältnissen und 
der poetischen Thätigkeit der Skalden überliefert 
ist, mithin ein sehr bedeutsamer Beitrag zur norrönen 
Literaturgeschichte, mit der bekannten Gründlichkeit 
des Verf.’s ausgearbeitet, der sich keine Mühe er¬ 
spart hat, um die hie und da in der alten Literatur 
zerstreuten Bemerkungen zu einem gediegenen und 
zuverlässigen Ganzen zu verarbeiten. 

Hauptsächlich diese, auf keinem Punkte ver¬ 
altete Partie des Bändchens ist den Fachgenossen 
dringend zum Studium anzuempfehlen, als der einzige 
bis jetzt erschienene ausführliche Beitrag zur skal- 
dischen Literaturgeschichte und als ein letztes 
glänzendes Zeugniss der Gelehrsamkeit und des 
Scharfsinnes des hochverdienten verstorbenen Ver¬ 
fassers. 

Kopenhagen, 27. Nov. 1881. 

Finnur Jönsson. 


Lind, Erik Henrik, Om rim och verslemningar 
i de svenska landskapslagarne. 91 S. 8... (In 
Upsala universitets ärsskrift 1881.) 1 Kr. 75 Öre. 

Schlyter, Rydqvist und andere haben gezeigt, 
dass in den altschwedischen Provinzgesetzen sowohl 
einzelne Reime häufig begegnen, als auch ganze 
Verse aufbewahrt sind. Bis jetzt fehlte es aber an 
einer die Frage ausführlich besprechenden Mono¬ 
graphie. Der Verf. der oben genannten Schrift hat 
nun eine solche geliefert, und obgleich sie keine 
erschöpfende Sammlung von allen hierher gehören¬ 
den Stellen geben will, kann sie jedenfalls als eine 
reichhaltige und fleissige bezeichnet werden. — Ihre 
erste Abtheilung enthält eine Zusammenstellung der 
Reime, und zwar 1. der Alliterationen („Anreime") 
a. der vocalischen, b. der consonantischen; 2. der 
„Inreime“ (d. h. der im Innern der Wörter be¬ 
gegnenden hendingar: a. adal- b. skot-hendingar); 
3. der Endreime. In der Regel reimen in den alt¬ 
schwedischen Gesetzen, ebenso wie in der altnord. 
Poesie sk nur mit $&, st nur mit st; von Reimen 
mit sp hat aber der Verf. nur zwei Beispiele ge¬ 
troffen. Interessant ist die von ihm dargelegte Ein¬ 
wirkung der Wörter foepeme und mopeme auf ein¬ 
ander: neben foepeme kommt auch föpeme , neben 
möperne auch moeperne vor. Der Schluss (S. 26), 
dass die „todten* A-Reime (z. B. hcd ok [hjnakkce) 
in den Provinzgesetzen nicht später als um das 
Jahr 1000 gebildet sein können, beruht auf einem 
Versehen. 

In der zweiten Abtheilung werden die Vers- 
reste besprochen, die besonders in allgemeinen Ge¬ 
sotzformeln, Eidesformeln ( munhaf ) und sprichwört¬ 
lichen Redensarten begegnen. Der Verf. versucht 
sie nach den von Sievers Beitr. VI für die Edda¬ 


poesie aufgestellten metrischen Regeln zu corrigiren; 
nach der Meinung des Referenten aber ergibt sich 
aus der Darstellung nicht, dass diese für die in 
den altschw. Gesetzen auf bewahrten (allerdings sehr 
1 entstellten) Verse gegolten haben. —. Gelegentlich 
werden einige Erklärungen dunkler altschw. Wörter 
gegeben, unter denen besonders die von spik ok 
spicer (= Balsam und Binde) als glücklich hervor¬ 
zuheben ist. 

Lund, 17. Dec. 1881. Axel Kock. 


Hugo von Montfort mit Abhandlungen zur Ge¬ 
schichte der deutschen Literatur, Sprache und 
Metrik im XIV. und XV. Jahrhundert heraus¬ 
gegeben von J. E. VV a c k e r n e 11. Aeltere 

Tirolische Dichter III. Bd. Innsbruck, Wagner. 
1881. 12, CCLX, 282 S. 

Das Buch enthält mehr kritisches als heraus¬ 
gegebenes, mehr über als von H. v. M. Der Verf. 
hat sich die Aufgabe gesetzt, das Leben, die Sprache, 
die Metrik, die ganze Denk- und Schreibweise seines 
Dichters möglichst erschöpfend darzustellen und stets 
durch Vergleichung mit den bedeutendsten Denk¬ 
mälern dieser Periode in das richtige Licht zu 
stellen. Das Material, welches er dabei, namentlich 
im metrischen Theile, gesammelt und verarbeitet 
hat, ist enorm, und jeder, der sich künftighin mit 
dem 14. und 15. Jh. eingehender beschäftigen will, 
wird WVs gründliche und sachverständige Arbeit 
mit Nutzen zur Hand nehmen. Ich will mich im 
folgenden darauf beschränken, die wichtigsten der 
gewonnenen Resultate anzudeuten und daneben das 
hervorzuheben, was ich nach längerer Beschäftigung 
mit dem Montforter, wie man sie einem heimath- 
lichen Dichter mit Vorliebe zuwendet, am Buche 
anders wünschen würde. 

Das I. Capitel „Hugos Leben" (S. 1—78) ist 
besonders dadurch reich aq neuen Aufschlüssen ge¬ 
worden, dass W. die 38 vor ihm benützten Urkunden 
Hugos mit 127 vermehren konnte. Dieselben ent¬ 
halten wichtige Daten über Hugos politische Thätig¬ 
keit, z. B. dass er 1395—97 Obersthofmeister des 
österreichischen Herzogs Leopold, 1413—15 Landes¬ 
hauptmann in Steiermark war. Bemerkenswerth ist 
ferner, dass W. auch solche historische Ereignisse, 
welche wegen ihrer Bedeutung schon der allgemeinen 
Weltgeschichte angehören, selbständig nach Urkunden 
bearbeitet hat, so die Kriegszüge nach Treviso 1381 
und 1382, welche 'Hugo commandirte, den Appen¬ 
zellerkrieg 1405—8 u. a. Dagegen dürfte die An¬ 
deutung S. 1: „die Grafen von Bregenz (später 
Montfort) waren das herrschende Geschlecht 
dieser Gegend“ (Vorarlbergs) für den Leser, welcher 
die Geschichte der Montforter nicht so gegenwärtig 
hat wie der Verf., wohl etwas zu knapp sein. Die 
Thatsache ist, genauer ausgedrückt, die: noch der 
letzte Spross der alten Linie, Elisabeth, welche mit 
dem Grafen von Tübingen vermählt war, nannte 
sich „von Bregenz“. Ihr -Sohn Hugo erst schrieb 
sich seit 1182 Graf „von Montfort" (vgl. Zösmair, 
Pol. Gesch. Vorarlbergs S. 4 f.); woher er den 
Namen genommen, ist nicht sicher, wahrscheinlich 
von der Burg Altmontfort; was Vanotti (Gesch. d. 


Digitized by 


Google 



93 


1882. Literaturblatt für germanische und romanisohe Philologie. Nr. 3. 


94 


Grafen von Montf. u. Werdenberg 8. 26 ff.) darüber 
vorbringt, gehört zweifellos in das Fabelreich. 

Das II. Capitel „Hugos Persönlichkeit, Stil und 
Charakter“ (S. 79—111) gibt ein klares Bild von 
Hugos Naturell, Bildung, logischen und dichterischen 
Fähigkeiten, Naturgefühl, Farbensymbolik, Sprach- 
beherrschung und Sprachkünsteleien, endlich von 
seiner Stellung zu den religiösen Fragen jener 
gährungsvollen Zeit vor dem Basler Concil. Beson¬ 
ders interessant ist, was S. 90 ff. über die Bedeutung 
der einzelnen Farben und dann was als Ergänzung 
zu W. Grimm in Humboldts Kosmos II, 22 über 
das Auftauchen des modernen Naturgefühls vorge¬ 
bracht wird: im 14. und 15. Jh. „entwickeln sich 
nämlich die deutlichen Anfänge von Naturschilde¬ 
rung, welche unabhängig von anderweitigen, in sie 
hineingetragenen Gefühlen den Eindruck der Land¬ 
schaft selbst auf das Gemüth beabsichtigt und nur 
äusserlich noch die Form der Einkleidung eines 
Gedichtes annimmt“. So in der deutschen Literatur. 
Ziemlich gleichzeitig treten sie ja auch in der eng¬ 
lischen Nationalliteratur hervor, indem z. B. der 
Dichter des Alisaunder (circa 1300, ed. Weber) 
gelegentlich ein neues Capitel mit dem Ausrufe an- 
ljebt: „Lustig ist es auf dem Felde im Herbste, 
wenn das Korn reift“, oder „In der Maienzeit wird es 
warm im Zimmer, und liebliche Blumen sprossen 
auf der Wiese“, ohne dass der Inhalt des Capitels 
selbst den geringsten Bezug darauf hätte. Viel 
früher aber sind sie bekanntlich bei den christlich- 
lateinischen Dichtern nachzuweisen; ich erinnere 
nur an die Beschreibung des Paradieses, welche 
dem Lactantius zugeschrieben und wahrscheinlich 
von Cynewulf in das Altenglische übertragen wurde. 
— Zu S. 98: Hugo bezeichnet seine Geliebte Anna 
von Stadecke mit den Anfangs- und Endbuchstaben 
ihres Namens (mins hertzen A, min liebes E, vgl. 
Anna. z. St.); hier scheint es mir der Mühe werth, 
die Frage aufzuwerfen, ob diese Art von Buchstaben¬ 
symbolik nicht von dem bekannten a und w der 
Bibel ausgegangen ist? 

Im III. Capitel „Ueberlieferung“ ist es dem 
Hrsg, gelungen, durch eine scharfe Untersuchung 
der paläographischen und orthographischen Eigen¬ 
tümlichkeiten der Hss. vier deutlich von einander 
verschiedene Schreiber nachzuweisen und dadurch 
für* die Textesrecension teilweise fast dieselben 
Vorteile zu gewinnen, welche vier verschiedene 
Hss. geboten hätten. Ausserdem werden zwei Cor- 
rectoren fixirt, die Initialen behandelt, die Chrono¬ 
logie der Gedichte bestimmt und die strittige Frage 
(Weinhold, Bartsch, Kummer), ob die Hs. Original 
sei, mit entscheidenden Gründen verneint. Ich zähle 
das Capitel zu den besten. 

Die sprachliche Abhandlung (Cap. IV, S. 145 
—189) untersucht die ganze Laut- und Formenlehre 
Hugos unter stetem Vergleiche alemannischer Dichter 
und Urkunden des 14. und 15. Jh.’s. Mancherlei 
Ergänzungen und Berichtigungen der mhd. Dialect- 
grammatik haben sich dabei ergeben, z. B. dass im 
Süddeutschen auch n mit r wechselt, und dass altes 
i der Flexionssilben noch im 15. Jh. bei Dichtern 
und bis auf die neueste Zeit im Dialecte fortlebt. 
Als umfassendstes Resultat der ganzen Untersuchung 
aber scheint mir das zu ziehen, dass bei Hugo die 


sog. dialektischen „Färbungen“ der Vokale auf ein 
Minimum (S. 151) zusammenschwinden, indem fast 
alle Vokalvariationen gegenüber dem mhd. entweder 
den ahd. Vokalbestand bewahrt zeigen, oder durch 
ein allgemeineres Lautgesetz wie Assimilation und 
Schwächung unaccentuirter Vokale zu erklären sind; 
ein Resultat, das noch deutlicher in die Augen 
springen würde, wenn bei solchen Monographien 
immer zuerst die betonten, dann die unbetonten 
Vokale, beide in eigenem Zusammenhang, vorgeführt 
würden. Dies Ergebniss ist auch von Bedeutung 
für die Rückschlüsse auf die Sprache verwandter 
Dichter. Begegnet z. B. im Spiegel 162, 6 das Ad- 
jectiv armi , in Lassb. LS. 27, 91 lieplichi , lebendi 
als Nom. Fern., so sind diese i nicht „als Vertreter 
von geschwächtem e u aufzufassen, wie noch die 
Alem. Gr. S. 470 vermuthet, sondern als die Ver¬ 
treter des alten nt, wie W. bei Hugo S. 189 nach¬ 
gewiesen hat. Begegnen dieselben Adjectivformen bei 
einigen Dichtern auch als Acc., so wird es wieder 
vorzuziehen sein, von falscher Analogie nach dem 
Nom. zu sprechen, als von einer unbestimmten 
„Färbung“ des e zu i . 

Noch einige Nachträge zu Einzelheiten. S. 151: 
Schwanken zwischen a und e. Vollständigkeit der 
Beispiele war hier weder angestrebt noch nöthig; * 
dennoch vermisse ich neben machte -.betrachte 32, 33 
ungerne den charakteristischen Beleg almechte: ge¬ 
treckte 32, 45, weil er durch den Reim gesichert 
ist. — S. 167 ist neben mindern (= minnern) noch 
Inder 15, 108 anzufuhren. — S. 185: Die Beispiele 
von flexionslosem Genitiv kann ich mit einem evi¬ 
denten Belege aus dem Netz V. 11867 vermehren: 
ach irs laides und ungetnach (-.sprach). — S. 158: 
Scherer hat GddS 2 140 ff. betont, dass es nicht 
zulässig ist, alle weicheren Tenues und härteren 
Mediae schlechthin auf gleiche Linie zu stellen, da 
ein Dichter wohl p — b und t = d, aber nicht k 
— g haben kann. Diese Beobachtung bestätigt 
sich beim Montforter auffallend: er hat mehrere 
p — 6, auch einige t = cL> aber gar kein k = g, 
wie sich aus W.’s Zusammenstellung S. 159 und 
161 ergibt. — S. 169 bei kh, kch sollte noch her¬ 
vorgehoben werden, dass sie niemals im Anlaute 
erscheinen. 

In Capitel V (S. 190—252), worin W. die 
Metrik Hugos oder eigentlich von Hugos Zeit ent¬ 
wickelt, verdienen die Resultate der Untersuchungen 
über Verschiebung und nhd. Längung S. 198 ff., 
über die zweisilbigen Senkungen S. 219 ff. 1 , über 
Betonung und Silbenzählung S. 235 ff. und über 
die Weiterentwicklung der Titurelstrophe besondere 
Beachtung. Nur würde ich S. 242 unter den Bei¬ 
spielen für Apokope vor der letzten Hebung nicht 
auch ein magt und ain schand aufgezählt haben, 
denn ein muss nicht apokopirt, sondern kann auch 
unflektirt sein. Ferner finden sich unter den Belegen 
für zweisilbige Auftakte bei Hugos Zeitgenossen 


1 Merkwürdiger Weise scheint Wackerneil die Aus¬ 
einandersetzungen Pilgrims über den Vers des 16. Jh.’s nicht 
gekannt zu haben (Zs. f. deutsche Philol. Bd. XI), die sich 
mit seinen Ansichten so nahe berühren und ihn vor irrthüm- 
lichen Aeusserungen auf S. CCXXXIII bewahrt haben 
würden. O. B. 


Digitized by 


Google 



95 


1882. Literaturblatt für germanische und romanisohe Philologie. Nr. 3. 


96 


S. 207 ff. einige, welche leicht emendirbar, daher 
entbehrlich sind. 

Im VI. Capital „Poetik“ (S. 253—60) werden 
Hugos Dichtungsgattungen, die Lieder, Briefe und 
Reden, discutirt; in den letzteren findet W. die mhd. 
Sprüche wieder, welche „dem Charakter dieser 
spätem Dichtung gemäss ihre Gestalt verändert 
und sich in Reden verebbet haben“. 

Der 2. Theil des Buches bringt zunächst den 
kritischen Text (S. 1—172). Es ist zwar nicht mehr 
der erste Abdruck; den hat bereits Bartsch vor 
Jahresfrist im Stuttg. Lit. Ver. Nr. 143 geliefert; 
aber ich glaube nicht, dass W. deshalb seinen 
Wiederabdruck so ernsthaft zu vertheidigen brauchte, 
als er es S. 129 thut. Denn abgesehen davon, dass 
Bartschs Publikation eigentlich nicht in den Buch¬ 
handel kommt, hat ja jeder Forscher das Recht, 
einen Text, an welchem er vieles ändert, neu zu 
drucken. Und W. hat sich in der That durch 
den Nachweis der vier Schreiber einen neuen 
kritischen Boden erobert, daher der Handschrift 
gegenüber in vielen Punkten conservativer ver¬ 
halten als Bartsch; er hat die handschriftlichen ö 
= e (zwölf, Schöpfer ), die alemannischen au — ä 
(raut), die Consonantenverbindungen tz — z, seht, 
schm, sehn, schw, Ich, kch, die nhd. Consonanten- 
geminirungen (Gott, scheff, nimm, waffen) u. dgl. m. 
beibehalten, wo Bartsch Uniformirung nach dem 
mhd. Schriftgebrauche eintreten liess. Die Gründe 
für dies Verfahren hat W. im Capitel „Sprache“ 
dargelegt; sie sind triftig genug. Da und dort 
war W. vielleicht allzu conservativ; so hätte ich es 
wohl gewagt, die harte Betonung dü red 5, 18 
durch die leichte Correctur rede, und der herr 28, 
197 durch herre zu beseitigen; ebenso dürfte merkent 
min 26, 65 in merkt min zu bessern sein, wie W. 
selbst in der Anm. zu 26, 53 ir slßht für das hand¬ 
schriftliche slahent vorschlägt. Die Consonanten- 
gemination nach langem Vokal in stätt 12, 12 gehört 
sicher nur dem Schreiber A an, da sie anderwärts 
nicht begegnet; und nicht minder gewiss ist spott 
(: got) 28, 592 in spot zu verwandeln nach dem 
richtigen Grundsatz, der in der Anm. 5, 118 auf¬ 
gestellt ist. 5, 239 ist kein Grund vorhanden künia 
auf der Hebung durch küng zu ersetzen. Endlich 
ist untrüw 7, 31 gross zu schreiben, da es Personi- 
fication ist wie Untrüw 7, 10 und Trüw 9, 28; 
wahrscheinlich liegt aber hier nur ein vergessenes 
Druckversehen vor, da die Stelle im Namenregister 
S. 279 richtig citirt wird. 

In einigen auffallenden Varianten vermuthe ich 
ebenfalls Druckfehler; so in manheit 15, 98, welches 
in Text und Varianten gleichlautet, daher in den 
letzteren wohl als manhait zu lesen ist; ferner in 
tewsch 15, 158, wofür nach dem Texte (tütsch) und 
nach Bartsch wohl tewtsch stehen soll. 24, 23 ist 
der Versindex 24 zu streichen. Wie verhält es sich 
mit tuon 25, 155 und sagst 28, 415? Sind sie nur 
überflüssiger Weise aus dem Texte wiederholt? 
Auch kefftehleich 27, 159 scheint mir ein Druckfehler 
für krejftekleich . 

Die Anmerkungen (S. 172—272) zeugen von 
grosser Belesenheit: seltene Wörter und Formen 
werden belegt, charakteristische Parallelstellen ge¬ 
sammelt, um nachzuweisen, wie Hugo andere Dichter 


benützte und dann wieder von anderen, namentlich 
von Sachsenheim, Oswald von Wolkenstein und 
dem Verf. des Netz, benützt wurde; kleinere gram¬ 
matikalische und literarhistorische Excurse laufen 
mit unter, so 3, 16 über die Schreibung ai und ei 
in alemannischen Urkunden und Denkmälern des 
14. und 15. Jh.’s, 2, 81 über büwen und büwen, 15, 
64 über progressive Assimilation u. dgl. Natürlich 
hat W. diese Gelegenheit auch benützt, um seine 
Textesrecension zu begründen und sich mit seinen 
Vorarbeitern auseinanderzusetzen. Es ist wohl- 
thuend constatiren zu können, dass dies stets mit 
einer Objectivität und Ruhe geschieht, wie sie Aus¬ 
länder in den Schriften deutscher Gelehrten nicht 
immer finden zu können behaupten. 

Einige Nachträge werden auch hier am Platze 
sein. Anm. I 24 muss Hätzl. II, 2, 361 gelesen 
werden statt H, 12, 361. — Zu 1, 41 kann das vom 
lautphysiologischen Standpunkte interessante Factum 
angeführt werden, dass Hugo, wenn das folgende 
Wort mit w beginnt, sein übliches frow aufgibt und 
fro schreibt, z. B. fro Welt 29, 1, 81, 178. — 4, 25: 
Zu der Form timpte = tincte , tinte verweise ich auf 
Haupt, Zs. IX 370, welcher das dialectische pempsel 
— penctUus als ein Beispiel derselben Lautver : 
wechslung anzieht. — Bim 10, 23 ist auch im Netz 
9802 zu belegen. — 18, 250 möchte *ich lieber mit 
Bartsch und der Hs. lyden beibehalten, als mit W. 
liegen conjiciren, denn für liegen bietet weder das 
vorausgehende noch das folgende einen Anhalts¬ 
punkt, wohl aber die nächste Strophe für lyden . — 
25, 103 Anm. lies hinlessig . 

Selbstverständlich thun derartige kleine Ver¬ 
sehen und Lücken dem bedeutenden Werthe, den 
Wackerneils gewissenhafte Leistung für die literatur- 
und sprachgeschichtliche Aufhellung der Uebergangs- 
periode vom mhd. zum nhd. besitzt, keinen erheb¬ 
lichen Eintrag. Turpeb est difficiles habere nugas! 
Der Stil ist, trotz der Dickleibigkeit des Buches 
und einiger Anläufe zu hochfliegendem Pathos, 
durchaus knapp und sachgemäss. 

Wien, [24. Nov. 1881]. A. BrandL 


Bethge, Richard, Wirnt von Gravenberg. 

Eine literarhistorische Untersuchung. Berlin, 

Weidmann. 1881. 79 S. 8. M. 2. 

Mit dieser Schrift darf die Frage nach den 
Quellen Wirnts im allgemeinen als abgeschlossen 
gelten. Wirnts Angabe, dass er in seiner Darstellung 
der mündlichen Erzählung eines Knappen folge, 
haben wir Glauben zu schenken. Dessen Erzählung 
kann aber nur der Bel inconnu des Renauld 
de Beaujeu (ed. Hippeau, Paris 1860) zu Grunde 
gelegen haben. Die Lücken, die durch die Art 
der Ueberlieferung nothwendiger Weise entstehen 
mussten, füllte der Dichter durch Entlehnung von 
Episoden und Motiven aus den Werken seiner 
Vorgänger: Veldekes, Hartmanns und Wolframs, 
in zweiter Linie auch U. v. Zazikhovens. Dies in 
kurzem das Resultat der Schrift. Im einzelnen wird 
noch manches hinzuzufügen sein. Dafür, dass die 
Episode mit dem Fischerpaar Hartmanns Gregorius 
nachgeahmt sei, spricht auch eine bisher unbemerkte 


Digitized by 


Google 




97 


1882. Literaturblatt für germanische and romanische Philologie. Nr. 3. 


98 


Entlehnung aus demselben in dieser Partie: Wig. 
142, 11 f. = Greg. 2050 ff. (1335 f.). Ferner ist 
Wig. 271, 6—18 deutlich nachgeahmt Parz. 30, 24 
—31, 3: die Verse 271, 12 f. in einen swarzen 
san&t gemiten lanc unde wit entsprechen fast wört¬ 
lich Parz. 31, 9 f. in einen blanken samit gemiten 
von swarzer varwe. Die Angabe, dass erst von 
161, 21 an der Einfluss der Wolframschen Dichtung 
auf Wirnt sich geltend mache, ist ungenau. Der¬ 
selbe zeigt sich schon 128, 24, 129, 9, ganz sicher 
aber 144, 34 er was ein kröne und ein dach rehter 
riterschefte. 

Northeim, 30. Dec. 1881. R. Sprenger. 


Puls, Alfred, Untersuchnng Aber die Laut¬ 
lehre der Lieder Mnscatsblüt’s. (Kieler Diss.) 

Kiel, Lipsius & Fischer i. Comm. 53 S. 8. M. 1,60. 

Es ist sehr erfreulich, dass endlich auch die 
Sprache des 15. Jh.’s zu ihrem Rechte zu kommen 
beginnt. Leider ist die Ausführung ziemlich mangel¬ 
haft. Des Verf.’s Grundirrthum ist, zu glauben, 
dass M. ebenso genau, ja noch genauer reime wie 
die mhd. Dichter. Aus h&tiblat wird bldt er¬ 
schlossen S. 3, aus got: ndt ein gdt S. 21; aus rein : 
sin, stein :scMn gefolgert, dass zwischen altem und 
neuem ei kein Unterschied mehr bestand' S. 28, 
obwohl S. 6 für ai Monophthongirung behauptet 
wird und obwohl in der Gegend, die M.’s Heimat 
sein soll, beide Laute heute noch deutlich geschieden 
werden. Aus brunnen: entsprungen wird entsprunnen 
geschlossen und weiterhin dan, kran für dank, krank 
angenommen S. 37, womit ebenfalls die heutige 
Mundart im Widerspruch steht. — Der Reim blä: 
dä soll beweisen, dass -äw zu ä wird S. 6, hende: 
eilende , dass der Umlaut zuweilen eintritt für den 
nicht umgelauteten im gemeinmhd. S. 13; sdtzen 
soll für seltsam stehen S. 14 und 48. g im Auslaut 
soll zu ch werden, obwohl keine Reime auf ch aus 
k oder h vorliegen S. 36; „ h im Inlaut behält seinen 
alten spirantischen Lautwerth: breche: sege (sähe)“ 
S. 38. Demnach bedarf alles, was über die Material¬ 
sammlung hinausgeht, einer gründlichen Revision 
und die Heimatsbestimmung steht auf schwachen 
Füssen. 

Heidelberg, 14. Oct. 1881. Otto Behaghel. 


Deutsche Litteratnrdenkmale des. 18. Jahr¬ 
hunderts in Neudrucken herausgegeben von 
Bernhard Seuffert. 1. Otto, Trauerspiel 
von F. M. Klinger. 2. Voltaire am Abend seiner 
Apotheose von H. L. Wagner. 3. Fausts Leben 
von Maler Müller. Heilbronn, Gebr. Henninger. 
1881. 8°. M. 0,90; 0,40; 1,10. 

Dieses Unternehmen bildet gewissermassen ein 
Seitenstück und eine Fortsetzung der seit 1876 im 
Verlage von Niemeyer in Halle erscheinenden Neu¬ 
drucke deutscher Literaturwerke des XVI. und 
XVTL Jahrhunderts. Wir wünschen ihr denselben 
glücklichen Erfolg, den diese zu einer stattlichen 
Anzahl von Bändchen angewachsene Sammlung bei 
dem Publikum und der Kritik gefunden hat. Ueber 


die Nützlichkeit des Unternehmens gibt es keinen 
Zweifel: der Hrsg, wird dafür zu sorgen haben, dass 
wir dieselbe niemals aus den Augen verlieren. Bis¬ 
her hat uns seine Auswahl, offen gestanden, wenig 
Freude gemacht und noch weniger Belehrung ein¬ 
getragen. Lassen wir Klingers Otto als Eröffnungs¬ 
heft gelten, als welches sich „Faust. Ein Fragment“ 
wohl vortheilhafter präsentirt hätte. Wir haben in 
den letzten vier Jahren von R. M. Werner, Erich 
Schmidt, Otto Brahm, Max Rieger Inhaltsangaben 
und Besprechungen dieses Stückes erhalten, aber als 
Unparteiischer, der Klingers Otto in diesem Neu¬ 
drucke zum ersten Male gelesen hat, darf ich ver¬ 
sichern, dass mir der Inhalt desselben nirgends ver¬ 
ständlich geworden ist. Zugegeben also, dass man 
ein konfuses Stück, von dem so viele erzählen, 
ohne dass man es versteht, selber lesen muss: was 
soll in dem 2. Hefte „Voltaire am Abend seiner 
Apotheose“? Wir haben darüber eine ausgezeich¬ 
nete Besprechung von Erich Schmidt; und die Neu¬ 
drucke müssen meines Erachtens der literatur¬ 
geschichtlichen Forschung vorhergehen, nicht ihr 
nach folgen; sie müssen Forschung anregen, nicht 
die Forschung illustriren. Und nun gar im dritten 
Hefte: „Fausts Leben vom Maler Müller“; von 
demselben Maler Müller, über den wir von dem¬ 
selben Hrsg, ein nahezu 700 Seiten langes Buch 
eben zu Ende gelesen haben! Und die Monotonie, 
die in der ewigen Wiederkehr dieser Sturm- und 
Drangpropheten liegt, welche die ganze Literatur 
des vorigen Jh.’s repräsentiren sollen! Was ist 
Gesichtspunkt des Hrsg.’s? „werth vollere“ metrische 
und prosaische Dichtwerke mitzutheilen: dann ver¬ 
schone er uns mit Klingers Otto, den sein Verfasser 
selber seinen Lesern kein zweites Mal zur Lectüre 
vorzulegen gewagt hat. Oder ist es Werth für die 
Literaturgeschichte? Dann gibt es wichtigere Dinge 
als die drei vorliegenden Stücke zusammen. 

Der Hrsg, verspricht uns im Prospekt Dichtungen 
von Bodmer, Wieland, Gleim, Bürger, Maler Müller, 
Klinger, H. L. Wagner, J. H. Jakobi u. a. Warum 
fehlt hier Goethe, dessen „Winkelmann und sein 
Jahrhundert“ immer mit Fug und Recht in dieser 
Sammlung vollständig abgedruckt werden könnte? 
Warum ist Klopstock nicht genannt, über den es 
jetzt wieder in den Köpfen (ich meine unserer 
Klopsteckphilologen) zu gähren beginnt, und der, 
wenn diese Gährung zur Klarheit durchdringen 
soll, Neudrucke geradezu herausfordert? Das nächste 
Heft soll Gleims Kriegslieder enthalten; wird sich 
der Text von dem Körte’schen genugsam unter¬ 
scheiden, um einen Neudruck zu lohnen? Bei solcher 
Auswahl sehe ich den Mittheilungen, welche der 
Hrsg, aus Zeitschriften geben will, mit grösserem 
Interesse entgegen als den Dichtwerken. Hier hat 
der Hrsg, auch sogleich den rechten Griff gethan, 
indem er auf Scherers Empfehlung die Frankfurter 
gelehrten Anzeigen vom Jahre 1772 als Heft 6 und 7 
verspricht, wobei es hoffentlich an der nöthigen 
Zugabe aus dem Jahre 1773 nicht fehlen wird. In 
den Einleitungen, welche sachlich durchaus solid 
sind, macht sich in den vorliegenden Heften die 
bedenkliche Steigerung von 8 zu 26 Seiten geltend, 
wozu bei dem mittleren Hefte das Missverhältnis 
von 11 Seiten Einleitung zu 19 Seiten Text kommt. 


Digitized by 


Google 



99 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 3. 


100 


Auch hier wird die Erfahrung die Kürze vorziehen. 
So wenig ich mit dem, was der Verf. sich zur Arbeit 
ausgewählt hat, einverstanden bin, so wenig kann 
ich andrerseits der Sorgfalt und Genauigkeit, den 
kritischen Grundsätzen des Hrsg.’s und der ganzen 
Einrichtung des Druckes meinen Beifall versagen. 
Auch der Verleger hat alles gethan, um der Samm¬ 
lung die weiteste Verbreitung zu sichern. — Einen 
Wunsch zu haben, ist auch dem erlaubt, der keine 
Hoffnung hat, ihn erfüllt zu sehen: ich sehne mich 
nach Goud’s „Masuren“. 

Wien, 14. Januar 1882. J. Minor. 


Van de Schelde tot de Weichsel. Nederduitsche 
Dialecten in Dicht en Ondicht uitgekozen en op- 
geheldert door Joh. A. Leopold en L. Leo¬ 
pold. 1—10 Aflevering. Groningen bij J. B. 
Wolters. 1876—79. 

Die vorliegende Sammlung poetischer und pro¬ 
saischer Dialectproben aus dem Niederdeutschen ist 
der von Firmenich verwandt. Umfangreicher ist 
die niederländische Abtheilung ausgefallen als bei 
Firmenich, wie das bei der Nationalität der Heraus¬ 
geber natürlich ist. Auf deutschem Boden folgt 
dann Ostfriesland, Oldenburg, Bremen, Hannover, 
Celle, Braunschweig, Lüneburg, Ditmarschen. ‘ 

Die Proben sind ähnlich wie bei Firmenich ohne 
scharfe phonetische Bezeichnung der Laute ge- 
gcgeben, bieten also in dieser Beziehung keinen 
Vorzug vor den Völkerstimmen. Auch die Sprengel, 
aus denen Proben mitgetheilt werden, sind vermuth- 
lich nicht mit der gehörigen Sorgfalt geschieden. 
Zwqr entziehen sich die Verhältnisse der Nieder¬ 
lande in dieser Beziehung meiner Beurtheilung, aber 
die oben angegebenen Sprengel deutschen Gebietes 
sind viel zu weit gefasst, und es ist nirgends klar, 
welche Landestheile unter den angeführten Namen 
zu denken sind. Oldenburg, Bremen, Hannover, 
Celle, Braunschweig, Lüneburg sind Städte und als 
solche am wenigsten geeignet, den Volksdialect einer 
Landschaft zu repräsentiren, selbst wenn das schrift- 
gemässere Mittel- oder Hochdeutsch noch nicht 
Sprache der unteren Schichten derselben geworden 
ist. Allerdings mögen mit den Ueberschriften nicht 
die Stadtdialecte selbst gemeint sein, sondern die 
Bauernsprache der umliegenden Dörfer; doch in 
welchem Umfange ist aus der Sammlung nirgends 
zu erkennen. So mancher vfrird bei der Unklarheit, 
die auf dialectischem Gebiete herrscht, glauben, 
dem politischen Begriffe des Braunschweiger Länd- 
cbens entspreche ein einfacher geschlossener Dialect. 
Es wäre eine grosse Täuschung. Eine Wanderung 
von Oebisfelde ira Osten über den Elm bis etwa 
Gandersheim weist eine ganze Reihe von dialectischen 
Schattirungen auf. Oestlich vom Elm sind altgcrm. 
ü und f lange Vocale geblieben, am westlichen 
Fusse des Elms bis etwa Boerssum lauten sie oü, 
ei ( hoüs, mein ), mit dem Accent auf dem ü und 
das vorlautende o ist tief und dem u nahe stehend, 
das vorlautende e dem i. An der Innerste, z. B. im 
Hannoverschen Orte Baddekenstädt ist der Vertreter 
iü, ai [hiüs, rnaiti) ; der Diphthong iü hat den Accent 
auf dem ü. Dem ursprünglich Tangen ü folgt das 


durch Ton Verlängerung lang gewordene u vor r-Ver¬ 
bindungen z. B. gebiürt. Diese Aussprache findet 
sich ebenso auf dem linken Ufer der Innerste, in 
der Bodenburger Gegend und weiter südlich bis 
Gandersheim geht das spirantisch gewordene g vor 
l nach u verloren, und auch dieses u wird zum 
Diphthong iü (so kiüle = Kugel). Hinzu tritt hier 
eine neue Diphthongirung, in welcher Ausdehnung, 
ist mir unbekannt, altsächs. 6 = aitgerm. au wird 
eau mit' dem Accent auf dem au (z. B. eauk). Man 
sieht also einen allmählichen Uebergang in das 
überreiche Diphthongsystem von Westfalen. Dies 
als Beispiel. — Es war ein überaus dankenswerthes 
Unternehmen Firmenichs, aus möglichst vielen Ort¬ 
schaften Proben für sein grosses Werk zusammen¬ 
zubringen, und das wirklich geförderte Material ist 
trotz all der grossen Mängel für Vergleichung und 
Abgrenzung der Dialecte auch dem Forscher von 
grösstem Werthe. In dieser Beziehung ersetzen die 
Leopoldschen Sammlungen auch nicht annähernd 
die Völkerstimmen. Die Sammler hätten gut daran 
gethan, sich auf die Niederlande zu beschränken 
und von diesem ihnen erreichbaren Gebiete eine 
Sammlung zu veranstalten, welche auch die kleinsten 
Abweichungen der einzelnen Bezirke erkennen Hesse. 
Für Deutschland fehlt ihnen neben der nöthigen 
Anschauung und Autopsie auch die Kenntniss der 
einschlägigen Literatur. Es würde sonst nicht für 
Dithmarschen als einziger Vertreter Klaus Groth 
und noch weniger als Vertreter des Hannoverschen 
der gute Jobst Sackmann figuriren. Wollen die 
Sammler etwas Brauchbares zu Stande bringen, so 
müssen sie sich, wie Firmenich, mit sachkundigen 
Männern aus den einzelnen Sprengeln in Verbindung 
setzen, um von diesen mit Proben und Angaben 
über den Umfang und Charakter dieser Sprengel 
unterstützt zu werden. 

Die Proben selbst sind für eine wissenschaft¬ 
liche Verwerthung sehr wenig brauchbar. Es sind 
ganz überwiegend Stücke von sogenannten Volks¬ 
und Dialectdichtern oder Dialecterzählern. Der¬ 
gleichen Producte sind für sprachliche Zwecke nur 
mit äusserster Vorsicht zu benutzen. Der Einzelne 
kann den Nachweis eigentlich nur an Stücken führen, 
welche seine heimische Mundart repräsentiren sollen. 
Von meinem Heimathsdialecte (westlich Magdeburg) 
fehlen bisher noch Proben. Doch bei der Durch¬ 
sicht solcher Producte habe ich allgemein gefunden, 
wo mir eine Controle möglich war, dass dem Wort¬ 
schätze in vieler Beziehung Gewalt angethan wird, 
man findet Worte gebraucht, welche als blosse Um¬ 
setzung aus der Schriftsprache im Volksmunde un¬ 
erhört sind; bei neueren plattdeutschen Dichtern, 
die sämmtlich stark unter dem Einflüsse Reuters 
stehen, sind eine Menge von Wörtern, ja sogar 
Wertformen aus diesem aufgenommen. So halte 
ich auch Willem Schroeder für stark von Reuter 
beeinflusst. Geht doch die ganze vom „Plattdütschen 
Huusfründe“ vertretene und geleitete Bewegung 
darauf aus, mehr und mehr das Idiomatische der 
einzelnen Dialecte zu verwischen, um allmählich zu 
einer plattdeutschen Schriftsprache zu gelangen. 
Die Herausgeber sind daher dringend zu warnen, 
dergleichen literarische Producte als Dialectproben 
auf den Markt zu bringen. Auch hierin ist Firme- 


Digitized by 


Google 




101 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 3. 


102 


nichs Sammlung vorzuziehen, allerdings lag bei ihm 
die Versuchung weit ferner, denn erst die letzten 
Jahrzehnte haben die Dialectdichtung wie Pilze auf- 
schiessen lassen. Ich will auch Firmenich nicht das 
Wort reden, wenn er die Kinderlieder so vielfach 
als alleinige Probe eines Dialects gibt, denn diese 
enthalten manches, was gegen den Sprachgebrauch 
der betreffenden Landschaft verstösst, entweder 
Formen einer älteren Sprachperiode, die durch deh 
Reim gebunden sind oder nicht mehr verstanden 
werden, oder Eigenheiten eines fremden Dialects, 
die bei der Herübernahme des Liedes beibehalten 
sind. Doch Kinderlieder mit Angabe dieser Ab¬ 
weichungen sind recht brauchbare Proben. Am 
brauchbarsten jedoch werden Erzählungen des 
Volkes selbst sein, womöglich in wortgetreuer photo¬ 
graphischer Aufnahme. Denn es handelt sich für 
den Sprachforscher nicht bloss um die lautliche 
Form des Wortes, sondern auch um den Wortschatz, 
den Satzbau, die syntactischen und etilistischen 
Formen des Dialects. Aber die Dialectdichtungen 
bewegen sich syntactisch und stilistisch fast alle 
auf dem Boden der Schriftsprache, vielfach ver¬ 
edelnd oder vergröbernd. Ein Beispiel (Brunnhilde 
von der Rosstrappe) aus dem Braunschweigischen 
sei hier angeführt: das Gedicht versucht die Sage 
in ernsterem edlerem Tone zu erzählen, es greift 
dabei über die Grenzen des Volkssprache hinaus (öo 
dei leit de stolten Ritter mit kolen Blikke stahn; or 
Harte was verjeben an Kraft un Edelmuth u. s. £), 
daneben finden sich Plattheiten, die auf den gesunden 
Sinn des Landmannes nur komisch wirken können 
(de Riese snüütf un snüütje; hei snock’ un snocke; 
klabuster — klabuster — klabuster; hei härr en Korf 
ekreegen ). Das Volk kennt und gebraucht diese 
Ausdrücke, aber mit komischer Wirkung. 

Doch genug! Wir bedauern dem gut gedruckten 
Werke eine wissenschaftliche Brauchbarkeit ab¬ 
sprechen zu müssen. Es mag mit seinen z. Th. 
niedlichen Stückchen und Erzählungen dem Laien 
einige Stunden verkürzen helfen können, doch die 
Dialectforschung weiss, dass die Früchte des Volks- 
dialectes wie Holzbirnen auf knorrigem Baume ge¬ 
wachsen, hart und herbe sind und nicht die sorgsame 
Pflege des veredelnden Gärtners erfahren haben. 

Magdeburg, [10. Oct. 1881]. Ph. Wegener. 


Bahra, Ueber den Gebrauch der Anrede- \ 
Pronomina im Altenglischen. Progr. der > 
Real sch. I. O. zu Vegesack. Ost. 1880. 26 S. 4. 

Wir haben hier eine Bestätigung der bereits 
bekannten Thatsache, dass in der 1. Periode des 
Altenglischen (nach der alten Terminologie von der 
Mitte des 13. Jh.’s an gerechnet) die Pluralform 
des Pronomens in der Anrede noch verhältniss- 
mässig selten, in der 2. schon häufiger und in der 
Uebergangszeit zum Neuenglischen allgemein ange¬ 
troffen wird, vor uns. Genauer die Modalitäten 
festzustellen, unter denen der Plural sich zuerst 
einbürgerte, der Singular noch erhalten blieb, bis 
sich der heutige Zustand entwickelte, hat der Verf. 
zwar versucht und die Resultate, zu denen er ge¬ 
langt, werden im Grossen und Ganzen die richtigen 


sein; einen Anspruch auf genügende Sicherheit aber 
könnten sie nur dann machen, wenn B. sich nicht 
begnügt hätte mit einer kleinen und unvollständigen 
Reihe von Belegstellen aus einer verhältnissmässig 
zu geringen Zahl altengl. Schriftsteller: hier wäre 
eine eingehende, möglichste Vollständigkeit erstre¬ 
bende Untersuchung einzelner wichtiger Sprachdenk¬ 
mäler besser am Platze gewesen. Auch musste, 
wollte anders der Verf. von dem Einfluss des Fran¬ 
zösischen auf das Englische in diesem Punkte 
sprechen, der Gebrauch der Anrede-Pronomina im 
Altfrz. eine eingehendere Berücksichtigung erfahren, 
als es mit den wenigen Belegstellen aus dem Rolands¬ 
liede und Amis und Amiles geschehen ist. 

Ludwigslust. K. Foth. 


Hallbaner, 0., George Farquhar’s life and 

Works. Progr. des Gymn. zu Holzminden. Ost. 
1880. 33 S. 4. (Auch Erl. Diss.) 

Ein beachtenswerther Beitrag zur englischen 
Literaturgeschichte des 18. Jh.’s. Unter Heranziehung 
und sorgfältiger Benutzung der einschlägigen Lite¬ 
ratur wird uns im 1. Theil eine klare und hübsche 
Darstellung des Lebens F.’s, besonders seine sociale 
Stellung und sein eigenthümliches Verhältnis zu 
den zeitgenössischen Dichtern vor Augen geführt 
und aus diesen letzteren Umständen vorzugsweise 
die Vernachlässigung erklärt, die ihm von seinen 
Zeitgenossen und noch lange nachher zu Theil 
wurde. Der 2. Theil gibt eine eingehende Analyse 
der einzelnen Lustspiele unter Hinweisen auf die 
Entstehung, die Originalität, die Entlehnungen aus 
andern Dichtern z. B. Shakesp., die Coniposition 
und den künstlerischen Werth derselben. Auch 
sucht der Verf., wie uns scheint nicht ganz ohne 
Erfolg, nachzuweisen, dass F. nicht jener frivole, 
und lascive Comödienschreiber war, als den man 
ihn noch heute ziemlich allgemein hinstellt: er stehe 
in dieser Beziehung weit über Congreve und Wycher- 
ley und die Frauen besonders hätten grosse Ursache 
ihm dankbar zu sein für die stete Vertretung der 
Würde ihres Geschlechts. 

Ludwigslust. K. Foth. 


Tnrpini Historia Karoli Magni et Rotholandi, 

texte revu et compl6tü d’apr&s sept manuscrits 
par Ferdinand Castets, prof. h la facultä 
des lettres de Montpellier. Montpellier 1880. 
XII, 92 S. 8. 4 fr. 

Castets Ausgabe der Pseudo-Turpinschen Chro¬ 
nik wird denjenigen willkommen sein, für welche 
die bisherigen Ausgaben des wichtigen Textes nur 
schwer zugänglich waren. Eine kritische Bearbei¬ 
tung liegt allerdings auch hier nicht vor, vielmehr 
im wesentlichen nur der Abdruck einer in Mont¬ 
pellier befindlichen Hs. H 31, welche auch Baist 
(Zs. f. r. Ph. V, 422), von dem eine wirkliche 
kritische Ausgabe Turpins in naher Aussicht steht, 
als einen sehr guten Repräsentanten der meist ver¬ 
breiteten Handschriftenfamilie ansieht. Diesem Ab¬ 
druck sind einige Varianten aus 6 weiteren eben- 


Digitized by 


Google 



103 


1882. Literaturblatt für germanische und romanisch* Philologie. Nr. 8. 


104 


falls in Montpellier befindlichen Hss. beigegeben, 
sowie eine Anzahl Anmerkungen und Excurse, von 
denen einige von weiterem Interesse sind. 

Marburg. Stengel. 


Altburepndische Uebersetznpg der Predigten Gregors 
über Ezechiel, aus der Berner Handschrift. Von Kon- 
rad Hofmann. (Ans den Abhandlungen der k. bair. 
Akad. d. Wiss. I. CI. XVI. Bd. 1. Abth.) München, in Comra. 
bei G. Frans. 1881. 125 S. 4<>. 

Die Hs. 79 der Berner Bibliothek — nach dem Hrsg, 
dem XII., naoh Hägens Catalog dem XIII. Jh. angehörig — 
enthält eine altfransösisohe Uebersetzung des ersten Buches 
der Predigten Gregors des Grossen über Ezechiel. Der Text 
brioht am Ende des 18. Quaternios 1 2 in der Mitte eines Satzes 
ab, welcher den Schluss des 22. Abschnittes der XII. und 
letzten Predigt in der Mignesohen Ausgabe bildet. Da es 
sehr unwahrsoheinlioh ist, dass wer immer unsern Codex 
niederschrieb seiner Arbeit in solcher Art ein Ende gemacht 
habe, so mögen mindestens ein paar Blätter am Schlüsse ver¬ 
loren gegangen sein. Es ist sogar möglich, dass auch das 
zweite Buch übersetzt worden sei und dass .nur ein aus 18 
Lagen bestehendes Bruchstück der ganzen Arbeit uns vorliege. 
In solchem Falle liestte sich noch immer hoffen, dass es glücken 
werde, das Fehlende aufzufinden. Ich sagte soeben mit einem 
allgemeinen Ausdrucke: ‘wer immer unseren Codex nieder¬ 
schrieb’; denn man kann zweifeln, ob man in dem Schreiber 
den Uebersetzer selbst oder nur einen Copisten erblicken soll. 
Es kommen allerdings im Drucke einzelne falsche Lesungen 
vor, welche die Annahme, wir hätten vor uns die Hand des 
Uebersetzers oder auch die Niederschrift eines Dictats, voll¬ 
ständig au8zuschlie8sen scheinen; indessen müsste vorher Ein¬ 
sicht in den Codex uns lehren, ob solche Fehler nicht etwa 1 
von 'den modernen Abschreibern verschuldet wurden. So gleich j 
im Beginne. S. 8, Z. 13 dem lat [tibi] legend entspricht im 
Drucke ke lee rues ; offenbar ke lesiues. Hat so der Codex, 
so wissen wir bestimmt, dass er weder von dem Uebersetzer 
geschrieben, noch von ihm dictirt wurde; liest der Cod. richtig, 
so ist die Frage nach dem Urheber desselben von dieser Seite 
aus nicht zu beantworten. So verhält es sich mit allen anderen 
Stellen, die Tobler am Schlüsse seiner Anzeige vorliegender 
Schrift (DLZ 1881,51') berichtigte und mit ein paar anderen, wie 
10, 40 eemauuit, 1. eemaiutU ; 92,36 mil, 1. nul. Bietet nun der 
Codex überall das Richtige, so könnte er immerhin die erste 
Niederschrift enthalten; ich würde mich jedoch eher zu der 
Ansicht neigen, dass wir es hier mit einer Copie zu thun 
haben; denn es will mir soheinen, als ob der Uebersetzer 
selbst nicht so oft einzelne wichtige Worte oder Wortgruppen 
ausgelassen hätte. Die hier aufgeworfene Frage ist nicht 
müssig, denn es hängt mit derselben eine andere über den 
Urheber der zahlreichen Correoturen zusammen. Die ganze 
Hs. ist nämlioh einer durchgehenden Revision unterworfen 
worden. Durch wen, ist aus den Angaben des Hrsg.’s nicht 
bestimmt zu entnehmen. Denn wenn einmal ausdrücklich ge¬ 
sagt wird, die Besserung rühre vom Schreiber her, so zieht 
man daraus den Schluss, alle anderen seien von fremder 
Hand; begegnet man aber anderswo der Angabe ‘von anderer 
Hand’, so wird man wieder unschlüssig. — Die Revision hat 
Fehlendes ergänzt, Unnöthiges getilgt* oft einen Ausdruck 
mit einem andern vertausoht. Prüfen wir die Correoturen 
etwas näher, so sehen wir, dass nebst unentbehrlichen Er¬ 
gänzungen sich oft kleine Zusätze finden, die nur in ziemlich 
pedantischer Weise grössere Klarheit anstreben. So wenn 
Überflüssige Subjectpronomina (z. B. 4, 11; 5, 84; 77, 17) 
oder por vor prädicat. Accus, zum Verbum tenir (81, 33) oder 
ki (ke) eunt vor appositiven Parte. Perf. (53, 23; B4, 256) u. s. w. 
hinzugefügt werden. Wenn in tele i et deeirent (128, 12) ein 
ke vor dem Verbum eingeschaltet wird, so mag dies klarer 
sein; aber ein bekannter Zug altfrz. Syntax (kannte ihn der 

1 18 Lagen und doch nur 141 Blätter, weil zwischen 
f°. 40 und 41 und zwischen f®. 124 und 125 ie ein Blatt in 
Verlust gerieth, und zwei Blätter hintereinander mit der Zahl 
77 versehen wurden. 

2 Der Hrsg, setzt oft zwischen Klammern ‘del.’ Bedeutet 
dies ‘delirt’, wie es hie und da auch ausgeschrieben ist (ein 
paar Mal auch ‘getilgt’) oder ‘deleatur’? Ich fasse es im 
ersten Sinne auf. 


Corrector 'nicht oder wollte er ihn der Klarheit zu Liebe ver¬ 
mieden wissen?) wird verwischt Damit hängt wieder zu¬ 
sammen, wenn 94, 20 nos avone reut de tele i et ke eoi denont 
die Worte i et getilgt wurden. Ebenso wenig berechtigt ist 
106, 2 die Streichung des wichtigen Wortes anceois (— lat. 
prim). Hie und da wird die phonetische oder graphische 
Gestalt eines Wortes unnöthig modifioirt, oder die Correctur 
bietet Formen, welche mit dem sonstigen Sprachgebrauch* 
des Textes nicht vollständig in Einklang stehen. Auch für 
die lexicalischen Veränderungen ist nicht immer ein genügen¬ 
der Grund zu erkennen. Lässt sich nun irgend ein Antheil 
des Uebersetzers an dem Zustandekommen der Hs. mit Be¬ 
stimmtheit nachweisen, und rühren alle Correcturen von dem 
Schreiber des Textes her, so müssen wir sie auch dann respee- 
tiren, wenn wir mit denselben nicht einverstanden sind; haben 
wir jedoch nur eine Copie vor uns, so verlieren die Correo¬ 
turen, ob vom Schreiber selbst oder von Anderen vorgenommen, 
wesentlich an ihrer Bedeutung. Sie können zwar aus Ver¬ 
gleichung mit einer anderen Hs. entstanden sein; viel wahr¬ 
scheinlicher sind sie als die rein subjective Arbeit Jemandes 
anzusehen, welcher mit Hilfe des lat. Textes den wirklichen, 
manchmal den vermeintlichen Fehlern der Hs. abzuhelfen 
bestrebt war. Verhält es sich so, dann haben wir da lediglioh 
Emendationsvorschläge, welche die Textkritik annehmen kann, 
aber auch verwerfen darf. 

Die Uebersetzung ist im Allgemeinen treu, jedoch nicht 
wörtlich, da der Periodenbau vielfach modifioirt wird. Meist 
hat der Uebers. das Original gut verstanden und verhiltniss- 
mässig klar wiedergegeben, so dass bei richtiger Interpunction 
man oft ganze Seiten lesen könnte, ohne das Bedürfniss zu 
fühlen, nach dem Lateinischen zu greifen. Dass indessen 
Missverständnisse nicht selten Vorkommen, lässt sich bei dsn 
Schwierigkeiten, welche die Vorlage bietet, von vorneherem 
erwarten. Auslassungen ganzer Sätze oder Satzabschnitte 
kommen ebenfalls vor, und nicht immer handelt es sich um 
sogenannte ‘bourdons’. 

Die Bedeutung des Denkmales liegt selbstverständlich 
aüf der sprachlichen Seite. Vollständige Consequenz in Bezug 
auf Phonetik und Graphie wird man hier ebenso wenig als 
in irgend einer altfranz. Hs. erwarten; doch ist das Schwanken 
nicht Überaus gross. Die Darstellung der Lautlehre wird 
manche sehr bemerkenswerthe Erscheinung zu verzeichnen 
haben. Noch mehr des Interessanten bietet die Verbalflexion, 
welche Überdies ziemlich consequent durchgeführt wird. Ob¬ 
wohl Tobler bereits in aller Kürze auf das Hierhergehörige 
hingewiesen hat, so möge auch an dieser Stelle Einiges be¬ 
merkt werden. Die 2. Plur. Praes. Indic. (Imper.) aller Verba 
auf -ir geht auf - iz ; die Verba auf -re theilen sich zwischen 
- oiz (tnatoiZ) quar., porse.) und -iz (dieiz % lute., r#\, trak .). 
Ebenso im Imperf. Ind.; alle auf - ir haben -tue; die auf -re 
theil8 -oie ( deeperdoit , reprend., repon., eetend.\ quar. ; ee. ; 
eet.) theils -tue (connieeieet, dis. — nur ein par Mal dieoit — 
eoffeie., ge8. t les., nut'e., plaie ., tais. ; viek.; juign., plaign ., fa. 9 
trah.). Aehnliches in Bernarts Predigten, wenn auoh mit ge¬ 
ringerer Consequenz •. — Perf. I. Conj.: ei (selten o»)» •«*> 
(selten at), -emee, -estee, -erent. In 1. ist ei Variante von di ; 
in 2—5 e = ai = a. Letzteres auch im Impf. Cjc., das 1—3. 
6 nur bet. e aufweist. So vielfach in Bern. Dial. An. Rat. 
u. s. w. Schwache Verba der anderen Conjug. haben in der 
3. Sing, -et (hie und da mit it concurrirend); Plur. -erent ; 
Impf. Cjc. -eet -eeeent (selten -#-; einmal -ei88.). Verba auf 
ir: ferit, oi. y per. t devirp. u. % w.; auf -re: abat. perd. und 
andere mit dentalem Cbaracteristioon; earrdt; viekit. Manch¬ 
mal Schwanken zwischen starker und schwacher Form: orsf 
ard&ty miet maUt , quiet quarit (-ut) ; Pfct stark, Impf, sohwaoh: 
cloet encloieet, priet prenneet ; conuit conieeeet , receut recevest, 
geut gesest ; weit seltener Pfct. sohw., Impf, stark: apaeeit 
repäuet. Starkes Impf. Cjc. mit -e- in dieeet .(-iet), dem dieet 
zur Seite steht; dann in vieeet (-iet) von videre , dessen 
Beachtung verdient Man bemerke schliesslioh doüleet voleet 
(nur der Corector bietet volust). Solche Formen mit -4- auch 
An. Rat.: avr4 ( apparuii ), pervertii ; oft in Guerre de Metz 
(hier -&-); wohl auch Bern., z. B. auvreit (= ouvrit), iee. 
Da an -evit -eeieset kaum zu denken ist, so ist, wie schon 
Bonnardot meinte, hier wahrzunehmen, wie die auf vielen Ge¬ 
bieten vorkommende Perfeotbildung auf d-iet (perd., reepond.) 


1 Sonst scheint — wenn man von den strittigen Formen 
auf - ient im Jonas, und von Bartsehs Emendation creitent 
in Ep. S. Est. absieht — -ive nur bei Verben auf -ir vorzu¬ 
kommen. 


Digi, :ed by LjOOQie 


105 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 3. 


106 


eine immer grössere Anzahl von Verben ergreift; nur dass 
unser Text nirgends -ii- bietet, fiösst einige Bedenken 
ein. 3. Plur des Perf. auf *>nt -unt (darüber zuletzt Apfel- 
stedt im Lothr. Ps.) kommt vor sowohl bei Verben der I. 
als bei schwach flectirten der andern Conj.: amenont ; ard. 
rend. aherd. ense .; auvr. ms. Zum Perf. wären noch zu be¬ 
merken : die stammbet. 2. Plur. 08 te[s] post es, sedit nach der 
- ui Classe: seut (nb. asist) und, wie es soheint, auoh einmal 
reut nb. sonstigem vit. — Im Conjuuctiv ist -e- beliebt; nicht 
bloss in Verben der II.—IV. lat. Conjug. (z. B. sencet , meciene 
= mettions ; crocent = croient, checiens 4 : selbst commoscet, das 
sich mit ressoice Guerre M. 5 vergleicht), sondern ouch der I. 
Alle Belege aus 3. Sing, und Plur.; nur einmal je reconce. 
Zunächst in Dentalstämmen: rabieet , raehec., acorc ., amenc ., 
cuc. y doc.y esploic., loc. t despeic ., porc., tormenewäre. Dann 
l: parocet ; # (= t): humelicent ; i (= Gutt.): preicet renec .; 
v: liecet ; schliesslich alucet von ad-locare. Neben c auoh das 
reine Characteristicon; z. B. raehetenty esploitet, wardent. — 
Für die 3. Sing, statt -cet auch -st als Nebenform: reeonst, 
warst (dazu deparst [von departer, nicht -ir], covoist, für 
welche keine -c-Form vorkommt); parost ; humelist ; liest. Auch 
in r- (r«-^Stämmen nur st: demorsty repairst, torst. Bloss -t in 
der 3. Sing, nur in s-Stämmen ( coist , refusty aprest ); sonst aber 
entweder die erwähnten cety st oder Cbaract. + et (ainmet, en- 
volopet )'. Also manohmal drei Formen: wardst, warcet, warst ; 
wart aber fehlt. Die Formen mit -cs- sind in Bern, und An. 
Hat. ziemlich häufig. Zu erwähnen wäre noch aus dem Conj.: 
daignet daigniens von doner dener 6 , dessen e unter dem 
Aocentö bleibt; also den-i-V o c. So An. Rat., Girb. v. Metz. 
Ferner raxtlet von aler (4 Mal), schon von Bonnardot im 
Glossar zu Guerre de Metz, dann in An. Rat. nachgewiesen 
und gut erklärt; in letzterem Denkm. von Förster als ein 
Monstrum bezeichnet. Endlich sapet, sapient = sapiat, -nt 
und daran angebildet depet dopet (debere) und stapiens (stare). 
Auch sei bemerkt, dass -i- überall in die 1. 2. Plur. eindrang; 
also schon mostriens. eswardiez. — Verba mit dem Charact. 
88y gn weisen im Infin. vor - re ein e auf {conoisserty oygnere ). 
Dazu vereinzelt espriemere und entendere (sonst stets -endre). 
Selten -gnre y wie im Bern. Einmal prende; wenn kein 
Druokfehler, ein Beleg für Abfall von r, wie im Lothr. Ps.; 
vgl. perde im Gloss. zu Guerre M. Fut.: ai (nur zweimal a), 
-es, -et, -on8y -oiz, -ont. Dass es, et = ais, ait = a«, at ist, 
ist selbstverständlich. Auffallend ist dagegen, dass -et eigent¬ 
lich in den allerwenigsten Fällen vorkommt; Hauptform ist 
-ity ein besonderes Merkmal unseres Textes, das ich nur noch 
aus Not. Extr. XXVIII 170 zu belegen vermag. Verba auf 
Cons.rr haben e vor r: mater. jugner. viver . doch serret (=- suiv- 
ra)\ auch Verba auf -oir: arer. dover. mover. sarsr . — Aus der 
Syntax bemerken wir Reflexiva mit habere construirt; so im 
Lothr. Ps., wenn auch selbstverständlich dies nicht als dialec- 
tisches Merkmal anzusehen ist. — Im Lexicon bemerkt man vor 
Allem eioe oft auffallende Uebereinstimmung (besonders bei 
der Wiedergabe gewisser den Kirchenvätern geläufiger Aus¬ 
drücke) mit anderen ähnlichen Uebertragungen, selbst mit 
solchen, die einen lautlich nnd morphologisch verschiedenen 
Typus anfweisen. Im einzelnen dann begegnen einem manche 
interessante Wörter, von denen hier nur ein paar erwähnt 
werden mögen. Aserour (48, 10) übersetzt horror ; der Hrsg, 
fügt hinzu 'eig. obscuritas 1 ; auch Bern. 626 Vaskeror de ceste 
ehartre = 1. horrorem und Godefroy, wohl mit Bezug auf 
diese Stelle, verweist von askeror auf oseuror. loh möchte 
fragen, ob das Wort nicht vielmehr mit asco (EW. H 6, wo¬ 
zu noch bresc. dscher ‘spavento, paura’ und parmes. sarer 
d f ascra ‘riusoir araaro 1 ) zusammenhängt. Die geflügelten Thiere 
st danblent as celestienes choses = lat. evolant ; Bern. 536 
dambler son tspeie = ensem cibrare. Ist es embler mit präfig. 
de? — Präs. speurt, Perf. spurtt für lat. porrigere (eu = 
ue; vgl. pusr ); hängt damit nicht puirier zusammen? Auch 
colligere ergab ein Verbum L Conj. Woher aber w*? 

Der Hrsg, hat sich vorgenommen, ein getreues Bild der 
Hs. zu geben. 8chade, dass betreffs der äusserliohen Ein¬ 
richtung nicht grössere Consequenz beibehalten wurde. 8o 
wird das Ende der Zeilen nur in den ersten paar Seiten be¬ 

4 Dem entspricht -s in der 1. Praes. Indic.: ches ( cado ), 

porses (possideo). 

6 Vgl. noch serce (= serriat) in Not, et extr. XXVHI, 
226, von de Waillv erklärt durch ‘peut-ötre fasse la ronde 
pour, le guet pour . 

4 Ein paar Mal entfernte der Correotor diese Form; so 
10, 29 daignet zu donet ; 60, 89 daigniens zu deniens. 


zeichnet. In einzelnen Theilen werden Correcturen und Zu¬ 
sätze, die Über den Zeile Vorkommen, mit kleinerer Schrift 
gedruckt, was recht übersichtlich ist; anderswo wird die ur¬ 
sprüngliche Lesung oder die Correctur in den Text aufge- 
noramen und zwischen Klammern die Bemerkung hinzugefügt 
‘zu .. .’ oder ‘aus ... geändert, corrigirt u. 8. w.’, und nach den 
Zusätzen steht in Klammern ‘über 1 , was den Naohtheil hat, 
dass man oft nicht weise, ob sich dies auf nur ein Wort oder 
auf viele bezieht. Bibelstellen werden manchmal cursiv, öfters 
antiqua, hie und da in beiden Schriftarten gedruckt. Diese 
Ungleichheiten werden allerdings durch den — mir vom Hrsg, 
gütigst mitgetheilten — Umstand erklärt, dass an der Ab¬ 
schrift und zum Theile auch an der Einrichtung für den 
Druok mehrere Mitarbeiter *Theil hatten; sie bleiben aber 
doch bedauernswerth; denn dort wo es gilt, ein klares Bild 
der Hs. zu verschaffen, gewinnen solche Aeusserlichkeiten 
eine Bedeutung, die ihnen sonst nicht zukäme. Die ohnehin 
ermüdende Lectüre der absatzlosen Quartseiten, mit den vielen 
Zeichen, Sohriften, Klammern wird dann duroh die Inter- 
punction wesentlich erschwert. Diese ist wohl in den meisten 
(gewiss nicht in allen) Fällen 7 die der Hs.; leider aber inter- 
pungirte der Sohreiber oft recht unverständig. 

Bestand auoh die vorläufige Aufgabe in der Wieder¬ 
gabe der Hs., so hat der Hrsg, es doch nicht versäumt, naoh 
zwei Richtungen hin das Verständniss des Textes zu erleich¬ 
tern. Vor allem hat er dort, wo ihm das Franz, nicht ganz 
klar schien, den lat. Ausdruck zwischen Klammern hinzu¬ 
gefügt. Es sind dabei ein paar Versehen unterlaufen. 13, 34 
übersetzt escolorgement nicht decursus aquarum , sondern lap- 
8 um\ 26, 6 erneut übersetzt nicht obtinet, sondern imitatur 
(es ist zu lesen an[z] Vens). — Ferner theilt der Hrsg, hie 
und da Emendationen mit, entweder duroh Zusatz und Tilgung 
einzelner Buchstaben mittels Klammern oder durch Angabe 
der besseren Lesung mit vorangestelltem ‘l. 1 Nicht immer 
kann man sich damit einverstanden erklären. Wenn 
gegen 8chluss cheo[i]r gedruckt wird, so darf man sagen, 
dass das sonst nioht beanstandete -or dem Dialect ganz an¬ 
gemessen ist. 68, 16 x oiz (1. oilz) y ; weniger entschieden 
15, 10 feois (wahrsch. feoihf] Ausfall von l vor Conson., 
speciell vor -s, *z ist in unserem Denkmal sehr häufig; vgl. 
vieiz und -fls za -§8. Es ist überflüssig 124, 35 8 ignifie[ieJ 
zu drucken; denn Belege für i statt ie sind in unserem Texte 
wohl selten, aber doch vorhanden; signifie (d. h. -ie) ist mit 
edifie im Gregor zu vergleichen. Die bisher erwähnten Fälle 
betrafen lautliohe Varianten; eingreifendere Emendationen 
wären: 3, 5 schedas wird mit derti wohl bekannten Worte 
escroes übersetzt (vgl. Littrö s. v. lerou 2); der Hrsg.: ‘1. 
escritures\ — 6, 33 'daitr (1. darierf ; 21, 22 l aier (= retro, 
1. arierf; siehe Burguy. — 65, 31 impendimus wird durch 
denons übersetzt; Hrsg.: *1. demns\ Warum? Wenn man (6, 
14) ses duroh les übersetzt, so schreibt man entschieden dem 
Uebersetzer ein Missverständnis des Originals zu, während 
vielleicht nur eine ungewöhnliche Wortstellung vorliegt. Weit 
häufiger begegnet man dem Zusatze ‘sic 1 , oft mit der Angabe 
des Lateinischen, ohne dass der Grund solcher Hervorhebung 
der betreffenden Wörter, die fast immer wie eine Verdäch¬ 
tigung sich ausnimmt, erkennbar sei. 8o 15,16 ‘ porssiet (sic 
= possidetfy 48, 41 ‘ porseoiz (sic = possidetisY ; vgl. auch 
51, 8 (wo r späterer Zusatz ist); 120, 37; an anderen Stellen 
unterblieb das ‘sic 1 ; so 52, 25 und 102, 23, wo porfiet Druck¬ 
fehler ist. Und doch ist diese auf Einmischung des Präfixes 
por beruhende Form nicht ganz selten. Bei fehlendem n 
(oder n-Zeichen) wird oft (nicht immer) ‘sic 1 bemerkt; an ein 
paar Stellen wird ohne weiteres emendirt: ‘ sut (1. sunt)\ l to 
(1. ton )*; das Verstummen von n vor Conson. kann aber ein 
mundartlicher Zug sein; für proclit. to vgl. tou im Lothr. Ps., 
Girb. M. Warum werden aus den überaus zahlreichen Fällen, 
in denen -s, weil verstummt, ausbleibt (umgekehrt mes st. tne 
10, 5), hie und. da einer herausgegriffen und (z. B. 8, 40) 
mit ‘sic 1 bezeichnet? 15, 40 ‘ denoiunt (sic, = denegabanty ; 
verdient Perf. statt Imperf. ein ‘sic 1 ? — 16, 7 lo (sic) malice ; 
Masc. Genus ist bei diesem Subst. ungemein häufig zu belegen ; 
vgl. auoh 16, 11 son m. und 86, 27 li malices. — 22, 39 *se- 
munte (sio) 1 ; diese genaue Wiedergabe des lat submonita 
kommt in Gregors Dial., Gu. de Metz u. s. w. vor. — 41, 13 
‘ entrant (sic) k’Esau estoit checier ; vgl. 45, 39 entran k f il 
dormieet ohne irgend eine Bemerkung; über entrant que ‘wäh¬ 
rend’ s. Bonn, zu Gu. de M. — 72,11—12 ‘ tu les amanrit (sic) 1 . 


7 118, 34 resplany di st. 
resplandist. 


Hat die Hs. das Komma? 1. 

8 


Digitized by 


Google 


107 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 3. 


108 


Es ist ja ganz richtig; = Vas am . = minuisti. Man darf 
behaupten, dass wenn einmal für gute Lesung der Hs. und 
Correctheit des Druckes gesorgt wurde, alle diese oft nur 
beirrenden 'sic* besser unterblieben wären. Dass gut gelesen 
wurde l&sst sich (bis auf die wenigen am Anfänge dieser Eecen- 
sion erwähnten Fälle, in denen rielleicht verlesen wurde) füg- 
lioh annehmen 8 ; für reinen Abdruck ist nicht immer genügend 
gesorgt worden. So lange es sich um unzweifelhafte Fälle 
handelt, so schadet dies nicht viel; oft aber möohte man 
wissen, ob man es wirklich nur mit einem Druokfehler zu 
thun hat. So würde man tuil (18, 15) ohne weiteres zu tuit 
ändern; wenn man aber 8—10 Mal el statt et und umgekehrt 
5—6 Mal et statt el (= in illo) findet, so erinnert man sich 
an das Verstummen auslautender*Cons., auch von und ver¬ 
steht die Möglichkeit, dass der Schreiber die zwei nur gra¬ 
phischen Zeichen mit einander vertauscht habe. Vgl. auteit 
(altare , *-ale ; -atum geht nicht an; so aulteit Quer. M.; osteit 
Lothr. Ps.). Auf ähnliche Weise kann es sich verhalten mit 
est st. es (7, 1; 79, 27) und es st. est (44, 39), mit seroit st 
-oiz oder -ois (13, 28), oit st. oir (95, 38), vielleicht auch 
auuet 'st. auuec (24,. 13) und mancher anderer durch Ver¬ 
stummung der auslautenden Consonanten herbeigeführter un¬ 
richtiger Graphie. Mehrmals ist n st. u oder u st. n offen¬ 
barer Druckfehler; wenn aber nos für vos (49, 1; 57, 38; 
73, 39), nostre für vostre (48, 34 ; 73, 35; 88, 18; 101, 21; 
123, 2) sich findet, so können in den meisten Fällen diese 
Fehler schon in der Hs. stehen. Desoz st. -er oder umgekehrt 
(31,12; 68, 2; 72, 16, 23) kommt so oft in Handsohriften vor, 
dass es wohl auch hier auf Rechnung des 8chreibers zu setzen 
ist Man möohte wissen, ob die.Hs. die verdächtigen Formen 
despictevet (87, 31), mecest (125, 6); enswartet (109,^17) 
bietet u. s. w. 

Der Hrsg, bezeichnet den Text als altburgundisch; Tobler 
wies schon auf die Aehnlichkeit mit lothringischen Denkmälern 
hin; manche der obigen Bemerkungen bestätigen dies. In¬ 
dessen wir können sicher sein, dass die in Aussicht gestellten 
sprachlichen Erläuterungen alle hierher gehörigen Fragen in 
gründlicher und erschöpfender Weise behandeln werden. 
Mögen dieselben nicht' allzu lange auf sich warten lassen. 
Der aufrichtige Dank, welohen wir dem hochverdienten Hrsg, 
schon jetzt für die Mittheilung des so vielfach belehrenden 
Textes schulden, wird durch die neue Gabe wesentlich erhöht 
werden. 

Wien, 7. Februar 1882. A. Mussafia. 


Wendebarg, Otto (Braunschweig), Ueber die 
Bearbeitnng von Gottfried von Monnionth’s 
Historia regum Britanniae in der Hs. Brit. 
Mus. Harl. 1605. Braunschweig 1881. 37 S. 
[Erlanger Diss.] 

Ueber das auf dem Titel erwähnte Gedicht in 
Alexandriner-Laissen w T ar man bis jetzt nur aus 
Michers Rapports S. 182 unterrichtet, wo jedoch 
eine Yermuthung Michel’s über den Verfasser des 
Gedichts (S. 244) Herrn Wendeburg entgangen ist 
Wir dürfen den weitern Aufschluss, welchen die 
vorliegende Abhandlung gibt, über die richtige 
Ordnung der Blätter, das Verhältniss zu Galfrid 
und die Sprache, gern willkommen heissen, auch 
wenn man einzelne Aussprüche des Verf.’s bean¬ 
standen muss. Er nimmt an, dass in apercetU ton¬ 
loses e verstummt (S. 17), glaubt dass die Picarden 
einen Infinitiv avir (habere) bilden können (S. 21), 
sagt dass sich die Scheidung von en und an [die 
bekanntlich noch in heutigen Mundarten besteht] 
immer mehr als eine aufgebrachte Regel der Dichter 
zu erweisen scheint (S. 37) u. dgl Auf S. 8 scheint 
er nicht gesehn zu haben, dass es sich um die Be¬ 
schreibung von Wandgemälden bandelt, obwohl der 
Dichter es mit ausdrücklichen Worten sagt. — 


8 Eber Druckfehler ist 44, 2 ensuuardeute, 1. -eive, 55, 1 
auingnes, 1. aiun . (d. h. ajun.). 


War die zu Grunde gelegte Abschrift zuverlässig? 
Man vermuthet hsl. ü für a in Ia tant ne saverat 
a... (S. 11). 

Das Endergebniss, das Gedicht sei ursprünglich 
Picardisch, halte ich für richtig. Ich möchte das¬ 
selbe für nicht viel jünger als Wace’s Brut and 
darum wohl der Herausgabe für werth halten. Doch 
wird ein Herausgeber nochmals die Sprache des 
Dichters zur Darstellung bringen müssen, da der 
Verf. unserer Abhandlung es nicht vermocht hat, 
die ursprüngliche Mundart klar und vollständig 
darzulegen, und dieselbe fortwährend mit der nur 
mit Vorbehalt benutzbaren, oft völlig werthlosen 
Sprachform der anglonormannischen Ueberlieferung 
durch einander wirft. 

Es ist sehr zu bedauern, dass der Verf. nicht 
eine Tafel angehängt hat, die erkennen lässt, welche 
Reime in den einzelnen Laissen Vorkommen. 

Halle. H. Suchier. 


Mandalari, Mario; Canti del Popolo Reggino. 

A Beneficio de’ Danneggiati di Reggio di Calabria. 

Napoli, Ant. Mörano. 1881. XXIV, 428 S. 8. 

Den Anfang dieser nützlichen Publication Man- 
dalari’s bilden zwei schon gedruckte Sammlungen 
calabresischer Volkslieder, die von Canale 1859 ver¬ 
öffentlichte und die in Imbriani’s und Casetti’s Canti 
Popol. Merid. enthaltene. Der 3. Theil gibt unedirte 
Lieder von Melito Porto-Salvo, der 4. griechisch- 
calabresische von Roghudi mit Uebersetzung und 
Erläuterungen Morosi’s. Es folgen die 7 calabre- 
sischen Versionen von Decam. I, 9, aus der Samm¬ 
lung Papanti’s, und 12 neue Uebertragungen der¬ 
selben Novelle in dort nicht vertretene Unterdialecte; 
dann ein kleines calabresisches Glossar vom Hrsg., 
einige Etymologien von Caix, eine lehrreiche Ab¬ 
handlung Pellegrini’s über die Volkspoesie von Bova 
mit einer Anzahl calabresischer und italienischer 
Lieder aus jener Gegend. Den Beschluss machen 
ein wenig bedeutender Brief Eug. Arone’s über das 
Verhältniss des Dialectes zum Lateinischen, und 
eine gar zu dürftige bibliographische Notiz. Der 
ganze Band ist durch eine Vorrede von D’Ancona 
eingeleitet. Mandalari hat es verstanden, die tüch¬ 
tigsten Kräfte zur Theilnahme an seiner Unter¬ 
nehmung zu gewinnen, welche in schöner Weise 
zugleich der Wissenschaft und einem wohlthätigen 
Zwecke dient. Das Buch bietet vieles Interessante 
und ein reiches Material für das Studium des 
Yolkes und der Mundarten von Calabrien, welche 
bis jetzt weniger die Aufmerksamkeit in An¬ 
spruch genommen haben, als das benachbarte eng 
verwandte Sicilianische. 

Breslau. A. Gaspary. 


Alton, Giovanni, Proverbi, tradizioni ed an- 
neddoti delle valli ladine orientali con versione 
italiana. Innsbruck, Wagner. 1881. 146 S. 8. 

„Ladino“ hat hier (u. ö.) dieselbe Bedeutung 
wie einst bei denjenigen, die das Friaulische nicht 
kannten und zum Italienischen rechneten; der Singu- 

Digitized by 




109 


110 


1882. Literaturblatt für germanisohe und romanische Philologie. Nr. 3. 


lar Ja volle ladina u aber (S. 3, 20 u. ö) hat die 
dem Verf. eigentümliche: Gaderthal. Die Einleitung 
(3 t- 21) stellt über die stehenden Personen der 
Sagen vergleichende Betrachtungen an. Sprichwörter 
und Redensarten füllen 33 Seiten aus, Sagen und 
andere Erzählungen 90. Dem Buchensteinischen 
sind nur 2 Seiten (oder Spalten, wenn man die 
Ueber8etzung abzieht) eingeräumt, dem G rednerischen 
mehr als 6, dem Oberfaschanischen der vierte Theil 
der Sammlung; das übrige gehört dem „Ladinischen“, 
d. h. der von Alton nach den Mundarten des Gader¬ 
thal es etwas frei construirten Schriftsprache. Bei 
den Sprichwörtern und Redensarten sind leider 
einer schlichten Uebersetzung meist Parallelen aus 
irgend einer (nur nicht der deutschen) Sprache vor¬ 
gezogen, so dass manches zweifelhaft bleibt. So 
gibt z. B. „ Cammina come il pensiero“ (47) dem 
Unkundigen keinen Aufschluss über die Bedeutung 
des Wortes „tarlui u (Blitz), während anderseits durch 
^peneiero“ nichts gewonnen ist. Auch ist die Aus¬ 
wahl der Parallelen willkürlich: warum z. B. das 
alte a %eig rav /uga vi^si in franz. Form ? Die 
Uebersetzung der Erzählungen weicht auch manch¬ 
mal ohne Grund von der Wörtlichkeit ab. Für die 
Yolksthümlichkeit der Texte bürgen wohl im all¬ 
gemeinen die Namen der Mitarbeiter, die den Stoff, 
welchen A. in seiner eigenen Erinnerung vorfand, 
vermehren halfen. Einige Sprichwörter schmecken 
aber doch zu deutlich nach Kanzel und Lehrstuhl 
(z. B. Initium sapientiae cet. 36, il corvo che canta: 
cra8 = domani 39), andere Sätze enthalten eine local¬ 
patriotische, ethnologisch unwahrscheinliche Selbst¬ 
kritik (45), andere fallen durch ihre Länge auf 
(40,41). Die sprachwissenschaftlichen Bemerkungen, 
die der Verf. mit Mass beifügte, zeigen, dass er die 
Etymologie nicht mehr für vogelfrei hält: er erkennt 
die Macht der Lautgesetze an; dagegen spricht bis¬ 
weilen die Entwickelung, der Bedeutung nicht an. 
S. 23 quiria ist nicht n. plur., sondern Kyrie, ein 
wenig verderbt. — 61 QuelaW (Bergname) sei = 
,eccu- illa- alt-i u ; wie ist das zu verstehen? — 47 
muesun (muss man) enthält nicht homo (frz. on), 
sondern unus (vgl. oberhalbst, ints u. a.). — 55 
^extra“ si ma ancora di spesso; noch? Nein, es ist 
den deutschen Nachbarn entlehnt. — 62 Note zu 
imbuto: Si usa anche la parola tedesca „trochter“. 
Auch? Ich vermuthe auf Grund der Erfahrungen, 
die ich mit diesem scbriftitalienischen Worte in 
Südtirol gemacht habe, dass es die Hausfrauen des 
ganzen Gaderthales ohne jene Note nicht verstünden. 

— 132 Note: raddoppiamento del pronome, come in 
tutti i dialetti ladini\ wie soll man da „ladino“ auf¬ 
fassen? Uebrigens halte ich die Formen, auf die 
sich die Note bezieht, nicht für Verdoppelungen, 
sondern für Subj. + Obj.; wenigstens habe ich in 
Unterfascha „tu no tu te maride u (du heirathest nicht) 
gehört, worin „tu te u offenbar in meiner Weise aus¬ 
zulegen ist; und wenn man in Oberfascha 

sagt, so wird das doch syntactisch nichts ändern. 

— 129 hutthr (== cretna) soll = deutsch „Butter“ 
sein; nach Tonstelle und Laut würde ich auf Ent¬ 
lehnung aus einem ital. Dialecte schliessen. — 29 
dansciuda (Frühling) aus nasci abzuleiten ist ein 
hübscher Gedanke und lautlich möglich, aber die 
Annahme einer Zwischenform nascita überflüssig. 


Soll nicht „dad ansciuda a getrennt werden ? — Das 
sprachliche Gewand des Buches ist nicht durchweg 
tadellos, und nicht alle Fehler lassen sich, wie der 
im vierten Worte des Titels, auf Setzfehler zurück- 
führen. Die auf die Mundarten angewandte Schreibung 
ist nicht phonetisch, nicht einheitlich, nicht genau, nicht 
erklärt: sie ist fast ganz dieselbe wie in des Verfl’s 
Buche „Die ladinischen Idiome“ (Innsbruck 1879). 
Dass ich die Unzuverlässlichkeit dieser Schreibung in 
den Rom. Studien (IV, 638 ff,) ausführlich dargethan 
habe, ist von A. leider unbemerkt oder doch unbe¬ 
rücksichtigt geblieben. 

Wien, Januar 1882. Th. Gärtner. 


Miklosich, Franz, Beiträge znr Lautlehre 
der rumänischen Dialecte. Vocalismus L 8°. 
Separ.-Abdr. aus den Sitzungsber. der Wiener 
Academie. 

Miklosich behandelt in obigem Schriftchen die 
Laute des raacedo-, des istro- und des daco-rumu- 
nischen Dialectes. Dg das rarum. und das irum. 
beinahe völlig unbekannte Dialecte sind, so ist die 
Darstellung dieser drei Hauptdialecte des rumunischen 
durch den berühmten Slavisten gewiss höchst will¬ 
kommen. 

Mikl. sagt uns S. 4: „Ulam wird vorrumunisch 
ellam und dieses ergibt lautgesetzlich edw$, woraus 
durch Abfall von u$ die Form ea, ja hervorgeht: 
gerade so wird aus stellam zunächst steäuq und aus 
diesem drum, stea . Aus ja wird, so scheint es, in 
der Enklise das als selbständiges Wort in „o u 
übergeht“. 

Mikl. bringt uns hier fast wörtlich die Auf¬ 
fassungen Lambrior's, Roman. 1880 IX, 370 u. 371 
Anm. 1, welche in dem Lehrsätze gipfeln, dass 
geminirtes -/- der lat. Nomina auf -dla im Rumän. 
in uä aufgelöst wird. Nach Lambrior vollzieht sich 
diese sonderbare Erscheinung folgendermassen: 
„Ainsi toutes les fois que les deux ll de l’elöment 
latin se trouvent apr&s les toniques ie (£ classique) 
et i (I, € classiques) et qu’ils sont suivis d’un a 
latin devenu a, les deux ü ont abouti h u, en passant 
sans doute par un son intermediaire, pareil h celui 
de 17 polonais, son qui a dü aussi exister en 
fran^ais, h une certaine £poque, pour 17 ou YU 
prüc^dant une consonne (gegen letzteres hat sich 
übrigens Mikl. Voc. II, 32 ausgesprochen), en voici 
des exemples roumains: 


catSllam 

porcellam 

vitellam 

maxiüam 

stellam 


caiiela 
porcelä 
vitielä 
maselä 
stelä 


cäfeauä 
purceauä 
i n{eauä 
mäseauä 
steauä 


cä\ea 
purcea 
citea 
mä8ea 
stea etc. 


Die weiteren Ausführungen Lambriors über 
diesen Gegenstand s. Rom. IX, 370 u. 371 Anm. 1. 
Alle diese Erklärungen Lambriors stehen aber im 
vollen Widerspruche mit den Lautgesetzen der 
rumänischen Sprache, nach welchen geminirtes lat. 
I entweder ganz abfällt, oder nur als einfaches l 
bleibt. So aiü (allium); gainä (gallina); cal (ca- 
ballus); cai (caballi); ca$el (catellus); cäfei (catelli); 
moale (mollis); moi (molles); piele (pellis); piei 
(pelles); purcel (porcellus); purcei (purcelli); vale 
f"vallis); väi (valles); vifcl (vitellus); vtyei (vitelli) etc. 


Digitized by 


Google 



111 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 3. 


112 


Bei den lat. Nomina anf -etta fallt im nicht 
articulirten Worte - tla ebenfalls ab; der Endvokal 
6 und nicht etwa ed erhält die bereits auf dem 6 
von sUUa u. s. w. ruhende Betonung, da der dumpfe 
Endvocal ä eines nicht articulirten Subst. nur auf 
eä und niemals auf eä ausgehen und daher nie be¬ 
tont sein kann. Mikl. selbst sagt S. 12: „Das aus¬ 
lautende a der Fern, ist ä: kdsä, limbä, vdkä u. s. w. 
Iri meinem etymol. Wörterbuche der lat. Bestand¬ 
teile (1870) führe ich alle' nicht articulirten 
Wörter auf -dla als: sUüa, maxella (für maxitta) 
u. s. w. mit st£, PI. stete, mäsS, PI. mäsele u. s. w., 
d. h. mit betontem auslautendem 6 an, da dies die 
einzig richtige Form dieser Wörter ist, welche nie¬ 
mals steä u. 8. w., als nicht articulirtes Wort, 
lauten können; s. hierüber auch meinen Aufsatz in 
Rom. Studien XIII, 141—184, und bes. Mussafia, 
„Zur rum. Vocal. tt , 134 Anm. 18 und 148 Anm. 66. 
Die Bucarester Academie hat sogar in ihrer neuen 
Orthographie (Conv. 1880, 73) ganz einfach decre- 
tirt, dass sted und nicht sti geschrieben werden 
müsse. Diese gelehrte Körperschaft bat sich gar 
nicht darum gekümmert, ob. dieses mit den Laut¬ 
gesetzen vereinbar ist oder nicht. Die articu¬ 
lirten Wörter dieser Gattung, welche eigentlich 
regelmässig stS-a inäs£-a u. s. w. lauten, schieben 
aber zwischen e und a, wahrscheinlich nur um dem 
articulirten Worte mehr Gehalt zu geben, ein o (u) 
ein, so dass dieselben mit Artikel sti-o-a (stt-u-a), 
mäsS-o-a (mäse-u-a) u. s. w. lauten. 

Es ist bekannt, dass der Rumäne der Tilgung 
des Hiatus im Allgemeinen sich enthält und wir 
glauben daher, dass diese sonderbare Einschiebung 
des vocalen o ( u ) zwischen anderen Vocalen, in 
den zahlreichen analogen türkischen Subst. mit be¬ 
tonter Endsilbe d (£) zu suchen ist, wo diese 
Nomina auf betontes d, mit postponirtem Artikel a, 
einen wirklichen Hiatus bilden, welchen man durch 
die Einschiebung eines o (oder u ) zwischen den 
zwei d-a (oder i-a) wieder aufzuheben sich be¬ 
mühte, so ohne Artikel: dbd, aräbd, baclavd (acadS), 
— mit Artikel: oid-o-o, arabd-o-a, baclavd-(ha (aca - 
d£-o-a). Wir machen noch darauf aufmerksam, dass 
wir im Rumänischen auch zwei lat Nomina haben, 
medidla , püa (letzteres wie geminirtes l püla be¬ 
handelt), in welchen der durch das abgefallene 
geminirte l entstandene Hiatus auch mittelst Ein¬ 
schiebung der Consonanten h oder v wieder auf¬ 
gehoben werden kann, so: meduhä — meduvä — 
pivä. Piva ist, nebenbei gesagt, ganz richtig und 
kommt wirklich vor (s. dagegen Mikl. Voc. II, 40). 
Hier ist noch zu bemerken, dass das unarticulirte 
Wort auf der Endsilbe nicht betont ist und des¬ 
wegen auch meduhä — pivä lautet. Wir fragen 
nun, wie lautgesetzlich, nach Lambrior (Romania 
IX, 370) das nicht articulirte Wort: cä$ea und 
cä^eauä — caUUcr, das articulirte aber: cäfaa- 
u-a = caUlla-itta lauten kann ? nachdem* dieser als 
Beweis hierfür gar .nichts anderes zu sagen weiss, 
als: „La chute de la diphtongue uä doit etre trfes 
ancienne, car nous n’en trouvons de trace dans 
aucun des monuments parvenus iusqu’ä nous tt (Ro¬ 
mania IX, 376), was auch wirklich der Fall ist. 
Die Eingangs dieses Artikels erwähnten Ansichten 
MikL’s, welche Vocalismus II, 3 und an anderen 


Stellen daselbst wiederholt sind, stimmen mit den 
rum. Lautgesetzen ebenso wenig überein; ein histo¬ 
rischer Beleg für dieselben findet sich nirgends. 
Die aufgestellten Vocalcombinationen sind sogar 
theilweise lautlich unmöglich. Das nicht articu¬ 
lirte Subst. lautet wohl regelrecht: mäsS, sie (s. auch 
Ofner Wörterbuch); es kann aber, als nicht arti¬ 
culirtes Wort, niemals mäsed, sted und noch weniger 
steduä lauten 1 . 

Das rum. Wort bajocuri neben batjocuri — 
Jemanden mit Worten beschimpfen, nicht über 
Jemand sich lustig machen — kann nicht aus bat 
(batuäre) und joc (Jocum) sich herleiten, da a’ q% 
bäte joc de dneva — cavülari — sich über Jemand 
lustig machen — wohl daher kommt, und dieses 
letztere, nicht aber das erstere, eine Uebertragung 
des serb. salu zbijati , wruss. bajdy bic , d. h. slav. 
Sprachform und slav. Sprachgeistcs ist. Ich halte 
daher das Wort bajocuri , welches jedenfalls ganz 
wo anders herkommt, für eine blosse Confusion 
mit a 9 §¥ bäte joc de cineva und beide Wörter sind 
etymologisch jedenfalls ganz zu trennen (s. II, 638). 

— ZäpcSsc ist nicht aserb. zabmiti negare, eig. 
celare, sondern nserb. zaptiti, in Zucht halten, coer- 
cere, aus dem türk, zabth it captiver, capturer, 
maitriser, dompter (s. zäpcSsc n, 638). — Amänätöru 
segnis, amänatü aufgeschoben, hängt nicht mit maneo, 
auch nicht mit mane zusammen, sondern mit *ad- 
minare ajourner, difförer, remettre, renvoyer, sus- 
pendre, temporiser, proroger, reculer und ist gleich 
drom. arrnn (amiiü ) (s. I, 166). — Mama, mümä 
habe ich II, 185 bereits mit dem slavischen zusam¬ 
mengestellt und schon I, 154 darauf hingewiesen. 

— LSapäd, Upad heisst niemals werfen, d. h. mit 
Steinen werfen, sondern nur einzig und allein: etwas 
als unbrauchbar ausmustern und wegwerfen; es 
kann daher nicht mit läpldo, steinigen, verglichen 
werden; lapidare ist in allen rom. Sprachen durch 
andere Wörter ersetzt worden und zwar im rum. 
durch a arunca (abruncare, eruncare) cu pietre. 
LSapäd ist vielmehr das magy. lapaddl ausgemustert, 
wo es allerdings nur als Participform vorkommt 
Aldmä Messingblech, ist nicht identisch mit drum. 
ardmäj welches nur Kupfer und niemals Messing¬ 
blech heisst. Da übrigens im rum. die lat. Laut¬ 
gruppe min stets zu mn mit Ausstossung des i wird, 
so kann aldmä auch nicht vom lat. lamina kommen, 
wie Lambrior (Romania IX, 374—375) richtig be¬ 
merkt. Es ist vielmehr das nsl. serb. lama, Um 
(aus dem it. lama lämina) Blech, woraus ja leicht 
auch Messingblech werden konnte. 

Dem mrum. alägä (mostre 27) und dem drum. 
alergd (alärgä) rennen, liegt schwerlich ngriech. aXdgya 
für paxgav (Deffner, Archiv 1, 129) zu Grunde, denn 
wenn auch das ngriech. Wort aus dem alb. Vdrg$ 
(wie Mikl. sagt) stammt, so ist doch auch anzu¬ 
führen, das Idrg zunächst ein drum. Wort ist und 

1 Von rum. Grammatikern, welche die von mir hier an¬ 
geführten Hegeln bezügl. der Nomina anf SUa- vollständig 
vertreten, führe ioh folgende an: Cämpeanu, P. M. Gramma- 
tica romänea8cä. Jasir. 1848. S. 41. — Blaäewicz Th. Th. Tb. 
prakt. Grammatik der romanisohen Sprache. Lemberg n. Czer- 
nowitz. 1856. S. 27. — Mircesoo, VI (Pseudonym des Dichters 
Bas. Alezandri), Grammaire de la langue roumaine. Paris. 
1863. S. 14. — Munteaou, G. J., Gramatioa Rora&nä. Brafovü. 
1860. S. 18 u. 19. 


Digitized by 


Google 



113 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 3. 


114 


zwar das lat. largus. Ich finde bei boj. 159: Acdo 
shä da cu dialagä unu Ijepure, was wahrscheinlich 
heissen soll: Acolo da cu di alagd (de a largä) 
unu ijepure d. h. Un liivre s’en donne l k (en cou¬ 
rant) au large. Ich glaube daher, dass das drum. 
'Wort alergd , welches nur trotter, courir vite, accou- 
rir, affluer bedeutet, durch Umstellung und Syncope 
aus dem magy. nyargalni salopper, courir, nydr- 

? al6 courant, galoppant (drum, alergäu , coureur) 
ommt (s. II, 475). — Drum, feri garder, prüserver, 
prövenir, soustraire, s’öviter, fuir (II, 498), mrum. 
aferi behüten (mostre 21) hat sicher mit drum, färä 
(foras sine) nichts zu schaffen. — Miä gale, teigne, 
rogne, tac (des brebis, also eine spec. Schafkrank¬ 
heit) hat der rum. Schäfer wohl schwerlich aus dem 
it. rogna entlehnt; wir wüssten nicht, auf welchem 
Wege dieses geschehen sein könnte; s. auch Diez 
etym. W. I 3 , 356, wobei zu bemerken ist, dass nach 
Diez vie nicht von it vigna und sicriu nicht von it. 
scrigno kommt Mia ist vielmehr das magy. ruh 
gale, teigne; ruhes (drum, rtios ) galeux, teigneux. 
Drum, caut (cäutd) quaero. mrum. caftu(caftd; boj. 
148, mostre 34) wird wohl nach Diez (et. W. I 3 , 
118) richtig auf captare zurückzuführen sein und 
nicht auf das von Burla 93 citirte lat. cautare von 
cautus; s. übrigens Mikl. alb. Forsch. II, 87. — 
Drum, apukd greifen, ist aus verschiedenen Gründen 
wohl sicherer lat. occupo, als nach Burla 91. 94 
aucupor. Burla behauptet zwar (Conv. 1880, 276), 
dass die von mir bei apuc (1, 14) angeführten lat. 
Beispiele nicht mit apuca (occupare) übersetzt w’er- 
den können; dieses müsste er aber erst durch bessere 
Beweise, als die von ihm erbrachten, darthun. Wie 
wenig zuverlässig übrigens manche Gelehrte in 
ihren Anführungen sind, besonders wenn es sich 
darum handelt, ihre eigenen Etymologien darzulegen, 
zeigt Lambrior auch wieder, Conv. 1881, 265, wo 
er behauptet, dass das rum. Wort tües, tüiq nicht 
vom türk, titizj sondern von dem lat. Pronomen tu 
mit dem magy. Suffix e§ kommt. Ich erlaube mir, 
Lambrior zu bemerken, dass ich ftfef nur mit dem 
türk. Worte titiz (II, 625) verglichen habe, da es 
ganz dieselben Bedeutungen hat. Da die meisten 
türk. Worte im rum. nur nach dem Gehör aufge¬ 
nommen worden sind, so ist es wohl ganz natürlich, 
dass auch die Lautgesetze nicht sehr streng beobach¬ 
tet sein können. Es ist daher leicht möglich, dass 
tüeq von einem anderen türk, oder selbst magy. 
Worte herrührt; meine bloss vergleichsweise ange¬ 
führte Aufstellung des Wortes tütz konnte jeden¬ 
falls nur bedeuten, dass ich kein anderes passendes 
Wort dafür gefunden habe. Was aber das magy. 
Suffix es (rum. e$) anbelangt, so kann dasselbe nur 
an den Stamm eines Subst. angebängt werden, um 
Adj. zu bilden, so deris (rum. dereq) stichelhaarig 
(von Pferden; von der, der Reif); nemes (rum. nemeq) 
adelig, von nem (rum. neam) das Geschlecht; nicht 
aber an ein Pronomen und bes. nicht an ein latei¬ 
nisches. Es ist ferner durchaus unrichtig, wenn 
Lambrior behauptet, dass tue§ einen Tölpel be¬ 
deutet, welcher Jedermann duzt. Das Wort hat 
nur die in m. W. angegebenen Bedeutungen: bourru, 
bizarre, fou, brouillon, esprit confus, ötourdi, sot, 
niais (s. auch Al. Th. 578) und diese stimmen ja | 
mit „Tölpel“ im Allgemeinen auch so ziemlich 1 


überein, wenn sie auch nicht mit dem Lambrior- 
schen Tölpel, der alles duzt, identisch sind. Lam¬ 
brior scheint bei seiner Etymologie übrigens ver¬ 
gessen zu haben, dass in einem Lande, wo man 
den röm. Sprachgebrauch heute noch nicht aufge¬ 
geben hat und Jedermann mit du angeredet werden 
kann, ja wo man selbst den Landesfürsten so an- 
reden darf, es höchst befremdend wäre, wenn dieser 
altröm. Gebrauch durch den gewiss nicht schmeichel¬ 
haften Namen „Tölpelei“ nach der unrichtigen An¬ 
gabe Lambriors bezeichnet würde! Ueber die weitern 
Beiträge von Miklosich ein apderes Mal. 

Wiesbaden, 11. Febr. 1882. A. v. Cihac. 


Zeitschriften. 


Zs. f. vergleichende Sprachforschung Bd. XXVI, 1: 8. 
Golds ch midt, fahs (zu m&. pakshnan). — F. Kluge, 
Verbalpartikeln in der Zusammensetzung (gdscaft , gdsteig, 
frdsüme ete. mit Betonung der Partikel). 

Archiv f. das Studinm der neuern Sprachen und Lite¬ 
raturen LXVI Heft 3 u. 4: Adalb. Rudolf, Theophilus — 
Faust und Mephistopheles 241. — B. T. 8träter x Shake¬ 
speare^ Heinrich V. 273. — G. Hauff, Vorstudien zu 
Goethes Faust. I. Ueber den Ursprung des Namens Mephi¬ 
stopheles. II. Ueber den „Erdgeist“ in lexikalischer Hin¬ 
sicht. 295. — Ad. Kressner, Beiträge zur Geschichte 
der Pastoraldichtung. I. Einl. Montemayors Diana 309 ff. — 
Jul. Köster, Ueber die Notwendigkeit eines systemat. 
Unterrichtes in der deutschen Grammatik in den untern u. 
mittleren Classen höherer Lehranstalten und die für diesen 
Unterricht vorhandenen bezügl. zu empfehlenden Hilfsmittel 
361. — K. Foth, Zur franz. Grammatik u. Lexikographie 
397. — Rob. Reinsoh, Jacques d’Amiens, L’art d’aimer. 
Vergleichung des Pariser u. Dresdener Textes. 409—435. — 
Beurteilungen u. kurze Anzeigen. — Miscellen: 0. Wed- 
d i g e n, Metrische Uebersetzungen (u. a. Bertrand de Born, 
Wohl lacht der Lenz mir froh entgegen* etc., Walther v. d. 
Vogelweide, Es plagt uns schon lange der Winter so kalt 
u. a. m.). 

Archivio per lo Studio delle tradizioni popolari. Ri- 
vista trimestrale diretta da G. Pitrö e 8. Salomone- 
Marino. Palermo, Luigi Pedone Lauriel Editore. 1882. 
(Preis p. a. L. 12 in Ital. fr. 14 im Ausl.). VoL I. Fascicolo 
I. Gennaio—Marzo 1882: G. Pitrö u. 8. Salomone- 
Marino, Ai lettorL — Fr. Max Müller, Lettera al Dr. 
G. Pitrö. — 8. 9alomone-Marino, Schizzi di costumi 
contadineschi siciliani. — G. Pitrö, Novelle popolari tos- 
cane. — Rh. Köhler, Perchö gli uomini non sanno piü 
quando devono morire. — Z. Consiglieri Pedroso, un 
comto populär da India portugueza. — G. Pitrö, J Cia- 
räuli, Credenze popolari siciliane. — G. Finamore, 8torie 
popolari abruzzesi in versi. — Th. dePuymaigre, VeUlöes 
de Villages: Les Dayemans. — A.Gianandrea, Proverbi 
Marchigiani: Cittä, Paesi, NazionL — Carolina Coronedi- 
Berti, Proverbi Bolognesi: Agricoltura, Meteorologia. — 
Joachin Costa, Influencia del Arbolado en la Sabiduria 
populär. — G. Ferrare, Cinquanta giuochi fanoiullesohi 
monferrini. — Miscellanea: Salomone-Marino, Rimedi 
e Formoie contro la Jettatura. — L. Passarini, II com- 
paratico e la festa di 8. Giovanni nelle Marche e neil’ 
Umbria. — F. Pelay Briz, Erode ed Erodiade nelTa tra- 
dizione popolare Catalana. — A. Machado y Alvarez, 
II Folk-Lore spagnuolo. — Eine reichhaltige Rivista biblio- 
grafica und ein Bullettino Bibliografico referiren erstere in 
längern, letzteres in kürzeren Anzeigen u. a. über folgende 
Werke zur Volkskunde: Mamo, Li cunticeddi di me nanna 
(Pitrö); Dalmedico, La fratellanza dei popoli nelle tra¬ 
dizioni comuni (Pitrö); Mandalari, Canti del popolo reg- 
gino (Salomone-Marino); Söbillot, La littörature orale de 
la Haute-Bretagne (Pitrö); Rolland, Faune populaire de 
la France (Pitrö); Puymaigre, Romanceiro. Choix de 
vieux ohants portugais (Salom.-Mar.); Pedroso, Contri- 
bui 9 oes para uma Mithologia populär portugueza (Pitrö); 
Coelho, Revi8t% d’Ethnologia; Ethnographia portugueza 
fPitrö); Demöfilo, Cantes flamencos; Balmeseda y 
Gonzalez, Primer Cancionero de coDlas flamencas popu¬ 
läres; Asbjörnsen, Ausw. norwegischer Volksmärchen u. 


Digitized by 


Google 



115 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 3. 


116 


Waldgeis ter-Sagen (Pitrfc); Nyrop, Sagnet om Odysseus 
og Polvphem (Moratti); Santo Rapisarda, Raccolta di 
Proverbi siciliani ridotti in canzoni; Ricciardi, Saggio 
intorno ai Proverbi; P. G i o r g i, Canzoni jpopolari siciliane; | 
F. Corazzini, Poesie popolari oalabresi; Quintino Napo 1 e, j 
Canti popolari leccesi; G. Caponi, XL Canti popolari j 
inediti di Montelia; G. Amalfi e L. Correra, Cinquanta 1 
Canti popolari napolitani; L. Molinaro Del Chiaro, i 
Un canto del popolo napoletano con var. e confr.; F. Sa¬ 
ba tini, Rispetti inediti di A. A. Poliziano trascritti da un 
codice del sec. XV; 8aggio di Canti popolari di Castel S. 
Pietro in Sabina; Mancinelli Antonio e Radi Ad., Le 
fasi delT Amore nelT Umbria (Da una Raccolta inedita); ■ 
A. Bartoli, una Novellina e una poesia popolare gragno- j 
lesi; G. N e r u c c i, Cincelle da bambini in nella stietta par- | 
latura rustica d* i’ Montale pistolese sentute arracoontare i 
e po’ distendute ’n su la carta da Gh. N.; N. Bolognini, I 
Fiabe e Loggende della Yalle di Rendena nel Trentino; ! 
St Prato. Caino e le spine secondo Dante e la tradizione 
popolare; P. Ellero, Delle Superstizioni volgari inFriuli; » 
Coelho, Os Dialectos romanicos ou neo-latinos na Africa, I 
Asia e America (s. Ltbl. 1881 S. 256); Risteihuber, Une 1 
Fable de Florian. Etüde de Littärature comparde. — Es I 
folgt eine Angabe der neuesten Publicationen, Inhaltsver- | 
zeichniss von Zss., worunter eine Reihe sonst wenig be¬ 
kannter; den Schluss bilden „Notizie varie“. — Diese In¬ 
haltsangabe wird genügen um zu zeigen, wie die neue Zs., 
die an sich schon als höchst willkommen zu begrüssen ist, 
an Reichhaltigkeit des Inhalts nichts zu wünschen übrig I 
lässt. Volks Überlieferungen jeglicher Gattung u. aller Länder 
fast sind vertreten. Für die Tüchtigkeit des Inhalts der 
einzelnen Beiträge bürgen die Namen der Autoren, unter 
denen wir die bewährtesten „Folk-Loristen“ der verschiedenen 
Länder treffen. Wir wünschen den beiden um die Volks¬ 
kunde so hochverdienten Herausgebern für ihr neues dankens¬ 
wertes Unternehmen bestens Glück und den wohlverdienten 
Erfolg. — F. N. 


Noord en Zuid V, 1: Mr. Julius Obrie, Eenheid van taal’ 

— Mr. C. B a k e, Leekengedachten over het hedendaagsche 
taalgebruik. — Navorschingen. — J. Beckering Vin- 
cker8, Apostillen II. — Brabantius, Schofttijd. — Hol- 
landsch. — J. C. Groothuis, Waarom is willen onregel- | 
matig. — J. Kluyver, Ongeveer. — Politieblad. — J. E. 1 
ter Go uw, Examenwerk; Landouw; Geen „zier“. — Br., 
Lovenschen arbeid. — H. E. Moltzer, Drie dichters. — 
Nieuwe woorden. — F. Van Dixhoorn, Iets over het 
woord Wan. — J. C. G., Kievit. — J. C. Groothuis, 
Brennen, denken, dünken. — W. A. P. F. L. Bakker, 
Nalezing. — Het heeft er geen handwater bij. — Men moet 

oed beslagen ten iß körnen. — Beunhaas. — Verkeerde 
enamingen. — Verboden huwelijken. — Boekbeoordeelingen. 

D. Claes, Cours de langue flamande k l’usage des Wallons. 

— D. Dekker, De Taal op SchooL — Crito, De Mannen 
onzer Vaterlandsche Letterkunde. 


Magazin f. die Lit. des In- n. Auslandes. 1882. 6—9: 
Ed. Engel, Venezianische Sprichwörter. — C. Abel, Kon¬ 
krete u. abstracto Spraohen (über G. Oppert, on the Classi¬ 
fication of languages). — G. Weisstein, eine Goethe- 
Polyglotte („Freudvoll u. Leidvoll“ in versch. Sprachen). — 
A. Büchner, neue französ. Werke über Shakespeare. 
(Ueber M6zi&res, Pr6d6cesseurs et Contemporains de 8hak- 
speare; Shakespeare, ses Oeuvres et ses critiques; oontem- 
posains et successeurs de Shakespeare. Paris, 1881, 82. 
Hachette.) 

Zs. f. das Gymnasialwesen XXXVI, Januar: J. Zupit za, 
mein Votum in der Realschulfrage. (Z. behauptet aui Grund 
seiner Erfahrungen, dass auch für das Studium der engl. 
Philologie der Gymnasialabiturient besser vorbereitet ist 
als der Realschulabiturient.) 

Historisch-politische Blatter Bd. 89, 3: Zur deutschen 
Sprach- u. Culturgesohichte (über Buck, Oberdeutsches 
Fluraamenbuch und: Haushaltungsbücher der Gräfin von 
Wolkenstein.) 

Neuer Anzeiger f. Bibliographie n. Bibliothekwissen¬ 
schaft Jan. 1882: G. Milchsack, wie soll man Incunabeln 
verzeichnen? 

Korrespondenzbl. des Vereins f. sieSenb. Landeskunde 
V, 1: Joseph Haltrich, Charakteristische Merk- u. Unter¬ 
scheidungszeichen der Bewohner einzelner sächsischer Kreise 


u. Ortschaften. — G. F. Marienburg, die siebenbürgisch- 
deutschen Namen der Hausthiere u. was damit zusammen¬ 
hängt — Wonzling. — Häbesch. — 2: Fr. Fronius, das 
Urzel-Laufen in Agnetheln. Ein Fastnachtsspiel. — Häbesch 
(hauen + Busch). 

Die Grenzboten Nr. 5: Zwei Faustcommentare (über Mar¬ 
bach und Sohroer). 

Preussische Jahrbücher 1882,1: H. v. Treitschke, zur 
Geschichte der deutschen Romantik (Bruchstück aus dem 
2. Bde. der „Deutschen Geschichte im 19. Jh.“). — J. C ar o, 
Heinrich Rückert in seinem Leben u. Wirken, dargestellt 
von Amalie Sohr. — 2: Julian S c hm i d t, Notizen (Chamis- 
8os Geburtstag — Bettina — Friedrich Schlegel u. Dorothea). 

De Portefeuille 44. 45: Kock, Uitgaven en vertalingen 
van Dantes Divina Commedia. 

De Nederlandsche Spectator 3: Jacobson, Tartuffiana. 

Finsk Tidskrift für vitterbet, vetenskap etc. XI. H. 6. 
Dec. 1881. S. 421—429: G. Stjernström, Spräkstriden 
mellan Urban Hjärne och Jesper Svedberg. S. 

Rev. pol. et litt. Nr. 4. 28 janv. 1882: C. Le nie nt, Alfred 
de Müsset (wird fortgesetzt). — E. de Pressensd, Marc 
Aur&le et la fin du monde antique (über Renans neuestes 
Buch). — In der Chron. litter. wird u. a. berichtet über die 
unter dem Titel Etudes litt&raires zusammengedruckten zwei 
Arbeiten des 1879 verstorbenen Saint-Renö Taillandier über 
Boursault u. über die neuprovenz. Dichtung. — Nr. 5. 4 fevr.: 
Raoul Rosiöres, Philosophie de l’histoire. MM. R. Flint 
et L. Benloew (R. Flint, la philosophie de Thistoire en France, 
1 vol. 8°; la philosophie de l’histoire en Allemagne, 1 voL 
8°; traduits par M. L. Carrau. L. Benloew, les Lois de 
rhistoire, 1 vol. 8°). — Publicistes beiges. M. ßtnile de La- 
veloye (Bericht des Preisgerichts, das die wichtigsten, seit 
5 Jahren in Belgien erschienenen Werke zu prüfen hatte 
u. die Ertheilung des Preises an L. beantragt hat). — In 
der Caus. litt.: Albert Duruy, l’Instruction publique et la 
Revolution; H. de Bornier, BApötre, drame en 3 actes 
et en vers. — Nr. 6. 11 f£vr.: Louis Ducros, Critique 
contemporaine. M. Edmond Scherer. — Albert Le Roy, 
Documents nouveaux sur J.-J. Rousseau. L’exil en Suisse 
(J.-J. Rousseau au val de Travers par Fritz Berthoud, Paris 
1881). Verf. des Artikels bringt selbst einige neue Docu- 
mente von Bedeutung bei. — In der Caus. litt.: Emile 
Zola, notes d’un ami, par Paul Alexis avec des vers in- 
edits d’Em. Zola. Paris 1882. 

Bibliotheque de l’dcole des chartes XLH, 4. 5. 6: A 
Thomas, Les Miracles de Nostre-Dame de Chartres, texte 
latin inädit. 

Revue de Belgique 1: Pergameni. La satire au XVT e 
stecle et les Tragiques d’Agrippa d’AubignA 

Rassegna Settiroanale 210. 8. Jan.: II nipote di M me de 
Sevign6 (über das Buch von M. Masson: Le marquis de 
Grignan). — 211. 15. Jan.: Masi, II Baretti e Agatopisto 
Cromaziano. — Neri, un giornalista del secolo XVU (über 
Socini, der zu Turin das erste itaL Journal erscheinen üess). 
— 212. 22. Jan.: Rizzi, Questioni dantesche (über einen 
Vers des Ges. 3 vom Purgatorium, wo a chi piü va statt a 
chi piü sa zu lesen wäre). — Cappelletti’s Albertino Mussato 
e la sua tragedia Eccerinis wird als überflüssig bezeichnet, 
s. Körting Ltbl. 1881 8. 443. — 213. 29. Jan.: Masi, II 
dizionario di Rezasco (über Dizionario del linguaggio italiano 
storioo ed amministrativo; Florenz, Le Monnier). — Mo¬ 
randi, Difficolta di tradurre lo Shakespeare. — Ca ix, 
Le antichitä della terra d’Otranto (Truddhu gr. r^oviXos, 
ven. turlon etc.). — C a i x, L’etimologia di lacche et güet. 
(Lacche t fr. laquais , engl, lackey , deutsch Lakei, span. u. 
port. lacayo ; vgl. afr. halague alague 9 alacays, lacays ; ala- 
gue = türk, ulak Läufer; daher mgr. ovlaxi;, ngr. oiaxip, 
alb. uldk. — Gilet steht für gilec, nprov. gilecon, it. giulecca 
Sklavenkittel, = türk, jelek; gilet: gilec = palletot: palle- 
toc (= palla togä) u. ist = span, chaleco, ngr. yetin, alb. 
jeljek. — Finziu. Borgognoni, Questioni dantesche. — 
Bespr. wird Del Lungo’s, Dell’ esilio di Dante. — Mit 
diesem Hefte hört die Rassegna settimanale bedauerlicher 
Weise auf zu erscheinen. 

Nuovi (I) Goliardi, periodico mensile di storia, letteratura 
e arte. Fascic. di nov.-dicem.: S. Prato, Importanza della 
novellistica popolare comparata. — D e r s., Novellina popo¬ 
lare monferrina, con note comparative e postille. 

Nuova Antologia. 1. Febr.: Al. D’ Anco na, un äwen- 
turiere del secolo XVIII. Giacomo Casanova e le sue Memorie. 


Digitized by 


Google 


♦ 


117 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 3. 


118 


Neu erschienene Bücher. 

Graf, Arturo, Roma nella memoria e nelle immaginazioni 
del medio evo. I. Bd. Turin, Loescher. XVI, 462 8. 6 fr. 
♦Ziemer, H., Junggrammatische Streifzüge im Gebiete der 
Syntax. I. Zur Geschichte der junggrammatisohen Literatur. 
11. Das psychologische Element in der Bildung syntaktischer 
Spraohformen. Golberg, Post. 156 S. 8. M. 2,70. 


B o e r c k e 1, A., die fürstlichen Minnesinger der Manesseschen 
Liederhaadschrift. Ihr Leben u. ihre Werke. # 

Busch, H., die ursprünglichen Lieder vom Ende der Nibe¬ 
lungen. Halle, Niemeyer. 8. M. 1,80. 

*Cas8el, Paulus, Iron und Isolde, ein altdeutsches Sagen¬ 
bild und der Bär von Berlin. Berlin, Wohlgemuth. 1881. 
86 S. 8. M. 1,50. 

♦‘Codex Tepleasis, der, enthaltend die Schrift des newen 
Gezeuges. Zweiter Theil: die Briefe Sh Pauli. München, 
Literar. Institut v. M. Huttier. 107 S. 4. M. 6. 

♦Engelmann, Emil, Volksmärchen und Göttersagen aus 
german. Vorzeit. Neue Folge. Stuttgart, Metzler. 262 S. 8. 

Frischbier, H., Preussisches Wörterbuch. Ost- u. west- 
preussische Provincialismen. 1. Lief. Berlin, Enslin. 8. M. 2. 

♦Goethe, Faust, ein Fragment. Heilbronn, Gebr. Henninger. 
XV, 89 S. 8. M. 0,80. = Deutsche Litteraturdenkmale des 
18. Jh.’s in Neudrucken hrsg. von Bernh. Seuffert. 5. 

Goethes Faust Ein Fragment, in der urspr. Gestalt neu 
hrsg. von W. L. Holland. Freiburg, Mohr. 8. M. 1, auf 
Büttenpapier M. 4. 

♦Hahn, K. A., Althochdeutsche Grammatik nebst einigen 
Lesestücken u. einem Glossar. Hrsg, von Jos. Strobl. Fünfte 
wesentlich veränderte Aufl. Prag, Tempsky. 114 S. 8. 

Ingold, Meister, das goldene Spiel, hrsg. von E. Schroeder. 
Strassburg, Trübner. 8. M. 3. (Elsässische Literaturdenkmäler 
hrsg. von E. Martin u. E. Schmitt, Bd. 3.) 

♦Klopstock, Friedr. Gottl., Wjngolf. Kritische Ausgabe 
nebst Commentar von J. Pawel. Wien, Gerold. 156 S. 8. 
M. 3,60. 

Nilsson, L. G., Fornisländsk Grammatik. Andra Häftet. 
Stockholm, Centraltryckeriet. 1881. 8. S. 89—160. 1 kr. S. 

Richter, H. M.. aus der Messias- und Wertherzeit. Wien, 
Rosner. 8. M. 3,60. 

Svenskt Diplomatarium frän och med &r 1401. Utgifvet 
af Riksarchivet genom Carl Silfverstolpe. Andra Delen. 
Andra Häftet. Stockholm, Kongl. Boktryckeriet. 4°. S. 241 
—456. 5 kr. S. 

Ulrich von Winter st et ten, die Leiche u. Lieder des 
Schenken U. v. W., hrsg. von J. Minor. Wien, Konegen. 
8. M. 3. 

♦Werner, R.M., Leasings Emilia Galotti. Nebst einem Anh.: 
die dreiactige Bearbeitung. Berlin, Besser. 75 S. 8. M. 1,50. 


♦Shakspere, W., Works. XXX. Julius Caesar. Edited by 
L. Proescholdt. Hamburg, Grädener & Richter. V, 92 S. 8. 
Z e u n e r, Rudolf, Die Sprache ües kentischen Psalters (Ves- 

S asian A. J.). Ein Beitrag zur angelsächsischen Grammatik, 
[alle, Max Niemeyer. 1882. 143 8. 8. M. 4. 

B o r e 1, Diotionnaire des termes du vieux frangois, ou Trösor 
des recherches et antiquites gauloises et frangoises; par 
Borei, conseiller et ntedecin ordinaire du roy. Augmente 
de tout ce qui s’est trouvö de plus dans les dictionnaires 
de Nicot, de Monet et de plusieurs autres. Nouvelle ödition, 
avec addition de mots anciens omis par Borei, suivie des 
patois de la France, recueil de chants, noöls, etc., pröcödö 
d'une ötude sur l’origine des patois, sur les langues d’oil et 
d’oc et sur leurs limites, par L. Favre, de la Socidtd de 
rhistoire de France. 2 vol. ln-8 1 . T. 1, III, 351 p.; t. 2, 
240 p. Niort, impr. et lib. Favre. 

Brinckmeier, £., die lyrische und politische Poesie der 
provenzalisohen Troubadours. Göttingen, Vandenhoeok & 
Ruprecht. 

Burton, R. F., The Lusiads. Vols HI and IV. „Life of Ca- 
moens and Commentaries tt . London, Quaritsch. (S. Academy 
11. Febr. 1882: BurnelL) 

Canto, Un, del popolo napoletano, oon varianti e confronti 
(Fenesta oa luoir 1 emo mi luce) per Luigi Molinaro Del 
Chiaro. Napoli, tip. G. Argenio. 1881. in-8. p. 48. L. 1,30. 
Canzoni popolari siciliane. Livorno, tip. di Franc. Vigo. 

in-8. pag. 15. Per nozze Mazzoni-Chiarim. 

Chanson, la, de Roland. Texte critique, traduction et com- 


mentaire, grammaire et glossaire, par Leon Gautier, pro- 
fesBeur ä rEcole des chartes. 11* ddition, revue avec soin. 
Edition classiqüe ä l’usage des ölöves de seoande. In-18 jöstxs, 
LU, 605 p. Tours, imp. et lib. Marne et fils. 

♦Corneille, P., Horace. Mit Einleitung u. Anmerkungen 
hrsg. von Dr. W. Herding.* Erlangen, Deiohert. XII, 76 S. 
8. M. 0,65. 

Leander, J. E. M., Essai syntaxique sur les proüoms per¬ 
soneis dans le frangais moderne. Stockholm. 1881. 40 S. 8. S. 

Leggende popolari siciliane in poesia, raccolte ed annotate 
da Salvatore Salomone-Marino. Palermo, Luigi Pedone 
Lauriel edit. (tip. di P. Montaina e C.), 1881. in-16. pag. 
XXIX, 435. L. 4. 

Maire, A., Essai d’un dictionnaire philologique des noms de 
lieux du döpartement de Vaucluse. In-8, 19 p. Tours, imp. 
Bousrez. Extrait des Comptes rendus du congr&s tenu ä 
Arras par la Sociötö frang. d’archöologie en septembre 1880. 

♦Manzoni, Giacomo, Studii di Bibliografia analitica. Studio 
II: De’ primi inventori delle lettere a stampa per servire 
alle arti dello scolpire, del miniare e dello scrivere; de’ 
libri e degli esemplari di caratteri intagliati o impressi sino 
alla metä del secolo XVI e degli autori di essL Con 8 tavole 
silografiche. Bologna, Romagnoli. 168 S. 8. L. 5. 

Mira des de Nostre Dame par personnages publiös 
d’aprös le Ms. de la Biblioth&que Nationale par Gaston 
Paris et Ulysse Robert. T. V. Paris, Firmin-Didot. 338 
S. 8. fr. 10. (Soc. d. anc. textes frangais 1880.) Inh.: XXIX. 
Mir. de la fille du roy de Hongrie. XXX. Miracle de Saint 
Jehan le Paulu, hermite. XXXI. Mir. de Berthe. XXXII. 
Miracle du roy Thierry. 

Moguel, Sanchez, Memoria acerca el magico prodigioso de 
Calderon y en especial sobre las relaciones de este drama 
con el Fausto de Goethe. Obra que obtuvö el premio enel 
certamen abierto por dicha real academia. Madrid, Tip. de 
la Correspondencia illustrada. 1881. 212 S. 12°. (8. Poly- 
biblion, Febr. 1882: Th. de Puymaigre.) 

Pitrö, Giuseppe e Pedone Lauriel, Luigi, Usi nnxiali 
del popolo siciliano. S. 1. (Palermo), tip. di P. Montaina e C. 
1881. m-4 picc. pag. 46. Per nozze Salomone-Marino—Abbate. 

Prediche, cinque, a monache in lingua volgare di due 
celebri francescani del secolo XV (fr. Bernardino da Feltro, 
e fr. Michele da Milano) tratte da un oodice della Nazionale 
di Firenze per cura di Fr. Marcellino da Givezza. XXH, 
110 S. 16. Prato. L. 1,50. 

R a c c o n t i, Cinque, tolti dalle Chiose sopra Dante, attribuite 
a Giovanni Boccaccio, con epigrafe di dedica, dell’avv. Ugo 
Chiellini. Livorno, tip. Vigo, 1881. in-16. pag. 8—26. Edi- 
.zione fuori commercio di soli 150 esempl., 20 dei quali in-8, 
in carta reale a mano. Per nozze Trumpy-Corradini. 

Racine, J., Les Plaideurs, comödie de Jean Racine. Texte 
revu sur la derniöre ödition domteö par le poöte (1697) et 
publiö avec les notes de tous les commentateurs et de nou- 
velles notes historiques, philologiques et littöraires, par 
Armand Gaste, professeur ä la faculte des lettres de Caen. 
In-12, 115 p. Saint-Cloud, impr. V* Belin et fils; Paris, lib. 
V* Belin et fils. 

♦Raimbaut de Vaqueiräs. Las frevols venson lo plus 
fort etc. hrsg. v. A[dolf]T[obler]. Nach Paris Bibi. Nat. 
F. frang. 856 foi. 125 = C und F. frg. 1749 foL 187 = E 
(Bartsch Grundr. 392, 21). Berlin, Akad. Buchdruckerei. 1 
BL Gedruckt gelegentl. eines Vortrags darüber zur Ver¬ 
keilung in der Gesellsch. f. neuere Spr. in Berlin. 

Romdahl, A., Glossaire du patois du Val de Saire (Manche), 
suivi de remarques grammatioales. Linköping. 1881.81 S. 8. 8. 

Stengel, E., Die Zulassung der Realschulabiturienten zum 
Studium der romanischen und englischen Philologie. 8 S. 8. 
Aus dem pädagogischen Archiv. 

Thomas, A., Nouvelles recherches sur l’entröe de Spagne: 
Chanson de geste franco-italienne. Paris, Tborin. fr. 2. 

Vaccheri, G. G., e C. Bertacchi, Cosmografia della 
Divina Commedia. La visione di Dante Alighieri considerata 
neUo spazio e nel tempo. Turin, Candeletti. 8°. 241 p. 11 
Tafeln. L. 5. 

♦Wolter storff, Hermann, das Perfect der zweiten schwachen 
Conjugation im Altfranzösischen. Hallenser Diss. 34 S. 8. 


Ausführlichere Recensionen erschienen 
über: 

Fan st von Goethe, hrsg. von Schroer (v. Biedermann: Wis- 
sensohaftl. Beilage der Leipziger Zeitung Nr. 17 u. 18 [aus- 


Digitized by 


Google 




119 


1882. Literaturblatt für germanische und romanisohe Philologie. Nr. 8. 


120 


führlich u. günstig] und von E. M. Werner: Zs. f. österr. 
Gymn. 1882, H. 1). 

Geete, um styrüsi konunga ok höfdinga und Söderwall, 
studier öfver konunga styrelsen (Revue historique du droit 
franyais. 1881, Nov.-Dec.). 8. 

Scherer, deutsche Literaturgeschichte (v. Gerlach: Neue 
Jahrbücher Bd. 126 H. 1). 

Speculum regale hrsg. v. 0. Brenner (v. E. Beauvois: 
ReV. crit. 6). 


Commynes, Memoire» p. p. Chantelauze (v. J. Kaulek: Rev. 
crit. 6). ' 


Literarische Mittheilungen, Personal¬ 
nachrichten etc. 

Im Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses (Halle) 
erscheint von 0. Erdmann, Textausgabe des Otfried, mit 
Glossar. — Gaedertz bereitet eine kritische Ausgabe von 
G. Rollenhagens Comödie Amantes amentes und eine Arbeit 
über die verschiedenen Bearbeitungen der Ovidischen Er¬ 
zählung von Pyramus und Thisbe in Deutschland bis zum 
Ende des 18. Jh. f s vor. 

Die English Dialect Society wird in diesem Jahre 
den 3. und letzten Theil des Dictionary of english plant names 
von Britten und Holland und den 2. Theil von Nodal’s und 
Milner’ß Gloseary of the Lancashire Dialect veröffentlichen. 


Von Rudolf Plfthn (Strassburg) wird eine höchst will¬ 
kommene neue Ausgabe der Quatre Livres des Reis 
(mit Laut- und Formlehre) erscheinen. — Von Theodor Gärt¬ 
ner erscheint in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie 
eine Beschreibung des ladinischen Dialect» von Pinzolo (Judi- 
carien). 

Berichtigungen. In Nr. 2 des Ltbl.’s 8. 57, Z. 17 
v. u. ist Otto zu streichen. — S. 82, Z. 18 v. u. L Gar in 
de Monglane. 

Antiquarische Cataloge: Bamberg, Greifswald 
(Literaturgesch., Sprachwissensch.); Harrassowitz, Leipzig 
(Linguistik); Kubasta, Wien (Verschiedenes); List & 
Francke, Leipzig (Deutsche u. rom. Spr. u. Lit.). 


Abgeschlossen am 20. Februar 1882. 


An unsere Mitarbeiter 
richte ich die dringende Bitte, Sendungen an mich 
nicht bloss zu adressiren: Professor Dr. Behaghel, 
sondern entweder die Bezeichnung „an der Uni¬ 
versität“ oder Vor- oder Strassennamen zufügen zu 
wqllen. Otto Behaghel. 

Heidelberg, Sändgasse. 


NOTIZ. 

Den germanistischen Theil redigirt Otto Behaghel (Heidelberg, Sandgasse 5), den romanistischen and englischen Theil Fritz Neumaas 
(Heidelberg. Hauptstr. 73), and man bittet die Beiträge (Hecensionen, kurxe Notizen, Personalnachrichten etc.) dem entsprechend gefälligst zu adressiren. 
Die Redaction richtet an die Herren Verleger wie Verfasser die Bitte, dafür Sorge tragen zu wollen, dass alle neuen Werke germanistischen oad 
romanistischen Inhalts ihr gleich nach Erscheinen entweder direct oder durch Vermittelung von tiebr. llcnninger in Heilbronn xugesandi 
werden. Nur in diesem Falle wird die Redaction stets im 8tande sein, über neuePublicationen eine Besprechung oder 
kürzere Bemerkung (In der Bibliogr.) zu bringen. An Oebr. Henninger sind auch die Aufträgen über Honorar und 8onderabzüge za richten. 


Literarische Anzeigen. 

Verlag von Eugen Franck’s Buchhandlung (Georg 
_ _ Maske) in Oppeln. 

Felise, H. Estienne Jodelle’s Lyrik. Diss. «46 1,— 

Grabow, Dr. Leitfaden bei Ertheilung des Anschauungs¬ 
unterrichts in fremdsprachigen Schulen. *#£ 1,— 

Lindner, Dr. F. Grundriss der Laut- und Flexions-Analyse 
der neufranzösischen Schriftsprache. 2^0 

Lombard, E. Etüde sur Alexandre Hardy. Diss. <M. — ,90 
Mangold, W. Moliöres Tartuffe. Geschichte u. Kritik. 5,60 
Ritter, E. Nouvelles reoherches sur les confessions et la 
correspondance de Jean-Jacques Rousseau. «46 1,50 

Stinner, A. De eo quo Cicero in epistolis usus est sermone. 

M %- 

Weidner, G. Der altfranzösische Prosaroman von Joseph v. 

Arimathia mit einer Einleitung herausgegeben. 6,— 

Znpitza, J. Einführung in das Studium des Mittelhoch¬ 
deutschen. c/fe 2,— 

-Rubins Gedichte kritisch bearbeitet. tM> 1,— 

Zeitschrift für nenfranzös. Sprache nnd Literatur hrsg. 
von Körting und Kosohwitz. k Bd. M, 15,— 


Englische Synonymik 

von 

Dr. K. Kloepper. 

Ausg. A. Für Lehrer^ und Studierende. 1881. ca. 900 
Gruppen. 80 Bogen gr. 8°. Preis 9.— 

Ansg. B. Für Schüler. 2. Auflage. 1881. oa. 450 Gruppen. 
Preis M. 1.60. 

Ausg. B. an mehr als 20 Schulen in Gebrauch. 
Verantwortlicher Redacteur Prof. Dr. Fritz Neumann in Heidelberg. — Druck von G. Otto in Darmstadt. 

Digitized by 


Google 


Mag non lDitfi. I Herthec in jttojl oife. 


$eßr. henninger in ^betCßromt. 

Soeben erschien: 

FAUST, 

EIN FRAGMENT 

VON 

GOETHE. 

(Deutsche Litteraturdenkmale des 18 . Jahrhunderts in Neu¬ 
drucken herausgegeben von Bernhard Seuffert Nr. 5.) 

Preis 80 Pf. 

Die Vorbemerkung gibt Beiträge zur Geschiohte des 
Goethe’schen Faust; der Herausgeber hat acht Original¬ 
ausgaben benützt und verglichen und führt darnach aus, 
dass 1790 zwei verschiedene Auflagen des Faustfragmeutes 
erschienen sind, 

deren 

erste j zweite 

dem oben angeseigten Neu- > soeben bei J. C. B. Mohr 
druoke zu Grunde gelegt, \ erneuert worden ist. 

Um das Nachschlagen zu erleichtern, ist dem Neu¬ 
drucke ausser der Üblichen durchlaufenden Zählung des 
Fragments die 8chröer’sche und die v. Loeper’sche Vers- 
zählung beigefügt. 










Literaturblatt 


für 


germanische «na romanische Philologie. 

Unter Mitwirkung von Professor Dr. Karl Bartsch herausgegeben von 

Dr. Otto Behaghel und Dr. Fritz Neumann 

ao. Professor der germanischen Philologie ao. Professor der roman. und rngl. Philologie 

an der Universität Heidelberg. 

Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

Erscheint monatlich. Preis halbjährlich M. 5. 


III. Jahrg. Nr. 4. Äprü. 1882. 


Ziemer, Junggrammatiscbe Streifküge (Be- ■ 
h a g h e 1). , 

Bn g g e, 8tudier over de nordiske Gude- og Helte- | 
eagns Oprindelee 2 (E d z a r d i). 

8 ehr ftd er, Das Anegenge (Bartsch). 

Bulthanpt, Dramaturgie d. Klassiker (Wend t). 1 

Bartsch, Romantiker u. germanist. Studien in 
Heidelberg (Mino r). 

Maurer, Wasserweihe des germ. Heidenthums 
(Cohn). 

Schipper, Englische Metrik (Wissmann). 

B a s t i n # Grammaire historique de la langue fran<j. 


(Nyrop). 

Lindner, Lant- und Flexionsanalyse der nfr. 

Schriftsprache (Nyrop). 

P i o, Fransk 8proglasre (Nvrop). 
Mahrenholtr, Molidres Leben und Werke 
(K n ö r i c h). 

C1 a u d i n, Antiqvitds typographiquss de la France 
(8 u c h i e r). 

M i k 1 o s i e h , Rumänische Untersuchungen 1 
I (J a r n i k). 

| Körting, Gedanken über das Studium der neuern 
Sprachen (v. 8allwürk). 


Aaher, Ueber den Unterricht in den neuem 
Sprachen (v. Sallwürk). 

Stengel, Ziele u. Wege des Unterrichts in den 
nenern Sprachen; Zulassung der Realschulabi¬ 
turienten etc. (▼. Sallwürk). 

Bi bliographie. 

Literarisch« Mittheilungen, Persocal- 
nachrichten etc. 

Notiz. 

Heinzerling und Wejener, Erwiderung u. 
Antwort. 


Ziemer, Hermann, Junggrammatische Streif¬ 
züge im Gebiete der Syntax. Colberg, Post. 
1881. 156 S. 8. M. 2,70. 

Die vorliegende Schrift will in erster Linie den 
praktischen Schulmann mit, der sogenannten jung¬ 
grammatischen Bewegung bekannt machen und so¬ 
dann, imer mit besonderer Rücksicht auf den Lehrer, 
zeigen, wie auch auf dem Gebiete der Syntax die 
Grundsätze der Junggrammatiker theoretisch und 
praktisch durchzuführen sind. Demgemäss ist der 
erste Abschnitt des Buches betitelt: zur Geschichte 
der junggrammatiscben Litteratur, der zweite: das 
psychologische Element in der Bildung syntaktischer 
Sprachformea. Der erste Th eil stellt wohl die An¬ 
sichten der „Junggrammatiker" im Allgemeinen 
richtig dar, gibt aber von der eigentlichen Ge¬ 
schichte dieser Richtung ein durchaus unzutreffendes 
Bild: weder ihre äussere noch ihre innere Entwicke¬ 
lung ist von Ziemer richtig erfasst worden. Als 
ihre Hauptvertreter nennt er S. 6 Paul, Osthoff, 
Brugman und meine Wenigkeit. Diesen sollen sich 
angeschlossen haben Leskien, Braune, Sievers, 
Whitney, Merzdorf etc. Das ist gründlich verkehrt. 
Der Mann, der — wenn man von Scherer absieht 
— den eigentlichen Anstoss zur ganzen Bewegung 
gegeben hat, ist Leskien. Dieser ist theilweise von 
Whitney angeregt worden; es bestehen übrigens 
zwischen dem letzteren und den Junggrammatikern 
noch wesentliche Unterschiede, vgl. Misteli in der 
Zs. für Völkerpsychologie XI, 367. Von Leskien 
sind ausgegangen die Leipziger Braune, Brückner, 
Brngman, Merzdorf, Osthoft, Sievers. Erst einer 


dritten Generation gehören Delbrück, Gustav Meyer 
etc. an; will man mir in dieser ein Plätzchen gönnen, 
so werde ich dankbar sein. Nicht recht klar bin 
ich mir geworden, welche Stellung Ziemer dem 
französischen Linguisten Michel Brgal anweist; auch 
er scheint nach ihm zu denen zu gehören, die sich 
„angeschlossen“ haben. Die Ansichten BrfiaPs aber, 
soweit sie überhaupt mit denen der „Junggramma¬ 
tiker" Zusammentreffen, standen fest, ehe man in 
Deutschland an Junggrammatik dachte. Keiner der 
in seinen „M41anges" enthaltenen Aufsätze ist später 
verfasst als Sommer 1876; die meisten fallen er¬ 
heblich früher. 

Eine Aeusserlichkeit. Man hätte gern erfahren, 
woher der Name Junggrammatiker stammt: ich 
glaube von Zuhörern gehört zu haben, dass er von 
Zarncke in seinen Vorlesungen geschaffen worden ist. 

Was die innere Entwickelung betrifft, so ist 
ein sehr wichtiger, ein Cardinalpunkt, der Aufmerk¬ 
samkeit Ziemers gänzlich entgangen. Paul in seinen 
„Principien der Sprachgeschichte" nimmt bezüglich 
des Lautwandels eibe ganz andere Stellung ein als 
noch Osthoff in seinem Vortrag „über das physio¬ 
logische und psychologische Element in der Formen¬ 
bildung“, indem er nach weist* dass das rein »phy¬ 
siologische“ Element eigentlich nicht besteht. Wie 
der Gegensatz wirklich zu fassen, darauf komme 
ich unten noch zu sprechen. 

Die Gegnerschaft, welche die Junggrammatiker 
erfahren haben, hätte etwas mehr berücksichtigt 
werden dürfen. Ziemer erwähnt nur diejenigen, 
deren Zahl die geringere, welche, wie Bezzenberger, 
prinzipielle und leidenschaftliche Gegner der jung- 


Digitized by 


Google 






123 


1382. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


124 


grammatischen Prinzipien sind. Weit bedeutender 
— quantitativ und qualitativ — ist die Schaar der¬ 
jenigen, welche zwar mit den Junggrammatikern 
im Wesentlichen einverstanden sind, aber behaupten, 
dass jene eigentlich gar nichts Neues gesagt hätten, 
dass sie selbst schon lange ihren Grundsätzen hul¬ 
digten. In diese Kategorie gehören z. B. Ascoli 
und Fick 1 , wohl auch Johannes Schmidt, nach Aeusse- 
rungen seiner Schüler zu urtheilen. . 

Die Haupteigenthümlichkeit des Ziemer’schen 
Buches ist die systematische Uebertragung der von 
Andern für Laut- und Formenlehre aufgestellten 
Gesichtspunkte auf das Gebiet der Syntax. Es 
handelt sich zunächst um zwei Gegensätze: um den 
äusseren von junggraramatischer und älterer Sprach- 
betrachtung, und um den innern der beiden Ent- 
wicklungsfactoren: des physiologischen und psycho¬ 
logischen Elements. Aber weder der eine noch der 
andere Gegensatz hat auf dem Gebiete der Syntax 
direct Entsprechendes. Ziemer meint, in der Syntax 
der classischen Sprachen seien bis jetzt kaum An¬ 
läufe gemacht, über die ältere vergleichende Methode 
hinauszugehen. Im Gegentheil, sie war bis vor 
kurzem kaum auf demselben angekommen, sie war 
fast lediglich descriptiv, wie z. B. bei Draeger und 
Holtze, oder eie erklärte nach logischen Kategorien, 
wie z. B. Gottfr. Hermann. Wie sich der zweite 
Gegensatz in der Syntax gestalte, darüber hat sich 
der Verfasser nicht in ausdrücklicher theoretischer 
Erörterung ausgesprochen; man erkennt aber, dass 
er das logische Element dem psychologischen zur 
Seite stellt. Offenbar hat Ziemer gefühlt, dass das 
logische Element in der Syntax nicht gut sich dem 
physiologischen in Laut- und Formenlehre paral- 
lellisiren lässt, daher sein Schweigen. Abgesehen 
davon, ist der Gegensatz von logischem und psycho¬ 
logischem Element überhaupt falsch. Es gibt nicht 
Fälle, die vom Standpunkt der Logik, andere, die 
vom Standpunkt der Psychologie zu betrachten 
sind, sondern der rein logische Standpunkt, der 
früher dominirt hat, gehört überhaupt nicht hierher, 
und alle syntaktische Forschung hat psychologisch 
zu verfahren. Ziemer aber, durch die Analogie von 
Laut- und Formenlehre verleitet, weist der psycho¬ 
logischen Betrachtung fast ausschliesslich diejenigen 
Fälle zu, bei welchen Associationsbildungen, Ana¬ 
logiewirkungen im Spiele sind. Sicherlich wäre er 
sehr in Verlegenheit, wenn er eine feste Grenze 
ziehen sollte zwischen den Fällen, die er nach der 
einen und nach der andern Methode behandelt 
wissen wollte. Und doch lassen sich auf dem Ge¬ 
biete der Syntax genau dieselben Momente unter¬ 
scheiden, wie auf dem der Laut- und Formenlehre, 
sofern man sie hier nur richtig fasst. Die eine 
Art der Entwickelung ist die, welche dem Worte, 
dem Satzgebilde zukommt, wenn gar kein anderes 
Wort, kein anderer Satz darauf einwirkt, welche 
also die einzige wäre, falls ausser dem betreffenden 
Wort oder Satz keine weitern Theile der Rede 
existirteü. Die zweite Art der Entwickelung ist 


1 Bei Fick allerdings besteht ein merkwürdiger Wider¬ 
spruch: in derselben Erörterung, in weloher er behauptet, 
niemals ein bis dato bekanntes Lautgesetz verletzt zu haben, 
erklärt er sich mit Allem einverstanden, was Bezzenberger 
gegen die Junggrammatiker gesagt. 


die, welche unter dem Einfluss anderer Worte und 
Satzformen stattfindet, bei der also Analogiebildung 
vor sich geht. Das einheitliche Resultat beider Ent¬ 
wickelungen entspricht gewissermassen dem Paralle¬ 
logramm der Kräfte. — Ein entschiedenes Verdienst 
hat sich Ziemer erworben durch den Versuch, die 
syntaktischen Analogiebildungen zu classificiren. Die 
Hauptgesichtspunkte sind richtig erkannt. Wenn 
zwei syntaktische Gebilde in ihrer Form auf einander 
einwirken sollen, so müssen sie etwas Gemeinsames 
haben. Uebereinstimmen kann bei Verschiedenheit 
des Inhalts, der Bedeutung ein Theil der Form; 
dann wird auch das Uebrige formal gleichgemacht: 
ein Satz wie exponerem quem ad modum vivamus 
stimmt im ersten Theile überein mit den irreal- 
condicionalen Perioden, also z. B. exponerem, si 
possem , daher schreibt Cicero: quem ad modum 
viveremus . Oder aber der Inhalt der Sätze bildet 
das gemeinsame: so entsteht interdico alicui aliqua re 
aus interdico alicui aliquid und daneben stehendem 
intercludo aliquem aliqua re. Die Namen formale und 
reale Ausgleichung sind nicht glücklich gewählt, 
denn formal ist die Ausgleichung beide Male. Voll¬ 
ständig aber kann Ziemers Eintheilung nicht be¬ 
friedigen. Er scheidet 1. formale, 2. reale und 
3. Combinations-Ausgleichungen (die nach Proportion 
geschehen), während alles, w r as er reale Ausgleichung 
nennt, in Wahrheit und bei näherer Betrachtung 
sich als proportionale Analogiebildung herausstellt 
Und das gleiche gilt, sicher wenigstens zu einem 
I grossen Theil, von den „formalen“ Ausgleichungen. 
Auch ist es Ziemer nicht gelungen, der „brachy- 
logischen Zusammenstellung zweier Formen“, der 
„syntaktischen Contraktion“ eine feste Stelle in 
seinem System anzuweisen. Die inhaltliche Ueber- 
einstimmung zweier syntaktischer Gebilde kann 
darin bestehen, dass die durch sie ausgedrückten 
Vorstellungen synonym sind und jederzeit mit 
einander vertauscht werden können, wie „er befiehlt 
ihm“ und „er heisst ihn“, daher heissen bisweilen 
mit dem Dativ construirt wird; oder die Vor¬ 
stellungen sind nur unter Umständen gleichwerthig 
und können nicht immer mit einander vertauscht 
werden; es handelt sich hier hauptsächlich um Be¬ 
wegungen und die daraus gewordenen Ruhezustände, 
wie bei sitzen = sich gesetzt haben, woraus 
sich eine Contamination er sass aufs Ross 
bilden kann. 

Die einzelnen Beispiele von syntaktischen Aus¬ 
leichungen hat der Verf. zum grössten Theile aus 
em Lateinischen gewählt und meist 2 richtig ge¬ 
deutet, wenn man von dem oben erwähnten Grund¬ 
irrthum absieht. 

Wir glauben, dass trotz erheblicher Mängel 
des Buches das Studium desselben besonders für 
den praktischen Schulmann ein förderndes und an¬ 
regendes sein wird. 

Heidelberg, 4. März 1882. Otto Behaghel. 

Nachtrag. Herr Dr. Ziemer theilt mir mit, 
er habe mit dem Ausdruck „haben sich ange¬ 
schlossen“ keine zeitliche Aufeinanderfolge, sondern 
eine „rangliche, so zu sagen“ bezeichnen wollen. 
_ , 0. B. 

3 Sicher falsch ist die Erklärung von scio quod, die der 
Verf. 8. 124 gibt. 


Digitized by 


Google 


125 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


126 


Bug ge, Sophns, Studier over de nordiske Bude- og 1 
Heltesagns Oprindelse. Förste Rsekke: 2. Hefte. Christia- 
nia, Feilberg & Landmark. 1881. S. 81—288. 8°. 1 

In diesem zweiten Hefte sucht Bugge zunächst seine 
Hypothese, dass die dänische Baldrsage aus den Sagen vom 
trojanischen Kriege entstellt sei, in unleugbar scharfsinniger 
und gelehrter, aber m. £. durchaus nicht überzeugender Weise 
zu begründen (bis S. 168), worauf in 9 Exoursen (168—92) 
einzelne Punkte in der Beweisführung erläutert und motivirt 
werden. Dann (III) werden auch im isländischen Baldrmythos 
Zöge der Achillessage gesucht — und gefunden (192—256), 
woran sich ein Excurs „Loki — Apollo“ (257—65) schliesst. 
Endlich (IY) ist über die „Ausbreitung der Baldersage“ ge¬ 
handelt. 

Auf den letzten Abschnitt muss ich 1 zuerst eingehn. Denn 
abgesehen von den früher schon von mir betonten allgemeinen 
Schwierigkeiten, auf die B.’s Hypothese stösst, muss ich in 
diesem Falle den Satz anfechten, mit dem B.’s ganze Auf¬ 
fassung des Baldrmythos steht und fällt, dass nämlich Baldr 
als besonderer Gott in Deutschland unbekannt gewesen sei 
(284—8), wofür übrigens nur die schon aus Maurers Bericht 
bekannten Gründe geltend gemacht werden. Ich behaupte 
zuversichtlich das Gegentheil und vermuthe sogar, dass Baldr 
grade aus Deutschland nach dem Norden kam. Das fast 
gänzliche Fehlen eines Baldrcnltes im Norden hat B. (S. 275) 
betont. Da nun Baldr, nd. Balder, gewiss zu got. *batp-s, 
nord. ball-r gehört 2 , müsste der Name nach nord. Lautgesetz 
Ballr lauten. Er stammt also wohl aus Norddeutschland, kaum 
von den Angelsachsen, sondern eher aus sächsisch-friesischen 
Gegenden, wofür manches spricht (vgl. auch Bäldäg[Bald-dag?], 
Wodens Sohn, in der Genealogie, von Wessex [DMyth. 4 III, 385] 
und dazu Sn. E. I, 26 Beldeg, Odins son , er vir kpllutn Baldr , 

... dtti ... Vestfal), Forsete, in der eddischen Mythologie 
eigentlich überflüssig, ist offenbar nur eine Hypostase * seines 
Vaters Baldr (so schon Simrock; Wolf, Beitr. I, 134), von dem 
, Sn. E. I, 9ff sagt engt tnd hallaz 4 dömr hans , nachdem sie ihn 
Htrasir , fegrsttaladr [vgL taladr d pingum C.-V.] ok likn- 
samastr genannt bat — eine Hypostase, die schon aus Deutsch¬ 
land stammen wird. Der Name scheint einfach hinüberge- 
nommen (wie Baldr) und mit ihm das Wesen des Rechtsgottes 
(vgl. auch Grimm, DS. 2 II, 108), nicht volksetymologisch um¬ 
gedeutet, da forseti = ‘praeses’ bis auf die jüngste Zeit dem 
Norden fremd war (C.-V., dict. 166a). Im nordwestlichen 
Deutschland, wo Wodan anscheinend vorzugsweise als Krieger¬ 
gott verehrt ward, mochte sein friedliches Gegenbild Baldr 
auch als Recht-schützender Gott unter jenem Beinamen ver¬ 
ehrt werden. Der helgoländische Fosete, Fosite ist schwerlich 
anders (von fors) zu deuten als = Forsete (vgl. Forsete 1 und 
B. 8. 178 2 ), wenn auch das Wort Bonst in den fraglichen 
deutschen Dialekten nicht erhalten ist. Mit dem kriegerischen 
Wodancult aber denke ich mir auch (im 6. Jh.?) sein Gegen¬ 
stück, den Baldrcultus nach dem Norden gekommen. 

Dass Baldr als Sonnengott Hypostase Wodans ist, be¬ 
stätigt folgende Erwägung, die zugleich Baldrs Verehrung in 
Deutschland ergibt. Dass die beiden Hartunge den bei den 
Naharnavalen verehrten göttlichen Brüdern (Tac. Germ. 43) 
entsprechen, scheint mir nach Müllenhoffs Ausführungen H. Z. 
12, 346 ff. nicht zweifelhaft; und dass die Sage von Balt[r]ram 
und 8intram, in denen sichtlich Baldr und sein Bruder fort¬ 
leben [H. Z. 12, 353], mit der, dem eddischen Baldrmythos 
noch ähnlicheren Sage von den beiden Hartungen [= Had- 
dingjar, Hadingus bei Saxo] wenn auch nicht identisch, so 
doch nahe verwandt ist, ist sicher. Die göttlichen Brüder 
des Tac. waren jedenfalls Baldr und seinem Bruder wesens- 
ähnlioh, wenn auch nicht sicher namensgleich. Baitram (bezw. 
der ältere Hartung) wird vom Drachen verschlungen (bezw. 
getödtet), aber von Sintram (bezw. dem jüngern Hartung) 

1 VgL LtbL 1882, Sp. 2 ff. — Die Uebersetzung dieses 
zweiten Heftes wird demnächst erscheinen. 

2 Auch sonst ist Baldr streitbar gedacht Lokas. 27; 
Fas. I, 372 f. (B. S. 194), ebenso Frey (folkvaldt aoda (Skfrn. 
3), gleichfalls als Sonnengott: er reitet bpdfrodr auf dem 
8onneneber (Hüsdr.), ist beztr allra ballrida (Lokas.), er¬ 
schlägt Bele mit dem Horn des [Sonnen-]Hirsches. Baldr (und 
gleich ihm Frey) ist eben den winterlichen, nächtlichen 
Dämonen gegenüber als streitbarer Friedensgott gedacht. 

8 Auch Glitnir und Breidablik sind gleichbedeutend. 

4 Ich halte ge^en B. (S. 34) hallaz W für richtig, wäh¬ 

rend r und U zufällig übereinstimmend auf das naheliegende 

Missverständnis» haldaz kamen. 


unter Tödtung des Drachen befreit, herausgeschnitten (bezw. 
nur am Drachen gerächt\ Ebenso wird nun Odin vom Wolfe 
verschlungen (8n. E. = Lokas 58, Vafp. 53), von Vidar 5 aber, 
der seinem Wesen nach [Simrock, Mythol. 4 , 129] als Wieder¬ 
geburt Odins (urspr. aber wohl als sein Doppelgänger) erscheint, 
sogleich (fegar eptjr Sn. E.) am Wolfe gerächt, indem er 
diesem den Rachen auseinanderreisst (8n. E. I, 192; Vaf p. 53) 
und nach Vsp. 56 ihm ein Schwert ins Herz stösst, vermuth- 
i lieh das Schwert des verschlungenen Odin, das herauszuholen 
vielleicht ursprünglich der Zweck .des Rachen-Aufreissens 
war, wie bei Sintram Pidr.s. Cap. 105 und Rentwtn Virg. 291 
(oder galt es nur, es in den Rachen zu stossen?); auch 
Wolfdietrich stösst dem Drachen Ortnits Schwert, welches 
er bei dem Drachen findet, in den Rachen. Dieser Mythos, der 
göttliche Zwillingsbrüder (*interpretatione romana’ Castor und 
I Pollux) vorauszusetzen scheint, galt, wie die Vergleichung des 
Mythos vom 8onnen- [und Mond-]Wolf (= Fenri, Vafpr. 47) 

! zeigt, zunächst von der Sonnenfinsterniss, und ward dann auf 
den Tages- und Jahresmythos (und zuletzt, wie andere Jahres¬ 
mythen, auf das Welt jahr) übertragen. Im Jahres- oder Tages- 
Mythos war Wodan-Baldr der sterbende und wiedererstehende 
(vgL seine winterliche Abwesenheit, bezw. Vertreibung) oder 
auch von seinem Sohne am Drachen gerächte, wie Baldr von 
seinem jüngeren Bruder, der, nach dem Tode des älteren er¬ 
zeugt, gleichsam eine Wiedergeburt desselben ist. War Baldr, 
Wodans Sohn, dessen Hypostase, so erklärt sich leicht, dass 
er vom Bruder, nicht vom Sohne gerächt wird; und damit 
konnte leicht der nah verwandte Dioskurenmythos zusammen¬ 
fallen 6 . Aber auch Baldr, der im Bruder wiederkehrende, 
ward daneben auch noch als selbst wiederkehrend gedacht 
(B. S. 63 f.; 270). 

Wenn nun auch nach dieser Auffassung Baldr und Wodan 
einmal 4ine Person waren, so muss doch die Spaltung viele 
Jahrhunderte 7 vor dem Merseburger Spruch eingetreten sein, 
so dass da unmöglich beide Namen denselben Gott meinen 
können, während balder = ‘Herr* (wie ags. bealdor ) als in 
i jener Zeit und Gegend gebräuchlich erst nachgewiesen werden 
müsste. In dem ähnlichen schwedischen Spruche (B. S. 287) 
theilt natürlich Oden sein Ross, weil er eben allein reitet, 
und dass hier Odens Ross Baldrs Rosse entspricht, erklärt 
sich bei meiner Auffassung zur Genüge. Wenn somit Baldr 
sicher auch deutscher Gott ist, darf man auch andere, an sich 
I weniger beweisende Spuren des Namens dafür geltend machen, 

| namentlich die verschiedenen Baldersbrunnen 8 oder -»ouwen 
I = Pholesbrunno in Thüringen (vgl. auch die heilige Quelle 
des Fosite). 

Auch so bleibt ja Verschmelzung des Mythos mit nor¬ 
dischen Sagen bei Saxo sehr möglich, und ich glaube aller¬ 
dings, dass Hother mit einem menschlichen Helden ähnlichen 
Namens 9 zusammengeworfen ist; ja selbst mittelbare Beein¬ 
flussung der Darstellung Saxos durch fremde 8agen wäre 
nicht grade undenkbar. Aber das Fremde soll nach B. nicht 
nur Zuthat, sondern Grundstoff der Sage und dieser Einfluss 
auch von den Kelten ausgegan^en sein, so dass die Ent¬ 
wickelung der ältern Baldrsage (in der Hauptsache = Saxo) 
bis zu einem gewissen Punkte dem Norden gemeinsam gewesen 
wäre (158. 192. 265) und erst dann aus der bis dahin heroischen 
Sage unter christlichem Einfluss die norröne (isländische) sich 
entwickelt hätte, in der allein „das religiöse Moment stark 
hervortrete“ (160). Damit werden aber die chronologischen 
Schwierigkeiten (LtbL Nr. 1 Sp. 6) noch grösser, denn zwischen 


6 Vafpr. 51 nennt Vidar und Vale nebeneinander als 
Götter der neuen Weit. 

6 Ob bei weiblicher Auffassung der Sonne Sunna und 
Sinthgunt (schwerlich = Sinnahtgunt, wie B. 286 will) ent¬ 
sprechen? Rothkäppchen (urspr. die Jungfrau mit dem gol¬ 
denen Haar?) wird vom Wolfe verschlungen und wieder 
herausgeschnitten. (VgL die andere Fassung Vafpr. 47.) 

7 Ja bei den Vandalen schon vor Tacjtus’ Zeit, wenn 
wirklich der ältere jener göttlichen Brüder schon Baldr hiess. 

8 VgL Saxos Sage von Baldersbrand, die man also 
gewiss nicht mit B. (106) auf eine Achillessage zurückzu¬ 
führen hat. 

9 Wohl Ottarr (wie schon Müllenhoff, D. Litzeit. II, 1227 
vermuthete) oder Otter = Ohthere (Beöv.), Adils’ (Eädgils’) 
Vater. Statt Otter’s ward Hother zum Vater Adils’, und da 
H?är nach Fas. II, 8 — wohl nicht ohne inneren Grund — 
als Vater H^brodds galt, zum Vater des Adils und Hfldbrodd, 
woraus bei Saxo (S. 82) umgekehrt Hothbroddus, Vater des 
Hotherus und Atislus geworden ist (vgl. B. S. 163—5). 


Digitized by 


Google 



127 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


128 


die ersten Entlehnungen um 800 und die spätestens um I 
900 vollendete 10 Ausbildung des eddischen Baldrmythos tritt | 
nun noch als Zwischenstufe die Ausbildung der ältern, heroischen 
Baldrsage, die „noch gar nicht von Erzählungen Yom Tode 
Christi beeinflusst war“ (201), also hätte dieser christliche 
Einfluss erst lange nach 800 begonnen. Dabei wäre schon 
das höchst merkwürdig, dass der an sich Yiel näher liegende 
christliche Einfluss Yiel später und weniger nachhaltig gewirkt 
haben müsste, als der der klassischen Sagen. Auch ist die j 
Verschmelzung Christi .mit einem Helden Achilles-Baldr j 
mindestens Yiel unwahrscheinlicher als mit einem friedlich 
segnenden Sonnengott Baldr und setzt, wie B. (200) selbst 
sagt, u. a. die Auffassung Apollos als Teufel, an' dessen Stelle | 
Loke (Lucifer) getreten, Yoraus, während ich den im Excurs i 
S. 257—65 versuchten Nachweis, dass Loke, der lopt allt leevi i 
blandit hat, Apollo sei, der Laomedon die Pest sendet, nicht ! 
für gelungen erachten, auch in Phol des Merseb. Spruches : 
nicht Apollo-Loke (288) finden kann. Wie Achill zu dem I 
Namen Baldr gekommen, weiss B. gar nicht zu erklären, und ' 
für Hgdr statt Paris hat er nur eine ihm selbst sehr unsicher 
erscheinende Erklärung (142 f.), die ich mit Stillschweigen 
übergehn darf. Ausserdem kann es die Bedenken gegen B.’s 
Hypothese trotz seiner Bemerkung S. 157 nur verstärken, dass 
er die einzelnen Züge der Baldrsage nioht alle aus derselben 
Darstellung der Achillessage herleitet, sondern bald aus dieser, 
bald aus jener schriftlichen Quelle; ferner 11 dass Hother neben 
Paris auch Priamus (182 ff.), Bons aber theils Ajax, der Paris 
tödtet, theils Neoptolemus, Achilles' Sohn und Rächer, sein 
soll (133). Auch Nanna soll in ihrem Verhältnis zu Hother 
Oenone 12 und Helena zugleich, ausserdem aber in ihrem Ver¬ 
hältnis zu Baldr auch noch Polyxena sein <111. 169. 182); 
und zwar soll sie (= Oenone) ursprünglich Hothers (Paris'), 
nicht Baldrs Gattin gewesen sein (202 ff.), obgleich ihr Name, 
den auch B. zu *nanps „kühn“ etc. stellt, vortrefflich zu Baldr 
(„dem Kühnen“) passt. — Obwohl schon aus diesen Gründen 
B.’s Ansicht von der Entstehung der dänischen Baldrsage 
höchst bedenklich erscheint, will ich doch, so weit der Raum j 
es gestattet, an einigen Beipielen zeigen, wie wenig über- ! 
zeugend, wenigstens in meinen Augen, die einzelnen (S. 146 f. 1 
zusammengestellten) Beweismomente sind. ! 

Die drei übermenschlichen Jungfrauen im Waldhause ! 
(Saxo S. 112 f.), von der dänischen Sage offenbar als Valkyrjen i 
und Nornen zugleich gedacht (vgl. Saxo 272), sind sichtlich i 
gleich den ebdL S. 122 genannten drei Jungfrauen in der , 
Waldhöhle, zu denen man duroh ein ‘insvetum mortalibus ; 
nemus’ gelangt 13 . Und dass, wenn auch nicht Saxo, so doch | 
die ältere 8age diese letzteren auch in den drei nymphse sah, i 
welche Baldr allnächtlich (Baldero temperare solebant) 
durch eine wunderbare Speise stärken, bezweifelt B. gewiss 
mit Unrecht, wie denn auch beide ähnliche Wundergaben 
verleihen. Dann aber kann man bei dem engen Zusammen¬ 
hänge 14 der Nornen und ihres Brunnens mit Idun-Holda's 
(= Freyja-Frigg’s) Lebensäpfeln und Jungbrunnen über die 
ursprüngliche Natur dieser Speise kaum noch im Zweifel 
sein. Wenn jemand die Hauptzüge der dänischen Baldrsage, 
soweit sie mythisch ist, etwa dahin deuten wollte, dass der 
Sonnengott Baldr, wenn er dem nächtlichen Hother (der auch 
in der dänischen Sage ursprünglich blind gewesen sein könnte) 
erlegen, aus der Unterwelt neubelebt oder neugeboren jeden 
Morgen 15 wiederkehre, Hother vertreibe um ihm wieder zu 
erliegen u. s. f., bis endlich (im Winter?) der Sonnengott 
dauernd erliege — so würde ich das zwar nicht für eine 
sichere, immerhin aber für eine natürlichere und näherliegende 
Erklärung halten, als die von B. versuchte, der in Saxo's 
Darstellung die Stärkung Aohills mit Nektar durch Athene 


10 Vgl. jetzt auch B.'s eigene Nachweise S. 266 ff. 

11 Obwohl B. S. 182 ff. dies durch Beispiele ähnlicher 
Verschmelzungen glaublich zu machen sucht. 

13 Ihr Vater Cebren soll zu Gefr (Gevarus) geworden 
sein wie Cerberus zu Garmr (172). 

13 Das alles deutet auf die unterirdische oder ausser- 
irdische Todtenwelt, wo die Nomen wohnen (vgl. Germ. 26, 
80 etc.). Der Wald hat also mit Paris Jagd im Walde (91) 
gewiss nichts zu thun. 

14 Beide Vorstellungen fielen meiner Meinung nach urspr. 
zusammen, wie ich demnächst andern Ortes ausführen werde. 

15 Dass Vale einncetr vegr lässt sich vielleicht auch aus 
dieser Vorstellung erklären, mindestens ebenso gut wie aus 
Neoptolemus = viog rig nrokpor, quia ad bellum ductus est 
puer (213). 


an seinem letzten Morgen zusammengeflossen denkt mit dem 
Besuch des Priamus (nicht Paris!) in Achills Lager, wo der¬ 
selbe aber nioht kundschaften will, sich nicht für einen 
Spielmann (citharosdus) ausgibt, keine übernatürliche Speise 
erhält, keine nymph® trifft und überhaupt fast in allem von 
Hother verschieden ist. Dass dessen erste Begegnung mit 
den Waldmaiden aus Paris' Begegnung mit den um den Sohön- 
heitspreis streitenden Göttinnen entstellt sei, würde mir selbst 
dann kaum möglich erscheinen, wenn die Herstammung der 
Baldrsage von der Achillessage bereits erwiesen wäre. Durch 
die in diesem Punkte m. E. ganz ungerechtfertigte Hinein- 
ziehung der Hildensage (die übrigens nach S. 94 auf die 
Sagen von Jason, Cadmus und Agenor zurückgehn soll) in 
ihrer im S 9 rla[>ättr überlieferten Fassung (92 ff. 174 f.) wird 
B.'s Herleitung auoh .nicht glaublicher, und die Uebereinstim- 
mung mit Benoit (97. 176) lässt sich anders erklären. — Dass 
Baldr Nanna im Bade erblickt und vor Sehnsucht nach ihr 
vergeht, sind natürliche Züge, die öfter begegnen, und dass 
diese verzehrende Sehnsucht derbsinnlich auf die Traum¬ 
erscheinung ‘larvarum Nannse speciem simulantium’ (wozu 
schon P. E. Müller Horazens iter Brundis. 82 ff. verglich) 
zurückgeführt wird, ist leicht begreiflich, so dass man gewiss 
nioht einen wunderbaren Zusammenhang mit den Scholien zu 
Lycophrons Gassandra, die Aehnliches von Achills Sehnsucht 
nach Helena berichten (107), anzunehmen braucht. Der Mythos 
von Frey — der auch sonst als Sonnengott für Baldr ein¬ 
trat (vgl. auch Germ. 19, 197 ff.) — bietet eine Parallele, die 
schwerlich so zu erklären ist, wie B. 112 1 will: vgl. denselben 
Zug bei Sigfrid (V 9 I 8 . 8 . Cap. 24), in deutschen Darstellungen 
der Hildensage, im Märchen „vom treuen Johannes“ etc . 14 — 
Endlich Odins Werbung um Rind und Bous’ Auftreten in der 
Sage soll des als Mädchen verkleideten Achill Werbung um 
Deidamia sein, Bous-Vali aber theils Neoptolemus, theils Ajax 
Oilöus, dessen Mutter Rhene zu Rind geworden sein soll (wie 
Mailän < Mailand, Vulcan < Volund (!) 131). Im übrigen 
soll der Mythos von Vertumnus und Pomona (nach Ovid) ein¬ 
gewirkt haben (136). Viel näher lag jedenfalls die Ver¬ 
gleichung der niederd. Velentsage (Ps. Cap. 61—74, vgl. Wh. 
Müller, ^Tiedersäohs. Sagen S. 415 f.). Die Clarussaga habe 
ich allerdings (s. B. S. 136) in einem Punkte mit Odins 
Werbung um Rind, hauptsächlich aber mit deutschen Dar¬ 
stellungen der Hilden- und Hugdietrichssage verglichen und 
ein deutsches Original vermuthet. Die Hugdietrichssage 
aber mit B. und Wackernagel (Litgesoh . 1 S. 188) für Nach¬ 
ahmung der Achillessage zu halten, liegt m. E. kein Grund 
vor. Wenn Bous bei Saxo in Russland (vgl. die Hartunge 
von Riuzen u. Gesammtabt. II, 592 ff.) erzeugt wird, von wo aus 
er seinen Rachezug unternimmt, so heisst das nur im Osten, 
wo das winterliche Todtenland, in dem die Riesen hausen, in 
Verbindung mit dem Jungbrunnen gedacht ward 11 , wo auch 
der Sonnengott wieder ersteht. Daher ist mir N. M. Petersens 
Conjectur Binär berr Vala i veitrsplutn statt des von B. 216 f. 
wenig überzeugend vertheidigten veßrsplum der Hs. sehr ein¬ 
leuchtend. Bous aber wird man lieber mit Be 6 -vulf, Beäv 
(H. Z. 11 , 411 ff.) zusammenstellen als mit B. (127) Bous, Wt 
als Uebersetzung des gleichbedeutenden irischen aithech (nach 
B. cedjalc zu sprechen) betrachten, indem die Nordleute dies 
Wort mit der vorauszusetzenden irischen Namensform von 
Ajao[-em] verwechselt hätten, so dass Bous eigentlich Ajax 
Oilöus wäre (der Paris tödtet, aber an den von ihm erhaltenen 
Wunden stirbt, wie Bous); während andrerseits aus dem Bei- 
namep Oilöus oder (wie sich hier und da in Hss. findet) Oleus 
Pie, Ali geworden, dessen Nebenform ( 211 ) Vali oder (wie B. 
206 ff. nachzuweisen sucht V&li) etymologisch = ‘Manden fra 
Valland, der fodtes i Vestersale* gedeutet worden wäre (209. 
217). Auch die Herleitung von Hrosspjöfr (Rostiophus) aus 
Proteus, Protheus (im irischen Munde Crotheus oder Rotheus 
141) dürfte nicht viele Anhänger finden; so wenig man auch, 
auch ohne die S. 173 vorgebrachten Beispiele, die Möglich¬ 
keit solcher Entstellungen leugnen wird, wenn man z. B. an 
die Namensentstellungen in den Folkeviser denkt. 

Diese Beispiele mögen genügen: auch in den meisten 
andern Fällen könnte ioh der Erklärung B.'s von meinem 
Standpunkte aus eine m. E. viel natürlichere gegenüberstellen. 

16 Auch das Märchen „von der Jungfrau mit den goldenen 
Haaren“ (Germ. 11 , 392) klingt an, hat aber die für den Frey¬ 
mythos charakteristischen Züge doch nur vereinzelt (Grundt- 
vig, Danske Folkeeev. II, 4 f.) aufgenommen. 

11 Ich werde das demnächst in einer eigenen Schrift 
ausführen. 


Digitized by 


Google 



129 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


130 


Aber das erforderte eine Entgegnung fast so nmfönglich wie 
seine Schrift selbst. B. gibt zu, dass nicht alle von ihm ver¬ 
suchten Combinationen sicher oder zuverlässig seien (145). 
Aber auch die ihm beweisend erscheinenden Übereinstim¬ 
mungen sind meist nicht zwingender als z. B. die bei Hermods 
und Hermes’ Ritt in die Todtenwelt (235 ff.), wo doch auch 
B. Bedenken hegt; und leioht Hessen sich noch andere Ueber- 
einstimmungen gleicher Art mit nordischen Mythen nachweisen, 
wobei doch auch er wohl nicht an Entlehnung denken würde 
(vgL auch 196 6 ). 

Mit noch geringerer WahrsoheinHchkeit werden (HI) 
auch einige Züge des eddischen Baidrmythos (Zusammenstellung 
8 . 243), die die dänische Sage verloren hätte, aus der Achilles¬ 
sage hergeleitet. Auch hier nur zwei Beispiele. Oenone stirbt 
vor Kummer über Paris’ Tod und wird mit ihm bestattet: 
Nanna stirbt vor Kummer über Baldrs (nicht Hothers!) Tod 
und wird mit ihm verbrannt (203). Sind das nicht so natür¬ 
liche Züge, dass sie leicht zwei Sagen unabhängig von einander 
entwickeln konnten? Vgl. Brynhild, von der das färö. Lied 
sagt kik sjyringur hon af harmi. Dass Friggs Weinen 
in Fensalir [= Freyjas goldenen Thränen, 8. LtbL Nr. 1, 
8 p. 7] und die meyjar in Vegtkv. 12, 5 [= Friggs Augen, die 
Oold weinen] sich aus der germanischen Mythologie heraus 
viel natürlicher erklären lassen, als aus Homers Klage der 
Thetis und der Tochter des Meergreises um Achill, werde ich 
Germ. 27. im 3. Hefte zeigen. 

Uebrigens sei noch bemerkt, dass B. in diesem Hefte 
8 . 150 ff. 243 ff. den Nachweis zu führen sucht, dass Dictys 
und Dares, die Mythogrr. Vaticc. und sogar Homer und die 
Schoben zu Lycophrons Alexandra und Cassandra um 800 auf 
nen britischen Inseln bekannt gewesen seien. Da er aber 
nicht nachweist, dass der Inhalt dieser Schriften allgemeiner 
bekannt gewesen oder gar Eigenthum des Volkes geworden 
wäre, werden meine Bedenken dadurch nicht entkräftet. 

Je entschiedener ich die von B. verfochtene Hypothese 
bekämpfen musste, um so weniger will ich unterlassen schHess- 
lich hervorzuheben, dass ich auch dies Heft nicht ohne viel¬ 
fache Belehrung aus der Hand gelegt habe^ Zahlreiche Nach¬ 
weise und Zusammenstellungen (z. B. 163 ff. 173. 214 f. 239. 
265 ff eto.) und einzelne feine Beobachtungen und treffende 
Bemerkungen behalten auch unabhängig von seiner Hypothese 
ihren Werth. 

Leipzig, 11. Februar 1882. A. Edzärdi. 


Schröder, Edward, Das Anegenge. Eine 
literarhistorische Untersuchung. Strassburg, Trüb- 
ner: 1881. VIII, 96 S. 8. (Quellen u. Forschungen 
zur Sprach- u. Culturgeschiehte der germanischen 
Völker. Heft XLIV.) 

Das Anegenge ist eines der wenigen umfang¬ 
reicheren Oedichte des 12. Jh.’s, das noch nicht 
zum Gegenstände einer Specialuntersuchung gemacht 
worden ist. Wenn auch nach keiner Seite ein her¬ 
vorragendes und bedeutendes Werk, ist es doch 
immerhin, bei dem nicht allzu grossen Reichthum 
jener Zeit an dichterischen Denkmälern, einer ein¬ 
gehenden Betrachtung, wie sie ihm hier zu Theil 
wird, nicht unwertb. Den werthvollsten Theil der 
Abhandlung bildet die Untersuchung Uber die 
Quellen, und hier ist namentlich der Nachweis, 
dass die Historia scholastica des Petrus Comestor 
benutzt ist, von Wichtigkeit, weil sie das Alter 
des Gedichtes bestimmen hilft. Es kann nicht vor 
1173 geschrieben sein. Gewiss aber auch nicht 
viel später, wie sich aus der Art der Reimkunst 
entnehmen lässt. So ist das Anegenge ein Beleg 
dafür, dass die Hist, schol. sich sehr rasch auch 
( nach Deutschland verbreitete. Auch den Beziehungen 
zu älteren deutschen Gedichten ist der Verf. fleissig 
nachgegangen, wie denn überhaupt die ganze Arbeit 
den Eindruck der Sorgfalt macht Namentlich die 
Wiener Genesis, Ezzo und die Vorauer Sünden- 

L 


klage werden als Gedichte nachgewiesen, die der 
Verfasser des Anegenge gekannt hat Dagegen ist 
eine Einwirkung des Gedichtes auf die spätere Zeit 
kaum zu erweisen. Dass das von Konrad von 
Fussesbrunnen erwähnte Anegenge nicht unser Ge¬ 
dicht sein könne, war schon von andern betont 
worden. Aber Schröder scheint der Meinung zu 
sein (S. 87), dass Konrad überhaupt ein Anegenge 
gar nicht erwähnt habe und dass der Text der 
Piaristenhandschrift hier das richtige überliefere, 
während der Schreiber von B, dem das Anegenge 
vorlag, dies hier unpassend eingeschmuggelt habe. 
Dies ist aber entschieden unrichtig, vielmehr ist 
: ersichtlich, dass anvenge in der Hs. A eine der zahl- 
; reichen Aenderungen ist die dieser Text sich er- 
I laubt. Es wird also wohl als das wahrscheinlichste 
i die von mir vertretene Ansicht bestehen bleiben, 

! der auch Scherer beitrat, dass das von Konrad er- 
j wähnte Anegenge das liest von Meister Heinrich sei, 
das uns verloren ist 

| Ausführlicheres Eingehen auf die Textüber- 
j lieferung des Anegenge gestattet hier der Raum 
I nicht; daher nur einige kleine Bemerkungen. S. 6 
I ist unter den Reimen, in denen e:i im Reim ge- 
I bunden ist, vergessen stete : tritt 38, 45. — Da, wie 
' S. 10 bemerkt wird, nur lazen, nicht idn, als Infinitiv¬ 
form für den Dichter erwiesen ist, so ist es bedenk- 
! lieh, wenn S. 95 zu 29, 35 (nicht 32) die Conjectur 
län ergän für an ergän gemacht wird. Ich komme 
! auf die Stelle anderswo zurück. — S. 11 ist auf 
I eine Stelle Bezug genommen, wo Addtnes = Adamus 
! Nominativform sein soll. Das Ci tat fehlt; es ist die 
Stelle 15, 43 h wo es heisst em mähte niht vinden 
, so gitänes, daz dem Herren Adämes iender waere 
| gelich. Es ist mir unzweifelhaft, dass wir in dem 
, angefügten s hier nur einen Versuch des Schreibers 
zu sehen haben, den Reim zu glätten; das über¬ 
schüssige s in dem einen Reimworte ist wie die r 
und t , die S. 22 belegt sind. — Im Metrischen 
i finde ich manches bedenkliche behauptet: so wenn 
; (S. 13) in dem Verse schiere getounnens einen darzuo 
19, 78 das dar seinen Silbenwerth verlieren soll; 

1 viel natürlicher ist doch zweisilbiger Auftakt ( schiere ) 
; anzunehmen und gtvunnens zu sprechen. — Die 
j Stelle 22, 4 ff. ist S. 51 falsch aufgefasst; sö möht 
| ez wol frumen sin uAp kann unmöglich bedeuten: 

, auf Anleitung selbst der Frau’. 

Heidelberg, [21. Dec. 1881]. K. Bartsch. 


, Bulthaupt, Heinrich, Dramaturgie der Klas- 
{ siker. I. Band. Lessing, Goethe, Schiller, Kleist. 

Oldenburg Schulze. 386 S. 8. M. 5. 

Ein erfreuliches, in hohem Grade anregendes 
Buch. Neue Ergebnisse literarhistorischer Forschung 
darf man allerdings darin nicht suchen j doch sind 
I die seitherigen Ergebnisse derselben gewissenhaft 
i und geistvoll benutzt. Eigentliche Absicht des 
Verf. ist, aus der Masse des weitschichtigen Ma- 
: terials zu wohlbegründeter, allseitig gerechter Wür- 
! digung unserer klassischen Dramen zu führen; überall 
! tritt der dramaturgische Gesichtspunkt in den Vorder- 
! grund. Der Verf. bewährt einen sehr sicheren Blick 
1 für das, was auf der Bühne wirksam ist. Dabei 


Digitized by 


Google 






131 


188*2. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


132 


zeigt sich denn mehrfach, dass der bisherige Mass¬ 
stab der Kritik, welcher überwiegend ästhetischer 
Theorie entnommen ist, ein unzureichender ist. Ganz 
besonders beachtenswerth erscheint namentlich die 
Ausführung über den Begriff des Tragischen, welche 
B. an die Besprechung von Schillers Braut v. Messina 
angeschlossen hat. Es ist durchaus richtig, dass 
durch die einseitige Hervorkehrung der tragischen 
Schuld eine schiefe, oft ungerechte Vorstellung 
vom Wesen der-Tragödie verbreitet ist. Dadurch 
wird nicht nur die Würdigung Schillers, sondern na¬ 
mentlich auch das Verständnis? des Sophokles beein¬ 
trächtigt. — So verhilft das Buch nach verschiedenen 
Seiten unsern Klassikern zu ihrem Recht. Es athmet 
eine sehr wohlthuende Pietät darin, welche doch 
nirgends den Scharfblick trübt. Behandelt sind in 
diesem Buch alle bedeutenderen Dramen von Les¬ 
sing, Goethe, Schiller und Kleist; ein späterer soll 
Shakespeares Werke besprechen. Selten mag man 
den Behauptungen des Verf. widersprechen. Durch¬ 
aus trefflich würdigt er die Minna von Barnbelm. Bei 
der Emilia Galotti stellt er sich auf die Seite derer, 
welche annehmen, dass Emilia den Prinzen liebe. 
Lessings Auffassung war das gewiss nicht; hier 
dürfte Kuno Fischers Behandlung des vielbesproche¬ 
nen Gegenstands die Sache erledigt haben. — Der 
sonst vortreffliche Aufsatz über den Nathan unter¬ 
wirft die Erzählung von den drei Ringen einer allzu 
subtilen Kritik. Trotz aller Einwendungen hat man 
in derselben den wahren Mittelpunkt der Dichtung 
zu finden und zugleich eine durchaus klare und 
angemessene Einkleidung der Idee des Dramas. 
Uebrigens wird man hier für die etwas zu weit 
gehende Polemik durch eine Reihe treffliche Winke 
über die Darstellung der einzelnen Rollen entschä¬ 
digt. Gegen die Besprechung der Goetheschen 
Werke ist wenig einzuwenden; vielleicht ist der 
Egmont doch ein wenig zu tief, der Clavigo wegen 
seiner unzweifelhaften scenischen Wirkung zu hoch 
gestellt. Vortrefflich wird die Iphigenie gewürdigt 
und damit eine sehr feinsinnige Charakteristik der 
poetischen Diction im deutschen Drama gegenüber dem 
Shakspeares verbunden. Beim Tasso wird in über¬ 
zeugender Weise dargethan, dass die Wirkung des 
Schauspiels unter der Enge der in der Handlung 
waltenden Etiquette leidet. — Ueber den Faust ent- 
schliesst man sich schwer, überhaupt noch etwas 
zu lesen; soviel Ueberflüssiges ist bereits darüber 
gesagt worden. Trotzdem interessiren des Verf. 
Ausführungen in hohem Grade. Er ist eigentlich 
Gegner der Aufführung, namentlich des zweiten 
Teils. Die scenische Wirkung der Helena aber 
dürfte er unterschätzen; der Effect dieses Actes ist 
bei guter Darstellung geradezu überraschend. — 
Der eigentliche Schwerpunkt unseres Buchs liegt in 
den Aufsätzen über Schiller, dessen einzige Grösse 
beredt und überzeugend nachgewiesen wird. Ganz 
aber verleugnet sich auch hier die seit Palleske ver¬ 
breitete Neigung nicht, den jugendlichen Dichter 
auf Kosten des gereiften zu erheben. Dem Drama¬ 
turgen liegt das um so näher, als den Schauspielern 
die leichtere Darstellung der Prosadramen ungleich 
besser zu gelingen pflegt; dem höheren Stil der 
eigentlich classischen Stücke vermögen nur noch 
.wenige gerecht zu werden. Das wirkt nun auch 


auf das ästhetische Urtheil ein. Während der Verf. 
den Wallenstein allseitig würdigt und mit Recht 
als eine Schöpfung hinstellt, welche in mehr als 
einer Beziehung alles überragt, muss man sich bei 
Beurtheilung der Jungfrau von Orleans und des 
fünften Actes der Maria Stuart des Dichters gegen 
den Tadel unsers Buchs annehmen. — Mit Wärme 
und Einsicht wird schliesslich Kleists Bedeutung 
gewürdigt. Erinnert werden darf hier, dass die 
Anerkennung im Käthchen von Heilbronn, wonach 
der alte Theobald des Mädchens Grossvater ist, 
zuerst, nach einem Vorschläge Tiecks, von Eduard 
Devrient in seine Bühnenbearbeitung (1852) aufge¬ 
nommen wurde; Laube hat sich den) angeschlossen, 
und man wird sie wohl als eine glückliche ansehn 
dürfen. —* # 

Karlsruhe, [23. Febr. 1882]. Wendt 


Romantiker nnd germanistische Studien in 
Heidelberg 1804—1808. Rede zum Geburts¬ 
feste des höchstsei. Grossherzogs Karl Friedrich 
' von Baden und zur akademischen Preisvertheilung 
am 22. November 1881 von Dr. Karl Bartsch, 
Grossh. Badischem Geh. Hofrath und o. ö. Prof. 

. der germanischen und romanischen Philologie, 
d. z. Prorektor. Heidelberg, Univ.-Buchdruckerei 
von J. Hörning. 1881. S. 1—21 und 40—46. 4°. 

Die literaturgeschichtliche Forschung hat sich 
bisher gegen die jüngere Romantik auffallend spröde 
! erwiesen. Eines der interessantesten und dabei 
dankbarsten Felder unserer Dichtungsgeschichte 
wird vollständig vernachlässigt Die beiden dürren 
Artikel von Hermann Hettner über Brentano und 
Arnim in der allgemeinen deutschen Biographie 
zeigen deutlich, wie viel oder wie wenig man 
über diese Dichter weiss. Die reichhaltige Publi¬ 
kation der Görresbriefe hat uns nur eine vom 
Parteistandpunkte gefärbte Biographie Brentanos ein¬ 
getragen, in welcher der Dichter neben dem Heiligen 
um vieles zu kurz kommt. Es kann nur willkommen 
sein, wenn sich wenigstens die Geschichte der 
Wissenschaft, die glücklicherweise auch unsere 
Wissenschaft ist, dieser Männer annimmt. Die vor¬ 
liegende Schrift thut dies in lobenswerther Weise, 
zugleich mit Benützung handschriftlichen Materiales: 
der Briefe des Professors Karl Philipp Kayser. 
Die Entstehung des „Wunderhorn“, der „altdeutschen 
Volksbücher“ von Görres, und die Herausgabe der 
Einsiedlcrzeitung werden eingehend dargestellt; be¬ 
sonders die über die letztere gemachten Angaben 
sind bei der Seltenheit dieser Blätter erwünscht 
W’ien, 14. Januar 1882. J. Minor. 


Manrer, Konrad, Ueber die Wasserweihe 
des germanischen Heidenthnms. Aus den Ab¬ 
handlungen der K. Bayerischen Akademie der 
Wis§. I Kl. 1880. Commission G. Franz. 81 S. 
gr. 4. 

Diese Abhandlung des genauesten Kenners der 
skandinavischen Rechtsgeschichte bietet mehr, als 
der Titel besagt. Es ist nicht die Wasserweihe 


Digitized by 


Google 


133 


1882. Literaturblatt für gormanisohe und romanische Philologie. Nr. 4. 


134 


allein, sondern die Lehre vom Beginn der Rechts¬ 
fähigkeit der Neugeborenen, welche Maurer auf 
Grund sorgfältigster Specialforschung für nord- und 
südgermanische Stämme in rechtsvergleichender Um¬ 
schau eingehend entwickelt. Dabei hat der Ver¬ 
fasser sich auch nicht auf das germanische Heiden- 
thum beschränkt, sondern erfreulicher Weise die 
Rechtsentwicklung in christlicher Zeit, insbesondere 
das Verhältniss von Wasserweihe und Taufe ein¬ 
gehender Untersuchung unterzogen. Die Forschung 
Maurers ist um so dankbarer zu begrüssen, als die 
ganze Lehre bisher nur mehr gelegentlich von ein¬ 
zelnen Autoren (Grimm, Wilda, Siegel, Platz) ge¬ 
streift worden. 

Der Verfasser gelangt zu dem Resultate, dass 
bei den Germanen die Neugeborenen durch die Ge¬ 
burt allein die Rechtsfähigkeit, insbesondere den 
Rechtsschutz gegen Aussetzung durch die Eltern, 
sowie gegen Verletzungen durch Dritte noch nicht 
oder doch noch nicht vollständig gewinnen. Ihre 
Rechtsfähigkeit und damit auch ihre Erbfähigkeit 
hat vielmehr noch eine weitere Thatsache zur Vor¬ 
aussetzung. Diese entscheidende Thatsache ist aller¬ 
dings weder bei allen Stämmen, noch in allen Rich¬ 
tungen dieselbe: nach dem norwegisch-isländischen 
Recht der heidnischen Zeit ist es die Begiessung 
mit Wasser (at ausa harn vatni ); im dänischen, 
westgothischen und nach manchen norwegischen und 
schwedischen Rechtsquellen der christlichen Zeit ist 
es die Taufe ( skim ) und Namengebung; endlich ; 
bei den Friesen, Angelsachsen und zum Theil auch : 
in Schweden erscheint die Reichung der ersten 1 
Nahrung als Kriterium des Beginns der vollen Rechts- ' 
fahigkeit. Erkläre sich auch Taufe und Namen- I 
gebung leicht als Ersatz der Wasserweihe, so bleibe 
doch die auffällige Discrepanz von Wasser weihe 
und mütterlicher Nahrungsreichung. Hier biete sich 
die Alternative, entweder beide Handlungen als 
ursprünglich neben einander geforderte Voraus- , 
setznngen der Rechtsfähigkeit und zwar als Symbole 
väterlicher und mütterlicher Anerkennung aufzu¬ 
fassen, oder aber die Nahrungsreichung als das 
ältere Requisit zu betrachten, neben welches erst 
später die Wasserbegiessung in Folge Berührung 
mit christlichen Völkern getreten sei. Gegen die 
erste Alternative macht Maurer selbst die inferiore 
Stellung der Mutter und die Analogie der stets nur 
durch eine Person erfolgenden Adoption geltend; 
aber auch die zweite Alternative bezeichnet der 
Verfasser als eine Hypothese, von deren Begründung 
er selbst sich nicht fest überzeugt erkläre. 

Die vortreffliche Arbeit Maurers enthält noch . 
eine Reihe interessanter Aufschlüsse über verwandte 
Rechtsmaterien, so über monstra (bdgrj und Tauf¬ 
zwang, sowie über das kirchliche Begräbniss. 

Heidelberg, Oct. 1881. Georg Cohn. 


Schipper, J., Englische Metrik in historischer und 
systematischer Entwicklung dargestellt I. Theü. Ältenglische 
Metrik. Bonn, E. Strangs. XX YH, 565 8. 8 . M. 13,50. 

Wie Bohon aus dem Umfange des uns vorliegenden, auch 
in Druck und Papier präohtig ausgestatteten Buches zu er¬ 
sehen, haben wir es'hier mit einer Erscheinung ersten Ranges 
auf dem Gebiete der neueren Philologie zu thun, einer Er¬ 


scheinung, die noch lange der Gegenstand allseitiger Be¬ 
sprechung sein und für geraume Zeit den Ausgangspunkt 
weiterer Untersuchungen in der englischen Metrik bilden wird. 

Ueber die Entstehung seines Buches berichtet der Verf. 
in der Vorrede, dass sein ursprünglicher Plan, einen Grund¬ 
riss der englischen Metrik zu liefern, der bei Vorlesungen auf 
diesem Gebiete zum Leitfaden dienen könnte, sich bei der 
Bearbeitung eines solchen Grundrisses für den Druck bald als 
unzulänglich herausstellte, ‘als es sich darum handelte, des 
Verf.’s eigene, von den Ausführungen einiger Fachgenossen 
wesentlich abweichende Ansichten über die altenglische 
Wortbetonung, diesenAngelpunkt der ganzen alt* 
englischenMetrik, nicht nur darzulegen, sondern auch im 
Gegensätze zu jenen, ernsthafteste Berücksichtigung erheischen¬ 
den Arbeiten zu begründen*. So wurde aus dem Grundriss 
'eine ausführlichere, auf entgegengesetzte Ansichten, wo es 
erforderlich war, auch eingehender Bezug nehmende Entwick¬ 
lungsgeschichte der altenglischen Verstaust*, womit der Verf. 
einem noch dringenderen Bedürfnisse entgegenzukommen 
glaubte. 

Schipper hat in der Anordung seines Stoffes, wie schon 
der Zusatz zu dem Titel des Buches aüdeutet, einen doppelten 
Gesichtspunkt verfolgt. Er gibt eine englische Metrik in 
historischer und systematischer Entwicklung. Der historische 
Gesichtspunkt ist im allgemeinen der massgebende, soll jedoch 
nicht so streng durchgeführt werden, dass nun alle Erschei¬ 
nungen Einer Periode für sich betrachtet würden und im 
Interesse des Zusammenhanges der Betrachtung nioht ein 
Hinübergreifen von einer Epoche zur andern gestattet wäre. 
Schipper äussert sich hierüber selbst in der Vorrede S. X 
etwas' schwerfällig dahin, dass 'die Eintheilung eines längeren 
Zeitraumes in der Entwicklung der Literatur- und Cultur- 
geschichte eines Volkes unter Berücksichtigung des historischen 
Fortganges sowie der stofflichen Continuität in der Anord¬ 
nung des Gegenstandes nur eine annäherungsweise richtige 
(besser: ‘zutreffende’, oder ‘genaue*) sein könne. Es werde 
daher nicht befremden, dass die in der zweiten Hälfte der 
altenglischen Zeit (seiner Eintheilung) erfolgte, weitere Ent* 
Wicklung der meisten altenglischen Versarten nooh im dritten 
Abschnitte behandelt würde, sowie es andrerseits zweckmässig 
erschienen, die einfacheren, schon im zwölften und dreizehnten 
Jahrhundert auftauchenden Strophenformen erst im Zusammen¬ 
hänge mit dem ganzen Stoffe im vierten Abschnitte zu be¬ 
handeln*. 

Offen gestanden halte ich die Vortheile, welche diese 
Behandlungsweise des Gegenstandes bietet, nicht für so gross, 
dass sie uns für das Unzuträgliche, welches hieraus erfolgt, 
entschädigten. Wenn es sich in diesem speziellen Falle um 
genau sich von einander abgrenzende Kunstperioden handelte, 
deren charakteristische Formen nur in ihren ersten oder letzten 
Ausläufern in die eine oder andere Epoche hinüberreichten, 
so würde man sich durchaus mit einem solchen Verfahren 
einverstanden erklären können. Man würde z. B. gar nichts 
dagegen haben, wenn in einer Geschichte der engl. Metrik 
das erste Vorkommen des Reimes nicht schon in der ae., 
sondern erst in der me. Periode besprochen würde. Aber so 
liegt die Sache zwischen den beiden,' der ersten und der 
zweiten, altenglischen Perioden, die Schipper unterscheidet, 
nioht. Auch hat es immerhin etwas Seltsames, wenn uns ein 
Abschnitt, betitelt: Erste Epoche der altenglisohen Zeit, mit 
dem Zusatz: normännische reriode, über Chauoer und Gower 
hinaus bis auf Skelton, ja bis ins sechzehnte Jahrhundert führt, 
während der folgende Abschnitt wiederum ganz bedeutende 
Erscheinungen des 13. Jh.’s bespricht. Besser wäre es ge¬ 
wesen, hier überhaupt die Theilung nach-Zeitperioden fallen 
zu lassen und den Gegenstand ausschliesslich nach dem Stoffe 
zu behandeln. Thatsächlich ist dies ja auch der Fall, indem 
der erwähnte dritte Absohnitt die einzelnen Versarten, der 
vierte dagegen, von den beiden letzten Kapiteln abgesehen, 
die Strophenformen behandelt. 

Für uns sind der zweite und der dritte Absohnitt, die 
sich mit der ae. Langzeile und den Versarten des Me. be¬ 
schäftigen, sowie des Verf.’s Ansichten über Wort- und Vers- 
betonung im Englischen enthalten, die wichtigsten, der vierte 
Abschnitt, so reichhaltig und sorgsam ausgearbeitet er ist, 
wird weniger Anlass zu Bemerkungen und Controversen geben, 
da über die Auffassung einer Strophe, wo der Reim meist 
ganz untrügliche Merkmale bietet, selten eine Meinungsver¬ 
schiedenheit bestehen und es sioh hier hauptsächlich um die 
Anordnung des Stoffes und die historische Ableitung der ein¬ 
zelnen Formen handeln wird. Geben wir darum, um uns in 

e 




135 


\ 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


136 


dem Buche einigermassen zu orientiren, zunächst eine ge- i 
drängte Uebersioht des Inhaltes der ersten Abschnitte, woran 
wir einige allgemeine Bemerkungen zu knüpfen gedenken. 

Nachdem in den einleitenden Kapiteln des ersten Ab¬ 
schnittes die Grundbegriffe der Metrik, Rhythmus, Quantität 
und Accent und deren Bedeutung in der germanischen Poesie, 
ferner Reim und Arten des Reimes besprochen sind, wendet 
sioh der Yerf. im zweiten Abschnitte der *ags.' Zeit, also der 
Betrachtung der allitterirenden Langzeile zu, woran sioh in 
Kap. 3 das erste Vorkommen des Reimes schliesst. Der dritte 
Abschnitt behandelt die rom Yerf. als 'erste Epoche der ae. 
Zeit* beseichnete ‘Normannische Periode', und zwar gelangen 
zunächst fremde Metra zur Betrachtung, der gereimte, jambische, 
katalektische Tetrameter (der Kürze halber Septenar genannt) 
des Poema Morale, der reimlose Septenar des Ormulum, das 
kurze, romanische Reimpaar des me. Paternoster und der 
Alexandriner, gemischt mit dem Septenar, in einer Reihe 
geistlicher Gedichte. Hieran schliesst der Yerf. im 6 . Kap. 
eine Darstellung der englischen Wortbetonung im 12 . und 
13. Jh., sioh auf die vorher besprochenen Werke stützend. 
Non erst betrachtet Scb. die ae. Langzeile auf ihrem Wege 
zum kurzen Reimpaare in La 3 amons Brut und den Sprüchen 
Aelfreds. Es folgen Gedichte, die dasselbe Metrum in Ver¬ 
bindung mit fremden Metren, dem Septenar und dem Alexan¬ 
driner, verwenden; hierauf das kurze Reimpaar des King Horn, 
in welchem die schon in ae. Zeit naoh Einer Richtung hin 
begonnene Entwicklung der alten Langzeile zu einem Ab¬ 
schlüsse gelangt. 

Bleiben wir vorläufig hier stehen. Wie man sieht, hat 
der Verf. bis hierher wesentlich den historischen Gesichtspunkt, 
den des zeitlichen Aufeinanderfolgens, walten lassen, obwohl 
gerade hier, beim Uebergang vom Ae. zum Me. begründete 
Veranlassung gewesen wäre, dem systematischen Gesichts¬ 
punkte das uebergewicht zu gönnen. Man erwäge, dass durch 
die Reihenfolge: erstes Vorkommen des Reimes im Ae., also 
Beginn der Auflösung der alten Langzeile in zwei Kurzzeilen; 
Poema Morale, Orm und andere fremd metrische Gedichte; 
La 3 amons Brut; fremdmetrisohe Gedichte; King Horn, zwei 
ganz verschiedene metrische Grundprinzipien sich in der Be¬ 
trachtung fortwährend kreuzen. Von der ae. Langzeile, wie 
sie in ihrer letzten Gestalt in den poetischen Abschnitten der 
Saxenchronik erscheint, wäre der naturgemässe Uebergang 
auf La^amon und von da auf den King Horn gewesen. Indem 
Sch. hier dem historischen Gesichtspunkte den Vorzug gab, 
gewinnt es den Anschein, als ob die Entwicklung der me. 
Metrik eine durchaus einheitliche gewesen, als ob mit den 
fremden Metren nicht auch ein fremdes Prinzip der Verskunst 
Eingang gefunden hätte, während der Verf. doch auf S. 3 
als besonderes Charakteristikum der ersten me. Epoche an- 
führt, dass ‘mit dem normännisch-französischen und mittel¬ 
alterlich-lateinischen Einfluss auch in der englischen Metrik 
ein ganz neuer Faktor auftrete'. 

In der That macht Sch. zwischen dem Metrum des Or¬ 
mulum und dem des Brut durchaus keinen prinzipiellen Unter¬ 
schied, beide liegen ihm vielmehr so sehr auf derselben Stufe, 
dass er die aus dem einen erschlossenen Gesetze sofort auf 
das andere übertragen zu dürfen meint. Weil er z. B. im 
Kap. 6 des dritten Abschnittes erwiesen zu haben glaubt, dass 
im Ormulum Silben mit unbetontem e im Verse keinen Ton 
haben können, also der von Laohmann für das Deutsche auf¬ 
gestellte Unterschied zwischen tonlosem und stummem e hier 
wegfalle, hält er sich für berechtigt dieses Resultat auch auf 
das germanische Metrum auszudehnen. 

Ich werde auf die von Sch. vertretene Ansicht von der 
me. Wortbetonung - an einer andern Stelle näher einzugehen 
haben und hoffe dort den Verf. mit seinem eigenen Beweis¬ 
material zu widerlegen. Jedoch selbst wenn es Sch. gelungen 
wäre zu erweisen, dass Orm und andere fremdmetrischen me. 
Gedichte sich mit den Lachmannschen Wortbetonungs- und ! 
Vereprinzipien in Widerspruch setzen, was, wie ich demnächst 
zeigen werde, nicht der Fall ist, so würden wir doch die 
Uebertragung dieses Nachweises auf das reingermanische 
Metrum, auf La 3 amon und den King Horn, oder gar auf die { 
ae. Langzeile zurückweisen dürfen. 1 

Was Sch.’s Stellung zu der letzteren, der ae. Langzeile, j 
betrifft, so hat er die Ansichten F. Vetters, niedergelegt und 
begründet in dessen lehrreicher und mit vielem Geschick ge- I 
machter Schrift: Zum Muspilli und zur german. Allitterations- 
poesie, Wien 1872, adoptirt und führt dieselben im Anschluss 
an Max Riegers Arbeit: Die Alt- und Angelsächsische Vers¬ 
kunst, im 7. Bd. von Höpfner und Zachers Zs. f. d. Ph., für . 


das Ae. aus, ohne entgegenstehende Ansichten anders als nur 
beiläufig zu berühren. Es ist dies diejenige Auffassung der 
alten Langzeile, die jeder Hälfte derselben nur zwei gehobene 
Silben gibt, die Zahl und das Mass der Senkungen aber un¬ 
bestimmt lässt. 

Für das Me. standen dem Verf. bis auf Chaucers Zeit 
umfassende Vorarbeiten nicht zu Gebote. Edwin Guests um¬ 
fangreiches Werk: A History of English Rhythms, London 
1838, treffend von Soh. auf S. 2 charakterisirt, erwies sich 
im Ganzen nicht als brauchbar; das Wenige aber, was von 
J. Jessen, Grundzüge der altgerm. Metrik, Zs. f. d. Ph. 13, 
138 ff. für das Me. beigebracht, und was Andere in Mono¬ 
graphien ausgearbeitet hatten, wie Trautmann für La 3 amons 
Brut, Rosenthal für eine Reihe allitterirender Gedichte des 
14. Jh.’s, ich selbst für den King Horn, ging alles aus von 
der Lachmannschen Theorie und war darum für Soh. nahezu 
ganz unbrauchbar, zwang ihn vielmehr zu fortwährender 
Polemik bei Besprechung der einzelnen, in Betracht kommen¬ 
den Werke. 

Schippers Buch beruht also vom Beginn der me. Periode 
an durchaus auf eigener Forschung. Dass er bei der Ueber- 
fülle des Stoffes nicht jedem Werke, jeder Erscheinung gleich 
gerecht wird, dass er bei umfangreichen Werken seine Beobach¬ 
tungen meistens auf einzelne Theile derselben beschränkt, 
darf nicht Wunder nehmen. Das Buch repräsentirt auch so 
eine höchst respektable Summe von Arbeitskraft und scharf¬ 
sinniger Forschung. Jede einzelne Form wird, nachdem sie 
historisch begründet, genau charakterisirt, metrische Eigen- 
thümlichkeitea der einzelnen Werke werden hervorgehoben, 
und eine ausreichende Probe als Beleg gibt dem Leser Ge¬ 
legenheit, die besprochene Form hinreichend kennen zu lernen, 
ohne dass er nöthig hätte die in zahlreichen Werken zer¬ 
streuten Denkmäler selbst aufzusuchen. 

Wenn wir uns trotz dieser Vorzüge, trotz der fleissigen 
und besonnenen Ausarbeitung, grossen Abschnitten des Buches 
gegenüber im wesentlichen negativ verhalten müssen, so be¬ 
ruht dies auf der nach unserer Ansicht falschen Auflassung, 
die der Verf. von der altgermanischen Langzeile hat, und die 
sich wie ein rother Faden durch die ganze erste Hälfte des 
Buches hindurchzieht. 

Wie ich Über die Kurzzeile in La 3 . und im K. H. denke, 
brauche ich hier nicht weitläufig zu erörtern. Auf die An¬ 
sichten des Verf.’s über die Form des letzteren Gedichtes 
werde ich an anderer Stelle einzugehen haben. Auch für die 
in allitterirenden Langzeilen abgefassten, dem 13. Jh. ange¬ 
hörenden Legenden Seinte Marharete, S. Juliane und 8 . 
Caterine sind, wie es Einenkel in seiner von mir Ltbl. 
1881 S. 435 besprochenen Schrift im Ganzen wohl naohge- 
wiesen hat, die Lachmannschen (ffesetze in ihrem vollen Um¬ 
fange aufrecht zu erhalten. Auch die Polemik gegen Rosenthals 
Untersuchungen (die allitterirende engl. Langzeile im 14. Jh. 
Anglia I, 414 ff.), 8 . 196 ff. bei Sch., betrachte ich der Haupt¬ 
sache nach für verfehlt. loh bin zwar weit entfernt alles, 
was Rosentbal in dem genannten Aufsatze sagt, zu vertreten. 
Ich glaube auch keineswegs, dass die alte Wort- und Vera¬ 
betonung, namentlich was die unbetonten Silben anlangt, sich 
bis in diese späte Zeit rein und vollkommen wirksam erhalten 
habe, zweifele aber gar nicht daran, dass das Grundschema 
auch dieser Zeile die alte Langzeile von acht, nicht von vier 
Hebungen ist. Wie vermöchte man Halbzeilen, wie 3 «««, 
rSdiliche quod RSpentaunce (Scb. S. 202) mit zwei Hebungen 
zu lesen, die mit vier Hebungen djirchaus gesetzmassig ge¬ 
bildet sind? Wie Sch. hierzu und zu ähnlichen Zeilen 8 . 203 
sagen kann: ‘Bei der richtigen Annahme von zwei Hebungen 
schwinden alle Schwierigkeiten und gezwungenen Betonungen', 
begreife wer da mag. Ich halte ferner Rosenthal für voll¬ 
kommen berechtigt in Halbzeilen, wie A fair feldful of foÜc 
mehr als zwei Stäbe anzunehmen, was Sch. hier leugnen 
möchte, während er es bei andern Gedichten S. 211 zugoattfct, 
mit dem Zusatze freilich, dass die überzähligen Stabworte 
nicht als ‘eigentliche Hebungen zu betrachten seien'. Wir 
machen eben die Hebung nioht vom Stabe abhängig, sondern 
erblicken in dem Stabreime nicht anders wie in dem End¬ 
reime ein zu dem auf eigenen Gesetzen beruhenden Rhythmus 
des Verses später hinzugekommenes Bindemittel. 

So erkenne ich denn auch nicht in den 8 . 215 genannten 
strophischen, lyrischen Gedichten den alten Langvere in ‘ver- 
hältnissmässig correoter'. sondern vielmehr in verstümmelter 
Gestalt. Dass wir es hier mit Neubildungen unter fremd¬ 
ländischem Einfluss zu thun haben, geht schon aus der meist, 
kunstvollen Strophenform, vor allem aus dem gekreuzten 


Digitized by 


Google 




137 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr* 4. 


138 


Xtaim hervor, der späteren Ursprunges ist. Meist haben die 
Halbseilen, wie auch Böddeker annimmt, drei Hebungen, sind 
also um eine Hebung verkürzt, viele bewahren ganz die alte 
Gestalt. Die Langzeile des bei Böddeker, Altengl. Dichtungen 
des Ms. Harl. 2&3 unter PL. VII aufgeführten Gedichtes 
glaubt Sch. fA8t als viertaktig in romanischem Sinne be¬ 
zeichnen zu können. 8ehen wir genauer zu, so erhalten wir 
fast überall zwanglos in jeder Halbzeile vier Hebungen. Man 
lese also: 

Of rybaüds 1 y rymB 
and rtde 6 my röUc , 
of gidel#nges grdmes, 
of cölyn dnd of c6lle, 
hdrlötes hörsknäues ; 
bi pdte dnd by pöllB 
to dtuel ich Mm to lyure 
and thke tö töllB. 

Geräth man freilich iu einen daktylischen oder ana- 
pästisoben Rhythmus hinein, der doch, wie bekannt* dem 
Germanischen ursprünglich durohaus fremd ist, so ist es leicht, 
hier wie anderwärts nur je zwei Hebungen in der Halbzeile 
za finden. Ich will nun auch hier keineswegs das alte Mass 
überall in strenger Gesetzmässigkeit wiedarerkennen, halte 
aber an der alten Grundform selbst in diesen Neubil¬ 
dungen fest. 

Eigentümlich ist, dass Sch. für die englischen Nach¬ 
ahmungen fremder Metren überall gewisse Freiheiten des 

g ermanischen Verses (Fehlen der Senkung und des Auftaktes, 
etonungen wie fourtine, noch im 14. Jh.) annimmt (vgl. z. B. 
den Abschnitt über Hob. of Gloucester S. 249 f.), denen er 
bei Betrachtung des germanischen Metrums selbst sozusagen 
gar keinen Spielraum gewährt. 

Vollenden wir nunmehr unsern Ueberblick Über den 
Inhalt des Buches. Im 11. Kap. des 3. Abschnittes wird die 
strengere allitterirende Langzeile bis ins sechzehnte Jb. ver¬ 
folgt. Daran schliesst sich in Kap. 12 die Langzeile des 
englischen Dramas. Auch hier glaubt Sch. Überall mit vier 
Hebungen, je zwei für die Halbzeile, auskommen zu können. 
Er betont, um nur Ein Beispiel zu geben, S. 236 Remtmbre 
you not hotc my lyberte by medsure mied wde. Kap. 13 be¬ 
trachtet die septenarisch-alexalidrinische Langseile in ihrer 
weiteren Entwicklung und Verwendung in den zahlreichen 
Heiligenleben, bei Rob. of Gloucester etc.; die Nachbildung 
des französischen Alexandriners in Robert Mannyngs Chfonicle 
of England. Hierauf folgt in Kap. 14 die Betrachtung des 
viertaktigen kurzen Reimpaares romanischer Herkunft, ver¬ 
wendet in zahlreichen Gedichten des dreizehnten und vier¬ 
zehnten Jb.’s wie die Eule und die Nachtigall, Genesis und 
Exodus, Floriz und Blanoheflur, Havelok und in vielen Romanen 
(s. Soh. 8. 269), auoh zu Strophenbildungen vielfach gebraucht 
(s. Sch. 8. 283 ff.), womit der Verf. einen passenden Ueber- 
gang zu dem IV. Abschnitt seines Buches gewinnt, der sich 
von S. 294 bis S. 433 mit der mo. Strophe beschäftigt. Ich 
würde den mir im Ltbl. gestatteten Raum bei weitem über¬ 
schreiten, wollte ich auoh nur in Kürze den reichen Inhalt 
dieser Abtheilung skizziren. Man kann nur staunen über 
diese Fülle poetischer, oft höchst kunstvoller Formen, die 
eine Freude am Klang und eine Empfänglichkeit für mannig¬ 
fach wechselnden Rhythmus voraussetzen, die uns heute nicht 
mehr reoht begreiflich sind. Die in den schwierigsten und 
künstlichsten Versohlingungen sich gefallende Technik muss, 
selbst wo der Inhalt unter dem Zwange der Form leidet, 
unsere Bewunderung erregen, zumal da auch einzelne Meister 
auftreten, welche selbst die grössten Schwierigkeiten zu über¬ 
winden und die zierlichste Form mit entsprechendem Inhalt 
za füllen wussten. 

Die beiden letzten Kapitel des IV. Abschnittes, und 
somit des ganzen Bandes, können gewissem)aasen als eine 
Monographie des gereimten, fünffüssigen Jambus, des heroic 
verse bei Ghaucer, seinen Zeitgenossen und Nachfolgern an¬ 
gesehen werden. Eine ganze Reihe bedeutender, namentlich 
englischer Gelehrten (s. Sch. 8. 436) hatte hier vorgearbeitet. 
Unstreitig gehören diese Theile zu den besten und am sorg¬ 
samsten ^«gearbeiteten des ganzen Buches. Ich verweise 
namentlich auf die Abschnitte Über die Oäsur S. 440 ff. und 
449 ff. Weniger kann ich mich von meinem Standpunkte 
aus mit dem Abschnitte über die Versohleifung bei Chaucer 
S. 466 ff. befriedigt erklären. Namentlich was die unbetonten 

1 Romanische, zweisilbige Wörter haben fast durch¬ 
gängig diese Betonung. 


e anlangt, so kam es m. E. nicht so sehr darauf an, welche 
e von der Versohleifung betroffen werden — denn wie aus 
des Verf.’s Zusammenstellung im § 191 hervorgeht, kann im 
Auslaute, auch bei schliessendem Oonsonanten, jedes unbetonte 
e verschliffen werden — sondern unter welchen Umständen 
dies geschieht, vgl. uueh Sch. selbst S. 478, und zwar war 
hier sowohl die voraufgehende, wie die nachfolgende Silbe 
zu berücksichtigen. Die Behauptung, die Sch. dem betreffen¬ 
den Abschnitte vorausschiokt, 'es werde sich ergeben, dass, 
wie die Wortbetonung Cbaucers und seiner Zeitgenossen, so 
auch die damit zusammenhängende rhythmische Behandlung 
der tonlosen Ableitungs- und Flexionssilben im Wesentlichen 
dieselbe ist, wie zu Orms Zeit', kann ich durchaus niohi für 
zutreffend erachten. Orm kennt nur die Versohleifung eines 
auslautenden e auf folgenden Vokal oder h + Vokal, ausser¬ 
dem noch gewisse Fälle der Krasis {hitt für he itt etc.), der 
Synkope (ewemmde für ctcemede ), der Apokope. Er kennt 
aber keine Versohleifung zweier, durch einen oder mehrere 
Consonanten getrennten, unbetonten e (wie etwa beggeres ). 
Diese Art der Verschleifung ist aber geläufig in allen andern 
Gedichten des 13. Jh.’s (z. B. im Poema Morale, im K. H., 
s. Ausg. Einl. S. XIV, I, 3, b). Chaucer aber geht darüber 
weit hiuaus. Senkungen wie by his Sres ful round tshdm, 
4>f yiddynges hi (Sch. S. 470) sind im 13. Jh. ünmöglich. 
Hier kann man m. E. überhaupt nicht mehr von Versohleifung, 
sondern nur von 8ynkope oder Verstummen des unbetonten 
e reden. Noch schwieriger wären Fälle wie greyhoundee he 
hddde (ProJ. 190), stiwardee of (ib. 679), doch ist hier sicher 
Ton Versetzung (resp. schwebende Betonung) anzunehmen, wie 
noch in manchen der von Scb. aufgeführten Fälle z. B. hous- 
bondes dt that toün (Kn. T. 78). Auoh glaube ich nicht, dass 
es recht ist, in Fällen wie abouten hir myghte etc. (S. 471) 
das auslautende n stehen zu lassen. 


Höchst interessant wäre es auoh zu wissen, ob Chaucer 
noch Spuren der Verschleifung auf der Hebung bewahrt 
(8. Lied von K. H. Einl. S. XVI. H, 3, b), wie das wirklich 
der Fall zu sein scheint. Ich hätte noch vieles zu diesem 
Abschnitte anzumerken, doch würde mich dies zu weit führen. 
Ich eile mit meiner Besprechung zum Schlüsse zu kommen. 

Dem Buche ist ein sehr brauchbares und bei der Masse 
der behandelten Gegenstände fast nothwendiges Register bei¬ 
gegeben. Als nicht unter den Druckversehen aufgeführt ist 
mir auf 8. 167, Z. 2 v. o. 'Hebungen 1 statt 'Senkungen 1 
aufgestoBsen. Eine die äussere Form des Buches anlangende 
Bemerkung kann ich nicht unterdrücken, sie betrifft den Stil 
desselben. Sch. schreibt ja im ganzen sehr klar, ungekünstelt 
und natürlich, doch liebt er es nur zu sehr, allzuviel in einem 
Athera zu sagen, d. h. in eine Periode bineinzudrängen. Sätze 
von zehn, zwölf und mehr Zeilen sind bei ihm keine Selten¬ 
heit. S. 191 steht ein soloher von sechzehn, S. 126 sogar ein 
Ungethüm von zweiundzwanzig Zeilen. Geradezu gefährlich 
wird die 8ache, wenn in eine solche, aus Haupt- and Zwischen¬ 
sätzen bestehende Periode illustrirende Proben eingekeilt 
werden, wie z. B. S. 222, und besonders 8. 367. Damit man 
mich nicht der Uebertreibung beschuldige, will ich die letzte 
Stelle im Wortlaut hierbersetzen. Es heisst dort: 'Es ist dies 
dieselbe Reim- und Strophenart, welche Robert de Brunne in 
seiner Reimohronik als ryme couöe, Schweifreim (tail-verse), 
bezeichnet, und die in der von Hearne edirten Handschrift 
duroh die auch im Druck befolgte Anordnung als zwei Lang¬ 
zeilen, wie II, p. 279: 

Men may merci haue , traytour not to saue , for luf ne for atce, 
Atteynt of traytorie, suld haf no mercie, wip no maner lawe ; 
(nun erwartet man sicher das Verbum, aber es geht weiter:) 
oder indem das kurze Reimpaar mit dem als gewöhnliche 
Kurzzeilen unter einander geschriebenen Verspaare zusammen 
eine Langzeile ausroacht, wie p. 266: 

For Edward gode dede 1 .... . . 

Pe Baliol did him mede ) ö wtkked 

Turne u>e ageyn to rede 1 M ddok p er U fi „ e , 

and on our geete to spede J * J 

(nun immer noch kein Verbum, sondern ein weiteres Ein¬ 
schiebsel:) und so auch äusserlich eine ihrem Namen ent¬ 
sprechende Gestalt zeigt, wie dies übrigens in gleicher Weise 
in den handschriftlichen Ueberlieferungen mancher anderen, 
in dieser 8trophenform geschriebenen Dichtungen der Fall 
ist, so z. B. nach dem ersteren Schema bei der Aufzeichnung 
der ältesten Version der Alexiuslegenden im Vernon Ms., 
naoh dem zweiten zu Anfang der Aufzeichnung derselben 
Version im Ms. Laud 706, bis v. 105, von wo an die gewöhn¬ 
liche Aufzeichnung dieser Strophenform mit unter einander 

10 


Digitized by 


Google 


139 


1882. titeraturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


140 


geschriebenen Versen eintritt’. Wie der Leser, allerdings erst 
naoh wiederholtem, reiflichen Erwägen des ganzen Passus 
finden wird, ist der Verf. zu dem mit ‘und die in der’ begin¬ 
nenden zweiten EelatiTsatze das Verbum schuldig geblieben. 
Die ganze Stelle umfasst bei Sch. 28 Zeilen, oder fast zwei 
Drittel der ganzen Seite Grossoktar. 

Wir Deutsche sind ja nun an solche, zum mindesten 
unschöne und schwerfällige Satzbildungen in gelehrten Werken 
gewöhnt, sollten aber in Werken, die auch auf fremdsprach¬ 
liche Leser rechnen müssen, auf diese doch wenigstens Rück¬ 
sicht nehmen und ihnen das Verständnis! nicht unnötiger¬ 
weise erschweren. £s würde einer hoffentlich bald nöthig 
werdenden zweiten Auflage des Buches nur zum Vortheile 
gereichen, wenn auch in dieser Hinsicht Abhülfe getroffen 
würde. 

Wiesbaden, Februar 1882. Th. Wissmann. 


Bastin, J., Gramniaire historiqne de la langne 
fran<jaise. (Abr6gü de la grammaire de 1878.) 
3* 4d. Premiere partie. St. Fütersbourg 1881. 
XI, 136 S. 8. 

Lindner, Felix, Grundriss der Laut- und 
Flexionsanalyse der neufranzös. Schrift¬ 
sprache. Oppeln 1881. VII, 109 S. 8. 

Pio, Jean, Fransk Sproglsere til Skolebrug. 
5te meget sendrede Udgave. Kjebenhavn 1881. 
174 + 12 S. 8. 

Die drei vorstehend verzeichneten Grammatiken 
sind für den Schulunterricht von drei verschiedenen 
Ländern bestimmt. Es ist daher leicht erklärlich, 
dass sie in vielen Punkten von einander abweichen 
müssen, / besonders in der Behandlung und Anord¬ 
nung des Stoffes. In einem Punkte jedoch treffen 
alle drei zusammen, in dem Bestreben nämlich, die 
Resultate der neueren Forschungen über die histo¬ 
rische Entwicklung der französischen Sprache auch 
in den Schulunterricht einzuführen, soweit sich dies 
mit den praktischen Zielen desselben verträgt. 
Bastin und Pio haben sich klüglich eingeschränkt 
und nur die nothwendigsten Erläuterungen gegeben; 
Lindner ist aber weiter gegangen und hat ver¬ 
sucht, eine vollständige Morphologie der neufranz. 
Schriftsprache zu schreiben. Ich sage versucht; 
denn sein Buch kann nur als ein erster und zwar 
n^isslungener Versuch betrachtet werden. Es heisst 
in dem Vorwort, dass das Buch für den Schüler 
bestimmt ist. Es sollte mich sehr wundern, wenn 
man in den deutschen Schulen dem rein theoretischen 
Unterricht in der franz. Sprache so viel Zeit zu¬ 
gestehen könnte, dass es möglich wäre, die sprach- 
Eistorischen Fragen in solchem Umfange mit zu 
behandeln, wie das Buch von Lindner dies fordert 
— hier bei uns in Dänemark, wo doch das Fran¬ 
zösische eine hervorragende Stellung in den Latein¬ 
schulen einnimmt, würde es wenigstens ganz und 
gar unmöglich sein. Das Buch Lindners ist wohL 
vielmehr für diejenigen Lehrer bestimmt, die nicht 
Specialisten sind. Diese muss ich aber auf das ent¬ 
schiedenste warnen es zu benutzen; denn in vielen, 
sehr vielen Fällen werden sie nur unbestimmte oder 
gar verkehrte Erklärungen finden. Damit man nicht 
sage, dass ich zu streng nrtheile, führe ich gleich 
hier eine kleine Auswahl der besonders hervor¬ 
tretenden Versehen an. S. 13. Diphthongirung: 
amo — amje (1) — aimje (!) — atme . S. 17: Das 


Fut. von voir lautet verrat d. h. voir ai = vairait 
nach alter Weise vahrau dann mit Ausfall des o = 
verrat gesprochen, wogegen paurvairat, privairai der 
neuen Aussprache von ai = oa folgen. Sapienti 
sat! Man vergleiche hiermit was L. S. 3l über 
pourrai sagt. S. 27 wird au-urius als Mittelform 
zwischen auguriosum und eurem gegeben. S. 42 
wird loger aus locare hergeleitet. S. 57: löur — 
Uur — Uür — iSür — loar — lori welch schöne 
Reihe! S. 85: fugere — fugre — fuire — ftdrl 
Ein würdiges Seitenstück zu dem vorhergehenden. 
Diese paar Beispiele beweisen genugsam, dass der 
Verf. in der Phonetik nur ein Spiel mit Buch¬ 
staben sieht; man vergl. auch S. 87 planctum — 
planitum — plaint etc. Es ist wohl unnöthig mehr 
Beipiele zu geben; aus den bereits citirten, die be¬ 
deutend zu vermehren sehr leicht wäre, wird hervor¬ 
gehen, dass der Verf. ohne hinlängliche Vorkennt¬ 
nisse an seine Arbeit gegangen ist. Hierzu kommt, 
dass das Buch voll von unsicheren Erklärungen ist 
(so z. B. was über camp und champ S. 5, über tous 
und taut S. 12, über parle-t-il S. 14, über -abam, 
-ebam, -ibam S. 24, über partum (parta, parte, port) 
S. 35 etc. gesagt wird), dass die Anordnung des 
Stoffes eine wenig bequeme und wenig übersicht¬ 
liche ist, so dass es nicht räthlich erscheint, das 
Buch in Schulen zu benutzen. Es wäre selbst ge¬ 
fährlich in den Händen desjenigen Lehrers, der 
nicht durch ein genaues Studium mit dem Altfran¬ 
zösischen schon vertraut ist. Denn einem solchen 
wäre es unmöglich, sich vor den zahlreichen Miss¬ 
verständnissen und Fehlern des Verf.’s in Acht zu 
nehmen. Der Romanist ex professo wird allein das 
Buch lesen können ohne Gefahr, aber auch ohne 
grosse Belehrung; denn das Richtige in dem Buche 
ist nicht neu, und das Neue ist nicht immer richtig. 
Es soll gerne eingeräumt werden, dass sich hie und 
da recht gute Bemerkungen finden, so dass ein zu¬ 
künftiger Bearbeiter der Morphologie der neufr. 
Schriftsprache nicht völlig unterlassen kann, Lind¬ 
ners Buch zu berücksichtigen, aber — wie bereits 
gesAgt — es ist unmöglich den „Grundriss“ in den 
Schulen zu benutzen, und mit Büchern wie dem vor¬ 
liegenden wird Lindner nicht der guten Sache 
frommen, die er zu wiederholten Malen eifrig ver- 
theidigt hat 

Bezüglich der zwei anderen Grammatiken können 
wir uns in grösserer Kürze fassen. Bast ins 
„Grammaire historique“ ist nur eine verkürzte Aus¬ 
gabe der grösseren Grammatik desselben Verfassers 1 
von 1878 und enthält viel gutes und brauchbares; 
er hat eben so viel von der Geschichte der Sprache 
berücksichtigt, als in einer Schulgrammatik rathsam 
ist, und viele treffenden Bemerkungen zeugen von 
seinem guten Sprachsinn. Man könnte wohl dem 
Verf. vorwerfen, dass der Stoff nicht immer in leicht 
übersehbarer Weise geordnet ist (so z. B. der Ab¬ 
schnitt über die Femininumbildung S. 40 ff.), und 
dass er sich häufig wiederholt, aber im Ganzen ist 
das Buch lehrreich und in den Schulen recht an¬ 
wendbar. 

Der Hrsg, der dritten oben angeführten Gram- 

1 Etüde philologique de la lan^ne francaise ou gram- 
maire oomparee et basöe pur le latm. 2 voll. St. Pöters- 
bourg 1878—79. 


Digitized by 


Google 





I 


141 


1882. Literaturblatt für germanische und romanisohe Philologie. Kr. 4. 


142 


matik, Jean P i o, ist der erste hier in Dänemark, 
der den historisch-comparativen Stoff in den Schul¬ 
unterricht eingeführt hat, und dass seine Grammatik 
bereits in fünfter Auflage vorliegen kann, ist ein 
gutes Zeugniss für ihre Brauchbarkeit. Die neue 
Ausgabe ist eine gänzlich umgearbeitete und ver¬ 
mehrte; besonders die Syntax ist Gegenstand einer 
Revision gewesen und ist nun jeden Lobes würdig, 
die Beispiele sind gut gewählt und die Definitionen 
sind mit einer eigenthümlichen Schärfe und Präci- 
sion gegeben. 

Kopenhagen, 15. Jan. 1882. .Kr. Nyrop. 


Molifere’s Leben nnd Werke vom Standpunkte 
der heutigen Forschung von RMahrenholtz. 
Heilbronn, Gebr. Henningen 1881. VII, 398 S. 
M. 12. [Französische Studien hrsg. von Körting 
und Koschwitz. II. Bd.] 

Seit Moland (in seiner Ausgabe der Werke 
Mol.’s) ist Mahrenholtz der erste, welcher es unter¬ 
nimmt, die gesammte Moliireforschung zusammen¬ 
zufassen, ihre Geschichte bis auf die letzten Tage 
fortzuführen und überall scharf und präcise das 
Stadium anzugeben, in welchem die Lösung der 
zahlreichen Probleme sich zur Zeit befindet. Nie¬ 
mandem, wenn er nur einigermassen mit der Mannig¬ 
faltigkeit des Stoffes und dem Umfange der Literatur 
bekannt ist, kann es verborgen sein, wie schwierig, 
aber auch wie verdienstvoll eine solche Arbeit ist. 

Der Verf. hat es verstanden, auf einem ver- 
hältnissmässig engen Raume seine Aufgabe so zu 
lösen, dass allen gerechten Anforderungen durch¬ 
aus genügt wird. Er gibt eine vollständige Geschichte 
der äusseren Lebensverhältnisse Mol.’s nach den 
Quellen, die er jedoch kritisch nach ihrer Glaub¬ 
würdigkeit beleuchtet* den Charakter, soweit er 
sich durch verbürgte Thatsachen documentirt, ent¬ 
wickelt er mit Vorsicht und Glück aus seinen 
Werken, und zwar ohne jegliche* Schönrednerei, 
ohne Schwächen bemänteln oder vertuschen zu 
wollen. Ueber Mol.’s dichterische Entwickelung, 
seine Literaturkenntniss, Weltanschauung, Stellung 
zu den Zeitgenossen, Werthschätzung, Bedeutung 
in der Literatur etc. erhalten wir vollkommen Auf¬ 
schluss, so weit er gegeben werden kann. Die 
Untersuchungen über die Composition seiner Comö- 
dien, ihre Quellen und Charaktere sind mit ganz 
besonderer Auszeichnung hervorzuheben, sie sind 
kurz und doch erschöpfend, zum guten Theil neue 
Resultate zu Tage fordernd, das Bekannte von 
neuen Gesichtspunkten darstellend. Die Zeitge¬ 
nossen, soweit sie auf Mol. eingewirkt oder mit 
ihm in Berührung gestanden haben, die Bübnen- 
verhältnisse sind in genügendem Umfange charak- 
terisirt und geschildert worden. Die Moliferebiblio- 

n hie erfährt in einem besonderen Abschnitt eine 
enswerthe Vervollständigung, indem der Verf. 
besonders die deutschen von Lacroix nicht notirten 
Publicationen verzeichnet. 

Das* sind ungefähr die Hauptsachen des reichen 
Inhalts. Die Disposition ist practisch und unge¬ 
zwungen; sie ermöglicht es, dass sämmtliche Punkte 
an der richtigen Stelle ihre Erledigung finden, und 


dass fehlerhafte Wiederholungen vermieden werden. 
Eingehende Auseinandersetzungen über Specialitäten, 
welche die fortlaufende Darstellung behindern wür¬ 
den, sind als Exkurse nachgefügt. — Die Diction 
ist durchweg sachgemäss, lobenswerth bündig, 
treffend und selbst in den schwierigsten Partien 
klar und angenehm, nur hätte ich gewünscht, dass 
einige satirische Beziehungen auf gegenwärtige Ver¬ 
hältnisse (S. 112, 165, 223, 322 oben) unterdrückt 
wären. Das überlieferte Material ist in einer Voll¬ 
ständigkeit vorgeführt, wie sie grössere Forschungs¬ 
gebiete zusammenfassenden Werken nicht häufig 
eigen ist, jedoch sind Werke und Hypothesen, 
welche längst als veraltet oder widerlegt bekannt 
sind, übergangen oder nur kurz berührt worden, 
und mit Recht, da das Buch nur für Kenner der 
franz. Literatur im XVII. Jh. und speciell der 
Moli&reliteratur berechnet ist. Ausserdem aber hat 
der Verf. die Resultate seiner eigenen Forschung 
in diesem Bande niedergelegt und dadurch die 
Kenntniss um ein gutes Stück gefordert: während 
die Vorgänger sich dabei begnügten, die von Mol. 
benutzten Quellen nachzuweisen, sucht Mahrenholtz 
überall zu zeigen, wie derselbe r die von anderen 
entlehnten Worte, Situationen, Charaktere (bes. bei 
J^tourdi, Dep. am., Tart., Avare) selbständig ver¬ 
arbeitet, vertieft, veredelt hat; ferner weist er eine 
grössere Anzahl von bisher nicht beachteten Ent¬ 
lehnungen (bes. aus Scarron) nach; endlich die 
ästhetische Würdigung und Analyse der einzelnen» 
Stücke enthält vielerlei Neues und Gutes. Besondere 
Anerkennung werden die den Tartuffe, Don Juan 
und Misanthrope behandelnden Abschnitte bei jedem 
finden, der sich einmal in das labyrinthische Wirr- 
sal der diese Stücke behandelnden Schriften hinein- 
begeben hat Ein gleiches gilt von dem dreizehnten 
Abschnitt, welcher Mol.’s Originalität als Mensch 
und Dichter behandelt Nachzutragen oder zu be¬ 
richtigen habe ich nur weniges:' Rotrou’s Freund¬ 
schaftsverhältnis, welches Ed. Fournier in Le 
Thäätre Fran$. au XVI* et au XVII* si&cle etc. 
Paris, Laplace, Sanchez & C 1 *, S. 439 nachgewiesen 
hat, hätte wohl erwähnt werden können, zumal da 
sich die vielfachen Benutzungen und Aufführungen 
Rotrouscher Stücke daraus erklären. — Die Än- 
klänge an Scarron lassen sich noch vermehren; zu 
F. S. Vers 1734 f., 1745 vgl. Häritier ridicule I, 1: 

Une äme g6n6reuse et qui n’est pas commune, 

Est au-dessus des biens que donne la fortune. 

zu F. S. 215 ff. vgl. Roman comique II, 8, wo Le 
Destin’s Beobachtungen über Frauenberichtet werden; 
auch im Ausdruck, besonders im bildlichen und in 
Vergleichen zeigt Mol. häufig Aehnlichkeit mit Scar¬ 
ron. Die Stelle, welche der Verf. p. 224 anführt, 
ist nicht aus Prdc. inut, sondern Plus d’effets que 
de paroles. Das Citat wäre noch deutlicher, wenn 
die Frage Prospers mit abgedruckt wäre, welche 
lautet: Que pourrez-vous jamais faire qui vous rende 
la räputation que vous avez perdue en souffrant les 
galanteries d’Hypolite? Je ne puis etc. — Auf 
S. 82 sagt der Verf. Despois folgend: das Aufhören 
der Vorstellungen der Pr4c. rid., das zweifellos von 
einem hochgestellten Anhänger der Preziosen be¬ 
wirkt wurde u. s. w. Despois stützt sich auf So- 
maize, Grand Dictionnaire des Präcieuses (6d. Livet) • 


Digitized by 


Google 



143 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


144 


I, 189, prädiction XXVI—XXVIII, aber (ebeuso , 
wie Moland) übersieht er, dass dort ausdrücklich 1 
von einer Aufführung im Cirque. de Orecs (d. i. 
Hotel de Bourgogne) die Rede ist (cf. Lacroix, bibl. 
mol 2. Ausg. Nr. 1691), daher kann ich diese Hypo- | 
these noch nicht für zweifellos richtig halten. — • 
S. 286 und 303 erfährt der Bericht des La Grange 
über den Tod Mol.’s widersprechende Beurtheilung. j 
— Die Bibliographie könnte noch um eine Anzahl 
von Titeln erweitert werden, ich nenne nur: Laun’s 
Abhandlungen in den älteren Jahrgängen vonHerrig’s 
Archiv und Gosche’s Archiv für Literaturgesch.; 
Humberts Programmabhandl. „Md. in England“. 
Bielefeld 1874; Neuss, Sur le Misanthrope etc. 
Programm, Montabaur 1877; G. Kissling, Ausg. 
des Tartuffe mit deutschem Commentar u. s. w. 
Heilbronn 1832 (die zweite Aufl. 1845 ist S. 327 
genannt); Friedrich Köhler, der Avare aus 
dem Sprachgebr. des Dichters erläutert, Altenburg, 
Jacob 1851; im XIV. Abschnitt hätte als Nach¬ 
ahmer des Amphitryon auch Kleist genannt werden 
müssen. 

Aus dem gesagten ergibt sich, dass die Mol&re- 
biographie von Mahrenholtz sich dem besten eben¬ 
bürtig anreibt, was über den grossen Franzosen 
geschrieben ist. Sie bat ihre Stelle unmittelbar 
neben den grundlegenden Werken eines Taschereau, 
Bazin, Moland, Lacroix, Despois und wird für die 
Moli&rephilologie stets werthvoll und so lange un¬ 
entbehrlich bleiben, bis ein späterer Moli&rebewun- 
derer und Forscher Muth und Kenntnisse genug 
besitzt, ein ähnliches Werk mit gleicher Vorzüglich¬ 
keit zu schreiben. 

Da Lotheissens hübsche Moü&rebiographie als 
populäres Werk eine ganz andere Aufgabe sich 
stellt. kann man es füglich nicht mit dem soeben 
besprochenen vergleichen, thäte man es dennoch, 
so würde man ohne jeden Zweifel Mahrenholtz den 
Siegespreis zuerkennen müssen; ich verweise jedoch 
über Lotheissen auf meine Recension in der Zs. f. 
nfr. Spr. u. Lit. III, 594—599. 

Ich kann nicht schliessen, ohne das Buch, auf 
welches die deutsche Wissenschaft stolz sein darf, 
gegen eine gewisse Kritik in Schutz zu nehmen, 
und hier auf das nachdrücklichste die anonymen 
Angriffe des Grenzbotenkritikasters zurückzuweisen. 

' Derselbe verfolgt das Moli&re-Museum, so lange es 
besteht, mit seinen erbärmlichen Witzen, und neuer- , 
dinge überschüttet er Mahrenholtz und sein Buch 
mit einer Menge geistloser Schmähungen und Ab- | 
geschmacktheiten. Die Werthschätzung der von 
ihm bewitzelten Werke kann er durch solche 
Mittel nicl^t beeinträchtigen, wohl aber hat er 
seine Unwissenheit, und totale Unfälligkeit, wis¬ 
senschaftliche Werke zu lesen und zu beurtheilen, i 
deutlich und öffentlich bekundet, und sich selbst I 
einen hässlichen Makel dadurch angehängt, dass er 
sich zu wenig muthvoll zeigt, um für seine soge¬ 
nannten Kritiken mit seiner Person und seinem 
Namen einzutreten; vgl. jedoch Mol. Misanthrope 
I, 365 f. 

Wollin in Pommern, 18. Febr. 1882 j 

W. Knörich. 


i 


Antiquitäs typographiques de la France. Ori¬ 
gines de Pimprimerie k Albi en Languedoc (1480 
— 1484). Lcs P6regrinations de J. Neumeister, 
compagnon de Gutenberg, en Allemagne, en Italic 
et en France (1463—1484). Son etablissement 
definitif k Lyon (1485—1507). D’apris les monu- 
ments typographiques et des documents originaux 
inädits avec notes, commentaires et £claircisse- 
ments par A. Claudin. Paris, Claudin. 1880. 
III, 104 S. 14 Facsimiles. 

Der gelehrte Pariser Buchhändler Claudin hat 
über die Anfänge der Buchdruckerkunst in Süd¬ 
frankreich nicht unwichtige Entdeckungen gemacht. 
Dieselben betreffen das Leben und Wirken des 
Johannes Neumeister, des Gehülfen Johann Guten¬ 
bergs. Dieser gehörte zu jenen wandernden Aposteln 
der Buchdruckerkunst, die mit ihrem winzigen 
Druckapparato keck in die Welt hineinzogen, über 
die Grenzen des Vaterlandes hipaus, um die Wohl- 
that der deutschen Erfindung nach Italien und 
Frankreich zu tragen und den Samen des geflügel¬ 
ten Wortes in diesen Ländern auszust reuen. 

Neumeister wird kaum 25 Jahre alt gewesen 
sein, als er in Mainz in Gutenbergs Werkstatte 
seine typographische Laufbahn begann. Das, enge 
Verhältnis, in welchem er zu dem Vater der Buch¬ 
druckerkunst stand, wird durch eine Notiz bezeugt, 
die in ein Exemplar des Tractatus de celebratione 
missarum im Jahre 1463 eingetragen worden ist. 
Dieses Exemplar wurde früher in Mainz aufbewahrt, 
ist aber gegenwärtig verschollen. Nicht lange nach¬ 
her scheint Neumeister Mainz verlassen zu haben, um 
sich nach Italien zu wenden. Dort finden wir ihn 
i. J. 1470 in der Stadt Fuligno, wo sich ein adlicfaer 
Herr, Emiliano von Orsini, seiner annimmt. Der¬ 
selbe stellt Neumeister und dessen Arbeitern einen 
Theil seines Palastes zur Verfügung und gibt ihm 
die Mittel, dort eine Buchdruckerei einzurichten. 
Das erste Buch, welches aus dieser Presse hervor¬ 
ging, war die Historia belli adversus Gothos von 
Leonardo Bruni von Arezzo (1470), das zweite 
Cicero’s Epistolae familiäres, in 200 Exemplaren 
aufgelegt, nach einem vom Bischof Andreas von 
Aleria revidirten Text. Neumeister nennt sich hier 
Ioannes Almanos und bezeichnet Orsini als den 
auctor des Buches, d. h. als den, der das Geld für 
die Druckkosten ausgelegt hatte, also den Verleger 
im ursprünglichen Sinne dieses Wortes. Ihre be¬ 
deutendste Leistung aber brachte die Fuligner 
Presse im J. 1472 hervor: die erste Ausgabe 
der Divina commedia. 

Nun folgen wieder einige Wanderjahre, während 
deren wir unsern Neumeister aus den Augen ver¬ 
lieren, um ihn erst 1479 in Mainz wiederzufinden. 
Denn ich glaube, dass Claudin mit vollem Rechte 
die Worte Iohannes Numeister clericus Maguntinus 
als „J. N. Buchdrucker zu Mainz“ versteht. Diese 
Worte finden sich am Schlüsse der Meditationes 
des Johannes von Turrecremata, welche im J. 1479 
in Mainz erschienen. 

Lange scheint es Neumeister in seiner alten 
Heimat nicht ausgehalten zu haben. Schon im J. 
1480 finden wir ihn im südlichen Frankreich als 
den ersten, welcher die „deutsche Kunst“, wie man 


Digitized by 


Google 



145 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


146 


damals die Buchdruckerkunst im Auslande nannte, 
in der Stadt Albi einführt. Claudin nennt vier 
Werke, die dort gedruckt sind: 1. Epistola Aeneae 
Silvii De amoris remedio; 2. Historia septem sa- 
pientum Romae; 3. Meditationes cardinaüs Johannis 
de Turrecremata (November 1481); 4. Ordo mis- 
salis secundum usum Romanae ecclesiae. Alle diese 
Ausgaben geben im Explic.it nichts weiter als den 
Ort Albia an, eine Jahreszahl nur die dritte (1481). 
Die Bibliographen haben über diesen Ort die wider¬ 
sprechendsten Ansichten geäussert. Brunet führt 
im Manuel die ersten drei Bücher auf — das vierte 
ist ihm ebenso wie allen andern Bibliographen un¬ 
bekannt geblieben — und setzt jedes Mal hinzu: 
idition imprimte ä Albi (oder Albie) en Savoie. 
Allein Claudin zeigt, dass dieses Alby-sur-Cheran 
nicht in Betracht kommen kann: der Ort heisst 
lateinisch Albiacum, hat nur 800 Einwohner, ist 
ohne literarische oder industrielle Bedeutung und 
hat eine solche auch früher nicht gehabt. Wie 
sollte jemand gerade dort eine Druckerei eingerichtet 
haben? Eine andere Meinung sucht Albia am Lago 
di Calerno in der italienischen Stadt Alba. Ein 
dritter erklärte, Albia für eine Uebersetzung von 
Wittenberg, ein vierter für. Aalborg in Jütland. 
Alle diese Vermuthungen werden von Claudin mit 
überzeugenden Gründen aus dem Felde geschlagen 
und durch Belege der Nachweis geführt, dass die 
Namensform Albia einzig und allein der südfran¬ 
zösischen Stadt Albi angehört 1 . 

Nachdem so die Ortsfrage zu Gunsten der 
alten Bischofsstadt am Tarn entschieden ist, unter¬ 
nimmt Claudin die nicht minder anziehende Er¬ 
örterung der andern Frage, wer jene Bücher ge¬ 
druckt hat. Entscheidend ist hierbei die Entdeckung, 
dass die Metallschnitte (opus interrasile), welche in 
dem Turrecremata von Albi 1481 verwendet sind, 
mit den in der Mainzer Ausgabe von 1479 ge- 
gebrauchten aufs genauste übereinstimmen. Neu- 
meister hatte also diese Platten von Mainz nach 
Albi raitgebracht. 

1485 verlegt Neumeister seine Druckerei nach 
Lyon, wo er seinen dauernden Wohnsitz nimmt, und 
wd ihm vom Domkapitel der Druck eines Lyoner 
Messbuchs übertragen wird. Dasselbe erschien im 
J. 1487 und trägt am Schlüsse das Wappen des 
damaligen Erzbischofs von Lyon, Karls von Bourbon. 
Claudin vermuthet, dieser Prälat habe Neumeisters 
Uebersiedelung nach Lyon veranlasst. Schon im 
folgenden Jahre wurde Neumeister seines Gönners 
durch den Tod beraubt, doch fand er einen zweiten 
in dem Erzbischof von Vienne (Angelo Cattbo), 
welcher 1489 bei ihm das Brevier seines Sprengels 
drucken Hess. Dennoch scheint unser Drucker bei 
seinem Wirken keine Schätze gesammelt zu haben. 
Zwar druckt er noch 1495 das Missale von Uz&s, 
allein 1498 findet sich bei seinem Namen in den 
städtischen Registern der Beisatz: pauvre. Er war 
selbst unfähig seine Steuern zu zahlen und ge¬ 
zwungen, sich bei seinem frühem Gefährten Topiü 
als einfacher Tagelöhner zu verdingen. Die Notiz 
hierüber im Lyoner Stadtarchiv lautet: Dolby (er 

1 Nur darin stimme ich Claudin nicht bei, wenn er Albiga 
durch Einschiebung von g aus Albia entstehn lässt. Die Form 
Albiga ist aus antiker Zeit belegt. 


; nannte sich in Lyon Jean d’Albi) West pas maistre, 

: et at quitt e, travaiUe chez Toupier . 1503 hat er 

wieder eine selbständige Druckerei, scheint aber 
nicht viel damit ausgerichtet zu haben. 1507 findet 
1 sich sein Name zum letzten Male erwähnt. Wir 
dürfen vermuthen. dass er um diese Zeit ver¬ 
storben ist. 

Claudin hat diese Thatsachcn überall durch 
Zeugnisse gestützt und so zur ältesten Geschichte 
; der Buchdruckerkunst einen wichtigen Beitrag ge¬ 
liefert. Eine äussere Zierde des Buchs bilden die 
| 14 Facsimiles, welche nicht allein Neumeisters Texte, 
1 sondern auch dessen Metallschnitte wiedergeben, 
| deren Nachbildung auf einem neuen, von Garnier 
entdeckten und von Claudin S. 99 beschriebenen 
Verfahren beruht. 

Halle. HermannSuchier. 


i Rnmunische Untersuchungen. I. Istro- und macedo-ru- 
; munische Sprachdenkmäler von Dr. Franz Miklosioh. 

| Wien 1881 (JSeparatabdrnok au* dem XXXII. Bande der 
Denkschriften der phil.-hist. Klasse der kais. Akademie der 
! Wissenschaften). S. 1—92. 

| Das vorliegende Werk enthält ausser schon Bekanntem, 

, anderweitig Veröffentlichtem (von J. Maiorescu und Miklosioh), 
auch neues Material: einige Gebete, Phrasen und Sprichwörter 
von Dr. Ant. Ive und eine Sammlung von nach Begriffskate¬ 
gorien geordneten Wörtern von Dr. Theod. Gärtner. Bei einer 
Sprache, für deren Kenntniss die Quellen so spärlich fliessen, 
wie dies beim Istrorumänischen der Fall ist, ist es gewiss zu 
billigen, wenn man die bereits nachgewiesenen Wörter zu¬ 
sammenträgt und wieder abdruckt, damit derjenige, der sioh 
■ mit der Sprache beschäftigen will, alles hübsch beisammen 
I habe; dazu kommt noch, dass sich der unermüdliche Heraus¬ 
geber, welcher bereits so viel zur Aufklärung dieser und an- 
| derer ebenso wenig bekannten Sprachen beigetragen, nicht 
! mit dem blossen Wiederabdruck begnügt, sondern auch über 
J den Ursprung der einzelnen Wörter mehr oder minder aus- 
1 führlich handelt. Es ist gewiss interessant und wichtig bei 
jedom Worte zu erfahren, ob dasselbe nur von einem einzigen 
! Forscher oder von mehreren belegt wird und im Falle das 
j letztere eintritt, in welcher Weise die einzelnen Laute des- 
1 selben zum Ausdruck gebracht werden. 

I Der soeben citirte Vortheil tritt jedoch bloss bezüglich 

der Sammlungen Maior.’s, Mikl.’s und Ive’s zu Tage, da nur die 
I Wörter derselben in Einen alphabetisch geordneten Index ge- 
j bracht sind, während die von Gärtner auf Grund des Italie- 
i nisohen abgefragten Wörter für sich ein Ganzes bilden. Bei 
der peinlichen Gewissenhaftigkeit, mit welcher Gärtner zu 
| Werke geht und bei dem grossen Geschick, das er bei Fixirung 
I fremder Laute an den Tag legt, ist es doppelt wichtig, vor 
| allem seine Materialien mit den von den übrigen drei Forschern 
gebotenen Wörtern zu vergleichen, was im Index selbst ein 
i einziges Mal bei dem Worte zodnjaku geschieht, welches mit 
Gärtners zedvenyak verglichen wird. Ich verscbliesse mich 
i allerdings nicht den Gründen, welche den Herausgeber dazu 
t brachten, die G.’sche Sammlung dem Index nicht einzuver- 
1 leiben, glaube iedoch, dass der sich daraus ergebende Uebel- 
stand in einer Weise hätte gutgemaoht werden können, welche 
der Sammlung G.’s nichts von ihrer Individualität und Vor- 
treffliohkeit genommen hätte: man hätte die beiden Verzeich¬ 
nisse von Wörtern in anderer Weise in wechselseitige Be¬ 
ziehungen zu einander bringen können. Es hätte genügt, im 
Index bei Wörtern gleicher Abstammung nur die entsprechende 
Ziffer der Materialien hinzuzufügen; wenn man nun in ähn¬ 
licher Weise, wobei die Ziffer mit einem ‘vrgl.* oder einem 
ähnlichen Zusatz versehen werden könnte, bei jedem Worte 
des Indexes das begrifflich identische, wenn auoh dem Ur¬ 
sprung nach verschiedene Wort der Materialien nach wiese und 
auch die letzteren in dieselbe Beziehung zum Index brächte, 
so würde die damit verbundene Mühe, meiner Meinung nach, 
I duroh die daraus für den Leser erwachsenden Vortheile reich- 
I lioh belohnt werden. Derselbe würde auf den ersten Blick 
| sehen, welche Wörter der beiden Sammlungen sich gegen- 
' seitig ergänzen, indem sie einen und denselben Begriff be- 


Digitized by 


Google 




147 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


148 


zeichnen, ob dieselben dem Ursprung nach verwandt oder ver¬ 
schieden und welche Wörter einer der beiden Sammlungen 
eigen sind. 

Uro diese durchaus nothwendige Vergleichung einiger- 
maasen zu erleichtern, wird den Materialien ein alphabetischer 
Index der italienischen Stichwörter hinzugefügt. Wenn es 
sich jedoch darum handelt zu constatiren, ob ein Wort des 
Indexes auch bei G. belegt ist oder nicht, so ist die Prooedur 
etwas langwieriger Natur: zuerst muss man genau wissen, wie 
ein solohes Wort italienisch heisst; ich sage 'genau', da es mit¬ 
unter für einen Begriff im Ital. mehrere Ausdrücke gibt, wäh¬ 
rend G. doch nur einen einzigen davon zur Grundlage seiner 
Erkundigungen wählen konnte. Dann schlägt man in dem 
ital. Index naoh, findet, falls das Wort wirklich bei G. belegt 
ist, die Ziffer desselben in den Materialien, sucht dieselbe aüf 
und bekommt endlioh die gewünschte Auskunft, oft allerdings 
ein ganz anderes Wort als es dasjenige ist, auf welches man 
gefasst war. Ein Index auch der istroruro. Wörter hätte die 
so nothwendige Herstellung von Wechselbeziehungen zwisohen 
den beiden Verzeichnissen wesentlich erleichtert. Da ein 
solcher nicht geboten wird, so bleibt nichts anderes übrig, 
als dass sich jeder, gerade so wie ioh es gethan habe, einen 
solchen Index selbst anlege. Da sich jedoch einige des ital. 
Indexes zu dem angezeigten und vielleicht auch zu anderen 
Zwecken bedienen hönnten, so glaube ich denselben einen 
Dienst zu erweisen, wenn ioh einige der gröbsten Druckfehler 
in Bezug auf die Ziffern riohtig stelle; kleinere Ungenauig¬ 
keiten, wo es sich um einen einzigen Einer handelt, lasse ioh 
unberücksichtigt, da dies die Auffindung der Wörter nicht 
besonders hinaern dürfte. Ich schreibe gleich die richtigen 
Ziffern: acqua 502, lendine 924, lucere 1127, passo 1186, po- 
vero 668, rtvo 1178, sereno *1128, settimana 1250, eiere 5Ö7, 
sole 1124, sol/o 1184, stella 1126, tienido 1106, verme 925, 
viaggio 1185. Ferner wären in demselben Verzeichnisse fol¬ 
gende Ziffern in Klammern zu setzen: mattone 84, moggio 555, 
slitta 590, tenere 792. 

Was nun den Index selbst betrifft, so wäre es gut ge¬ 
wesen, wenn ein jedes Wort mit einem verschiedenen Anlaute 
an seiner entsprechenden alphabetischen Stelle verzeichnet 
worden wäre, so auch die mit Praepos. zusammengesetzten 
sowohl, als auch die einfachen Verba. Dass dies nicht oon- 
sequent dtfrchgeführt ist, habe ich namentlich bei mit „a* zu¬ 
sammengesetzten Verben gesehen. Es wird bei Maior. manch¬ 
mal ausdrücklich bemerkt, dass das 8implex häufiger vor¬ 
komme als die Zusammensetzung mit a und doch finden wir 
Wörter wie adäpd und däpd nur unter „a u , ohne dass dieser 
Bemerkung Rechnung getragen worden wäre und ohne dass 
däpd auch an seiner Stelle unter 9 d u vorkomme. Dies ist 
deswegen misslich, weil bei Ive und Gärtner mitunter nur 
Formen ohne a sich vor finden, wie skunde , zutd, katsd (resp. 
kacd), deren Auffindung im Glossar schwer fällt; bei arätd 
wird gar nicht gesagt, dass auch rätd vorkommt, trotzdem 
dieses an seiner Stelle unter „r“ angeführt wird, während 
wieder bei aprinde unter 9 a* auf prinde verwiesen wird. 
Diesen Inconsequenzen wäre man aus dem Wege gegangen, 
wenn man sioh entschlossen hätte, den Index in der soeben 
bezeichneten Weise einzuriohten. 

Selbstverständlich erregen die neuen Beiträge Ive’s und 
Gartner’s unser meistes Interesse und wir wollen nun unsere 
Aufmerksamkeit auf dieselben lenken. 

Was zunächst die Transoription der von Ive gebotenen 
Texte betrifft, so fällt es vor Allem auf, dass uns sowohl 
Mikl. als auch G. über die Art und Weise der Schreibung, 
die sie in Anwendung brachten, belehren, während Ive nichts 
dergleichen thut Und dooh ist seine Schreibung nicht eine 
derartige, dass alle Angaben darüber überflüssig erscheinen 
sollten; unterscheidet er dooh zwisohen c und c, gebraucht 
das Zeichen a£, gn und nj (vgl. posgni , mugnit und njeva , 
zodn}aku\ ä und 4. Abgesehen also davon, dass uns niohts 
an die Hand gegeben wird, was uns über den Werth, den er 
einzelnen Buchstaben beilegt, aufklären würde, kommt noch 
der missliche Umstand dazu, dass die Schreibung der Wörter 
im Index von der in den Texten angewandten mitunter gar 
zu sehr abweicht. Ioh begreife die Zwangslage, in welohe 
sich der Herausgeber versetzt sah, sobald er sich nachträglich 
entschlossen hatte, den Ivesohen Index den übrigen Wörtern, 
namentlich der 8ammlung Maiorescu’s einzuverleiben. Da wäre 
es dooh besser gewesen, sioh schon im voraus für eine von 
der Maior.schen Schreibart nicht gar zu sehr abweichende zu | 
entscheiden und dieselbe überall durchzuführen oder aber, 
wenn dieses nicht geschehen, auch dem Ivesohen Index seine ; 


Selbstständigkeit neben der Gartner’schen Sammlung zu wahren. 
Das letztere würde einerseits wohl zur Folge haben, dass nicht 
so viele, mitunter sehr wesentliche Veränderungen während 
des Druokes vorgenommen worden wären, andererseits, dass 
auph die in den gebotenen Texten vorkommenden Wörter 
vollständig exoerpirt worden wären, was jetzt ebenfalls nicht 
der Fall ist Habe ioh doch nicht weniger als 200 Wörter 
gezählt, welche wohl in den Texten, nicht jedooh im Index 
verzeichnet werden, abgesehen von einzelnen mitunter sehr 
sonderbaren und interessanten Formen, welohe, falls sie der 
8ammler und Herausgeber nioht als Fehler betrachten, doch 
in dem Index Aufnahme hätten finden sollen. Da es, wenn 
schon Texte- geboten werden, oft wichtig ist an Ort und 8telte 
nachschlagen zu können, so hätte ich gewünscht, dass wenigstens 
bei wichtigeren Anlässen naob Seite und Zeile citirt worden 
wäre, was ioh nun selbst für die Wörter, dio ich in der Folge 
anführen werde, thun will. Dass die nur sporadisch, nioht 
consequent vorgenommene Bezeichnung der Tonstelle die 
Brauchbarkeit des von Ive gesammelten Materials nicht be¬ 
sonders erhöht, ist klar und es soll auch hier lobend herror- 
gehoben werden, wie vorteilhaft sioh auch in dieser Beziehung 
die Gartner’sche Sammlung abhebt 

Es ist selbstverständlich, dass ioh nioht glaube, man habe 
eine so grosse Anzahl von Wörtern nur aus Unachtsamkeit 
ausgelassen; es ist vielmehr sicher, dass dies mit Vorbedacht 
geschehen ist, dass man die Mehrzahl dieser Wörter wegen 
ihrer gar zu grossen Aehnlichkeit oder geradezu Identität 
mit entsprechenden ital. oder slav. Wörtern von dem Index 
ausschloss. In diesem Falle hätte man aber doch den Leser 
durch einige Worte davon benachrichtigen sollen, dass der 
Index eben nioht als ein vollständiger anzusehen sei, dass 
viele Wörter und Formen in demselben nicht enthalten sind. 
Immerhin ist es jedooh eigentümlich, dass man auch solchen 
Wörtern die Aufnahme versagt hat, die von Gärtner in der¬ 
selben oder verwandten Form belegt werden. Ioh kann nioht 
umhin wenigstens Wörter letzterer Art mit gleichzeitiger Hin¬ 
zufügung der entsprechendem Ziffer der Materialien und des 
Citats bei Ive anzuführen; um Raum zu sparen, sohliesse ich 
die Uebersetzung in der Regel nicht bei, da dieselbe nach den 
dabei stehenden Angaben jederzeit leicht naohgesehen werden 
kann: ali 3, 40 etc., 9, 8 (= e) (G. 1360); amindö 13, 8 (407); 
angüst 10, 14; 14, 29 (1245); arte 12, 4 (18); bogatu 8, 28, 
—atzi 12, 32 (657); köre (PI.) 14, 22 (1017); krivo 3,10 (210); 
kumpagnia 11, 20; 12, 30; 16, 1 (703); kuntent 13, 16 (960); 
kupu 8, 12 (619); domnu 3, 36 etc. (1386); durmi 3, 32. 84; 
4, 33; ddrmo 5, 26; dorme 9, 19 (1269); dore 12, 22 (962); 
fest 15, 12 (1325) ; glas 8,32 (770.989); gospodinu 3,3(639); 
gracia 2, 38 (1308); istina 5,16; 9, 5. 9 (207. 208); lukru (Subst) 
6, 13; 12, 24 (1); maj 16, 5; —* 16, 7. 9 11242); nUdiku 5, 
14 etc. (308); mesura 15, 24 (728); miru 18, 15 (634); miste 

4, 22 (1237); nigdar 11, 1 (1224); obema 3, 23 (268. 1193); 
cblacno 4, 19 (vgl. 1116); ognisöe 4, 20 (1148); paUnta 6, 23; 

4, 26 (484); pesa se 13, 11 (326. 330); plati 6, 6; 8, 11; 
plateju 15, 18 etc. (343); pluhni 6, 12 (vgl. 319); predSkdt 8, 
13 (1297); skdlele (PI.) 7, 32 (79); skupa 6, 8 (651); sliptsi 

15, 15 (85); soldatu 6, 27. 28 (632);' stepta 18, 19 (1229); su 

5, 19; 8, 16 (27); süßt 9, 24 (61); sveti 16, 13 etc. (1333); 
trudni 5, 31 (1276); vikijmo 3, 22 (781); vokatu 15, 29 (291); 
zapunu 6, 15 (518. 519). 

Auch manche andere Wörter vermisst man ungern im 
Index, so besonders skadd 10, 14 = nuotare , welches das 
drum, scäldd = baden ist; ferner barka 3, 40; 7, 10; 14, 4; 
käme 3, 19; kesegniu 15, 31 = maiuran ; care 13, 19 = certa ; 
koraku 8, 8. 23; 13, 3; kracunu IQ, 17; kujon 10, 1; kulona 
12, 7; kumun 3, 18; kupitzu 4, 36; dosu 12, 21; duhu 3, 15; 
forte 5, 25; hvalai 7, 15; 10, 32; 12, 24, hvale 9, 7. 8; jadra 
3, 40; jama 9, 3; lakat 15, 24; liberal 2, 36; ljubava 7,16 etc. ; 
malura 9, 6; mjelovakti 13, 13 (vgl. mielovfy ); mostu 10, 14; 
noptele = der neunte 3, 11; nu = ergo 3, 28; o = oder 14, 
10; otopal 10, 23; paron 15, 6; —i 14, 6; preparata 5, 38; 
prometfjt 3, 26; putesku 13, 20; ristal 10, 22; rosa 13,81 etc. 
— Rose; roeiga 10, 22; meine 15, 16; srabu 9, 14; temperejt 

16, 7; tukal 14, 1; urlae 10, 11; na = vale 7, 24; 13, 14; 
valje = va 15, 5; vera 17, 28. Dies etwa die Hälfte der 
Wörter, die andere hat ein so ital. Gepräge, dass deren 
Weglassung eher begreiflich ist. 

Ich muss nun auch einige Belege bringen für das, was 
ioh oben über die Vernachlässigung einzelner Formen und 
über die Inconsequenz in der Schreibung gesagt habe. Es 
lässt sich in Bezug darauf kaum etwas anderes sagen als Fol¬ 
gendes: entweder sind die von Ive gebotenen Texte duroh- 


Digitized by 


Google 




149 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 4. 


160 


aus zuTerlfissig und daher werthvoll: dann müssten jedooh 
die einzelnen Wörter, sowie auch die verschiedenen Formen 
grössere Beachtung im Glossar finden, als dies geschehen; 
oder sie sind es nioht: nun dann könnte man fast behaupten, 
sie wären besser unveröffentlicht geblieben, da sie statt I^oht 
zu verbreiten, nur verwirren müssten. Wenn Formen wie 
cetatu 9, 31; deblu 12, 6; lüngura 4, 36; pluga 6, 16; stala 
14, 27 keine Druckfehler sind, sondern sicher belegte Formen, 
so müssten sie doch als solche unter den entsprechenden 
Wörtern des Glossars angeführt werden, sind es jedoch Druck¬ 
fehler, dann sollten sie ausdrücklich als Druckfehler bezeichnet 
werden. Zu erwähnen wäre auch cela -f Subst. 7, 35; bur 
+ lükratu 6, 14. Bei btt fehlt das Part. Perf. btjut 6, 34 
(vgl. G. begüt 8. 77); bei da 3. 8g. dajt 7, 14; 9, 8; 13, 6; bei 
dot auch do 9, 27 und ddfle 3, 4; bei lanfun auch lanzulu 

5, 2; bei mtu auch mtv 3, 4; bei nt . . . nt auch nt ... nt 
9, 34—35; bei patru auch pdtrtlt 3, 6, sowie aupb idptele , 
Sdstele u. s. w.; bei ttu auch itlji 16, 4; bei tu auch tzt 11, 
13. 14; bei paits auch pais 4, 2 (vrgl. G. 1199). 

In Bezug auf die Schreibung verweise ich auf das oben 
Gesagte; so werden wir erst im Index aufmerksam gemacht, 
dass tz in einigen Wörtern wie tz auszusprechen sei, so altzi 
(schon im Texte einmal nachträglich laut 8. 52 zu aljö ver¬ 
bessert 3, 12) vetzi 6, 33; 7, 1; dintzi 7, 30; 12, 25; nepotzi 

6, 36; so auch z zu z: zakljide 7, 5; 14, 8; so auch 8 zu s: 
naitt 11, 1 etc. Der Buchstabe t des Indexes wird im Text 
nioht nur durch tz: kutzitu 4, 35, sondern auch durch ein c: 
damaraca 4, 9. 12, faea 13, 8, pucin 14, 28, quaternica 6, 26 
(im Index evat ....), koptörica 14, 22 (im Ina. coptorica) und 
z ausgedrückt: forza 15, 5; ferteza 7, 11; lanzulu 5, 2. 

Auoh die Transcription des Lautes tsch ist nicht con- 
sequent: ios Texte entweder c, so cer 4, 19: ctrbidt 11, 20; 
ct88l 9, 14 oder c: captiru 4, 30; cirt 8, 3 (auch cirt 16, 3; 
öortlt 5, 6; fecori 7, 29; 9, 2; im Index werden nun diese 
Wörter folgen dermassen transcribirt: cer, cerbice, cesl.-cesi, 
ciaptiru , öirt, ciorele , ft&ori. 

Das Zeichen ai wird im Index oft gar nicht beachtet, 
so kaimaiia 16, 10, la&nna (einmal sogar nachträglich laut 
8. 52 zu lätnna corrigirt 5, 4); lingt wird naohträglioh zu 
lainjt 10, 19; einmal heisst es mtzem 4, 22 (laut 8. 52), das 
andere Mal maizem 5, 34; so auch vraima unbeachtet, wäh¬ 
rend es umgekehrt bei ertdt 9, 17 im Ind. craidt heisst. — 
Der Laut ä kommt in den Texten gar nicht vor und doch 
wird im Index darauf nicht Eüoksioht genommen; vielleicht 
entspricht der klare Laut der thatsächliohen Aussprache; vgl. 
besonders ptmlnt 5, 22 etc. auch bei G.; auch ke 4, 24, din kt 
5,31. — Auoh die Buchstaben z und j werden nioht consequent 
gebandhabt: einmal schon im Texte j = z: kurajni 12, 26, 
vielleicht auoh leja 8, 3. 24, sonst j in der Bedeutung eines 
i-Consonans, aber doch oia 10, 31 neben oja 6, 1; taja 4, 86 
aber im Index mit Ij . — 8o wird auch die guttural» tenuis 
in den Texten in der Regel durch k y im Index duroh c aus- 
gedrüokt; trotzdem aber auoh ertdt 9, 17 schon im Texte; 
vgl. auoh folgendes: (Text) fakut-a kruto raöe 4, 16; Ind. 
(unter race): /akut a cruto ract ; so auch: (Text) karlt totzX 
in frika tzirt 12,14; Ind. (unter frieä): kar It totzi in frica 
cirt; dann kljtmu 5, 27. 28, klaimd 3, 4, cljemat lö, 29 (im 
Ind.) etc. 

Auoh in Bezug auf die Texte selbst entstehen manohe 
Bedenken und Zweifel. Vor allem sagt uns Ive gar nicht, 
wie er zu seinen Texten gekommen ist, sondern begnügt sich 
mit der laconisohen Bemerkung: „die Aufzeichnungen worden 
ln Berdo gemacht. tt Auoh da ist G. anders zu Werke ge¬ 
gangen, indem er uns den Kamen, den 8tand und das Alter seines 
Gewährsmannes mittheilt. Hier ist dies um so wichtiger, da 
unter den von Ive mitgetheilten Texten sioh eine Anzahl von 
Sprichwörtern befindet, von welchen man nioht weiss, ob 
dies istrorum. Originalsprichwörter sind, welche nur mit mehr 
oder weniger übereinstimmenden ital. zusammengestellt wer¬ 
den, oder ob dies nioht sum Theil wenigstens etwa Ueber- 
setzungen ital. Sprichwörter sind, in welohem Falle es sieb 
fragen würde, ob sich denn gerade 8priohwörter am besten 
zu derartigen Uebereetzungen eignen. 

Auch die anderen zwei Sammlungen, die von Maior. und 
Mikl., sind im Index nicht vollständig wiedergegeben, was 
auoh seine Gründe haben mag, nur wäre es wohl auoh hier 
angezeigt gewesen, den Leser darauf aufmerksam zu machen. 
Da dies nioht geschehen ist, so erachte ioh es für meine 
Pflicht, dies zu thun und führe einige derartige Wörter an. 
Allerdings ist dies hier nioht so anffiülend, wie bei Ive, denn 
die Zahl der hier ausgelassenen Wörter der Maior. Sammlung 


dürfte kaum 30 betragen; es kommen hier die auch sonst 
belegten Verba durmi und duri in Betracht, ferner gol 
(G. 401), grablt (vgl. 552 grabigelt and grebi 553), scalä 
(s. oben), fülmindntt (vgl. G. furmtndnt 1132), rugä, ruji 
(vgl. mit moUtet 1305), lueru (G. 1). Von den in den 
Denkschriften besonders im B. XII. enthaltenen Wörtern 
sind namentlich eine Reihe von Formen weggefallen, die 
von den im Index vorkommenden Formen mehr oder 
weniger abweiohen, so zvaki (vgl. G. stak 358 gegen¬ 
über dem säe des Indexes). Ich beschränke mich auoh 
hier auf Citirung solcher Wörter, deren Aufnahme nicht er¬ 
folgt ist, trotzdem sie von Ive oder Gärtner belegt werden: 
baba (G. 688), blagoslovite (Ive 3, 23—24); kamt (im Ind. 
bloss carnta aber G. 485. 738, Ive 3, 19; chtrsti (G. kr&ti 
673), kompanijt (s. oben), dtent (G. 793), duh (Ive 3, 15); 
zaba (G. 880); obrnce (s. oben), poevetit (Ive 2, 33; 8, 5); 
prtpravü (G. 9 pripr . . .); srtda (G. 1253), su (s. oben); 
sveti (s. oben). — 

Zum Sohlusse sei es mir erlaubt, das Resultat einer von 
mir angestollten Vergleichung der beiden Wortverzeichnisse 
im Allgemeinen mitzutheilen; dies möge zugleioh als ein Be¬ 
weis gelten, dass ioh mir die Aufgabe der Berichterstattung 
durchaus nicht leicht gemacht, sondern nur auf Grund eines 
sorgfältigen Studiums des Werkes meine Meinung ausge¬ 
sprochen habe. Zunächst bemerke ich, dass von den 1863 
Nummern, welche die Sammlung Gartner’s umfasst, eine Reihe 
zu streichen ist, einerseits Wörter, welche nicht erfragt wer¬ 
den konnten, andererseits solche, welohe nichts Neues bringen. 
So dürfte sich die Anzahl der wirklich von einander ver¬ 
schiedenen Wörter auf etwa 1200 belaufen. Etwa die Hälfte 
davon kommt in dom Index vor, womit allerdings nioht ge¬ 
sagt werden soll, dass etwa die Formen der einander ent¬ 
sprechenden Wörter der beiden Verzeichnisse vollkommen mit 
einander Übereinstimmen. In dieser Beziehung gibt es oft 
recht merkliohe Unterschiede und gerade die lautlich von 
einander abweichenden Formen sind bei der schon oben ge¬ 
rühmten Pünktlichkeit und streng phonetischen Schreibung 
Gartner’s sehr wichtig. Wenn ich nun der Versuchung wider¬ 
stehe, hier eine Auswahl derartiger Formen zu geben, so ge¬ 
schieht dies einerseits deshalb, weil dies über den Rahmen 
einer kurzen Besprechung gehen würde und ich ohnehin fürchte 
! beinahe zu viel oitirt zu haben, andererseits jedooh auoh darum, 
weil ioh dem Leser des Werkes nicht den Hauptsporn zur 
genauen Vergleichung beider Verzeichnisse daduroh benehmen 
möchte, wenn ich das Interessanteste vorwegnehmen sollte. 

Es ist auch interessant zu sehen, wie sich speciell das 
Verhältniss der Wörter slavischen Ursprungs in den beiden 
Verzeichnissen gestaltet. Von den bei G. verzeiohneten mehr 
als 500 8l. Wörtern, habe ich etwa 180 im Index gefunden, 
alle die übrigen, also mehr als 300, sind Gärtner eigen, wozu 
noch etwa 150 ital. Wörter sioh gesellen. Man darf jedoch 
nioht glauben, dass sich im Index, speciell bei Maiorescu, 
keine andern, als die mit G. übereinstimmenden slav. Wörter 
vorfinden: habe ich ihrer doch mehr als 230 gezählt, von 
denen 150 allein auf Maior. entfallen, während sich der Rest 
zu beinahe gleichen Teilen auf Miklosich und Ive vertheilt. 
Unter den übrigen G. eigenen Wörtern, mögen dieselben schon 
slavischen oder andern Ursprungs sein, müsste man solobe 
Wörter unterscheiden, die, wenn auoh nicht in Bezug auf den 
Ursprung, so doch begrifflich mit den entsprechenden Wör¬ 
tern des Indexes in Zusammenhang zu bringen wären. Auoh 
hier könnte ioh mit einer Liste von wenigstens 100 Wörtern 
dienen (die sich bei genauerer Einsiobt gewiss erheblich ver- 
* mehren liesse), unterlasse dies jedooh aus den oben ange¬ 
führten Gründen. Dass solche Zusammenstellungen überhaupt 
ihre Berechtigung haben, wird im Allgemeinen auch im In¬ 
dex zugegeben und mitunter auch ausgeübt: ich verweise 
dabei nur auf die Zusammenstellung von medvtd und nrs, 
ribä und ptftiu , es geschieht jedoch nioht überall und dann 
möchte ich, wie sohon oben bemerkt, derartige Zusammen¬ 
stellungen auoh zwischen den beiden Sammlungen hergestellt 
sehen. 

Was nun den Rest der nur in einer der beiden Samm¬ 
lungen belegbaren Ausdrücke für bestimmte Begriffe betrifft, 
so ergänzen sich die beiden Sammlungen gegenseitig, bald 
weist der Index, bald die Materialien eine grössere Anzahl 
von Ausdrücken gleioher Begriffskategorie auf; eine grössere 
Menge von dem Index eigenen Wörtern finden wir z. B. in 
Ausdrücken für Kleidungsstücke, Pflanzen, Speisen, religiöse 
Begriffe, dagegen bietet G. Namen für einige sehr wichtige 
Theile des menschlichen Körpers, die im Ind. fehlen, so sind 


Digitized by 


Google 


151 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


i&2 


auch die Monatsnamen bei G. viel vollständiger, und auch 
mehrere Ausdrucke für physische und moralische Eigenschaften; 
in andern Begriffskategorien, wie in Sachen der Feld wir th- 
Bchaft, der Hauseinrichtung, der Werkzeuge, der Thierwelt 
halten sich die beiden Verzeichnisse so ziemlich die Wage. 

Am auffallendsten gehen die beiden Verzeichnisse in 
VerbalausdrQcken auseinander, welche entweder eine Thätig- 
keit oder einen Zustand bezeichnen. Während eine grosse 
Anzahl von Verben des Indexes, speciell Maiorescu’s, auf lat. 
oder auch fremde Wurzeln zurückgebend, auch im Dakoru- 
mäuischen Vorkommen, ist dies bei den G. eigenen meistens 
8lavischen Verben nicht in demselben Masse der Fall. Wenn 
man nun annehmen könnte, dass beide Sammlungen von An¬ 
gehörigen eine» und desselben Ortes abstammen und nur 
zeitlich auseinandergehen, so würde dies als Massstab für das 
Ueberhandnehmen der Slavismen dienen können. * 

Wenn wir nun auch in manohen Begriffskategorien bei 
Maior. Lücken finden, für welche es bei G. slavisobe Wörter 
gibt, so. braucht das nicht so aufgefasst zu werden, als ob 
Maior. die betreffenden Wörter nicht abgefragt hätte, er hat 
es jedoch nicht für nothwendig erachtet, derartige Wörter 
aufzunehmen. Ihm ist gewiss zunächst daran gelegen, sich 
zu überzeugen und naohzuweisen, dass das Istrorumäniscbe 
im Grunde dieselbe Bprache sei, wie das Dakorumänische und 
wenn wir uns diesen seinen Standpunkt vor den Augen halten, 
so müssen wir ihm dankbar sein, dass er sich doch nicht voll¬ 
ständig darauf beschränkte, sondern auch viele Wörter auf¬ 
nahm, die dakorumänischen Wörtern nicht entsprechen. Er 
macht Übrigens kein Hehl daraus, wie dies aus seinen Aeusse- 
rungen auf 8. 26 und 45 seines Itinerar in Istria deutlich ber- 
vorgeht. Wie gesagt, ein solcher Standpunkt lässt sich be¬ 
greifen, ebenso sicher ist es jedoch, dass man auf diese Weise 
zur möglichsten Vollständigkeit des Wortvorrathes einer Sprache 
nicht gelangen kann. Sohliesslioh hatten die schlichten Leute 
Recht, wenn sie ihm auf seine Bemerkung, dass dieses oder 
jenes Wort kroatisch sei, zur Antwort gaben, die Kroaten 
hätten halt dasselbe Wort: „ stesso “, deswegen hielten sie sich 
jedoch nioht weniger für echte Vlachi. 

Andererseits finden sich auch in der Gartner’schen Samm¬ 
lung Wörter, die bei Maiorescu nicht belegt sind und welohe 
vollständig dakorum. Wörtern entsprechen; ich kann nicht 
umhin, einige derselben hier anzufügen, wobei ich besonders 
solche wähle, bei denen auf die dakorum. Parallele nicht ver¬ 
wiesen Wurde, und bemerke, dass ich mich da vollständig auf 
meine Kenntnis» des Dakorum. verlasse, daher bei genauerer 
Prüfung die Anzahl derartiger Wörter leicht vermehrt werden 
könnte: sv$rdal 141 = sfredel, kutezd 201, mtW, -f- 217 = 
mird se, preis 337, tare 437. 723, trizfn 601 vgl. treaz , plivf 
540 = pleavü, vinturd 550, siu 742, dzindzirf 768 — ginginä 
(Nebenform zu gingiä ), kdmf 856 = coarnä, lindirf 924 = 
lindinä, spameti 073 = spädmtntd, surd 088, lusige 427 = lefie, 
pipi 1000 = pipäi, fräs 1042 = frag , PI. fradzi , p%p$r 1048 
pepene, prax 1003 = praf, fil 375 = fir (Maior. bemerkt in 
seinem ltin. S. 41 ausdrücldich, dass das dakorum. fir im 
Istrorum. nur in der Bedeutung ,.Heu“ vorkommt; dieses fil 
muss also ein Lehnwort aus dem Ital. sein). 

loh will nooh der trefflichen Zugabe Gartner’s zu seiner 
Wortsammlung Erwähnung thun, welche in einigen Declina- 
tionen und Gonjugationen, und zerstreuten grammatischen 
Anmerkungen besteht; die Gewissenhaftigkeit, mit der er selbst 
Zweifel über die Verlässlichkeit einiger seiner Aufzeichnungen 
aussprioht, enthebt mich der Verpflichtung nachzuweisen, dass 
mir in den von ihm angeführten Paradigmen des Conjunctivs 
Praesens in der That manches unglaublich erscheint. Auch 
will ich bemerken, dass, während sonst alle Wörter seiner 
Fabel »Tr6i frats“ in der Sammlung verzeichnet erscheinen, 
dies mit dem Worte pex = Kopfnuss (letzte Zeile) nicht der 
Fall ist; auch das zweimal vorkommende spdrte ist nicht 
das Part. Perf. zu dem unter 1353 verzeiohneten Verbum 
spartd sondern das starke Part, zu sparge . 

In dem Commentar zu den slav. Wörtern der G.’schen 
Sammlung sind folgende übersehen worden: bivfi 49, prepd 
37, mpo 36, wohl aus dem rom. pre f n und dem sl. po, pol 
= halb, endlich rak 870; ebenso möchte ich aus dem Index 
das Wort cantyä als slavisch bezeichnen, da es im Böhmischen 
ein tlcanice , gew. Jcanice ausgesprochen gibt, welches Band, 
etwas Gewebtes (von tkdii) bedeutet. 

Nun aber ist es an der Zeit, uns von dem interessanten 
Werke zu trennen, und wir thun es, indem wir sowohl den 
8ammlern als auoh dem Herausgeber für die Mittheilung eines 
so werthvollen Materials unsere Dank abstatten. Möge das 


Buch andern, die Gelegenheit haben, jene Gegenden zu be¬ 
reisen, zur Anregung dieneu, an Ort und Stelle Altes zu prüfen 
und Neues zu sammeln, da ich doch nicht glauben möchte, 
dass sich du nichts mehr holen lasse, und möge dies recht 
bald geschehen, so lange es noch etwas zu sammeln gibt! 
Immer mehr und mehr dürften sich ursprüngliche istrorumä- 
nische Wörter verlieren und wer weiss, wie lange es dauert, 
bis es heisst: „Sieb da den letzten Mann, weloher istroru- 
mänisch und noch dazu schlecht spricht!“ 

Wien. J. U. Jarnfk. 


Körting, Gast., Gedanken nnd Bemerkungen 
über das Studium der neueren Sprachen 
auf den deutschen Hochschulen. Heilbronn, Hen- 
ninger. 1882. 83 S. 8. 

Asher, Dav., Ueber den Unterricht in den 
neueren Sprachen, spezieller der englischen, 
auf unseren Universitäten und höheren Schulen. 
Berlin, Langenscheidt. 1881. 46 S. 4. 

Stengel, E., Die Ziele und Wege des Unter¬ 
richts in den neueren Sprachen. Aufsatz 
im Pädag. Archiv (Krumme) 1881 Nr. 6. 

-Die Zulassung der Realschulabiturienten 

zum Studium der roman. und engl. Philo¬ 
logie. Aus dem Pädagogischen Archiv. 1 

Diese Schriften behandeln, ohne dass die Titel 
derselben es bemerkten, drei unter ganz verschie¬ 
dene Gesichtspunkte zu stellende Fragen: den Unter¬ 
richt iu den modernen Fremdsprachen an den höheren 
Schulen, die Vorbereitung für das akademische 
Studium der romanischen und englischen Philologie 
und die Einrichtungen für den wissenschaftlichen 
Vortrag dieser Disciplinen auf den deutschen Uni¬ 
versitäten. Da indessen zu diesen Fragen von den 
verschiedensten Seiten her in der Wteise Stellung 
genommen worden ist, dass man mit der Erörte¬ 
rung einer derselben das Recht der anderen förmlich 
bestritten hat, so mag es sich vielleicht empfehlen, 
für jetzt keine dieser Fragen ohne stete Berück¬ 
sichtigung der anderen in Erwägung zu ziehen. Der 
gefährlichste Standpunkt für die ganze Sache, um 
weiche es sich handelt, wird aber der sein, der 
sich zur Aufgabe gemacht hat, „die Pädagogik gegen 
die Wissenschaft in Schutz zu nehmend 

Professor Körting fordert für den Studiosen 
der romanischen und englischen Philologie die Vor¬ 
bereitung auf dem Gymnasium; wenn er die Real¬ 
schulabiturienten zulässt, so verlangt er von der 
Realschule doch gleichzeitig eine Aenderung ihres 
Lehrplans, der ihr fast den Charakter des huma¬ 
nistischen Gymnasiums gibt. Ich zweifle nicht, 
dass die Realschule auch für das Studium der mo¬ 
dernen Philologie arbeitsame und wohl befähigte 
Jünglinge an die Universitäten abgeben kann; aber 
es soheint mir zu sehr im Interesse der Wissen¬ 
schaft zu liegen, dass das Studium der modernen 
Fremdsprachen sich nicht mit einem geringeren 
Masse von philologischer Vorbildung genügen lasse, 
als das Studium der klassischen Sprachen erfordert. 
Zwar kann der an den meisten Gymnasien einge¬ 
führte fakultative englische Unterricht das nicht im 

1 Weitere Kundgebungen in dieser Angelegenheit (Zn- 
itza, A. Tobler) bringt jetzt noch das Januarheft der 
erl. Gyran.-Zs. 


Digitized by LjOOQie 



153 


188*2. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


154 


entferntesten ersetzen, was die Realschulabiturienten 
an Kenntnissen in dieser Sprache mitbringen; aber 
die Realgymnasien heben eben das grosse Bedenken 
gegen sich, dass sie es nicht zu einem concentrirten 
propädeutischen Unterricht bringen, wie ihn die 
Gymnasien als werthvollste Vorbereitung für jede 
Art höheren Studiums vermöge des Uebergewichts 
ihres sprachlich - literarischen Unterrichts besitzen. 
Das wenige Griechisch, mit dem man. wenn Kör- 
ting’s Vorschlag annehmbar gefunden würde, sich 
begnügen müsste, könnte Tür die Zwecke, die damit 
erreicht werden sollten, nicht hinlänglich erscheinen. 
Gerade für den künftigen Lehrer der modernen 
Sprachen, der mit speziell literarischen Dingen im 
Unterricht sich eingehender zu befassen bat als der 
Lehrer des Lateinischen und Griechischen, muss 
gefordert werden, dass er Homer, Sophokles und 
Plato in der Ursprache zu gemessen und dem 
Kanon aller LiteraturentiVicklung in der griechischen 
Literatur selbst nachzugeben im Stande sei. 

Professor Stengel verwendet sich in einer 
„im Januar 1882“ geschriebenen (oben unter Nr. 4 
rubricirten) Erklärung aufs neue für die Realschul¬ 
abiturienten. Auch dieser Kundgebung gegenüber 
muss ich bei meiner oben dargelegten Meinung be¬ 
harren, füge aber bei, dass ich die Bestimmung, 
wonach auf Realschulen vorgebildete Candidaten 
der neueren Philologie nur Lehrbefähigung für Real¬ 
schulen erlangen können, für eine äusserst verkehrte 
Concession halte, mit der unsere Realschulmänner 
sich nicht befriedigen werden noch befriedigen 
können. Gerade diejenigen Schulen, in deren Lehr¬ 
plan das Philologische zurücktritt und der Unter¬ 
richt in den neueren Sprachen die ganze philologisch¬ 
literarische Ausbildung der Zöglinge zu übernehmen 
hat, bedürften der best ausgebildeten Lehrer der 
neueren Sprachen, und *als solche gelten den Ur¬ 
hebern jener Bestimmung ohne Zweifel die auf den 
humanistischen Gymnasien vorgebildeten. 

Körting fordert ferner die Trennung des 
Französischen vom Englischen an den Universitäten 
durch Schaffung mindestens einer Professur für 
jedes dieser zwei Fächer. Den Ausführungen über 
die Einrichtung des akademischen Studiums der 
romanischen und englischen Philologie gibt der 
Ref. um so bereitwilliger seine Zustimmung, als er 
ähnliche Forderungen aus Anlass einer Rede Th. 
Mommsen’s im preussischen Abgeordnetenhause 
schon vor Jahren erhoben hat. (Pädag. Archiv 1878: 
Das Studium der neueren Sprachen an den deutschen 
Universitäten. Ein Gutachten.) Nur scheint uns 
in dem S. 65 f. ausgeführten Seminarlehrplan die 
französische dramatische Literatur und das 16. Jh. 
nicht hinlänglich bedacht. — Neu ist der Vorschlag, 
zwei neusprachliche Institute, eines in Paris und 
eines in London, von Reichswegen zu errichten, um 
die Ausbildung der praktischen Sprachfertigkeit 
und die höchst wünschenswertbe Bekanntschaft mit 
Land und Leuten in Frankreich und England nicht 
einem oft sehr bedenklichen Zufall zu überlassen. 
Wenn diese grossartigen Einrichtungen an bekannten 
Schwierigkeiten scheitern sollten, so möchte der 
Vorschlag Stengel’s (S. 390), den Seminarien 
wissenschaftlich gebildete Ausländer als Assistenten 
beizugeben, sehr der Beachtung werth sein. — Die 


Zeit der praktischen Ausbildung der Candidaten legt 
Körting hinter die vollständige Absolvirung des 
rein wissenschaftlichen akademischen Studiums. Er 
schlägt auch zwei Examina vor, wovon das zweite, 
ein Jahr nach dem ersten rein wissenschaftlichen, 
die praktische Lehrbefähigung des Candidaten dar- 
thun soll. Wir können uns mit diesem Vorschlag 
nicht befreunden. Für die Erprobung der prak¬ 
tischen Befähigung ist die Schule der rechte Ort 
und ein Examen überflüssig; überdiess ist es räth- 
lich, den einmal geprüften Candidaten für die noth- 
wendige Orientirung im Berufe und für eigenes 
wissenschaftliches Studium, das nie recht gedeihen 
will, wenn ein Examen in einiger Nähe steht, frei 
zu lassen. — Die Ausführungen Korting’s über 
den Zweck des neusprachlichen Unterrichtes an 
höheren Lehranstalten (S. 30 f.) verdienen wegen 
der Klarheit und Entschiedenheit, womit sie alle 
unpädagogischen und unwissenschaftlichen vermeint¬ 
lichen Utilitätsrücksichten verurtheilen, die Beachtung 
der Schulmänner in hohem Grade. — Man gestatte 
nur noch ein Wort, welches an eine Anmerkung 
Körting’s auf S. 3 anknüpft. Auch der Ref. bat in 
dem oben angeführten Aufsatz ebenso wie Körting 
das Objekt der französischen und englischen Philo¬ 
logie als „neuere Sprachen“ bezeichnet. Ist 
dieser Ausdruck wirklich so unberechtigt, wie es 
K. scheint? Wir sprechen nicht von dem durch¬ 
aus modernen Gewand, in welchem diese neuesten 
philologischen Disciplinen auftreten; aber in der 
Universitas literarum sowohl wie in der Schule 
nehmen dieselben doch ganz bestimmt die Stelle 
von Quelldisciplinen für die Kenntniss und Erfor¬ 
schung der neueren (nachklassischen) Cultur 
ein und müssen, vorzüglich in der Schule, ihre Be¬ 
rechtigung auf diese Stellung gründen. Nur der 
Name Neuphilologe — Altphilologe er¬ 
innert zu sehr an Welf und Waibling. 

Die Schrift von Dr. Asher verurtheilt so ziem¬ 
lich Alles, was gegenwärtig für die neueren Sprachen 
an Universitäten und höheren Schulen geschieht. 
Das philologische Studium des Französischen und 
Englischen auf den Universitäten nennt er „Mu¬ 
mienstudien“ (S. 4): die Erforschung der „älteren 
Spracherscheinungen“ müsse „eher verwirren als 
aufklären und fördern“ (ebd.) und die „mittelalter¬ 
liche Literatur habe wohl auch manches herzerhebende 
Heldengedicht, manches recht hübsche Lied aufzu¬ 
weisen; doch sei sie der neueren keinesfalls eben¬ 
bürtig“ (S. 5). Es bedarf keiner weiteren Citate 
um zu zeigen, dass Dr. Asher dem wissenschaft¬ 
lichen, historischen und pädagogischen Standpunkt 
kein Recht zugesteht gegenüber der praktischen 
Forderung der völligen Vertrautheit mit der gegen¬ 
wärtig gesprochenen und geschriebenen Fremd¬ 
sprache. Wenn aber fernerhin an Promotions- und 
Programmabbandlungen — was wohl nicht schwer 
war — nachgewiesen wird, dass auch Leute, welche 
7 oder 8 Jahre im englisch redenden Auslande ge¬ 
lebt haben (S. 6), des fremden Idioms sich doch nicht 
in befriedigendem Masse bemächtigt haben, so wird 
eben zu viel bewiesen und damit nichts. Das kann 
ja doch nur, um eines Wortes des Verf. mich zu 
bedienen, „der Geborene“ leisten. Den werth volleren 
Theil der Asher’schen Schrift bilden Wiederab- 

Digitized by Google 11 




155 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


156 


drücke von früher veröffentlichten Aufsätzen, dar¬ 
unter einer über Goethe als Uebersetzer, welche 
mit dem Thema, das der Verf. sich gestellt, in 
keinem engen Zusammenhänge stehen. Die „Vor¬ 
schläge zur Besserung der jetzigen Zustände“ (S. 27 f.) 
gehen auf die fast ausschliessliche Berücksichtigung 
der „lebenden Sprache“ in dem akademischen Stu¬ 
dium und in der Staatsprüfung der Candidaten der 
modernen Philologie hinaus. 

Karlsruhe, Febr. 1882. E. v. Sallwürk. 


Zeitschriften. 

Archiv f. das Studium der neuern Sprachen LXVH, 1: 
Strater, Shakespeares Lustspiele des charakteristischen 

‘ Stües von 1598—1601. 1—24. — G. Hauff, Hermann und 
die Hermannsschlacht, hauptsächlich in der lyrisohen Poesie 
des deutschen Volkes. 25—50. — Ad. Kressner, L’Arbre 
des Batailles par Honnourö Bonet. Bruchstücke aus einer 
altfranz. Hs. 51. — Dichtungen Gautiers v. Coinsy. I. 
Die Geburt der Jungfrau Maria. Nebst der Legende vom 
Zahne des Jesuskindes zum ersten Male hrsg. v. Robert 
Re in sch. 73—98. — Miscellen: Hans Herrig über Storchs 
Camoens-lTebersetzung. — Mundartliches aus Metz (Patois 
von Remilly). — A. Jahn, Beitrag zur Etymologie des 
afr. proz , it. prode y prov. pros , proz. — L. J., Einige Eigen¬ 
tümlichkeiten des Braunschweiger Dialectes. 

Taalstndie III, 3: L. M. B., Eustache Desofaamps. I. 129. — 
C. A. Hofman, Les plus anciens Monuments de la Langue 
Frangaise. 137. — C. M. Robert, Les degrös de oompa- 
rai8on et les locutions oomparatives. 141. — L. M. B., Bulletin 
bibliographique. 153. — Questions et röpbnses. 156. — C. J. 
Voortman, Remarka on reduplication and a few strong 
verbs. 157. — C. St off el, Shall and "Will. 161. — Frantzen, 
Zur Examenfrage. 172. — Der8., Ueber die Declination 
der Substantiva. 181. 


Zs. f. deutsche Philologie Bd. XIII, 4: G. Bötticher, 
über einige Stellen des ersten Buches von Wolframs Par- 
zival. — J. Zacher, Zelt und Harnisoh in Wolframs Par- 
zival. L H. — G. Bötticher, zur Frage nach der Quelle 
des ParzivaL — A. Lübben, zur deutschen Lexioographie. 

— P. Piper, aus Sanct Galler Handschriften. — 0. Kohl, 
zu dem Willehalm Ulrichs v. Türheim. — Sohroeder, 
Bericht über die siebente Jahresversammlung des Vereins 
für niederdeutsche Sprachforschung. 

Noord en Zuid V, 2: L. van Ankum, Affiniteit tusschen 
de woorden. — Uit „de Vlaamsche wacht“. — T. van 
Lin gen, Eenige plaatsen uit den „Reinaert“. — Op- en 
aanmerkingen. — Ders., Aanteekeningen. — Poot. — 
J. E. ter Gouw, 1648 en 1848 behandeld. — Ders., 
Examen te Woudrichem. — P. Westra, Afleidingen en 
taalkundige opmerkingen uit Multatuli’s werken. — Aan¬ 
teekeningen daarop. — D. Dekker, Gij zult niet sielen. 

— J. Kousemaker Pz., Taalk. opmerkingen. — T. van 
Lin gen, Waard, woord, weerd; waarts; Een paar op- 
merkingen; Wat is vogelgesohrei; Woordfamüiön. — N. 
N. 8., Uit Belgiö. 1. Wanneer, alleen. 2. Zacht- en scherp- 
heldere ee en oo. 3. Lijdensohappen, Begeesterd. — D. A., 
Zieh verledigen tot iets. — A. W. St eil wagen, Voor de 
rechtbank van het Taalgebruik. — J. E. ter Gouw, Ver- 
betering. — C. vam der Zeijde, Verklaring van Neder- 
landsche gedichten. — Een nieuwe wet. — Boekbeoordee- 
lingen. Th. Kuyper, Zin, Woord enOpsteL — IJ. I Jkema, 
Handleiding by het Onderwijs in de Nederlandsohe taal op 
de volkssoholen. 


Revue des langues romanes 3 sör. T. VH, Febr.: Pas- 

S uier, Ratification d’une donation par Madeleine, princesse 
e Viane. — L 4 vy, une pastourelle provengale. — Durand 
(de Gros), Notes de philologie rouergate. — Chabaneau, 
Corrections ä la Cour d’Amour. — Ders., Sur les der- 
niers Troubadours de la Provenoe par P. Meyer. 

Nuove Effemeridi Siciliane XXXIV—XXXVL VoL XH. 
Luglio—Die. 1881. V. Di Giovanni, Viaggio in Terra- 
santa o Notizie della Palestina soritte nel 1585. — Luigi 
Boglino, Lottere inedite dell’ Abbate Giovanni Meli ed 
altre di uomini illustri a lui dirette. — P. Fortunato Mon¬ 


de 11 o, La Biblioteca e la Pinacoteoa in Trapani. — Fran¬ 
cesco M. Mirabella, Degli Emblemi morali di Mons. Gio¬ 
vanni Orosco, tradotti da Sebastiano Bagolino. — S. S a 1 o - 
mone-Marino, L’Acqua tofana. — Ders., Di un poemetto 
popolare italiano del sec. XVII. — Ders., 8pigolature 
8toriche siciliane dal sec. XV al sec. XIX. 


Magazin f. die Lit. des In- u. Auslandes. 10—13: L o e p e r - 
Housselle, der deutsche Sprachunterricht im Eisass unter 
der französischen Regierung. 129. — Bender bespricht 
S. 161 Saalfeld, Italograeca. Kulturgeschichtliche Studien 
auf sprachwissenschaftlicher Grundlage. 

Neue Jahrbücher f. Philologie u. Pädagogik Bd. 123, 
H. 12: Karl W i e s e 1 e r, germanische Götter in griechischer 
Umgebung. (Zur Charakteristik des unverantwortlichen Dilet¬ 
tantismus des Verfassers nur Folgendes: Movy^ot (Artemis 
Munichia) ist germanischen Ursprungs: „ ieha im German. 
„Eiche“ und aun von magan , stark, mächtig“.) 

Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 1882, Nr. 1: 
Essenwein, Beiträge aus dem germ. Museum zur Ge¬ 
schichte der Bewaffnung im Mittelalter. 

Historisch-politische Blätter Bd. 89, 4:' Dorothea von 
Schlegel. 

Deutsche Rundschau. März: Joh. Kelle, die deutsche u. 
die lateinische Schrift. 

Nord und Süd März 1882: Paul Lindau, Geistige Aneig¬ 
nungen und Begegnungen. 

Die Gegenwart Nr. 9 u. 10: Er. Schmidt, Diderot und 
Lessing. — Nr. 11: R. Prölss, Schiller und Goethe im 
Urtheile ihrer Zeitgenossen. 

Allgemeine Zeitung BeUage. 24, 25.,. 26. Febr. u. 5. März 
1882: Ludw. Geiger, Zur deutschen Literaturgeschichte 
des 18. Jh.’s. 

Norsk Historisk Tidsskrift. Anden Reekke. Tredie Bind. 2 
Hefte: A. Chr. B ang, Om Midgardsormens Prototyper. (D.) 

Nordisk Tidskrift för vetenskap, konst och industri 
1882. H. 1. S. 1—35: Esaias Tegnör, Om svenska familje- 
namn. (S.) 

Nyare Bidrag tili kännedom om de svenska landsraälen 
ock svenskt folklif 1881, Deo.: Ad. Nor een, Inledning 
tili dalmälet, med karta. 

De Portefeuille 46: Kock, Uitgaven en vertalingen van 
Dante’s Divina Commedia (Forts.). 

Academy 11. März 1882: L. L. Bonaparte, Spanish and 
portuguese 

The Scottish Celtic Review 2: The Laws of Auslaut in 
Irish. — Gaelic and English: or the Etymologie of the 
Celtic and Teutonic Languages. 

American Journal of Philology Vol. II Nr. 8: H. E. 
Shepherd, On the position of the „Rhematic to u 458 ff. 
— Ausführliche Kritik über 8torms Englische Philologie v. 
Garnett. 484 ff. — Bericht über den Fortschritt des Philo- 
logical Society’s Englisch Diotionary 550 ff. 

Revue de philologie VI, 1: Boissier, Le carmen pa- 
sohale et l’opus pasohale de Sedulius. 

Rey. pol. et litt, 7: Livet, La „Nouvelle colleotion mo- 
lidresque“. — 9: Lenient, Alfred de Müsset, d’aprös les 
nouveaux doouments. 

Annales de la facultd des lettres de Bordeaux HI, 5: 
Espinas, Remarques sur les öldments du rythme dans la 
podsie franqaise. — Joret, Coquelicot. 

L'Athenaeum Beige 6: Ch., Publications littdraires alle- 
mandes. (Referirt über: Mangold, Moliöres Tartüffe; Armand 
de Bourbon, Traitd de la oomddie ed. Vollmöller; Müllers 
Faust ed. Seuffert; Herders Werke ed. Suphan; Ziesing, Le 
Globe; Brandeß, Emigrantenliteratur.) 

Annales du bibliophile beige 8: Histoire du thöätre fran- 
pais en Belgique. — Almanachs, oalendriers et cartabeües 
imprimöö ä Tournai. 

Archivio storico italiano IX, 1: Antonini, Cornelio 
Frangipane di Castello, giureconsulto, oratore e poeta del 
seoolo XVI. — Guasti e P. Meyer, A proposito del 
articolo del dottor O. Hartwig „La questione de Dino Com- 
pagni“* 

Nuova Antologia Anno XVH, 2. serie. Vol. 32. 5: G. Chia- 
rini, sui „Sepolori“ e gli altri oarmi ideati da Ugo Fos- 
oolo. — Fr. D^Ovidio, d’un famoso verso del cosl detto 
Ciullo D’Aloamo. 

Rivista Europea 1. Febr.: Morioi, Le dame letterate e 
Ippolito Pindemonte. — 16. Febr.: Bernardi, La oon- 
versione del ManzonL — Neri, Goldoni e Maffei. — L März: 


Digitized by 


Google 



w 


157 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


158 


Cresoini, La Lucia dell’ amorosa visione del Boccaccio. 
— Peri, II carme di Ugo Foscolo e l’Epiatola d’Ippolito 
Pindemonte intorno ai sepolcri. 

Giornale Napoletano, November 1881: Ceci, Bertoldo 
Delbrück e la scienza del linguaggio indogermanico. 
Boletin histörico 1: Documentos: Informe sobre las re- 
presentationes teatrales 1598. 


Neu erschienene Bücher. 1 

♦Albrecht von Haller, Gedichte, hrsg. von L. Hirzel. 
Frauenfeld, Huber. 8. M. 10. (Bibliothek älterer Schrift¬ 
werke der deutschen Schweiz. Bd. 3.) 

Baeohtold, Jacob, der arme Mann im Toggenburg. 50 S. 
Separatabdruck aus der Neuen Zürcher Zeitung, Februar 
(Ulrich Brücker von Wattwyl, 1335—98). 

Bidrag tili Södermanlands äldre kulturhistoria, pa uppdrag 
af Södermanlands Forminnesförening utgifna af H. Aminson. 
IL Stockholm, Central-tryckeriet. 1881. 8°. H, 116 S., 2 pl. 
2 kr. Inhalt: S. 1—3: Om Härads kyrka. Med plansch af 
N. M. M. — 8. 3—5: Belikskrin frln Härads kyrka, med 
plansch. — S. 5—15: Södermanlands Forminnesförenings 
kyrkomuseum: korkäpor och messhakar. — S. 16—30: Folk- 
visor med melodier, upptecknade inom Södermanland af 
Litteratören Emil öberg (Fortsättning frän H. I). — S. 31 
—91: Ordlista öfver äkers och Öster-Rekarne härads folk- 
spräk af G. Ericsson (sunehäller A—K, hvaraf A—F ut- 
görande tilläg tili samme författares ordlista i H. I). — 
S. 92—101: Gätor frän äkers och Öster-Rekarne härad 
(Fortsättning frän H. I). — 8. 102—113: Vidskepelse: Be- 
svärjelse ochläsning vid sjukdomar.—8.114—116: Sägner. (S.) 

Briefwechsel zwischen Schiller u. Goethe in den Jahren 
1794—1805. Bd. 1. Stuttgart, Spemann. 8. M. 1. (Collection 
Spemann Bd. 20.) 

♦Dorph, Chr., Grundriss der nordischen Mythologie. Zum 
Gebrauch beim Studium der german. Götterlehre. Aus dem 
Dän. von Eugen Liebich. Neuwied u. Leipzig. Heuser. 57 S. 8. 

♦Geyer, Moriz, Altdeutsche Tischzuchten. Altenburg. 34 S. 
4. (Progr.) 

Gydinga saga en bearbejdelse fra midten af det 13. ärh. 
ved Brandr Jönsson. Efter händskrifter udgiven af Gud- 
mundur Porläksson. Kebenhavn, Gyldendal i. Com. XIV, 
117 S. 8. Kr. 3. Publ. des „Samfundet til udgivelse af 
gammel nordisk litteratur“. D. 

Kalkar, Otto, Ordbog til det »ldre danske sprog (1300— 
1700). Andet hsefte. Kebenhavn, Klein i. Com. S. 97—208 
(Balg—Bivae reise). Kr. 3,50. Publ. des „Universitets-jubilaeets 
danske Samfund tt . D. 

Mandevilles rejse pä dansk fra 15 d * ärhundrede, efter 
handskrifterne udgiven af M. Lorenzen. Andet haefte. Koben- 
havn, Gyldendal i. Com. 8°. S. 97—206. Publ. des „Sam¬ 
fundet til udgivelse af gammel nordisk litteratur a . D. 

♦Müller, H. F., Gotthold Ephraim Lessing u. seine Stellung 
zum Christenthum. Ein Gedenkblatt zu seinem hundertjähr. 
Todestage. Heilbronn, Henninger. 80 S. 8. M. 1,4Ö. (Zeit¬ 
fragen des Christi. Volkslebens Bd. VI, 4.) 

Nikolsdräpa Hallsprests, an Icelandic poem from circa 

A. D. 1400. Dissertation (University of Freiburg), by William 
H. Carpenter. Halle 1881. (Angez. v. Möbius: Zs. f. deutsche 
Philologie XIII, 4.) 

Neudrucke deutscher Litteraturwerke des 16. u. 
17. Jh.’s. Nr. 33: Hans Clawerts werckliche Historien von 

B. Krüger. Abdruck der 1. Ausg. 1587. 8. M. 0,60. 

P rat je, H., der Akkusativ im Heliand syntaktisch dargestellt. 
Göttingen, Deuerlich. 83 8. gr. 8. M. 1,20. 

Riddara rfmur efter handskrifterna utgifna af Theodor 
Wisön. Anda häftet. Köpenhavn, Gyldendal in Com. 8°. 
8. XL VT + 8. 97—176. (Heft 1—2 compl. Kr. 5.) PubL 
des „Samfundet til udgivelse af gammel nordisk litt.“ D. 

Sommer, Wilhelm, Die Metrik des Hans Sachs. Eine von 
den Decanen der Univers. Rostock mit dem vollen Preise 
gekrönte Preisschrift. Rostock, Adlers Erben. VIH, 143 8, 8. 

♦Tesoh, P., Ursprung u. Entwickelung der 8praohe. Neu¬ 
wied u. Leipzig, Heuser. 1881. 39 S. 8. 

Tingsvidner, Gamle jydske. Samlede og udgivne med 
Oplysninger, Register og Ordliste af 0. Nielsen. 1. Hefte. 
¥r -~ L enhavn, Klein L Com. 98 8. 8. Kr. 3,50. PubL des 


1 Auster den mit • bsssicbneten Werken wurden der Redsetion noch 
eingeeendt: Grsf, Roms nells memoris etc. (s. Ltbl. 8. 117)» Macbeth, 
ed. M enter (s. Ltbl. 8. 80); W Ql eher, kleine angele. Dichtungen 
(e. Ltbl. 8. 80); Zolling, Kleist in der Bchweis (s. Ltbl. 8. 84). 


„Universitets -jubilceets danske Samfund tf . („Nmrveerende 
Sämling Diplomer udgives for at vise, hvorledes udannede 
Jyder benyttede Skriftsproget i en Tid, da der sä godt som 
ingen Pävirkning var af trykt Literatur“.) D. 

♦Wagner, Albrecht, Visio Tnugdali. Lateinisch u. Altdeutsch. 
Erlangen, Deichert. LXXII, 186 S. 8. M. 5. (Enthält 1. die 
lat. Visio Tnugdali. 2. Ein lat. Gedicht. 3. Die nieder- 
rheinischen Tundalusfragmente. 4. Albers Tnugdalus. S. Lit. 
Centralbl. 1882, 13.) 

Weigand, K. F. L., Deutsbhes Wörterbuoh. 4. Aufl. 4 Halb¬ 
bände. Giessen, Ricker. M. 34. 

♦Zahn, Theodor, Cyprian von Antiochien und die deutsche 
Faustsage. Erlangen, Deiohert. IV, 153 S. 8. M. 3. 


Beljame, le public et les hommes de lettres en Angleterre 
au XVIH e siöcle (1660—1744). Dry den, Addison, Pope. Paris. 
VIH, 506 p. 8. 

♦Brooke, Stopford A., M. A., Kurzer Leitfaden der Ge¬ 
schichte der englischen Literatur. Deutsch bearbeitet und 
mit Anmerkungen versehen von Dr. A. Matthias. Berlin, 
Langenscheidt 108 S. 8. M. 1. geb. M. 1,50. 

♦Deutschbein, M. F. Karl, Uebersicht über die gram¬ 
matischen Abweichungen vom heutigen Sprachgebrauch bei 
Shakespeare. II. Theil. Progr. der Realschule I. O. zu 
Zwickau. 29 S. 4. 

Kraus, Fritz, Shakespeares Selbstbekenntnisse. Nach zum 
Theil noch unbenutzten Quellen. Weimar, Huscbke. 

Möziöres, A., Shakespeare, ses oeuvres et ses critiques; 
par A. Möziöres, de l’Acadömie frangaise. 3 6 ödition, rövue 
et corrigöe. In-18 jösus, XVI, 607 p. Coulommiers, imprim. 
Brodard; Paris, libr. Hachette et Ce. fr. 3,50. Bibliothöque 
variöe. 

Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialecte. HI. 
Angelsächsische Grammatik von E. Sievers. Halle, Nie¬ 
meyer. 8. M. 2,80. geb. M. 3,30. 

Shakespeare, W., Works, ed. by W. Wagner and L. 
Proescholdt. IX. The Winter’s tale. Hamburg, Grädener & 
Richter. S. M. 0,50. 


♦Bibliothek gediegener klassischer Werke der italien. 
Literatur. Hrsg. v. A. Goebel. 1., 2. u. 4. Bändchen. Münster, 
Aschendorff. M. 2. 16°. Inhalt: 1. Novelle scelte di Boc¬ 
caccio. M. 0,60. — 2. Commedie scelte di C. Goldoni. I. 
M. 0,60. — 4. Commedie scelte di A. Nota. I. M. 0,60. 

Brioqueville, E. de. L’Abbö Arnaud et la Röforme de 
l’opöra au XVIH* siöcle; par Eugöne de Bricqueville. in-8, 
31 p. Avignon, impr. et libr. Seguin fröres. Extrait du Bulletin 
historique et archöologique de Vaucluse. 

Busato, L., Notereile critiche per la lingua d’Italia e per 
la storia di Padova. Padova, tipogr. G. B. Randi. 1881. in-8. 
pag. 103. Dalla Rivista periodica della R. Accad., ecc. LVH, 
trim. UI e IV del 1879—80, vol. XXX. 

Cappelletti, L., Letteratura spagnuola; aggiuntovi un 
cenno sulla letteratura portoghese. Milano, Ulrioo Hoepli 
lib.-edit. 1881. in-32. pag. VI, 204, legato. L. 1,50. Ma- 
nuali Hoepli. 

Cervantes Saavedra, M. de. El ingenioso hidalgo don 
Quijote de la Mancha, compuesto por Miguel de Cerväntes 
Saavedra. Edicion conforme ä la ültima corregida por la 
Academia espanola, con la vida del autor y notas para la 
buena inteligencia del texto. In-18 j6sus, XLIV, 776 p. con 
laminas. Paris, librairie Garnier fröres. 

Cobianohi, Monografia su Voltaire. In Atti dell’ Ateneo di 
scienze, lettere ed Arti in Bergamo; anno V. 

Diez, Friedrioh, Grammatik der romanischen Sprachen. Drei 
Theile in einem Bande. Fünfte Auflage. Bonn, Ed. Webers 
Verlag (Julius Füttner). 1882. XIX, 1134 S. gr. 8. Geh. 
M. 21, stark geb. M. 24. [Die vorliegende Ausgabe ist ein 
unveränderter Abdruck der 3. Auflage der Grammatik. Man 
thut recht daran, ein Buch wie Diezens Grammatik nach 
dem Tode des Verf.’s stets unverändert wieder abzudrucken. 
Ein Modus, nach welchem das Werk gemäss dem jetzigen 
Stande der Forschung umzuarbeiten wäre, wird sich wohl 
kaum finden lassen. Man müsste denn den ursprünglichen 
Charakter, die höchst originelle und charakteristische Eigen¬ 
art des Werkes, sowohl in der Behandlung und Darstellung 
des Ganzen als der Einzelheiten, völlig aufgeben und ein 
neues Werk schreiben. Und das wäre sohade. Denn Diezens 
grundlegendes Werk hat so eminente Vorzüge, ist in so 
hohem Masse ein gradezu olassisches Werk, dass es fort 
und fort auch in der unveränderten .Gestalt gutes stiften 


Digitized by 


Google 


159 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


160 


wird und noch lange Zeit den Ausgangspunkt des Studiums 
der Romanisten bilden darf. — Das Inhaltsverzeiohniss zum 
1. bis 3. Buch und die Register am Ende des Werkes sind 
yon dem verstorbenen Dr. Fr. Apfelstedt, das Inhaltsver- 
zeichniss zum 4. Buch und das Verzeichniss der Abkürzungen 
von Herrn Emil Seelmann vervollständigt worden. — Mit 
der Aenderung des deutschen Drucks in lateinischen wird 
jedermann einverstanden sein; überhaupt verdient die Sorg¬ 
falt, welche auf die Drucklegung und Uebersichtlichkeit 
verwandt sind, alles Lob. Die Vereinigung der 3 Bände zu 
einem höchst dickleibigen Volumen möchte nicht nach jeder¬ 
manns Geschmack sein. Uebrigens sind die Seitenzahlen der 
3. Auflage zwischen [ ] oben auf jeder Seite angegeben. 
Begrüssen wir den Umstand, dass nach 5 Jahren schon wieder 
eine neue Auflage des Werkes sich vernothwendigte, als 
ein erfreuliches Zeichen des Fortschrittes unserer Wissen¬ 
schaft. — F. N.] 

D i - 8 i e n a, Gregorio, Intorno a due passi nella Divina Com¬ 
media. In Atti delT Accademia Pontaniana Vol. XIV. 

Eyssenhardt, Franz, Römisch und Romanisch. Ein Beitrag | 
zur Sprachgeschichte. Berlin, Bornträger. XI, 2058. 8. M. 3,60. | 

•Finamore. Tradizioni popclari abruzzesi. Raccolte da Gen- j 
naro Finamore. Vol. I. Novelle (Parte prima). Lanciano, • 
tip. di R. Carabba. XI, 248 S. 8. L. 4. J 

* Gorge 8, Konrad, Über Stil und Ausdruck einiger altfran- j 
zösischer Prosaübersetzungen. Hallenser Dissert. 47 S. 8. 

Galanti, can. Carmine, Al ohiarissimo d. Luigi Bennassuti: 
lettera XXXVI su Dante Alighieri. Perchö nelT Inferno si ( 
va a sinistra, e talvolta a destra. Ripatransone, tip. di C. 
Jaffei. 1881. in-8. pag. 27. 

Galanti, Ferdinando, Carlo Goldoni, o Venezia nel secolo 
XVIII. Padova, frat. Salmin edit.-tip. in-8 gr. pag. 592 col 
ritratto del Goldoni in eliot. tratto dal dipinto del Longhi. 
L. 6. 

Grazzini detto il Lasca, A. F., Le rime burlesche edite 
e inedite. Testo critico con una introduzione del Dr. C. 
Verzone. Collezione delle opere inedite o rare. Bologna, 
Romagnoli. CXXIV, 684 S. gr. 8 mit Facs. u. Portr. L. 25. 

*Hartmann, Gottfried, Ueber die Modificativformen (Aug¬ 
mentation und Diminution) in Manzonis Promessi sposi. 
Inaugural-Dissert. Wiesbaden, Niedner. 31 8. 4. 

La Fontaine, J. de. Contes et nouvelles en vers; par J. de 
La Fontaine. Ornes d’eatampes de Fragonard. Reimpression 
de l’ödition de Paris (Didot, 1795), revue, annotöe et aug- ( 
Mentee d’une notice par M. Anatole de Montaiglon. T. 1. . 
Livraison 1. In-4, 16 p. et 2 grav. hors texte. Paris, libr. 
Lemonnyer; Rouen, meine maison. 

L e o p a r d i, G., Poesie con prefazione di R. Bonghi. Mailand, 
U. Hoepli. 24, 411 S. gr. 4. L. 35. 

Mazarinades normendes. Lee Particularitez de l’entröe 
de messieurs les princes dans la ville de Paris, et de celle 
du Cardinal Mazarin dans le Havre de Gräce, avec la lettre 
envoyöe au maresohal de Turenne sur Pölargissement des 
princes (Paris, 1651). Desaveu du libelle intitulö: Apologie 
particuliöre de monsieur le duc de Longueville; par Un 
gentilhomme breton (Paris, 1651). Responce ä une lettre 
escritte de Rouen sur un libelle intitulö: Apologie parti¬ 
culiöre pour monsieur le duc de Longueville, faite par un 
gentilhomme breton (Paris, 1651). 3 opuscules in-8 carrö, 
.59 p. Rouen, imprimerie Cagniard. 

Möllere. Le Tartuffe, comödie (1664); par Moliöre. Nouvelle 
ödition, conforme ä la derniöre ödition revue par Moliöre, 
avec des notes historiques et grammaticales et un lexique 
de la langue du Tartuffe par Ch.-L. Livet. In-18 jösus, 
XXXIV. 265 p. Paris, imp. et üb. P. Dupont. fr. 1,50. i 

Parini, Giuseppe, Versi e prose, con un discorso di Giuseppe ! 
Giusti intorno alla vita e alle opere di lui. Sesta ristampa. | 
Firenze, succ. Le Monnier edit.-tip. in-16. pag. LXIV, 480. | 
L. 4. 

Pasqualigo, C., Raccolta di Proverbi Veneti. 3. Edizione 
accresciuta dei proverbii dei Alpi Carniche, del Trentino 
e dei tedeschi dei sette comuni vicentini. Treviso; Neapel, | 
Detken & Rocholl. VTII, 372 8. 8. fr. 3,50. 

Petzholdt, Julius, Catalogus Bibliothecae Danteae Dres- 
densis a Philalethe B. Rege Joanne Saxoniae oonditae auctae 
relictae. Lipsiae, in aedibus B. G. TeubnerL VI, 126 S. M. 5. 

Piergili, Giuseppe, Nuovi documenti intorno alla vita e 
agli scritti di Giacomo Leopardi. Firenze, success. Le Mon¬ 
nier edit.-tip. in-16. pag. LXXV, 299. L. 4. 

P o ö s i e s Huguenotes du seiziöme siöcle. Strassburg, Schmidt. 
120. M. 3. 


RezaBCo, Giulio, Dizionario del linguaggio italiano storico 
ed amministrativo. Firenze, succ. Le Monnier edit.-tip. in-8 
gr. a 2 colonne, pag. XLVII, 1287, leg. in tela. L. 30. 

‘Rossmann, Philipp, Französisches oi. Heidelberger Dissert. 
Erlangen, Deichert. 34 8. 8. Separatabdruck aus Vollmöllers 
roman. Forschungen Bd. I S. 145—178. 

Villari, Niccolo Macchiavelli und seine Zeit 2. Bd. Uebers. 
von Heusler. Rudolstadt, Hartung & Sohn. gr. 8. M. 10. 

Villon, Francois, Oeuvres completes suivie d’un choix des 
poesies de ses disciples. Edition pröparöe par La Monnoye, 
mise au jour, avec notes et glossaire par Pierre Jannet 
Paris, Picard. XXIV, 272 8. 16°. fr. 1. 


Ausführlichere Recensionen erschienen 
über: 

Paul, Principien der Sprachgeschichte (v. Misteli : Zs. für 
Völkerpsychologie Bd. XIII, 4). 


Faust, ed. Schröer (v. Jacobi: Deutsche Litzeitg. Nr. 20). 
Thomas Platter, hrsg. von Düntzer (Neue Züricher Zeit. 
Nr. : „gegen eine derartige Ausgabe zu protestiren ist 
Pflicht, und wir warnen hiermit eindringlichst vor dem jäm¬ 
merlichen Machwerke“). 


Dictionnaire de PAcadömie fran$. 7. öd. (v. Lengnick: 
Herrigs Archiv LXVII, 1). 

L i n d n e r, Laut- u. Flexionsanalyse der nfr. Sohriftspr. (ebd.). 
Wace’s Rou, hrsg. v. H. Andresen (v. Nyrop:‘Nordlsk tidskr. 
for filologi N. R. V 283—286). 


Literarische Mittheilungen, Personal¬ 
nachrichten etc. 

Gustav Storni (Kristiania) beabsichtigt eine Zeitschrift 
für lediglich nordische Philologie zu begründen, deren 
erstes Heft im Verlaufe des Jahres 1882 erscheinen wird. Auch 
deutsch geschriebene Aufsätze werden aufgenommen. 

Derselbe bereitet vor die Herausgabe eines abschliessen¬ 
den Bandes der „Norges gamle Lore“, hauptsächlich die 
Handschrift-Beschreibung enthaltend. 

Dr. Colli tz ist mit der Herausgabe des von Karl 
Bauer hinterlassenen Waldeckschen Wörterbuches beschäftigt. 

Dem Abschluss nahe ist eine Arbeit von Dr. Konrad 
Bur dach über die Sprache des jungen Goethe in seinen 
Briefen und Dichtungen von 1764—1776. — Ludwig Wüll- 
ner (Berlin) bereitet eine Ausgabe des Grafen Rudolf vor. 

Ein orthographisch-orthoepisches Wörterbuch der gegen¬ 
wärtigen nhd. Schriftsprache von W. V i e t o r wird im Verlage 
von Öebr. Henninger erscheinen. Dasselbe wird auch geo¬ 
graphische und geschichtliche Eigennamen sowie Fremdwörter 
umfassen und sämmtliche Wörter sowohl in den gebräuchlichen 
und den officiellen Orthographien, als auch in phonetischer 
Umschrift geben. 

Im Verlage von Ulrico Hoepli, Mailand, wird erscheinen: 
Storia universale della letteratura dai primi tempi e preaso 
tutti i popoli civili fino ai nostri giorni con florilegi da ogni 
letteratura, compresi saggi dei piü illustri scrittori viventi 
italiani e stranieri per cura di Angelo de Gubernatis. 
L’Opera sarä divisa in tre serie. Prima Serie: 1. Storia del 
Teatro Drammatico. Un volume. 2. Florilegio Drammatico. Un 
volume. 3. Storia della Poesia Lirica. Un voL 4. Florilegio 
lirico. Un vol. 5. Storia della Poesia Epica. Un voL 6. Flori¬ 
legio epico. Un vol. Seconda serie: 1. Storia della Leggenda 
e novellina popolare. Un vol. 2. Florilegio e novelline popo- 
larL Un vol. 3. Storia della Poesia Gnomioa, Epigrammatica 
e Satirica. Un voL 4. Florilegio di sentenze, epigrammi, ser- 
moni, satire. Un voL 5. Storia della Eloquenza. Un vol. 6. Flo¬ 
rilegio oratorio. Un vol. Terza Serie: 1. Storia della storia. 
Un vol. 2. Florilegio storico. Un voL 3. Storia del romanzo. 
Un vol. 4. Florüegio romantico. Un vol. 5. Storia delle dottrine 
filosofiche. Un vol. 6. Florilegio filosofico. Un vol. 

Der Abbö Paul Guillaume (membre oorrespondant de 
la Societe pour Pötude des langues romanes und Archiviste 
des Hautes-Alpes) entdeckte vor Kurzem ein Mystöre de 
Saint Eustache und eine dramatische Dichtung, von ca. 
4000 Versen, betitelt L’Historia de sant Anthoni de 
Viennös. Das erstere wird von der Revue des 1. romanes 
edirt werden. 

Rostocker Preisaufgabe: Die Figur des Teufels 
in der deutschen Diohtung des MittelalterB. 


Digitized by 


Google 



161 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 4. 


162 


Der Verein für neuere Sprachen zu Hannover 
lässt soeben seinen 2. Jahresbericht erscheinen: man ersieht 
aus demselben mit Freude, welch reges Interesse und Eifer 
dem Studium der modernen Philologie dort entgegenge- 
braoht wird. 

An der Universität F r e i b u r g i. B. ist ein neuer Lehr¬ 
stuhl für romanische Philologie gegründet worden: auf den¬ 
selben wurde der bisherige ao. Professor an der Universität 
Heidelberg Dr. Fritz Neumann berufen. Derselbe wird 
seine Lehrthätigkeit in Freiburg bereits mit dem kommenden 
Sommersemester beginnen. 

Antiquarisehe Cataloge: Engelmann, München 
(Philologie); V ö 1 c k e r, Frankfurt a. M. (Deutsche Literatur). 


Abgeschlossen am 20. Marz 1882. 


An unsere Herren Mitarbeiter 

richte ich die Bitte, alle Sendungen an mich vom 
26. April an nach Freiburg i. B. richten zu wollen. 

Prof. Dr. Fr. Neumann. 


Notiz. 

Dr. G. Milchsack in Wolfenbüttel sucht folgende I 
Ausgaben des Qrobianus: | 

A. Ausgaben von Dedekinds Original: 1. 1551. j 
Francof. a/M. Chr. Egenolph. 8°. (Angeführt von F. A. Ebert 
in seinen handschriftl. auf der königl. Bibliothek in Dresden 
befindlichen „Kominalexzerpten“ Bd. 1, S. 818.) — 2. 1552. 
Basileae. 8°. (Daselbst mit Verweisung auf Catal. P. Burmanni 
8ec. p. 263. Kr. 3145.) — 3. 1555. 8°. (Vgl. Gödeke, Grundriss 
zur Gesch. d. d. Dicht. 1, S. 366.) — 4. 1563. Francof. a/M. 
Ohr. Egenolph. 8°. (Vgl. Jo. Geo. Bertram, Das Evangel. 
Lüneburg S. 640.) — 5. 1624. Francof. 8°. (Vgl. Rotermund, 
Das gelehrte Hannover 1, 8. 441.) — 6. ? Lugduni Batavor. 
Jo. Maire. 8'. Editio altera. 

B. Ausgaben der Scheidtschen Bearbeitung: 

# 1557. 0. 0. 8°. (Vgl. Gödeke, Grundriss 1, 366; Koch 1, 160.) 

C. A*u sgabenderHallbachschenBearbeitung: 
1704. Bremen. 8°. (Vgl. Rotermund, Das gelehrte Hannover 
1, 8. 441.) 


Von Herrn Dr. J. Heinzerling erhalten wir nach¬ 
stehende Entgegnung: 

Herr Wegener behauptet in seiner Recension (Kr. 1, 
8p. 13), dass die Vergleichungen der Thiemamen einen sehr 
geringen Werth hätten, weil das Material in viel grösserer 
Vollständigkeit hätte zusammengetragen werden müssen, um 
die Frage zu lösen, welche der genannten Thiere schon ur- 
germanisch benannt waren und welche nicht. Hierauf habe 
ich zu erwidern, dass eine vollständige Lösung dieaer Frage 
nicht in meiner Absicht liegen konnte, weil es hierzu an den 
nöthigen Vorarbeiten fehlte und mir ausserdem nur dor 
geringe Raum für eine Programmarbeit zu Gebote stand. Was 
ich naohweisen wollte und naohgewiesen zu haben glaube, ist 
Folgendes: 

Wirbellose Thiere, welche durch irgend eine Eigenschaft 
das Interesse des Menschen erregen mussten, haben meist 
bei allen germanischen Stämmen übereinstimmende, also wohl 
schon vor der Trennung des germanischen Urvolks vorhandene 
Kamen, die auch durch ihre Form auf ein höheres Alter hin- 
weisen. Die Kamen der dem Menschen weniger auffallenden 
wirbellosen Thiere hingegen deuten nicht nur wegen ihrer 
Wortform auf eine spätere Entstehung hin, sondern zeigen 
auch eine grosse Verschiedenheit bei den einzelnen germa¬ 
nischen Stämmen, und daher haben wir unter diesen beson¬ 
ders mundartliche Ausdrücke zn suchen. Aber auch bei 
letzteren Kamen herrscht wieder insofern eine gewisse Ueber- 
einstimmung, als die hervorstechenden Eigenschaften des 
Thieres, wolohe ihm den Kamen gaben, in der einen Gegend 
so gut wie in der andern auffallen mussten, und aus ent¬ 
sprechenden Gründen finden wir, abgesehen von der Ver¬ 
schiedenheit des Vorkommens, überall dieselben Thiere be¬ 
nannt oder umgekehrt nicht benannt. Diese Ergebnisse hätte 
Herr W. widerlegen müssen, um seinen Vorwurf zu recht- 
fertigen. Eine Widerlegung vermisse ich aber, da ich die 
Bemerkung zu dem von mir auf 8. 11 Gesagten unmöglich 


für eine solche halten kann. Dort hatte ich nämlich orwähnt, 
dass einige Käfernamen wegen ihrer mythologischen Beziehung 
ein hohes Alter vermuthen lassen, trotzdem sowohl ihre Ver¬ 
schiedenheit bei den einzelnen germanischen 8tämmen als 
auch ihre Wortform auf eine spätere Entstehung deuten. 
Herr W. meint nun, dies hätte mich belehren sollen, dass die 
Verschiedenheit der Benennung .nicht das späte Alter der 
Benennung überhaupt beweist. Aber dies kann uns nichts 
weiter lehren, als dass es auch hier Ausnahmen gibt, deren 
Möglichkeit ich schon am Schlüsse des ersten Abschnittes 
8. 1 meiner 8chrift angedeutet hatte. 

Herr W. weist also in keiner Weise nach, dass meine 
Resultate unrichtig sind, er bestreitet nicht eine einzige der 
vielen von mir versuchten Herleitungen auch solcher Thier¬ 
namen, die nicht nur dem Siegerland angehören, behauptet 
aber trotzdem zum Schluss, dass nur die Mittheilungen über 
die siegerländer Mundart das Brauchbare der Arbeit seien, 
ein Urtheil, das einer Recension meiner Abhandlung in Herrigs 
Archiv B. LXUI Heft 1 1880 auffallend widerspricht. 

Siegen, 26. Februar 1882. J. Heinserling. 

Darauf erwidert unser Berichterstatter: 

Die Erwiderung des Herrn Heinzerling vermisst an meiner 
Besprechung die Würdigung resp. Widerlegung dessen, was 
er als Ergebnis» seiner Untersuchung bezeichnet, — nämlich, 
dass die wirbellosen Thiere, welche in höherem Grade das 
Interesse des Menschen erregten, früher zur Kamengebung 
veranlassten als solche, die aas Interesse nicht in gleichem 
I Masse auf sich zogen, und dass die Kamengebung nach den 
hervorstechenden Eigenschaften erfolgte. Dies sogenannte 
Ergebniss konnte Herr H. ohne Bedenken von jeder anderen 

i ‘e benannten Kategorie von Vorstellungen mit gleichem 
techte aussprechen. Mir ist darum dieses „Ergebniss“ nicht 
gerade neu und besonders werthvoll erschienen, denn die 
allgemeine Thatsaohe ist auch ohne Herrn H.’s Arbeit be¬ 
kannt genug, ob sie jemand vor ihm schon von den wirbel¬ 
losen Thieren ausgesprochen, ist mir wirklich nicht bekannt; 
ist dies ein Verdienst, so liegt es mir sehr fern, dasselbe 
Herrn H. kürzen zu wollen. — Ich habe geglaubt, jene That- 
sache sei von Herrn H. vor Allem zur Begründung seiner 
Methode ausgeführt und habe mir daher erlaubt, über die 
Formulirung jener Thatsacbe meine Bedenken auszusprechen. 
Des Weiteren über diesen Punkt muss ich Herrn H. auf 
meine Abhandlung über Dialeotforschung verweisen (Zaehers 
Zs.). — Als die Hauptabsicht des Verf.’s ist mir die erschienen, 
zu entwickeln, welche der behandelten Thiere im Altgerman, 
benannt waren, welche nicht. Dass ihm zur Lösung dieser 
Frage nicht annähernd das nöthige Material zur Hand war, 
gibt er ja zu; dass Thiere, die altgermanisch ihren Kamen 
schon hatten, diesen geändert habeo, gibt er gleichfalls zu; 
dass er sich mit dieser Thatsaohe abzufinden sucht durch das 
Wort „Ausnahme* 4 , statt zuzugeben, dass verschiedene Be¬ 
nennungen einer Vorstellung in verschiedenen Zweigen des 
Germanischen nicht mit Sicherheit den Schluss gestatten, dass 
die Vorstellung urgerm. noch nicht benannt war, beweist 
wenigstens nicht Scharfsinn. Herr H. hätte erkennen sollen, 
dass, wenn ich an der Methode seiner Arbeit verschiedenes 
auszusetzen hatte, uud wie mir scheint mit Recht, ich unmög¬ 
lich zugeben konnte, dass die mit mangelhafter Methode und 
unzureichenden Mitteln geführte Untersuchung werthvolle 
Ergebnisse enthalten konnte. Darum durfte ich es für über¬ 
flüssig halten, mich auf Einzelheiten einzulassen, besonders 
da* ich kaum glauben konnte, dass Verf. der Erklärung und 
Ableitung der einzelnen Kamen selbst einen grösseren Werth 
beilegte. Diese Erklärungen sind mir entweder als solche 
erschienen, die sich ein jeder Germanist selbst gibt, oder es 
sind unsichere Vermuthungen in der ja leider noch immer 
nioht zu Grabe getragenen alten Art des Etvmologisirens, so 
wenn er sieg, schnirer (Schneider) vom Weichkäfer auf seinen 
weichen, schmächtigen Körper zurückführen möchte. 

Es thut mir leid, dass ich von meinem Urtheile Über 
die Arbeit nichts weiter modificiren kann, als mein Urtheil 
über des Verf.’s Anschauungen über Volkssprache und 8prache 
überhaupt, diese sind nach seiner Entgegnung weniger klar, 
als ich aus seiner Programmarbeit geschlossen hatte. Dass 
Herr H. über den Werth seiner eigenen Arbeit ein weit 
günstigeres Urtheil haben würde als ich, konnte ich mir selbst 
sagen, sonst würde er eben seine Arbeit nicht in dieser Form 
veröffentlicht haben; mich und das Publikum darüber zu be¬ 
lehren, war daher wenigstens nicht unbedingt nothwendig. 
Magdeburg, 16. März 1882. Pb. Wegener. 


Digitized by LjOOQie 



163 


1832. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4 . 


164 


NOTIZ. 

Den germanistischen Theil redigirt Otto BehAfChel (Heidelberg, Sandgasse 5), den romanistischen und englischen Theil Fritz NeimiBI 
(Heidelberg. Hauptstr. 73), und man bittet die Beiträge (Recensionen. kurze Notizen, Personalnachrichten ote.) dem entsprechend gefälligst zu adressiren. 
Die Kedaction richtet an die Herren Verleger wie Verfasser die Bitte, dafür Sorge tragen su wollen, data alle neuen Werke germanistischen und 
romanistischen Inhalts ihr gleich nach Erscheinen entweder direct oder durch Vermittelung von Gebr. licnninger in Heilbronn xngesandt 
werden. Nur in diesem Falle wird die Redaction stete im 8tande sein, über neuePublicationen eine Besprechung oder 
kürsere Bemerkung (ln der Bibliogr.) su bringen. An Gebr. Henninger sind auch die Anfragen über Honorar und 8onderabzüge su richten. 


Literarische Anzeigen. 


In Asher’s Collection of En gl i uh Autbors erscheint: 

The Works 

of 

William Shakspere. 

Edited by 

W. Wagner and L. Proescboldt 

Ausgabe in 30 Lieferungen k 50 Pf. 

Ausgabe in 10 Bänden k 1 M. 60 Pf. 

Ausgabe in 37 Theilen k 50 Pf. geh , 60 Pf. cart.; 
erschienen sind folgende Nuramorn: 

Nr. 1. The Tempest. 

„ 2. The two Gentleroen of Verona. 

„ 3. The merrj Wives of Windsor. 

„ 4. Measure for Measure. 

„ 5. Comedy of Errors. 

, 6. Much Ado abont Nothing. 

„ 7. Lore« Labour’s lost. 

„ 8. A Midauramer-Night’s Dream. 

„ 9. The Merehant of Venice. 

„ 10. As You like it. 

„ 11. The Taming of the Shrew. 

„ 12. All’s well that ends well. 

„ 13. Twelfth Night. 

„ 14. The Winter’s Tale. 

„ 16. Richard n. 

,, 30. Julius Caesar. 

Diese letztere Ausgabe ist namentlich zum Schul- und 
Stadiengebrauch bestimmt und bereits mehrfach cingeführt; 
Probeheft steht auf Wunsch gratis und franco von der Ver¬ 
lagshandlung zu Diensten. 

Verlag von Karl Grädener & J. F. Biohter 
in Hamburg. 


Italienische Zeitung für Deutsche. 

Einladung zum Abonnement. 

Durch jede Buohhandlnng, sowie durch die Post ist 
zu beziehen: 


mviam 

politiea, letterar ia, scientifica e artistica, 


m 


italienische Zeitung für Deutsche 
mit erklärenden grammatikalischen phraseologischen 
&c. &c. Anmerkungen, 

redigirt unter Mitwirkung namhafter italienischer Schrift¬ 
steller 


von 

Dir. C. M. Sauer in Triest. 


Wöchentlich eine Nummer. Preis in Deutschland 
1 Mk. 75 Pf., in Oesterreich-Ungarn 1 Fl. 5 kr., in der 
Schweiz, in Frankreich, Belgien nnd Italien 2 Fr. 50 c., 
in Spanien 1 esc., in England 2 sh., in Holland 1 Fl. 20, 
in Schweden und Dänemark 5/9 rigsd., in Russland 1 Rbl., 
in Amerika 50 c. pränumerando. 

Complete Exemplare des H. Jahrganges 1881 sind noch 
zu baben. Probe-Nummern stehen auf Verlangen gerne 
za Diensten. 

Freisin g (Bayern). 

Die Verlagshandlung 

Frau Pani Datterer. 


HOFBUCHHANDLUNG MEIDINGER. 

ZIMMBR8TR. 04. 


Verlag der C. F. Post’sehen Buchhandl . in Colberg. 

Junggrammatische Streifzüge 

im Gebiete der Syntax 

von 

Dr. Hermann Ziemer 

o. L. *. d. Kgl. Domg u. d. Kralscb. 1. O. su Colberg. 

vm u. 156 S. 8°. 

Preis geh. 2 M. 70 Pf. 

Erster Abschnitt: Zur Gesohichte der junggrammatischen 
Litteratur. 

Zweiter Abschnitt: Das psychologische Momont in der Bildung 
syntaktischer Sprachformen. 

Dies Bach ist für den Lehrer der klass. und neueren 
Sprachen nicht gnt zu entbehren. 

Es gibt eine Uebersicht über die historische Entwickelung 
der neuesten Methode der Sprachwissenschaft. 

Es überträgt diese bisher fast ausschliesslich in morpho¬ 
logischen Untersuchungen angewandte Methode auf die 
Syntax der indogermanischen Sprachen. 

Es legt die lat. Syntax der Untersuchung zugrunde, zieht 
aber Beispiele aus andern indogermanischen Sprachen heran, 
besonders deutsche nnd griechische. 

Es behandelt in bisher noch nicht versuchter Weise die 
syntaktischen Ausgleichungen und Angleichungen. 

Zu haben in allen Buchhandlungen. 


Bequeme Anschaffungsart! 

Sachs-Villatte 

grosses encyklopäd. Wörterbuch 4 AufL 

(Langenscheidt.) 

Band L Französ -deutsoh, geh. Halbfranz. M 32 
„ II. Deutsch-franzos. „ «42 

Bestes Wörterbnch — Monatsrate nnr 6 Mark 1 

Gegen Raten — komplett — Prospekt gratis! 


HOFBUCHHANDLUNG MEIDINGER. 

BERLIN. ZIMMERSTR. 94. 


Wir veröffentlichten nachstehende Kataloge über unser 
Antiquarisches Lager: 

Nr. 99. Aeltere und Neuere Englische Sprache nnd 
Literatur. 

„ 104. America und Australien. 

„ 106. Provenzalische nnd Altfranzösische Literatur. 
Anzeiger 318. Frankreich im Zeitalter Ludwig’s XIV. 

Frankfurt a/M. Jog^ ß aer & (JO. 


Digitized by LjOOQie 







165 


18S2. Literaturblatt für germanische and romanische Philologie. Nr". 4. 


166 


Abonnements-ffinladung. 

Binnen Kurzem beginnt zu erscheinen der dritte Band 
toh: 

Französische Studien. 

Herausgegeben von 

G. Körting und E. Kosohwits* 

Wiederholt geäusserte Wünsche haben Veranlassung ge¬ 
geben Ton dem bisherigen Gebrauch, mehrere Arbeiten in 
einem Hefte zu vereinigen, abzugehen, und jede derselben 
für sich auszugeben. Vorbehalten soll nur bleiben, dass 
etwa zusammen treffend« gleichartige Arbeiten, deren Umfang 
für ein selbständiges Heft zu gering wäre, auch in einem 
Heft vereinigt werden können. 

Zufolge dieser Aenderung werden künftig die Bände in 
eine grössere Anzahl von Heften eingetheilt sein als bisher, 
und werden diese letzteren in kürzeren Fristen ausgegeben 
werden, während daran festgehalten wird, dass im Laufe eines 
Jahres in der Kegel ein Band ausgegeben wird. 

Eine Aenderung an den Abonnementsbedingungen tritt 
nicht ein. Wie bisher werden die einen Band bildenden 
ca. 90 Bogen 

zum Abonnementspreis von M. 15.— 

geliefert, und wird je dasjenige Heft das Schlussheft eines 
Bandes bilden, mit welchem diese Bogenzahl .erreicht wird. 

Die Hefte werden nach wie vor zu verhältnissroässig 
erhöhtem Preise einzeln käuflich sein. 

Erschienen sind: • 

L Band. 1. Heft. (Einzelpreis M. 4.50.) Inhalt: 

Syntaktische Stadien über Voiture. Von W. List. 
Der Versbau bei Philippe Desportes and Francois 
de Maltierbe. Von P. Gröbedinkel. 

2. Heft. (Einzelpreis M. 6.40.) Inhalt: j 

Der Stil Crestien’s von Troies. Von R. Grosse. j 

3. Heft (Einzelpreis M. 7.20.) Inhalt: 

Poetik Alain Chartier’s. Von M. Hannappel. j 

Heber die Wortstellung bei Joinville. Von G. Marx. j 
Der Infinitiv mit der Präposition & im Altfran¬ 
zösischen bis zum Ende des 12. Jahrhunderts. Von 
H. Soltmann. 

Corneille’s M&iee in ihrem Verhältnisse zu den 
Medea-Tragödien des Euripides und des Seneca 
betrachtet, mit Berücksichtigung der Medeadich- 
tungen Glover’s, Klinger’s, Grillparzers und Le- 
gouvö’s. Von Th. H. C Heine. 

IL Band. (Preis M. 12.—.) Inhalt: 

Moliere’s Leben und Werke vom Standpunkte der 
heutigen Forschung. Von R. MahrenhoUz. 


Für den m. Band sind in Aussicht genommen: 

HL Band. 1. Heft. Ueber Metrum und Assonanz der 
Chanson de Geste „Amis et Amiles“. Von J. Schoppe. 

2. Heft. Die südwestlichen Dialecte der Langue 
d’oil* Poitou, Aunis, Saintonge und Angoumois. Von 
E. Gdrlich. 

3. Heft. Die Wortstellung in der altfranzösischen 
Dichtung „Aucassin und Nicolete“. Von J . Schliekum. 

4. Heft. Historische Entwickelung der syntak- , 
tischen Verhältnisse der Bedingungssätze im 
Altfranzösischen. Von J. Klapperich. 

6. Heft. Die Assonanzen im Girart von Rossillon. 
Von K. Mütter. 

6. Heft. Neu-Hengstett-Bursöt. Gesohichte u. Sprache 
einer Waldenserkolonie in Württemberg. Von A. 
Rosiger. 

7. Heft. Nivelle 4e la Chaussöe’s Leben nnd Werke. 
Ein Beitrag zur französischen Literaturgeschichte 
des 13. Jahrhunderts. Von J. üthoff. 

8. Heft. Die Wortstellung in den ältesten fran¬ 
zösischen Sprachdenkmalen. Von H. VUcker. 

Heiibrooo. Qebx. ^mnütger. i 


Soeben erscheint: 

Rumänische Märchen. 

Deutsch von 

Mite Kremnitz. 

20 Bogen in 8. eleg. br. M. 5.—, eieg. geb. M. 6.—. 

Von derselben Verfasserin erschienen früher im gleichen 
Verlage: 

Neue rumänische Skizzen. 

1881. in 8. eleg. br. M. 3.—, eleg. geb. M. 4.50. 


Rumänische Richtungen. 

Deutsch von 

Carmen Sylva. 

Herausgegeben und mit weiteren Beiträgen vermehrt von 

Mite Kremnitz. 

(Bd. IX der „Dichtungen des Auslandes*,) 

1881. in 12. eleg. br. M. 4.—, eleg. geb. M. 5.—. 

Leipzig. Wilhelm Friedrich, 

Verlagsbuchhandlung. 


Verlag von Oskar Leiner in Leipzig. 

Soeben verliess die Presse folgendes gangbare Lehr¬ 
buch in neuer vollständig umgearbeiteter Auflage: 

R£SüM£ 

DE 

L’HISTOIRE DE LA LITTERATURE 
FRANCAISE. 

A L’USAGE DES £COLES. 

Par H. Hecker. 

Quatriime idition 

ertäerement revue et consideräblement augmentie. 

7 Bog. 8°. carton. M. 1,25, brosoh. M. 1. 

Dies© vorzügliche französische Literaturgeschichte, 
welche von kundigster Hand bis auf die Jetztzeit ergänzt 
ist, nnd von der drei starke Auflagen bereits vergriffen 
sind, eignet sich nicht allein für Schulen, sondern auch 
zum Selbstunterricht. 


Verlag von Wilhelm Werther in Rostock. 

Briefe 

von 

I. fl. v. 3immetmann, IDieCaatf nnd ft. n. Hallet 

an 

Vincenj Hetnüncd o. ftfdiatnet. 

Herausgegeben von Dr. Richard Hamei. 

Preis 2 Mark. 


8oeben erschien bei Wilhelm Friedrich in Leipzig: 

Aus Hellas, Rom und Thule. 

Kultur- und Literaturbilder 

von 

Jos. Cal. Poestion. 

in-8. eleg. br. M. 4.—, eleg. geb. M. 5.—. 

Inhalt: Verfolgte Manen. — Blaustrümpfe im alten Rom. 
—• Die römische Sappho. — Ein altisländisches Dichterleben. 
— Berserker. — Eine altnordische Räthseldichtung. 


Digitized by kjOOQie 



167 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


168 


In allen Buchhandlungen vorräthig. 

Soeben erscheint in meinem Verlage: 

33er Tusker. 

Roman aus der Zeit des Kaisers Tiberius. 

Von 

Erich Lilsen. 

Mit einem Vorwort von Dr. Rudolf Kleinpanl. 

Zwei Bände in 8 . eleg. br M. 8 .—. 

„Der Tusker“ ist eine entschieden hervorragende 
Roman-Novität; massgebende Kritiker, denen die Aus¬ 
hängebogen Vorgelegen haben, änsserten sich auf das 
Günstigste über denselben. 

„Der Tusker“ liegt in jeder guten Leibibliothek 
und jedem feinen Lesezirkel aus. 

In einen eleganten Band gebunden M. 9 .— 

Wilhelm Friedrich in Leipzig. 


Perlog oon (Carl StrolVo SBoljn in jPien. 

Soeben erschien in zweiter, vollständig umgear¬ 
beiteter Auflage: 

Die tfeuffdiea #cauea ia dem lUffelaffer. 

Von 

Karl Weinhold, 

Professor an der Universität Breslau. 

Zwei Bände. 8 . Preis 13 M. 20 Pf. 


Verlag der G. GROTE’schen Verlagsbuchhandlung 
in Berlin: 

HELIAND. 

CHRISTI LEBEN UND LEHRE. 

Uebersetzt von K. SIMROCK. 

DRITTE AUFLAGE. 

Neue Ausgabe mit ca. 60 Ornamenten aus 
Handschriften des 9. Jahrhunderts. 

Broschirt 8 M. 

In reichem Prachtbande stylvoll gebunden 12 M. 

In der Simrock’schen Uebertragung der altsächsischen 
Evangelienharmonie ist Form und Geist des alten Originals 
lebendig. Diese neue Ausgabe ist in innerer und äusserer 
Erscheinung so gestaltet worden, dass in ihr ein Anklang 
zu finden ist an die Zeit der Entstehung des Heliand durch 
Nachahmung der Art und Weise, wie im 9 . Jahrhundert 
werthgehaltene Manuscripte mit Ornamenten reizvoll ge¬ 
schmückt wurden. Allen Verehrern des erhabenen dich¬ 
terischen Stoffes, den Freunden unserer alten Litteratur und 
Liebhabern stylgerechter Ausstattung sei das Buch hiermit 
empfohlen. 


1832-1882 

des 

Magazin für die Literatur des In- und 
Auslandes 

100 Bände oder 50 Jahrgänge 

sind zum herabgesetzten Preise von Mark 150.— za beziehen 
von der Verlagshandlung Wilhelm Friedricb in Leipzig. 


In der Abenbeim’schen Verlagsbuchhandlung (G. Joöl) 
in Berlin erschien: 

Neue Beiträge 

zur 

Deutschen Synonymik 

von 

Dan. Sanders. 

8 °. Geheftet. Preis 4 Mark. 

Der Verfasser sagt von seiner neuesten Arbeit n. A im 
Vorworte : 

Diese „neuen Beiträge zur deutschen Synonymik* 
schliessen sioh in Allem ganz genau an mein soeben in 
zweiter Auflage erscheinendes „Wörterbuch deutscher Syno¬ 
nymen*, in dessen Vorwort ich schon bei der ersten Auflage 
diese Fortsetzung als künftig erscheinend nngekündigt. 

Auch in diesem Buche, das über 800 synonymische Aus¬ 
drücke behandelt, habe ich absichtlich wiederum nur solche 
aufgenommen, die in den bisherigen Werken entweder gar 
nicht oder meinem Urtheil nach nicht richtig oder sonst 
doch wenigstens nicht erschöpfend behandelt sind. 


Im Druck und Verlag von F. Schulthess in Zürich 
sind soeben erschienen und in allen Buchhandlungen zn 
haben: 

$Sti)tis(Srd)riibürg, Jj. Elementarbuch der englischen 
Sprache. 4. Aufl. 8°. br. M. 2. — 

Sirrittngrr, fj. Elementarbuch der französischen 
Sprache. Erstes Heft. 8°. br. M. 1 . 20 

--Italienische Briefe. Zum Rückübersetzen aus 

dem Deutschen ins Italienische. 8°. br. M. 2. — 
fjfirn, Sopljic. Elementarbuch der italienischen 
Sprache. 8°. br. M. 3. 60 

ÄtfUi, u. (f. Französische Chrestomathie. Erster 
Theil. Neu bearbeitet von A. Hank, Prof, an 
der zürch. Kantonsschule. 8°. br. M. 2. 40 

Verlag von GEBR. HENN1NGER in Heilbronn. 

Unter der Presse: 

Englische Studien. 

Organ für englische Philologie unter Mit- 
berüoksichtigung des englischen Unterrichtes auf 
höheren Schulen. 

Hör ausgegeben von 

Dr. EUGEN KOLBING, 

ao. Professor der engl. Philologie an der Universität Breslau. 

V. Band. 2. Heft (Schluss). 

BARBOUR’S 

des schottischen Nationaldichters 

LEGENDENSAMMLUNG 

nebst den 

Fragmenten seines Trojanerkriegs. 

Zum ersten Mal kritisch herausgegeben 
von 

C. Horstmann. 

Zweiter Theil. 


Verantwortlicher Redacteur Prof. Dr. Fritz Neumann in Heidelberg. — Druck von G. Otto in Darmstadt. 


Digitized by L.OOQie 





Literaturblatt 


für 


germanische ^ romanische Philologie. 

Unter Mitwirkung von Professor Dr. Earl Bartsch herausgegeben von 

Dr. Otto Behaghel und Dr. Fritz Nenmann 

ao. Professor der germanischen Philologie so. Professor der romanischen Philologie 

* an der Universität Heidelberg. an der Universität Freiburg. 

Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

Erscheint monatlich. Preis halbjährlich M. 6. 

HI. Jahrg. Nr. 5. Mai. 1882. 


Spaealnm regale. Bin altnorw. Dialog hreg. 
▼on O. Brennar (Larsson). 

Hornemann. Aus?e wählte Gedichte Walthere 
v. d. Vogelweide (Pietech). 

Pi rin. Untersuch äugen Ober die sog. jüngere t 
Jodith (V o g t). 

V&lnker, Register su Wendelin von Maltsahne 
deotschem Bücherecbats (M u n c k e r). 

Lohmevar, Beiträge sur Etymologie deuteeber 1 
Flnsaoamen (J e 11 i n g h a u sj. 


Jabrbuoh des Vereins für niederdeutsche Sprach¬ 
forschung (Sprenger). 

Ludtke, The Erl of Tolous and the Emperes of 
Almavn, eine engl. Romanse (Wi^mann). 

Recueil de moteti fran^ais des XU* et 
XIII« siäcles p. p. G. Raynaud (M u • e a f i a). 

P r 5 1 ss, Das neuere Drama in Frankreich (Mah- ' 
reoholts). 

Oeuvres complätes de Moliäre collat. p. 
Louis Holend (Knörich). i 


Morel-Fatio, Calderon. Revue eritique des 
travaux d’är udition publ. en Espagne etc. (B a i s t). 

Ribeiro, Gramroatica portuguexa (Reinhard- 
etoettner) 

Bibliographie. * 

Literarische M i tt h ei 1 u n ge n, Personal¬ 
nachrichten etc. 

Erklärungen (W. Foerster. O. Behaghel). 

Germanistische und romanietische Vorlesungen im 
Sommerseroester 1882 1. 


Speculnm regale. Ein altnorwegiscber Dialog I 
nach Cod. Arnamagn. 243 fol. B und den ältesten 
Fragmenten hrsg. von Dr. Oscar Brenner. 
München, Kaiser. 1881. XVI, 212 S. gr. 8. M. 5.^ 

Vor einigen Monaten erschien eine durch Dr. 
Oscar Brenner zu München besorgte neue Ausgabe 
der bekannten norwegischen Schrift S p e c u 1 u m 
regale, welche sich rücksichtlich der Textbehand¬ 
lung von ihren beiden Vorgängern vorteilhaft, unter¬ 
scheidet ln dieser Ausgabe hat Dr. B. die Hand¬ 
schriften des «Spec. reg., als zwei verschiedene Re- 
censionen überliefernd, in die Gruppen A und B 
geschieden, und das vorliegende Buch will einerseits 
zusammenfassen, was vom Spec. reg. in der ur¬ 
sprünglichen altnorwegischen Gestalt erhalten ist, 
anderseits aber die eine der beiden Recensionen, 
B, als abgeschlossene Einheit darstellen. Da aber 
die altnorwegische Hs. Cod. Arnamagn. 243 fol. B 
das Spec. reg. in der Recension B beinahe voll¬ 
ständig enthält und nur drei kleinere Bruchstücke 
der Recension A in altnorwegischer Sprache erhalten 
sind, muss die Wiedergabe dieser Hs. als der Haupt¬ 
gegenstand der vorliegenden Ausgabe* betrachtet 
werden. 

Diese Hs. hat nun der Hrsg, wortgetreu ab¬ 
gedruckt; offenbare Versehen sind unter Angabe 
der handschriftlichen Lesart gebessert und die Ab¬ 
kürzungen aufgelöst worden. Leider sind aber die 
Auflösungen nicht durch besonderen Druck her¬ 
vorgehoben worden, und dieses muss als der 
hauptsächlichste Mangel des Buches betrachtet 
werden, denn eine Ausgabe wie die vorliegende, 
von welcher der Hrsg, in der Vorrede sagt, dass 
sie vor allem sprachliches Interesse hat, muss aufs 


sorgfältigste unterscheiden, was sich in der Hs. aus¬ 
geschrieben findet oder nur durch Abkürzungen 
bezeichnet ist, und, weil in dieser Hs. Abkürzungen 
nur selten Vorkommen, hätte der bemerkte Uebel- 
stand ohne grosse Mühe vermieden werden können. 
Der Hrsg, behauptet freilich in der Einleitung, dass 
sich alle Abkürzungen mit Sicherheit auflösen lassen, 
aber dieses kann ich nicht einräumen: man kann 
z. B. nicht ohne weiteres behaupten, dass in den 
Endsilben immer er aufzulösen ist, denn ir findet 
sich in dieser Stellung ausserordentlich häufig aus¬ 
geschrieben. Der Hrsg, ist in dieser Hinsicht nicht 
völlig consequent: S. 47 Z. 12 löst er z. B. peeir, 
aber auf derselben Seite Z. 18 ßeirra auf. Der 
Hrsg, hat keine glückliche Wahl getroffen, als er 
w zum Vertreter des angelsächsischen v der Hs. 
wählte, denn einestheils erhält der gedruckte Text 
durch die unaufhörlich wiederkehrenden w ein in 
hohem Grade fremdes Aussehen, anderseits kommt 
w in eben dieser Gestalt in alten Hss. (z. B. im 
Stockh. Homiliub.) vor. Mit Hinsicht auf die *, 
* und ?£, fi der Hs. wäre es meines Erachtens besser 
gewesen, für diese Buchstaben besondere Typen her- 
stellen zu lassen und sie der Hs. genau nachzubilden. 
Es ist eine kleine Ungenauigkeit, dass der Hrsg, 
die beiden Formen des 8 (/* und $), welche in der 
Hs. Vorkommen, nicht im Drucke unterschieden hat; 
dies wäre um so mehr zu wünschen gewesen, als 
das 8 nur in gewissen Stellungen (als Genitivendung, 
in sva und ser und im Anfang der Wörter) vorzu¬ 
kommen scheint. 

Es wäre sehr zweckmässig gewesen, wenn der 
Hrsg, überall angegeben hätte, wo sich Rasuren in 
der Hs. finden, besonders da, wo einige von den 
ausgekratzten Buchstaben noch leserlich sind; es 

12 


Digitized by 


Google 












171 


1882. Literaturblatt ffir germanische und romanische Philologie. Nr. 5. 


172 


findet sich z. B. S. 97 Z. 4 nach dem ersten pec, 
mit welchem eine Zeile in der Hs. schliesst, eine 
Rasur, wo von den Buchstaben, welche einst da 
gestanden haben, es noch gelesen werden können; 
der Schreiber hatte wahrscheinlich beim Ueber- 
gange zu der folgenden Zeile das Wort nerri zwei¬ 
mal geschrieben und dann an der ersten Stelle 
ausgekratzt. Weil aber beim Uebergange von einer 
Zeile zu der folgenden solche fehlerhafte Wieder¬ 
holungen oder Auslassungen nicht selten Vorkommen, 
ist es nur zu loben, dass die Zeilenschlüsse durch 
einen vertikalen Strich bezeichnet worden sind. 

Da der Hrsg, eine spätere Ausgabe verspricht, 
wo er selbstverständlich die Mängel der vorliegen¬ 
den berichtigen wird, führe ich hier die Fehler oder 
Ungenauigkeiten an, welche ich bei der Vergleichung 
einiger Seiten der gedruckten Ausgabe mit der Hs. 

efunden habe: S. 45 Z. 33 scrimsl lies skrimsl ; 

. 47 Z. 3 skrimsl 1. skrims ; S. 48 Z. 8 peessar 1. 
Pcesser ; S. 48 Z. 9: die Hs. hat kyitrer, nicht ky*er, 
wie in der Note 3 steht; S. 48 Z. 16 eywitar 1. 
ewwüar\ S. 48 Z. 32 zu ceUigar hätte bemerkt werden 
können, dass die Hs. ceUig r hat; S. 94 Z. 8 weerda 
1. woera\ die Hs. hat einen Punkt unter dem d. Im 
übrigen 'bemerke ich, dass, soweit ich mich davon 
habe überzeugen können, sowohl die Schreibweise 
als die Sprachformen der Hs. mit grosser Treue im 
Abdrucke wiedergegeben sind. 

Die vorstehenden Bemerkungen zeigen wohl, 
dass man Manches anders hätte wünschen können, 
verringern aber keineswegs die grossen Verdienste 
der vorliegenden Schrift, welche, wenn sie auch 
den strengen Forderungen, die man heutzutage an 
die diplomatische Wiedergabe (und eine solche will 
diese nicht sein) einer Hs. stellt, nicht völlig genügt, 
als eine vortreffliche Ausgabe des wichtigen Speculum 
regale jedem Freunde der altnorwegischen Literatur 
und Sprache willkommen sein muss. 

Lund, 7. Febr. 1882. Ludwig Larsson. 


Ausgewählte Gedichte Walthers von der 
Vogelweide nebst einigen Proben aus der älte- I 
sten deutschen Literatur in Uebersetzung. Zu- | 
sammengestellt von F. Home mann. Hannover, i 
Helwingsche Verlagsbuchhandlung. 1881. VIII, 
82 S. M. 0,75. 

Eine Auswahl von Gedichten Walthers, der 
— eine sonderbare und nicht allzu geschmack¬ 
volle Kombination — das Wessobrunner Gebet, ein 
Stück des Muspilli, das Hildebrandslied, das Lud¬ 
wigslied und ein kurzes Stück aus dem Heliand in 
Uebersetzung vorangeschickt ist. Ob und wie weit 
Hornemann von andern Uebersetzern dieser Ge¬ 
dichte abhängig, habe ich nicht nachgeprüft, sehr 
bedenklich ist, dass im Lid.: ‘ heizsit her Hluduig' 
durch 'heisset Herr Ludwig* gegeben wird. Zu¬ 
weilen macht sich Q. auch selbst etwas zurecht 
vgl. Lid. 15: Wer damals war ein Dieb, Nun ward 
ihm andres lieb = Ther ther thanne thiob was Inder ! 
thanana ginas. Wenn Hlbrld. 4 sunufatarungos 1 
durch ‘die helden beide* gegeben wird, so ist da¬ 
mit das Hauptmoment verdunkelt. 

Der Text der mitgetheilten Gedichte Walthers 


schliesst sich im wesentlichen an Bartschs Schul¬ 
ausgabe an. Dagegen ist eine selbständige Anordnung 
versucht. Es werden folgende Gruppen gebildet: 

A. Walthers erster Aufenthalt in Oesterreich (bis 
1198 oder 99). Vorangestellt sind die beiden 
Strophen auf Reinmars Tod, die doch gewiss nicht 
mehr in diese erste Periode gehören und von H. 
selbst ganz richtig als vor 1220 gedichtet bezeich¬ 
net werden. Sollte einmal chronologisch geordnet 
werden, so durften diese Strophen hier nicht stehen. 
Dann folgen Minnelieder und zwar nach mehreren 
der sog. niederen Minne* mehrere der ‘hohen Minne*. 
Den durchaus gelungenen Nachweis Burdachs, dass 
jene ersteren nicht Jugendprodukte, sondern Er¬ 
zeugnisse einer gereiften Kunst sind, konnte H. 
noch nicht kennen, doch musste er deutlicher her¬ 
vorheben, dass, wenngleich ein guter Theil der 
Minnelieder wahrscheinlich in diese Zeit gehört und 
darum die ganze Minnepoesie W.’s am passendsten 
an dieser Stelle in den Rahmen seines Lebens ein¬ 
gefügt wird, viele doch sicher in eine spätere Zeit 
gehören. Von Sprüchen werden noch in diese 
Periode gesetzt Lachm. 8, 4; 22, 3; 21, 25; 22, 
18; 21, 10; 24, 3; 25, 11; 8, 27; 18, 29; 20, 31; 
24, 18. Das ist für 18, 29 sicher falsch; mag man 
diesen Spruch auf Philipps Krönung 1198 oder das 
Weihnachtsfest 1199 beziehen, soviel bleibt sicher, 
dass Walther so nur sprechen konnte,. wenn er 
Philipp bereits ‘ ander kröne gesehen hatte. Es folgt: 

B. Wanderzeit Dienstverhältniss zu verschiedenen 
Fürsten. Wahrscheinlich bis 1215. I. W. am Hofe 

| Philipps 1199 bis spätestens 1208. — II. W. im 

[ Gefolge des Landgrafen Hermann v. Thüringen. 
Von spätestens 1208 bis spätestens 1211. — III. W. 
im Dienste des Margrafen Dietrich v. Meissen. Von 
spätestens 1211 bis 1212 (oder 1213P) — IV. W. 
am Hofe Ottos IV. Spätestens 1213 bis 1214 oder 
1215. — V. Uebergang von Otto IV. zu Friedrich H. 
und Belehnung W.’s (1215?) — C. Die Zeit der 
eignen Ansässigkeit W.’s. Sein Alter. L W.’s Ver¬ 
kehr mit einigen süddeutschen Fürsten, a) mit Her¬ 
zog Bernhard v. Kärnten, b) mit Herzog Leopold 
v. Oesterreich. — II. W.'s Verhältniss zu dem jungen 
Könige Heinrich. (Von 1220 bis etwa 1224 wahr¬ 
scheinlich als Erzieher). — III. WVs Stimmung im 
Alter und seine Theilnahme an der Kreuzzugsbe¬ 
wegung. — Auf einzelnes kann hier nicht weiter 
eingegangen werden. 

H. hat nirgends gesagt, für welches Publikum 
er seine Auswahl bestimmt hat; wissenschaftliche 
Zwecke kann er doch auch mit seiner Gruppirung, 
die iin wesentlichen keine neuen Gesichtspunkte 
bietet, nicht im Auge gehabt haben. Soll es nun 
eine Auswahl sein für die Gebildeten oder für die 
Schüler? In beiden Fällen wäre doch etwas mehr 
für die Erklärung des einzelnen zu thun gewesen. 
Das beigegebene Glossar leistet für die sachliche 
Erklärung nur wenig. Sonst darf es im allgemeinen 
als geeignet bezeichnet werden, das Verständniss 
der mitgetheilten Gedichte zu vermitteln. Zu bil¬ 
ligen ist der verständige Grundsatz, von den noch 
heute üblichen Worten nur die aufzunehmen, deren 
Bedeutung sich geändert hat; es wird so der un¬ 
nütze Ballast vermieden, der z. B. das Glossar zu 
der Schulausgabe der Gedichte Walthers v. B. Schulz 


Digitized by 


Google 


173 


1882. Literatur bl Alt für germanische und romanische Philologie. Nr. 5. 


174 


beschwert. Manches möchte man genauer wünschen: 
'Icempfe , Kampfer im gerichtlichen Zweikampf*. Da¬ 
durch wird der Sinn von 20, 12 nicht klar; ge¬ 
werbsmässiger Fechter, Kunstfechter, hätte gesagt 
werden müssen. — ‘küneginne: Prinzessin, Königs¬ 
tochter. Das ist für Walther falsch, küneginne 
nennt Walther mehrfach die Jungfrau Maria; 118, 
29 die Geliebte; 19, 12 meint es Philipps Gemahlin; 
in 'einer k . gotf 50. 12 liegt doch gewiss keine Ver¬ 
anlassung vor, k. als Prinzessin zu nehmen. Ueber- 
haupt ist küttec, küneginne = Prinz, Prinzessin nur 
aus epischen Gedichten nachweisbar. — 'kein, gekürzt 
aus dehein ist so nicht verständlich. — 'leie pl. 
antikirchliche Partei (Gegs. pfaffen)*, wohl im Hin¬ 
blick auf 9, 25. Es müsste wenigstens anti¬ 
päpstlich* heissen; auf 12, 32 aber passt die Ueber- 
setzung gar nicht. — Woher weiss H., dass Toberlü 
ein ‘berühmtes* Cisterzienserkloster war? 

Kiel, 19. Juli 1881. Paul Pietsch. 


Pirig, Jos., Untersuchungen über die so¬ 
genannte jüngere Judith, mittelhochdeutsches 
Gedicht der Uebergangsperiode. Inaugural-Diss. 
zur Erlangung der Doetorwürde bei der philos. 
Fakultät der Universität Bonn. Bonn, Nolte in 
Comm. 1881. 

In sorgfältiger und besonnener Untersuchung 
handelt Verf. 1. über die Vorlage des Gedichtes. 
Es ergibt sich, dass der Dichter sich im allgemeinen 
genau der Vulgata anschliesst; einige auffälllige 
Abweichungen von derselben gehen auf die Itala 
zurück, so dass er also einen hie und da durch die 
Itala beeinflussten Vulgatatext benutzt haben muss; 
für die Erklärung einiger Fälle, in welchen das 
Gedicht weder mit der Itala noch mit dem Vulgata¬ 
texte der editio Clementina genau übereinstimmt, 
hatten die Lesarten des cod. Amiatinus herangezogen 
werden können, welche Heyse und Tischendorf in 
der Biblia sacra latina vet. fest. Hieronymo inter- 
prete Lipsiae 1873 mittheilen; die Namensformen 
Meluth und Bagao, nach welchen Pirig S. 12 sucht, 
finden sich dort S. 504. 512. Was nun 2. das 
Verhältnis« des Gedichtes zu dieser Vorlage betrifft, 
so zeigen sich neben sonst strengem Anschluss an 
den Wortlaut der Bibel doch auch so manche 
Kürzungen, Umänderungen und Zusätze. Nicht 
überall hat der Dichter Glück mit diesen selbstän¬ 
digen Versuchen; am meisten muthet es uns an, wenn 
er den biblischen Stoff in die Verhältnisse des 
eigenen Zeitalters übersetzt, und wenn er durch die 
ausführlichere Darstellung kriegerischer Scenen dem 
Geschmack seiner Zuhörer Rechnung zu tragen 
sucht; freilich erhebt er sich dabei nicht zu wirk¬ 
licher Production, er bewegt sich im Kreise über¬ 
lieferter Formeln. Vornehmlich auB der Kaiser¬ 
chronik, dem Roland, dem Alexander und der Spiel¬ 
mannspoesie weist Pirig eine ganze Reihe bestimmter 
Wendungen und Reime nach, die auch in der Judith 
formelhaft wiederkehren. Verf. liefert damit einen 
Beitrag zur Geschichte des epischen Stiles, wie er 
von jeder Specialuntersuchung verwandter Dich¬ 
tungen zu wünschen wäre. — Der 3. Abschnitt 
enthält Nachweise von Interpolationen und dankens- 


werthe Ergänzungen von Lücken der Hs., der 4. 
eine Charakteristik des Versbaues und eine wohl- 
geordnete Reimübersicht. Unrichtig wird in der 
Zusammenstellung der rührenden Reime (S. 75) das 
Reimwort auf libe 172, 25 mit W. Grimm entlibe 
geschrieben, es ist die 2. Pers. Prät., hat also 
kurzes i und war S. 74 bei der Besprechung der 
zweisilbigen Reime mit gestörter Quantität anzu¬ 
führen. Unter den Stellen, welche dem Bibeltexte 
nicht entsprechen, hätten die reimlosen Verse daz 
sach ich iu entriwen ; von durste habeten du vü sere 
den tot 152, 11 ff. (vgl. Vulgata VII, 7) nicht über¬ 
gangen werden sollen. 

Greifswald, 5. Jan. 1882. Friedr. Vogt. 


VS Ick er, Georg, Register zu Wendelin von 
Maltzahns deutschem Bücherschatz des 16., 

17. und 18. bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts. 

Frankfurt a. M., K. Th. Völckers Verlag. 1882. 

IV, 55 S. 8°. 

Maltzahns „deutscher Bücherschatz*, ein sorg¬ 
fältiger Katalog seiner reichen Bibliothek, (Jena 
1875) ist bei unserm Mangel an zuverlässigen biblio¬ 
graphischen Werken für den Literarhistoriker jeder¬ 
zeit ein brauchbares, in gewissen Fällen fast ein 
unentbehrliches Handbuch. Aber die eigentüm¬ 
liche Anordnung des Stoffes halb nach chronologi¬ 
schen Rücksichten, halb nach Gattungen der Lite¬ 
ratur hat die Benutzung des Werkes bisher unend¬ 
lich erschwert, oft ganz unmöglich gemacht, da 
Maltzahn sein Versprechen, ein Register nachfolgen 
zu lassen, nicht erfüllt hat. Völcker hat sich nun¬ 
mehr dieser Mühe unterzogen und damit einem sehr 
fühlbaren Mangel abgeholfen. Dafür gebührt ihm 
ungeteilter Dank. Seine Zahlangaben sind, so 
viel ich verglichen habe, immer zuverlässig: ich 
habe keine einzige unrichtige Ziffer gefunden. Nicht 
ganz so fehlerfrei ist seine Unterscheidung zwischen 
den wirklichen Namen der Autoren und den Pseu¬ 
donymen. Naogeoorus z. B. ist so wenig ein Pseu¬ 
donym als etwa Agricola, beides nur Übersetzung 
des deutschen Namens in’s Lateinische oder Grie¬ 
chische; dagegen dürfte eher Abraham a Santa 
Clara als Pseudonym bezeichnet sein. Schlimmer 
ist ein anderer Umstand. Das Register enthält 
einzelne Namen gar nicht, welche im „Bücherschatz* 
sich finden, andere unvollständig. So vermisse ich 
z. B. ganz Prehauser (Bücherschatz, III, 2202), 
Heinrich Voss (III, 743, 167Q; von Völcker mit 
dem Vater Johann Heinrich Voss verwechselt), 
Sulzer (III, 288) u. a. Ungenügend sind die An¬ 
gaben besonders bei biographischen Arbeiten, welche 
zwei Schriftsteller zugleich besprechen, und bei 
Briefwechseln. Hier ist sehr oft nur Ein Name im 
Register genannt. So fehlt z. B. bei Klopstock der 
Verweis auf III, 1440 und III, 1494, bei Gleim auf 
III, 1283, bei Bodmer und Gessner auf III, 288, 
bei Moses Mendelsohn und Reiske auf III, 1280, 
bei Goethe auf III, 1657, 1670, 1681 etc. Völcker 
bemerkt allerdings selbst, dass seine Arbeit auf ge¬ 
naue Befolgung streng bibliographischer Vorschriften 
keinen Anspruch macht. Jedenfalls hat er in so 
fern Recht, dass sein Verzeichniss im wesentlichen, 


Digitized by 


Google 




175 


1882. Literaturblatt fGr germanische und romanische Philologie. Kr. 5. 


176 


wenn auch nicht in allen Einzelheiten seinen Zweck 
erfüllt. Die Kürze in den Titelangaben und die 
Wahl von Antiqua für den Druck ist nur zu bil¬ 
ligen. 

München, 4. März 1882. Franz Muncker. 


Lohmeyer, Th., Beiträge zur Etymologie 
deutscher Flussnamen. Göttingen, Vanden- 
hoek & Ruprecht. 1881. 126 S. 8. 

Der Verfasser, welcher zuerst im 63. Bande 
von Herrigs Archiv einen Aufsatz über westfalische 
Flussnamen veröffentlichte, bespricht in dieser aus 
sechs Theilen bestehenden Schrift eine Anzahl 
Flussnamen aus allen Gegenden Deutschlands. 

I. Die Wurzel an in dem ersten Bestandtheile 
der Flussnamen Anara, Anatrafa, Ahne, Ennepe, 
Unstrut, Unsinn, Untreu, One, Ihna, Eine, Ehn, 
Judrista, Juda. 

Wenn es zum Beginn heisst: „Wie die ganze 
unendliche Reihe von mythischen Sagen sich im 
allgemeinen auf verhältnissmässig wenige Natur¬ 
erscheinungen zurückführen lässt, so treten auch 
innerhalb der deutschen Flussnamen besonders einige 
Vorstellungen ungemein häufig als Motiv der Namen¬ 
gebung hervor“, so werden die meisten Leser dem 
Vordersätze wohl mit ebenso grossem Misstrauen 
begegnen, als sie geneigt sind, sich den Nachsatz 
durch diese Schrift bestätigen zu lassen. „An be¬ 
deutet hauchen und diese Bedeutung hat sich zu 
der naheliegenden sich rasch bewegen ent¬ 
wickelt“. Den verschiedenen Vokal in Anara, One, 
Unstrut erklärt sich der Verf. in der vielen Namen¬ 
forschem gemeinsamen tmbekümmerten Weise. „Die 
Formen mit o, bez. u neben denen mit a erklären 
sich ebenso, wie Alapa neben Olaffa und Ulfa und 
Olpe, wie Sulzaha neben Salzaha, wie Ulmecke 
neben Almecke tf . Es mag wahrscheinlich sein, dass 
das Enn und Inn in den Flussnamen Ennepe und 
Innerste gleiche Bedeutung hat. Wissen könnten 
wir das doch nur, wenn wir mit der Mundart des 
namengebenden Stammes, wie sie zur Zeit der Be¬ 
nennung war, einigermassen bekannt wären. Dass 
„ein grosser Theil der pommerschen Flussnamen 
bloss slavisch umgeformt ist“ ist eine Vermuthung, 
welche nur im Munde eines slavischen Philologen 
Gewicht haben dürfte. 

Der 2. Abschnitt behandelt „die mit -antia bez. 
-anza, -enza zusammengesetzten Flussnamen*. Das 
Sol- in Solanza ist derselbe Stamm, welcher in 
Sola \md in Suhla erscheint, zusammenhängend mit 
einem thematischen sar und $al gehen, eilen, strömen. 
Es hätten noch hinzugefügt werden können: Saer¬ 
beck bei Greven, Rgb. Münster (um 1178 Sorbeke ). 
Im Kirchspiel Lastrup Amt Löningen wird im 10. 
Jh. die Bauerschaft Sala jetzt Suhle erwähnt. Eine 
Sulbike jetzt Sülbeck fliesst bei Kirchhorsten in Lippe- 
Schaumburg, eine Sulla wird 1204 in der Nähe von 
Obernkirchen erwähnt. War - in Warinza wird auf 
die Wurzel reissen, raffen zurückgeführt. Die War- 
manon jetzt Aue , welche von Förstemann besprochen 
wird, ist nicht die in die Else (Werre, Weser) 
fliessende, sondern ein Bach im Hoya’schen. Es 
hätte hier noch die bei J. Möser vorkornmende 
Wernapi (wo?) erwähnt werden können. 


Zu den auf S. 28 und S. 360 der Abhandlung 
in Herrigs Archiv besprochenen Flussnamen mit 
dem Bestimmungsworte al (eilen, treiben) hätten 
noch einige hübsche westfalische Bachnamen hinzn- 
gefugt werden können. Die Alver . ein Bach im 
Schaumburgischen (Mooyer. Schaumburg S. 51), die 
Elve, ein Bach bei Rinteln, die Alfesbecke bei Vlotho 
erwähnt im Jahr 1266 (Aspern, Schaumburg 218), 
AUerbeck bei Langenberg Kr. Wiedenbrück. 

Wenn anlässlich Radantia auch (S. 33) die 
Nord- und Südradde am Hümling durch rade = 
schnell erklärt wird, so ist das unrichtig. Nieber- 
ding in seiner Geschichte des Niederstifts Münster 
bemerkt, dass man dort unter Rodde einen Bach 
verstehe, dessen Ufer sumpfig sind. S. 37 ff. wird 
anlässlich der Orcana j Örke (Eder, Fulda) und 
der Orc-unt-rura j. Urft (Roer, Maas) auch die 
Ruhr und Roer besprochen. Näher als as. hrörian, 
rühren hätte doch altes *hriusan , neuwestf. räiren 
= rieseln gelegen. Es könnten herangezogen werden: 
der Riesebach bei Frotheim, nördl. Lübbeke, Riesen¬ 
beck bei Ibbenbüren, die Riesau bei Ankum, die 
Kalkriese bei Bramsche, die hrisal (Riesel) jetzt 
Driburger Aa, welche im J. 916 erwähnt wird. 

Der S. 40 erwähnte häufige sauerländische 
Name Bremeke wird viel passender als von brehen 
= glänzen und briman = rauschen von dem be¬ 
kannten sächsischen Worte brim — Rand abgeleitet, 
welches auch den drei Orten Bremen seinen Namen 
gegeben hat. Das Dorf Kleinbremen bei Minden 
heisst im Mittelalter to den luttcken Bremen . Das 
e ist as. X oder a, wie sich aus der neuwestfalischen 
Aussprache Briamen ergibt. 

II. „Laisa und listan bez. laisti , laista als Be¬ 
stimmungswort in deutschen Flussnamen kommen 
von dem urgermanischen Verbum lisan, lais fahren. 
Das las- lis- liest- in Flussnamen erklärt sich 
als Berges wand, Abhang“. Das Wort de List == 
Anhöhe ist nicht bloss hochdeutsch, sondern kommt 
auch in Niederdeutschland häufig vor: die List bei 
Schale, Rgbz. Münster, die Henxlist bei Burgholz¬ 
hausen, Wangelist bei Hameln, die List bei Hannover. 
Das i ist in allen diesen Namen kurz. Für die 
Form mit langem i hätte sich der Liesner , ein Wald 
bei Ahaus anführen lassen. 

IV. Der Begriff des Tönens, Rauschens in den 
mit 6ow-, kal- und kar-, han - und lap- zusammen¬ 
gesetzten Flussnamen. 

„Ban in Namen wie Banfe (Waldeck), Bunaha 
j. Baune, südwestlich Kassel enthält den Begriff 
des Tönens, Rauschens“. Wenig glücklich wird 
auch die holsteinsche Pinnau und die slavische 
Peene angezogen. „Kal in Flussnamen soll schwatzen, 
tönen bedeuten*. Es erscheint doch viel wahr¬ 
scheinlicher, dass die zahlreichen zu dieser Wurzel 
gerechneten Namen auf S. 66—68 wie Kyll, Kalle, 
Keilwasser ein altes Wort für Quelle, Quellbach 
darstellen. So hiess im 14. Jh. ein aus kleinen 
Sumpfquellen sich bildendes, in den Kiel (die Kieler 
Bucht] sich ergiessendes Bächlein von kaum halb¬ 
stündiger Länge de Kyll . 

Bei der Quarmbeck (Lachte, Aller) auf S. 69 
läge doch auch näher als der Stamm kar = rauschen 
die Deutung „Mühlbach*, von quäm Handmühle, 
indem im Volksmunde auch für die eingeführte 


Digitized by 


Google 



177 


178 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 5. 


Wassermühle (moto) hie und da das einheimische 
Wort beibehalten wurde. 

Han - in die Hanf (Sieg), Honnef um 1100 
Hunefa (Siebengebirge), und Hanne (Ruhr) bedeutet 
tönen, klingen. Für das Bestimmungswort lap con- 
struirt Verf. eine germanische Wurzel lab = tönen. 
Warum kann die Wurzel lap = hängen nicht in 
Betracht kommen, wie Verf. S. 76 behauptet? Warum 
soll Lippe nicht heissen, was es noch im 17. Jh. in 
den Niederlanden hiess: „Bachesrand“. Auf diese 
Bedeutung des Namens weist auch „die schmale 
Lippe“ bei Lippspringe. — Eine Anmerkung auf 
S. 82 nimmt an, dass die zahlreichen Bäche, die 
Bever heissen, diesen Namen vom Biber trügen. 
Nach der Beschaffenheit des Bodens, durch welche 
die münsterische Bever ihren ersten Lauf nimmt, 
liegt Zusammenhang mit biawem = beben, schwanken 
(bes. vom Moorgrunde gebraucht) näher. Auch 
könnte man mit Rücksicht auf die Farbe des Wassers 
an das Wort denken, welches in westf. baiwer = 
Blaubeere erscheint. Dies baiwer entstand aus hal¬ 
bere, wie älwer, Erdbeere aus ärlbere. Das bat könnte 
blauschwarz bedeuten oder auch ganz das französ. 
baie, Beere sein. 

V. Der Begriff des Glänzens in den Fluss¬ 
namen Neckar, Neger, Nagold und der des Dun¬ 
keln in den Flussnamen Regen, Rega u. s. w. 

n Nic-ar (Neckar) heisst glänzender Fluss. Zu 
dem Stamme nag, unverschoben (warum?) nah ge¬ 
hört auch Nagatta j. Nagold (Enz, Neckar) und der 
oberdeutsche Nagelbach“. 

Hier hätte sich auch noch der bei Steinheim 
in Westfalen fliessende Nahlbach heranziehen lassen. 
Das Grundwort von Nag-aÜa findet Verf. im sskr. 
ard, wallen, strömen. Ohne zahlreiche Belege für 
die Existenz dieses *ard,*ald aus den zugehörigen 
germanischen Dialekten wird diese Etymologie wohl 
keine Anerkennung finden. Ueberzeugend ist da¬ 
gegen die Zusammenstellung der Naa-alta, der 
AUenaue, der westfalischen Altena und der Mte 
(Horsel) für die Existenz desselben Stammes im 
holsteinischen und westfälischen Stadtnamen Altona, 
Altena. Regen mit seiner sprachlichen Sippe be¬ 
deutet „dunkler Fluss“ (sskr. rajas = Dunkel). 

Die Arpe (Wenne, Ruhr), Erpe (Twiste, Diemel), 
Erfa (Main) stellen sich zu ags. earp, ahd. erpf 
= fuscus. Dies ist ansprechend. Vielleicht erklärt 
dasselbe Wort auch den häufigen holsteinischen, 
im Mittelalter auch westfal. Personennamen Arp . 

VI. Moina — ein deutsches Grundwort für 
Fluss. Moina, mona, moune, mune, mana, mina, 
mena sind identisch. In Moina ist der Stamm mad, 
urspr. wallen bedeutend, enthalten. Wüsste man 
nur, nach welchem Gesetze jeglicher bestimmten 
Mundart das angenommene Grundwort hier mit ai, 
dort mit e, dort mit o auftritt! Dass die westfälische 
Mohne volksniederdeutsch Maine heisst und also 
mit dem Meinbach bei Prüm und dem Main gleichen 
Stammvokal gewinnt, kommt daher, dass in der 
Mundart ihres Gebietes leicht ai mit aü = altem 
d-Umlaut verwechselt werden. Altes Möne muss 
in gewissen südwestfälischen Dialecten Mäüne lauten. 
Vgl. Humpert, der Dialect im Hönnethal I, 24 und 
die Schriften von Grimme. 

Nicht viele Leser werden den starken Glauben 


des Verf.’s an die Kraft der „Wurzeletymologie“ 
auf diesem Gebiete haben. Ihm ist irgend ein 
germanischer oder auch indogermanischer, die mög¬ 
lichen Eigenschaften eines Flusses bezeichnender 
Stamm gewissermassen eine Springwurzel, welche 
den passenden Schlüssel zu jedem Flussnamen 
bildet, der sich mit ihm zweier gleichen Consonanten 
vor und nach beliebigem Vokale erfreut. Dennoch 
wird man die Schrift nicht ohne Anregung und 
Belehrung aus der Hand legen. Wünschenswerth 
wäre ein alphabetisches Verzeichniss der besproche¬ 
nen Flussnamen gewesen. 

Kiel, [30. Dec. 1881]. H. Jellinghaus. 


Jahrbach des Vereins für niederdeutsche 
Sprachforschung. VI. Jahrg. 1880. Bremen, 
Hcnricus Fischer. 151 S. 8. 

Durch das hier von Wehrmann mitgetheilte 
Verzeichniss von 73 Stücken, welche von der 
Lübecker Zirkelgesellschaft in den Jahren 1430— 
1515 aufgeführt sind, wird die bisherige Annahme, 
als ob das deutsche Fastnachtspiel im wesentlichen 
Nürnbergs Eigenthum sei, als irrig erwiesen; viel¬ 
mehr ergibt sich aus diesen Titelangaben, dass das¬ 
selbe auch auf niederdeutschem Gebiete eine auf¬ 
merksame Pflege genossen hat. Die Titel zerfallen 
nach Walther (S. 6—32) in zwei Gruppen, deren 
erste etwa 50, die zweite etwa 35 Jahre umfasst. 
In jener ist regelmässig der Gegenstand der Dar¬ 
stellung, in dieser meist nur die sittliche Idee des 
Stückes angegeben. In der ersten Gruppe sind 
wiederum zwei Perioden zu unterscheiden, in deren 
ersterer mittelalterliche und antike Stoffe vor¬ 
herrschen, während in der zweiten novellenartige 
Stoffe behandelt werden und die Neigung zum 
Moralisiren hervortritt. Durch sittlichen Ernst 
überhaupt zeichnet sich das lübische vor dem süd¬ 
deutschen Fastnachtspiel aus. Den vermuthlichen 
Inhalt einer Anzahl dieser Stücke, die ihren Stoff 
in buntem Wechsel aus der Heldensage, der Artus¬ 
sage, der Karlssage, mehreren antiken Sagenkreisen, 
sowie der antiken und mittelalterlichen Geschichte 
entnahmen, hat Walther S. 6—31 nachgewiesen. 
Ich füge noch einige Kleinigkeiten hinzu: 1446 ist 
Walthers Verbesserung zu vervollständigen: und er 
ame Mate . Frau Masse in mittelalterlicher Weise 
personificirt wurde hier als Amme (was auch = 
Mutter sein kann) des Sohnes Wahrheit und der 
Tochter Treue dargestellt. Zu 1471 (S. 29): eine 
niederd. Erzählung dieses Inhalts ist das Fragment 
de Segheler (Niederd. Denkmäler HI, 54 ff.); 1478 
(1435) van deme olden manne könnte seinen Stoff 
der alten Erzählung entnommen haben, welche 
zuletzt Langbein in seiner ‘Rossdecke wiedergegeben 
hat. Es finden sich ausser französischen und ita¬ 
lienischen zwei hochdeutsche Bearbeitungen der¬ 
selben bei v. d. Hagen, Gesammtab. II, 391 Nr. 48; 
III, 729 (vgl. Einl. II, LV ff); KoL Codex S. 143. 
An Texten sind in diesem Jahrgange veröffentlicht: 
Arnt Buschmanns Mirakel, ein religiöses Volksbuch 
des 15. Jh.’s (S. 32—67). Der Hrsg., W. Seelmann, 
gibt nach einer kurzen Einleitung über die Ent¬ 
stehung des Büchelchens eine Uebersicht über die 


Digitized by 


Google 



179 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 5. 


180 


bis jetzt bekannten Hsb. und Drucke, deren be¬ 
trächtliche Anzahl (16) von der Beliebtheit desselben 
zeugt. Der Text ist nach einer Berliner Hs. vou 
1446 wiedergegeben (S. 52, Z. 9 v. u. lies: nach in 
pinen ). Ferner: Recepte zur Heilung kranker Pferde 
aus Friesland nach einer Emdener Hs. des 16. Jh.’s 
von H. Deiter (bei krappen S. 85 ist an eiternde 
(laufende) Wunden zu denken; S. 86, Z. I v. u. lies: 
heuet ; S. 98, Z. 10 v. u. ist moldt gewiss nicht = 
Eidechse, sondern = Malz). S. 100—113 veröffent¬ 
licht Bartsch nach einer Hs. des Freiherrn v. Har¬ 
denberg in Metz ein mystisches Mariengedichf. Das 
lateinisch-deutsche Vokabelbuch, welches Holstein 
(S. 123—129) nach einem Magdeburger Drucke von 
1542 mittheilt, verräth den vom Hrsg, vermutheten 
lübischen Ursprung schon dadurch, dass in dem 
Abschnitte de aquis et terris Dravena, de Traue 
als einziger Flussname’mitgetheilt ist. S. 135—139 
finden sich zu den Jahrb. III, 70 veröffentlichten 
zwei weitere Braunschweigische Fündlinge: ein 
Kalenderorakel und das Fragment eines Dramas 
von Simson, letzteres mit einem Commentar von 
Walther. Ich bemerke dazu, dass die Worte A, 13 f. 
Lyfgheding der verlde gut, lovet, ek st or drut (so 
ist zu lesen!) de mynen oghen tvol behaghet an den 
Vater gerichtet sind. Vgl. Jud, XIV, 3 Dixitque 
Samson ad patrem suum: hanc mihi accipe, quia 
placuit oculis meis. S. 68—74 berichtet Liibben 
über seine Nachforschungen nach bisher unbekannten 
niederd. Hss. in Wolfenbüttel. Es findet sich w r enig 
von Bedeutung. S. 114—118 veröffentlicht Walther 
die ursprüngliche niederdeutsche Fassung des Liedes 
bei Wackernagel, Kirchenlied IV, S. 694, Nr. 1016, 
auf die schon dieser Gelehrte aus sprachlichen 
Gründen geschlossen hatte. Ferner bringt der 
Band noch zwei kleine Aufsätze ‘dei Hau&rri und 
l dat Broudbakkfri in dittmarscher Mundart von 
Carstens (S. 119—21), einige Bemerkungen zur 
mnd. visio Philiberti (Jahrb. V, 21 ff.), sowie eine 
Berichtigung zu Grimm, Myth. I 4 , 512 Bocksthorn 
— Bocks(t)horn vom Referenten. Den Schluss 
bildet ein Aufsatz Lübbens über niederdeutsche 
Personennamen, der hoffentlich seinen Zweck, diesem 
bisher wenig beachteten Forschungsgebiete die Auf¬ 
merksamkeit zuzulenken, nicht verfehlen wird. 

Northeim, [11. Sept. 1881]. R. Sprenger. 


Lttdtke, Gustav, The Erl of Tolous and the 
Einperes of Almayn. Eine englische Romanze 
aus dem Anfänge des 15. Jahrhunderts, hebst 
literarischer Untersuchung über ihre Quelle, die 
ihr verwandten Darstellungen und ihre geschicht¬ 
liche Grundlage. Berlin, Weidmann. 1881. XII, 
290 S. 8. M. 6. (— Bd. III der Sammlung engl. 
Denkmäler in kritischen Ausgaben.) 

Der ‘Graf von Toulous’, ein Gedicht von 1218 
Versen in zwölfzeiligen Strophen in der bekannten 
Reimordnung aabccbddbeeb, wobei b drei, 
die übrigen Zeilen je vier gehobene Silben aufweisen, 
gehört zu den besten Erzeugnissen der me. Romanzen¬ 
poesie und war einer besonderen, kritischen Ausgabe 
wohl werth. Das Gedicht entstammt dem Anfang 
des vierzehnten Jh.’s und ist in vier Hss. erhalten, 


von denen je zwei, eine ältere und eine jüngere, 
eine Handschriftenklasse bilden. Beide Gruppen 
stehen sich unabhängig gegenüber, doch ist x, wozu 
die der Ausgabe zu Grunde gelegte älteste Hs., 
Cambr. Bibi. Ff. II, 38 gehört, im Grossen und 
Ganzen besser überliefert, als y. Ich gebe auch 
Z. 148 in der Fassung von x der Zweitheilung 
wegen (vgl. Z. 116) den Vorzug, umgekehrt würde 
ich y vorziehen Z. 105 ( gaynes, woraus D ein sinn¬ 
loses gamys macht, ist charakteristischer und mehr¬ 
sagender als x). 131 (das Prät. come scheint an¬ 
gemessener). 220. 261 (foo für enemy). 281. 509 {for 
hur statt for hur love). 898 (das einfache Verbum 
statt der Umschreibung). Hauptsächlich aus metri¬ 
schen Gründen scheint y besser in den Z 107. 785. 
644. 854. 885. 891. 893. Vorzuziehen scheint die 
Lesart von y auch in Z. 552, in welchem Falle 
dann auch der Reim der übrigen b-Zeilen der Strophe 
zu ändern wäre. Die Lesart von x gibt, keinen rechten 
Sinn und scheint Reminiscenz aus Z. 190; der Reim 
ist gar, zu auffallend uud müsste aus dem Me. 
anderweitig nachgewiesen werden. 

Beide Gruppen x und y nun beruhen nach 
Ansicht des Verf.’s auf einer lückenhaften Abschrift 
des Originals. Dass die gemeinsame Quelle aller 
Hss. in zwei Strophen statt zwölf nur neun Zeilen 
gehabt habe, hat der Hrsg, überzeugend nachge¬ 
wiesen. Auch hat seine Annahme, dass diese Lücken 
erst durch die Abschreiber in die Ueberlieferung 
gekommen seien, durchaus nichts Unwahrscheinliches. 
Immerhin wäre es aber möglich, dass bereits die 
Originaldichtung an diesen Stellen unvollständig 
gewesen, da der Sinn keine Ergänzung nothwendig 
verlangt. Weniger gelungen scheint mir des Verf.’s 
Versuch noch weitere Lücken innerhalb einzelner 
Zeilen in der Ueberlieferung nachzuweisen S. 16 ff. 

Auch die beiden Hss., die je eine Gruppe 
bilden, stehen nicht in einem directen Abhängig- 
keitsverhältniss, S. 19 ff, und obwohl sehr merk¬ 
bare Werthunterschiede bestehen, kann jede Hs. 
Ursprüngliches bewahrt haben. 

Im Grossen und Ganzen hat der Hrsg, hiermit 
das handschriftliche Verhältnis richtig ermittelt 
Ganz genau, wie ein Rechenexempel, wird sich ja 
die Frage einer handschriftlichen Ueberlieferung 
nur in den seltensten Fällen aufiösen lassen. Auch 
hier bleibt noch ein ‘Rest* übrig, worauf der Hrsg. 
S. 14 f. und 23 hinweist, ohne sich jedoch energisch 
damit abzufinden. 

Zunächst sind die Fälle nicht selten, wo je eine 
Hs. der Gruppen x und y eine schlechtere Lesart 
theilen. Jeder einzelne Fall ist von wenig Gewicht 
und könnte sonst erklärt werden, die Summe aller 
verdient Beachtung. Es ist namentlich B (Ashmole 
45, Bibi. Bodl.), die mit jeder Hs. der andern Gruppe 
sich berührt, so mit D Z. 6. 140. 235. 302. 315. 

390. 394. 405. 426 (metrisch besser). 541. 557. 635. 

638. 693. 726. 743. 783. 983 f. 1109, mit C. Z. 127. 

144. 251. 311. 314. 318 329. 478. 532. 637. 652. 

719. 725. 749. 760. 763. 803. 842. 846. 939 (metr. 
besser). 972. 979. 1005. 1045 und vielleicht noch an 
einigen anderen St. Nur ganz selten und in erklär¬ 
barer Weise berührt sich A mit einer der Hss. der an¬ 
deren Gruppe (s. Lüdtke S. 15). Mit beiden Hss. der 
Gruppe y steht B der Hs. A gegenüber in Z. 209. 401. 


Digitized by 


Google 



181 


1882. Literaturblatt ffir germanische und romanische Philologie. Nr. 5. 


182 


686. 755. 790 (?). 791.'792. 847. 886. 1055, so dass oder Acc. S. soule 296 (H), herte 825, masse 999, 
B doch mit y in irgend eine, wenn auch lose Ver- trouthe 635 (H), axe (?) 94, worldetf) 196, erle 83. 
bindung (vielleicht auf mündlichem Wege) getreten 141. 184. 379. 442. 458 etc. neben erl 364 etc.; 
zu sein scheint. C scheint besser als die übrigen Dat. S. golde 80, lorde 806, lyfe (H) 564 (?), erle 
Hss. in den Zeilen 419. 798. 1040, während in Z. 301, syde 310, brygge 439, boke 190 (H), yoye 1144 
200. 718. 761. 939 D anscheinend das bessere be- (H), herte 400 (H), grounde 1122, dethe 1018, dede 
wahrt hat. - 1028; c. im Adj., Nom. und Acc. S. dere 47, yonge 

In der Herstellung des Textes ist der Verf. 731, thrydd(e) 445, trewe 216, deme 491, leue 1045, 
besonnen und vorsichtig zu Werke gegangen und grete 398 , feyre 191 (H), feyre 842; Dat. S. unkouthe 
hat, von den wenigen bereits aufgeführten Stellen 9, stemel^ owne 1155, trewe 917, mylde 352; Flur, 
abgesehen, materiell meiner Ansicht nach das Rieh- grete 125. gode 415. 956, feUse 760. 1102, tvylde 811, 
tige getroffen. Auch was das Formelle anlangt, soche 1027, longe 359, harde 440, bothe (sst.) 1141, 
Richtigstellung der Reime, Durchführung einer dem alle (sst.) 175; es begegnen hymselfe 814.926, hur - 
Dialect angemessenen Flexion (hier ist L. vielleicht seife 684 neben Formen ohne e; d. im Adv. fyrste 
zu strenge vorgegangen), verdient der Hrsg. Aner- 53, faste 55 (H). 111, foule 302, longe (H) 590, 
kennung. Hinsichtlich der Behandlung der unbe- fayre 359, more 483 (H). 670, abotde (H) 58, withoute 
tonten e indessen kann ich dem Hrsg, nicht bei- (H) 240. 1107, byhynde 775, forsothe 115. 
pflichten, sondern nehme einen entgegengesetzten Die Lautbarkeit des auslautenden e ist also 

Standpunkt ein. Während nämlich L. in der Bei- noch durchaus gesichert; mit Recht hat der Hrsg, 
behaltung oder Tilgung eines tonlosen e sich der das die Senkung füllende e hinzugefügt in Z. 482. 
neuenglischen Schreibung zu nähern sucht (Einl. 593. 718. 733. 763. 808. 1090 (?) und andern Fällen, 
S. IX f., S. 52), würde ich überall von der älteren mit Unrecht getilgt 62 (londe Plur.). 865. 904 (falle 
me. Form ausgegangen sein und versucht haben Conj. Fräs.) und andern Orten, 
dnreh genaue Beobachtung der Behandlung im Verse II. Lautbar ist unbetontes e ferner vor aus- 

den Lautwerth der unbetonten Endungen festzu- lautendem Consonanten, nach kurzer und' langer 
stellen. . Da die Untersuchungen, die der Hrsg, in Silbe a. im Verbum, Präs. S. 3 warrys 55, thynkes 
dieser Richtung angestellt hat, S. 36 ff., zur Ent- 144, ferner 186. 841. 1203; Prät. S. 2 woldyst i()90, 
Scheidung dieser Frage nicht genügen, so habe ich S. 3 lykyd 159, syghed 160, ferner in 167. 412. 248. 
in derselben Weise, wie ich es für den King Horn 387 ( dyed ). 826. 976 u. s w., PI. hopyd 835, assen - 
gethan, auch für den TSrl of Toulous" die Senkung tyd 901, marryd 1166; ladden 838, stoden 1105; 
beobachtet und gebe der Wichtigkeit der Sache halber P. Pr. stekyd 97, avaunsed 918, schapen 344, comyn 
im folgenden die Resultate meiner Beobachtung aus- 262. 1045, forgoten 752, knowen 247, stonden 325; 
iührlich wieder, in der Hoffnung, dass ich für künftige b. im Subst., Gen. S. goddys 185. 205, monkys 1051; 
Ausgaben spätmittelenglischer Texte dadurch zu PI. swordys 69, strokys 84, ferner in 91. 92. 328. 
einer mehr methodischen Behandlung der tonlosen 838. 957. 1027. 1207 und oft. 

e anrege. Der Auftakt, der auch in unserem Ge- B. Verschleifung ist möglich innerhalb der 

dichte zweisilbig sein kann (Lüdtke S. 60), blieb Senkung I. bei auslautendem e sowohl nach langer 
unberücksichtigt. Vom Hrsg, getilgte e sind unter- als nach kurzer Tonsilbe auf folgenden Vokal oder 
punktirt, hinzugefügte sind unterstrichen, nicht hin- h: 1) beim Verbum have 52, gyve 4, brekf 53, take 
zugefügte aber wohl zusetzende in Klammern ein- 766, ber$ 194 und oft; brenne 36, ryde 51, caste 203, 
geschlossen. (H) bedeutet ‘im Hiatus’, ein (?) gibt crye 61, reste 455, kepe 486, sytt(e) and 103; mote 
die Möglichkeit anderer Betonung oder anderer y 75. 280, mote he 417-; Prät. sente 58, wente 160. 
Lesart zu 410. 454, were 298, mett(e) he 938, seyde 965, leyde 

A. Das unbetonte e füllt die Senkung, ist also 88, wolde 959, wysche 1007, slowe 888; 2) beim Sst., 

hörbar. | Nom. S. dame 49, batayle 85, leve 410, herte 147, 

L im Auslaut, 1) nach ursprünglich kurzer , trouthe 210, rewthe 1022, looe 487; Dat. S. rode 6, 
Silbe a. im Verbum, und zwar im Inf. gete (H) 382, i almesdede 41, felde 63, syde 67, erle 48, swerde 81, 
gyve 887, take 1046, have (H) 1223; Präs. S. have j boste 82, schylde 87, hewe 89 und oft; 3) beim Adj. 

652, wreke (?) 1034; Imp. PI. take 12; Prät. PI. I gode 40, trewe 1023; goode 84; 4) beim Adv. bit - 

mode (H) 1210; b. im Subst. love 209. 339 (H). ! wene 24, more 196, feste 88, ofte 394, soone 409, 

491 (H). 1151; spere 1118 (H), nose 344, gatne 476, i soone 444 u. s. f. In allen diesen Fällen war kein 

lawe 86 3, hole (H) 624. 641; Dat. S. god(e) 934. i Grund vorhanden das e zu tilgen. 

1106; c. im Adj. moche 100, moche 172. 482 (H). II. Bei unbetontem e und schliessendem Con- 

641; feie 170. 401; d. im Adv. iherfore 149, afore \ sonsonanten auf folgenden Vokal oder auf h + 
1007, wele (H) 823. j Vokal, 1) beim Verb, me thynkys hyt 300; Prät. 

2) nach langer Silbe a. im Verbum, Inf. brynge ! scapyd away 115, lovyd hys 481, lyked hym 164, 
211, sprynge 792, fynde 909, holde 632 (H). 1037, i dyed on 947, P. Pr. hanged and 575, schrevyn hyr 

teile 1131, spede (H) 616; Präs. S. 1 dye 645, aske 1054; 2) beim Subst lordes y T, swerdys 89, schyl - 

668; Conj. S. wrye 527, passe 691; Imp. kepe *257; dys 91, almes 380, knyghtys 905; speres and 69. to 

Prät. Sing, seyde 49. 139. 151. 256 (H). 258. 304. hevyn us 1222, swevyn he 809 etc., ähnlich mekyll 
313 (H e )• 952. 940 (H). 1189 (H), wente 253 iH). of 39, aftur hys 948. 

975 (H). 1111, myghte 419, wolde 725, wyste 740 III. Bei auslautendem e nach langer oder kurzer 

(H), schulde 974 (H); Prät. PI. schulde 59, leyde Silbe auf folgendes consonantisch anlautendes, in 
797 (H), ronge 322, founde 861, toke 979, were 121. der Rede unbetontes Wort; 1) mit unbetontem e 
127; P. Pr. PI. mode 1193; b. im Subst., Nom. in der zweiten Silbe: game ne 164, take pe 911, 


Digitized by 


Google 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 5. 


184 


183 


tyme befett 8, seyd? the 145. 1174, to seek? the 196., 
we her? the 307, fylle the 317, y red# be 152, trete? 
be 226; 2) mit volltönendem Vokal in der zweiten 
Silbe (vgl Lied von King Horn, Einl. S. XV): 
8peke we (?) 479, love be (Inf.) 407, schould? be 66; 
y swer? by 190; have to 271, soft? to i 04, bryng? to 
308, tryst? to 548, seyd? to 184, went? to 362, sayd? 
so 75. 280 379, teile so 173; mot? thou 946, ded? 
(Sst.) thou 413, y red? thou 294. 1161 ; cotne (Inf.) 
py 5, have thy 404, hold? thy 294, therfore myn 147; 
trowe ihey 752, found? they 777, met? they 1007. 1008, 
mähe them 59, seU? them 958. 964; lok? that 79, 
sayd? that 193. ähnlich 278 395, wynn? that 936; 
have thys 405; wold? not 1133. met? nor 137, thynk? 
nor 203, seyd? now 637, sted? ther 97, syde there 
127, wynn? therto 419, pound? wyth 214, glove wyth 
1100, more wythoute 224. seyd? wythoute 424, in 
feld? when 71, to morn? when (?) 289; son? was 701, 
hert? was 30. 420, in Umd? wo* 714; kep? counsayle 
223, otcn? cuntre 411. gret? wandrem 995, gret? solase 
476, trew? counsayle 1037 Auch hier war ein 
zwingender Grund das e zu tilgen nicht vorhanden. 
Denn auch auslautendes unbetontes y wird so ver¬ 
schiffen, z. B. many oon 805 833 und oft, lovely 
sehe 366, boldly they 129, gylty so 946, gylty was 
1026; lady had (?) 10, lady can (?) 262 (letzte 
Senkung), hardy man 31, worthy to (?) 854 u. s. f. 

IV Es treffen ferner zwei unbetonte Silben 
auf der Senkung zusammen, von denen die erste 
consonantisch aus- die zweite consonantisch anlautet: 
folowed pe 118, dedes we 789, forgevyn me 266; 
axes that 89, waxes thy 498, chyldyr they 1216, 
syghtys that 334, kyssyd togedur 415, takyn to 171, 
takyn that 116, evell to 679, weddyd that 1213, erlys 
then 435, accysyd my 1015; etyn were 681, mekyll 
may 192, answeryd Syr (?) 217, thedur sehe 309, 
togedur ean 986. In den letzten Fällen könnte man 
eine Nachwirkung des alten Betonungsgesetzes der 
Verschleifung auf der Hebung * (Lied von K. H. 
Einl. S. XVI) erkennen. Doch ist dies nicht nöthig, 
denn wir müssen für unser Lied wirklich zwei¬ 
silbige Senkung auch im Versinnern annehmen. 

V Zweisilbige Senkung ist vorhanden (nicht 
bloss n%ph der ersten Hebung, wie Lüdtke S. 59 
meint): hSdeous hyt 90, Antore thus (?) 885, hündred 
ther 450, avinture hys 923, örchard they 1010, sörow 
ny (?) 150, cürtain he 735, profission that (?) 1040, 
d&stany is 1078; zwei Wörter: sli them wyth 81, 
bddd them be 906, graünt? the thy (?) 528, mähe hur 
to (?) laghe 718, Mre ys thy 798, anön to the 841, 
grdee of the 406, knyght ben he 872, knyght and a 
1181; dreisilbige Senkung (?) radder then the 200 

C. Ein Verstummen des auslautenden e weist 
der Hrsg, des Gedichtes S. 37 aus dem Reime 
nach. Die aufgeführten Fälle sind im Verhältniss 
wenig zahlreich, auch nicht alle gleich sicher. Ge¬ 
sichert ist die Möglichkeit des Verstummens (oder 
des Abfalls?) besonders nach auslautendem - ght 
in Str 5 52. 63, danach auch wohl in Str. 2. 4; 
in mett (Prät. S. 3) r. auf %et (Adv.) 83 und einigen 
anderen Fällen, s. L. a. a. O. Wenn dagegen Str. 
51 at bedd? y to wedd? auf spedd, adredd (P. Pr.); 
Str. 66 syde, wyde auf cryedd (Prät. S), aspyedd 
(P. Pr); Str. 39 gon? (Inf.), stone auf woon, foon\ 
Str 89 kyss?, mthoute myss? auf ywys, ys reimen, 


so ist mir das völlige Verstummen des e in diesen 
Fällen noch nicht unbestritten, auch nicht in sayd? 
(Prät. S 3) r. auf payd? (P. Pr.), eher in gladd 
(Plur. präd.), r auf oadd (Prät. 8.) 469. Unor¬ 
ganisches auslautendes e im Reime auf organisches 
ist belassen in Str. 20 und 78 und bedürfte näherer 
Untersuchung. Verstummt scheint die Endung 
regelmässiger schw. Prät., obwohl der Hrsg, hier 
mehrmals ein e hinzufügt, so Z. 319. 401. 421. 709. 
970, ähnlich 467 gegen 477. 

Im Innern scheint auslautendes e verstummt 
in einigen in der Senkung stehenden zweisilbigen 
Wörtern wie teil? 195. 1146 (?) (teil? im R. auf 
befeü 7. 919, dagegen anderwärts mit lautbarem e, 
wie die meisten der weiter aufzuführenden Formen), 
were 88. 343 (gegen wire 91. 435), turne 166, save 
432, have 935. 1163, schuld? 951, durst? 916, don? 
866. 1182. Stets ohne e geschrieben und einsilbig 
ist hur (Pron.), vgl. Lied v. K H Einl. S XV, d. 

Vor Consonanten ist tonloses e (y)als verstummt 
anzusehen in: wakenyd 23, raumsomyd 79, travaylyd 
463, bataylys 73, hawberkys 93; auch wohl in wte- 
pynkys 1022, syttys 647, schould?st 659, pank?d 119, 
raysyd 335 (s K H. Einl S. XV, e); goddys 1080, 
eyen 343. 

Diese wenigen Fälle, in denen ein tonloses e 
als verstummt anzusehen ist, können uns nicht die 
Berechtigung geben, das e überall da, wo sein Laut 
nicht sicher erwiesen ist, zu tilgen, wie z. B. am 
Schlüsse des Verses. Ich würde also das e überall 
belassen haben, wo es nicht unorganisch angefugt 
ist, oder der Vers nicht dringend seine Tilgung 
verlangte. Zu belassen war es u. A. im Reime b 
der Strophen 1. 6. 8. 9. 14. 21. 24. 31. 36. 54. 58. 
59. 70. 72. 73. 74. 76. 84. 87. 93 und andern, ferner 
in Z. 16 f. 34 f. 43 f. 64 f. 88 f. 103 f. 130 f. 
136 f. 190 f. 229 f. 271 f. 273 f. 313 f. 322 f. 

384 f. 349 f. 374 f. 391 f. 415 f. 436 f. 445 f. 

457 f. 460 f. 610 f. 619 f. 655 f. 673 f, 704. 706 f. 
733 f. 736 f. 745 f. 758. 778. 887. 898. 901 f. 928 f. 
955 f. 961 f. 964 f. 967 f. 1000 f. 1004. 1030 f. 
1039 f 1051 f. 1078 f. 1087 f. 1102 f. 1120 f. 
1126 f 1132 f. 1135 f und manchen andern Orten, 
auch 397 f. 421 f. Reim b in Str. 95 u. s. f. 
i Mit Recht hat der Verf das e getilgt 94 f. 

100 f. 101. 109 f. 145 f. 337 (s*cx/). 410 (tok) u. v. 

a St. Wahrscheinlich würde ich das e auch getilgt 
! haben, wo es der Hrsg in Rücksicht auf die ne. 
Sdhreibung belässt z. B. 38 f. wyfetlyfe (A. S.) 
ebenso 103. 227. 481 f. 824. 871 (knyf). Allerdings 
steht unorgan. e in diesen Worten im R. auf orga¬ 
nisches Str. 78; regelrecht ist der Reim 1048 f. 
1213 f. Zu tilgen war e auch wohl in den st. Prät 
spähe 74 598. 780 (doch vgl. 161), came 327. 987 (vgl. 
772), come 373. 466, sware 341, clofe 447, rose 460, 
chose 484, chase 568, woke 781, schope 948, vielleicht 
auch in gafe 1030. 1042 1076. Neben there war 
ther zu belassen 13. 70. 127. 990 und oft, der adj 
, Sg. myn 147. 227. 666 war dem sst. myne 650 
I nicht gleichzumachen; auch non 78. 117. 347. 357 
I musste von none (sst. Pl.) 79 unterschieden bleiben 
u. s. f. 

1 Die dem Buche beigegebene umfassende und 
, höchst interessante Untersuchung über die ‘Quelle, 
die verwandten Darstellungen und die geschichtliche 


Digitized by 


Google 



185 


1382. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 5. 


186 


Grundlage' der Romanze (mit Beilagen von S. 72 
—217) zu würdigen, muss ich Andern überlassen, 
da ich den mir gestatteten Raum bereits über¬ 
schritten habe. 

Wiesbaden, März 1882. Th. Wissmann. 


Recueil de motets fran^ais des XII* et XlII e 
si&cles publiäs d’apr&s les manuscrits, avec intro- 
duction, notes, variantes et glossaires par Gaston 
Raynaud suivis d’une 6tude sur la musique au 
si&cle de saint Louis par Henri Lavoix fils. Tome 
premier. Introduction. Le manuscrit de Montpellier. 
Paris, Vieweg. 1881. XXXVI, 332 S. 8. (Auch 
mit dem Titel: Biblioth&que fran$aise du moyen- 
4ge. Tome premier.) 

Die Sammlungen altfranzösischer Schriften 
mehren sich in erfreulicher Weise. Vorliegender 
Band beginnt eine Bibliothäque franQaisc du moyen- 
Äge, welche unter der Leitung von G. Paris und 
P. Meyer schon jetzt eine Reihe von anziehenden 
Publicationen in Aussicht stellt. Dieser erste Band 
enthält den französischen Inhalt der Liederhand¬ 
schrift der Bibliothek zu Montpellier H. 196. Be¬ 
kanntlich hat schon Jacobsthal im III. und IV. 
Bande der ZRP. die ganze Hs. in diplomatischem 
Wiederabdrucke veröffentlicht. Ist es auch nicht 
gerade erfreulich, dass auf einem Gebiete, wo so 
viel noch zu leisten ist, dieselbe Arbeit von ver¬ 
schiedenen Seiten in Angriff genommen wird *, so ist 
im vorliegenden Falle der Uebelstand wohl geringer, 
da da R. und J. sich doch eine verschiedene Auf- i 
gäbe stellten. Jener gibt bloss die französischen 
Texte, dieser auch die lateinischen; jener setzt die 
Verse ab, emendirt, theilt Varianten mit, dieser gibt 
ein getreues Bild der Einrichtung der Hs., welches 
die Untersuchungen über die Musik wesentlich 
fordern wird. 

In der Einleitung wird über die Hss., die Gat¬ 
tungen der Gedichte, das Versmass, die Reime, die 
Verfasser, die Sprache eingehend berichtet. Die 
Anmerkungen theilen die Varianten mit und geben 
über das anderweitige Vorkommen einzelner Verse 
und Refrains ausführliche, von ausgedehnter Belesen¬ 
heit in der altfranzösischen Lyrik zeugende Nach¬ 
richten Der zweite Band wird eine weitere Samm¬ 
lung von Liedern aus anderen Hss., Glossare und 
die auf dem Titelblatte angekündigte Studie über 
die Musik enthalten. 

Was nun die Beschaffenheit des Textes im 
vorliegenden Bande betrifft, so wäre etwas grössere 
Sorgfalt wünschenswerth gewesen. Offenbar ist 
das versäumt worden, was immer, wo es nur halb¬ 
wegs möglich ist, nicht unterlassen werden sollte: 
eine Vergleichung nämlich der Druckproben mit j 
der Hs. Bei der ersten Lectüre stiess ich auf 
einzelne Stellen, die ich. gerne emendirt hätte. Ich 
zog Jacobsthals Abdruck zu Rathe und fand dort 
was mir das Richtige schien. Dies reizte mich, die 
zwei Drucke mit einander genau vergleichen zu 
lassen; und das Ergebniss dieser Arbeit theile ich 
in folgendem mit. 

1 Von dem leidigon Prioritätsstreite sehe ich mit Ab¬ 
sicht ab. 


1. J. weist einzelne Wörter auf, die bei R. 
nicht Vorkommen. Es ist kaum zu glauben, dass J. 
aus Versehen etwas biete, was er in M nicht fand. 

| Hie und da mag R. mit Absicht, zunächst aus 
metrischen Gründen, ein Wort getilgt und dies anzu- 
; merken versäumt haben. Ich gebe in eckigen Klam- 
j mern die Worte, welche bei R. fehlen. 2, 31 [Lors] 
n’i ; so auch LC. — 6, 63 [Et] si fet; 100, [Seant] 
les 2 ; 113 [Et] puis . — 13, 30 quant [je] de tot . — 

14, 22 [Que] je sui. — 17, 7 He [Deus]. — 22, 21 

| [la] blonde ; so auch LC. — 30, 13 [sovent] regretot 
\ wie C. — 47. 7 [a] nul jor, wie LC; 10 ‘ich traure 

| pour ce que la vi piegd ; [ne] la. — 75, 12 ne [ne] te 

j va — 84, 38 me taut [la] vie. — 85, 28 [Et] st me fet; 

1 so LC. — 130, 8 [et] dolours. — 138, 13 [je] doi. 

, — 158, 4 [je] Vai — 167, 18 [et] en freour -* 

179, 7 ‘me feit sospirer . .. quant je la vot ; [ne] la. — 
197, 11 [grant] joie — 240; nach 24 fehlt ein 
Vers: pour vous renvoisier me doi — 267, 27 [cler] 
viaire . 

2. R bietet manche Wörter mehr als J. Mög¬ 

lich dass J. einzelne derselben übersah; anderswo 
wird R. aus Versehen oder mit Bedacht (auch hier 
zunächst des Metrums halber) etwas hinzugefügt, 
und in letzterem Falle vergessen haben, dies zu be¬ 
merken. Wo zweifelhaft ist wer Recht hat, müsste 
M eingesehen werden. Ich theile die Wörter, welche 
bei J. nicht Vorkommen, in runden Klammern mit: 
34, 33 je ist in M unterpunktirt. — 51, 64 (je] li 
dis. — 120, 8 que (je) rii puis. — 128, 15 soufert 
(mja . . mon euer. — 129, 15 ‘ich habe meine 
Schritte gut verwendet', quant joie .... (ne) me 
vient d f amer. — 134, 11 pris m’a (vie) une amou - 
rete . Was soll vie? — 156, 11 plourer (tant) la vi. 
— 209, 60 je l’aim et (Ijamerai. — 22h, 17 simple 
(et) coie. — 240, 1 bien met amours son pooir (pour) 
a moi grever. - 270, 19 et s f il (en) est; 20 doit 

(on) noumer. 

3. Vielfach weichen die Lesungen von R. und 
J. von einander ab. Oft spricht jene von J. mehr 
an; in Fällen, wo beide Lesungen zu halten wären, 
kann man fragen: wer hat besser gelesen? Ohne 
gegen R. ungerecht zu sein, darf man vermuthen, 
dass Jener, welcher seine ganze Aufmerksamkeit auf 
diplomatischen Abdruck richtet, die Hs. genauer 
wiedergibt. Hie und da liegt wohl Emendation vor, 
und R. versäumte die Lesart von M anzugeben 3 . 
Hier das Verzeichniss der Abweichungen 4 ; M be¬ 
deutet selbstverständlich Jacobsohns Abdruck. 2, 3 
M hat nicht le douter, sondern wie LC li d. — 6, 
68 die Lesung am Rande von M Fait war zu be¬ 
rücksichtigen. — 7, 27 que je m’alme ‘während ich 

* Seant ist offenbar im Drucke abgesprungen. Darnach 
zu bessern die Besserung auf S. 331. 

1 Mehrmals erscheint eine Stelle als emendirt; aber 
schon M hat, wenigstens nach J., das Richtige; so 21, 2 u. 
23; 24, 18; 52, 8 ; 61, 3; 72, 27; 106, 32; 139, 3; 150, 10; 
175, 9; 202, 4 ; 238, 25; 257, 9 ; 267, 12. 

4 Von den sehr zahlreichen lautlichen und phonetischen 
Abweichungen wird abgesehen; es seien nur, weil Metrum 
und Reim beeinflussend, bemerkt 19, 43 comme, M com ; 129, 
17 encore , M -or; 196, 12 donti , M danti ( :hanti, chanti). 
Dann ein Paar FormYarianten: 25, 12 nul; 43, 15 und 248, 
31 joli ; 56, 2 euer; 207, 15 Dieu als Norain.; M überall mit 
[ -s; 84, 14 simples Fern. Sing.; M -c; 254, 6 u. 257, 2 Que 
als Nom.; M Qui; 98, 11 sens (— sentio); M sent; 3, 32 perce; 
M perde; 252, 17 atenc; M •nt. 


Digitized by 


Google 


13 


187 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. ö. 


188 


ging; M que que m’al . — 10, 19 je sui brune, favrai 
brun ami; M s’avr. (wie LC). — 15, 3 M hat, wie 
LC und N, renvoisU. — 17, 12 frais deduit; M biau 
d. — 17, 68 en grant anoi; M a gr. (welcher Hs. 
gehört die in den Varianten mitgetheilte Lesung?) 

— 19, 20—21 auch M hat, wie LC, im ersten Verse 
ris; im zweiten vis. — 27, 3 tentir; M ret. — 40, 

2 m’envoisti; M ni env. — 40, 8 me plaittg; M m’en. 

— 51, 50 ou son Jrestel; M en s. f. — 51, 59 es- 
babie st. -A- ist wohl Druckfehler. — 57, 26 über 
das unpassende s■ s. J.’s Anm. — 69, 23 tout trop; 
M dont tr. — 74, 6 fenist; M ten . (Df.?) — Auch 
75, 13 je Vaim st. je tfa. sieht wie ein Druckf. aus. 

— 77, 8 M hat, statt Car, Cü . (Es ist zu verwun¬ 
dern, dass trotzdem Bartsch und Meyer gut inter- 
pungirten, R. sich vergriffen hat. Nach 6 Semicolon; 
nach 7 Punkt) — 113, 14—15 nach R. hat M 
onques Warner fors vos nen oi pensee aillors; R 
emendirt Warn.; nen = non ist aber verdächtig und 
aillors passt dann nicht recht. J. liest Wamai, 
worauf ne Woi p. a . in ganz angemessener Weise 
folgt. — 122, 4 faiUie st baillie wird wieder ein 
Druckf. sein. — 133, 4 dis; M dit, besser zum Plur. 
chant passend. — 135, 2 in M ist r von pour durch 
Punkt getilgt; also pou ‘wenig*; ‘ich preise die Liebe, 
aber wenig sage ich fürwahr*; die Producte von 
paucum und laudo reimen mit einander auch 138, 
12. 14 - 143, 5 le desir; M la d. — 155, 17 die 
(= die und reimend zu -ij ist wohl nur Druckf. 

— 156, 3 M soll haben servi e; R. druckt s. ai; 
J. liest aber seroie, und das ist wohl das richtige. 

— 167, 21 estreindre m f ardour; M esteindre. — 
176, 6 ne plus; M onc pl. — 178, 9 West nus . . 
tout sages soit, . .. que; M tarit s . — 179, 1 quant 
iver la brise ameine; M bise. —* 189, 6 di (== aicit); 
M dit L — Zu 189, 3 vgl. J. — 193, 13 espringnier; 
M -nguier ; ebenso 197, 25 -ngnes; M - ngues . 1 

— 194 beginnt La voir me feit en folie mon etter I 

qui me contralie; schon die Form des Pron. Pers. i 
ist unmöglich 5 ; auch gibt die Stelle keinen befrie- | 
digenden Sinn. J. bemerkt, dass das Register Sa- j 
voir bietet, die richtige Antithese zu folie . — 209, , 
31 ne set qui fait qWa amer aprent; M qui a, das I 
zu halten ist; das erste qui ist zu que zu ändern. — ; 
210, 23 statt sui pris hat J. sui prieg; letzteres \ 
doch eher zu pres zu ändern; vgl. 238, 23 ff. et 
s’ü li plaist tel guerredon a rendre, a son gre sui 
pres . Auch hier würde ich Komma nach rendre, 
nicht nach gri, ansetzen. — 211, 48 je Wavrai; M 
ja. — 214, 24 sont . . . si riant . . . que mile gent I 
tant; M que nule. — 224, 10 tous; M vous . — 225, 
29 quant vendra la bde . . que Vatent; M j’at. — 
230, 11 a bois; M vb. (= u b.) — 238, 2 metrai \ 
joie; M merrai, wie M 2 . — ib. 9 nel fet; M nen \ 
(Wen'i); M 2 ne. — ib. 23 auch M hat Et (R. 1 

Or). — 241, 4 lors V; M loes k’. — 248, 12 j 

por ee, je porroie gibt keinen Sinn; M por vir j 

(vir am Rande) se je p., was ganz klar ist. Des j 

Metrums halber könnte je gestrichen werden. — 248, 
16 tant; M tans, zu tretous gehörig. — 250, 2 mout 

6 Und zwar erstens weil an der Spitze des Satzes, * 
zweitens weil vor Inßnitiv. In letzterer Richtung jedoch 
mache ich auf 228, 9 und 251, 17. 20 aufmerksam, wo ton¬ 
loses Personale vor Infin. vorkommt. Darf dies anerkannt 
werden P 


ai longuement \ ame de fin euer, loiaument | servi; 
M amour; weit besser. — 252, 15 doit; M doi; der 
Zusammenhang fordert die 1. Pers. — 253,8 d 9 ame[r]; 
nach J. ame und i übergeschrieben; amie befriedigt 
in der That weit mehr. — ib., 12 vgl. J. — 255, 
37 m’aü; M maint (= manet). Die Emendation 
von maubatus zu - u und die Interpunction beweisen, 
dass R. die Stelle nicht verstanden hat; man vgl. 
48, 21—23. — 257, 20 me fait desir d 9 un goust 
savourer; M desirer — 259, 27 d’amour; M Warner. 

— 264, 15 soll M comieu bieten, das zu conneu 
emendirt wird; J. aber druckt comrneu ab. — 270, 
12 und die drei ersten Worte von 13 finden sich 
in M erst nach 32; dadurch werden beide nun ganz 
unverständlichen Stellen vollkommen klar und die 
S. 328 ausgesprochene Vermuthung, es fehle nach 
12 ein Vers, wird hinfällig. — 271, 9 se pour moi 
piU ne li prent; M de moi. 

Betrafen die bisherigen Bemerkungen die Art, 
wie die Hs gelesen wurde, so habe ich über die 
Art den Text zu behandeln wenig zu bemerken. 

4. Zur Worttrennung. Hie und da wird m*i 
gedruckt, wo i kaum berechtigt ist Mi = me 
kommt in M unzählige Mal vor. Gleiches ist zu 
sagen von Wi an einer oder zwei Stellen, wofür ni, 
das ebenfalls, wenn auch selten, für ne gesetzt 
werden kann. 255, 32—33 que j’avoie | Lonc tans 
Aservie; da aservir in dieser Bedeutung sonst nicht 
vorkommt, 1. I. t. a servie. 

5. Die Interpunction ist nicht immer ganz ent¬ 
sprechend; einzelne Fälle wurden schon erwähnt; 
andere von geringerer Bedeutung lasse ich uner¬ 
wähnt. 66, 18 Komma zu streichen. — 80, 27—29 
wenn fausse gent und ce que ... Subjecte zu pueent 
sind, so ist die Interp. zu ändern, —r 86, 2 wenn, 
wie es mir scheint, por ce se = por ce que ist, so 
ist anders zu interpipigiren; ‘Viele fragen mich ob 
mein Fröhlichsein auf Liebe deutet; ja wohl u. 8 w.* 

— 96, 12—13 dürften anders zu interpungiren sein. 

— 106, 36 das Kolon zu streichen, da mit en kein 
Hauptsatz beginnt; aus ähnlichem Grunde ist 271, 
17 das Semicol. zu streichen; nach 16 Komma 6 . — 
143, 10 das Ausrufungszeichen nach trai ist in ein 
Komma zu ändern. — 248, nach 35 eher Komma; 
nach 36 Punkt. 

6. Die nicht zahlreichen, entweder anderen Hss. 
entnommenen oder aus Eigenem vorgenommenen 
Emendationen sind vielfach befriedigend 7 ; andere 
bedürften näherer Begründung und Erklärung Als 
nicht ganz richtig halte ich folgende: 4, 5 ist nicht 
autre Subject zu avra ? — ib., 10. Die Lesung von 
M und LC kann (nur vos zu nos) gehalten werden 
‘Gott hat uns hierher, in diese Welt, gesetzt und 
will uns wieder haben*. — 5, 42 ist einsilb. giufsj 
für geus ohne weiteres anzunehmen? Es handelt 
sich aber um die 1 Pers. gui, da 41—43 dem 
Hirten in den Mund gelegt werden. — 29, 24 ff. 

6 Vgl. auch 12, 3—4, wo besser en eernd m’a mis, mout 
en veille (= vigilo) za interpungiren ißt. 

1 Hie und da, aber nicht consequent, wird emendirt um 
grossere Regelmässigkeit in die Declin. einzufähren. — Qui 
als Obliquus wird zu ctU geändert, aber 247, 25 zu que. Nach 
Praepos. wird das qui der Hs. bald zu cui geändert, bald bei¬ 
behalten ; einmal (212, 25) st. pour qui wird pour que ange¬ 
wandt. — Da -e vor Yocal stets ergänzt wird, so 18, 20 
chant[e]. 


Digitized by 


Google 




189 


1882. Literaturblatt für jrermanische und romanische Philologie. Nr. 5. 


190 


montant ist gapz richtig; darauf Punkt oder Semic.; 
nach Compaignie kein Interpunctionszeicben; ‘Neid 
und Geiz mehren sich; Geselligkeit und Freigebig¬ 
keit fliehen. — 75, 31 vos bleibt; nach 32 Frage¬ 
zeichen; seid ihr mir treu gewesen, die ihr mich 
so lang vergasst?’ — 89, 5—6 liest man Et bele et 
coloree pour deduire se leva, so ist die Emendation 
unnöthig — ib, 20 der Sinn kann nicht sein: 
‘Wenn Jemand euch ersucht zu betrügen’, sondern 
‘wenn irgend ein Betrüger, Schmeichler euch um 
Liebe anfleht, weist ihn zurück’. Es muss also 
anders' emendirt werden. — 175, 4 Centans ist nicht 
zu cantans zu ändern. Es ist cen[t] tans gemeint; 
‘süsses Ding, ich schicke euch hundert Mal so viele 
Grtisse als irgend Einer euch schickt’. Darnach 
die Interpunction zu ändern. Auch die Emendation 
im 7 Verse ist nicht überzeugend; plus dürfte zu 
halten sein; par tans — per tempus ; sorget dafür, 
dass ich so bald als sich eine Gelegenheit dazu 
bieten wird euch sehen könne’. — 201, 41 rCi espoir 
(=• speroj von M bedarf keiner Aenderung. — 257, 
10 besser mit M je i (=- j’i) als fen. — 268, 12 
wäre maus, prison nicht haltbar? 

7. Ueber das Metrum, welches mit der Musik 
im innigen Zusammenhänge steht, erlaube ich mir 
keine positive Bemerkung. Dass Raynaud möglicher¬ 
weise des Versmasses wegen einzelne Wörter ge¬ 
tilgt oder hinzugefügt hat, wurde oben angedeutet; 
ist dies der Fall, so könnten die entsprechenden 
Stellen zu mancher Discussion Anlass geben. 

Wien. A. Mussafia. 


Pr61 ss, Robert, Geschichte des neueren Dra¬ 
mas. Zweiter Band. 1. Hälfte. Das neuere 
Drama in Frankreich. Leipzig, B. Elischer. 1881. 
498 S. 

Die erste Abtheilung des vorliegenden Werkes, 
welche das spanische Drama behandelte, ist bereits 
in einer früheren Nr. des Literaturblattes sehr ein¬ 
gehend, und zwar im ungünstigsten Sinne, besprochen 
worden, um so erfreulicher ist es für den Refe¬ 
renten, über die erste Hälfte des 2. Bandes aner¬ 
kennender sich äussern zu dürfen. Es ist dabei 
selbstredend, dass bei einem so umfassenden Werke, 
wie das von Prölss geplante, auf ein sorgfältiges 
und eingehendes Quellenstudium Verzicht zu leisten, 
und eine Beschränkung auf die Schriften der neue¬ 
ren französischen und deutschen Literarhistoriker 
durchaus geboten und zulässig ist. Weniger zu 
loben ist in Prölss 9 Darstellung eine gewisse Sucht 
nach originalen, geistvollen Apercus und ästhetischen 
Speculationen, denen die thatsäcblicbe Begründung 
oft fehlt. Dieses Aesthetisiren entstellt die Ab¬ 
schnitte m u. IV, die vor Allem Corneille und 
Racine behandeln. Es ist doch für den weiter¬ 
gehenden Leserkreis, auf den Prölss’ Werk haupt¬ 
sächlich berechnet ist, ziemlich gleichgültig, zu 
wissen, ob der Verf. gerade Racines „Britannicus“ 
„für das bedeutendste dramatische Werk des Dich¬ 
ters“ erklärt, ob er in Details mit den französischen 
Kritikern übereiustimmt, oder nicht. Sehr lang- 
athmig und doch zu keinem bestimmten Resultat 
führend, ist auch die Untersuchung, (136—139), 


warum Racine sich später mehr von der Bühnen¬ 
dichtung zurückzog. Ganz unberechtigt ist ferner 
der Versuch (121), Racines Contractbruch gegenüber 
dem Palais Royal, (1666 nicht 1866) zu beschönigen, 
und der völlig objectiven Notiz in Lagranges Re- 
gistre den Vorwurf der Parteilichkeit zu machen. 
Und wenn es doch Prölss lassen wollte, den Ge¬ 
lehrten zu spielen und dabei seine mangelhafte Sach¬ 
kenntnis zu verratben! In einer Anm. 121 kommt 
er auf eine Stelle der 1688 (?) (nicht 1788) er¬ 
schienen „Fameusc comödienne“ zu sprechen, die 
von Moliöres Versuch handelt, mit der Duparc ein 
Verhältniss anzuknüpfen. Dabei tischt P. uns das 
Mährchen auf, Molierö habe sich später an der 
spröden Duparc gerächt, indem er sie seinerseits 
zurückgewiesen. Davon findet sich in keiner Aus¬ 
gabe der gedachten Schmähschrift auch nur eine 
Silbe, wie P. aus Jules Bonnassies’ Einl. leicht er¬ 
sehen kann. Welche Ausgabe der „F. C. tt hat 
denn P. wohl in Händen gehabt? Keine, denn 
weder in Livets Reimpressions noch in Bonnassies’ 
kleinerer Ausgabe findet sich die Stelle so, wie er 
sie angibt, und die übrigen Editionen der F. C. 
wissen davon ebensowenig, wohl aber hat P. seinen 
Irrthum aus Molands bekannter Moliöre - Ausgabe 
j entlehnt. Mit Recht vermuthet nun P., dass jenes 
| supponirte Verhältniss des Moliöre zur Duparcmy- 
thischer Natur sei, aber die von ihm angeführten 
Gründe beweisen garnichts. 

Die Auffassung der dichterischen Thätigkeit 
Corneilles und Racines ist zwar nicht eben neu, 
aber doch objectiv und auf kulturhistorischen Ver¬ 
ständnis ruhend, nur wird der Vergleich mit Schiller 
und Goethe (116) weniger zutreffen. Irrig ist es 
wieder, wenn P. auf den späteren Gegensatz Racines 
zu Moliöres zu vertuschen sucht und in der Vor¬ 
rede zu den „Plaideurs“, trotz Thierrys eingehender 
Darlegung, keinen Angriff auf Moliöre finden will. 
Im Ganzen aber sind die Abschnitte über Corneille 
und Racine, trotz einzelner Irrungen und überflüs¬ 
siger Bemerkungen ästhetischen Charakters lobens- 
. werth, dagegen sind die Capitel I (Entwicklung des 
nationalen Geistes in Politik, Sprache und Dichtung) 
II Entwicklung des Dramas vor Corneille, V (Ent¬ 
wicklung der Bühne und Schauspielkunst im 17. 
Jahrhundert, zu allgemein und dürftig, als, dass ein 
Referat oder eine Kritik lohnte. VI bringt Moliöre 
und das nachmoliörische Lustspiel bis zum Schlüsse 
des 17. Jahrhunderts. Bei Moliöre, dem Lieblinge 
der französischen und deutschen Literatur-Kritik, 
wäre ein genaueres Studium der neueren Literatur, 
des Moliöriste, des Mol. Museum, u. a. Zeitschriften¬ 
artikel, wohl am Platze gewesen, P. aber scheint 
sich wesentlich auf Lotheissens Moliöre-Biographie 
beschränkt zu haben. An gerinfügigen Versehen 
fehlt es gleichwohl nicht, und komisch hat auch 
P.’s Versuch berührt, die A. Böjart wieder zur 
Schwester der M. Böjart zu stempeln, ohne dabei 
im geringsten auf die von entgegengesetzter Seite 
vorgebrachten Argumente einzugehen. Als ob eine 
Streitfrage, über die eine ganze Bibliothek zusam¬ 
mengeschrieben ist, sich mit wenigen, flüchtig hin¬ 
geworfenen, Zeilen erledigen Hesse. Wundersam 
ist auch die Annahme, dass Moliöres Zerwürfniss 
mit dem Vater kein „völliges“ gewesen sein könne, 


Digitized by 


Google 




191 * 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 5. 


192 


weil letzterer sonst das ganze mütterliche Erbtheil 
ausgezahlt hätte. Das widerspräche nur dem Cha¬ 
rakter des Vaters allzusehr! Die hinzugefügte Anm. 
(181) beweist für die Frage so gut, wie nichts. 
Die „Zülinde“ wird (198) ebenso willkürlich zu einem 
Werk de Villiers’ gemacht, und so wiederum der 
böse gordische Knoten mit leichtem Hiebe zerhauen. 
Die ästhetische Auffassung der Moli&rischen Komö¬ 
dien ist zwar nicht ohne Geist, aber doch recht 
subjectiv und einseitig. 

VII behandelt die Entwicklung der französischen 
Oper; Referent ist hierin nicht sachverständig. VIII 
(die Tragödie im 18. Jahrhundert bis zur franzö¬ 
sischen Revolution) hat durch eingehendere Beur- 
theilung der Tragödien Voltaires besondres Inte¬ 
resse. Man kann freilich den Dichter Voltaire kaum 
von dem philosophisch-theologischen Schriftsteller 
trennen, und so macht Prölss’ Darstellung, welche 
eine derartige Abstraktion vornimmt, einen sehr 
lückenhaften Eindruck. Ferner ist die zahlreiche 
Literatur über Voltaire doch allzu ungenügend be¬ 
nutzt worden. Die „Correspondance“ Ws hat P. 
kaum ein summarisches Studium gewidmet und 
Cayrol’s ^Lettres in6dites“, Ravoux’s. „Voltaire k 
Ferney“ und vieles, vieles andere scheint er nicht 
einmal von Hörensagen zu kennen. Es ist selbst¬ 
verständlich, dass man in einem Werke, wie das 
in Rede stehende, keine neuen Aufschlüsse über 
Voltaire und keine detaillirten Forschungen sucht, 
aber nimmermehr darf sich der Verf. begnügen, 
dieses und Jenes aus Strauss, Desnoisresterres und 
sonstwo zu entnehmen, statt auf die Schriften und 
Briefe Ws sich zu stützen. 

Eine längere Betrachtung ist dem Verhältniss 
Voltaires zu Shakespere gewidmet worden (279 u. 
284 — 286 — 299 — 301 doch kommt P. wieder 
zu dem von Hettner mit Recht verworfnen Resultat, 
dass V. seine Meinung über den englischen Dichter 
später total geändert habe. Nach P. soll der Fran¬ 
zose überdiess in der bekannten Vorrede zur Ir^ne 
auf Shakespere nur losschlagen, weil er fürchtete, 
dass seine Gegner in Pari9 durch den hellaufleuch¬ 
tenden brittischen Stern den abnehmenden Glanz 
des Dichters Voltaire völlig überstrahlen wollten. 
Ws Urtheil über Shakspere ist allerdings nicht so 
Widerspruchs und wandellos, wie Hettner anzu¬ 
nehmen scheint, doch ist es in seinen Grundgedanken 
bestimmt festzustellen. Der thoretische Kritiker 
V. und der von englischen Eindrücken begeisterte 
Philosoph suchte eine Verschmelzung des Shakespere¬ 
schen Genies mit dem französischen Tragödien¬ 
schema, dessen Schwächen er scharfsinnig erkannte, 
zu erreichen, aber der Dichter V. und der patrio¬ 
tische Franzose hielt doch stets an der dramatischen 
Ueberlieferung, trotz ihrer wohlerkannten Einseitig¬ 
keit und Schwäche, fest. Immer wieder überwiegt 
der Einfluss Corneilles und, in sehr untergeordnetem 
Masse, der Racines, die Einwirkung Shaksperes, und 
die Nachbildungen des Othello, Hamlet, J. Caesar 
in Zaire, Sämiramis, Mort de C4sar sind äusser- 
lich und meist unglücklich. Wie immer, ist 
der ästhetische Kritiker V. in voller Disharmonie 
mit dem Dichter. Während der erstere in reiferen 
Jahren unbedingt zu Racine hielt und dem Cor¬ 
neille nur einen bedingten Werth zuerkannte, ahmte 


der letztre bis in seine t^pätesten Dichtungen hinein, 
die Eigentümlichkeiten der Corneille-Manier ge¬ 
wissenhaft nach. Den Shakespere hingegen gab er 
in der Vorrede zur Uebersatzung des Julius Cösar 
auch in theoretischer Hinsicht preis, kam auch 
seit der Dichtung des „Tancröde“ (in welcher einige 
Kritiker Anklänge an „Romeo and Juliet“ wahr¬ 
nehmen wollen), nie wieder als Dichter auf ihn 
zurück. Schon in der genannten Vorrede ist den 
Shakesperschen Dichtungen lediglich eine histori¬ 
sche Bedeutung von Voltaire zugestanden worden, 
ihre ästhetischen Eigentümlichkeiten erscheinen 
hier nur als Ausdruck der barbarischen, unphiloso- 
phischan Zeit, die V. so tief verachtete und so ein¬ 
seitig zu Gunsten der Aufklärungsperiode herab¬ 
setzte. Der bis dahin theoretisch festgehalten 
und noch in der „S£miramis“ praktisch durchge¬ 
führte Plan, das Brittische und Classisch-Franzö- 
sische zu verschmelzen, ist somit schon 1762 definitiv 
aufgegeben und in der Vorrede zur „Ir&ne“ ist nur 
das verschärft worden, was an andrer Stelle schon 
angedeutet war. Dass V. nie den Shakspere ohne 
Einschränkung gelobt hat, erklärt sich aus der 
recht französischen Geschmacksbildung des Dichters 
und der unhistorischen Auffassungsweise des Philo¬ 
sophen, dass später der einst schonender Beurtheilte 
rücksichtslos preisgegeben wurde, hat freilich in dem 
Bewusstsein der wesentlichen Identität zwischen Ws 
eignem Dichten und dem überlieferten französischen 
Tragödienschema seinen Grund; aus rein persön¬ 
lichen Gründen ist Shakspere aber weder gepriesen, 
noch verlästert worden. Ich begnüge mich mit 
diesen Andeutungen, da ich die berührten Punkte 
in einer grösseren Arbeit, die demnächst in den 
„Französischen Studien“ erscheinen soll, eingehender 
und quellenraässig zu begründen hoffe. Wie Prölss 
das theoretische Verhältniss Ws zn Shakspere nur 
einseitig und ungenügend erfasst, so sind ihm auch 
die näheren Beziehungen der Dichtungen Ws zu 
den brittischen Vorbildern nicht recht klar geworden. 
Das Verhältniss der „Zaire“ zu „Othello“ der „S6- 
rairamis“ zu „Hamlet“, des „Julius Cesar“ zur gleich¬ 
namigen Voltaireschen Tragödie musste eingehendelr 
erörtert werden. Auch wäre eine nähre Charakteri- 
sirung der Beziehungen Ws zu Fr6ron, Desfontaines, 
Nonotte und zur damaligen Theaterkritik und 
Theaterklike am Orte, sowie die Urtheile über das 
damalige Schauspielerthum nach Voltaires Corre- 
spondenz näher zu erörtern gewesen. 

Je mehr P. sich der Neuzeit und dem 19. Jahr¬ 
hundert nähert, desto eingehender, sachgemässer, 
kenntnissreicher und treffender wird seine Darstel¬ 
lung, und die Abschnitte X—XIV, welche die 
Bühnendichtungen und die Schauspielkunst seit 1789 
behandeln, sind durchaus vortrefflich. Der Tadel, 
dass Verf. diese Periode auf Kosten der classischen 
Zeit bevorzugt habe, sollte gegen ein Werk, das 
sich vor Allem an die Kreise der nichtfach¬ 
wissenschaftlich Gebildeten wendet, nicht erhoben 
werden. 

Dies führt uns zu den unleugbaren Vorzügen 
des besprochnen Bandes. Prölls kennt nicht nur 
die dramatische Literatur, er kennt auch das Theater. 
Während unsere schulmässigen Literarhistoriker 
die dramatische Stücke so besprechen, als seien sie 


Digitized by 


Google 


193 


1882. Literaturblatt für germanische and romanische Philologie. Nr. 5. 


194 


nur für die Lektüre und Kritik, nicht für die Bühne 
und den Tagesgeschmack berechnet, erörtert P. 
überall die Bühnenverhältnisse und die Richtungen 
der Schauspielkunst. Wie leicht es dem Historiker 
des Dresdner Theaters werden muss, sich auch in 
anders geartete Verhältnisse hinein zu denken, wie 
kompetent in dieser Hinsicht sein Urtheil ist, wie 
sehr die unmittelbare Einsicht und Erfahrung auch 
die Mängel der Quellenstudien ersetzt, -dedarf keines 
Nachweises. Ferner ist P. von jedem Coterie- und 
Cliquengeist, auch da, wo er Personen und Zustände 
schildert, die uns aufs persönlichste berühren, weit 
entfernt, und sein Styl ist im Allgemeinen ebenso 
korrekt, wie anziehend. Im Wentlichen wenn wir, 
von unnöthigen ästhetisirenden Betrachtungen ab- 
sehen, ist die Darstellung auf die Sache beschränkt, 
und wenn von Kleins zwölfbändigen Torso, sich 
zu der Prölsschen Geschichte, der Fortsetzung und 
Ergänzung des verunglückten Kleinscben Werkes, 
wendet, das wird frei aufathmen, wie von einer 
Sisyphus-Arbeit entlastet. Doch möchten wir dem 
verdienstvollen Verfasser bitten, das wohlberechtigte: 
„multum non multa“ nicht willkürlich umzukehren 
und seinen Vorstudien längere Zeit, seinem Werke 
grössere Ruhepausen zu gönnen. 

Halle, März 1882. R. Mahrenboltz. 


Oeuvres compl&tes de Moli&re collationn£es sur 
les textes originaux et commentöes par M. L o u i s 
Mol and. Deuxiöme Edition, soigneusement revue 
et considörablement augmentäe. Tome 2 6 ” e . Paris, 
Garnier Fröres. 1880. 

Es ist wirklich erstaunlich, mit welcher Schnel¬ 
ligkeit und in welcher Menge in Frankreich die 
Moliereausgaben einander folgen. Ziemlich lange 
(1863—1873) hat Moland als bester Herausgeber 
geherrscht, die Ausgaben von J. Janin (Paris, Mel- 
lado 1868), von Alphonse Pauly (Lemerre 1872) 
thaten ihm wenig Abbruch. Dann aber erschien 
die ihn weit überholende Ausgabe von Despois, 
fortgesetzt von Mesnard (Hachette 1873), die von 
Anatole France (Lemerre 1876), von R4gnier (Impr. 
nat. 1878). Neben diesen bändereichen, wissen¬ 
schaftlichen Ausgaben erscheinen in Fülle noch 
billige für den armen Mann und Luxusausgaben 1 
für die Nabobs. Man sollte denken, der Bücher¬ 
markt wäre somit reichlich mit guten Ausgaben 
versorgt, dennoch unternimmt Louis Moland die 
Neubearbeitung seiner 1863—64 erschienenen Moli&re- 
ausgabe. Er hat die nöthigen Vorkehrungen ge¬ 
troffen. dass alle zwei Monat ein Band erscheinen 
kann, das Ganze in 1 */2 Jahren (also früher als die 
Ausg. von Despois und France) vollständig vorliegt. 
Die neue Ausgabe wird um 3 Bände gegen die 
erste vermehrt, da die Quellen zu des Dichters 
Leben und Werken auf das umfassendste zum Ab¬ 
druck gelangen sollen, wodurch sie sich für viele 
als unentbehrlich erweisen wird, welche der Quellen 
anders nicht habhaft werden können. Der erste 
Band wird ausschliesslich der Biographie gewidmet 

1 Zum Theil zu exorbitanten Preisen: die bei Jouanst 
in 200 Exemplaren erschienene Ausgabe der Psychä kostet 
je nach der Ausstattung 75, 100, 200, 400, 1000 fr. 


| sein und zuletzt erscheinen; der vorliegende zweite 
enthält: 1. Les deux farces. 2. Le ballet des In- 
compatibles. 3. Pröface de Pedition de 1682. 

4. L’ljltourdi. 5. L’Inavvertito von Nicolö Barbieri. 
6. Le Depit amoureux, also genau dasselbe wie der 
erste Band von Despois’ Ausgabe, Nr. 2, 3, 5 waren 
in der ersten Auflage nicht enthalten. 

Im übrigen unterscheidet sich die neue Ausgabe 
von der alten in folgenden Punkten: die „notices 
prAliminaires* sind ein wenig vervollständigt, doch 
ist wesentliches nicht hinzugefügt. Interessant ist 
Victor Hugos Ausspruch über den fitourdi: „La 
mieux 6crite de toutes les pi&ces de notre grand 
comique, c’est sa premiöre oeuvre. L’Etourdi a un 
eclat, une fraicheur de style, qui brillent encore 
dans le D£pit amoureux, mais peu k peu s’effacent“ 
etc. Der Text ist sorgfältiger bearbeitet, die 
Varianten sind mit grösserer Vollständigkeit ver¬ 
zeichnet. Leider ist die Orthographie wiederum 
weder modern noch alt, wie in der Ausgabe von 
Despois. Es ist zu bedauern, dass die Franzosen 
in solchen Ausgaben nicht consequent sind. Bei 
sonst moderner Schreibung kann das n oi u nur un¬ 
angenehm berühren, und Wortformen wie n je 
Vipousterai“ {ß. 125) und „alte“ statt „halte“ (S. 
385) nur wie Monstra erscheinen. Die Scenenein- 
theilung und die Bühnenanweisungen sind nach 
neueren Ausgaben gegeben, trotzdem die Einleitungen 
und der Titel versichern, dass die Originalausgaben 
„fid&ement“ reproducirt sind. Die Verse sind 
wiederum nicht gezählt. 

Die erläuternden Anmerkungen sind um 18 
vermehrt, 11 sind erweitert oder berichtigt worden, 
mehrere andere noch hätten entschieden der Besse¬ 
rung bedurft: S. 37, 2 hätte angegeben werden 
können, dass auch andere Comödiendicbter sich die 
Spielerei erlaubten, den Titel des Stückes oder eines 
anderen ihrer Werke in den Text zu verflechten; 
z. B. Scarron: 

Mais rai8onnemens sont tout-ä-fait frivoles, 

Oü Von a plus besoin d'effets que de paroles . 

Jod. Duell. Y, 1. 

Plus d’effets que de paroles ist der Titel von einer 
Novelle Scarrons. 

Que lor8qu f on nous accus e et que notre innocence, 

Quoique vraie en effet, est fausse en apparence, 

II vatU autant mourir etc. 

La fausse apparence IV, 6. L6onore. 

5. 111, 2. Wie in der ersten Auflage hätte Auger 
als Verfasser der Anmerkung genannt werden müssen. 
— S. 325, 1 wird gesagt, dass Comödiendichter das 
Wort iglise vermieden, es hätte angegeben werden 
müssen, dass Mol. es doch dreimal braucht: Tart. 
283. 525; M. de Pourc. I, 6. — S. 350, 1. „froide 
se pronongait frbde ä la cour “. Das ist nicht ganz 
zutreffend, denn die von Despois an dem betreffen¬ 
den Orte angezogene Stelle aus dem Baron de 
Foeneste hat keine Beweiskraft. Manage aber sagt 
ausdrücklich, es wäre so gesprochen worden im 
„discoars familier“, und nach Chiflet war diese 
Aussprache (1658) gar nicht recht gebräuchlich: 
Plusieurs ajoustent aux ai, craire, craistre, fret etc. 
pour croire, croistre, froid. — S. 402, 3 hätte an¬ 
gegeben werden müssen, wie die sprichwörtliche 
Redensart vollständig lautete, vgl. Oudin, cur. fr. 
270: Uun veut du mol Vautre du dur, et par ainsi 


Digitized by 


Google 



195 


1882. Literaturblatt für germ&Bisohe und romanische Philologie. Nr. 5. 


196 


taut ce mange, pour dire que les gousts des per- 
sonnes sont diffärents, toutes les choses se vendent, 
etc., vulg. — S. 412, 1 . Zu dem Wort „ardez“ =*= 
regardez ist eine Parallelstelle aus Corn. gebracht, 
es lag doch näher die Stelle aus Mol.’s Don Juan 
II, 1 Charlotte: „Ardez un peu“ anzuführen. — 
S. 418, 1. Ich hätte gewünscht, dass der Hrsg, zu 
dem Vorschläge im Moliüriste Nr. 9, statt „sot“ 
saut zu lesen, Stellung genommen hätte. — S. 432, 
1. Moland sagt in der neuen, wie in der alten Aus¬ 
gabe zu dem Verse: 

Ne va point regarder ä tont U monde aux yeux , 
es sei ein „tour de phrase peu correct“. Da ich 
den Fehler nicht finden kann, auch Auger, Despois 
ihn nicht gefühlt zu haben scheinen, wäre eine 
nähere Aufklärung sehr erwünscht gewesen. — 
S. 433, 1. Der Hrsg, hätte sich nicht wieder damit 
begnügen sollen, wie Auger und Günin zu sagen: 
„Boisrobert dit u , sondern sich der Mühe unterziehen 
müssen, das Citat genau zu ermitteln. 

Das sind einige Punkte, die der Hrsg, bei der 
Neubearbeitung hätte bessern müssen, ausserdem 
sind wiederum viele grammatische, metrische 
und lexikalische Schwierigkeiten gar nicht berührt 
worden. 

Kurz dieser Band der neuen Ausgabe fördert 
die Erklärung der darin enthaltenen Stücke, wenn 
überhaupt, nur in sehr geringem Masse, er steht 
dem I. Bande von Despois’ Ausgabe erheblich 
nach. Hoffentlich werden die späteren Bände des 
Guten und Neuen mehr liefern und den Ruf, welchen 
Molands Ausgabe bisher genoss, von neuem be¬ 
gründen. 

Wo Hin i. Pommern, März 1882. W. Knörich. 


Morel-Fatio, Alfred, Calderon. Revue cri- 
tique des travaux d’drudition publids en Espagne 
ä l’occasion du second centenaire de la mort du 
pofete. Suivie de documents relatifs ä Fanden 
thd&tre espagnol. Paris, Dennd. 1881. 69 S. 8. 

Das Calderonfest des vorigen Jahres war ein 
über alles Erwarten glänzendes. Man müsste über 
den Contrast mit der Gelesenheit und Lesbarkeit 
Calderons in Spanien erstaunen, wenn man nicht 
wüsste, wie wenig oft, auch bei uns, Motive und 
Inhalt solcher Feiern mit dem gefeierten Namen zu 
schaffen haben. Es ist sogar vortheilhaft (wie bei 
Büchertiteln), wenn sich an das tönende Wort keine 
allzu präcisen Begriffe knüpfen. Die harmonische 
Begeisterung, mit welcher Emilio Castelar den 
Poeten für die Demokratie, Menendez Pelayo ihn 
für die Inquisition in Anspruch nimmt, würde nicht 
so allgemein gezündet haben, wenn Calderon in 
Spanien mehr gelesen, gespielt und verstanden 
würde. 

Kommen wir zu dem Massstab, welcher vor 
anderen zeigt, wie weit ein Dichter alter Zeit für 
die Nachkommen lebendig ist, zu der wissenschaft¬ 
lichen Pflege seines Andenkens, so verschwindet 
alle Illusion. Die Summe der Leistungen, wie sie 
hier von Morel-Fatio gezogen wird, ist keineswegs 
eine grössere als bei der Entfremdung Spaniens 
von Calderon und bei der für alle gelehrte Thätig- 


keit ungünstigen politischen und socialen Entwicklung 
des Landes im 19. Jh. zu erwarten stand. Nach 
einem einleitenden scharfen Epilog zu der Feier 
Hesse sich Morel-Fatios Kritik etwa in 4 Para¬ 
graphen theilen: Einzelne urkundliche Beiträge zur 
Biographie Calderons S. 7 — 11; Menendez’ Pelayo 
Vorträge über Calderon S. 12—25; die gekrönte 
Preisschrift von Sancbez Moguel über die historischen 
Beziehungen- (sic) zwischen dem Stoff des Mägico 
und des Faust S. 25—38; die gekrönte Preisschrift 
von Adolfo de Castro über die spanische Sitte in 
den Werken Calderons S. 38—40. Einige weitere 
Arbeiten sind nur angeführt um sie definitiv bei 
Seite zu schieben, doch nicht ohne dem Recensenten 
Anlass zu ein oder der anderen schätzenswerthen 
Bemerkung gegeben zu haben. Das gilt auch von 
mehreren unter den biographischen Einzelheiten; 
besonders werthvoll ist M.-F.’s Bestimmung des bei 
Hartzenbusch IV, 676 publicirten Briefes. Die Bio¬ 
graphie Calderons von Picatoste war noch nicht 
erschienen, als M.-F. abscbloss. Das bedeutende 
Buch von Menendez Pelayo erfährt wohlverdiente 
Anerkennung und auch verdienten Widerspruch. 
M.-F. unterzieht hier die Frage nach dem Verhält- 
niss von En esta vida todo es verdad y todo mentira 
zu Corneilles Heraclius einer Untersuchung und 
erklärt sich (im Anschluss an Viguier) entschieden 
und überzeugend dahin, dass diesmal der spanische 
Dichter bei dem französischen entlehnt habe. Die 
Resultate von Sanchez Moguel erfahren eine er¬ 
schöpfende Kritik. Es zeigt sich, dass allerdings 
Calderon im Mägico eine dem Hermitafio galan und 
der Mesonera del cielo gemeinschaftliche Scene 
benutzt hat. Dagegen scheint mir der Professor 
von Saragoza bei der Autorenfrage im Recht zu 
sein; wir haben keinen Grund die ausdrücklichen 
Angaben der Drucke anzufechten. Mit Recht wird 
die Gruppirung abgewiesen, welche Sanchez Moguel 
mit den Versionen der Justinalegende versucht hat, 
ebenso die Aufstellung, dass Calderon aus einer der 
Redaction des Alfonso de Villegas nahestehenden 
Quelle, wahrscheinlich aus Ortiz Lucio geschöpft 
habe. Doch kann ich auch dem Schluss Morel- 
Fatio’s nicht beistimmen: dass Calderon mehrere 
Quellen, zunächst Rivadeneira’s Flos Sanctorum, 
dann wahrscheinlich Villegas und Ortiz und viel¬ 
leicht auch die Legenda aurea zu Rath gezogen 
habe. Bei Rivadeneira ist Cyprian nur der Ver¬ 
mittler, bei Ortiz und Villegas nur der Liebhaber, 
bei Calderon zugleich Vermittler und Liebhaber. 
Wir haben kein Recht anzunehmen, dass er diese 
Verbindung erfunden hätte, während sie in der ver¬ 
breitetsten Form der Legende, der der Historia 
lombardica, von Alters her vorliegt. Das ist eine 
entscheidende Uebereinstimmung. Ueberdies trifft 
die Legenda aurea mit dem Mägico zusammen in 
den Scenen V. 3139 ff., 1090 ff, und vielleicht in 
der Person des Lysandro: sie enthält alle Elemente 
des Dramas, welche sich in der einen oder der 
anderen der obengenannten Versionen finden, ins¬ 
besondere den Aglaidas,. und mehrere welche sich 
in denselben nicht finden. Für die Redaction des 
Metapbrast führte M.-F. in seiner Ausgabe des 
Mdgico S. XXXII an, dass ihr Cyprian „dabat 
operae philosophiae et arti magicae“, während der 


Digitized by 


Google 




197 


1882. Literaturblatt für germanische and romanische Philologie. Nr. 5. 


198 


Magus der confessio nur ein Charlatan und Land¬ 
streicher sei. Rivadeneira (nach Metaphrast) nennt 
ihn aber nur einen Zauberer, und umgekehrt V 7 il¬ 
legas einen grande fijösofo y muy inayor nigromante. 
Ich halte den Punkt für ganz unerheblich. Die 
Variante ist das Erzeugnis einer mittelalterlichen 
und überhaupt volkstümlichen Anschauung von 
Philosophie und Zauberkunst: magus dicitur male- 
ficus et sapiens. Ein grosser Magier ist an und 
für sich ein Gelehrter. — Dass der Dichter bequemer 
ein spanisches als ein lateinisches Buch oder lieber 
das Werk eines berühmten Jesuiten als ein anderes 
benützt haben dürfte sind Erwägungen, die nur in 
Verbindung mit ernsteren Beweisen ins Gewicht 
fallen könnten. Hätte er sich übrigens bemüht 
mehrere Versionen zu vergleichen, so würde ihm 
schwerlich der Fehler unterlaufen sein, die Justina 
Faustina zu nennen, wie er in dem Autograph eine 
Zeit lang thut; 9 er scheint einen alten Druck der 
Legenda aurea mit geschriebenen Initialen recht 
flüchtig gelesen zu haben. Dass er diese benützt 
hat scheint mir sicher, und ich glaube, dass er nur 
$ie benützt hat. Dass die Tradition hier in der 
absurdesten Form auftritt war für den Entwurf des 
Dramas keineswegs ungünstig. Den Mittelpunkt 
von Calderons Schöpfung bildet die Argumentation 
Cyprians mit dem Satan in der Legende. Die 
Kühnheit und Sicherheit in der Behandlung der 
Fabel ist hier, wie immer, bewunderungswürdig. 

Als Arfhang veröffentlicht Morel-Fatio 3 höchst 
interessante Madrider Theaterordnungen von 1608, 
1615 und ca. 1616. Viel weniger inhaltreich sind 
die von Alart, dem verstorbenen Archivar von 
Perpignan gesammelten Nachrichten über das spa¬ 
nische Theater dieser Stadt von 1623—37; doch 
wird man auch sie nicht ohne Nutzen lesen. 

Döckingen, 15. März 1882. G. Baist. 


Ribeiro, Julio Grammatica portugueza. Säo 

Paulo, typ. de Jorge Seckler. 1881. 299 S. 

Ist schon das Erscheinen eines portugiesischen 
Lehrbuches zur Erlernung der Sprache freudig 
zu begrüssen, da über eine Reihe von Formen ver¬ 
schiedene Grammatiken Widersprechendes bieten, 
so ist es für den Romanisten doppelt von Werth, 
eine neue auf sprachwissenschaftlicher Grundlage 
bearbeitete portugiesische Grammatik zu erhalten. 
Julio Ribeiro in Campinos (Provinz Säo Paulo in 
Brasilien) hat sich in dankenswerther Weise der 
Arbeit unterzogen, eine wissenschaftliche portu¬ 
giesische Grammatik zusammenzustellen, und wir 
sind nun nicht mehr ausschliesslich auf Th. Bragas 
Abriss (1876) angewiesen. Der Hauptwerth einer 
solchen Arbeit, und besonders auch dieser, liegt für 
uns zunächst in der Richtigstellung der Formenlehre, 
über weiche uns unsere Compendien (und auch Diez, 
vgl. z. B. veis II, 196 statt vedes u. s. w.) zumeist 
im Stiche oder doch im Ungewissen lassen. Hier 
haben wir nun die Formenlehre ausführlich bear¬ 
beitet und mit etymologischen, allerdings nicht immer 
zutreffenden Erörterungen, nach ihrer historkchen 
Seite hin, begründet. Mit besonderem Interesse wird 
jeder Kenner der port. Sprache die Einleitung über 


die Aussprache verfolgen, aus der unter anderem 
Beachtenswerthen hervorgeht, dass die noch heute 
in Minho und Traz os Montes übliche Aussprache 
des ch (in spanischer Weise = tschapeo ) die ur¬ 
sprüngliche von den Colonisten des 16. Jh.’s nach 
Brasilien gebrachte ist, wie schon Diez (I, 385) 
vermuthet; dagegen hat Ribeiro Diez (I, 378) gründ- 
lichst missverstanden, wenn er der Diez’schen rich¬ 
tigen Behauptung, man vermisse im Port, die gemein¬ 
romanischen Laute ie, ou oder ue sein sirie, super - 
ficie oder gar inquerito, questäo, arduo, contiguo (p. 12) 
entgegenhält. Interessant ist die (nach S. 22) auch im 
Port, vorhandene Liaison nach Art der französischen 
an einem Beispiele erörtert Was die Orthographie 
betrifft, so steht Ribeiro vollständig als Neuerer da. 
Ausgehend von dem Grundsätze (S. 23), dass eine 
phonetische Orthographie in Portugal etwas Utopi¬ 
sches sei, stellt sich Ribeiro auf historischen Boden. 
Seine Lehre no, num (= em o, em um) statt des 
üblichen n’um, n y uma zu schreiben (p. 25) hat in 
Portugal längst viele Anhänger, die Schreibart 
amar-te-ia (statt amaria-te) ist ohne Zweifel logischer 
als die gewöhnliche amar-te-hia , die Endung iu ist 
derjenigen auf io, ou der Schreibung oi (couro statt 
coiro aus corium u. s. w.) stets vorzuziehen, das 
doppelte e (feem u. dgl.) ersetzt den Circumflex 
(tSm) u. s. w. Doch kommt Ribeiro zu Schreibungen, 
welche jedenfalls Widerspruch erregen und keine 
Nachahmung finden dürften; er ersetzt das griechische 
und als solches guttural gesprochene ch durch die 
neue Gruppe kh (z. B. arkhaismo, anakhronismo ), 
verlangt dem griechischen & zu liebe thio, thia statt 
des allgemein üblichen tio (&eTog) und schlägt vor 
gentil-homem, phil-harmonica u. dgl. zu schreiben. 

Willkommen ist die Abhandlung über das Genus; 
dabei ergibt sich gegen Diez (II, 18), dass planeta, 
cometa etc. jetzt männlichen Geschlechtes sind, früher 
aber (vgl. Cam. V, 24 nach der jetzt aufgenommenen 
und von Coelho S. 92 der Ausg. des Gabinete de 
Leitura vertheidigten Lesart: a planeta ) weibliche 
Substantiva waren, desgleichen sind einige substan- 
tiva abundantia hier neu aufgeführt Die Plural¬ 
bildung ist kritisch und etymologisch dargestellt. 
Kaum zu rechtfertigen aber ist die Aufstellung des 
Verbums pör (alt poner, also ein Verb der zweiten!) 
als eigene vierte Conjugation, zu der nur die Com- 
posita von pdr noch gehören. Das däfini (Perfect) 
bezeichnet Ribeiro als Aorist, was freilich nicht 
unbedingt zulässig ist. Reichhaltige Angaben machen 
die Formenlehre äusserst vollständig; so gibt R. 
eine lange Liste von Verben mit doppelten Parti- 
cipien u. dgl. 

Die Etymologie, welcheR. lexeogenia nennen 
möchte (p. 142), bringt allerdings einige bedenk¬ 
liche Ableitungen. So sollte S. 147 truäo (Diez 
Wb. 332) nicht unter den lateinischen capitäo, cäo 
u. s. w. stehen; es ist falsch in dem reinen Accusativ 
quem (wie rem) eine Contraction von que homem , in 
alguem das lat ediquem hominem , in nada gar das 
keltische na (= coasa nenhumu't) zu suchen (p. 170). 
Richtig (p. 168) wird in cada (jeder) das griech. 
xard vermuthet, s. P. Meyer Romania II, S 80 ff. 
S. 187 ist ati aus hactenus abgeleitet; über perto 
(= praesto) wäre wohl Diez (Wb. S. 478) zu über- 
' legen; para gehört in den nächsten Paragraph, wo 


Digitized by 


Google 




199 



1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. 


Nr. ö. 


200 


von zusammengesetzten Präpositionen die Rede ist. ! 
An die Etymologie como aus cum (188) wird kaum ; 
jemand glauben; ebenso wenig an acold = hac illac ; j 
algures, alhures aus altquis oris, aliis horis (P!), oder 
gar (189) aqui aus ad hic statt eccu'Tiic, dem noch 
dazu das alte aquo (Eluc. I, 130) zur Bekräftigung , 
zur Seite stebt. Am meisten entfernt sich R. von 
richtigen Anschauungen in der Etymologie des 
port. Artikels, den er von hoc, hac, hos, has &b- 
leitet. obwohl er die alten Formen lo y la, los, las 
u. 8. w. kennt, die doch unwiderleglich auf illum 
zurückführen. Allerdings fehlt es in Portugal nicht 
an Männern, die wie Constancio und Jos$ Alexandre 
Passos den Artikel o a vom griechischen o ij her¬ 
leiten ! 

Die Syntax bietet weniger Neues. Die Regel, 
wie sie Diez anfuhrt, dass ein pluraliscbes Sub¬ 
stantiv zwei singulare Adjective bei sich haben 
kann (as grammaticas franceta e portugueza) be¬ 
streitet R., widerlegt sich aber selbst mit Camöes 
(Lus. I, 13) 0 quarto e quinto Affonsos. Wenig 
bekannt dürfte die Regel (S. 217) sein, dass bei 
Fürstennamen die Ordinalzahl bis zehn und von da 
die Cardinalzahl stehe; ebenso die Ordinalia decimo* 
primeiro, dedtno segundo (S. 57) neben undecimo 
und duodecimo ; ferner die sich allmählich befestigende 
nicht invertirte Frageform \tu queres vir almogar 
comigo . S 221 u. a.). Von besonderem Werthe ist 
die Darstellung der Tempuslehre, des persönlichen 
Infinitivs (S. 240) und die eingehende Behandlung 
der Zeitenfolge (S. 244—251), die an zahlreichen 
Beispielen erörtert wird. — In anziehender Weise 
stellt R. der Adjectivsteigerung jene der Substan¬ 
tive (durch Augmentation und Diminution) entgegen 
(mulher — mulheräo\ wobei erörtert wird, dass auch 
der Diminutivform bisweilen Superlative Kraft inne¬ 
wohne (S. 93): um pobrezinho ist um hometn muito 
pobre; uma vacca chegadinha a parir ist uma vacca 
muito chegada a parir. Beachtenswcrth ist das 
Diminutiv casebre (6. 91) zu casa. 

Sollten wir ein Urtheil über die allgemeine 
Brauchbarkeit des Buches abgeben, so wäre freilich, 
wie sich aus den wenigen angeführten Stellen er¬ 
gibt, der etymologische Theil als in vielen Stücken 
sehr mangelhaft und verfehlt zu bezeichnen, und 
das System erscheint trotz wiederholten Zurück¬ 
greifens bis auf Aristoteles mannigfach hinfällig. 
Manche Theile sind übermässig breit angelegt, z. B. 
die Aufzählung so vieler lateinischer Wörter auf 
ia (S. 17) oder gar die (S. 159 gegebenen) 190 
griechischen Wörter, die ebenso leicht vermehrt als 
vermindert werden könnten. Wem es jedoch um 
eine von einem Eingebornen geschriebene alle 
Formen und Fragen umfassende Sprachlehre zu thun 
ist, der wird bei dem bekannten Mangel an ähn¬ 
lichen Arbeiten mit grossem Nutzen Ribeiros Buch 
zur Hand nehmen. Was den etymologischen und 
sprachgeschichtlichen Theil betrifft, so scheint Ri- 
beiro seine Landsleute, vor allem den hochverdienten 
Coelho, besser und erfolgreicher als Diez benützt 
zu haben. Einzelnes liesse sich jedoch noch sehr 
erweitern, so z. B. die S. 185 gegebene Liste der 
passiven Participien mit activer Bedeutung. Bietet 
doch der Elucidario (II, 168) sogar namorado im 
Sinne von ‘liebenswürdig’; Camöes (Amph. I, 4) 


esperdigado als ‘verschwenderisch’; Diniz (Hyss. IV, 
64) compadecido als ‘mitleidig’ u. s. w. 

Trotz all dieser Mängel einerseits und Ueber- 
ladungen andrerseits lohnt der Kern des Buches 
seine Anschaffung. Es füllt die grosse Lüche, die 
wir auf dem Gebiete der port. Grammatik antreffen, 
nicht aus, doch trägt es etwas dazu bei, sie in vielen 
Hinsichten minder fühlbar zu machen. R. setzt 
selber Guizots schönes Wort vor sein Buch: En 
aucune chose, peut-Stre. il n’est donnä h Thomme 
d’arriver au but; sa gloire est d’y avoir march£, 
was wir für ihn gerne gelten lassen wollen. 

München, 24. Jan. 1882. Reinhardstoettuer. 

Zeitschriften. 

Archiv f. Literaturgeschichte XI, 2: Fr. 8chnorrvon 
Carolsfeld, Erasmus Alberus als Verfasser der anonymen 
Schrift „Vom Schmalkaldischen Kriege“. — Georg Kuli- 
mann, Shakespeares Antheil an dem unter seinem Namen 
veröffentlichten Trauerspiel Timon. — Franz Muncker, 
drei Oden aus Klopstocks Jugendzeit (Wingolf, Salem, an 
Gleim). — Ewald Flügel, eine Erinnerung an Schönaich 
(ein Brief Sch.’s). — R. Boxberger, zwei Briefe v. Leasing. 
Ein Brief von Schiller (an Reimarus, Müller; an Boie). —> 
G. Bossert, zur Lebensgeschichte von Schriftstellern aus 
Württembergisch-Franken. — Daniel Jacoby, zu Heines 
Ballade „die Grenadiere“ (Reminiscenzen an die schottische 
Ballade Edward). 

Zs. f. deutsches Altertbnin XXVI, 2: Oskar Baum- 
garten, die Chronologie der Gedichte Friedrichs v. Hausen. 

— J. Stosch, Nachträgliches über Wolframs Titurellieder. 

— R. M. Werner, eine Parallele zu Schillers Handschuh; 

Pesther Fragment des Wälschen Gastes. — Axel Kock, 
zu Zs. 25, 230. — G. Bickel, Schwazer Parzival- 

fragment. — J. Pirig, zwei Blätter einer Hs. des Renne¬ 
wart. — F. Keinz, ein neues Fragment der Wessobrunner 
Predigten. — R. Henning u. Jul. Hoffory, zur Text¬ 
kritik der Ialendingabök. — L. Hirzel, Romantisch (ein 
Beleg für das Wort aus dem Jahre 1734). — Otto Brahm, 
eine Episode aus Goethes Wahlverwandtschaften. — F. 
Seiler, noch einmal der Rythmüs von Placidas Eustathius. 

— E. Schroeder, Reimpredigt. — Ph. Strauch, zu Zs. 
25, 308 (die dortigen Fragmente gehören zur Christherre- 
chronik). 

Germania Bd. XXVII, 2: R. 8prenger, die Legende vom 
Judenknaben (Text des „Jüdel“; Nachweis, dass dasselbe 
Konrad v. Heimesfurth zum Verfasser hat; dass es neben 
Botho Prunveningensis Quelle für die Erzählung im Pas- 
sional). — F. Pf aff, (Frankfurter) Bruchstück einer Hs. 
von Reinbots Georg. — K. G. Andresen, heutige Ge¬ 
schlechtsnamen aus thiuda, diet. — F. Bech, zum Wort¬ 
schätze des Chemnitzer Urkundenbuchs; vom Eichhorn als 
Wüdpret; (inne. — Friedrich Neumann, die Entwickelung 
der Ortnitdichtung u. der Ortnitsage (die Ortnit-Wolfdietrich- 
Dichtung durch Verbindung zweier selbständiger Dichtungen 
entstanden). — F. Vetter, kleine Mittheilungen: eine neue 
Hs. von Boners Edelstein; Konrad v. Ammenhausen; zur 
Schachspielliteratur; Rothwelsch; Johannes Pauli. — K. 
Bartsch, Volkslieder des 15. Jh.’s; die ana} ityouevn im 
Nibelungenliede. — F. Pfaff, Volksl. auf Gustav Adolfs Tod. 
Alemannia X, 1: A. Birlinger, Volkstümliches; Schwaben¬ 
neckereien; aus einem Traumbuche. — L. Bapmann, eine 
Kcmptner Lügenchronik des 15. Jh.’s. — A. B., ein Diilinger 
Inventar. — K. Buck, L. Laistner, K. Christ, Flur- 
u. Ortsnamen. — A. B., Goldkörner aus Geiler von Keisers- 
berg; kleinere Mittheilungen; zu Grimmelshausens Simpli- 
cissimus; Leben heiliger alemannischer Frauen des 14., 15. 
Jh/s; Sprachprobe; Aberglauben aus der Schweiz; alte 
gute Sprüche. 

Nyare Bidrag tili kännedotn ora de svenska landsm&len 
ock svenskt folklif IV, 1. Tidskrift utgifven p& uppdrag 
af landsmälsföreningarne i Uppsala, Helsingfors ock Lund 
genom J. A. Lundeil. 1881. D. Innehäll: Ad. Nor een, In- 
ledning tili dalmälet; med karta. Stockholm. Samson & Wallin. 
188 f. 23 8., Karta öfver dalmälets omräde. S. 


Digitized by LjOOQle 



20i 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 5. 


202 


j^nglia, V, 1: B. ten Brink, das ae. Suffix ere. — G. 
Schleich, zu den Sprichwörtern Hendings. — L. Toulmin 
Smith, Bailad by Thomas Occleve addressed to Sir John 
Oldcastle (a. d. 1415). — A. Fritzsche, ist die ae. „Story 
of Genesis and Exodus“ das Werk eines Verfassers? (Metrum, 
Reim, Allitteration, Phonetik, Grammatik, Syntax, Wort¬ 
schatz, Anmerkungen.) — £. Einenkel, über den Verf. 
der neuags. Legende von Katharina (Wort- u. Phrasen¬ 
vergleich, der Vers, Geist u. Stil der Dichtungen). — A. 
E b e r t, zur ags. Genesis. — H. J. S c h r ö e r, zu Marlowes 
Faust — A. Schröer, „A comedie concernynge the lawes u 
von Johan Bale (Literarhist., Text des Dramas, Lexikalische 
Anmerkungen: Excurs über die Metrik). — E. Einenkel, 
Eine engl. Schriftstellerin aus dem Anfänge des 12. Jh.’s. 
— D. Rohde*, Nekrolog auf Hertzberg. 


Revue des lang n es romanes Mars: Paul Guil lau in e, Le 
Mystöre de Saint Eustache. (G. veröffentlicht hier den 
höchst wichtigen Fund, auf welchen wir bereits Sp. 160 hin¬ 
wiesen.) — C. Chabaneau, Me langes de Grammaire Fran- 
gaise: I. Verbes k forme doublement inchoative. II. La 
deuxiöme personne du pluriel de l’indicatif present dans les 
dialectes de l’Est. — A. Boucherie, cuvingles = conjugles 
(zu Karls Reise v. 284). 

Zs. f. roman. Philologie V, 4: A. v. Flugi, zwei ladin. 
Dramen des 16. Jh.’s. — Decurtins, ein suerselvisches 
Volksbuch. — C. Weber, über die Sprache u. Quelle des 
Altfranz, hl. Georg. — K. Bartsch, Franzos. Volkslieder 
des 16. Jh.’s. — G. Baist, Span. Etymologien: enclenque ; 
entibo; estribo ; urce; boucassin ; bttcherame; naverare\ bravo , 
brusco y brottco; tepe; esquinzar; titio ; isart; parelle ; ra- 
vauder; droga ; camagho ; varlope; tozzo , intuzzare, (osco, 
tocho, tozOy tozuelo ; toxo; lancha ; cotovia; esconzado ; mangla ; 
mella ; polilla ; brezo; e siregar ; piastra; sima • gercer; 
mattone; nata; chauresouris; jiride; antruejo . — C. Mi¬ 
chaelis de Vasconcellos, zum Cancioneiro d’Evora.— 
K. Bartsch, zum Roman de la Poire. — W. Foerster, 
Joufroi de Poitiers. — Recensionen etc. — Supplementheft 
IV: Neumann, Bibliographie 1879. 


Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissensch. 
Phil. hist. CI. XCIX, 1: Miklosich, Beiträge zur Laut¬ 
lehre der Rumunischen Dialecte. Vokalismus II. 

Magazin f. die Lit. des ln- u. Auslandes. 14—16: K. 
Bartsch, über Theophil Zolling, Heinrich v. Kleist in der 
Schweiz. — Poestion, eine neuisländische Grammatik 
(über Carpenter, Grundriss der neuisl. Gram.). — Gaedertz, 
über „Alte französische Volkslieder“. Uebersetzt von Karl 
Bartsch. 

Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit Februar: 
Zucker, welcher Zeit gehören die lateinischen Evangelien¬ 
fragmente des germanischen Museums an? 

Korrespondenzbl. des Vereins f. siebenb. Landeskunde 
Nr. 3 u. 4: G. F. Marienburg, die siebenbürg.-deutscben 
Namen der Hausthiere u. was damit zusammenhängt. — 

F. Metz, Kellinger Tanzbräuche. — F. Fronius, Fass¬ 
nachtsbrauch: das Ausschuhen der Frauen. — G. Hein¬ 
rich, siebenb. Räthsel. — Wolff, Käppes, Käppelsbach. 

Allgemeine Zeitung Nr. 109 u. 110 Beilage: L.Schäffer, 
der naive Genius in den Nibelungen. 

Academy 1. April: Webster, Populär poetry of Spain and 
Gascony (referirt über Costa, Poesia populär espanola y 
mitologia y literatura celto-hispana. Madrid; und Blad 6, 
Poesies populaires de la Gascogne. I. Poösies religieuses et 
nuptiales. Maisonneuve). — Spanish and portugueze „-dz“, 
„-es“. — 15. April: Furnivall, Chaucer „not“ at Wood¬ 
stock. — Skeat, betoray . — 22. April: Haies, Chaucers 
„Virgin“ at Boulogne. 

Bulletin du bibliophile 1881 Nov.: Develay, Nouvelles 
lettres de Pötrarque sur l’amour des livres (Ende). — Döc.: 
Ernouf, Lettre relative au „Bienenkorb“ de Fischart. 

Revue des questions historiques Avril: Rance, une 
nouvelle correspondante de Fenelon. Marie-Christine de 
Salm, abbesse de Remiremont. 

Revue internationale de Penseignement 15. Jan. 1882: 

G. P a r i s , Paulin Paris et la littörature frangaise du moyen- 
äge (s. Revue critique 14, 8. 276. 7). 

Le Correspondant 10 . Mars: B on de Larcy, Racine ä 
Uzk — Bire, Victor Hugo avant 1830. — Lall eman d, 
un prötendu manusorit du Bossuet. 

Revue des deux mondes 1. April: Caro, Emile Littrö I. 


La Nouvelle Revue 15. Mars: Loliee, La femme dans la 
chanson de geste et l’amour au moyen-äge. 

Rev. pol. et litt. Nr. 10 (11 mars): Arvede Barine, Publi- 
cations frangaises en Allemagne. Traitö de la Comödie par 
Armand de Bourbon, prince de Conti (ed. Vollmöller, Hen- 
ninger). — Nr. 11 (18 mars): E. Renan, Qu’est-ce qu’une 
nation? (Auszug aus einem Öffentlichen Vortrag.) — D’Ar- 
boi 8 de Jubainville, Le doraaine geographique des 
langues nöo-celtiques. — In der Caus. litt, wird die 3. Ausg. 
von Möziöres Contemporains et successeurs de Shakespeare 
besprochen. — Nr. 12 (25 mars): Charles Bigot, L’idöe 
de patrie, k propos de la conförence de M. Renan. — Arvöde 
Bar ine, Le roman historique en Allemagne; M. George 
Ebers (eine Frage; die Frau Burgemeisterin). — In der 
Caus. litt.: Memoirös du marquis de Sourches sur le regne 
de Louis XIV p. p. MM. le comte de Cosnac et Arthur 
Bertrand. I er vol., Hachette. — Nr. 13 (1 avril): Löo 
Quesnel, Longfellow. — O. Greard, L’enseignement 
supörieur k Paris. Les examens et les cours (ein früherer 
Artikel beschäftigte sich nur mit den Räumen, über welche 
. die Sorbonne verfügt). — Le Journal ‘le Globe* (aus dem 
Nachlasse von Paul Albert). — Frank Puaux, Une legon 
de M. Regnier (Bemerkungen des berühmten Darstellers 
über die berühmte dritte Scene des 2. Actes des Britannicus). 
— Nr. 14 (8 avril): FölixHömon, Les transformations du 
prix d’öloquence k l’Acadömie frangaise, — C. Lenient, 
Alfred de Müsset (dritter Artikel). — Emile Deschanel, 
Eugöne Despois (der 1876 verstorbene Hrsg. Moliöres und 
Verf. des Thöätre frangais sous Louis XIV). — A. Bar ine. 
La fable et l’histoire (aus Anlass von ‘Fabel und Geschichte* 
von v. Janko. Wien 1882). 

II Bibliofilo 1882. 1/2: G. Piergili, La Libreria Leopardi 
e la Biblioteca Comunale Leopardiana in Recanati. 

Nuova Antologia 15 mars: Zanella, Salomone Gessner 
ed Aurelio Bertöla. — Villari, La letteratura italiana nel 
Rinascimento. — 1 April: Ca ix, Moliöre e il suo „Tartuffe“. 
Rivista Europea 16. März: Ferrari, I primi grammatici 
della lingua italiana. — 1. April: Relazione std trasporto 
della Biblioteca Palatina da Heidelberg a Roma scritta da 
Leone Allacci. 


Neu erschienene Bücher. 1 

L o t h, J., Essai sur le verbe nöo-celtique en irlandais ancien 
et dans les dialectes modernes, son caractöre, ses transfor¬ 
mations; par J. Loth, agregö de l’Universitö. In-8°, 96 p. 
8aint-Amand, imprim. Destenay; Paris, lib. Leroux. 

Robert, U., Inventaire-sommaire des raanuscrits des biblio- 
thöques de France dont les catalogues n’ont pas ete impri¬ 
meg, publie par Ulysse Robert, employö au döpartement des 
manu8crits de la Bibliothöque nationale. 2 e fascicule: Arsenal 
(Paris \ suite, k Dijon. In-8°, p. 129 k 288. Paris, lib. Picard. 
L’ouvrage, composö de 900 pages environ, paraitra par 
fascicules, ä 4 fr. sur papier ordinaire, et k 7 fr. sur 
papier vergö. 

Trubners Catalogue of Dictionaries and Grammars of the 
Principal Languages and Dialects of the World. A Guide 
for Students and BookseUers. 2 nd ed. Considerably Enlarged 
and Revised, with an Alphabetical Index. 8 # , pp. 170. Trübper. 


•Bech, F., Beispiele von der Abschleifung des deutschen 
Participium Praesentis u. von seinem Ersatz durch den 
Infinitiv. (Programmabh. des Gymn. in Zeitz.) 

Faust, Johann. Ein allegorisches Drama, gedruckt 1775, ohne 
Angabe des Verf.’s, u. ein nürnberger Textbuch desselben 
Dramas, gedruckt 1777. Hrsg, von K. Engel. Oldenburg, 
8chulze. 2. AufL 8. M. 2. 

Goethe-Jahrbuch. HI. Abh.: v. Urlichs, Goethe und 
die Antike. — A. Brandl, die Aufnahme von G.’s Jugend¬ 
werken in England. — Er. Schmidt, zur Vorgeschichte 
des Goetheschen Faust: H. Faust u. das XVI. Jh. — H. 
Düntzer, G.’s Ansicht über das Wesen der Tragödie. — 
W. Scherer, über die Anordnung Goethesoher Schriften. 
— D. Jacoby, Goethe u. Schiller. — Neue Mittheil.: Elf 
Briefe G.’s an Silvie v. Ziegesar. — Briefe v. Leop. v. Hen¬ 
ning. Mitgetheilt v. W. Arndt — Briefe an Heinrich Meyer 


1 Ausser den mit * bexeichneten Werken wurden der Kedaction noch 
eingesandt: Busch, Lieder vom Ende der Kibelungen (s. Ltbl. 8p. 11?) 
L i n n i g, Bilder sur Geschichte der deutschen Sprache (s. Ltbl. 11. 8p. 374) 
Richter, aus der Messias- u. Wertherzeit (s. Ltbl. 8p. 117); Walther 
v. d. Vogelweide, hrsg. v. Pani y%. Ltbl. 8p. 34); Wein hold, 
deutsche Frauen, 2. Aufl. (s. Ltbl. 8p. 34). 


Digitized by 


Google 


14 



203 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 5. 


204 


u. Kanzler v. Müller. Mitgeth. v. Geiger. — Nachträge zu 
Goethe-Correspondenzen. Im Aufträge der y. Goetheschen 
Familie hrsg. v. F. Th. Bratanek. 1. F. M. v. Klinger. 2. 
Fürstin Galizin, OYerberg, F. L. Stolberg. — Miscellen: 
Geiger, eine Recension G.’s. — Ein G.’sches Aktenstück. 

— v. Loeper, über G.’s Anrheil an der Jenaischen Allg. 
Literaturzeit. 1806 u. 7. — E. Schmidt, zum Leipziger 
Liederbuch. — Fr. Lichtenstein, Das Gedicht „Sehn¬ 
sucht“. — W. Greizenach, zu dem poetischen Briefw. 
zw. Goethe u. Götter. — Düntzer, Wo bist du itzt mein 
unvergessl. Mädchen; Wär nicht das Auge sonnenhaft etc.; 
Allerdings; Dem Physiker. — J. A., 50 Jahre sind vorüber. 

— D. Jacoby, zu dem Gedichte „Adler u. Taube“. — 
Holland, zu dem Gedichte „Offene Tafel“. — L. G., G.’s 
Uebersetzung des „Neffen Rameaus“. — Lichtenstein, 
zur Uebersetzung von Corneilles Menteur. — Zart, der 
erste Ursprung der Faustsage u. des Mephistophelesnamens. 

— W. Creizenach, zu Goethes Faust. — L. G., Erwin 
u. Elmire unter Münchener Censur. — A. Bücher, Sapupi 
im Götz v. Berlichingen. — H. Hüffer, Goethe u. Johann 
Gottfr. Eichhorn. — D. Jacoby u. G. Haupt, Pfeffel u. 
Goethe. — E. Schmidt, Lucinde u. Emilie. — L. Weis, 
Goethe u« Swedenborg. — W. Arndt, zu G.’s Theater¬ 
briefen. — H. Rollet, Goethe u. die Glyptik. — J. Hart- 
mann, zu G.’s 1. u. 2. Aufenthalt in Schwaben. — L. G. 
u. R. Köhler, Kilian Brustffeck. — G. Weissstoin, aus 
einer Zs. der Sturm- u. Drangperiode. — M. Koch, ein 
Gedicht v. Marianne Willemer. — Bibliographie. 

Heinze, Th., die Allitteration im Munde des deutschen 
Volks. 31 S. 4. (Anklamer Programmabhandlung.) 

♦Heliand, Christi Leben u. Lehre. Nach dem Altsächs. von 
K. Simrock. 3. Aufl. Mit Ornamenten aus Hss. des 9. Jh.’s. 
Berlin, Grote. 218 S. 4. M. 8, geh. M. 12. [Der Text ist 
ein unveränderter Abdruck der früheren Ausgabe; die Aus¬ 
stattung ist wesentlich anders, eine ausserordentlich vor¬ 
nehme und prachtvolle geworden: das Buch wird geziert 
durch eine reiche Auswahl von Ornamenten aus kirchlichen 
Hss. des IX. Jh.’s, nach Bastin, peintures des manuscrits. 
Bei einer neuen Auflage wäre es zweckmässig, eine kurze 
Bemerkung vorauszuschicken über die Form der Dichtung, 
die dem Laien nicht so ohne Weiteres-zugänglich ist] 

♦Henning, R., das deutsche Haus in seiner historischen Ent¬ 
wickelung. Strassburg, Trübner. 8. M. 5. (QF. H. 47.) 

♦Keil, Richard u. Robert, Goethe, Weimar u. Jena im Jahre 
1806. Nach Goethes Privatacten am 50jähr. Todestage Goethes 
hrsg. Leipzig, Schloemp. 8. M. 3. 

♦Keller, Adelbert v., Bericht über Entstehung u. Fortgang 
des literar. Vereins in Stuttgart. 35 S. 8. (Nicht im Buchh.) 

Kirchhoff, A., Thüringen doch Hermundurenland. Ein Bei¬ 
trag zur geschichtl. Völkerkunde. Leipzig, Duncker & Hum- 
blot. 8. M. 1,60. 

Knorr, W., Die Familiennamen des Fürstenthums Lübeck, n. 
Progr. des Gymnasiums zu Eutin. 40 S. 4. 

Medicus, W., Die niedere Thierwelt im Dichter- u. Volks¬ 
munde. Leipzig, Thiel. 8. M. 1,50. 

Müller, J., Quellenschriften u. Geschichte des deutschsprach¬ 
lichen Unterrichts bis zur Mitte des 16. Jh.’s. Gotha, Thiene¬ 
mann. 8. M. 9. 

Pölzl, J., Mittelhochdeutsches Lesebuch für Oberrealschulen. 
Wien, Holder. 8. M. 1,40. 

Schlyter, C. J., Om en föregifven ännu i behall varande 
äldre redaktion af Södermannalagen. 5 S. 4. (In: Lunds 
Universitets arsskrift, Tom. XVII. 1880—81. Philosophie, 
Spräkvetenskap och Historia. Lund 1880—81.) S. 

♦8 chober, J., Johann Jacob Wilhelm Heinse. Sein Leben 
und seine Werke. Ein Kultur- und Literaturbild. Leipzig, 
Friedrich. 231 S. 8. M. 5. 

Theophiius, middelnederlandsch Gedicht der XIV eeuw, op 
nieuw uitgegeven door Dr. J. Verdam, hoogleeraar te 
Amsterdam. Amsterdam, Münster & Zoon. 172 8. 8. M. 2. 
(s. Lit. Centralbl. 1882. 15. E. K.) 

Wilmanns, W., Leben u. Dichten Walthers v. d. Vogel¬ 
weide. Bonn, Weber. XIX, 456 S. 8. 

te Winkel, J., Bladzijden uit de geschiedenis der neder- 
landsche letterkunde. 2. Stuk. Vondel als treurspeldichter. 
Haarlem, Erven Bohn. 155—342. 8°. 2 fl. 10 c. 


Barlett, the Shakespeare phrase book. 1034 p. 8 . $ 12 , 6 . 
English Dialect Society’s Publications. 

Eliot’s, George, Use of Dialect. B. Wm. E. A. Axon. 
(Forming Nr. 4 of the Miscellanies.) Trübner. 6 d. 


Five Original Glossaries, viz.: Isle of Wight Word», by 
the late Major Henry Smith and C. Roach Smith; Ox- 
j fordshire Words, by Mrs. Parker; Cumberland Words, by 
W. Dickinson, F. L. S.; North Lincolnshire Words, by 
Edward Sutton; Radnorshire Words, by the Rev. W. E. 
T. Morgan. Trübner. 

Leicestershire Words, Phrases, and Proverbs. By the 
| Rev. A. Benoni Evans, DD., and Dr. Sebastian Evans, 
| M. A. Trübner. 

TheNamesof Herbes. By William Turner, x. D. 1548. 
Edited, with an Introduction, Index of English Names, 
I and Identification of the Plants enumerated by Turner, 
! by James Britten, F. L. S. Trübner. 

! *Noack, Paul, eine Geschichte der relativen Pronomina in 
I der engl. Sprache. Göttingen, Calvör. 80 S. 8 . 

Shaksperes Werke. Hrsg. u. erklärt von Nicolaus Delius. 
j 5. Stereotyp-Aufl. 2 Bände. Elberfeld, Friedrich. Lex. 8 \ 
M. 16. [Beachtenswerth ist die — auch separat zum Preise 
| von 50 Pf. erschienene — 16 S. lange Vorrede, in welcher 
welcher der Verf. den heutigen Standpunkt seiner Kritik 
| gegenüber verschiedenen Aufstellungen mittheilt, die er in 
' den Einleitungen zu den einzelnen Dramen gemacht hat.] 
Skeats, Rev. W. W., Concise Etymological Dictionary of 
the English Language. 8 °. 5,6. 

♦Zimmermann, J. W., Grammatik der engL Sprache für 
die obern Klassen höherer Lehranstalten. 11 . Aufl. Halle, 

| Schwetschke. XXVH, 279 S. 8 . 

|-Lehrbuch der engl. Sprache, enthaltend eine methodische 

I Elementarstufe etc. 33. Aufl. Halle, Schwetschke. XIV, 
t 248 S. 8 . 


' ♦Altenburg, W., Versuch einer Darstellung der wallo- 
! nischen Mundart nach ihren wichtigsten Lautverhältnissen. 

3. Theil. Eupen 1882. Programm. 18 S. 4. 

| A m a b i 1 e, Luigi, II codice delle lettere del Campanella nella 
biblioteca Nazionale, e il libro delle poesie dello Squilla 
nella biblioteca dei pp. Gerolamini in Napoli, descritti ed 
illu 8 trati. Napoli, presso F. Furchheim Übraio-edit. in- 8 . 
pag. 147 ed 1 tav. litogr. L. 4. 

♦ Botelho-Andrade, Jose Affonso, Additamento ä Biblio- 
graphia Camoneana dos A$ores por occasiaö e posterior ao 
Centenario S. 35—52. 8 . 

Cadei, prof. Antonio, La sintassi della lingua italiana, de- 
dotta dai buoni scrittori. Milano, Domenico Briola edit. 1881. 
in- 8 . pag. 80. L. 1,20. 

Caylus, raarquise de, Souvenirs. Nouvelle ddition, soigneuse- 
ment revue sur les meilleurs textes, contenant la pröface 
et les notes de Voltaire, avec une etude sur l’auteur, un 
commentaire historique et une table analytique par M. de 
Lescure. In-16, 240 p. Paris, librairie Marpon et Flam- 
marion; Picard. 1 fr. 

Dezeimeris, corrections et remarques sur le texte de divers 
auteurs. Nouvelle sdrie. Ausone, Mathurin Regnier; Andre 
Chenier. Bordeaux. 63 S. 8 . 

Duque y Merino, El argumento de Amadis de Gaula. 
Madrid 1881. 178 S. 32. (s. Savine, Polybiblion. April. S. 378.) 

Gautier, Leon, Les Epopdes frangaises. Etude sur les ori- 
gines et l’histoire de la littdrature Nationale. Ouvrage trois 
fois couronnee par l’acaddmie des inscriptions et belles- 
lettres. IV. Seconde Edition, entierement refondue. Paris, 
Palme. XII, 576 S. gr. 8 . 

♦Gengnagel, Karl, Die Kürzung der Pronomina hinter 
! vokalisohem Auslaut im Altfranzösischen. 31 S. 8 . Hallenser 
i Dissert. [Verf. kommt zu folgendem Resultat: a) um 900 
war Verkürzung obligatorisch, b) Im 11 . Jh. konnten me, 

| te, se, le, les mit allen vokal, ausl. Wörtern zusammengezogen 
werden, c) Im 12 . Jh. waren nur noch le u. les mit einer 
beschränkten Anzahl vokal, ausl. Wörter (ne si se je hi que 
ja ou issi fo tu) kontraktionsfähig, d) Im 13. Jh. nur noch 
nel sil jel nes sis jes. e) Anf. 14. Jh. schwinden die letzten 
Kontraktionen.] 

Grazzini, A., dit Le Lasca, Les 8 oupers du Lasca, ou 
Recueil des nouvelles d’Antonfrancesoo Grazzini, Florentin, 
dit Le Lasca (XVI® sidcle). Traduction compldte et littdrale. 
T. 2 . In-32, 384 pages. Paris, librairie Liseux. Papier vergd. 
L’ouvrage complet en 2 vol., 20 fr. 

! Habicht, Fr., Beiträge zur Begründung der Stellung von 
I Subject u. Prädicat im Nfrz. Programm der Realschule zu 
Apolda. 16 8 . 4. 

♦Jansen, Jean-Jacques Rousseau, Fragments inddits. Recher- 
ches biographiques et littdraires. Berlin, Wilhelmi. 84 S. 8 . M. 3. 


Digitized by 


Google 


205 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 5. 


206 


♦Kühn, Zur Methode des französischen Unterrichts. Progr. 
des Realgymn. zu Wiesbaden Ostern 1882. 19 S. 4. 

♦Mangold, Wilh., Moliöres Misanthrope. Krit. Studie. Oppeln, 
Maske. 44 S. 8 . Sonderabdruck aus der Zs. f. nfr. Sprache 

u. Literatur. 

Miklosich, Franz, Rumunische Untersuchungen. IL Macedo- 
Rumunische Sprachdenkmäler. (Aus den Denkschriften der 
philo 8 .-hi 8 tor. Classe der Wiener Akademie.) Wien, in Comm. 

v. Gerolds Sohn. 4°. 

Moliöre u. seine Bühne. Moliöre-Museum. IV. Heft. 
Wiesbaden, Selbstverlag des Herausgebers [H. Schweitzer]. 
176 S. 8 . [Knörich, A. Laun, der Moliöriste. — Notiz der 
Frau Prof. Laun über die sonstige liter. Thätigkeit ihres 
Gatten. — Brief vom 8 ohne Paul Chörons. — Schweitzer, 
Notiz über Schleiden, Dingelstedt u. L. Kalisch. — Elomire 
Hypocondre von Le Boulanger de Chalussay. Neudruck mit 
Einl. v. Mahrenholtz. — Humbert, die Moliöre-Vor- 
stellungen auf deutschen Bühnen. — 8 chweitzer, die 
Autographen Moliöres. Schluss mit Tafel. «— Mangold, 
Auszug aus dem Registre von Lagrange. — Schweitzer, 
Mauvillain, Moliöres Arzt. — Truffier, Enterreinent 
nocturne. — Schweitzer, Das neueste auf dem Gebiete 
der Moliöre-Forsohung: Analyse des Molieristen. (Bespricht 

u. a. Arbeiten über Don Juan; le Favori; l’amour medecin; 

v. Laun, Plagiate Moliöres in England; Moulin, Armand 
Bejart; Faber, eine deutsche Ausgabe des Medecin malgrö 
lui; Wesselowsky, Le ras. de Chappuzeau; Uuedirte 
Dokumente; Moliöre in Narbonne; Janet, Philosophie 
Moliöres; der Herzog Henri Jules d’Enghien u. der 4. Akt 
des Tartuffe; Monval, Documenta inedits, un parent de 
Moliöre au XVIII* siöcle. — Livet, quelques observations 
sur le personnage de Tartuffe; u. Regnier, Le röle de 
Tartuffe; Lacroix, die Aufschrift der Büste Moliöres.) — 
Knörich, Moliöres Leben u. Werke von Mahrenholtz. 
— Wesselowskys Analyse seines Misanthropen aus dem 
Russischen übers, v. Lanken au; u. Mangolds Urtheil 
über das Werk. — Mahrenholtz über Mangolds 
Tartuffe.] 

Moliöre, Oeuvres complötes de Moliöre, collationnees sur 
les textes originaux et commentees par M. Louis Moland. 2 * 
edition, soigneusement revue et considörablement augmentöe. 
Une composition de Staal, gravee sur acier, accompagne 
chaque piöce. T. 2 et 3 . 2 vol. In- 8 . T. 2, LVT, 443 p.; 
t. 3, 470 p. Paris, imp. Quantin; lib. Garnier fröres. 

Mo linier, A. et E., Chronique normande du 14. siede. Publ. 
pour la societö de Thistoire de France. Paris, Loones. LXXV, 
414 p. 8 . fr. 9. 

Montegut, Emile, Types litteraires 'et fantaisies esthötiques.* 
Paris, Hachette. 340 S. 8 . (Enthält u. a. Artikel wie: Don 
Quichotte; Hamlet et de quelques ölöments du genie poetique; 
Werther; Wilhelm Meister; Dante et Goethe etc.) 

*Pitrö, G., II Yespro siciliano nelle tradizioni popolari della 
Sicilia. Palermo, Luigi Pedone Lauriel. 125 S. 8 . L. 2 . 

Poesia, Una, popolare del secolo XV. Roma, tip. Artero e 
C., 1881. in-4 picc. pag. 6 n. n. Ediz. di soli L esempl., per 
nozze Salvini-Gabrielli. 

Val des. XVII Opuscules by Juan de Valdes. Edited by J. 
T. Betts. London,- Trübner. 

Voltaire. Oeuvres complötes de Voltaire. Nouvelle edition 
avec notices, prefaces, variantes, table analytique, les notes 
de tous les commentateurs et des notes nouvelles, conformes 
pour le texte ä Pödition de Beuchot, enrichie des decouvertes 
les plus r4centes et mise au courant des travaux qui ont 
paru jusqu’ä ce jour, pr4c4d4e de la Vie de Voltaire par 
Condorcet et d’autres ötudes biographiques, ornee d’un 
portrait enpied d’aprös la statue du foyer de la Comödie- 
Frangaise. T. 43 ä 47. 5 vol. In- 8 . Correspondance. T. 11 , 
607 p.; t. 12, 595 p.; t. 13, 599 p.; t. 14, 608 p.; t. 15, 
615 p. Paris, imprimerie Quantin et C e ; libr. Garnier fröres. 
L’ouvrage forraera environ 50 volumes. Chaque volume, 6 fr. 

Ausführlichere Recensionen erschienen 
über: 

84billot, les littöratures populaires de toutes les nations 
(v. Liebrecht: Germania XXVII, 2). 

Briefwechsel zwischen Schiller u. Goethe, 4. Aufl. (v. Bie¬ 
dermann: Arch. f. Litgesch. XI, 2 ). 

Faust v. Goethe, hrsg. v. Schröer. Th. 2 (v. Biedermann: ebd.). 

Gaedertz, Rollenhagen (v. E. Schmidt: ebd.). 


Goethes Briefe, bearb. v. Strehlke (v. Biedermann: ebd.). 

. Hattat 41 Snorra Sturlusonar, hrsg. v. Möbius (v. Ceder- 
schiöld: Revue crit. 15). 

Herbst, Goethe in Wetzlar (v. Minor: Anz. f. d. A. VIII, 2 ). 
Hugo v. Mont fort hrsg. v. Waokernell (v. G. R.: Lit. 

Centralbl. 1882, 14 u. Bartsch: Gott. Gel. Anz. St. 15). 
Nilsson, Fornisländsk grammatik (v. Noreen: Ny svensk 
Tidskrift 1882, 1 ). S. 

Paul, zur Nibelungenfrage (v. H. Fischer: Germ. XXVII, 2, 
S. 233—54). 

8 c h u 1 1 z, höfisches Leben (v. Lichtenstein: Anz. f. d. A. VIII, 2 ). 
T e gn 4 r, Spr&kets makt öfver tanken; Hemmetsord (v. Noreen: 

Ny svensk Tidskrift 1882, H. 1 ). S. 

Veldekes Eneide, hrsg. v. Behaghel (v. Schroeder: Lite¬ 
raturzeitung Nr. 16). 

V e r w i j s, Maetlants strophische Gedichte (v. Franck: Anz. 
f. d. Ä. VIII, 2). 

Horstmann, Altenglische Legenden (v. Schroeder: Anz. f. 
d. A. VHI, 2). 

Lewin, das rae. Poema morale (v. Varnhagen: D. Literatur¬ 
zeitung 12 ). 

C o r e s i, Psaltirea Repr. de B. P. Hasdeu (v. Mussafia: Lite¬ 
raturzeit. 16). 

Cristine de Pizan, le livre du chemin de long estude 
p. p. Pischel (v. Suchier: Lit. Centralbl. 11 . März). 

K r e n k e 1, Klassische Bühnendichtungen der Spanier (v. Morel- 
Fatio: Revue critique 14). 

Morel-Fatio, Catalogue des ms. espagnols (v. Vollmöller: 
Deutsche Literaturzeit. 10 ). 

Scartazzini, Dante in Germania (v. Imbriani: Giornale 
Napoletano vol. V fase. 15; s. auch II Preludio Nr. 24. An 
beiden Stellen wird besonders der Ton von 8 c.’s Polemik 
getadelt). 

Thibaut, Li romanz de la poire p. p. Stehlioh (v. Morf: D. 

> Literaturzeit. 12 ; völlig werthlose Ausgabe). 

Literarische Mittheilungen, Personal¬ 
nachrichten etc. 

Demnächst erscheint bei Weidmann, Berlin: H. Varn- 
, h a ge n, ein indisches Märchen auf seiner Wanderschaft durch 
1 die asiat. u. europ. Literaturen. — Von Du Cange, Glos¬ 
sarium mediae et infimae latinitatis erscheint eine neue Aufl. 

| (unter Redaction von L. Favre), welcher Westenrieders Glos- 
: sarium Germanico-Latinum zugefügt wird. Das Werk wird in 
! 100 Lieferungen, welche 10 Bände bilden werden, ausgegeben; 

das Ganze soll binnen 5 Jahren complet vorliegen. Ladenpreis 
j jeder Lief. 3 fr.; für die ersten 500 Subscribenten, welche vor 
! Erscheinen der Anfangslieferung eintreten, ist bei Verbindlich- 
I keit zur Abnahme des 'ganzen Werkes der Preis pro Lief. 

auf 2 fr. ermässigt. A. Asher & Co., Berlin, offeriren das Werk 
l unter Berechnung des frs. zu 80 Pfennigen. 

Friedrich Kluge’s Etymologisches Wörterbuch der 
: Deutschen Sprache (Strassburg, Trübner) befindet sich unter 
I der Preise. 

U. A. Ca ne 11 o wird eine Biographie und die Werke 
| des Troubadours Armand Daniel erscheinen lassen. — C. 

| Chabaneau wird nach der Hs. der Bibliothöque de FEcole 
; de medecine zu Montpellier den Roman de l’empereur Fanuel, 

| de la Vierge et des Apötres herausgeben. — Diez, Leben 
| u. Werke der Troubadours erscheint in wenigen Tagen in 
1 2. Aufl. mit Anmerkungen von K. Bartsch (Leipzig, Joh. 

I Ambr. Barth). — Die gasconische Grammatik von de 
| Grateloup (1734), von der Maisonneuve ein Ms. besitzt, 

1 wird durch die Soci4t4 pour Fötude des langues romanes 
| edirt werden. 

i Die französischen Studien von Körting und 

| Koschwitz werden in ihren nächsten Heften u. a. bringen : 

J. Schoppe, über Metrum u. Assonanz der Chanson de geste 
1 „Amis et Aipiles“. — Ewald Go erlich, die südwestlichen 
| Dialecte der Langue d’oTl. Poitou, Aunis, Saintonge et Angou- 
1 mois. — J. Schliekum, die Wortstellung in der altfranz. 
Dichtung „Aucassin et Nicolette u . — J. Klapperich, Histo- 
rische Entwicklung der syntaktischen Verhältnisse der Be- 
1 dingungssätze im Altfranz. — K. Müller, die Assonanzen im 
Girart von Rossilion. 

i Noch eine neue Zeitschrift! Gallia. Kritische Monats- 

| Schrift für franz. Sprache u. Literatur. Herausgeber Dr. Ad. 
! Kressner in Cassel. Verleger: P. Ehrlich in Leipzig. 


Digitized by 


Google 



207 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 5. 


208 


Die 8 ociötö des F61 ihres zu Paris hat als Preis¬ 
aufgaben gestellt: 1 . De l’utilisation des dialeotes provinciaux 
pour l’enseignement de la langue fran$aise. 2 . De l’influence 
sarrasine sur les moeurs, les arts et les dialectes du midi de 
la France. 

Dr. E. Wilken, bisher Privatdocent an der Universität 
in Göttingen, hat seine akademische Thätigkeit aufgegeben. — 
An der Universität Innsbruck hat sich Dr. Wackernell für 
deutsche Philologie habilitirt. 

f zu Paris am 9. April 68 Jahre alt, Jules Quicherat, 
der verdiente Director der Ecole des chartes. 

Antiquarische Cataloge: Scheible, Stuttgart 
(Linguistik). 


Abgeschlossen am 22. April 1882. 


Erklärungen. 

Da neulich wiederum auf eine von mir vor fast zehn 
Jahren im Teubnerschen Yerlagsbericht angekündigte kritische 
Ausgabe der lateinischen Alexander texte Bezug 
genommen worden ist, so sehe ich mich hiermit zu der Mit¬ 
theilung gezwungen, dass ich das gesammte Material, sowohl 
das von mir gesammelte, als auch die Beitrage der Herren 
Dr. Heber, P. Meyer, Du Rieu, Zupitza und A. Bauer, vor vier 
Jahren Herrn Director Volkmann zur Herausgabe anvertraut 
habe. W. Foerster. 

Mehrfachen Anfragen gegenüber bemerke ich, dass ich 
nicht mehr beabsichtige, den Roman d’Eneas herauszugeben; 
so viel mir bekannt, wird eine Ausgabe desselben durch Herrn 
Dr. G. Weidner vorbereitet. Otto Behaghel. 

Meine Adresse ist von jetzt ab: Freibarg 
i/Br. Albertstr. 24 Prof. Dr. F. Nenmann. 


Germanistische und romanistische "Vor¬ 
lesungen im Sommer 1882. 

Basel. Prof. Heyne, Encyclopädie der deutschen 
Philologie; textkrit. Uebungen, Forts.; die Schweiz. Minne¬ 
sänger; germanist. Kränzchen. — Prof. Meyer, Heliand; 
Hartmanns v. Aue Gregorius. — Prof. Born, die deutsche 
Literatur des 19. Jh.’s. — Prof. Sold an, proven$al. Gram¬ 
matik mit Interpretationsübungen; Interpretation ausgew. Ab¬ 
schnitte aus Ariosts rasendem Roland; Lectüre einiger Gesänge 
aus 8pencers Faerie Queene; französ. Kränzchen in 2 Abth. 

— Prdoc. Buser, Macchiavelli, il principe, gemeinsames 
Lesen u. Erklären. 

Berlin. Prof. Müllenhoff, altdeutsche Uebungen; 
Tacitus Germania. — Prof. Scherer, Geschichte der deutschen 
Literatur von 1250—1517; Goethes Le*ben u. Schriften (Forts.); 
deutsche Uebungen. — Prof. Geiger, Literatur der Re¬ 
naissance in Italien; deutsche Literaturgesch. im 16. Jh. von 
1517 an; deutsche Uebungen; franz. Literaturgesch. im 16. u. 
17. Jh. — Prdoc. Rüdiger, deutsche Grammatik; Einleit, 
in die Gudrun u. Interpretation des Gedichts; Uebungen zur 
deutschen Grammatik. — Lect. Michaelis, Geschichte der 
deutschen Rechtschreibung seif Erfindung der Buchdrucker-, 
kunst. — Prof. Zupitza, Abriss der mitteleng!, Literatur¬ 
geschichte; nach einer Einleit, über Chaucers Sprache Er¬ 
klärung ausgew. Theile der Canterbury tales; im engl. Sem.; 
grammat. Uebungen. — Lect. N a p i e r, Erklärung eines neu- 
engl. Schriftstellers; Uebungen im engL Seminar. — Prof. 
Schmidt, latein. Grammatik. — Prof. Tobler, ausgew. 
Abschnitte der histor. Syntax des Französ. (Forts.); Dantes 
Leben u. Werke nebst Erklärung der Götti. Komödie; Uebungen 
des roman. Sem. — Lect. Feiler, über J. J. Rousseaus Leben 
u. Schriften (Vortrag französisch); grammat. u. Stilist. Uebungen 
im Französ.; im Sem.: französ. Uebungen. — Lect. Rossi, 
Erklärung vcn Manzonis Tragödie Adelchi; ital. Grammatik ; 
u. Uebungen; ital. Syntax u. prakt. Uebungen; iip Sem.: itaL : 
Uebungen. \ 

Bern. Prof. Vetter, Heliand mit Formenlehre des I 
Altsächs.; germanist. Uebungen: a) mittelhd. Stücke; literar- ! 
histor. Arbeiten; b) goth. u. althochd. Stücke zur Einübung 
der Formenlehre; die histor. Volkslieder der alten Eidgenossen. 

— Prof. Hirzel, Goethes Leben u. Werke; Geschichte der 
deutschen Literatur im XIX. Jh. (seit 1830); literarhistorische 
Uebungen: a) pädagogische, b) kritische. — Prof. Morf, 
Geschichte der französ. Literatur im XVIII. Jh. (die Auf¬ 


klärungsliteratur seit 1748); ital. Grammatik mit Uebungen; 
im Sem.: a) Lectüre provenz. Troubadours mit grammat. 
Einleit., b) Uebungen über Moliöre. — Prof. Michaud, 
histoire de la littörature fran$aise au XIX. siöcle, introduction 
et 1 . partie (epoque de l’empire). 

Bonn. Prof. W i 1 m a n n s, Heliand; Gudrun; Uebungen 
im german. Sem. — Prof. Birlinger, alt- u. mittelhochd. 
Grammatik; Geschichte der deutschen Literatur des 16. und 
17. Jh.’s; Erklärung von 8 chillers Wallenstein. — Prof. An¬ 
dres en, ausgew, Abschnitte aus der deutschen Grammatik; 
über die aus alten deutschen Personennamen hervorgegangenen 
heutigen Familiennamen. — Prdoc. Franck, Geschichte der 
deutschen Heldensage u. Heldendichtung im MA.; Uebungen 
in der Kritik mhd. Texte. — Prof. Trautmann, Einführung 
in das Altengl.; Gesch. des engl. Versbaues; Uebungen im 
Uebersetzcn aus dem Deutschen ins Engl., in der engL Ge¬ 
sellschaft. — Prof. Bischoff, Anfangsgründe der engl. 
Sprache; engl. Grammatik für Geübtere, mit mündl. u. schriftl. 
Uebungen; franz. Grammatik für Geübtere, mit prakt. Uebungen 
u. bes. Berücke, der Aussprache; Interpretation engL u. franz. 
Schriftsteller in der. betr. Spräche nebst Uebersetzung deutscher 
Schriftsteller in das Engl. u. Franz., in der engl. u. franz. 
Gesellschaft. — Prof. Foerster, Tempora £. Modi der histor. 
franz. 8 yntax; alt franz. Rolandslied; im Sem.: portugiesische 
Uebungen (os Lusiadas). — Lect. Aymeric, im Sem.: franz. 
Stilübungen mit Uebersetzung von Schillers 30jähr. Krieg; 
grammat. Uebungen im Franz, für Anfänger mit Zugrunde¬ 
legung von Ploetz; franz. Vorträge über die Satire bei Regnier 
u. Boileau. — Lect. Panozzo, ital. Vorträge über die Lite¬ 
raturgeschichte des 16. Jh.’s; im Sem.: Italienisch nach Mussafia 
für Anfänger; ital. Sprachlehre für Geübtere, mit Uebersetzung 
von Goethes Werther u. Moliöres Geizigen u. mit Interpretation 
von Tassos befreitem Jerusalem. 

Breslau. Prof. Wein hold, deutsche Mythologie; Ge¬ 
schichte der altdeutschen Literatur (Schl.); Uebungen des 

f erman. Sem. — Prdoc. Bobertag, Literaturgesch. des 19. 

h.’s; deutsche Uebungen. — Prdoc. Lichtenstein, alt¬ 
deutsche Metrik. — Prdoc. Hillebrandt, vergl. Grammatik 
des Gothischen. — Prof. KÖlbing, die Anfangsgründe der 
engl. Sprache; Erklärung ausgew. Stücke aus Zupitzas alt- 
u. mittelengl. Uebungsbuch; Erklärung der Götterlieder der 
Edda; Uebungen des engl. Sem. — Prof. Gaspary, französ. 
Syntax (Forts.); Uebungen des Sem. für roman. Philologie. — 
Prof. Reifferscheid, latein. Grammatik. — Lect. Frey- 
mond, französ. Syntax, Verbum, prakt. Uebungen; französ. 
Literaturgesch. des 17. Jh.’s (Forts.); Lectüre u. Erklärung 
von Lafontaines Fabeln Buch VII—XII; das Wesentlichste 
aus der franz. Metrik. 

Czernowitz. Prof. Strobl, deutsche Grammatik; 
german. Seminär II. Curs; Uebungen in deutscher Gramm. 
IV. Curs; Uebungen in der Lectüre nhd. Dichter. — Prof. 
Budinszky, histor. Grammatik der franz. Sprache. — Prof. 
Sbiera, Gesch. der romän. Spr. u. Lit. bis zum Jahre 1821. 

Dorpat. Prof. Meyer, Mhd. u. Interpretation der Ged. 
Walthers v. d. Vogelweide. — Prdoc. Maeing, vergl. Lite¬ 
raturgeschichte des 18. u. 19. Jh.’s. — Lect. S^get, einige 
Stücke von Corneille u. Racine; prakt. Uebungen; Elementar- 
curs der franz. Sprache. — Lect de Vivo, Macohiavellis 
u. Guicciardinis storia d’Italia; prakt. Uebungen. 

Erlangen. Prof. Steinmeyer, deutsche Grammatik; 
Geschichte, Kritik u. Erklärung des Nibelungenliedes. — Prdoc. 
Wagner, Geschichte der deutschen Lit. im 16. u. 17. Jh. — 
Prof. Varnhagen, histor. Grammatik der engl. Sprache; 
Encyclopädie der roman. Philologie; franz. u. engl. Uebungen. 
— Prof. Winterling, über Shakespeares Hamlet; Privat- 
lectionen in der engl. u. franz. Sprache. 

Freibnrg. Prof. Paul, Einleitung in das Studium der 
deutschen Philologie; gotische Grammatik mit Uebungen; 
mittelhd. Grammatik mit Uebungen; Geschichte der deutschen 
Literatur in der Sturm- und Drangperiode; Uebungen des 
deutschen Sem. — Prof. Neumann, histor. Grammatik der 
franz. Sprache; über das altfranz. Volksepos, nebst Inter¬ 
pretation des Rolandsliedes; romanist. Uebungen (altfranz. u. 
provenzalisch). — Lect. Rolef, Le verre d’eau par Scribe, 
übersetzt u. erklärt; das Lied von der Glocke von Schiller 
ins Franz, übers.; franz. Dictir- u. Sprechübungen; the vicar 
of Wakefield by Goldsmith; engl. Grammatik für Anfänger; 
italienische oder spanische Grammatik. 

Giessen. Prof. Braune, Erklärung der Gedichte 
Walthers v. d. Vogelweide; Erklärung des Beowulf; deutsche 
Gesellschaft. — Prof. Lemcke, Einleitung in die roman. 


Digitized by 


Google 




209 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 5. 


210 


Philologie; altengl. Grammatik u. Leseübungen (nach Wülckers 
altengl. Lesebuche, Halle 1874); roman.-engl. Gesellschaft; 
französ. Verslehre. — Prof. Pichler, franz. Lectüre und 
Interpretation: le verre d’eau (Scribe); engl. Lectüre u. Inter¬ 
pretation: Henry VI., 2 . Th. (Shakespeare); franz. u. engl. 
Stilist. Hebungen: Schiller, 30jähr. Krieg, Forts. 

Göttingen. Prof. Müller, deutsche Gramm.; Wolframs 
Parzival; Uebungen. — Prof. Gödeke, allgem. Geschichte 
der Poesie. — Prdoc. Tittmann, Leben u. Schriften der 
hervorragendsten deutschen Dichter des 17. Jh.’s; über die 
ältesten Denkmale epischer Dichtung der Deutschen. — Prof. 
Vollmöller, franz. Grammatik; Erklärung des Chevalier 
au lyon von Crestien de Troies; roman.-engl. Gesellschaft, 
Erklärung eines altfr. Textes, paläographisohe Uebungen. — 
Prdoo. Andresen, provenzal. Sprachdenkmäler nachBartschs 
Chrestomathie. 

Graz. Prof. Schönbach, Deutsche Lit. des 13. und 
14. Jh.’s; Interpret, des armen Heinrich des Hartmann v. Aue. 

— Prdoc. Werner, die klass. Perioden der nhd. Literatur; 
ausgew. Gedichte von Schiller u. Bürger. — Prdoc. Zingerle, 
Kudrun. — Prof. Schuchardt, über Moli&re; ital. Uebungen. 

— Lect. Fetter, Corneille, le Cid. — Lect. Oppler, engl. 
Gramm, mit Lectüre; Shakespeares Life and writings. 

Greifswald. Prof. Reifferscheid, Geschichte der 
deutschen Literatur 1 . Th., von den ältesten Zeiten bis zum 
Jahre 1350; Einleit, in das Nibelungenlied; im Sem.: Erklärung 
des Nibelungenliedes; im Prosem.: deutsche Metrik. — Prdoc. 
Vogt, Einleit, in Goethes Faust; deutsche Uebungen; Einleit, 
in die deutsche Lyrik des MA.’s. — Prof. Koschwitz, 


Uebungen der roman. Gesellschaft; Geschichte der franz. Lit. 
im MA.; ausgew. Capitel aus der histor.-französ. Syntax. — 
Prof. Konrath, altengl. Grammatik u. Interpretation von 
Cynewulfs Elene; Goldsmitji’s She stoops to conquer. — Lect. 
Marx, grammat. Einleit, in die engL Sprache nebst Ueber- 
setzung eines Textes; Uebungen im freien Vortrag in engl. 
Sprache. 

Halle. Prof. Pott, Vergleichung des Gotischen u. Alt- 
hochd. mit dem Griechischen u. Lateinischen. — Prof. Zacher, 
Erklärung von Wolframs v. Eschenbach Parzival; Erklärung 
der Germania des Tacitus unter Berücks. der deutschen Alter- 
thümer; Uebungen der deutschen Gesellsch., in 2 Abtheil. — 
Prdoc. Gering, althochd. Grammatik u. Erklärung ausgew. 
Denkmäler des 8. u. 9. Jh.’s; Erklärung der poet. Edda. — 
Prof. H a y m, Geschichte der neuern deutschen Literatur seit 
Gottsched. — Prdoc. Bartholomae, vergl. Grammatik des 
Gotischen (mit bes. Rücksicht auf das Griechische u. Latein.). 
— Prof. Schum, latein. u. deutsche Paläographie des MA.’s, 
i verbunden mit Leseübungen. — Prof. Elze, Einleit, in die 
| engl. Philologie; Miltons verlorenes Paradies; Uebungen im 
Sem. — Prdoc. Schmidt, latein. Grammatik, Laut- u. Formen- 
! lehre. — Prof. Suchier, Proven$alisch mit Erklärung von 
Sprachdenkmälern; über Leben u. Schriften Dantes; Uebungen 
des roman. Sem. — Lect. Wardenburg, Besprechung der 
französ. Literatur in französ. Sprache; über schwierigere Fälle 
der franz. Syntax, über Gallicismen etc.; im Sem.: französ. 
Uebungen. 

[Fortsetzung folgt.] 


NOTIZ. 

Den germanistischen Theii redigirt Otto Behaghel (Heidelberg, Sandgasse 5), den romanistischen and englischen Theil Fritz Neunumn 
(Freiburg i. B.. Albertstr. 24), und man bittet die Beiträge (Kecensionen, kurze Notizen, Personalnachrichten etc.) dem entsprechend gefälligst zu adressiren. 
Die Redaction richtet an die Herren Verleger wie Verfasser die Bitte, dafür Sorgo tragen zu wollen, dass alle neuen Werke germanistischen und 
romanistischen Inhalts ihr gleich ^ach Erscheinen entweder direct oder durch Vermittelung von Gebr. Hcnninger in Heilbronn zugesandt 
werden. Nur in diesem Falle wird die Redaction stets im Stande sein, über neue Publicationen eine Besprechung oder 
kürzere Bemerkung (ln der Bibliogr.) zu bringen. An Gebr. llenninger sind auch die Anfragen über Honorar und 8onderabzüge zu richten. 


Berichtigung. 

In Nr. 17 des Literarischen Centralblatts vom 22. April 
d. J. finden wir eine Besprechung der beiden vor Kurzem 
erschienenen Neudrucke des Faust-Fragments, 

1 . Goethe’s Faust, ein Fragment, in der ursprünglichen 
Gestalt neu herausgegeben von W. L. Holland. Frei¬ 
burg i/Br. u. Tübingen, 1882, Mohr. 

2 . Faust, ein Fragment von Goethe. Heilbronn, 1882, Hen¬ 
ningen 

deren Inhalt wir, soweit wissenschaftliche Fragen berührend, 
unerörtert lassen wollen. Indessen war uns doch interessant, 
dass der ungenannte Herr Referent, wenn auch mit Wider¬ 
willen und nicht so geradeheraus, wie derjenige der „ Grenz¬ 
boten“ aussprechend: 

• „Die Holländische Ausgabe wird zwar, nachdem die 
Seuffert’sohe erschienen ist, den Anspruch auf wissen¬ 
schaftlichen Werth selber fallen gelassen haben“ 
doch zugesteht, dass der von Seuffert besorgte Neudruck sich 
für Gelehrte mehr empfehlen werde. 

„Einen etwas verwunderlichen Eindruck“ macht es auf 
den Herrn Referenten, dass in zahlreichen Inseraten die Be¬ 
hauptung aufgestellt werde, dass Holland gar nicht die erste, 
sondern die zweite Ausgabe habe abdrucken lassen. Aller¬ 
dings sagten wir in unseren Inseraten, dass „die Vorbe¬ 
merkung des Herausgebers“ ausführe, dass die erste 
Auflage des Faust-Fragments in den Litteraturdenkmalen, 
die zweite bei J. C. B. Mohr erneuert sei. Der Herr Referent 
gesteht nun zu, dass ein doppelter Druck der ersten Ausgabe 
vorhanden sei, wovon der spätere berichtigte Bogen enthalte 
und diesen späteren habe Holland abgedruckt. Da müssen 
wir doch nach dem buchhändlerischen Sprachgebrauch fest¬ 
stellen, dass, wenn ein fehlerhafter und ein berichtigter, ein 
früherer und ein späterer Druck im Handel erscheint, dies 
nicht eine Ausgabe ist, auch nicht zwei Ausgaben, sondern 
eben zwei Auflagen. Also sagt der Herr Referent selbst 
nichts anderes, als was wir zu seiner „Verwunderung“ gesagt 
haben, nur dass er die unbestimmte Bezeichnung Druck ge¬ 
braucht, wo wir nicht mit Unrecht Auflage sagen. 

Dieses Vorgehen unsererseits bezeichnet der Herr Refe¬ 
rent als „nicht angemessene Reclame“. Aber abgesehen davon: 


wenn darüber geurtheilt werden soll, ob Jene Reclame“ an¬ 
gemessen war oder nicht, so ist es nöthig, auch die zahllosen 
Ankündigungen der Holländischen Ausgabe nicht zu ver¬ 
schweigen, wie der Herr Referent dies auffälligerweise thut. 

Wenn in diesen (z. B. in 3 aufeinanderfolgenden Nummern 
des Literar. Centralblatts 1882 Nr. 7—9) auf Herstellung des 
Mohr’schen Neudrucks nach Dr. Hirzeis Ex. des ächten 
Fragmentdrucks hingewiesen wurde, so konnte das bei allen 
mit der Sachlage nicht genau vertrauten Lesern jener Anzeige 
den Glauben erwecken, als ob das Ex. des Herrn Dr. Hirzel 
das einzige ächte sei und musste den Glauben erwecken, 
als ob die 8 wirklich die erste Originalausgabe sei, so dass 
jeder andere Neudruck im besten Falle dasselbe enthalten 
müsste wie der Mohr’sche, oder vielleicht gar nach einem 
unächten (Nach-)Druck hergestellt sei. 

Dieser nicht nur „etwas“ sondern „sehr“ verwunderlichen 
Reclame gegenüber waren wir nicht nur berechtigt, sondern 
unserm Verlage und Herausgeber gegenüber sogar verpflichtet, 
eine aufklärende Anzeige zu erlassen. Ist aber die Mohr* sehe 
Reclame nicht tadelnswerth, wozu dann der Tadel über die 
Antwort?! 

Uebrigens sind wir trotzdem dem Herrn Referenten zu 
Dank verpflichtet, dass er fast die Hälfte einer wissenschaft¬ 
lichen Anzeige unserer sog. Reclame gewidmet hat, müssen 
aber seine Anerkennung dafür, dass wir „seiner An¬ 
regung in erfreulichster Weise Folge leistend“, den Neudruck 
des Faustfragments beschlossen oder angeregt hätten, ab- 
lehnen, indem der Druck lediglich nach Auftrag und Wahl 
des Herausgebers der Litteraturdenkmale, Herrn 
Dr. B. Seuffert stattgefunden hat. Der Druck war schon 
im Juni 1881, also mehrere Monate vor der Anregung 
im Centralblatt beschlossen. Umgekehrt hat der Herr Heraus¬ 
geber der Mohrschen Ausgabe in seinem Nachwort bekannt, 
dass er, dem im Centralblatt geäusserten Wunsche 
beipflichtend, es übernommen habe, die dort bezeichnete 
Lücke in der Faust-LitteratdV auszufüllen. Ihm gebührt also 
ungeschmälert der Dank de 9 Herrn Referenten des 
Centralblatts. 


Heilbronn, 24. April 1882. 


Digitized by 


Gebr. Henninger. 

16 


Google 




1882. Literaturblatt für germanisohe uitd romanische Philologie. Nr. 5. 


212 


211 


Literarische Anzeigen. 


Verlag von GEBR. HKNNINGER in Heilbronn. 


Abonnements-Sinladang 

auf den dritten Band von: 

Französische Studien. 

Horausgegeben von 

G. Körting und E. Koschwitz. 

Wiederholt geäusserte Wünsche haben Veranlassung ge¬ 
geben Ton dem bisherigen Gebrauch, mehrere Arbeiten in 
einem Hefte zu vereinigen, abzugehon, und jede derselben 
für sich auszugeben. Vorbehalten soll nur bleiben, dass 
etwa zusammentreffende gleichartige Arbeiten, deren Umfang 
für ein selbständiges Heft zu gering wäre, auch in einem 
Heft vereinigt werden können. 

Zufolge dieser Aenderung werden künftig die Bände in 
eine grössere Anzahl von Heften eingetheilt sein als bisher, 
und werden diese letzteren in kürzeren Fristen ausgegeben 
werden, während daran festgehalten wird, dass im Laufe einen 
Jahres in der Kegel ein Band ansgegeben wird. 

Eine Aendernng an den Abonnementsbedingungen tritt 
nicht ein. Wie bisher werden die einen Bana bildenden 
ca. 30 Bogen 

zum Abonnementspreis von M. 15.— 

geliefert, und wird je dasjenige Heft das Schlussheft eines 
Bandes bilden, mit welchem diese Bogenzahl erreicht wird. 

Die Hefte werden nach wie vor zu verhältnissmässig 
erhöhtem Preise einzeln käuflich sein. 

Erschienen sind: 

I. Band. 1. Heft. (Einzelpreis M. 4.50.) Inhalt: 

Syntaktische Studien über Voiture. Von W. List. 

Der Versbau bei Philippe Desportes und Francois 
de Malberbe. Von P. GröbedinkeL 

2. Heft. (Einzelpreis M. 6.40.) Inhalt: 

Der Stil Crestien’s von Troies. Von R. Grosse. 

3. Heft (Einzelpreis M. 7.20.) Inhalt: 

Poetik Alain Chartier’s. Von äf. Hannappel. 

Ueber die Wortstellung bei Joinville. Von G. Marx. 

Der Infinitiv mit der Präposition 4 im Altfran¬ 
zösischen bis zum Ende des 12. Jahrhunderts. Von 
H. Soltmann. 

Corneille’s Mddde in ihrem Verhältnisse zn den 
Medea-Tragödien des Euripides und des Seneoa 
betrachtet, mit Berücksichtigung der Medeadich- 
tungen Glover’s, Klinger’s, Grillparzer’s und Le- 
gouvö’s. Von Th. H. C Heine. 

II. Band. (Preis M. 12.—.) Inhalt: 

Voliere’s Leben und Werke vom Standpunkte der 
heutigen Forschung. Von R. Mahrenholtz. 

Für den IH. Band sind in Aussicht genommen: 

Zur Ausgabe bereit: 

III. Band. 1. Heft. Ueber Metrum nnd Assonanz der 

Chanson de Geste „Amis ot Amiles“. Von J. Schoppe. 
(Einzelpreis M. 1.40.) 

2. Heft. Die südwestlichen Dialecte der Langue 
d’o'il. Poitou, Aunis, Saintonge und Angoumois. Von 
E. Görlich. (Einzelpreis M. 4.80.) 

Hiernach folgen: 

3. Heft. Die Wortstellung in der altfranzösischen 
Dichtung „Aucassin und Nicolete“. Von J. Schliekum. 

4. Heft. Historische Entwickelung der syntak¬ 
tischen Verhältnisse der Bedingungssätze im 
Altfranzösischen. Von J. Klapperich. 

ö. Heft. Die Assonanzen im Girart von Rossilion. 
Von K. Müller. 

Ferner: 

6. Heft. Unorganische Lantvertretnng innerhalb 
der formalen Entwickelung des französischen 
Verbalstammes. Von» Diedrich Behrens. 

7. (Schlus8-)Heft. Die Wortstellung in den ältesten 
französischen Sprachdenkmalen. Von H. Völcker. 

H e i 1 b r o n n, Mai 1882. 

Verantwortlicher Redacteur Prof. Dr. Fritz Neumaun 


Unter der Presse: 

Englische Studien. 

Organ für englische Philologie unter Mit- 
berücksichtigung des englischen Unterrichtes auf 
höheren Schulen. 

Her ausgegeben von 

Dr. EUGEN KOLBING, 

an. Professor der engl. Philologie an der Universität Breslau. 

V. Band. 2. Heft (Öchluss). 

BARBOUR’S 

des schottischen Nationaldichters 

LEGENDENSAM.MLUNG 

nebst den 

Fragmenten seines Trojanerkriegs. 

Zum ersten Mal kritisch herausgegeben 
von 

C. Horstmann. 

Zweiter Theil. 

Die 

nordische und die englische Version 

der 

Tristan-Sage. 

Herausgegeben 

von 

Eugen Kölbing. 

Zweiter Theil: 

_SIRTRISTREM._ 

Mtrlog tum % %. Zrodtfyauf in ftip;ig. 


Soeben erschien: 

(ffopus. 

Von 

|J8urd?ard "gStaCdis. 

Herausgegeben von J. Tittmann. 

Zwei Theile. 8. Geh. 7 M. Geb. 9 M. 

(PtutftQ* Ptyttr he* iS. 9«0r0«ii»ert*, 1«. «»» 17. p«»>.) 

Durch diese neue, oorrecte, mit einem Essay über des 
Dichters Leben und Schriften und mit sprachlichen An¬ 
merkungen versehene Ausgabe wird Burohard Waldis’„Eeopus*, 
das berühmte Fabelbuch des 16. Jahrhunderts, allen Literatur- 
freunden zu billigem Preise zugänglich gemacht. 


Der Catalog Nr. 145 unseres antiquar. Bücher¬ 
lagers, Linguistik enthaltend, ist soeben erschienen 
und steht auf Wunsch franco zu Diensten. 
Stuttgart, 20. April 1882. 

J. Scheible’s Antiquariat, 

in Freiburg i. B. — Druck von G. Otto in Darmstadt. 


Digitized by 


Google 


Literaturblatt 


fiir 


germanische m romanische Philologie. 

Unter Mitwirkung von Professor Dr. Karl Bartsch herausgegeben von 

Dr. Otto Behaghel und Dr. Fritz Neumann 

ao. Professor der germanischen Philologie ao. Professor der romanischen Philologie 

an der Universität Heidelberg. an der Universität Freiburg. 

Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

Erscheint monatlich. Preis halbjährlich M. 5. 

III. Jahrg. Nr. 6. Juni. 1882. 


Hahns ahd. Grammatik, brsg. v. Strobl (Be¬ 
haghel). 

Lübben mittelniederd. Grammatik (Tümpel). 
Gaederts, Gabriel RoUenhagen (Bechetein). 
Pawel, Klopstocks Wingolf (Mnncker). 
Goethes Faust, ein Fragment a) brsg. v. Holland, 
b) brsg. t. Seuffert (Schröer). 

Dia Cbaucor-Literstur aus den Jahren 


i 1880-81 (Koch). 

Dietrich, über die Wiederholungen in den altfr. 
Chansons de geste (Sette gast). 

! Wolterstorff. das Perfect der 2. schw. Con- 
! jngation im Altfranc. (Mussafia). 

I Merwart, die Verbalflexion in den Quatre livres 1 
i des rois (M u a s a f i a) I 

, A. de Bourbon prince de Conti, Traitd de la ; 


comedie et des spectacles (Lamprecht). 

Der Sprachunterricht muss umkebrenI Von 
Quoneque landein (Stengel). 

Bibliographie. 

Literarische M i 11 h ei 1 u n ge n, Personal- 
nachricbten etc. 

Germanistische nnd romanistische Vorlesungen im 
ßommersemestor 1882 II. 


K. A. Hahns althochdeutsche Grammatik nebst 
einigen Lesestücken und einem Glossar. Heraus¬ 
gegeben von Dr. Jos. Strobl. Fünfte wesentlich 
veränderte Auflage. Prag, Tempsky. 114 S. 8. 

Durch die Bearbeitung Strobls hat Hahns Gram¬ 
matik wesentlich an Brauchbarkeit gewonnen: die 
Fassung ist eine knappere geworden, und der Inhalt 
ist dem heutigen Stande der Forschung näher ge¬ 
bracht. Freilich nur genähert, noch nicht auf dem¬ 
selben angelangt: das Gotische soll t gegenüber 
ahd. ä haben „in Folge des dieser Sprache eigen¬ 
tümlichen Jonismus“ (S. 2), während doch S das 
ältere ist; got. ahd. w soll den gleichen Laut haben 
wie in den verwandten Sprachen (S. 12), also z. B. 
= lat v, während es gerade sehr wesentlich anders 
gelautet hat (cf. P. u. Braunes Beitr. I, 159); sehr 
altväterisch heisst es S. 52: „dies schwache Prae- 
teritum (der Praeterito-praesentia) hat denselben 
Ablautsvokal wie der Plural der starken, aus dem 
es sich daher entwickelt zu haben scheint“. Für 
andere Dinge ist nicht ein veralteter Standpunkt 
des allgemeinen Wissens verantwortlich, sondern die 
Unkenntniss oder Gedankenlosigkeit des Bearbeiters. 
S. 3 und 5 wird hSr — hear mit huc übersetzt; in 
mehl soll ie für i vor h stehen (S. 5); unter den 
Fallen von i, das durch a zu e gebrochen worden, 
erscheint auch er (= got. is\ S. 6 1 ; unter den 
neutralen u-Stämmen des Ahd. wird sigu verzeich¬ 
net S. 24; für die bekannten tatianisclien und otfri- 
dischen Nebenformen von unsör und iwer wird ein 
Nominativ uns und iw angesetzt S. 35, statt unsa 
und iwa (überhaupt eine schöne Form: itr!); S. 50 

1 Das e rührt daher, dass tönendes 8 im Westgerm, a- 
farbig war, cf. mizdo > *mezta — mUa, izvis > *ezvis > 
ags. eov; mir, wir sind anbetonte Formen. 


steht wörtlich: „Vom Standpunkt des Althoch¬ 
deutschen betrachtet, bietet das Praesens [des Ver¬ 
bum substantivum] drei verschiedene Anlaute, einen 
vokalischen, einen mit s und einen mit p (6), aber 
nur zwei Stämme, indem die vokalisch an¬ 
lautende Form [also ist] das s eingebüsst 
hat“ (die Auszeichnung durch gesperrten Druck 
rührt von mir her)!! Und was soll man sagen, wenn 
Strobl auf S. 31 drucken lässt, dass das Participium 
Praesentis im „sog. unflectirten Zustand“ auf -i 
endet, und trotzdem in sämmtlichen Paradigmata 
diese Form auf -nt ausgehen lässt! 

Auch Anordnung und Darstellung befriedigt 
nicht. Besonders störend ist, dass eine ganze Reihe 
von Dingen in der Formenlehre behandelt werden, 
die in die Lautlehre gehören: so der Ausfall des i 
in yo-Stämraen. Zudem erhält der Leser nirgends 
ein klares Bild davon, in welchen Fällen dieses % 
, verloren gegangen. Sehr confus ist die Darstellung 
j de9 Consonantumlauts; nach der Fassung auf S. 16 
I wird Niemand begreifen, weshalb in bitit (S. 5) 

1 nicht so gut wie in bitjan Consonantenverschärfung 
l eingetreten. 

! An manchen Mängeln des Buches mag die 
Flüchtigkeit des Bearbeiters schuld sein, die sich 
auch in Nachlässigkeiten des Stils und der Correctur 
zeigt: „wir besprechen kurz die einzelnen Schick¬ 
sale der Laute“ S. 15, „hier muss die Untersuchung 
der einzelnen Denkmäler führen“ (?) S. 15; die 
Conjunctive des Praeteritums enden in freundlicher 
Abwechselung bald auf bald auf -f. 

Heidelberg, 17. Febr. 1882. Otto Behaghel. 


16 


Digitized by LjOOQie 









215 


1S82. Literaturblatt für germanisobe und romanische Philologie. Nr. 6. 


216 


Ltt b b ß n, A., Mittelniederdeutsche Grammatik 

nebst Chrestomathie und Glossar. Leipzig, T. O. 
Weigel. 1882. VIII, 221 S. 8. M. 6. 

Mit der deutschen Sprache des ausgehenden 
Mittelalters hat man sich weniger beschäftigt als 
mit den früheren Sprachperioden. Eine Ursache 
davon ist die Beschaffenheit der Sprachdenkmäler. 
An hervorragenden Werken der Literatur im engeren 
Sinne fehlt es, dagegen ist eine überreiche Fach¬ 
literatur vorhanden, die zunächst den Fachgelehrten 
mehr anzog als den Philologen. 

Diese Bemerkungen gelten auch für das Nieder¬ 
deutsche, wiegen hier aber schwerer. Vom Alt¬ 
sächsischen abgesehen, gibt es niederdeutsche 
Denkmäler in grösserer Zahl überhaupt erst in den 
letzten Jahrhunderten des Mittelalters; eine Ver¬ 
nachlässigung dieser bedeutet also 'eine Vernach¬ 
lässigung der Mundart überhaupt. 

So bat denn erst das vergangene Jahr den 
Abschluss eines den jetzigen Anforderungen ent¬ 
sprechenden mittelniederdeutschen Wörterbuches und 
— von dem verdienten Vollender desselben — den 
ersten Versuch einer zusammenfassenden mnd. Gram¬ 
matik gebracht. 

Letzteres Buch liegt uns zur Beurtheilung vor. 
Es handelt S. 1—8 einleitend über Namen, Gebiet, 
Zeit und Dialektverschiedenheiten des Mnd. und 
gibt S. 3—65 seine Lautlehre, S. 66—132 seine 
Flexionslehre einschliesslich Präpositionen, Adver¬ 
bien, Conjunctionen und Interjectionen. S. 133—200 
folgt eine Chrestomathie poetischer und prosaischer 
Stücke, und den Schluss macht S. 201—221 ein 
Glossar zur Chrestomathie. 

Schon aus den letzteren Beigaben geht hervor, 
dass das Buch keinen rein wissenschaftlichen Zweck 
hat. Es soll zur Einführung in das Studium der 
Sprache dienen: aus diesem pädagogischen Zweck 
erklären sich Chrestomathie und Glossar. Eine 
wissenschaftlich erschöpfende Darstellung des Mnd. 
kann ja auch wegen des geringen Umfanges des 
Buches nicht beabsichtigt sein. Es soll, mit dem 
Verf. zu reden (S. V), nur in groben Zügen ein 
Bild des mnd. Sprachstandes und Sprachgebrauches 
geben. Aber er hofft, dass die Züge, obwohl grob, 
doch nicht unähnlich gerathen sind. Und diese 
Hoffnung wird man als begründet anerkennen. 

In vielen Dingen kann man ja trotzdem anderer 
Ansicht sein, und es sei dem Ref. vergönnt, sich 
über einen Punkt, mit dem er sich selbst beschäftigt, 
etwas ausführlicher auszulassen. Derselbe hatte 
(Paul und Braune, Beiträge VII, 1 ff.) nachgewiesen, 
dass das cisalbingische Mnd. sich nach den lokalen 
Urkunden in gewisse Mundarten scheiden lässt, die 
in wesentlichen Punkten auseinander gehen. Wie 
stellt sich nun Lübben zu dieser Frage? In Bezug 
auf lokale, nicht weiter für die Oeffentlicbkeit be¬ 
stimmte Urkunden gibt auch er (§ 4) zu, dass sie 
eine lokale Färbung zeigen. Freilich hätte er dann 
aus der Uebereinstimmung, die wir in der Sprache 
der Rigaer Statuten und Urkunden und der Lübecker 
Denkmäler finden, auf nichts anderes schliessen 
dürfen als auf Uebereinstimmung der beiderseitig 
gesprochenen Mundarten. Es hat dieselbe trotz 
der weiten Entfernung der beiden Städte ja auch 


durchaus nichts wunderbares. Riga wird haupt¬ 
sächlich von Gegenden aus besiedelt sein, die eine 
ähnliche Mundart wie Lübeck hatten, d. h. ein 
reines, von Einflüssen benachbarter Dialekte freies 
Niederdeutsch. 

Dagegen Lübben (a. a. O.) sieht in dieser 
Uebereinstimmung die Wirkung einer gemeinnieder¬ 
deutschen Schriftsprache. Er meint, im wirklichen 
Leben wären wahrscheinlich bedeutendere Dialekt¬ 
verschiedenheiten vorhanden gewesen, aber literarisch 
zeigten sie eich weniger als man erwarten sollte. 
Es habe sich allmälich zwar nicht eine ideale, von 
jeder Lokalfärbung losgelöste, aber doch gewisser- 
massen eine gemeinniederdeutsche Schriftsprache 
herausgebildet, die sich um Lübeck, die frühere. 
Metropole des ganzen niederdeutschen politischen 
Lebens, gruppire. Nur das Braunschweiger Nieder¬ 
deutsch und namentlich das Westfalische und 
alles, was sich den niederländischen Grenzen 
nähert, sondere sich durch mancherlei Eigentüm¬ 
lichkeiten vom Gemeinniederdeutschen aus. Aber 
sollten wirklich sonst keine grösseren Unterschiede 
hervortreten ? 

Auf einiges macht Lübben im Verlauf der 
grammatischen Darstellung selbst aufmerksam, so 
S. 11 und 25 darauf, dass i statt e in Affixen und 
ü (= uo) neben 6 seinen Hauptsitz ostwärts, bezw. 
in mittleren und östlichen Gegenden habe. Und 
sollten dies die einzigen Unterschiede sein? 

Zunächst treten nicht nur diese, sondern über¬ 
haupt diejenigen Verschiedenheiten, die sich in 
Urkunden finden, auch in Briefen hervor. So hat 
zwar ein Schreiben des Rathes von Riga von 1426 
(Urkundenbuch der Stadt Lübeck VI, 749) ent¬ 
sprechend der eben gekennzeichneten Stellung des 
Rigaer Dialektes zum Lübecker die auch in Lübeck 
üblichen Formen eren (ihren), eme (ihm), sik, wy, 
van, ze, dagegen die Briefe eines Göttinger Bürgers 
und des Göttinger Rathes von 1361 (a. a. O. III, 
397. 400) ome (ihm), ek, we und ein Schreiben des 
Magdeburger Rathes von 1352 (a. a. O. III, 134) 
oreme (ihrem), wie, von, sie — alles Formen, die 
damals in Lübeck nicht üblich waren, wohl aber 
sich häufig in den Urkunden der betreffenden Städte 
finden. Und doch sind diese Schriftstücke so gut 
wie das Rigaer an Lübeck gerichtet, also an die 
Stadt, um die sich die gemeinniederdeutsche Schrift¬ 
sprache gruppirt haben soll. 

Aber vielleicht rechnet Lübben auch derartige 
Schreiben zu den nicht weiter für die Oeffentlichkeit 
bestimmten lokalen Urkunden. Wie steht es nun 
mit den eigentlich literarischen Werken? 

Nun, auch die in Lübbens Chrestomathie mitr 
getheilten Proben zeigen nicht unerhebliche mund¬ 
artliche Verschiedenheiten. Wohl gibt es darunter 
eine Anzahl Stücke, deren Sprache mit der Lübecker 
Sprache übereinstimmt, aber entweder, z. B. bei 
dem Oldenburger Sachsenspiegel (S. 168), steht es 
fest, dass sie selbst oder ihre Handschrift aus 
Gegenden stammen, die mit Lübeck den wesentlich 
gleichen Dialekt hatten, oder, z. B. bei den Büchern 
der Könige (S. 175), es hindert nichts, sie dahin zu 
setzen. Dagegen zeigen gewisse Stücke — auch 
abgesehen von denen aus Braunschweig und dem 
W 7 esten — eine abweichende Mundart, und wiederum 


Digitized by 


Google 



217 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


218 


weisen da entweder auch andere Gründe auf die¬ 
jenige Gegend als Ursprungsort hin, deren Urkunden 
den entsprechenden Dialekt zeigen, oder es liegt 
wenigstens nichts vor, was ihre Entstehung daselbst 
unmöglich machte. So würden wir, auch wenn wir 
nicht wüssten, dass Eberhards Reimchronik (S. 141) 
nach Gandersheim gehört, doch aus Formen wie 
ome, (me, von, sek , mek, odder auf eine Gegend wie 
die Gandersheimer schliessen — und warum sollte 
nicht Zeno (S. 147) an einem Orte entstanden sein, 
wo zwar van, ik, edder, aber or, one gesprochen 
wurde ? 

Doch hält Ref. mit diesen Bemerkungen die 
Frage noch keineswegs für erledigt. Er ist weit 
davon entfernt, zu behaupten, dass nie und nirgends 
in der mnd. Literatur ein Zurücktreten mundartlicher 
Formen hinter einem gemeinniederdeutschen Sprach- 
typus stattfindet — nur müsste ihm ein solches im 
Einzelnen nachgewiesen werden. 

Zum Schluss noch eine Bemerkung zu § 78, 6. 
Wenn Lübben im Gegensatz zu des Referenten 
Erörterungen (a. a. O. S. 79 ff.) an der Möglichkeit 
seiner Erklärung der Formen des, der stades fest¬ 
hält, so hätte Ref. gewünscht, dass er mehr Belege 
für steder als Plur. von stat beibrächte und nach¬ 
wiese, dass seine, Lübbens, Auffassung der unge¬ 
druckten Oldenburger Urkunde von 1429 die allein 
mögliche ist. 

Hamburg, [25. März] 1882. H. Tümpel. 


Gaedertz, Karl Theodor, Gabriel Rollen- 
hagen. Sein Leben und seine Werke. Beitrag 
zur Geschichte der deutschen Literatur, des 
deutschen Dramas und der niederdeutschen Dia¬ 
lektdichtung. Nebst bibliographischem Anhang. 
Leipzig, S. Hirzel. 1881. 129 o. 8. M. 2,80. 

Die vorliegende literarhistorische Monographie 
bietet nach ihrem Inhalt das mannigfachste Interesse 
dar, und in ihrer Ausführung ist sie eine vorzüg¬ 
liche, ja wahrhaft musterhafte Leistung. Gabriel 
Rollenhagen, der zweite Sohn Georg Rollenhagens, 
des Verfassers des „Froschmeuseler“, früher ein be¬ 
rühmter und einflussreicher Autor, ist im Laufe der 
Zeit vergessen worden. Gaedertz bringt ihn durch 
seine Schrift wieder zu Ehren. Er gibt uns ein 
Bild von seinem Leben und von seiner reichen 
literarischen Wirksamkeit, dann wendet er sich 
seinem Hauptwerke, dem Lustspiele „Amantes 
aroentes“ zu und untersucht es in sorgsamster 
W eise nach allen Richtungen hin. Zunächst gilt 
es, den Verfasser, der sich unter dem Anagramm 
Angelina Lohrberö Liga verbirgt, festzustellen. Dann 
wird der Inhalt des Stückes mit Auszügen aus dem 
Texte dargelegt. Es ist eine freie Bearbeitung der 
Liebesgeschichte „Euriolus und Lucretia“ von Aeneas 
Sylvius Piccolomini; der Dichter lernte diese Quelle 
wahrscheinlich aus Niclas von Wyles Translationen 
kennen. Ferner scheint er auch Jakob Ayrers 
„Comedia von der schönen Phänicia und Graf 
Timbri von Golison“ benutzt zu haben. Das Stück 
erlebte sechs Auflagen, wurde zu Anfang des 17. 
Jh.’s durch die englischen Comödianten in Prosa 
umgearjbeitet und blieb längere Zeit auf der Bühne 


in Gunst. Von de» 4. Auflage an ist auch ein 
Meistergesang, eine Tageweise „Pyramus und 
■ Thysbe“ angehängt, welche von Gaedertz vollstän¬ 
dig mitgetheilt wird (S. 85—95). Was die drama¬ 
tische Leistung Gabriel R.’s aber besonders an¬ 
ziehend macht, das sind die eingestreuten volks¬ 
tümlichen Scenen in niederdeutscher Sprache. 
Ihnen widmete Gaedertz besondere Aufmerksamkeit, 
und er war so glücklich, die überraschende Ent¬ 
deckung zu machen, dass der Dichter sein Vorbild 
für diese niederdeutschen Elemente gefunden hat 
in der bis jetzt beinahe unbeachtet gebliebenen 
Comedia Jochim Schlu’s (Gaedertz schreibt den 
Namen nach der Accusativform SCHL VE auf dem 
Titel immer Schlü) von dem frommen, Gottfrüch- 
tigen vnd gehorsamen Isaac (Rostock 1606; einziges 
Exemplar auf der Rostocker Universitätsbibliothek). 
Und wie seltsam! Dieser Isaac von Schlu ist seiner¬ 
seits eine niederdeutsche Uebersetzung einer Magde¬ 
burger Schulkomödie v. J. 1569 von Georg Rollen¬ 
hagen, dem # Vater Gabriels. Gaedertz gibt zur 
Veranschaulichung des Verhältnisses von Schlu zu 
Georg Rollenhagen einige Scenen zur Probe mit 
übersichtlich nebeneinander gestellten Texten. (Eine 
literarische Curiosität ist es ohne Zweifel, dass das 
niederdeutsche Stück Schiu’s von Freybe, der natür¬ 
lich den hochdeutschen Ursprung nicht wissen konnte, 
ins Neuhochdeutsche zurück übersetzt wurde, im 
3. Band des Buches „Altdeutsches Leben“, Gütersloh 
1880.) Aber Schlu’s Isaac enthält auch komische 
Scenen, die sich im Abraham nicht vorfinden. Diese 
hat Schlu theils selbständig verfasst, theils aus der 
Comödie de nuptiali contractu Isaaci von Johannes 
Butovius (Alten Stettin 1600) entlehnt. Die nieder¬ 
deutschen Elemente in Rollenhagens Amantes amentes 
verdienen noch eingehendere Betrachtung, Gaedertz 
begnügt sich fürs erste, ein Verzeichniss der selte¬ 
neren niederdeutschen Wörter und Wendungen, so¬ 
wie der Sprichwörter zu geben; alsdann wird der 
Einfluss dieser niederdeutschen Elemente wie über¬ 
haupt des ganzen Lustspiels von Gabriel Rollenhagen 
auf Novellensammlungen und Dramen durch eine 
reiche Sammlung paralleler Stellen dargelegt. Das 
meiste ist wohl zutreffend und zwingend, doch ge¬ 
stehe ich, dass mich auch einzelne Belege nicht 
befriedigen und überzeugen, weil die Aehnlichkeiten 
nur allgemein annähernde sind, und deshalb nicht 
gleich an unmittelbare Entlehnung gedacht zu 
werden braucht. — Zur Ausarbeitung dieser viel 
umfassenden Monographie bedurfte es eines unge¬ 
wöhnlich grossen Materials, und zahlreicher Biblio¬ 
theken Hülfe galt es in Anspruch zu nehmen. Ein 
Bild von des Verf.’s eifriger Bemühung wie von 
seiner wissenschaftlichen Genauigkeit gibt der überaus 
reichhaltige, literarhistorisch werthvolle und correct 
gearbeitete „bibliographische Anhang“, der zugleich 
die fachmässig bibliothekarische Schulung des Ver¬ 
fassers sehr vorteilhaft erkennen lässt. 

Diesem gedrängten Berichte möchte ich einige 
Bemerkungen hinzu fügen. Die Form des mitge* 
theilten Meistergesangs ist nicht rein überliefert, 
wie das auch sonst sehr häufig in den Drucken 
geschehen ist. Ich billige durchaus, dass Gaedertz 
den Abdruck genau nach dem Originale gab, doch 
hätten sich unter dem Texte die nötigen Correc- 


Digitized by LjOOQie 




219 


1882. Literaturblatt für germanische und romanisohe Philologie. Nr. 6. 


220 


turen anbringen lassen. Der Setzer bat öfters ein 
e gesetzt, wo es unnöthig steht, und andererseits ein 
e ausgelassen, wo es das Metrum verlangt. Die 
Synkope ist zu vollziehen an folgenden Stellen: Ihrs 
statt Ihres Strophe 1, Zeile 12. Seins statt Seines 
9, 12. Gwand st. Oetoand 14, 6. 22, 6. Apocope 
hat einzutreten: Eh: geh st. Ehe: gehe 3, 1. 3, weil 
die Reime nur stumpf sind; ferner ohn st. ohne 14, 
13. Hol st. Hole 20, 2. dein st. deine 21, 10. Der 
umgekehrte Fall ist viel seltener; volle Form ist 
nöthig: schone st. schön 1 , 2. — Die Metrik dieses 
so kurz vor Opitz entstandenen Meistergesanges 
scheint mir recht interessant. Der Versaccent domi- 
nirt über die logische Betonung noch vielfach, 
Endungssilben und Vorsetzpartikeln sind hebungs- 
fäbig, es finden sich mehrere unreine Reime. All 
diese Dinge wiederholen sich auch in bestimmt 
datirten Kirchenliedern jener Zeit, so dass wir dieser 
sonst dem 16. Jh. zufallenden Eigenthiimlichkeiten 
wegen nicht an der Autorschaft, des jüngeren Rollen¬ 
hagen zu zweifeln brauchen. 

Die Zusammenstellung von Proben aus Schlu’s 
Isaac und Georg Rollenhagens Abraham soll, wie 
bemerkt, das Verhältniss der jüngeren niederdeutschen 
Uebersetzung zu dem älteren hochdeutschen Origi¬ 
nale veranschaulichen. Einige Reime hochdeutscher 
Gestaltung bei Schlu beweisen direct die Ueber¬ 
setzung, es finden sich aber auch Reime und Aus¬ 
drücke, die das niederdeutsche Stück eher als 
Original vermuthen lassen. Roilenhagen ist in seiner 
Diction oft recht unbeholfen, Schlu bewegt sich 
natürlicher und freier. Es ist hier nicht der Ort, 
diesen seltsamen Widerstreit, auf den Gaedertz nicht 
gekommen zu sein scheint, des Nähern zu erörtern, 
auch reichen zu einer entscheidenden Begutachtung 
die kurzen Probestücke nicht ganz aus. Ich möchte, 
da ich schwerlich selbst dazu gelange, durch diesen 
Gedanken die Anregung geben, dass von anderer 
Seite einmal auf Grund der Sprache und des dich¬ 
terischen Ausdrucks der Beweis versucht würde, 
dass das Verhältnis Schlu’s zu Georg Rollenhagen 
nicht so einfach ist, wie es Gaedertz dargestellt 
hat, dass der Abraham nicht das unmittelbare Vor¬ 
bild für den Dichter des Isaac gewesen sein kann. 
Eine weitere Aufgabe würde dann sein, das negative 
philologische Resultat zu einem positiven historischen 
weiterzuführen. Jedenfalls steckt hier noch ein 
literarhistorisches Geheimnis, welches aufgehellt zu 
werden verdient. Gaedertz würde eine solche Auf- 
abe am nächsten liegen, zumal er mit der Ausgabe 
es Isaac von Schlu beschäftigt ist; er würde aber 
auch ohne Zweifel zur Lösung derselben die ge¬ 
schickteste Hand besitzen. 

Rostock, März 1882. Reinhold Bechstein. 


Friedrich Gottlieb Klopstocks Wingolf. Kri¬ 
tische Ausgabe nebst Commentar von JaroPawel. 
Wien, Karl Gerolds Sohn. 1882. VIH, 156 S. 8°. 

* Bereits vor zwei Jahren hat Pawel eine Studie 
über die ersten Oden Klopstocks, die der Leipziger 
Periode augehören, erscheinen lassen. Unermüd¬ 
licher Fleiss und gewissenhafte Sorgfalt zeichneten 
schon jene Arbeit aus, während die Strenge einer 


methodischen Kritik ihr bisweilen noch fehlte. Jetzt 
betrachtet er auf das ausführlichste die grösste 
jener Leipziger Oden, den später so betitelten 
„Wingolf*. Die neue Schrift theilt die Vorzüge 
der frühem und hat auch, was jener mangelte. Die 
Ausgabe ist im ganzen nach sicheren kritischen 
Grundsätzen bearbeitet: nur die Drucke von facti- 
schem Werthe sind. verglichen; dagegen ist auch 
handschriftliches Material beigezogen. Der Com¬ 
mentar leidet vielleicht noch etwas an zu grosser 
Breite, beweist aber zugleich, dass Pawel sein Ge¬ 
biet völlig beherrscht, die einschlägige Literatur 
aus gründlichen Studien kennt und richtig zu ver- 
werthen weiss. Wo er von der Ansicht der früheren 
Erklärer abweicht, hat er so ziemlich immer Recht. 
Es ist nicht zu bestreiten, dass seine Erläuterungen, 
wenn auch durch einige Irrthümer und viele Druck¬ 
fehler entstellt, weitaus den wissenschaftlichsten und 
erschöpfendsten Commentar zu der Ode liefern. 
Hier nur einige Bemerkungen, deren Anzahl und 
Umfang ich mit Rücksicht auf den engen Raum, der 
mir vergönnt ist, beschränke. 

Der Tadel Hamels auf S. 48 ist unberechtigt. 
Seine Behauptung, dass Klopstock erst durch die 
Kenntniss der „Edda* zum Gebrauch der Allitera¬ 
tion geführt worden Fei, hat Hamei ,selbst schon 
in der Vorrede zum dritten Heft seiner Klopstock- 
studien zurückgenommen und mit Recht darauf hin¬ 
gewiesen , dass — wohl unter dem Einfluss der 
Bodmerischen Uebersetzung des „paradise lost* — 
Klopstock bereits in den ersten Ausgaben der Mes- 
siade den Stabreim anwandte. Durch das Studium 
der altgermanischen Dichtungen wurde er später in 
dem Gebrauch des gleichen Anlautes nur bestärkt. 
PaweL führt aus der Messiade uud aus den Oden 
mehrere Beispiele an, um zu beweisen, dass Klop¬ 
stock rhythmischer Verbesserungen halber später 
oft die Alliteration preisgab. Die meisten von diesen 
Stellen beweisen zugleich, dass der Dichter später 
den Stabreim bedeutungsvoller als früher anwandte, 
um eine bestimmte Lautmalerei zu erzielen, und 
darum nur bei inhaltlich wichtigen Worten ihn bei- 
zubehalten suchte. In die innern Gesetze der Allite¬ 
ration ist Klopstock nie eingedrungen; jedenfalls 
aber kann, wenn man von Stabreimen spricht, da¬ 
bei nur an bochbetonte Stammsilben gedacht werden. 
Wörter wie Geliebten, Gestalten, Geschöpf, Gesicht 
aber können nie und nimmer als Beispiel einer 
Alliteration in G angeführt werden. Wer mit leben¬ 
diger Lippe dichtete, wie Klopstock, hörte hier 
den gleichen Anlaut viel zu schwach, um eine künst¬ 
liche Wirkung damit bezwecken zu wollen. Uebri- 
gens könnte man bei derartiger Erweiterung des 
Begriffs der Alliteration Spuren davon in jedem 
Dichter der Welt auffinden. 

Gärtners Entfernung von Leipzig setzen frühere 
Biographen und Erklärer in das Jahr 1745, durch¬ 
aus unrichtig — auch Wilhelm Creizenach hat in 
der allgemeinen deutschen Biographie die falsche 
Angabe —, Pawel (S. 119) etwas besser „bald 
nach Ostern 1746“. Gärtners Brief an Bodmer vom 
8. April 1747 (gedruckt in den ..literarischen Pam¬ 
phleten aus der Schweiz“ 1781) gibt das richtige 
Datum, -und Gisckes Brief an I. A. Schlegel vom 
14. Juni 1747 (in Schnorrs Archiv, V, 53) bestätigt 


Digitized by LjOOQie 




221 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


222 


es. Nachdem er schon im vorausgehenden Winter 
durch kleinere Reisen zeitweise von Leipzig fern 
gehalten worden war, verliess Gärtner im April 
1747 definitiv die Stadt. 

Für die Textesgestaltung benutzte Pawel ausser 
den massgebenden Drucken eine Abschrift der Ode 
von Gleims Hand (= 0) mit Correcturen (= Ol). 
Er hält die Fassung des Gedichts in dieser Ab¬ 
schrift für jünger als die Form, welche der Darm¬ 
städter Ausgabe (A) zu Grunde lag, und sucht das 
durch die Uebereinstimmung des Textes in 0 mit 
den Lesarten der authentischen Odensammlung bei 
Bode (C) zu beweisen. Ich glaube, er irrt gleich¬ 
wohl. A strotzt von Druck- und Lesefehlern; auch 
die Fälle, in denen A von OG ab weicht, mögen 
zum grossem Theil auf Missverständnisse hinaus¬ 
laufen. Hätte Pawel O selbst gesehen, so würde 
er erkannt haben, dass wir die Schrift des jungen 
Gleim vor uns haben. O wurde vermuthlich im 
Frühling 1752 geschrieben, die Correcturen Oi, wahr¬ 
scheinlich im Juli oder August 1752 während Klop- 
sfcoeks Anwesenheit in der Heimath vorgenommen. 
0 halte ich für eine Copie unmittelbar nach dem 
ersten Klopstockischen Original, A für eine spätere 
Copie nach dem Original selbst oder nach einer 
andern Abschrift desselben, welche aber die Correc¬ 
turen von Oi noch nicht kannte, ln dieser Ansicht 
bestätigt mich ferner der von Pawel übersehene 
Umstand, dass die Citate aus unserer Ode in den 
frühesten Briefen an Bodmer (die ich sämmtlich im 
Original verglichen habe) mit 0 vollkommen über¬ 
einstimmen. Eine kritische Ausgabe der Ode, 
welcher O nach meiner Abschrift des Halberstädter 
Manuscripts zu Grunde liegt, war bereits gedruckt, 
als ich Pawels Buch erhielt, und erscheint eben jetzt 
in Schnorrs Archiv für Literaturgeschichte. Es 
werden dadurch einige Versehen berichtigt und einige 
Lücken ergänzt werden, die Pawel, wenn ihm 
Gleims Copie unmittelbar Vorgelegen hätte, gewiss 
vermieden hätte. So hat z. B. im ersten Lied, 
Vers 5 Oi nicht „o Päan-Gesang“, sondern nur 
„Päan-Gesang“; Vers 8 liest 0 „Sei enttaumeln“ 
und erst Oi „Sele taumeln“; Lied III, Vers 13 liest 
O sowohl als Oi „Die kleinre Fanny“ („kleine“ 
ist wohl Lesefehler in A*) u. s. w. Auch die Gründe, 
die mich bestimmen, O und Oi in das Jahr 1752 
zu verlegen, sind im Archiv genauer aus einander 
gesetzt. Dass Pawel neben der ursprünglichen Fas¬ 
sung der Ode noch den Text von C selbständig 
abdruckte, ist gewiss zu billigen. Bei der Göschen- 
schcn Ausgabe hätten vielleicht die verschiedenen 
Doppeldrucke verglichen werden können; auch in 
dieser Hinsicht muss ich auf den Abdruck der Ode 
im Archiv verweisen. 

Im ganzen stehe ich nicht an, trotz der er¬ 
wähnten principiellen Gegensätze Pawels Ausgabe 
nicht minder als den Commentar aufrichtig als eine 
tüchtige und brauchbare Arbeit anzuerkennen. Be¬ 
sonders unsern Gymnasiallehrern, die Klopstockische 
Oden ihren Schülern zu erläutern haben, kann das 
Buch auf das wärmste empfohlen werden; sie werden 
nicht nur spcciell für „Wingolf“, sondern überhaupt 
für die Jugenddichtung Klopstocks viel daraus 
lernen. 

München, 5. März 1882. Franz Muncker. 


Goethes Faust, ein Fragment, in der ursprünglichen 
Gestalt neu herausgegeben von Wilh. Ludw. 
Holland. Freiburg i. B. und Tübingen, J. C. 
B. Mohr. 1882. 168, X S. 8. 

Faust, ein Fragment von Goethe. Heilbronn, Gebr. 
Henningen 1882. XV, 89 S. 8. (DeutscheLitteratur- 
denkmale des 18. Jh.’s in Neudrucken hrsg. von 
Bernhard Seuffert Ni*. 5.) 

Zwei Neudrucke des Faustfragments, die fast 
gleichzeitigerscheinen! Der erste, veranlasst durch 
einen im Centralblatte ausgesprochenen Wunsch 
Zarnckes, soll ein Facsimiledruok der ersten Ausgabe 
des Fragments sein. Auch im Aeussern des Buches, 
in Format und Lettern, ist der Verleger bedacht 
gewesen, die neue Ausgabe der alten möglichst 
ähnlich zu machen. Gedruckt in W. Drugulins 
Buch- und Kunstdruckerei in Leipzig, ist das Büch¬ 
lein in der Tbat so recht ein Kabinetstück für Lieb¬ 
haber literarischer Seltenheiten. Dankenswerth ist 
auch das beigegebene Nachwort des Hrsg.’s, in dem 
über die benutzte Vorlage und die Druckfehler der¬ 
selben berichtet wird, wobei auch schätzbare sprach¬ 
liche Bemerkungen Adelb. v. Kellers mitgetheilt sind. 

Das Verhältnis dieser Ausgabe Hollands zu 
der Seufferts erhellt nun aus den bei weitem reicheren 
Mitteln, die letzterer benutzt und sehr fleissig ver¬ 
wertet hat. Durch ihn erst erkennen wir, dass 
Holland, ohne es selbst zu wissen, eigentlich eine 
zweite Ausgabe zu Grunde gelegt hat. So viel ich 
sehe, zeigt sich der Unterschied schon auf dem 
Titelblatt. Die erste (a), die Seuffert zu Grunde 
legt, hat unter Faust, einen Strich; die zweite (b), 
der Holland folgt, hat den Strich erst nach Faust. 
Ein Fragment. — Durch Seuffert erfahren wir 
nämlich, dass im ersten Jahre des Erscheinens vier 
Ausgaben im gleichen Octavformat gemacht wurden. 
Dies sind zwei Ausgaben (A B) im 7. Band der 
Schriften und zwei Ausgaben (a b) als Sonderaus¬ 
gaben des Fragments 1 . Ich kann noch eine fünfte 
Ausgabe (c) nennen. Die Verlagshandlung Georg 
Joachim Göschen veranstaltete nämlich, um gegen 
Nachdruck in Oesterreich geschützt zu sein, eine 
legale Ausgabe der 1787 bis 1790 erschienenen 
Goetheschen Schriften mit der Bezeichnung: Wien 
und Leipzig bey J. Stahel und G. J. Göschen. — 
Der siebente Band enthält, wie in der Leipziger 
Ausgabe, auf den ersten 168 Seiten das Fragment 
des Faust, auf dem Titel das Bild zu Jerv und 
Bätely, dem Titelblatte gegenüber das Bild Fausts 
nach Rembrandt. Ein vollständiges Exemplar dieser 
Wiener Ausgabe besitzt die Wiener Hofbibliothek 2 . 
Ob auch eine Sonderausgabe des Faustfragments 
allein für Wien gemacht wurde, kann ich bis jetzt 
nicht angeben. — Seuffert hat nun diese Ausgaben 


1 Der „Titelausgabe“ von angeblich 1787 und 1789 er¬ 
wähne ich weiter nioht. 

2 Da alle von Seuffert S. XI verzeichneten Lesarten, die 
ioh durchaus verglichen habe, in der Wiener Ausgabe zu Bb 
stimmen, so ergibt sich daraus, dass die in Rede stehende 
Wiener Ausgabe identisch ist mit B, mit dem Unterschiede, 
dass sie fflr Wien ein neues Titelblatt erhielt. Auf der letzten 
Seite (320) der Wiener Ausgabe ist unten die Druckerei 
Solbrig in Leipzig angegeben, was weder bei Hirzel 
(Neues Verzeichnis etc. 1862 8. 29), noch bei Holland und 
Seuffert bemerkt ist. 


Digitized by LjOOQie 



223 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


224 


(mit Ausnahme der Wiener) durchaus verglichen, 
und ich glaube, dass man ihm in seinen Ergebnissen 
dieser Vergleichung in Bezug auf Rangirung der¬ 
selben durchaus beistimmen kann. Er hat acht 
Drucke verglichen, den Text nach A a gegeben und 
die Lesarten und Druckfehler der vier Ausgaben 
im Vorwort besprochen. Nicht völlig befriedigend 
ist mir die Angabe S. XIV über Väter Saale oder 
Väter-Saale, wo die Bindestriche als „unklar oder 
verschwunden in einem oder dem anderen Exemplar® 
bezeichnet sind. Loeper gibt an als Lesart des 
Fragments von 1790 Väter Saale; erst in der Aus¬ 
gabe von 1791 Väter-Saale. Da wäre eine bündige 
Aufklärung erwünscht. Vielleicht sind die Binde¬ 
striche doch nur eine Correctur aus B. Dass er 
Vers 2831: 

Er liebt mich! F. Ja mein Kind! lass dieses Blumenwort 
in zwei Zeilen gibt, wie alle Ausgaben von 1790, 
ist ganz recht, wenn auch Düntzer, Loeper und 
ich ihn als Alexandriner kenntlich machen. Es soll 
ja eine genaue Wiedergabe des Originaldrucks sein. 
Dann mussten aber auch Vers 3003. 3004 „Und 
ich, der Gottverhasste, hatte nicht genug® fort¬ 
laufend, wie im Original (und bei Holland), eine 
Zeile bilden, wenn auch die Reimbänder zeigen, dass 
es zwei Verse sind; denn nicht darauf kommt es 
an, einen «kritischen Text zu geben, sondern einen 
Neudruck der ersten Ausgabe. Da der Sachverhalt 
im Vorwort besprochen ist, so thut dieser Umstand 
der Brauchbarkeit des Neudrucks übrigens keinen 
wesentlichen Eintrag. 

Im Vorworte sucht der Hrsg, aber auch noch 
neue Stützpunkte zu gewinnen zur Förderung der 
Untersuchungen über die Entstehungsgeschichte der 
Dichtung, wodurch er immerhin anregt, auch wo 
man nicht völlig zustimmen kann. Er weist auf 
Wielands: Die Wahl des Herkules, wie schon von 
Biedermann, Loeper und mir geschehen, geht aber 
ausführlicher auf die Analogien dieser Dichtung ein. 
Zu 759: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner 
Brust® meint S. die Quelle „aufgedeckt® zu haben 
in Xenophons Cyropädie. Sie ist aber schon bei 
Loeper und ausführlicher noch bei mir S. 67 an¬ 
gegeben. Dass zu der Stelle 299 f.: „Den Göttern 
gleich ich nicht. . dem Wurme gleiche ich® die 
Stelle in dem Musarion: „Mich bald zum Gott und 
bald zum Wurm zu machen® näher liege, als die 
von mir beigebrachte aus Goethes Brief an Riese 
vom 28. April 1766 kann ich deshalb nicht zugeben, 
weil letztere Stelle von Goethe selber herrührt und 
es mir (S. XXX f.) darauf ankam zu zeigen, dass 
im Faust Bilder und Reminiscenzen Vorkommen, die 
bis in G.’s Leipziger Zeit zurückreichen. — So kann 
ich nicht zustimmen, wenn S. Stellen aus Wielands 
Gedicht An Psyche als Beweise gelten lässt, dass 
z. B. die Scene Gretcben im Zwinger schon 1775 
vorhanden gewesen sein müsse. Wenn die Kerker¬ 
scene, wie ich vermuthe, 1775 vorhanden war, so 
konnte W T ieland alles das sagen, und die Scene im 
Zwinger brauchte noch nicht geschrieben zu sein. — 
Ueber alle diese Dinge lässt sich natürlich manches 
dafür und dawider sagen. Ich will damit, dass ich 
darauf eingehe, nur andeuten, wie der Hrsg, nicht 
nur einen Abdruck gegeben, sondern auch vielseitig 
bemüht war, die wissenschaftliche Betrachtung der 


Dichtung zu fordern. Zur bequemen Benutzung hat 
er die Verse des-Fragments am Rande gezählt und 
meine Zählung gegenüber gestellt. Ausserdem ist 
oben in den Ecken der Seiten die Zählung Loepers 
mit L. angemerkt und sind auch in Klammern die 
Seitenzahlen des Originaldruckes beigegeben, so 
dass wir seinem Unternehmen der Herausgabe 
deutscher Litteraturdenkmale des 18. Jh.’s, die in 
diesen Blättern schon unlängst freundlichst begrüsst 
worden sind, zu diesem 5. Bändchen nur Glück 
wünschen können. 

Wien, [2. April 1882]. • Schröer. 


Die Chaucer-Literatur ans den Jahren 
1880 — 81 K 

Als rührigster Arbeiter auf diesem Gebiete 
muss vor allen F. J. Furnivall genannt werden, 
dessen für die Chaucer-Society veröffentlichte Text¬ 
abdrücke ein höchst wertbvolles Material zu einer 
kritischen Ausgabe deß Dichters enthalten. Freilich 
bedarf es einer sorgfältigen Sichtung desselben, ehe 
es verwendet werden kann; manches wird als un¬ 
brauchbar oder unbedeutend zu verwerfen sein, 
anderes verlangt einen andern Massstab der Ab¬ 
schätzung, als ihn der Hrsg, anlegt, besonders er¬ 
schwert die Anordnung der einzelnen Ueberlieferungen 
oft die Uebersicht. Aber mag man auch mit Fur¬ 
nivall wegen seines Verfahrens rechten, so wird 
doch niemand ihm den für seinen unermüdlichen 
Eifer gebührenden Dank versagen können. Erst 
durch seine Bemühungen um Veröffentlichung ver¬ 
schiedener, den meisten schwer zugänglicher Hss. 
und alter Drucke wird uns die Möglichkeit, einen 
zuverlässigen Chaucertext herzustellen. — In welcher 
Art hierbei vorzugehen ist, habe ich versucht in 
meiner Besprechung der Ueberlieferung der 4 Minor 
Poetns in der Anglia (IV, 4, 93 —117) darzulegen. 
Hauptsächlich kommen dort folgende Bände in 
Betracht: 

I. Series LVIII. A Parallel-Text Edition of 
Chaucer’s Minor Poems, Part. III. 11. The Legend 
of Good Women (5 Mss. und Thynne’s Druck). 
12. Truth (6 Mss.). 13. The Compleynt of Venus 
(6 Mss.). 14. The Envoy to Scogan (3 Mss.). 15. 
Marriage or the Envoy to Bukton (1 Ms. und 2 
Drucke). 16. Gentilesse (6 Mss.). 17. Proverbes (3 
Mss.). 18. Stedfastness (6 Mss.). 19. Fortune (6 
Mss.). 20. Chaucer to his Empty Purse (6 Mss.). 
London, 1879. 243—449 S. 

LIX. A Supplementäry ParaUel Text of Chaucer 9 s 
Minor Poems . Part. II. 1. Parlement of Foules (3 
Mss.) 2. An ABC (3 vollständige und 3 fragmen¬ 
tarische Mss.). 3. Anelida and Arcitas (3 vollstän¬ 
dige und 3 nur das Complaint enthaltende Mss.). 
4. The Legend of Good W’omen (1 vollständige und 
3 fragmentarische Mss.). 5. The Complaint of Mars 
(1 vollständiges und 2 fraginent. Mss.). 6. Truth 
(6 Texte). 7. The Compleynt of Venus (3 Texte). 
8. Gentilesse (3 Texte). 9. Stedfastnesse (3 Texte). 
10. Fortune (3 Texte). London, 1880. 170 S. 


1 Vgl. auch Jahresbericht über die Erscheinungen auf 
dem Gebiete der germ. Philologie etc. 1880, Nr. 1134—47; 
1881, 1075—1092. 


Digitized by LjOOQie 



225 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


226 


LX. Odd Texte of Chaucer’s Minor Poems Part. 
II. Lcyidon, 1880 (enthält als Appendix zweifelhafte 
Stücke, sonst meist unbedeutende oder unvollstän¬ 
dige Texte). 

LXI. A One-Text Print of Chaucer’s Minor 
Poems, being the best Text of each Poem in the 
Parallel-Text Edition etc. For Handy Use by Edi¬ 
tors and Readers. Part. II. London, 1868—80. 

Doch werden mit diesen auch die früheren 
Textabdrücke der Minor Poems verglichen, um den 
Werth und die Bedeutung derselben zu erkennen. 
Soweit es mit dem Zwecke des bezeichneten Artikels 
übereinstimmt, werden dabei die Mss. der einzelnen 
Gedichte gruppirt und bei mehreren kürzeren die 
Stammbäume aufgestellt. Eine erschöpfendere Dar¬ 
stellung habe ich dabei in Aussicht gestellt und 
zum Theil schon ausgearbeitet. — Es bleibt endlich 
noch folgende Publikation zu erwähnen: 

I. Series LXII. Autotype Specimens of the chief 
Chaucer Mss. Part . 111: 2 frora Henry V’s Ms. of 
the Troilus, vvhen he was Prince of Wales; 1 from 
Shirley’s Ms. of the ABC at Sion College. 

Was die Zukunft der Chaucer-Society betrifft, 
so geht aus dem 10. (jedoch noch nicht zur Ausgabe 
gelangten) Berichte hervor, dass zunächst die in 
den bekannten Mss. befindlichen Illustrationen nach 
genauen Copien vervielfältigt werden sollen. Dann 
werden Namen- und Sachregister, wie ein Reimindex 
der Minor Poems vorbereitet. Ferner ist Beendigung 
des Troilus in Aussicht genommen, indess als 
‘Essays’ Studien von Jusserand über Chaucer’s 
Pardoner und von Skeat über den Roman von der 
Rose erscheinen werden. 

Demnächst verdienen die von Zupitza nur 
für seine Vorlesungen gedruckten „Varianten zu 
Chaucer, ed. Morris II, 231, 829 (Prolog der Frau 
von Bath) bis 277, 594 (des Büttels Erzählung)“ 
Erwähnung, bei denen jedoch graphische Abweichun¬ 
gen nicht berücksichtigt werden: für seinen Zweck 
gewiss ein nützliches Unternehmen. — A. Ram- 
beau hat dann in einer, in den Englischen Studien 
(III, 209—268) abgedruckten und ziemlich breiten 
Abhandlung das VerhältHiss von Chaucer’s House I 
of Farne zur Divina Commedia behandelt, ohne jedoch I 
etwas Wesentliches zu den seit ten Brink bekannten | 
Resultaten hinzuzufügen. Einer gütigen Aufnahme 
Seitens der Recensenten hat sich mein Büchlein ! 
„Ausgewählte kleinere Dichtungen Chaucer’s. Im Vers- j 
masse des Originals ins Deutsche übertragen etc.“ I 
zu erfreuen gehabt (vgl. Academy 1880, II, 289; | 
Anglia IV, 2, 47 ff.; Engl. Stud. IV, 2, 330; Gegen- i 
wart 1881, Nr. 35, 138 ff.; Herrigs Archiv 66, 230). , 
Es wendet sich dasselbe mehr an das grössere 
Publikum, um dieses auch mit der lyrischen und 
sentenziösen Dichtung Chaucers bekannt zu machen, 
doch behandelt es gelegentlich (in der Einleitung | 
und in den Anmerkungen) Fragen, die dem Fach- i 
genossen von Interesse sein dürften, wie die Datirung 
der einzelnen Stücke und die der Canterbury-8e- I 
schichten, die Benutzung des Alanus ab Insulis für 
das Parlament der Vögel u. ä. Freilich werden 
einige Ausstellungen, besonders bezüglich der Form , 
gemacht, denen ich durch eigene Berichtigungen i 
(Anglia IV, 2, 49) zuvorzukommen gesucht habe. 1 


Dass jedoch Manches noch der Besserung bedarf, 
erkenne ich selbst an (s. Anglia IV, 4, 99. Note 2). 

Aus der Clarendon Press zu Oxford sind 1881 
dann 2 Bände in neuer Auflage hervorgegangen, 
deren erster: The Tale of the Man of Lawe, the 
Pardoneres Tale, the Second Nonnes Tale, the Cha - 
nouns Yemannes Tale, deren zweiter: The Prioresses 
Tale, Sir Thopas, the Monkes Tale, the Clerkes Tale, 
the Squieres Tale etc. enthält. Da sie mir jedoch 
nicht in die Hände gekommen sind, muss ich mich 
mit dieser kurzen Notiz begnügen. Ebensowenig 
sind mir bisher die folgenden in pädagogischer 
Absicht veröffentlichten Bücher zugänglich gewesen: 

J, M. D. M e i k 1 e j o h n, Prologue to the Ganter - 
bury Tales. With Notes. London, Chambers. 1880. 
(Wenn ich nicht irre, in der Academy desselben 
Jahres wenig günstig beurtheilt.) 

Mrs. H. R. Ha weis, Chaucer for Schools 
(London, Chatto and VYindus. 2 sh. 6 d.) und Dr. 
W i 11 o u g h b y, The Prologue to the Canterbury 
Tales (Blackieand Son). Die letzteren beiden werden 
jedoch von der englischen Presse (Athenaeum 1881, 
April 9, 489; British Quarterly Rev. Jul. 1881, 220, 
resp. Athenaeum, Aug. 13, 205) trotz einiger Be¬ 
denken als zweckentsprechend empfohlen. 

Von früher erschienenen Werken oder Abhand¬ 
lungen gehören einige noch in diesen Bericht, da 
sie in 1880 81 veröffentlichten Zeitschriften be¬ 

sprochen worden sind. So hat Zupitza Arthur 
G i 1 m a n ’ s „The Poeticäl Works of Geoffrey Chaucer a 
(3 Vols, New York 1879) in der „Deutschen Lite¬ 
raturzeitung“ (1880. Sp. 12—13) dahin beurtheilt, 
dass diese Ausgabe als definitive nicht zu betrachten 
sei, da der Wahl der Lesarten kein festes Princip 
zu Grunde liege. — Ein anderes Buch habe ich 
in der Anglia (III. 554 — 59) ziemlich ausführlich 
recensirt und im Ganzen zur Einführung in das 
Studium des Dichters empfohlen; wenn es auch 
weniger auf eigener Forschung des Verf.’s beruht, 
so hat dieser doch die neueren Arbeiten über 
Chaucer sich zu Nutzen zu machen gewusst. Es 
ist dies A. W. Ward’8 Chaucer (London 1879, 
2 sh. 6 d.), eins der Werke aus der von John 
Morley geleiteten Sammlung „English Men of 
Letters u (vgl. auch Acad., März 20, 18WÜ und Americ. 
Joum. of Phil. I, 498). F. Lind ner bespricht in 
den Englischen Studien (IV, 339—41) die Abhand¬ 
lungen von Johannes Bennewitz: „Chaucer’s 
Sir Thopas, eine Parodie auf die altcngliscben Ritter¬ 
romanzen* (Hall. Dissertation 1879), welcher er 
Lob spendet,* und von Axel Klint: An Account 
of Chaucers Translation of the Romaunt of the Rose 
(Stockholm, Gleerup). Letztere steht, nach seinem 
Urtheil, auf veraltetem Standpunkte und soll ohne 
Werth für die Wissenschaft sein (vgl. auch Herrigs 
Archiv 65, 357). Die Anglia (III, 223 — 65) bringt 
uns eine auch als Leipziger Dissertation erschienene 
Untersuchung Henry Woods: „Chaucer’s Influence 
upon King James I of Scotland as Poet u , über die 
man The American Journal of Philology I. 493—94 
und meine Bemerkung im Jahresbericht etc. 1880, 
Nr. 1142 vergleiche: der Werth der sonst interes¬ 
santen Arbeit wird dadurch geschmälert, dass ihr 
Verfasser auch unechte und zweifelhafte Gedichte 
Chaucers, wie auch öfters Gemeinplätze zum Ver- 


Digitized by 


Google 



227 


1882. Literaturblatt für germäniaohe uüd romanische Philologie. Nr. 6. 


228 


gleiche heranzieht. Endlich findet Würzners 
Programmabhandlung „lieber Chaucers Lyrische Ge¬ 
dichte“, die von mir in diesem Blatte (1880, 383— 
85) recensirt worden ist. in A. Schröer (Anglia 
IV, 2, 44—47) und F. Lindner (Engl. Stud. IV, 
3, 461—62) zwei im Ganzen günstige Beurt heiler. 

Es sind nun, ferner einige zur Erklärung ein¬ 
zelner Stellen der Dichtungen dienende Beiträge zu 
verzeichnen. Zunächst veröffentlichte Furnivall 
in der Academy (Mai 1880, S. 85, vgl. auch Anglia 
IV, 237 ff.) einen Brief einer Benediktinernonne an 
ihn, in welchem die dunkle Stelle aus den C. T.: 

n Anothur Nonne with hire hadde sehe, 

That was hire chapelleyn, and presles thrd*. 

(Prol. 163-4.) 

eine neue Aufklärung gewinnt. Denn nach der Mit¬ 
theilung jener Dame existire allerdings noch heute 
das Amt einer „Kapellanin“, wie es auch an Kirchen, 
die mehrere Altäre enthalten, mehrere Priester gebe. 
Wenig befriedigt dagegen die Deutung derselben 
Nonne von V. 120 ebd.: 

n Hir gretest oth nas but by seynt Loy“ 
und rief eine lebhafte Correspondenz in der Academy 
(s. die Nummern vom 29. Mai, 5., 12. und 29. Juni, 
3. und 24. Juli und 21. August) hervor, an der 
sich von namhafteren Philologen Furnivall, 
Skeat und Henry Nicul betheiligten. Als Streit¬ 
frage wurde discutirt, ob 'Seinte loy (wie Furnivall 
und Nicol), oder * Seint Eloy (nach Skeats Ansicht) 
zu lesen sei, und wenn für ersteres auch einige 
beachtenswerthe Gründe angeführt werden, so 
empfiehlt sich doch die zweite Variante, trotz 
kleiner Bedenken, als überzeugendere. — In dem¬ 
selben Blatte (1. Juli 24, S. 64) versucht dann H. 
Ch. Coote auf Grund einer Sage für den Ausdruck 
„Seint Petres f oster“ (Mill. T. V. 300) die Lesart 
„Seint Petres mother“, trotz des fraglichen Reims, 
wahrscheinlich zu machen, worauf jedoch T. F. 
Crane (ebd. Aug. 28, S. 156) an eine andere Er¬ 
zählung von St. Peters Schwestern in Schnellers 
„Märchen und Sagen aus Wälschtirol“ erinnert. — 
Ueber Aberglauben bei Chaucer handelt ferner ein 
längerer Artikel in „the Folk Lore Record“ (II, 135 
—62) von F. G. Fleay (vgl. Liebrechts Bericht 
in den Engl. Stud. IV, 130—35). und eine Notiz 
von Miss E. Carrington zum „White Paternoster“ 
(ebd. 127—34). Zur Illustration von des Dichters 
‘Shipman* wäre sodann die Abhandlung Paul Q. 
Karkeek’s „Notes on the Early History of Dart- 
mouth“ (in: Transactions of the Devonshire Asso¬ 
ciation for the Advancement of Science, Literature 
and Art 1880') zu citiren, die interessante Studien 
über Englanas Schifffahrt im 14. Jh. enthält. — 
Kleinere Bemerkungen (zu C. T. Prol. 52 und 169) 
liefern nns ferner J. Zupitza in der Anglia III, 
370 fc, zu deren letzterer auch Anglia IV, 417 und 
Engl. Stud. IV, 372 zu vergleichen sind (Schellen 
an Reitpferden), und A. E. Brae (The Antiquarian 
1881, Febr. S. 71 f.), welcher den Ausdruck bastyng 
my sletns im (unechten) Roman von der Rose V. 104 
zu erklären sucht Endlich sei kurz auf ein paar Notizen 
in der Academy (1880 Jul. 24, S. 61, 1881 April 16, 
277, Juli 16, 48) 2 verwiesen, die etwas auf Chaucer 

* Vgl. auch Jahresbericht 1880, Nr. 1031 und 1881, 
Nr. 1078. 


1 bezügliches enthalten. — Leider geht die Grammatik 
leer aus; dafür bringt uns aber J. Schippers 
j Englische Metrik (Bonn 1881, S. 280 ff., 335, 425 ff.) 
I werthvolle Untersuchungen über Chaucers Verskunst. 

Was des Dichters persönliche Verhältnisse an- 
! geht, so verdanken wir Walter Rye eigene 
! Forschungen über dessen Familie, welche auf bisher 
! unbeachtet gebliebenen Dokumenten beruhen (s. die 
| Correspondenz im Athenaeum 1880. Dec. 25, 1881, 

I Jan. 1, S. 21; 8, S. 56; 29, S. 165 ff. und Febr. 
12). Hervorgehoben möge hier nur werden, dass 
Robert Chaucer als des Dichters Grossvater 
nachgewiesen wird; ferner, dass John Chau¬ 
cer, Geoffreys Vater, im Jahre 1328 noch unver- 
heirathet war, woraus denn — wie Furnivall be¬ 
merkt — unzweifelhaft ein späteres Geburtsjahr 
Geoffreys als das lange behauptete hervorgeht. 
Zweifelhaft bleibt jedoch Ryes Vermuthung, dass 
der Dichter aus Lynn in Norfolk stamme. — Der- 
, selbe Verf. hat im Anschluss an diese Forschungen 
! ein lithographirtes Blatt 'A Tabular Statement of 
\ u?hat has hitherto been found out as to the Family 
I of Chaucer of London für Privatcirculation heraus- 
! gegeben. 

Aus dieser Uebersicht. werden die Freunde des 
Dichters zu ihrer Befriedigung erkennen, dass das 
Studium seiner Werke in den letzten Jahren er- 
1 freuliche Fortschritte gemacht hat, wenn ja auch 
nicht alle hier besprochenen Schriften von gleichem 
i Werthe für die Wissenschaft sind. Trotz des 
Urtheils Algernon Swinburnes (Fortoightly 
, Review 1880, S. 708 ff.), der Chaucers Bedeutung 
* im Vergleiche zu Spenser, Shakespeare und Milton 
| herabzusetzen sucht, darf ich daher behaupten, dass 
i unser Dichter immer mehr Anhang und Anerkennung 
| gewinnt. 

Berlin, April 1882. John Koch. 


Dietrich, O., Ueber die Wiederholungen in 
den altfranz. Chansons de geste. Erlanger Dies. 
Erlangen, Deichert. 50 S. 8. (= Romanische 
Forschungen hrsg. v. K. Vollmöller. 1,1. S. 1—50.) 

Das Thema, das der Verf. sich zu seiner Dis- 
| sertation gewählt hat, ist ein sehr interessantes, da 
die Frage nach dem Ursprung und Wesen der 
j Wiederholungen in den Chansons de geste mit der 
Frage nach dem Ursprung sowohl wie der Abfas- 
1 sungs- und Vortragsweise dieser Gedichte selbst 
I aufs innigste verknüpft ist. Auch ist es dem Verf. 

I gelungen, in einer schon so oft behandelten Frage 
I einige neue Thatsachen beizubringen, die geeignet 
sind, uns der Lösung näher zu fiihren. Er führt 
, mehrere Fälle an, wo durchaus nicht beliebig irgend 
eins der „Couplets similaires“ (so nennt diese Wieder- 
I holungen Gautier, der über dieselben neben Tobler 
am ausführlichsten gehandelt hatte) gestrichen 
werden kann, wenn nicht der Zusammenhang zer- 
! rissen werden soll ; daraus geht hervor, dass wenig« 
j stens nicht immer solche wiederholte Tiraden (am 
! besten würde man sie vielleicht „parallele Tiraden“ 

| nennen) als Varianten zu betrachten und dass die- 
j jenigen durchaus im Irrthum sind, welche überall, 
wo solche Wiederholungen vorliegen, Spuren ver- 


Digitized by 


Google 





229 


1882. Literaturblatt für germanische ond romanische Philologie. Kr. 6. 


290 


schiedener Redactionen entdeckt zu haben glauben. 
Als seine eigene Ansicht stellt er S. 47 hin: „dass 
die Wiederholungen eine Eigentümlichkeit des 
epischen Stils der Franzosen und dass sie vom 
Dichter beabsichtigt sind“. Ref. stimmt dem bei, 
nur hätte Verf. genauer sagen sollen: „des vo-lks- 
mässigen epischen Stils“; ferner: „die meisten 
[bezw. „viele“] Wiederholungen“, denn er gibt selbst 
zu, dass es wiederholte Tiraden gibt, die auf ver¬ 
schiedene Redactionen hinweisen; er weist ein solches 
Verhältniss selbst für die „Ghevalerie Ogier“ nach 
(S. 45—47), indem er in derselben mehrere auf¬ 
fallende Widersprüche aufdeckt. Wenn er übrigens 
darauf fortfahrt: „Diese Ausführungen haben dar- 
gethan, dass die Chevalerie Ogier einer Redaction 
unterworfen wurde; in betreff des Fierabras hat 
es Gröber nachgewiesen, in betreff des Aiol haben 
wir schon oben diese Bemerkung gemacht. Der¬ 
gleichen konnte natürlich auch für manche [d. h. 
manche andere] Wiederholung Vorkommen; wo sich 
also in ihnen Widersprüche finden, sind sie als 
Arbeit eines Abschreibers anzusehen“, so ist der 
Ausdruck „Abschreiber“ hier wohl nur * durch ein 
Versehen, statt, wie es nach dem vorausgegangenen 
heissen muss, „Redactor“ („Bearbeiter“) gesetzt 
worden. Wenn ferner unmittelbar darauf fortge¬ 
fahren wird: „Varianten aber darin zu sehen, ist 
unmöglich; denn da die andern [d. h. die wider¬ 
spruchslosen] Wiederholungen keine Varianten sind, 
also da es keine Varianten gibt, können 
auch die sich widersprechenden Wiederholungen 
keine solche sein“, so muss man wohl auch hier 
eine stilistische Nachlässigkeit des Verf.’s annehmen; 
die Schlussfolgerung wäre sonst doch gar zu selt¬ 
sam. — Der Verf. hat es für seine Aufgabe ge¬ 
halten, sämmtliche bisher über die vorliegende Frage 
geäusserten Ansichten zu erwähnen bezw. zu be¬ 
sprechen. Das ist ihm freilich nicht ganz gelungen; 
er hat z. B. die interessanten Bemerkungen von 
d’Avril (vgl. Gautier, Les Äpopües I 2 360) gar 
nicht erwähnt. Uebrigens bin ich der Ansicht, dass 
sich diese Aufgabe zu stellen, durchaus unnöthig 
war; es kommt doch in der That nur auf dasjenige 
an, was wirklich einen neuen Beitrag zur ßeur- 
theilung unserer Frage bildet. So hätte der Verf. 
Namen wie Gärusez mit Stillschweigen übergehen 
können (S. 39); was er (ebd.) von Boissier anführt, 
hat mit der hier* vorliegenden speciellen Frage gar 
nichts zu schaffen, hätte also fortbleiben sollen. 
Ebenso batte sich Verf. seine Aufgabe noch be¬ 
deutend dadurch vereinfachen können, dass er <jie 
ganze erste Klasse („Liedertheoretiker“) überging, 
denn, so viel mir bekannt, ist jetzt niemand mehr 
der Ansicht, dass in unsern Wiederholungen neben¬ 
einandergestellte Volkslieder zu erblicken seien. 
Wozu aber längst aufgegebene Ansichten weitläufig 
und eingehend widerlegen? — Einige weitere Be¬ 
merkungen mögen hier noch folgen. Monin hatte 
sich für seine Liedertheorie auf die Stelle im Roland 
gestützt, wo dreimal hinter einander erzählt wird, 
wie der Held sein Schwert zu zerbrechen sucht 
(2297—2354). Der Verf. hält dem ganz richtig 
entgegen, dass hier durchaus nicht dieselbe That- 
sache dreimal erzählt wird, sondern dass Roland 
in der That einen dreimaligen Versuch macht, denn 


2575 heisst es: Les colps Rollant connut en treis 
perruns. Wenn er aber fortfahrt: „Hätte Monin 
mit einiger Aufmerksamkeit das Rolandslied gelesen, 
so wäre ihm diese Stelle nicht entgangen“, so ist 
dieser, überhaupt sehr übel angebrachte Vorwurf 
um so weniger am Platze, als, wie der Verf. selbst 
bemerkt, auch Tobler, den derselbe doch der Ober¬ 
flächlichkeit zu beschuldigen weit entfernt ist, die 
Bedeutung dieses Verses für die Auffassung von 
Rol. 2297—2354 entgangen ist. — Geschickt und 
durchaus zutreffend widerlegt der Verf. Steinthal, 
der. um seine Ansicht, die Wiederholungen seien 
nur Varianten, zu begründen, sich auf eine Stelle 
im Girart de Rossilho gestützt hatte. Dagegen ist 
des Verf.’s Versuch (S. 26 ff.), die, wie es scheint 
verdorbene Stelle Rol. 740—782, besonders 746/7, 
zu erklären, bezw. zu verbessern, wenig glücklich. 
Danach sollen die heftigen Worte Karls 746/7 da¬ 
rauf zurückzuführen sein, dass nach seiner, Karls, 
Ansicht die Stellung in der Nachhut, die Guenes 
Roland zuweisen will, zu wenig gefahrvoll und 
daher zu wenig ehrenvoll für Roland ist! — Eine 
Reihe von Behauptungen und Ausdrücken, zumal 
auf den beiden ersten Seiten, bedürfen der Berich¬ 
tigung; eine solche würde mich hier indessen zu 
weit führen. 

Trotz der gemachten Ausstellungen stehe ich 
nicht an, die Arbeit als eine fleissige, im Allge¬ 
meinen von Umsicht und Geschick zeugende, unsere 
Kenntniss des Wesens der Wiederholungen in 
manchen Punkten fördernde zu bezeichnen. 

Zürich. F. Settegast. 


Wolterstorff, Hermann, Das Perfect der 
zweiten schwachen Conjngation im Altfran¬ 
zösischen. (Hallesche Dissert.) Halle 1882. 34 S. 

Vorliegende Abhandlung beschäftigt sich mit 
einem Punkte der französischen Verbalflexion, über 
welchen schon vor längerer Zeit G. Paris (Rom. II, 
205) eine Erörterung in Aussicht gestellt hatte. Es 
wird zuerst gefragt, welche Verba in einzelnen 
Perfectformen neben i auch iS aufweisen: perdit 
perdiSt. Nicht weniger als 70 Denkmäler werden 
untersucht; folgende bieten die gesuchte Erscheinung: 
ORol., Chm., Gorm., OPs., CPs., Evrat’s Genesis, 
Alexd., Ben. Chr. und Rom., STh., Rairabert’s Og., 
RCbr., Loh., RMont., Aiol, Floov., Cour. L., Chanr. 
Nim., GBourg., Aye, AmAm., Joilrd. Bl., Calendre, 
GViane, Gayd. 1 Nur Chm. kennt, wohl zufällig, 
bloss iS. Meist am Versende, theils weil spätere 
Dichter die halbverschollene Form nur dann hervor¬ 
holten, wenn sie dem Reime zu statten kam, theils 
weil im Innern des Verses oder in Prosaschriften 
die Abschreiber leicht ändern konnten. Die in 
Betracht kommenden Formen sind: bei weitem am 
häufigsten Perf. 3. Sing., weit seltener 3. Plur.; 
I 2. Sing, nur im OPs. (5 Verba), CPs. (1)^ — also 
I nicht, wie Chabaneau Conjug. 88 sagt, ‘tris-sou- 


1 Ep. de S. Est ist insoferne für sieh so betrachten, 
als sie batterent auf weist, das nicht za -ierent verändert sa 
werden braucht. 


Digitized by 


Google 


17 



231 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie.. Nr. 6. 


232 


vent* —; Impf. Cjc. 3. Sing, nur OPs. (1) und 
Gorm. (2, nicht in der Hs.) 2 . 

Von den Vorarbeiten wird Andresens lieber 
Metrum u. s. w. S. 49—50 nicht erwähnt wo 
wenigstens die Hälfte der Belege schon verzeichnet 
steht. — Die Emendationen zu Gormont sind ganz 
richtig; nur finden sie sich schon bei Hciligbrodt, 
der auf Paris und Förster hinweist. — Auberi ed. 
Tobler und GNant. sollen nur -i bieten; doch im 
ersten consivii, im zweiten respondii ; beide schon 
bei Andr. — Gayd. hat auch fendii . — Aus Floov. 
fehlt repentii (schon von Darmest. S. 10 und Stengel 
ZRP. II, 333 verzeichnet); wichtig, weil ein sonst 
vom Hrsg, nicht nachgewiesenes Verbum. — Tollii 
erscheint auf S. 30, ohne dass es früher belegt 
worden wäre; es steht in Fleck’s Abhandlung. — Aus 
nicht untersuchten Denkmälern seien beispielsweise 
angeführt: Agol. (nach Tobl.) respondii , Dial. an. 
et rat pervertii ; Meraugis und Gauvain (vgl. 
Zingerle) mehrere Verba. — Und so mag noch 
manches nachzutragen sein. Indessen ist die Zu* 
sammenstellung auch nach Andresen recht will* 
kommen; sie wird bei Vorlesungen viele Citate er¬ 
sparen. Schade, dass der Verf. es nicht vorgezogen 
hat das Ganze in ein paar Seiten mitzutheilen; 
welchen Nutzen es gewährt, bei allen Denkmälern 
ganze Reihen von Belegen für /-Formen anzuführen, 
ist schwer zu ersehen. Falsche Citate fehlen nicht; 
eine unglaubliche Flüchtigkeit ist es, wenn bei 
Alexius mehrere Parte. Pfc als Perfecta angeführt 
werden. 

Die hierhergehörigen Verba sind: a) CompositA 
mit dare: perdiet, vend.; rend . b) Verba mit dem 
Charact. - nd -.* fend, defendfond-, espand, pend., 
descend., resplend-, respond., tend. — c)Charait. Cons. 
+ t: abatiet, repent., revert., revest — d) Charact. Cons. 
+ p: rompiet — e) siviet — f) tolltet — g) Cha¬ 
ract. des Praesens- oder Perfectstammes Cons. + 
Gutt.: venqu, beneisqu.; vesqu . Fast alle mit franz. 
Infinit, auf - re als ausschliessliche oder Nebenform 3 ; 
nur repentir, vertir, vestir mit franz. Infin. auf -tV. 

Ein Versuch, die geographischen Grenzen der 
Erscheinung zu bestimmen, ist ziemlich ergebnisslos 
geblieben. Was die Zeit betrifft., so ist wohl die 
Mitte des XIII. Jh.’s als terminus ad quem 
anzusehen. 

Wie ist nun ii zu deuten? So, wie dies seit 
Schuchardt’s Andeutung (Rom. IV, 122) allgemein 
geschieht: durch Einfluss von d£dit K . Also auch hier 
nichts Neues. Zum Theile neu dagegen, wenn auch 
hie und da angedeutet, ist die Ansicht über die Art, 
wie die Formen der schwachen Perfecta der Verba auf 
-re zu Stande kamen. Dass Anlehnung an -ivi u. s. w. 
stattgefunden habe, wird nicht entschieden geläugnet; 
der Verf. zeigt sich aber mehr zu folgender von 


* In Elie de S. Gille, den der Yerf. nicht notersuchte, 
erhält Raynand durch Emendation 1917 entendiest, 2032 
eonsuiest. 

1 Hierher kann man auch resplandiet rechnen,. das der 
Yerf. in den -ir-Vrrba stellt; vgl. pro?. - andre , it. -ändere. 

♦ Der Yerf. wiederholt alle Belege ans Sohuchardt nnd 
Arbois de Jubainville. Der Yollständigkeit halber konnte 
auoh auf Stünkel ZRP Y 48 hingewiesen werden, welcher 
seinerseits auf Neue nnd Kaulen sich beruft. Ygl. auch Rönsoh 
288. Für tendiet findet der Yerf. keine lat. Form; dooh 
Schuch, m, 10 adtendedtt. 


I -didi ausgehender Deutung geneigt. Perf. 1. -d&U 
j = -diei, di (iei zu t); 2. -dedisti d f disti = dis] 
3. -d&lit — -diet\ 4. *dedimu$ d’dimus = - dimes ; 5. 
= 2; 6. -düdrunt — -dierent ; — Impf. Cjc. -dedissem 
d’diesem = -disse u. s. w. Also ganz wie Cornu, 
Rom. X, 216—7, den Veif. wahrscheinlich bei Ab¬ 
fassung seiner Abhandlung noch nicht einsehen 
konnte. Nur sei gleich bemerkt, dass Cornus Auf¬ 
stellungen lediglich die Composita von dare be¬ 
treffen, während der Verf. alle in Rede stehenden 
Verba auf gleiche Art gedeutet wissen will. Perf. 3.6 
änderten dann das frühere ie zu i durch Anbildung 
an die anderen Formen mit i. — Was nun die flexions¬ 
betonten Formen betrifft, darf man fragen, ob wirklich 
anzunehmen sei, dass z. B. intendistis battuissem den 
Umweg über intendedistis battidissem genommen haben. 
Erwägt man, dass von solchen Anbildungen an dedi 
nur stammbetonte Formen zu belegen sind, so er¬ 
scheint dies wenig glaubwürdig. Soll vollends ein lat. 
*rumpisti nicht unmittelbar zu rompis geführt haben? 
Indessen scheint diese Frage für das hier in Rede 
Stehende von geringer Bedeutung ;^denn mögen - is, 
- istes, -isst auf die eine oder auf die andere Weise 
entstanden sein, so könnte man immerhin sagen, 
dass sie nur lat. -Xsti etc. wiedergeben, und ihre 
I Unabhängigkeit von lat. -ivisti isti etc. erwiesen 
sei. Indessen ist nicht zu übersehen, dass das kurze 
i der ersteren Formen e ergeben müsste. Für 
1 Perf. 2. 5 lässt sich mit Cornu erhaltenes i 
durch das posttonische i erklären (tsti = is)> aber 
warum nicht -tssem zu -esse wie im Ital.? 5 Etwa 
durch Anbildung an Perf.? oder ist doch Einfluss 
- t des langen i von issem zu constatiren? — Gehen wir 
nun auf die stammbet. Formen über, so ist gegen 
d&drunt zu dierent nichts einzuwenden, da schon 
im OPs. dr als r erscheint. Aber zu diei = di 
i lässt sich bemerken, dass, da nicht überall iei zu i 
! wird, Formen mit den anderen Reflexen von iei 
■ vorhanden fcein müssten. Ferner müsste dXdi eigent- 
j lieh diei ergeben 6 . Endlich flösst das so frühzeitige 
| Vorkommen von -it -irent doch Bedenken gegen die 
* Annahme, -iet sei überall die alte Form, welche erst 
I durch Analogie zu it wurde. Ich gestehe, noch 
i immer folgender Ansicht den Vorzug zu geben: 
sobald ein intendi, - it, rumpi (st rupf) -it als Per- 
feetformen unbrauchbar erschienen, gelangte man 
— durch Anlehnung an -isti, -istis, -issem u. s. w. 

! derselben Verba, vielleicht unter Einfluss des i 
(= ipt), it ( ivit) der Verba der IV. lat. Conjug. — 
unmittelbar zu i, -it ; die Composita mit dare hatten 
in # Perf. 3. 6 entweder ii als ursprüngliche Form, 
zu der aber bald i hinzutrat, oder schon von vorne- 
herein ie und i 7 ; ie ergriff dann auch andere Verba, 
die von Haus aus nur i kannten, und zwar zuerst die 

* Cornu erinnert an perdesse in Eulalia; eine Form die 
an die Perf. auf - et , Impf. Cjc. auf -est der lothringischen 
Denkmäler (vgl. die letzten Zeilen vorliegender Recension) 
lebhaft mahnt. 

4 Hinzuweisen auf den alten Schwand von v in -avi 
schiene mir unstatthaft. Cornu schlägt auch *vendidi vor (t 
unverändert wegen -#); nur müsste auch hier in der Zeit, da 
intervocalische Dentalis im romanischen Auslaute noch nicht 
verschwunden ist, vendit (-f d) zu treffen sein. 

1 Für das -i- der dritten Sing. lässt sich (was bei der 
ersten schwerer anging; vgl. die vorangehende Anmerkung) 
auch an Mitwirken von *vendidit denken, das regelrecht 
eendü ergeben konnte. 


Digiti?ed by 


Google 




233 


1682. fjiteraturblatt für germanische nod romanische Philologie. Nr. 6. 


234 


mit Charact. -ndr, dann die mit Cons. + t } schliess¬ 
lich auch andere mit beliebigem Charact Auch 
wurde hie und da ie in Perf. 2 und Impf. Conj. 3 
angewandt 8 . 

Hat nun der Verf. die Frage nicht erledigt so 
ist es doch dankenswerth, dass er sie angeregt. 
Eine erneuerte Behandlung wird auf die Flexionen 
-et, -erent, -est der lothringischen Denkmäler ein- 
gehen 9 und überhaupt die Perfectbildung mit -e- 
in allen romanischen Sprachen berücksichtigen 
müssen. 

Wien, 15. März 1882. A. Mussafia. 


Die Verbalflexion in den Qnatre livres des 

Rois von Dr. Karl Merwart. Zwei Hefte. 

48 u. 19 S. 8. Marburg 1878. Wien 1880. (Progr.) 

Wenn ich so spät Merwarts Arbeit zur Sprache 
bringe, so geschieht es, weil ich sie lieber von 
Anderen angezeigt gesehen hätte. Da sie aber 
— wohl nur der ungünstigen Umstände halber, 
unter welchen sie erschienen — beinahe unbekannt 
geblieben zu sein scheint, so möge derselben hier 
mit einigen Zeilen gedacht werden. Das Verzeich¬ 
niss der Formen erschien im 8. Jahresberichte der 
Oberrealsch. zu Marburg in Steiermark (1878); 
leider bricht es mitten in der Aufzählung der Belege 
filr 3. Plur. der Perf. auf -u ab. Zwei Jahre später 
im 5. Jahresbericht der Unterrealsch. in der Leopold¬ 
stadt in Wien erschienen die Erläuterungen. Die 
Vollständigkeit der Sammlung und die Genauigkeit 
der Citate im ersten Theile überall zu controliren, 
wird man keinem Ref. zumuthen; ich kann nur be¬ 
merken, dass zahlreiche Stichproben mich auf kein 
Versehen stossen HessenWas die Anordnung des 
Materials betrifft, so ergibt sich, dass, wie bei anderen 
ähnlichen Zusammenstellungen, die Vertheilung der 
primären Verba unter die drei letzten lat. Conjug. 
schwer durchzuführen ist. Der Verf. geht beim 
Praes. der drei Modi und beim Impf. Ind. vom 
Lateinischen, beim Infin. (Fut. und Cond.) aber vom 
Franzos, aus. Daher sind gist, plaist, maint u. s. w. 
zur IL Conj. gestellt, aber gesir, plaisir zur IV., 
maindre zur III. Sind zwei franz. Infinitivformen 
da, so ist ihm für Fut. und Cond, die lat. Form 
bestimmend; daher ardeir und ardre zurII. und III.; 
arder-as, eit zur II. Warum dann chiet zur II.? 
Etwa weil vielfach der roman. Infin. ein *cadere 
wiedergibt? Da aber unser Denkmal nur chair 
kennt, so nimmt sich hier chiet als Vb. der II. ziem¬ 
lich sonderbar aus. Nur ein Versehen, aber für 
das Verfahren recht bezeichnend, ist es, wenn giseit 
sowohl bei der II als bei der IV. verzeichnet wird. 
Man sollte doch bedenken, dass — da alle primären 
Ver* a für die Praesenstempora nur 6ine Flexions¬ 
art kennen und ihre Perfecttempora wohl auf viel¬ 
fältige Art, aber unabhängig von der Gestalt des 

8 Mao bemerke auch den Abfall des losen t in -diV; 
t — dt sollte fest sein; es wird aber, wie das t der con- 
oorrirenden Form als lose behandelt. 

9 Manche der Ton Förster ZnfrSpr. I, 86 der L Conjng. 
angewiesenen Perfecta gehören ebenfalls hierher. 

1 Indessen yergleiohe man ZRP. II, 636, in welcher der 
Verf. bedauert, es seien ohne seinen Willen manche Fehler 
stehen geblieben. 


Infin. bilden — es kaum angeht, bei diesen Verba 
aus vermeintlich praktischen Gründen eine Scheidung 
nach Conjugationen vorzunehmen. Auch dass mit 
Meister die -wi-Perfecta saramt und sonders zur 
schwachen Flexion gerechnet werden, ist nicht zu 
billigen. Die Erläuterungen sind im Ganzen recht 
ansprechend; der Verf. hat es verstanden, in knapper 
Form fast alles Bemerkenswerthe hervorzuheben 
und mit Heranziehung der einschlägigen Literatur 
meist richtig zu deuten. Hie und da lassen Gedanke 
und Ausdruck an Präcision und Klarheit manches 
zu wünschen übrig. Dies gilt besonders von den 
Erörterungen über das Perfect, wohl dem schwäche¬ 
ren Theil der Arbeit. Die lautlichen Bemerkungen 
auf S. 7—8 hätten höchstens in einer Anmerkung 
eine passende Stelle gefunden; sie gehen eben 

— wie übrigens der Verf. selbst erklärt — die 
Flexion als solche gar nicht an. Sehe ich nun von 
den Ansichten ab, die zu einer — hier unmöglichen 
und, da eine neue Behandlung des Gegenstandes in 
Aussicht steht, überflüssigen — Discussion Anlass 
geben könnten, so bleiben nur einzelne thatsächliche 
Versehen zu verzeichnen. So esparment als III. 
Plur., isse (206 Comm.) als Indic., orrez (410, 1) 
als Fut. von aveir angesehen. In medeit liegt wohl 
kein erhaltenes loses -1 vor; es ist == maleeit . 
Enfennes (350 Marg.; von Le Roux irrig -6s betont) 
ist nicht = -Ses, sondern = lat. infirmas. Auf 
S. 16 lies ‘BebagheT st. ‘Stimmäng*. — Von den 
Druckfehlern sind ein paar aufS. 17 recht störend. 

— Man darf hoffen und wünschen, dem strebsamen 
Verf. auf unserem Gebiete bald wieder zu begegnen. 

Wien, 25. März 1882. A. Mussafia. 


A. de ßonrbon prince de Conti Traiti de la 
comedie et des spectacles. Neue Ausgabe 
von Karl Vollmöller. Heilbronn, Gebr. Hen- 
ninger. 1881. XIX, 103 S. 8. M. 1,60. 

Dieser Neudruck (Nr. 2 der Sammlung) ist an¬ 
gefertigt nach dem im Besitz des Hrsg.’s befindlichen 
Original von 1667. Die Einleitung behandelt die 
Unterschiede dieser ersten anonym erschienenen 
Ausgabe von einer zweiten 1669 mit Nennung des 
Verfassers herausgegebenen, gibt einige Notizen 
über diesen, wann und unter wessen Leitung der 
traitü gedruckt wurde, welche Schriften für und 
wider das Schauspiel dadurch hervorgerufen wur¬ 
den u. s. w. 

Nach dem privil&ge und der approbation des 
docteurs folgt p. 7—23 des Neudruckes der Traitü, 
dessen Zeilen auf jeder Seite durchgezählt und in 
dem die Seiten des Originals in Klammern ange¬ 
geben sind. 

Der Poetik ihre Kritik über das Schauspiel 
lassend will der Verf. nur die der Religion darüber 
anwenden; er will den frommen Christen beweisen 
que la Comedie en Testat quVl'le est aujourd’huy 
n’est pas un divertissement innocent comrae ils se 
Timaginent, et qu’un Cbrestien est obligü de la 
regarder comme un mal. Nachdem er auseinander¬ 
gesetzt. was er unter comedie versteht, ihre ver¬ 
schiedenen genera besprochen hat, gibt er einen 
Uebürblick über das Drama der Griechen, Römer 


Digitized by 


Google 




285 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie., Nr. 6. 


236 


Italiener, Spanier und Franzosen. Die Tragödie der 
Alten hätte nichts Bedenkliches gehabt; aber dass 
Christen sie sähen, hätten die Kirchenväter schon 
früh verboten. Jetzt seien amour, vengeance und 
ambition die auf der Bühne am meisten dargestellten 
Leidenschaften. Zur Darstellung der ersten ist der 
Dichter genöthigt, wenn er gefallen will; aber wie 
viele Herzen werden so von Gott abgelenkt! Spielt 
sie doch selbst in den schönsten Tragödien z. B. 
dem Cid eine Hauptrolle! Welche Frau kann es 
ertragen, zu sehn, wie die Liebeserklärungen ge¬ 
macht, Briefe und Besuche empfangen werden ? 
Welcher Mann möchte seine Frau, welche Mutter 
ihre Tochter als Chimene sehn? Wenn die Verehrer 
des Schauspiels sagen, Tugend und Laster erfüllen 
die Welt und werden dargestellt, jene gelobt* und 
dieses getadelt, so antworte er mit den Worten des 
Bischofs Antoine Podeau von Grasse: 

„Le remede y plaist moins que ne fait le poison“. 

Es sei leerer Schein, wenn der Dichter, nach¬ 
dem er das Gift in die Herzen geträufelt, einen 
alten König u. dgl. in der Person eines ge¬ 
wöhnlich sehr schlechten Schauspielers irgend 
eine Moralpredigt halten lasse; das Publikum 
höre nicht mehr darauf. Und wenn sie zweitens 
fromme Tragödien und in Ermangelung einer ande¬ 
ren den Polyeucte anführen, so sei zunächst das 
fromme darin grade trocken und langweilig wie 
das gottlose fein und leidenschaftlich, sodann das 
Theater nicht der Ort, um den Ruhm der Märtyrer 
zu feiern und endlich (wiederum nach dem soeben 
genannten A. Podeau): 

Poar changer leurs moeurs, et regier leur raison 

Lee Chrestiens ont l’Eglise, et non pas le theatre. 

Da die Rache von den Weltmenschen für eine edle 
Leidenschaft angesehn wird, so haben sich die 
Dichter ihrer besonders bedient. Beispiele: Aus 
dem Cid Rodrigo, berühmter durch seine heisse 
Liebe zur Chimene und das doppelte an einem Tage 
bestandene Duell als durch seinen Kampf gegen 
die Mauren; zweitens aus dem Pompejus die Cor¬ 
nelia. Von dem Ehrgeiz will der Verf. gar nicht 
reden, denn dazu brauche er ein ganzes Buch. Der 
Zweck des Schauspiels ist also, die Leidenschaften 
zu erregen, dagegen soll die Religion sie so viel 
als möglich besänftigen; jenes stellt uns die Helden 
dar unter der Herrschaft ihrer Leidenschaften, diese 
Christum als Dulder, damit er uns von den Leiden¬ 
schaften erlöse Daher sei es doppelt strafbar, 
wenn man zu Theatervorstellungen besonders den 
Sonntag wähle. Diesem und jenem die Augen für 
das Heil seiner Seele geöffnet zu haben, wird dem 
Verf. genügen und er wolle sich nicht wundern, 
wenn Weltmenschen seine Gründe gegen das Schau¬ 
spiel schwach finden. 

Diese Ansicht begründet er durch die Tradition 
de PEglise, welche p. 24—30 und durch die 
Sentimens des peres de PEglise sur la comedie et 
les spectacles, welche p. 31—73 des Neudrucks 
umfassen. Unter den letzteren finden sich u. a. 
Stellen aus Tertullian, Clemens Alexandrinus, Mi- 
nutius Felix, Cyprianus, Lactantius, Cyrillus, Am¬ 
brosius, Johannes Chrysostomus, Hieronymus, Au¬ 
gustinus, Anastasius, Isidorus von Sevilla, Photius 
u. s. w. bis St. Bernhard und Johann von Salisbury, 


d. h. aus Kirchenvätern vom zweiten bis zum 
zwölften Jahrhundert. Den Schluss bildet p. 77 
—103 die Table des matiires. 

Wenngleich aus dem Inhalt hervorgeht, dass 
der Traitö interessant ist als ein Zeichen der Oppo¬ 
sition gegen das Schauspiel in einer Zeit, wo Moli&re, 
obgleich in hoher Gunst beim König, doch seinen 
Don Juan absetzen musste, und wenngleich nach 
der Zeit des Erscheinens, siebenzehn Jahre vor 
der ersten Ausgabe des Dictionnaire de PAcadämie, 
es sich von selbst versteht, dass wir daraus manches 
für die Kenntniss der damaligen Orthographie und 
Grammatik gewinnen, so ist er doch nicht so wich¬ 
tig wie Nr. 1 derselben Sammlung, de Villiers, Le 
Festin de Pierre. Knörich, der Hrsg, dieses, sagt 
Einl. p. XVII: „Mein Hauptstreben war darauf ge¬ 
richtet, den Text möglichst correct wiederzugeben. 
Die alte Orthographie und Interpunction sind durch¬ 
aus beibehalten, nur offenbare Druckfehler sind ver¬ 
bessert und unter dem Text angemerkt worden“. 
Wenn ich die mir vorliegenden Originalausgaben 
der Grammatik von Chiflet (1659) und der sechs 
ersten Bücher der Fabeln von La Fontaine (1668) 
vergleiche, so meine ich, hätte das Verbessern von 
Druckfehlern bei ihm noch stattfinden können Vers 
193 eust statt eut, 236 de quoy st. dequoy (vgl. 
Trait£ 3, 23 de confiscation ), 398 surprist st. surprit, 
484 eust st. eut, 783 qu’a commis st. qu’äc., 860 me 
autre foü st. me autrefois, 1387 vtnt st. vint, 1455 
dussi-je st. dussay-je, 1457 manges st. mangie, 1519 
wie 236, 1736 voulust st. voulut. Es wäre überhaupt 
für ihn unbedingt nothwendig gewesen, sich eine 
Collation der Pariser Originalausgabe zu verschaffen. 
Vollmöller sagt Einl. p. I, abgesehen von Druck¬ 
fehlern, welche verbessert wurden, seien die Texte 
genau wiedergegeben. Ich sage, leider zu genau, 
und notire als leichte Druckfehler p. 27 Z. 18 nostrc 
st. nostre, 43, 24 &c st. dk, 61, 26 oüanges st. lau- 
anges, 82, 23 Chrestieus st. Chrestiens; als schwerere 
50, 25 tous cela st taut cela, 60, 37 que Vont peut 
peut permettre st. Von, ebenso 71, 24 Vont retient st. 
Von, 78, 13 connü st. connu vgl. 33, 43; 81, 13 peut - 
estres st. peut-estre, 83, 44 de-lä st de lä, 88, 35 
Deffenses st Deffense, 90, 37 farses st. farces, 91, 2 
celles st. cette, vielleicht 103, 5 vgl. 93, 21 mesmes 
st. mesme; als ganz schwere 13, 13 apris qu’on se 
füt servy st. fut, 17, 8 puis qu’ü Va pleu ainsi au 
PoZte st. a, 41, 1 encore qu’ü n’y eut rien st eust, 
43, 31 inutüs st inutües (inutile findet sich nach 
Litträ zwar noch bei Desportes zweigeschlechtig, 
ist aber im 17. Jh. nut commune); 51, 41 mais y 
a-Vil de crime plus enorme que de leur st le leur, 
53, 19 la parole Dieu st. de Dieu, 58, 34 Les uns 
mettant st. mettent, 65, 9 Que leurs donnerons-nous 
st. leur, 75, 10 comme nom seid le marque st. comme 
le nom seid le marque oder comme le nom seid marque, 

84, 41 Allez ä la Comedie, c’est s’engager st. aller, 

85, 24 un grand pechS st. un plus grand pechi, 
89, 38 und 95, 34 vgl. 55, 38 croyons st croyions, 
96, 36 ny st. n’y, 99, 7 ä de fausses divinitez st 
des; endlich 85, 13—19 ist von drei Alineas das 
zweite und dritte umzustellen, wenn ein Sinn heraus¬ 
kommen soll. Die Beibehaltung der alten Inter¬ 
punction lasse ich mir eher gefallen, doch will ich 
nicht unerwähnt lassen, dass mit derselben Stellen 


Digitized by LjOOQie 




237 


1882. Literaturblätt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


238 


wie 32, 32—42; 38, 8—20; 50,29—37; 51, 6—19; 
57,21—29 (84,27—30) erst nach wiederholtem Lesen 
verständlich werden. Wenn wir also auch den 
Herausgebern und besonders Vollmöller für die 
bisher gelieferten ersten beiden Hefte dankbar und 
mit den resp. Einleitungen einverstanden sind und 
wenn Ref. mit besonderer Sehnsucht die Gram¬ 
matiker des 16. Jh.’s erwartet (sie wieder heraus¬ 
zugeben war Herrn Director Beneckes und seine 
Absicht schon vor acht Jahren, vgl. Lamprecht, 
über Abel Mathieu, Deuis de langue fran$oise, 
Paris 1572, Programm des grauen Klosters von 
1875), so wünscht er doch für die Folge von Voll¬ 
möller etwas mehr Rücksicht auf Uniformität in der 
Constituirung der Texte und besonders von den 
betr. Herausgebern viel mehr Sorge für Reinigung 
derselben, durch Vergleichung entweder mehrerer 
Originalausgaben desselben Werkes oder gleich¬ 
zeitiger Ausgaben anderer Werke. 

Berlin, 17. April 1882. F. Lamprecht. 

Der Sprachunterricht muss umkehren! Ein 

Beitrag zur Ueberbürdungsfrage von Quousque 

Tandem. Heilbronn 1882. 38 S. 8. 

Die kurze in schneidigem und zugleich allge¬ 
mein fasslichem Tone gehaltene Schrift, welche 
offenbar von einem theoretisch wohl geschulten und 
zugleich praktisch wohl erfahrenen Anhänger der 
. Jüngern phonetischen Richtung herrührt, darf allen, 
denen es mit dem Bildungswerth des Sprachunter¬ 
richts in unsern hohem Schulen Ernst ist, auf das 
wärmste empfohlen werden. Es ist nicht mehr als 
billig, dass der Verf., dem es nur eine Frage der 
Zeit ist, „dass die neuern Sprachen in unsern 
hohem Schulen die Oberhand über die alten ge¬ 
winnen“, besondere scharf mit der zur Zeit noch 
herrschenden Unterrichtsmethode in den neuern 
Sprachen ins Gericht geht Auch er tritt für die 
lebende Sprache und gegen die vorzeitige Schrift- 
lebre und das obligate Einpauken unverdaulichen 

g rammatischen Regelkrams auf, auch er verlangt 
eberbördwerfen alles aus der lat Grammatik 
herübergenommenen Ballastes, sowie der schrift¬ 
lichen Exercitien, für deren Anfertigung neuerdings 
findige Untersecundaner sogar den Hektographen 
verwendet hätten, ohne dass der arme Lehrer nun 
auch im Stande wäre, hektographisch zu corrigiren. 
Wie der Verf. sich den Unterricht denkt, und wie 
er ihn auch wohl praktisch selbst handhabt, gibt 
er S. 36 f. an. Die Besorgniss, es könnte nun, wie 
letzthin oft genug mit der Etymologie, auch mit 
der Lautphysiologie Missbrauch getrieben werden, 
ist allerdings dadurch nicht völlig beseitigt. Bei 
etwas pädagogischem Takt von Seiten des Lehrers 
wird aber hier leicht das richtige Mass gefunden 
werden. Das wichtigste ist, dass sich jeder Sprach¬ 
lehrer, insbesondere jeder Lehrer der neuern Sprachen, 
die lautphysiologischen Grundbegriffe angeeignet 
haben sollte, da er nur so im Stande ist, dem spe¬ 
zifischen Bildungselement der lebenden Sprachen zu 
seinem Recht zu verhelfen. 

Marburg, 1. Juni 1882. E. Stengel. 


Zeitschriften. 

Taalstudie HI, 4: K. Ten Bruggenoate, Notes and 
Elucidations to Diekens' Chimes (Tauchnitz Edition) 193. — 
C. J. Voortman, On English strong Verbs (Continued) 210. 
— L. M. Baale, Eustache Desehamps II 218. — P.—D. 

! Kablet, Bulletin bibliographique 222. (Bespricht u. a: 

I Thurot, de la prononciation fran$aise; Oeuvres inddites 

| de Bossuet p. p. Mdnard; Pensdes de Pascal p. p. 

| Ern. Havet; Extraits de Montaigne d. p. Petit de 

I Juleville.) — L. M. B., Questions et rdponses 232. — 

J. J. A. A. Frantzen, Ueber die Declination der Sub¬ 
stantivs 235. 

| Zs. für Orthographie II, 5. 6. 7: Di e de rieh s, über die 
Aussprache von $/>, «*, g und ng 5. 6.7. — T. Pagliardini, 
an international iJphabet 3.4.5. — J. M. Schreiber. Einheit 
der Schrift. — Marten*, Die Orthographie unserer Schul¬ 
bücher. — K e w i t z. Darf man die Schreibweise von Namen 
der Aussprache gemäss verändern? — A. Baumgarten, 
zum Vortrage des Herrn A. Grün. — K. Duden, Nooh 
einmal -ieren und -iren. — Beissei, Rechtschreibung der 
Eigennamen. — Ke witsch, zur Schreibung tz, — Biblio¬ 
graphie u. s. w. 

Archivio per lo Studio delle tradizioni popolari I, 2. 
April—Juni: 8. Salomo ne-Marino, Sohizzi di costumi 
contadineschi siciliani. — G. Pitrd, Novelle popolari tos- 
cane. — G. Finamore, Storie popolari abruzzesi in versi. 
— Paolo Giorgi, S. Salomone-Marino, Antica ninna- 
nanna siciliana del Santo Natale. — F. Mango, Poesie 
popoL infant. in Calabria. — G. Ferraro, Cinquanta 
giuochi fanciulleschi monferrini. — R. Castelli, Di un 
mito moderno. — Henry-Charles Coote, Origine della 
Cenerentola. — Felix Liebreoht,* Le Conte de Satni- 
Kh&moTs. — J. Leite de Vasconcellos, Costumes e 
Crengas de Portugal. — Fr. Rodriguez Marin, Juego de 
las Chinas. — G. Pitrd, Le voci dei venditori ambulanti. 
— Miscellanea: Pitrd, Gli Zingari in Sioilia. — Gherardo 
Nerucci, Flamencos e Gaohos. — Lnigi Pulci, Lettera 
e parole in lingua furbesca al sec. XV. — S. A. Gua- 
stella, La leggenda di Caino in Sicilia. — J. Leite de 
Vasconcellos, Cain na Lua. — Rivista Bibliografien: 
Guastella, Vestru (Pitrd). — Finamore, Tradizioni 
popolari abruzzesi, noveile (Pitrd). — Savini, Usi e costumi 
del popolo teramano (Pitrd). — Pasqualigo, Raocolta 
di Proverbi veneti (Pitrd). — De Puymaigre, Chants 
populaires reoueillis dans le Pays Messin (Salomone-Marino). 
— Luzel, Legendes chrdtiennes de la Basse-Bretagne 
(Pitrd). — Maspero, Les oontes populaires de l'Egypte 
ancienne (Pitrd). — El Folk-Lore andaluz (Pitrd). — Ma- 
chado y Alvarez, Adivinanzas franoesas y espanolas 
(Pitrd). — Caballero, The Bird of Truth and other 
Fairy Tales (Pitrd). — Stephens and Cavallius, Old 
Norse Fairy Tales (Moratti). — Matthews, Hiawatha and 
other Legends of the wigwams of the red American Indians 
(Moratti). — Call Theal, Kaffir Folk-Lore (Moratti). — 
Dragomanov, Novi Ukrajinsjki Pisni pro Gromadsjki 
Spravi (Moratti). — N. F. DOAITHZ\ € 0 ijJUoe »ara rovf 
Stjpvftovi (Moratti). — Bullettino Bibliografico sopra 
reoenti pubblioazioni di Molinaro del Chiaro, Raffaelli, Ano- 
nimo, D’Ancona, Zanazzo, Maspons e Di Martino, Rodriguez 
Marin, Machado y Alvarez, Sdbillot, Carrington. — Reoenti 
pubblioazioni. — Sommario dei Gioraali (G. Pitrd). — No- 
tizie varie (G. P.). 

Noord en Zuid V. Extranummer: A. W. Stell wagen, Iets 
over de tropen 1. — J. Geluk, Over spraakgebreken in 
’t allgemeen, en over aphasie in ’t bijzonder 16. — Prof. 
Dr. 0. Schräder, Uit de gesohiedenis der huisdieren 30. 
— T. N. N. B., Over den oorsprung der taal 45. — Dr. J. 
Beckering Vinokers en Dr. J. H. Gallde, Uit de 
gesohiedenis der Nederlandsche taal 53. — J.AM.Men- 
s i n g a, Hoogduitsohe 8chrijf- en Spreektaal met de Neder- 
duitsohe vergeleken 75. — Der s., De westelijke grens onzer 
moedertaal 87. — Register op de vier jaargangen. 

Romania 41: G. Paris, Paulin Paris et la littdrature fran- 
caise du moyen-äge 1. — P. Meyer, L'histoire de Guü- 
laume le Mardohal, oomte de Strigull et de Pembroke, rlgent 
d'Angleterre. Poäme frangais inoonnu 22. — J. Cornu, 
Etudes de grammaire portugaise. (Suite: IL L'a prosthdtiaue 
devant rr en Portugais, en espagnol et en catalan; III. Les 
nominatifs deus, m&str* mestre, ladro, tredro tredo , anvidoz^ 


Digitized by 


Google 


239 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


240 


fius fis, pre8te8, sages , maire; Etymologies: aro = agrum, 
bicha = bestia, bicho = bestiuA ; bradar; cas; coima = ca - 
lumnia; er dans Gil Yicente; espoens ; /aro; nega nego = 
ne qua = ni qua; niriho = nidum; olhar = adocuXare; 
ontem, gaL onte = ad noctem; par , wr, por = per; ri- 
gonha = iracundia ; sarar.) — G. Paris, Version« in- 
ödites de la chanson de Jean Eenaud. — J. C o r n u, koche - 
vel % chachevel = caccabellus. — Ders., ure = utrum. — 
G. Pari8, un manusorit inconnn de la chroniqae de Weihen¬ 
stephan. — A. Morel-Fatio, Al bnen callar llaman 
sancho. — J. Cornu, Coco fruit de cocotier. — E. Rol¬ 
land, Les trois saints de Palestine, conte. — A. Orain, Le 
grand loup du bois, ronde bretonne. — A. Morel-Fatio, 
Corrections aux textes publiös du ms. de Carpentras Nr. 877. 

Revue des langues romanes Avril: G. Chabaneau, 
Poösies inödites d’Arnaut de Mareuil. — Marcel Dev io, 
Les pluriels brisds en arabe. 

Romanische Forschungen. Organ für romanische Sprachen 
u. Mittellatein. Hrsg. v. K. Vollmöller. I, 1: O. Diet¬ 
rich, über die Wiederholungen in den altfranz. Chansons 
de geste 1—50. (Auoh Erlanger Dissert.) — Konr. Hof¬ 
mann und T. M. Auracher, der longobardisohe Dios- 
korides des Marcellus Virgilius 51—105. — G. Baist, die 
hochdeutsche Lautverschiebung im. Spanischen 106—116. — 
K. Hof mann und G. Baist, zum provenzalischen Fiera- 
bras 117—129. — G. Baist, Etymologisches (MarfiU taeear , 
deeo % loea , corlieu, senegri , afalagar , falagar, strapazzare, 
cenno) 130—185. — K. Hof mann, ein provenzalisches In¬ 
editum (Tenzone von Ayoard und Girard) 135—137. — 
Ders., Zur Erklärung u. Chronologie des Girart de Ros- 
silho 187. — Ders., die Etymologie von U>8. — K. Voll- 
möller, zum Joufrois (Naohoollation). — G. Baist, Be¬ 
richtigungen. — Das 2. unter der Presse befindliohe Heft 
wird Dringen: Phil. Ross mann, französisches oi (auoh 
Heidelberger Dissert.); W. R o 1 f s, über die Adgarlegenden; 
F. Settegast, Romanische Etymologien; K. Hofmann, 
Zur Chronologie des Rolandsliedes; zur Dialektfrage; sum 
lat. Tundalus in Versen; noch einmal tos; Altfranzös. Mis¬ 
oellen. — Für spätere Hefte wird in Aussicht gestellt: Cr6- 
nica rimada; Laberinto amoroso 1618; Cancionero general, 
erste Ausgabe, der sog. Cancionero de Constantina; zwei 
ungedruckte Bearbeitungen von Gottfrieds von Monmouth 
Historia regum Britanniae, Brit Mus. Harl. 1605 und Roy. 
13. A. XXI; die Adgarlegenden, nach der Hs. Eg. 612 und 
einem bisher unbekannten Fragment zum ersten Mal hrsg.; 
die lexikalisohen Eigentümlichkeiten der Latinität des 
sogenannten Hegesippus von H. Rönsch. — Die zwanglos 
erscheinenden Hefte dieser neuen Zs. sind einzeln käuflioh. 
Etwa 30 Bogen bilden einen Band, der mit 15 Mark be¬ 
rechnet wird. — Ein herzliches Glückauf dem wackern 
Herausgeber! 

Zs. f. nfr. Sprache u. Lit. in, 4. IV, 1: Kressner; Platt- 
ner, Nachträge zu Sachs 1 franz. Wörterbuch. — Mangold, 
Moliöres Misanthrop© (auch separat ersoh.). — Mahren- 
holtz, Neue Mittheilungen über Moliöre. 

Französische Studien. IU, 1. 2: J. Sohoppe, über Metrum 
u. Assonanz der Chansop de Geste „Amis et Amiles“. — 
E. Görlich, die südwestlichen Dialekte der Langue d’oTl. 
Poitou, Aunis, Saintonge und Angoumois. — Ausser den 
Ltbl. S. 206 verzeichneten Aufsätzen sind für Heft 6 u. 7 des 
III. Bandes in Aussicht gestellt: Diedrioh Behrens, Un¬ 
organische Lautvertretung innerhalb der formalen Ent¬ 
wickelung des französischen Verbalstammes; H. Völoker, 
Die Wortstellung in den ältesten französ. Sprachdenkmälern. 


Neue Jahrbücher für Philologie u. Pädagogik Bd. 126: 

F. Kern, über Schillers Ideale vom Menschenglück. 
Magazin f. die Lit. des In- u. Auslandes 18—22: R. 
Werner, Alfred de Müsset. — Julius W. B a u m, Schiller 
und Goethe imUrtheil ihrer Zeitgenossen. — L. Frey tag, 
F. W. Ditfurth, die histor.-pol. Volkslieder des SOjähr. 
Krieges. — Al. Büohner, eine französische Goethestudie 
(Ernest Lichtenberger, Etudes sur les Poösies lyriques de 
Goethe^. — Trautwein von Belle, der ‘Hortus deli- 
ciarunr der Herrada von Landsperg, eine Kosmographie des 
MA.’s. — L. Freytag, zwei Dialekt Wörterbücher (Staub 
u. Tobler, Schweizerisches Idiotikon; Frischbier, preuss. 
Wörterbuch). 

Neuer Anzeiger für Bibliographie u. Bibliothekwissen¬ 
schaft Mai 1882. Supplementum Bibliothecae Danteae 
ab anno MDCCCLXV inohoatae. Aooessio opusculi anno 


MDCCCLXXVI typis expressi quinta. — Neueste Beiträge 
zur Faustliteratur. — Uebersicht der neueren seit Quörard 
erschienenen französ. Lessingliteratur. 

Historisches Jahrbuch (Görres-Gesellschaft) III, 2:8 ch an z, 
Galileo Galilei. 

Anzeiger für Kunde der deutschen yorzeit Nr. 3: 
v. Bezold, aus dem Freundeskreise des Konrad Celtis. — 
Osw. Z i n g e r 1 e, Frei dank als Familienname. — W. Wat- 
tenbach, ein mittelalterlicher Schreiblehrer. — L. Dol¬ 
berg, Weise Regeln aus dem Stadtbuche zu Ribnitz. — 
C. M. Blaas, Nachtwäohterrufe aus Drosendorf in Nieder¬ 
österreich. — Hans Bösch, zur Geschichte der Erfindung 
der Buchdruckerkunst. 

Westdeutsche Zs. für Geschichte u. Kunst I, 2: Karl 
Lamprecht, fränkische Ansiedelungen u. Wanderungen 
im Rheinland. — E. Joachim, Basedow und die hohe 
Schule zu Herborn. 

Zs. des historischen Vereins f. Schwaben u. Neoburg 
IX. 2:A. Birlinger, Sprachliches zu Hainhofers Relationen. 

Mittneilnngen des Vereins f. Geschichte der Deutschen 
in Böhmen XX, 3: Aus dem Sagenbuche der ehemaligen 
Herrschaft Königswart. Xn: die wilde Jagd. — 4: A. A. 
Na aff, das deutsche Volkslied in Böhmen. 

Korrespondenzbl. des Vereins f. siebenb. Landeskunde 
V, 5: JuL Michaelis, Frühlingslied. 

Preussische Jahrbücher April: Jansen, sur Literatur 
über Rousseaus Politik. 

Vom Fels zum Meer April: K. Bartsch, Schiller in 
Karlsbad. 

Westermanns illnstrirte deutsche Monatshefte April: 
Ferd. Hiller, Goethes musikalisches Leben. 

Die Grenzboten Nr. 17: K. G. Andresen, die grossen 
Anfangsbuchstaben. — Albreoht v. Hallers Gediohte (im 
Anschluss an Hirzeis Ausgabe). 

Die Gegenwart Nr. 19: Karl Siegen, Heinrich v. Kleist 
und seine Familie. 

Nord und Süd Mai: K. Bartsch, das altfranzös. Volkslied. 

— J. Kelle, die Verwälschung in der deutschen Sprache. 

Das Ausland 3: Soherillo, Fortpflanzung des italienischen 

Volksliedes. 

Europa Nr. 19: A. Berghaus, ursprüngliche Bedeutung 
der Ortsnamen. 

Allgemeine Zeitung Nr. 116 Beilage: Ludw. Geiger, 
Grimms Correspondance littöraire u. die deutsche Literatur. 

— Nr. 117: L. G(eiger), Weimar und Jena im Jahre 1806 
(im Anschluss an die so betitelte Sohrift Keils, 8. Ltbl. Sp. 
203). — Nr. 140: Otto Keller, die Entstehung der Tell- 
sage (Domitian = Eigil = Orentel = Teil; Wieland = 
Valentinian). 

Schwäbische Kronik Nr. 107 Sonntagsbeilage: L. F. 0., 
Zur Wielandliteratur (Uebersicht über die einschlägigen 
Erscheinungen von 1881. Ein Brief W.’s im Anzeiger vom 
Oberland, Biberach 18. Juni 1881). 

Vossische Zeitung, Sonntagsbeilage Nr. 16: Briefe von 
Charlotte von Kalb an Jean Pauls Gattin u. an Jean Paul. 

— H. Pröhle, Gleim u. Kleist. 

Antiquary Avril: Miss T. Smith, The early French text 
society. 

The modern Review January 1882: Ch. Tomlinson, The 
leading idea of the divine Comedy. 

Finsk Tidskrift 1882. Febr. 8. 81—94: H. Vendell, Om 
och frän Gammal-Svenskby. [Gammal-Svenskby ist ein von 
Schweden bewohntes Dorf in Südrussland am Dqjepr, Gou¬ 
vernement Cherson. Die Einwohner stammen von schwed. 
Bauern von Dagö, welche im Jahre 1781 durch kaiserlichen 
Ukas nach Südrussland versetzt wurden. V.’s Aufsatz ent¬ 
hält ausser historischen und statistischen Angaben auch 
Mittheilungen über ihre Sprache und ihre Sitten.] S. 

Nordisk Tidskrift för vctenskap, konst och indnstri. 
1882. H. 2. S. 103—143: Esaias Tegnör, Om svenska 
famihenamn H. — H. 3. S. 203—215: Henrik Sohüok, 
Om den svenska folkvisan. S. 

Nordisk tidskrift für filologi. Ny rmkke. V, 4: Karl 
Pie hl, 8m& bidrag (1. an. fprunautr , gottl farmchiaut ; 
2. schwed. sutare, dän. 8nder\ 3. eine Textberiohtigung zu 
Harpestreng). — C. Jörgensen, Fortegneise over filo- 
logiske skrifter af nordiske forfattere, udkomne i 1879 og 
1880. D. 

Ur de nordiska folkens lif. Skildringar, utgifna af Artur 
Hazelius. 1. H. 1, 2. VI, 160 S. 8. Stockholm, F. & G. 
Beyer. 3 kr. Första häftets inneh&ll: Förord 8. L—Vl. — 


Digitized by 


Google 




241 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


242 


Jtüen hos allmogen i Kullen i Skäne pä 1820 talet. Af N. 
M. Mandelgren. S. 1—19. — Folklifvet i Bara härad i 
Skäne. Skildring frän 1790—talet. Af J. F. 8vanander 
(med inledande anmärkning af A. H.). 20—80. — Stuga i 
Häslöfs socken i Skäne. Af A. Hazelius. 31—48. — 
Folkseder i östra Göinge härad i Skäne. Anteckningar 
gjorda i Osby, Glimäkra och Örkeneds socknar under en 
pä Nordiska museets bekostnad är 1881 företagen resa. Af 
Eva Vigström. 49—74. — Aitt bröllop i vaura böjder. 
Skildring frän Tomps socken, Västra Göinge härad, i Skäne, 
uppstecknad pä bygdemäl hösten 1880. Af Eva Yigström 
(med inledande anmärkning af A. H.) 75—80. — Andra 
häftets innehäll: Skämtsägner frän Skäne. Upptecknade och 
meddelade af Eva Yigström (med inledande anmärkning 
af A. H.) 81—95. — Skämtsägner pä skänska bygdemäl. 
Upptecknade och meddelade af Eva Yigström (med in¬ 
ledande anmärkning af A. H.) 96—110. — Kungens harar. 
Saga frän Skäne. Upptecknad och meddelad af Eva Yig¬ 
ström (med inledande anmärkning af A. H.) 111—116. — 
Folkvisor frän Skäne. Upptecknade och meddelade af Eva 
Yigström 117—141. — Nägra anmärkningar med hänsvn 
tili de af fru Eva Yigström meddelade folkvisorna fran 
Skäne. Af S. Grundtvig 142—160. S. 

Rev. pol. et litt. Nr. 15 (15 avril 1882): Aristide Astruc, 
Joseph Salvador (aus Anlass von J. Salvador, sa vie, ses 
oeuvres et ses oritiques par le oolonel Gabriel Salvador, 
Paris 1881). — LÄo Quesnel, M. Dante-Gabriel Rossetti 
(Ballade and Songs, London 1882). — Die Caus. litt, be¬ 
spricht: Thöätre complet de Moliöre, I er voL, Libr. des 
Bibliophiles; Brantöme, les Dames galantes, t. I er , ebenda; 
Henriette d’Angleterre par M m * de Lafayette, introdnction 
par A. France. — Die Nummer gibt auch eine kurze Notiz 
über Körtings Broschüre über das 8tudium der neuern Spr. 
an den deutschen üoohsohulen. — Nr. 16 (22 avril): Geor¬ 
ges deNpuvion, Le congrös des Sociötös savantes. — 
Löon Pili aut, La lecture k haute voix (aus Anlass des 
interessanten Buches von Becq de Fouquiöres: Traite de 
diotion et de lecture ä haute voix). — Henry Aron, L’Ec- 
dösiaste de M. Renan. — Nr. 17 (29 avril): Die Caus. litt, 
bespricht: E. Campardon, les prodigalitös d’un formier gö- 
nöral, comp 16ment aux mömoires de M m * de Epinay, 1 voL 
und Porel et Monval, l’Odöon, histoire administrative, aneo- 
dotique et littöraire du seoond Thöätre-Fran$ais, 2 vol. (aus 
Anlass des hundertjährigen Bestehens). 

Revue des deux niondes 15 avril: C. Coquelin, L’Ar- 
nolphe de Moliöre. — Brunetiöre, La sociötö pröcieuse 
au XVII siöcle. — 1 mair Caro, Emile' Littrö II. 

Le Livre. Avril: Le catalogue de la bibliothöque nationale. 

Nnova Antologia 15. April: De Gubernatis, Carlo Gol- 
doni a Yenezia, di F. Galanti. — 1. Mai: v Tommasini, 
Pietro Metastasio e lo svolgimento del melodramma italiano. 

Giornale Napoletano della Domenica 12: Y. Imbriani, 
Sulla prima novella del Pecorone. — 13: G. Pitrö, La 
Tinchina dell* Alto Mare, novella popolare toscana raccolta 
ed annotata. — 18: Ders., I tre fratelli,novella pop. toscana. 
— 19. 20: P. Ar dito, Le Liriohe del Manzoni, II Cinque 
Maggio. — Vitt Imbriani, tre lottere inedite di Giuseppe 
Giusti illustrate. — Scipione Yolpicella, centuria di 
Pifferate. — Fr. Fiorentino, un dialogo di Giordano 
Bruno. — Jacopo Moenicoeli, tre letterine di Giorgio 
Sand. — II Misantropo, Due biografie I: Cesare Cantü. 

Fanfalla della Domenica IY, 13/14: A. Graf, Superstizioni 
dell* Amore. 

Arcbivio della Societä romana di storia patria Y, 1: 
C o e n, Di una leggenda relativa alla nascita e alla gioventü 
di Costantino Magno. 

Arcbivio storico per Trieste, l'Istria ed il Trentino, 
dir. da Morpurgo e Zenatti. Yol. 1,2. Nov. 1881: Novati, 
poeti veneti del treoento. — Morpurgo, Rime inedite di 
Giovanni Quirini e Antonio da Tempo. — Novati, Ancora 
sulla canzone del Bombabä. 

Boletin de la Institucion llbre de Enseuanza YI, 120/2. 
Febr.: A. Machado y Alvarez, Algunas notas caraote- 
risticas de los cuentos populäres. 

O Pantheon 1—24: F. Martins 8armento, 0 que podem 
ser os Mouros da trad. pop. — J. Leite de Vascon- 
cellos, MythoL popol. portug. — Nota sobre as adivinhas 
pop. portug. 

Encyclopedia republicana: J. Leite de Yasconoellos, 
Costumes portug. do sec. XVII. 

Boletim da Sociedade de Geograph!» de Lisboa. 2‘ 


Serie. Nr. 9 e 10: Adolpho Coelho, Ethnographie portu- 
gueza. Costumes e Crengas populäres I Seccäo. As fontes 
escriptas 5. Os documentos inquisitoriaes (Fortsetzung zu 
Boletim Nr. 6). 

Colnmna lni Trajan, revista mensuala pentru istoria, lin- 
guistica, §i psicologia poporana, sub directiunea d-lui B. P. 
Hasdeu, noua seria, anul IIL Buouresci. 1: H a s d e u, Nouvel 
aper$u des ramifioations de la Science du langage. — 
Climesou, Curpan et Petrov, ooutumes juridiques du 
peuple roumain dansle district de Bacäu. — Dr. D. Brandza, 
Nomenolature botanique (nous roumains des plantes, aveo 
Äquivalents latins et fran$ais). — Hasdeu, Manusorit 
roumain de 1574, au British Museum. — E. Baioan, 
Aneodotes populaires roumaines. — Dante traduit en rou¬ 
main par Marie Chi^u. — 2: Hasdeu, La lalötique, ou 
Physiologie des sons. — Brandza (Forts.). — Hasdeu, 
Ms. de 1574 (Forts.). — Climesou etc. (Forts.). — Marie 
Chi tu, Traduction de l’Inferno (Spöoimen). — J. Bianu, 
Notices sur des mss. et autres objets intdressants conservös 
dans divers monastöres moldaves. — P. Ispirescu, Histoire 
reoueillie sur les bords de Danube. (Aus Rom.) 


Neu erschienene Bücher. 1 

♦Hertz, Wilhelm, Die Sage von Parzival und dem Gral. 
Breslau, Schottländer. 41 8. 8. M. 0,75. Deutsche Büoherei 
3. (Separatabdruck aus Nord und Süd 1881, Juli.) 

Brandt, C. J., Om Lunde-Kanniken Christjern Pedersen og 
hans Skrifter. Kopenhagen, Gad. 432 S. 8. Kr. 4,50. D. 

Apetz, Paul, chronologische Begränzung der von Walter v. 
d. Vogelweide in seinen Sprüchen verwandten Töne. 64 8. 

8. (Jenenser Diss.) 

Baumgartner, Alex., 8. J., Joost van den Yondel, sein 
Leben u. seine Werke. Ein Bild aus der niederländ. Literatur¬ 
geschichte. Mit Yondels (Liohtdr.-)Bildniss. Freiburg i/Br., 
Herder. XIII, 379 8. 8. M. 4,40. 

♦Buttmann, August, die Schicksalsidee in Schillers Braut 
von Messina u. ihr innerer Zusammenhang mit der Geschichte 
der Menschheit. Berlin, Damköhler. 128 S. 8. 

♦Eberhard, Johann August, synonymisches Handwörter¬ 
buch der deutschen Sprache. 13. Aufl. Durchgängig umge¬ 
arbeitet, vermehrt u. verbessert von Otto Lyon u. F. Wil- 
brandt. Leipzig, Grieben. 935 S. 8. 

Er lauer Spiele, 6 altdeutsche Mysterien. Nach der Hs. 
des XY. Jh.’s zum ersten Male hrsg. u. erl. von Dr. K. F. 
Kummer. Wien, Hölder. LXI, 199 S. M. 7,50. 

Gombert, A~, Bemerkungen u. Ergänzungen zu Weigands 
deutschem Wörterbuch. 5. Stück. 24 S. 4. (Programm von 
Grossstrehlitz.) 

Grimm, J. u. W., deutsches Würterbuch. Bd. 7. 2. Lief. 
Nachtigallstrauch—Narrenwerk. Bearb. v. M. Lexer. Leipzig, 
Hirzel. 8. M. 2. 

Grundtvig, 8., Tilleeg til dansk Haandordbog. Kopenhagen, 
ReitzeL 62 S. 8. Kr. 0,75. D. 

Hanns, R m Beiträge zur Geschichte des deutsch-sprachlichen 
Unterrichts im 17. Jh. 63 S. 8. (Leipziger Diss.) 

Hartmann v. Aue, Gregorius. Hrsg, von Herrn. Paul. XIY, 
103 S. M. 1. — Der arme Heinrich« Hrsg, von H. Paul. 

40 S. 8. M. 0,40. Altdeutsche Textbibliothek hrsg. von H. 
Paul. Nr. 2 u. 3. Halle, Max Niemeyer. 8°. 

Kluge, Friedrich, Etymologisches Wörterbuch der deutschen 
Sprache. I. Lief.: Aal—elf. Stcassburg, Trübner. 64 S. gr. 8. 

M. 1,50. (Yollständig in 7—8 Lief., doch wird der Preis von 
12 M. nicht überschritten.) 

Lindal, P. J., Runstenarne i Upsala, beskrifna och tolkade. 
Upsala, A. Löfström. 1881. 11 8., 8 Taf. 8®. geb. 5 kr. S. * 

♦Maerlants Merliin, uitgegeven door J. van Yloten. 5 Af- 
levering. Leiden, Brill. 8. 313—408. 

Miohaelis, C. Th., über Sohillers Kallias. (Programm der 
Charlottenschule in Berlin.) 

Pritzel, G. und C. Jessen, die deutschen Yolksnamen der 
Pflanzen. 1. Hälfte. Hannover, Cohen. 8. M. 5,50. 

Sartori, August, einige Bemerkungen über den Gebrauch 
des Relativpronomens im Deutschen. 23 S. 4. (Progr. des 
Katharineums in Lübeck.) 

Schaubach, Ernst, Gregor Haydens Salomon und Morolf. 

58 £. 8. (Leipziger Diss.) 

1 Auster den mit * beseichneten Werken wurde der Redsction noch 

•ingesandt: Wörterbuch der ostfriee. 8prache von Koolmann. Lief. 16. 


Digitized by 


Google 



249 


1882. Literaturblatt für germanische and romanische Philologie. Kr. 6. 


244 


•Schöll, Adolf, Goethe in Hauptzügen seines Lebens und 
Wirkens. Gesammelte Abhandlungen. Berlin, Hertz. 572 S. 
8. M. 9. [Bis jetzt ungedruckt: derjunge Goethe, Goethes 
Tasso u. Schillers Don Carlos, die Wendung der modernen 
Cultur, G. in seinen Zeiten, G. u. die französische Revolution, 
zu G.’s Stella, Sendbrief an Doctor Hirzel in Leipzig, über 
Goethe-Autographen.] 

8 v a h n, 0., Spräkljud och qvantitativ betoning i högsvenskan. 
Stockholm, Norstedt & Söner. XVI, 202 S. 8. 3 kr. S. 

-Lärobok i välläsning. Stockholm. Norstedt & Söner. 

1882. XVI, 166 S. 8. 2 kr. (Eine für Schüler bearbeitete 
verkürzte Ausgabe des vorhergehenden Buches.) S. 
Taylor, B., Goethes Faust. 1. u. 2. Theil. Erläuterungen u. 

Bemerkungen dazu. Leipzig, Grieben. 8. M. 3,60. 
Vigström, Eva, Folkdiktning, visor, folktro, eigner och en 
svartkonstbok, samlad och upptecknad i Sk&ne. Andra Säm¬ 
lingen. Göteborg, Torsten Hedlund. 1881. VI, 416 S. 8. 
3 kr. S. 

Waldis, Esopus, hrsg. von Tittmann. Theil 1 u. 2. Leipzig, 
Brockhaus. 8. M. 7. D. Dichter des 16. Jh.’s. 16. u. 17. B. 
•Woordenboek der nederlandsohe taal. Inleiding. ’sGraven- 
hage en Leiden, Nyhoff, Sijthoff, Sternberg. 96 8. gr. 8. 


Bai e’s, Johan, A Comedy concernynge three lawes; von 
Schröer. Halle, Niemeyer. (S.-A. aus der Angfia.) 

•Breitkreuz, Otto, ein Beitrag zur Gesohichte der Posses¬ 
sivpronomen in der englischen Sprache. Erlanger Dissert. 
Göttingen, Akad. Buchhandlung. 53 S. 8. M. 1,20. 

Chane er, the book of the tales of Caunterbury. Prolog (A 
1—858). Mit Varianten zum Gebrauch bei Vorlesungen hrsg. 
von JuL Zupitza. Berlin, Weidmann. 32 S. 8. M. 0,60. 

•Deutschbein, C., Shakespeare-Grammatik für Deutsche 
' oder Uebersicht über die grammatischen Abweichungen vom 
heutigen Sprachgebrauch bei Shakespeare. Separatabdruck 
der Abhandlungen in den Programmen der Zwickauer Real¬ 
schule I. 0. zu Ogtern 1881—82. Cöthen, 0. Schulze. 53 S. 
4*. M. 1,50. 

Eisenlohr, Beiträge zur historischen Grammatik der engl. 
Sprache. Programm des Realgymn. zu Durlach. 

Erzgräber, über den Modus im englischen Nebensatze. 
Programm der Realschule zu Güstrow. 

Groebedinkel, Popes Essay on Criticism. Sein Verhältniss 
zu Horaz und Boileau. Progr. der Realsch. zu Ohrdruf. 

•Hierthes, Ludwig, Wörterbuch des schottischen Dialekts 
in den Werken von Walther Scott und Bums. Augsburg, 
Rieger. X, 193 S. M. 3. 

•Meurer, K., Synchronistische Zusammenstellung der wich¬ 
tigsten Notizen über Shakespeares Leben und Werke. Mit 
einer 8tammtafel Shakespeares. Progr. des Friedr.-Wilh.- 
Gymn. zu Köln 1882. 30 8. 4. 

Romance, The, of the 8owdone of Babylone .... reedited 
by Emil Hausknecht. London, MDCCCLXXXI. LXVH, 144 S. 
E. E. T. S. (s. Romania 41. G. P.) 

Shakespeares ausgewählte Dramen. 7. Bd.: Julius Caesar. 
Erklärt v.'Alex. Schmidt. Berlin, Weidmann. 176 S. gr. 8. 
M. 1,80 (1-7: M. 12,60). 

•8keat, Rev. Walter W., An etymological Dictionary of the 
english langumge arranged on an historical basis. Oxford, 
at the Clarendon Press. Part IV. Re-echo—Zymotic. 8. 497 
—800. 4*. Schluss des Werks. 10 s. 6 d. Das ganze Werk 
kostet £ 2 4 s. [S. die Recension von H. Nicol im LtbL 
I S. 17—21. Die 8chlusBlieferung enthält noch eine Reihe 
werthvoller Appendices. I.*List of prefixes. U. Suffixes. HL 
List of aryan roots. IV. Distribution of Words according 
the languages from which they are dirived: english, low- 
german, dutch, scandinavian, german, french from german, 
teutonic, celtic, romance languages, latin, french from latin, 
provengal from latin, italian from latin, spanish from latin 
etc., greek, slavonic, lithuanian, asiatic aryan languages, 
asiatio non-aryan L, african 1., american L, hybrid words. 
V. Selected list of examples of sound-shifting, äs illustrated 
by english. — VI. List of homonyme. VH. List of doublets. 
— Errata and Addenda. Eine Einleitung von XV HI S. bringt 
ausser einem Vorwort „brief noteg upon the languages cited 
in the dictionary“, „Canons for etymology“ etc.J 

Spekker, Statins, Ueber die Congruenz des Subjects und 
des Prädicats in der Sprache Shakespeares. 55 S. 8. (Jenen¬ 
ser Dissert) 

Stern, Georg, über das persönliche Geschlecht unpersönlicher 
Substantiva bei Shakespeare. 63 S. 4. Leipziger Dissert 


Wagner, the English dramatic blank-verse before Marlowe. 

II. Theil. Progr. der H. Bürgerschule zu Osterode. 
Warnke, über die neuengl. Zwillingswörter. Programm des 
Gymn. zu Coburg. 

Zernfal, U., das Lied von Byrhtnots Fall 991. Ein Beitrag 
zur altgermanischen Volkspoesie. (Programm des Humboldts- 
gymn. zu Berlin.) 


Antona-Traversi, Camillo, II Petrarca 1 estimatore ed 
amico di Giovanni Boccaccio: risposta al dott Rodolfo 
Renier. Ancona, tip. Sarzani. 

Ardizzone, Matteo, Deila lingua in cui composero i poeti 
siciliani del secolo XHI. Palermo, tipogr. del Giornale di 
8ioilia. 1882. 

•Ausgaben und Abhandlungen aus dem Gebiete der 
romanischen Philologie. Veröffentlicht von E. Stengel. 
L La Cancun de 8aint Alexis und einige kleinere altfranz. 
Gedichte des 11. u. 12. Jh.’s. Nebst vollständigem Wort- 
verzeichniss zu- E. Koschwitz’s: Les plus anciens monuments 
de la langue frangaise und zu beifolgenden Texten. Hrsg, 
von E. StengeL Beigefügt sind Uebersichten der Assonanz- 
u. Reimwörter, wie der Wortklassen u. Formen. 2. Lief.: 
Wrtb. XIV, 81—260. 8®. Marburg, El wert. 

Baeumker, quibus antiquis auctoribus Petrarca in conscri- 
bendis rerum memorabilium libris usus sit. Progr. des Gym¬ 
nasium zu Münster. 

Braune, ein Kapitel der franz. Schulgrammatik: das Für¬ 
wort Progr. der Realschule zu Harburg. 

Canello, U. A., La vita e le opere del trovatore Araault 
Daniel: edizione critica col riscontro di tutti i mss. e il- 
lustrata da una Introduzione storica-letteraria, versione, 
note, glossario e rimario. Halle, Max Niemeyer edit 1 voL 
in-8. pag. 300. 

Cenni storici del cav. Agostino Manfrin Provedi, consigliere 
di Corte d’Appello, sulla traduzione in versi esametri latini 
della Divina Commedia, eseguita dall 1 Abate Don Gaetano 
della Piazza. Venezia, tip. Visentini. 

Ciampolini. Un poema eroico nella prima metä del Cinque¬ 
cento : Studio di storia letteraria. In R. Liceo Machia- 
velli in Lucoa, nell 1 anno scolastico 1881—81. Cronaca an- 
nuale. Lucca, tip. Torcigliani. in-8. pag. 155. 

Constans, L., Les Manusorits prövengaux de Cheltenham 
(Angleterre), notice et textes inedits; par L. Constans, doc- 
teur ös lettres, professeur agrögö ä Paris. In-8, 115 p. 
Paris, libr. Maisonneuve et C e . Extrait de la Revue des 
langues romanes. 

Dante Alighieri, La Divina comedia. Riveduta nel testo 
e commentata da G. A. ScartazxinL Vol. IIL II Paradiso. 
Leipzig, Brockhaus. XII, 905 S. 

Des Robert, Ferd., un vooabulaire messin du XVI* siöcle. 
Metz, Thomas. 24 8-8. 

D’Herbomez, Armand, Etüde sur le dialecte du Tournaisis 
au XIII* siöcle d’aprös les chartes de Tournay. Tournai, 
Casterman, 160 S. 8. Extrait des Mömoires de la 8ooi6tö 
historique de Tournay. (s. P. Meyer. Romania' 41.) 

Favolette popolari siciliane racoolte ed ora par la prima 
volta pubblicate da G. Pitrö. Palermo. 12 S. 8. (Per nozze 
Pistelli-Papanti.) 

Fischer, Versuch einer vergleichenden Synonymik des Ita¬ 
lienischen, Spanischen, Portugiesischen und Französischen. 
(Forts.) Progr. der Guericke-Realsch. zu Magdeburg. 

Foscolo, Ugo, Le poesie di, edizione critioa per cura di 
Giuseppe Chiarini con fac-simile e ritratto dell 1 autore. Li¬ 
vorno, Fr. Vigo. CCXXVIII, 488 8. 16. L. 6. 

Caspary, Adolfe, La scuola poetica Siciliana del secolo XIH. 
Tradotta dal tedesco dal Prof. S. Friedmann con aggiunte 
dell 1 autore e prefazione del Prof. A. D 1 Ancona. Livorno, 
Vigo. XH, 310 S. 16. L. 4. [Diese ital. Uebersetzung nebst 
Vorwort D 1 Anconas ist das schönste Lob, das dem vorzüg¬ 
lichen Buche G.’s zu Theil werden konnte.] 

Genovesi, Vincenzo, Süll 1 arte nella Divina Commedia a 
riguardo della Francesoa da Rimini. Al chiarissimo signore 
il Marchese Gaetano Ferrajoli. Firenze, tip. Cellini. 

Graeter, Charles de Villers und Madame de Stall, ein Bei¬ 
trag zur Geschichte der literar. Beziehungen zwischen 
Deutschland und Frankreich. H. Theil. Progr. des Gymn. 
zu Rastenburg. 

Grappa, Commenti sopra la canzone „In lode della salciocia*, 
per cura di C. Alderighi. Bologna, presso l’edit. Gaetano 
Romagnoli. In-16. pap. XXV, 112. L. 4,50. Scelta di curio- 
sitä letterarie inedite 0 rare dal secolo XIH al XVH, disp. 184. 


Digitized by 


Google 




245 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


246 


Hasse, zum Gebrauch des Conjunctiv bei Joinville. Progr. 
des Gymnasiums zu Cüstrin. 

Heydkamp, remarques sur la langue de Moliöre. Programm 
des Gymnäsiums zu Münsterfeld. 

Martinozzi, Giuseppe, Del „Pantagruele“ di Babelais. Lodi. 
In-8 gr. pag. 82. Dalla Cronaca del R. Liceo di Lodi, 1881. 

«Maas, Friedr. Wilh., Peire Cardenals Strophenbau in seinem 
Verhältniss zu dem anderer Trobadors. Marburger Dissert. 
41 S. 8. (Ausgaben u. Abhandlungen aus dem Gebiete der 
roman. Philol. Heft V wird die vollständige Arbeit bringen.) 

Merkel, T., die deutsch-franzos. Aussprache. II. Theil. Pro¬ 
gramm der BL Bürgerschule zu Freiourg. (s. Storm, LtbL 
II, S. 59 über den I. Theil.) 

Möhlefeld, das Nomen actionis im Französischen. Programm 
der H. Bürgerschule zu Münden. 

Mussafia, Adolfo, Pietro Matastasio. Discorso. Wien, Gerold 
& Co. in Comm. 23 8. gr. 8. M. 1. 

Mystere, le, du viel Testament publiö par M. le baron J. 
de Rothschild, t. III. Sociötö des anciens textes frangais, 
Exercice 1881. Paris, Didot. 

P a 1 u 81 r e, Leon, Histoire de Guillaume IX, dit le Trouba¬ 
dour duo d’Aquitaine. T. I. Paris, Champion. 298 S. 8. Ausz. 
aus den Mömoires de la Sociötö des Antiquaires de POuest. 

Paoli, prof. Cesare, Niccolö Machiavelli: tesi sostenuta nella 
B. Universitä di Pisa. Novara, tip. dei frat. Miglio. in-8. 
pag. 36. 

D. Pedro, el condestable de Portugal, oonsiderado como 
escritor, erudito y anticuario (1429—66). Estudio histörioo- 
bibliogräfico, por Andres Balaguer y Merino. Gerona. 69 S. 
8. (S.-A. aus Revista de ciencias histöricas de Barcelona. 
T. H.) 8. Rom. 41 (Morel-Fatio). 

Pitrö, G., La Tinchina delP alto mare. Fiaba toscana rac- 
colta ed illustrata. Quattrasteriscopoli. XVI 8. 8. (Per nozze 
Papanti-GiraudinL) 

Prato, Stan., una novellina popolare Monferrina raccolta e 
illustrata con note comparative e preceduta da una prefa- 
üone sulP importanza della novellistica popolare comparata. 
Como, Ostinelli. 67 8. gr. 8. 

-La leggenda indiana di Nala in una novellina popolare 

pitiglianese. 8 8. 8. 

Birne, Le, dei poeti bolognesi del secolo XIII; raocolte ed 
Ordinate da Tommaso Casini. Bologna, presso Gaetano 
RomagnolL in-16. pag. LXI, 429. L. 15. Scelta di curiositä 
inedite o rare dal sec. XIII al XVII, disp. 185. 

Boche, Arthur, über den Veilohen-Roman u. die Wanderung 
der Euriaut-Sage. Hallenser Dissert. 42 8. 8. 

♦Boeth, Carl, über den Ausfall des intervocalen d im Nor¬ 
mannischen. Hallenser Dissert. 66 8. 8. 

♦Rolland, Eugöne, Faune ’populaire de la France. T. V. 
Les mammiföres domestiques. U m * partie. Noms vulgaires, 
dictons, proverbes, legendes, contes et superstitions. Paris, 
Maisonneuve. VI, 267 8. 8. fr. 8. 

Samosch, Siegfried, Pietro Aretino und itaüen. Charakter¬ 
köpfe. Berlin, B. Beher. 

8ardou, A. L., et J. B. Calvino, Grammaire de l’idiome 
ni^ois. Nice 1882. 152 8. 18. 

8chwake, Darstellung der Mundart von Tournai im Mittel- 
alter (Forts.). Progr. der Realschule zu Altona. 

Spohn, über den Conjunotiv im Altfranzösischen. Progr. des 
Gymnasiums zu Schrimm. 

8tein, essai sur la formation et l’emploi syntactique des 
pronoms prötendus indefmis quelque etc. et des looutions 
conformes, si que etc. Progr. des Frogymn. zu Rheinbach. 

Storia di Apollonio di Tiro, Romanzo Greco, dal latino ri- 
dotto in volgare italiano nel secolo XIV. Testo di lingua, 
or per la prima volta pubblicato, con un saggio di altro 
volgarizzamento dello stesso secolo. Lucca, tip. Canovetti. 
Edmone di centoventidue es., fuori commercio. 

♦Thurneysen, Ed. Rud., Das Verbum itre und die französ. 
Conjugation. Ein Bruchstück aus der Entwicklungsgeschichte 
der französ. Flexion. Halle, Karras. 1882. Jenenser Habili¬ 
tationsschrift. 38 8. 8. (Eine methodische ergebnissreiche 
Untersuchung, auf die wir zurückkommen werden.) 

Torraca, Francesco, Gli Imitatori stranieri di Jacopo Sanna- 
zaro. Ricerehe, Seconda Edizione accresciuta. Roma, Ermanno 
Loescher. 1882. 104 8. 8. Estratto daU* annuario del Regio 
Istituto teonico di Roma. (8. Giorn. Nap. 20.) 

Tradizioni popolari catalane. Noto, Officina Tip. di Fr. 
Zammit. 24 8. gr. 8. Per nozze Pistelli-PapantL 

Vallous, V. de, Rabelais ä Lyon (1532—1534). In-8, 13 p. 
Lyon, imprimerie -Storck. Extrait du Lyon-Revue. 


Lu Vespiru Sicilianu. Storia Popolare in Poesia edita 
da 8alv. Salomone-Marino. Palermo, Pedone Lauriel. 
Voltaires ausgewählte Dramen. Erklärt von E. v. Öallwürk. 
3. Bd.: Zaire. Berlin, Weidmann. 103 S. gr. 8. M. 1,20. 


♦Der Sprachunterricht mussumkehren! Ein Beitrag zur 
Ueberbürdungsfrage von Quousque tandem. Heilbronn, Gebr. 
Henninger. 38 8. 8. 


Ausführlichere Recensionen erschienen 
über: 

As coli, una lettera glottologica (v. Gaston Paris: Romania 
41; v. Förster: Zs. V, 4). 

Paul, Principien der Sprachgeschichte (v. Wegener: Zs. für 
das Gymnasial wesen XXXVI, Mai; sehr lesenswerth). 
Vignoli, Mythus und Wissenschaft (v. Baumann: Gött. gel. 
Anzeigen St. 21). 


Kummer, die poetischen Erzählungen Hemmte v. Wildonie 
(v. Lambel: Zs. für österr. Gymn. 1882, 215). 

Scherer, W., Geschichte der deutschen Literatur (v. Wil- 
manns: Zs. für das Gymnasial wesen Bd. XXXVI, April). 
Treutier, Otinelsage (v. Bangert: Zs. f. rom. Phil. V, 4). 


Baissac, ötude sur le patois erhole mauricien (v. Schuchardt: 
Zs. V, 4). 

Baragio la, itaL Gram, und Grestom. (v. Gaspary: ebd.). 

C o e 1 h o, os dialecto8 romanicos na Africa etc. (v. Schuchardt: 
ebd.). 

De schäm ps, Oeuvres ed. De Queux de St.-Hilaire (v. 
Knauer: ebd.). 

Dozy, Hist, et littörature de TEspagne pendant le moyen- 
äge (v. Vollmöller: Gött. gel. Anz. 16). 

Henri d’Andeli, p. p. A. Heron (v. G. Paris: Rom. 41). 
Juan del Pueblo, Historia amorosa populär ord. por F. 

R. Marin (v. Schuchardt: Zs. V, 4). 

Luchaire, recueil de textes de Pancien dialecte gascon (v. 
P. Meyer: Romania 41). 

Putman, Studier over Calderon (v. Löveling: Athenaeum 
Beige 9). 

Thomas, Antoine, nouvelles recherches sur l’Entröe de 
Spagne (v. G. Paris: Romania 41). 


Literarische Mittheilungen, Personal- 
nachrichten etc. 

Unter der Presse befindet sich ein Werkchen von Kr. 
Nyrop über dänische Volksetymologie (Kopenhagen, Reitzel). 
— In Vorbereitung: Germanischer Bücherschatz Bd. 8: Notkers 
Schriften, hrsg. von Piper; Trösteinsamkeit von Arnun, hrsg. 
von Pf aff (Neudrucke aus dem Mohrschen Verlag H. J). — 
Die grössere Ausgabe von Pipers Otfrid ist in den Verlag 
von Mohr in Freiburg über gegangen. Von dieser wird dem¬ 
nächst eine zweite Auflage erscheinen; ebenda von demselben 
ein umfassendes Wörterbuch zu Otfrid und ein kleineres 
Glossar in Holders Bücherschatz. — In Vorbereitung für 
Braunes Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialekte: 
A. Nor een, altnordische Grammatik; altschwedische Gram¬ 
matik. — Die Bearbeitung der Kaiserchronik für die Monu¬ 
ments Germanica ist in die Hände von Dr. Edw. Schroeder 
übergegangen. — Demnächst erscheint bei Braumüller in 
Wien: Willibald Müller, Joseph v. Sonnenfels. Biographische 
Studie aus dem Zeitalter der Aufklärung in Oesterreich. 

Nach dem schönen Ms. (15. Jh.) des Lord Ashburnham 
wird Miss Lucy Toulmin Smith die Mysteriös of York heraus¬ 
geben. 

Die, bereits unter der Presse befindlichen, nächsten Hefte 
von „Ausgaben und Abhandlungen aus dem Gebiete der Roma¬ 
nischen Philologie“, veröffentL von Edmund Stengel, werden 
enthalten: IV. Epische Studien. Inhalt: 1. Die Chanson des 
Saxons Johann Bodels in ihrem Verhältnisse zum Rolandsliede 
und zur Karlamagnussaga von Heinrich Meyer. 2. Die cultur- 
geschichtlichen Momente des provenzalisohen Romans Fla- 
menca von F. W. Hermanni. 3. Das Handsohriftenverhält- 
niss der Chanson de Horn von R. Brede. 4. Das Hand¬ 
schriften verhältniss der Chanson von der Belagerung von 
Barbastre von A. G u n d 1 a o h. — V. Beiträge zur Kunde der 
provenzalisohen Poetik und Literatur. Inhalt: 1. Peire Carde- 

18 


Digitized by LiOOQle 


247 


1882. Literaturblatt för germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


248 


nals Strophenbau in seinem Verhältniss zu dem anderer Tro- 
badors von W. Maus. 2. Des Mönches von Montaudon Dich¬ 
tungen von 0. Klein etc. — VI. Beiträge zur französischen 
und provenzal. Grammatik. Inhalt: 1. Die Flexion der Sub¬ 
stantive im Rolandsliede von B. Schneider. 2. Der Infinitiv 
im Provenzalischen nach den Reimen der Trobadors von A. 
Fischer etc. — Für dieselbe Sammlung ist in Vorbereitung: 
Untersuchungen über die Thiere, die Frau, den Boten, den 
Verrftther, den Rathgeber, die Träume, die täglichen Lebens- 
ewohnheiten, die religiösen Vorstellungen, die Bilder, die 
prüchwörter in den altfranzösischen Epen; über die Ent¬ 
wicklung der Strophenformen, die Bilder, die Sprüchwörter in 
den Dichtungen der Trobadors, über Bernhard von Ventadorn, 
den altfranzösischen Brandan, Partonopeus, die Lothringer, 
Garin de Monglane, die afr. Lyriker etc. 

Unter der Presse (Gebr. Henninger) befinden sich gegen¬ 
wärtig ausser dem 2. (Schluss-)Heft des V. Bandes Engl. 
Studien und Barbours Legenden II. Theil (beide nahezu fertig) 
noch weiter: Sir Tristrem hrsg. von E. Kölbing (Die nord. 
und die engl. Version der Tristansage. II. Theil). — Les tra- 
gedies de Robert Garnier (Paris 1585) 1. Bändchen (Sammlung 
französ. Neudrucke 3. Bd.). — Anmerkungen zu Macaulays 
History of England von R. Thum. 2. sehr vermehrte u. ver¬ 
besserte Aufi. (der Programmabhandlung der Realschule zu 
Reichenbach). — Grundzüge der deutschen Literaturgeschichte 
.von G. Egelhaaf. 2. AufL — Ferner für die deutschen 
Litteraturdenkmale: Hermann von C. M. Wieland; Frankfurter 
gelehrte Anzeigen vom Jahre 1772. 1. Hälfte. 

An der Universität Jena habilitirte sich für romanische 
Philologie Dr. Ed. Rudolf Thurneysen, an der Universität 
Bonn Dr. J. Stürzinger. — Der Privatdocent Dr. A. 
Edzardi in Leipzig wurde zum ao. Professor daselbst ernannt. 

Francis Guessard, Mitglied der Acadömie des In- 
scriptions et Belles-lettres, der bekannte und verdiente Hrsg, 
der Anciens Poetes de la France u. s. w. f am 7. Mai zu 
Mesnil-Durand (Calvados). Geb. am 28. Jan. 1814. (S. Revue 
critique S. 415.) — Zu Dresden f am 29. Mai Prof. Hermann 
H e 11 n e r. 

Antiquarische Cataloge: Brissel, München 
(Deutsche Spr. u. Lit.); Harrassowitz, Leipzig (Deutsohe 
Phil. u. Alterthumskunde); J o 1 o w i c z, Posen (Deutsche Lit.); 
v. Maak, Kiel (Dänisches, Skandinavisches); Rente, Göt¬ 
tingen (Sprachwissenschaft u. Lit.); Rudolphi & Klemm, 
Zürich (Neuere Sprachen). 

Berichtigung: Sp. 193, Z. 17. ff. L statt ....wenn 
.... das ...: wer .... der. 


Abgeschlossen am 25. Mai 1882. 


Germanistische und romanistische Vor¬ 
lesungen im 8ommer 1882 1 . 

Heidelberg. Prof. Bartsch, Geschichte der deutschen 
Literatur von der Reformation bis zu Sohillers Tode; Wolframs 
v. Eschenbach Parzival; Lectüre des altfr. Rolandsliedes; 
deutsche textkrit. Uebungen; franz. textkrit Uebungen. — 
Prof. 0 s t h o f f, vergl. Lautlehre der indogerm. Sprachen, mit 
bes. Berücke, der griech., lat u. deutschen Lautlehre; got. 
Grammatik mit Uebungen. — Prof. Behaghel, altdeutsche 
Metrik; Otfried; altdeutsche, neudeutscbe, altengl. Uebungen. 
— Prdoc. Meyer, über Goethes Faust. — Prof. Ihne, 
Shakespeare u. das engl. Drama; engl.-deutsche Uebungen; 
deutsch-engl. Uebungen. — Prof. Laur, Geschichte der franz. 
Nationalliteratur; franz. Metrik; franz.-deutsche u. deutsch- 
franz. Uebungen im mündl. u. schriftl Gebrauch des Französ. 

Jena. Prof. Sievers, althochd. Grammatik nebst Er¬ 
klärung althochd. Denkmäler; got. Gramm, mit Leseübungen; 
Grundzüge der Phonetik; deutsches Seminar. — Prof. Böht- 
lingk, Über Schiller; Societät für neuere deutsche Literatur¬ 
geschichte. — Prdoc. Thurneysen, Französische Literatur¬ 
geschichte des 14. u. 15. Jh.’s; Erklärung von Moliöres Mi- 
santhrope; Interpretationsübungen aus Bartschs altfranzös. 
Chrestomathie. — Dr. W. Henkel, Neusprachliche Gesell¬ 
schaft : Englisch: Shakespeares Tempest; Französisch: Moliöres 
Les femmes savantes. 

Innsbruck. Prof. Zingerle, Tristan u. Isolde; nhd. 
Uebungen; Goethes Leben u. Werke. — Prdoc. Wackernell, 
vergl. Grammatik der deutschen Sprache. — Prof. D e m a 11 i o, 

* s. 8. 207. 


i histor. Grammatik der franz. Sprache; interpretazione dei pi«k 
I antiohi monumenti poetioi ital.; ital. Uebungen. 
i Kiel. Prof. Möbius, altnord. Grammatik; über dänische 
Spraohe und Literatur; im Sem.: got Uebungen. — Prof. 
! Pfeiffer, Geschichte der deutschen Literatur; Uebungen 
| des deutschen Sem. — Prdoc. Pietsch, Erklärung des Nibe- 
| lungenliedes; ahd. Uebungen. — Prdoc. Groth, Syntax der 
i deutschen Sprache; über Goethe u. seine Zeit. — Prdoc. 
Möller, Erklärung des Beowulf. — Lect. Heise, Geschichte 
der engl. Literatur vom 15. Jh. an; Uebungen im Englischen 
oder Conversatorium. — Prof. St im min g, provenzal. Gram¬ 
matik nebst Erklärung ausgew. proven$al. Texte; Uebungen 
im Altfranzös. — Lect. Sterroz, über die literar. Lehren 
der hervorragendsten französ. Kritiker unserer Zeit; Michel 
Montaignes Leben u. Werke; Uebungen im Neufranzösischen. 

Königsberg. Prof. Bezzenberger, vergl. Grammatik 
des Gotischen. — Prof. Schade, Erklärung got. Sprachdenkm.; 
Walther v. d. Vogel weide; Einleit, zur Gesch. der deutschen 
Sprache. — Prof. Baumgart, über Goethes Faust und die 
andern deutschen Faustdiohtungen; Leasings Leben u. Schriften. 
— Prof. K i 8 s n e r, Carls des Gr. Reise nach Constantinopel; 
engl. Literaturgesch. v. Spenser b. Pope; über Milton und 
Erklärung des Paradise lost. — Lect. Favre, Ponsards l’hon- 
neur et rargent; Dictate zur Einübung der Gesetze der franz. 
Sprache u. der franz. Synonyme; Lessings Dramaturgie ins 
Franz, übers.; grammat. Uebungen; franz. Literaturgeschichte 
des 17. Jh.’s. 

Leipzig. Prdoc. Techmer, Einleit, in das Studium 
der „neuern u Sprachen; Uebungen der Gesellsch. tür Sprach- 
wissensch. mit bes. Berücks. der „neueren“ Sprachen u. der 
Sprachphysiologie. — Prof. Zarncke, deutsche Grammatik; 
Uebungen des k. deutschen Sem. (in Gemeinsch. mit Edzardi): 

a) Uebungen der ord. Mitglieder, b) Uebungen der ausserord. 
Mitgl., ahd. Abth. (nach Braunes ahd. Lesebuch). — Prof. 
Edzardi, Grundzüge der altnord. Gramm, nebst Uebersicht 
über die altnord. Literatur; Uebungen des k. deutschen Sem. 
(mittelhd. Abth.). — Prof. Brandes, germanist. Gesellsch. — 
Prdoc. v. Bah der, Heliand, mit grammat. u. metr. Einleit.; 
Lectüre eines leichten mhd. Gedichtes (für Anfänger); textkrit. 
Uebungen an mhd. Hss. — Prof. Biedermann, Gesch. der 
deutschen Lit. im 18. Jh.; cultur- u. literarhist Gesellsch. — 
Prof. Hildebrand, Minnesinger erklärt (nach Bartsch, Lieder- 

I dichter des 12.—14. Jh.’s); über Goethes u. Sohillers Weltan¬ 
schauung. — Prdoc.Greizenach,Gesch. der neuern deutschen 
Liter. 1. Th. (von Opitz bis zur Genieperiode); literarhistor. 
Gesellsch. (Uebungen auf dem Gebiete der deutschen Theater¬ 
geschichte). — Prof. Wülcker, Gesch. der engL Lit. von 
Shakespeares Tode an; über Byrons Leben u. Werke nebst 
Erkl. von dessen „the Island“; angelsächs. Uebungen (Forts, 
der Erkl. seiner „kleineren ags. Denkm.“). — Prof. Ebert, 
Geschichte der franz. Lit. seit dem 14. Jh. bis zum Zeitalter 
Ludwigs XIV.; span. Gramm, mit Leseübungen (nach Hubers 
span. Lesebuch). — Prdoc. Birch-Hirschfeld, Gesch. der 
| franz. Lit. seit Ludwig XIV.; histor. Grammatik des Französ. 

Lemberg. Prof. Sauer, Gesch. der deutschen Lit. im 
14. u. 15. Jh.; deutsch-Ö8terr. Dichter des 18. Jh.’s; ahd. n. 
altsächs. Uebungen; Stilübungen. 

Marburg. Prof. Justi, allgemeine Spraohwissensoh.; 
Altnordisch. — Prof. Lucae, mhd. Metrik; Nibelungenlied; 
germanist Sem. — Prdoc. Koch, Gesch. der deutschen Lit. 
in der Sturm- u. Drangperiode; Gesch. des en^l. Dramas bis 
Dryden; literar-hist. Uebungen. — Prof. 8tengel, französ. 
Grammatik; paläogr. Uebungen; roman.-engL Sem. 

München. Prof. Hof mann, Wolfram v. Eschenbach, 
Parcival mit Vergleichung v. Crestiens Perceval; Altfranzös. 
(Rolandslied); german. Uebungen (Gudrun in textkrit BehandL); 
roman« Uebungen. — Prof. Bernays, Geschichte der neuen 
deutschen Lit: 18. Jh.; Erklärung des Macbeth v. Shakespeare; 
literar-hist. Uebungen: a) Goethes Prometheus und Helena, 

b) lit-hist. Vorträge. — Prdoc. Brenner, deutsohe Uebungen; 
altnord. Uebungen. — Prdoc. Muncker, Einleit in das 
Studium Miltons; lit-hist. Uebungen (Klopstocks Oden). — 
Prof. Breymann, AriostB Orlando furioso mit gramm. u. lit- 
hist. Einl.; die Anfänge der franz. Lit.; im Sem.: engl. Syntax; 
franz. Stilübungen. — Lect. Göhant, über die franz. Lit 

Münster. Prof. Storok, ahd. Grammatik; deutsche 
Uebungen; Leben u. Dichten des Luis de Camoens. — Prof. 
Körting, Gesch. der franz. Lit. von ihren Anfängen bis zum 
Ende defe 16. Jh.’s; Elemente der engL u. franz. Metrik; pro¬ 
venzal. Gramm, u. Uebersetzungsübungen (letztere im AnschL 
. an Bartschs „Provenzal. Lesebuch“); franz. Uebungen. — Lect 


Digitized by tjOOQie 



249 


1882. Literaturblatt för germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


250 


Deiters, Erkl. von Shakespeares King Richard the third; 
engl. Elomentargramm. (für Anfänger); Franz. Uebongen. 

■ Prag Prof. Kelle, Gramm, der nhd. Schriftsprache; 
Gesch. der deutschen Lit. im 14. u. 15. Jh.; Interpretat. des 
Nibelungenliedes; nhd. Uebungen. — Prdoc. Lambel, mhd. 
Interpretationsübungen. — Lect. Holz am er, Shakespeares 
Julius Caesar; Stilist. Uebungen; Conversatorium über schwierige 
Partien der Syntax; engl; Gramm. — Prof. Cornu, hist. 
Gramm, der itaL Sprache; über den franz. Roman des 17. Jh.’s; 
roman. Uebungen. — Lect. Ricard, Lecture et traduction 
de Ruy Blas par V. Hugo; legon de grammaire faite par les 
candidats; trad. öorite de l’allemand en frangais; exercice de 
style et de conversation; exerc. de grammaire et de syntaxe. 
— Lect. Fauvin, Gramm, der franz. Sprache; Gesch. der 
Lit. im XVII. Jh. — Lect. Yielmetti, ital. Gramm, (mit 
Uebungen). 

Rostock. Prof. Beohstein, Erkl. der Gedichte'Wal¬ 
thers v. d. Vogelweide; provenzal. Literaturgesch.; deutsche 
Handschriftenkunde; Sem.: die Schule Walthers v. d. Vogel¬ 
weide. — Prdoc. Lindner, Aucassin et Nicolete, ed. Suchier, 
Paderborn, 2. Aufl., 1881. — Prdoc. Robert, cours pratique 
de frangais; histoire de la littdrature frangaise; Variation?? du 
langage frangais depuis le 12. siöcle. 

Strassburg. Prof. Martin, deutsche Metrik u. Wal¬ 
ther v. d. Vogel weide; Einleit, zu Heliand u. Otfried; Erklär, 
des Heliand u. des Evangelienbuchs v. Otfried. — Prof. Hen¬ 
ning, Gesch. u. Kritik der deutschen Heldensage; Gesch. der 
deutschen Dichtung im Zeitalter der Reformation; mittelhd. 
Uebungen (Gudrun); Uebungen auf dem Gebiete der neueren 
Lit. — Prdoc. Kluge, goth. Grammatik; Beowulf; mittelengl. 
Uebungen; grammat. Gesellschaft. — Prof, ten Brink, engL 
Metrik; mittelengl. Uebungen im Sem. — Lect. L e v y, Shake¬ 
speares Hamlet; Einführung in die engl. Sprache; Uebungen 
im Sem. — Prof. Studemund, histor. Grammatik der latein. 
8prache. — Prof. Gröber, Geschichte der franz. Lit. des 
MA.’s; Grammatik der franz. 8prache (Forts.); Boccaccio (im 
Sem.). — Lect. Lahm, neufranz. Uebungen (im Sem.); über 
Rabelais; grammat. Uebungen; Leotüre u. Aussprache. — 
Lect. Baragiola, Einführung in die itaL Sprache; poeti 
contemporanei (continuazione); Einleit, in die ital. Conversation; 
venetian. Lustspiele von Goldoni (im Sem.). 

Tübingen. Prof. v. Keller, deutsche Literaturgesch., 
2. Hälfte; Otfrieds Evangelienbuch; deutsche Uebungen im 
Sem. — Prdoc. Strauch, deutsche Grammatik; die BlÜthe- 
zeit der deutschen Mystik; über das Leben und die Werke 
Wolframs x. Eschenbach. — Prof. Milner, Miltons Comus 
and Samson Agonistes; engL Grammatik; im Sem.: 1. u. 2. 


Cursus. — Prof. v. Köstlin, über Shakespeare und seine 
Werke. — Prof. Holland, roman. Literaturgesch., 1. Th.; 
Erklärung von Dantes Divina commedia nebst Einleit, über 
den Dichter u. seine Werke; im Sem.: span. Curs. — Lect 
Pfau, histoire de la litt£rature frangaise au dix-septiöme 
si&cle; explioations d’un choix des fables de La Fontaine; im 
Sem.: Französisch, 1. u. 2. Cursus. 

Wien. Prof. Heinzei, histor. Syntax der deutschen 
Sprache; Walther v. d. Vogelweide; ahd. Uebungen. — Prof. 
Schmidt, Lessings Leben u. Werke; die jüngere Romantik; 
Uebungen auf dem Gebiete der nhd. Lit — Prdoc. Minor, 
die Blüthezeit der deutschen Romantik. — Prdoc. Seemüller, 
deutsche Staatsalterthümer auf Grund der Germania. — Prof. 
Schipper, histor. Grammatik der engL Sprache; ausgew. 
Dichtungen Popes; altengl. textkrit Uebungen; engl, präkt. 
Uebungen. — Prdoc. Br an dl, hist. engl. Syntax. — Prof. 
Mussafia, franz. Formenlehre in ihrer histor. Entwicklung; 
Erklärung von Lafontaines Fabeln; Uebungen über französ. 
Etymol. — Prof. Lotheissen, Voltaires Leben u. Werke; 
franz. Metrik; Montesquieu Esprit des lois; prakt. französ. 
Uebungen. — Prdoc. J. U. Jarnik, histor. Grammatik des 
Rumän. — Prdoc. Ive, Gesch. der ital. Lit im 19. Jh. — 
Lect. C orne t, Gordonis Burbero beneficio; Erklärung ausgew. 
Stücke aus den Schriftstellern des 18. Jh.’s. 

Wfirzburg. Prof. L e x e r, Geschichte der altdeutschen 
Lit.; Forts, der Leotüre von Hartmanns Iwein; Forts, der 
Uebungen im 8em. für deutsche Philologie. — Prdoo. Seuf- 
fert, Entwicklungsgesch. der nhd. Dichtung mit bes. Rücks. 
auf Poetik u. Metrik; im Sem. für deutsche PhiloL: literar- 
histor. u. Stilist. Uebungen. — Prof. Mall, über Dantes Leben 
u. Werke u. Erklärung seiner Commedia; altengl. Uebungen. 

Zürich. Prof. 8chweizer-Sidler, latein. Gram¬ 
matik I. — Prof. Tobler, nhd. Grammatik 1. Th. (Laut- u. 
Formenlehre); Nibelungenlied. — Prof. Honegger, prakt 
Anleitung zur Behandlung des deutschen Stils; Goethe und 
Schiller mit bes. Rücks. auf den „Faust“ u. „Wallenstein“. — 
Prdoc. Stiefel, deutsche Dramatiker des 19. Jh.’s. — Prdoc. 
Bächtold, Einleitung zu Goethes Götz u. zur Iphigenia. — 
Prof. Breitinger, engl. Uebungen; Cursus für Vorgerücktere; 
cours frangais; la Ütterature frangaise du second empire; Or¬ 
lando furioso; ital. Uebungen (nach Breitingers „ital. Briefen“). 
— Prof. Settegast, altfranz. Literaturgesch. 1. Th. (epische 
Lit.); altfranz. Uebungen; Don Quijote. - Prdoc. Ulrich, 
Erklärung mittelfranz. Texte; Geschichte der itaL Literatur 
mit Erklärung von Proben, 1. Th.; rhäto-romanische Gram¬ 
matik u. Lectüre. — Prdoc. Ziesing, histoire de la littera- 
ture frangaise: la renaissance. 


NOTIZ. 

Den germanistiechen Theil redigirt Otto Behaahel (Heidelberg, Stndg&sse 5), den roministischeii und englischen Theil Fritz Neumahn 
(Freiburg l. B., Alberistr. 24). und man bittet die Beiträge (Kecensionen, kurze Notizen, Personalnachrichten etc.) dem entsprechend gefälligst zu adressiren. 
Die Redaction richtet an die Herren Verleger wie Verfasser die Bitte, dafür 8orge tragen zu wollen, dass alle neuen Werke germanistischen und 
romanistischen Inhalts ihr gleich nach Erscheinen entweder direct oder durch Vermittelung von Gebr. Hcnninger in Heilbronn zngesandt 
werden. Nur in diesem Falle wird die Redaction stets iro Stande sein, über neue Publicationen eine Besprechung o<ler 
kürzere Bemerkung (In der Bibliogr.) zu bringen. An Gebr. Henninger sind auch die Anfragen Ober Honorar und Sonderabzüge zu richten. 


Literarische Anzeigen. 


Verlag von GEBR. HENNINGEB in Heilbronn. 


Neu erschienen: 

Ueber Metrum und Assonanz der Chanson* de Geste 
„Amis et Atniles“. Von J. Schoppe. (Französische 
Studien HL Band 1. Heft. Einzelpreis M. 1,40.) 

Die südwestlichen Dialecte der Langue d’oYl. Poitou, 
Aunis, Saintonge und Angoumois. Von E. Goerlich. 
(Französ. 8tudien III. Bd. 2. Heft. Einzelpreis M. 4,80.) 

Der Sprachunterricht muss nmkehren! Ein Beitrag zur 
Ueberbürdungsfrage v. Quousque Tandem. Geh. 60 Pf. 

Grundzüge der deutschen Literaturgeschichte. Ein 
Hilfsbuch für Schulen und zum Privatgebrauch. Von 
Dr. Gottlob Egelhaaf, Professor am oberen Gyranas. 
zu Heilbronn. Zweite Auflage. Mit Zeittafel nnd Register. 
Geh. M. 2,—. 


Hinterlassene 

Bibliotheken 

und einzelne Werke kauft zu guten Preisen 

E. Weidlich’s Antiqu. in Leipzig, Markt 10. 


Bei J. Ricker in Giessen ist soeben erschienen: 

Pmtfdjce ^Sörterßudj 

von 

Dr. ffrtebridj fudroig Barl Hiciganb. 

Vierte Auflage. 

2 Bände. Mark 34. 

Von der Kritik einstimmig als das beste deutsche 
Wörterbuch anerkannt. 


Digitized by LjOOQie 




251 


1882. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


252 


Die 36. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner 


soll am 27. bis 30. September 1. J. in Karlsruhe abgehalten werden. Das Präsidium (Director Wendt 
in Karlsruhe und Geh. Hofrath Professor Wachsmuth in Heidelberg) ersucht die Herren Fachgenossen, 
welche Vorträge zu halten oder Thesen zu stellen gedenken, um baldige Anmeldung derselben. 


ftetbf t ’ffle Jge t fflflS^ a ttbfattg in gfte IBttrfl (gtabeii). 

Soeben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu 
beziehen: 

Baumgartner, S. J., Joost van den 

Vondel, sein Leben und seine Werke. Ein Bild 
aus der Niederländischen Literaturgeschichte. Mit 
Vondel’s Bildnis». 8". (XVI u. 379 8.) Ji. 4.40. 


Verlag von A. Deichert in Erlangen . 

Romanische Forschungen. 

Organ 

für romanisohe Sprachen und Mittellatein 

herausgegeben 

von 

Karl Vollmöller. 

I. 1 enthaltend: Dietrich, O., Ueber die Wiederholungen 
in den altfranzösischen Chansons de geste. — Hofmann,K. 

— Auraoher, T. M., Der Longobardische Dioskorides des 
Marcellus Yirgilius. — Baist, G., Die hochdeutsche Laut¬ 
verschiebung im Spanischen. — Hofmann, K. — Baist, G., 
Zum prorenzalischen Fierabras. — Baist, G., Etymologisches. 

— Hofmann, K., Ein provenzalisches Ineditum; Zur Er¬ 
klärung und Chronologie des Girart de Rossilho; Die Ety¬ 
mologie von tos. — Vollmöllor, K., Zum Joufrois und 
Baist, G., Berichtigungen. 

Lex. 8. (144 8.) M 5,- 


Gebr. Henninger in Heilbronn offeriren antiquarisch: 

1 Cursor Mundl. Edited by Richard Morris. Part. IV. 
(E. E. T. S. 65. Price 10/) 

1 Langlands Vision of Piers Plowman. Edited 

by Walter W. 8keat. Part. IV. Section I. — Notps to 
Texts A, B and C. (E. E. T. 8. 67. Prioe 15/) 

Beides ganz neu und unaufgeschnitten. 


Soeben erschien in meinem Verlage: 

Johann Jacob Wilhelm Heinse 

sein Leben nnd seine Werke 

Ein Kultur- und Literaturbild 

, von 

Johann Schober. 

Mit Heinse’s Portrait. 

In 8. eleg. br. M 5. 

Die 8turm- und Drangperiode der deutschen Literatur 
ist eine der interessantesten der Weltliteratur. Heinse, der 
Verfasser des „Ardinghello“, gehört zu den bestgelobten, 
aber auch zu den meist verklagtesten Männern jener Zeit. 
Der Aschaffenburger Professor Schober hat sich der Möhe 
unterzogen, aus bisher unbekannten Quellen uns das Lebens¬ 
bild des Dichters auf dem breiten Hintergründe der Kultur- 
nnd Literaturzustände des 18. Jahrhunderts zu zeichnen. 
Von hoher literarischer Bedeutung ist das Verhältnis Heinse’s 
zu unseren Dichterheroen. 

Wilhelm Friedrieh in Leipzig. 


Verlag von GEBR. HENNINGER in Heilbronn. 

Unter der Presse: 

Englische Studien. 

Organ für englische Philologie unter Mit- 
berüoksiohtigung des englischen Unterrichtes auf 
höheren Schulen. 

Herausgegeben von 

Dr. EUGEN KOLBING, 

ao. Professor der engl. Philologie an der Universität Breelan. 

V. Band. 2. Heft (8chluss). 


BARBOUR’S 

des schottischen Nationaldichters 

LEGENDENSAMMLUNG 

nebst den 

Fragmenten seines Trojanerkriegs. 

Zum ersten Mal kritisch herausgegeben 
von 

C. Horstmann. 

Zweiter Theil. 

Die 

nordische und die englische Version 

der 

Tristan-Sage. 

Herausgegeben 

von 

Engen Kölbing. 

Zweiter Theil: 

SIR TRIST RE M._ 

Abonnements^Braepemng. 

Literaturblatt 

für 

germanische nnd romanische Philologie. 

Unter Mitwirkung von Prof. Dr. Karl Bartsch 
herausgegeben von 

Prof. Dr. Otto Behaghel und Prof. Dr. Fritz Neumann. 

Abonnementspreis M. 5.— per Semester von 6 monatlichen 
Nummern von ca. 32 Spalten 4°. 

Einzelne Nummern werden nicht abgegeben. 

Es wird um rechtzeitige Erneuerung des Abonnements 
für das H. Semester des III. Jahrgangs ergebenst gebeten 
und zugleioh wiederholt dara